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CSU-Wahldebakel in Passau: Eine persönliche Wahlanalyse

17 Mär

Die Kommunalwahl 2014 zeigt: Der Wähler ist mündig geworden. Er lässt sich nicht durch Wahlkampf-Propaganda und Listen-Ordnungen beeinflussen, sondern er entscheidet bewusst, wem er seine Stimme gibt.

Früher war es für die CSU einfach: Armin Dickl sagte zur mir im Bundestagswahlkampf 2009. „Im Prinzip ist das Plakat egal – die Menschen wählen CSU und wenn eine Gabel auf dem Plakat abgebildet ist.“

Inhalte zählen

Wer heute noch nach diesem „Gabel-Prinzip“ politisch arbeitet, verliert. Dass es dem Wähler um Inhalte geht und um Köpfe, die diese auch gekonnt umsetzen, zeigt für mich das Beispiel der „Landshuter Mitte“. Der Bürger-Verein wurde bereits ein Jahr vor der Kommunalwahl gegründet und liefert seitdem wöchentlich gute Ideen für Landshut. Engagiert und mit viel Herz werden diese Überlegungen –für alle Bürger einsehbar- auf einem Blog präsentiert.

Weniger inhaltlich und wesentlich knapper vor der Wahl, nämlich knapp drei Monate vorher, präsentierte die CSU Passau ihre OB-Kandidatin: Rosemarie Weber, eine politische Quereinsteigerin.

Rosemarie Weber – das Opferlamm der CSU

Unermüdliche Wahlkämpferin wie hier am CSU-Infostand in der Neuen Mitte: Quereinsteigerin Rosemarie Weber (Quelle: Screenshot von offizieller Facebook-Seite der Kandidatin)

Unermüdliche Wahlkämpferin wie hier am CSU-Infostand in der Neuen Mitte: Quereinsteigerin Rosemarie Weber (Quelle: Screenshot von offizieller Facebook-Seite der Kandidatin)

Mein Fazit nach der Kommunalwahl: Respekt an Rosemarie Weber, die unermüdlich Wahlkampf betrieben hat und einen enormen persönlichen Einsatz gebracht hat! Doch das hat alles nichts gebracht, am Ende 18,4% für die Quereinsteigerin. Der Amtsinhaber Dupper (64,6%) von der SPD konnte nicht, wie erhofft von der CSU, in die Stichwahl gezwungen werden.

Vom CSU-Wahldebakel ist nun die Rede. Rosemarie Weber spricht zwar immer von ihrem hervorragenden Team, das hinter ihr stand. Aber ich meine, ein wirklich kompetenter Coach hat ihr gefehlt…

Die CSU-Passau war froh, dass Weber diesen „Opfergang“ (Zitat Oberreuter) angetreten hat. Wie ein Lamm wurde sie auf die Schlachtbank, in die Kommunalwahl geführt – dankbar, dass sie den Gang zur Schlachtung vermutlich auch noch selbst finanziert hat. (Es wird gemunkelt, dass der Waschler-Landtagswahlkampf das CSU-Budget verschlungen haben soll.)

„Landshuter Mitte“ zeigt wie’s funktioniert

Die Bürger wollen keine „CSU-Gabeln“ mehr wählen, sie wollen kluge Köpfe, die ihre Inhalte auch gekonnt präsentieren. Social Media ist ein kostengünstiges Instrument hierfür. Die „Landshuter Mitte“ zeigt, dass im Social Web mehr möglich ist als Bilder von Wahlkampfveranstaltungen zu präsentieren.

Das alles kann eine Quereinsteigerin nicht alleine bewältigen! Sie hätte ein kompetentes Team hinter sich gebraucht: Ein Team, das ihr ehrlich auch ihre Grenzen aufgezeigt hätte – z. B. dass die Rede am Politischen Aschermittwoch vielleicht eine Nummer zu groß für sie war.

Mein Wunschkatalog an die CSU Passau-Stadt

Für mich ist klar, wer das Wahl-Debakel zu verantworten hat und ich würde mir daher wünschen:
1. Die Rolle von CSU-Vorsitzendem Waschler sollte neu überdacht werden.

2. Rosemarie Weber sollte CSU-Fraktionsvorsitzende werden – so zeigt die CSU, dass sie nachhaltig hinter ihrer OB-Kandidatin steht und sie nicht nur als „Opferlamm“ missbraucht hat.

3. Die CSU sollte ehrliche Wahlanalyse betreiben und fähigen Leuten Positionen geben.

Persönlich würde ich mir z. B. Georg Steiner als Pressesprecher wünschen. Die Passauer haben ihm das Vertrauen ausgesprochen und von Platz 15 auf Platz 9 „vorgewählt“.

Ein weiteres Fazit: Bürger wollen Politiker, die auch beruflich erfolgreich und nicht auf politische Ämter wirtschaftlich angewiesen sind. Der Bürger ist mündig geworden – die von den Parteien festgelegte Listen-Ordnung wurde gründlich in Frage gestellt.

Die “Landshuter Mitte” trat übrigens zum ersten Mal an und hat auf Anhieb fünf Stadtratsmandate errungen – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle nach Landshut!

 

Sterben 2.0: Darf ich Bilder “live” von einer Beerdigung posten?

25 Sep

Da das Sterben bekanntlich zum Leben gehört, hat es auch in das Web 2.0 Einzug gehalten.

Wie sehr Altbischof Eder von seinen Diözesanen geschätzt wurde, zeigten u. a. die Einträge im Kondolzenzbuch, das im Passauer Stephansdom aufgelegt war.

Wie sehr Altbischof Eder von seinen Diözesanen geschätzt wurde, zeigten u. a. die Einträge im Kondolzenzbuch, das im Passauer Stephansdom aufgelegt war.

Ich gehöre nicht unbedingt zu den Personen, die gerade wenig in sozialen Netzwerken posten. Aber ich habe meine Grenzen! Dieser Rubikon wurde bei mir ganz deutlich überschritten, als ich Bilder von der Beerdigung des von mir hoch geschätzten Altbischof von Passau, Franz-Xaver Eder, auf Facebook (FB) entdeckte.

Und dabei meine ich nicht Bilder, die die bischöfliche Pressestelle angefertigt hat und die ich dann über Accounts befreundeter Priester in meiner Timeline entdeckte.

Nein, es geht mir konkret um das Foto einer Passauer Geschäftsfrau (Näheres möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich niemanden bloß stellen will), die während(!) des Requiems ein Foto von ihrem Sitzplatz aus auf FB postete: Zu sehen ist dabei deutlich der Sarg, wie er vorm Volksaltar aufgestellt war.

Social Media raubt jegliches Gefühl für den Augenblick

Bitte, versteht mich nicht falsch: Es geht mir nicht um das Bild von einem Sarg. Es geht mir vielmehr darum, wie uns soziale Medien jegliche Sakralität, das Gefühl für den Augenblick rauben. Wo bleibt die persönliche Einkehr, das Gebet für den Verstorbenen?

Warum gehe ich auf eine Beerdigung/ ein Requiem? Nur um sehen und gesehen zu werden? Wohl kaum. Aber genau das drückt dieser Post für mich aus.

Wenn ich eine Beerdigung besuche, erweise ich dem Verstorbenen die letzte Ehre. Wenigstens für diese wenige Minuten des Gottesdienstes verzichte ich auf den Gebrauch meines Smartphones. Ich möchte mich einlassen auf die Liturgie und durch Gebet und Gesang an ihr teilhaben. Und selbst wenn ich nicht der jeweiligen Religion angehöre, kann ich die Trauerfeierlichkeit mit positiven Gedanken an den Verstorbenen begleiten.

Wenn ich ein Bild mit meinen „Freunden“ von diesem wichtigen Ereignis teilen möchte, kann ich sicher auch warten, bis ich zu Hause am PC sitze und die Presse ihre Artikel ins Web gestellt hat.

Medienkompetenz bedeutet manchmal nur Menschenverstand gebrauchen

Wie gesagt, ich bin bestimmt kein Kind von bescheidener Selbstdarstellung im Web 2.0. Aber wann ich auf Twitter, Facebook und Co zu schweigen habe, das weiß ich. Das Beispiel zeigt für mich, dass Medienkompetenz auch manchmal nur einen normalen Menschenverstand bedingt. Schon als kleine Kinder lernen wir, wie wir uns bei einer Beerdigung/ im Gotteshaus zu verhalten haben. Auch wenn uns unsere Eltern damals noch nicht das Posten mit Smartphones verboten haben, weil es das eben noch nicht gab!

FAZIT Vor dem Posten einfach einmal Köpfchen einschalten!

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In meiner Blog-Serie “Sterben 2.0″ bisher veröffentlicht:

Fluthilfe revidiert meine Meinung über soziale Medien

21 Sep

Rund 100 Tage ist die “Flut” her. Zeit, einmal Bilanz zu ziehen – vornehmlich über die Engagment für und um die Fluthilfe in sozialen Medien.

1. Über den Wahrheitsgehalt von Informationen in sozialen Medien

Die Schleuse Kachlet während der "Jahrtausendflut".Meinem Post muss ich vorwegschicken, dass ich von Natur aus ein gutgläubiger Mensch bin. Da die Stadt Passau bis dato keinen richtig guten Auftritt in sozialen Medien hat, waren wir auf Postings von Privatleuten angewiesen. Dies geschah bei mir vornehmlich über die Gruppen „Infoseite – Hochwasser 2013 Bayern“ und „Fluthelfer Passau“.

Wann und wo werden Leitungswasser und Strom abgestellt? Der Aufruf zum Wassersparen, Postings von Wasserausgabeorten – das alles geschah über Facebook (FB). Twitter ist bei den Passauern wohl noch nicht so angekommen ;)

Nun gut, ich bin schon an normalen Tagen äußerst Social-Media-affin… Aber in den Hochwasser-Tagen war mein Konsum extrem.

Katastrophale Rechtschreibung mit dem Klassiker der das-und-dass-Schwäche ist ja noch harmlos. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch bei der niederbayerischen Jugend, die mich, in diesen Tage gelehrt hat, dass Sätze ohne der, die, das gebildet werden: „Was geht Kachlet?“

Panikmache via FB

Ja, was geht Kachlet… (Für alle OrtsUNkundigen, das Kachlet ist ein Schleusenkraftwerk im Passauer Westen, wo ich wohne.) Das Kachlet ist hochwassererprobt. Die Wehre müssen geöffnet werden, egal wie viel Wasser dann Richtung Altstadt fließt. Dass diese Fluten bei dieser Jahrtausendflut enorm waren, ist logisch.

Urplötzlich tauchte in FB das Gerücht auf, das Kachlet könnte den Fluten nicht mehr Stand halten. Ich, als gutgläubiger Mensch dachte, an der Sache könnte was dran sein. Denn welcher Mensch würde in einer solchen Katastrophen-Situation so grausam sein und seine Mitmenschen auch noch mit falschen Gerüchten quälen?

Falsch gedacht: Krönung war für mich folgender Post:

Leider verbreiteten sich auch "Horror-Falschmeldungen" über soziale Medien.

Leider verbreiteten sich auch “Horror-Falschmeldungen” über soziale Medien.

Spätestens jetzt war mir klar: An dem Gerücht ist nichts dran. Welcher Experte würde davon sprechen, dass eine Staustufe „bricht“ und dann auch noch genau „ab 20h“.

Vielen Dank an dieser Stelle an all diese Menschen da draußen, die uns Passauern noch zusätzlich Angst gemacht bzw. versucht haben!

FAZIT Krisenkommunikation via Social Media funktioniert nur bedingt!

2. Fluthilfe als Hilfe zur Selbstdarstellung?

Die Selbstdarstellung im Social Web ist ja auch sonst nicht ohne. Aber ich für meinen Teil konnte bei den eigentlichen Hochwasser-Einsätzen nicht auch noch darauf achten, das “passende” Bild für Facebook und Co zu machen. Deswegen fehlen auch bei meiner Fluthelfer- Reportage einige Bilder, wie ich anmerkte.

Umso trauriger finde ich persönlich, dass es politische (Jugend)gruppierungen geschafft haben, genau solche Fotos hochzuladen. Ich habe sehr genau hingesehen und festgestellt, dass so ein Einsatz z. B. nur an einem Tag stattfand. Imposante Fotos davon ins Netz zu stellen, finde ich umso beschämender, wenn Studenten zum Teil mehrere Tag hintereinander bis zur gänzlichen Erschöpfung als Fluthelfer im Einsatz waren. Ist doch Passau “nur” ihre Universitätsstadt, für die anderen aber ihre Heimat…

Sicherlich geht es jetzt nicht darum, hochzurechnen, wer wie viele Stunden aktiv Fluthilfe geleistet hat – aber nachdenklich macht es mich schon. Helfen machen nur, um dokumentieren zu können, dass sie geholfen habe?

Ähnlich kritisch sehe ich im Übrigen auch die jetzt aufkommenden Ehrungen durch Stadt und Staat. Ganz bewusst habe ich z. B. NICHT am Helferfest der Stadt Passau teilgenommen. Ich war gern als Fluthelfer im Einsatz und bemühe mich nach meinen Kräften auch noch heute, Betroffenen zu helfen.

Statt einer Maß auf der Dult hätte ich z. B. lieber Unterstützung für meine Spendenaktion gehabt!

3. Keine Unterstützung für meine Ebay-Auktion

Wie man hier nachlesen kann, habe ich einen selbstgefertigten Passau-Scherenschnitt auf Ebay für die Fluthilfe der Passauer Neuen Presse (PNP) versteigert. Gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber ich möchte behaupten, dass das schlicht-klassische Design wohl in viele Einrichtungsstile passt. Mit der Endsumme der Versteigerung war ich nicht wirklich zufrieden. (An dieser Stelle jedoch ein großes Dankeschön an den Berliner Käufer, der mich lediglich über Twitter “kennt” und noch einen Extra-Betrag gespendet hat.)

Diesen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigerte ich auf ebay für die Hochwasseropfer - leider ohne jegliche Unterstützung im Social Web

Diesen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigerte ich auf ebay für die Hochwasseropfer – leider ohne jegliche Unterstützung im Social Web

Er war auch einer von wenigen, der die Aktion im Netz überhaupt verbreitet – sie retweetet hat. Von den Politikern in meiner Timeline oder in meiner Freundesliste hat sich niemand bemüßigt gefühlt, meine Aktion zumindest zu teilen – das hat mich persönlich sehr enttäuscht. Gut, jetzt könnte das Argument kommen, die haben die Sache vielleicht nicht mitbekommen… Aber ich habe meine Auktion zumindest an die Facebook-Pinnwand von “City Marketing Passau” (CMP) und diversen Seiten der PNP gepostet (und den offizillen Twitter-Account der Stadt Passau angetwittert). Auch von dieser Seite keine Unterstützung in der Form, dass mein Post geteilt worden wäre.

FAZIT Da der Wille bekanntlich für’s Werk zählt, habe ich zwar nur 30€ an die PNP-Fluthilfe überweisen können – aber für mich als Promotionsstudentin ist im Moment einfach nicht mehr drin. Nachdenklich macht mich die Nicht-Unterstützung von PNP und CMP, da diese Institutionen sich die Hochwasser-Hilfe groß auf ihrer Fahnen geschrieben haben.

Und so ist insgesamt mein Fazit zu “Social Media und Hochwasser” ernüchternd: JA, durch Social Media gab es Informationen – aber vielleicht auch zu viele!? Die Zeit für über soziale Medien vermarktete Spendenaktionen scheint noch nicht reif zu sein – ob das zum Teil an mangelnder Medienkompetenz liegt, möchte ich nicht bewerten.

Mein Wochenende als Burgsanierer auf Falkenstein i. M.

10 Sep

„Nicht nur drüber reden, sondern selbst anpacken“, das ist Gregors Motivation, am Sanierungswochenende auf Burg Falkenstein teilzunehmen. Der Oberösterreicher hat vor wenigen Wochen sein Magister-Studium in Geschichte an der Uni Wien abgeschlossen und ist seit zwei Jahren regelmäßig auf Falkenstein, um die Burgruine zu renovieren.

Sein Studien-Schwerpunkt war mittelalterliche Geschichte – klar, dass er die Baugeschichte von Falkenstein im Mühlkreis kennt: „Ursprünglich war Falkenstein eine bayerische Gründung aus dem 12. Jahrhundert.“ Schön also, dass sich heute Oberösterreicher und Bayern gemeinsam für den Erhalt der Burgruine einsetzen!

Passauer „Stadtfuchs“ Koopmann engagiert sich für Falkenstein

Historiker Gregor ist schon seit rund zwei Jahren regelmäßig bei Sanierungswochenenden auf Burg Falkenstein.

Historiker Gregor ist schon seit rund zwei Jahren regelmäßig bei Sanierungswochenenden auf Burg Falkenstein.

Treibende Kraft ist Matthias Koopmann, der den Passauern als „Stadtfuchs“ und Stadtrat bekannt ist. Der Praehistoriker hat den Burgerhaltungsverein in Oberösterreich gegründet. Seit es diesen Verein gibt, kommen regelmäßig Freiwillige wie Gregor nach Falkenstein, um unentgeltlich die Burgruine zu renovieren. Viele sind „Wiederholungstäter“ – wie etwa der zigarillorauchende Wulf, der jedes Mal extra aus Wien anreist.

Am vergangenen Wochenende war auch ich dabei. Der Verein übernimmt für die freiwilligen Helfer lediglich Kost und Logis. Doch an diesem Wochenende habe ich noch so viel mehr bekommen: Einblick in die Restaurierung mittelalterlichen Bauwerks und Arbeiten in einer tollen Gemeinschaft.

Freiwillige Helfer aller Altersschichten

Mit Schutzhelm und Arbeitshandschuhen reinige ich die historischen Fugen der Burgruine, bevor sie neu verfugt werden können.

Mit Schutzhelm und Arbeitshandschuhen reinige ich die historischen Fugen der Burgruine, bevor sie neu verfugt werden können.

„Diese Mauer habe ich beim vergangenen Renovierungswochenende verfugt“, erzählt mir Ingrid und zeigt stolz auf „ihre“ Mauer. Dort soll ich heute weitermachen: Das Mauerwerk zunächst vom Moosbewuchs befreien und Fugen ausreinigen; erst dann kann neu verfugt werden.

Ingrid ist 70 Jahre alt, aber ihr Arbeitseifer ungebrochen: „Wenn du dich nicht auf die Leiter traust, mache ich das!“ Ich überlege kurz, möchte mich dann jedoch nicht blamieren und klettere auf die Leiter. „Immer langsam“, sagt Ingrid „du musst auf hier auf jeden Schritt achten.“ Denn in der Ruine liegen unzählige Steine, die ursprünglich Teile des Mauerwerks waren. Jeder Schritt auf diesen Steinen will wohl überlegt sein, nicht dass sich plötzlich etwas löst. Am Besten bewegt man sich nur mit Helm an den Überresten, denn es könnten Steine aus dem noch nicht gesicherten Mauerwerk herausbrechen.

Ich bin froh um meine Arbeitshandschuhe, denn die Jahrhunderte haben den Fugen ganz schön zugesetzt: Erdreich, das zum Teil von dicken Wurzeln umschlossen ist. Dazwischen läuft auch das ein oder andere Getier herum. Seit rund 100 Jahren haben dort nur Spinnen, Asseln und Co gelebt und das sieht man leider auch deutlich!

Konservierung nicht Wiederaufbau als Ziel

Rekonstruktion von Burg Falkenstein - heute ist nur mehr eine Ruine übrig.

Rekonstruktion von Burg Falkenstein – heute ist nur mehr eine Ruine übrig.

Naiv-unwissend frage ich Gregor: „Und das wollt ihr alles wieder aufbauen?“ „Nein“, erklärt er mir: „Das wäre mit unseren bescheidenen Mittel auch gar nicht möglich. Ziel ist die Absicherung und Konservierung der Ruine.“

Falkenstein ist noch heute in Besitz der Grafen von Salburg-Falkenstein, die die Burg zunächst als Pfleger bewohnten und sie Ende des 16. Jahrhunderts schließlich übernehmen konnten. „Dann wurden Burgen unmodern und die Grafen Salburg wollten ein Schloss,“ weiß Gregor. Dort auf Schloss Altenhof wohnen Graf und Gräfin noch heute – nur einige hundert Meter von der Burg entfernt. Bis etwa gegen Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Falkenstein sogar noch ein Dach, doch dann verfiel die Burg immer mehr.

Möglichst genaue historische Rekonstruktion des Mauerwerks

Stadtfuchs Matthias Koopmann leitet die Sanierungsarbeiten fachmännisch an.

Stadtfuchs Matthias Koopmann leitet die Sanierungsarbeiten fachmännisch an.

Matthias Koopmann tat dieses Kleinod, das rund 40km östlich von Passau liegt, leid und so initiierte er nicht nur den Verein, sondern leitet heute die freiwilligen Helfer während der Sanierungswochenenden fachmännisch an. „Es geht nicht darum, ein paar Quadratmeter Mauerwerk auf einmal auszufugen, sondern dies möglichst originalgetreu zu tun“, so Koopmann. Selbst der Mörtel wird nach alter „Originalrezeptur“ angerührt. Um die alten Fugen zu schließen, müssen zunächst passende sog. „Zwicklsteine“ gesucht werden. Genug Steine liegen in der Ruine herum – aber genau den passenden zu finden, das kann etwas länger dauern…

Geschichte wird auf Falkenstein erfahrbar

Überhaupt empfinde ich die Arbeit auf der Burgruine als entspannend und perfekte Alternative zur Uni: Mit eigenen Händen das schützen und bewahren, was unsere Vorfahren geschaffen haben und wir sonst nur aus Büchern kennen. Auf Falkenstein wird Geschichte erfahrbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Das fasziniert nicht nur Historiker wie Gregor und mich, sondern auch die anderen Helfer mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen. So ist Stimmung gut, als wir am Abend beim Essen zusammensitzen. Als Wulf sich die letzte Zigarillo des Tages anzündet, sind wir alle stolz auf unser „Tagwerk“, das wir gemeinsam geschafft haben. Perfekter könnte mein Wochenende nicht gewesen sein: Sich engagiert und neue, nette Menschen kennengelernt zu haben!

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Selbst am Sanierungswochenende teilnehmen

Wer selbst einmal diese tolle Erfahrung machen und an einem Sanierungswochenende teilnehmen möchte, meldet sich am Besten bei Matthias Koopmann.

Werden Sie auch Fan von Burgruine Falkenstein i. M. auf Facebook – dort werden alle aktuellen Termine veröffentlicht. Natürlich können Sie den Verein auch unterstützen, indem Sie Mitglied werden. Alle Infos finden Sie hier.

Besuchen Sie Falkenstein am 29.09.!

Wer sich dafür interessiert, was der Erhaltungsverein gemeinsam mit den freiwilligen Helfern schon geschafft hat, kann sich davon am Sonntag, 29. September ein Bild machen. Ab 9h ist die Burgruine am „Tag des offenen Denkmals“ zugänglich. Geboten ist Einiges – u. a. kann Alt und Jung sich bei Gregor im Bogenschießen versuchen.

Hochwasser-Hilfe für Passau: Ebay-Auktion mit selbstgefertigtem Scherenschnitt

6 Aug

Wenn jetzt die Urlaubszeit anbricht, haben wir uns selbstverständlich alle eine Pause verdient. Doch wir sollten auch nicht die Menschen vergessen, die sich heuer und vielleicht auch die kommenden Jahre keinen Urlaub mehr leisten können – etwa weil sie beim Jahrtausendhochwasser alles verloren haben. Auch und gerade weil die “Jahrtausenflut” aus den Schlagzeilen der Medien verschwunden ist.

Oft werde ich außerhalb meiner Heimatstadt gefragt, ob meine Familie selbst vom Hochwasser betroffen ist und wie es nach den Rekord-Pegel-Ständen in der Dreiflüssestadt aussieht. Da uns die Fluten verschont haben, liegt mir nun eines am Herzen: Unser Passau soll bald wieder so schön werden wie früher!

Passau räumt weiter auf

Der Schlamm ist mittlerweile von den Straßen gespült und das öffentliche Leben läuft weiter: Alle Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten sind wieder zugänglich, was insbesondere für den Tourismus der Dreiflüssestadt von hoher Bedeutung ist. Passau lohnt wirklich jederzeit einen Besuch – gerade jetzt nach dem Jahrtausendhochwasser unterstützen Sie so unsere schöne Stadt!

Aber wenn man genau hinsieht und die Stadt von Kindesbeinen an kennt, ist klar: Bis es wieder so aussieht wie vor der Flut, brauchen wir v. a. eins: SPENDEN, SPENDEN, SPENDEN!

Betroffene brauchen jetzt (Geld)Spenden

In den ehemals überschwemmten Privat- und Gewerberäumen laufen die Renovierungen auf Hochtouren. Da muss der Putz heruntergehauen und Wände getrocknet werden. Oftmals ist noch viele Monate nicht an “normales” Wohnen oder Geschäftsleben zu denken.

Dieser von mir selbstgefertigte Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigere ich auf ebay für die Hochwasseropfer.

Ich selbst war als “Fluthelferin” im Einsatz (wie ich hier berichte) und habe hier gebloggt, wie das Leben mit und an drei Flüssen in Passau ist. Aber jetzt brauchen die Betroffenen in erster Linie Gelder, um ihre geschädigten Häuser und Wohnungen zu renovieren bzw. wieder bewohnbar zu machen.

Scherenschnitt “Made in Passau” passt zu jeder Inneneinrichtung

Um meinen persönlichen Spendenbeitrag als Promotionsstudentin etwas steigern zu können, habe ich mir überlegt, einen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt der Passauer Skyline auf Ebay anzubieten. Der Erlös geht an Hochwasseropfer in Passau. Hier geht’s direkt zur Ebay-Auktion.

Der Scherenschnitt ist ein traditionelles Kunsthandwerk. Wie der Name schon sagt: Das Motiv habe ich mit einer (Nagel)schere aus Papier geschnitten. Ich habe mich für das “klassische” schwarz des Scherenschnittpapiers entschieden und einem schlichten silbernen Rahmen – so passt das 10×15 große Bild wirklich zu jedem Einrichtungsstil.

Also quasi ein “einmalige” Chance ein schönes Passau-Bild “Made in Passau” zu ersteigern ;)

***Eine BITTE: Wer meinen Scherenschnitt selbst nicht steigern möchte, dann bitte fleißig im Social Web teilen – Danke***

Passau räumt auf: Einsatz als Fluthelfer in “Bernhard’s Corner Shop”

7 Jun

„Wenn das meine Schwiegermutter sehen würde… Ich glaube, wir dürfen ihr gar keine Bilder vom Laden zeigen“, sagt Susi. Sie ist die Frau von Bernhard, dem Besitzer des kleinen Tante-Emma-Ladens „Bernhard’s Corner Shop“* am Oberen Sand in Passau.

Vor "Bernhard's Corner Shop" am Oberen Sand trocknet das Mobiliar.

Vor “Bernhard’s Corner Shop” am Oberen Sand trocknet das Mobiliar.

Bei Bernhard holt man sich die ein oder andere Flasche Bier, um an der nahe gelegenen Innpromenade mit Freunden zusammenzusitzen. Jetzt kann man weder an der Innpromenade sitzen, weil dort noch die schlammigen braunen Hochwasserfluten ihre Spuren hinterlassen haben. Und Bernhard kann derzeit nichts verkaufen – auch nicht die Dinge für den täglichen Bedarf, mit denen sich die Bewohner der Passauer Altstadt sonst so gerne bei ihm eindecken. „Bernhard’s Corner Shop“ mit seinem Retro-Charme, das ist eine kleine Passauer Institution und deswegen helfen die Anwohner jetzt. „Ihr“ Laden wurde beim Jahrtausendhochwasser überflutet.

Bis dato keine Erfahrung mit Hochwasser

„Nur beim Hochwasser von 1954 hatte meine Schwiegermutter, die den Laden gegründet hat, hier das Wasser drin“, sagt Susi. Deswegen trifft Bernhard das Hochwasser nun besonders hart, da er im Gegensatz zu anderen Ladenbesitzern, die näher an Donau oder Inn liegen, keine Erfahrung mit den schlammigen Fluten hat.

Rein zufällig bin ich am Dienstag zu den Aufräumarbeiten im Laden gestoßen. Ich habe einfach gefragt, ob hier Hilfe benötigt wird. „Hast du Gummistiefel an? – Dann rein mit dir!“ Eine Treppenstufe führt nach unten in den Ein-Zimmer-großen-Verkaufsraum an der Ecke zur Theresienstraße. Zu diesem Zeitpunkt steht das schlammige Innwasser noch gummistiefelhoch in „Bernhard’s Corner Shop“. Bis zur Mitte des Schaufensters stand es dort bei der Scheitelwelle des Inns.

Zugegeben, ich hatte keine Vorstellung davon, was mich in der überfluteten Passauer Altstadt erwarten wird. So war ich im ersten Moment doch etwas geschockt, als ich die Verwüstung des kleinen Ladens näher betrachte. Im schlammig-braunen Hochwasser schwimmen Getränkedosen, diverse andere Lebensmittel – aber auch Glasscherben.

Große, kleine Gesten in der Katastrophe

Als ich noch die Lage sondiere, spricht mich eine Frau freundlich von der Seite an: „Schön, dass du uns hilfst.“ Die Frau zieht ihre gelben Gummihandschuhe aus und reicht mir die Hand. Welch eine freundliche Geste denke ich, angesichts des katastrophalen Zustandes des Ladens. „Ich bin Susi, Bernhard’s Frau. Könntest du bitte einen Müllsack suchen und den Müll aus dem Wasser fischen?“

Innerhalb von nur einiger Minuten schmeißen wir so Lebensmittel im Wert von sicher einigen hundert Euro weg. Derweil sind es „nur“ Lebensmittel, was da im Wasser treibt. Was, wenn ich einem Privathaus stehen und persönliche Erinnerungen in den blauen Müllsack stopfen müsste?

Alle helfen zusammen

Studenten und Einheimische helfen zusammen. Das Hochwasser wird mit Eimern aus "Bernhard's Corner Shop" geschöpft.

Studenten und Einheimische helfen zusammen. Das Hochwasser wird mit Eimern aus “Bernhard’s Corner Shop” geschöpft.

Kartons sind aufgequollen, Verpackungen verdreckt vom Schlamm. Die Sicht im überfluteten Laden ist nicht optimal – der Strom ist abgestellt, es gibt kein Licht und Leitungswasser zum Putzen. Währenddessen schöpft ein Schulleiter mit einem Eimer unermüdlich das Hochwasser aus dem Laden. Das ist echte Knochenarbeit. Der „Pauker“ wohnt in der Nachbarschaft. Jetzt helfen alle zusammen: Alteingesessene Passauer, Bewohner, Studenten, Schüler.

Helena z. B. hätte heute eigentlich mündliche Abiturprüfung. Doch die Gymnasien in der Altstadt stehen noch unter Wasser. Respekt, dass sie die zusätzliche Zeit nicht zum Lernen nutzt, sondern anpackt!

Nachdem ein Großteil des Mülls aus dem Wasser gefischt ist, fangen wir an mit einem Besen das Wasser in die Mitte des kleinen Ladens zu „kehren“. Die anderen Helfer schöpfen derweil weiter das Wasser mit Eimern aus dem Laden. Eine Pumpe kann nicht aufgetrieben werden.

Herber Rückschlag für den kranken Bernhard

So wie das Bernhards "Schuldenheft" sind alle Unterlagen in den Fluten verschmutzt und durchnässt worden.

So wie das Bernhards “Schuldenheft” sind alle Unterlagen in den Fluten verschmutzt und durchnässt worden.

Bernhard steht fassungslos vor dem Corner Shop, der seinen Namen trägt. Der schmächtige Ladenbesitzer ist gesundheitlich ohnehin stark angeschlagen, erst seit einigen Wochen aus dem Krankenhaus entlassen. Das Hochwasser in seinem Laden ist für ihn also nochmals ein schwerer Rückschlag. Zumal er an jedem Einrichtungsteil in seinem Laden aus den 1960er Jahren hängt. Stimmig hat er den Verkaufsraum liebevoll mit allerhand Retro-Accessoires dekoriert. „Alles nach und nach auf Flohmärkten gekauft“, erklärt Susi. Die kleinen Blechschachteln und Schilder sind von Schlamm beschmiert. Die Retro-Poster an den Wänden durchnässt. Sie müssen runter. Das Wasser stand schließlich mannshoch im Laden. Die Schachteln wasche ich aus und hoffe, dass sie nach dem Trocknen keinen Rost ansetzen. Zu wenig wird Bernhard wohl ohnehin von seinem „alten“ Laden bleiben. Ob das Mobiliar nach dem Trocken noch zu gebrauchen ist?

Quer über den Verkaufsraum hat das Hochwasser Bernhards Theke gespült. Von ihr will sich Bernhard auf keinen Fall trennen – noch nicht. Also wird darum herum geschrubbt und geputzt. Doch nachdem mühevoll das Wasser immer mehr hinausgeschöpft ist, wird klar, dass die Theke weichen muss. Das massive Holzteil ist zu schwer um es hinauszutragen, es muss an Ort und Stelle klein gehackt werden.

Die einen helfen, die anderen plündern

Vor dem Laden lagern Dinge, die aus den Fluten gerettet werden konnten und dort trocknen sollen. Als ich einen Eimer Wasser in den Gully kippe, fällt mir ein Mann mit weißen Turnschuhen auf. Geputzt hat der damit sicher nicht, denk ich mir. Er schleicht zu den wenigen Habseligkeiten, die Bernhard noch geblieben sind. Mit einer Seelenruhe fängt der schwarzhaarige Turnschuhträger an darin zu wühlen. Ich frage ihn mit Nachdruck: „Und das wollen Sie jetzt mitnehmen?“ „Ja“ grinst er mir frech ins Gesicht. Zum Glück bemerkt Susi die Situation, denn ich hätte angesichts soviel Unverfrorenheit keinen Ton mehr heraus bekommen. Doch jetzt zeigt auch Susi Emotionen. Die Frau, die so besonnen und freundlich wirkt trotz der miserablen Situation, in der sich ihr Familienbetrieb befindet, schreit nun los: „Das ist das Allerletzte! Schau, dass du wegkommst!“ – sie zieht jetzt abermals ihre gelben Spülhandschuhe aus und wirft sie nach dem Plünderer. Dann brechen bei ihr alle Dämme. Wir Helfer versuchen sie zu trösten. „Ihr alle, die ihr dasteht – allen ein herzliches Dankeschön!“, schluchzt sie.

Solidarität Passau+++ Hilfe für “Bernhard’s Corner Shop”

–> *Sie wollen Bernhard Riederer helfen?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich auf das Helfen und nicht Fotografieren konzentriert habe. Zudem wollte ich Bernhard in dieser Situation nicht vor die (Handy)Kamera holen.

Seine Mitarbeiterin, Michaela Wagner, hat ein Spendenkonto für ihn eingerichtet:

Kontoinhaber: Michaela Wagner

Kennwort: Hochwasser-Hilfe Bernhard Riederer

Kontonummer: 30366959

BLZ 74050000

Sparkasse Passau

++++ Am Samstag, 8. Juni 2013, findet ab 17h eine Feier in Bernhard’s Corner Shop statt. Getränke sind gratis um Spenden wird gebeten.

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BEMERKUNG: Bernhard ist nur ein Einzelschicksal. Meine ganze Heimatstadt ist verwüstet. Wir uns Passauern helfen will:

Stiftung der Passauer Neuen Presse
Kennwort: PNP-Fluthilfe
Kontonummer: 30 365 373
BLZ 740 500 00
Sparkasse Passau

Für Spenden aus dem Ausland:
IBAN: DE30740500000030365373
BIC: BYLADEM1PAS

„Jahrtausendflut“ in Passau: Leben mit und von den Flüssen

3 Jun

Im ARD-Brennpunkt hat es heute Abend geheißen, dass Passau zum letzten Mal 2002 vom Hochwasser betroffen gewesen sei. Das ist nicht nur sprachlich falsch (es kann nicht das letzte Mal heißen, wenn es Wiederholungen gibt), sondern auch inhaltlich.

Wir Passauer leben mit unseren drei Flüssen und somit auch mit dem Hochwasser. Auch wenn meine Familie nicht in der Altstadt wohnt, sind wir immer indirekt vom Hochwasser betroffen ist. „Rien ne va plus“ heißt es dann für viele Straßen und Gassen der Innenstadt. Nach starken Regenfällen ist die Situation routiniert. So war es auch dieses Mal.

Hauptsächlich via soziale Medien wurde ich zu Beginn dieser „Jahrtausendflut“ gefragt, wie es in Passau mit dem Hochwasser gehe. „Daily Business“ habe ich geantwortet.

Wir haben aus 2002 gelernt

In der Tat: Die vornehmlich Andenkenläden, Restaurants, Ateliers in Wassernähe sind vorbereitet – schnell können sie ihre Räumlichkeiten im Hochwasserfall räumen. Seit 2002 haben einige von ihnen (wie z. B. das Restaurant Croatia) spezielle Hochwasserwände installiert. Wir Passauer sind vielleicht sture Niederbayern, aber sicher nicht dumm… Natürlich haben wir uns nach 2002 Gedanken gemacht – auch wenn das jetzt vielleicht nicht so aussieht! Wenn aber die Hochwasserwände im Gastraum installiert sind, wie im Croatia, nun aber das Wasser bis zum 2. Stock reicht – dann hilft leider nichts mehr.

Dass das Wasser immer weiterstieg und stieg und stieg, das haben wir nicht erwartet. Schon im Kindesalter habe ich Geschichten über unser Jahrhundertwasser aus dem Jahr 1954 gehört. Mein Opa war damals als Fluthelfer im Einsatz. „Damals liefen Donau und Inn in der Stadt zusammen“ – das war immer das 1954-Horrorszenario. Dass sich dieses einmal wiederholen, gar übertreffen werden wird, damit hat hier irgendwie niemand gerechnet.

Zusammenfluss von Donau und Inn als Horrorszenario

Als dann heute Vormittag Donau und Inn in der Fußgängerzone zusammenliefen, war meine Angst groß. Darauf war ich ja quasi schon seit Kindertagen konditioniert.

Schon gestern Abend stand fest, dass die Hochwassermarke von 1954 getoppt werden würde. Für mich war das auch schon ein paar Stunden vorher klar, dass es nun brenzlig wird, nämlich als schulfrei gegeben wurde.

Nie gab es schulfrei

Ich war Schülerin des ehrwürdigen Leopoldinums an der Michaeligasse. Wie habe ich als Gymnasiastin gehofft, dass einmal der Unterricht wegen Hochwasser ausfallen würde. Nie, nie, nie war das der Fall! (Gut, 2002 fiel das Hochwasser in die Ferienzeit). In anderen Städten würde man vielleicht seine Kinderchen lieber zu Hause lassen, wenn unterhalb des Fensters ein reißender Gebirgsfluss Hochwasser hat – nicht in Passau! Weil die Fritz-Schäffer-Promenade – die direkte Zufahrtsstraße für die Schulen in der Altstadt – überschwemmt war, wurden die Haltestellen einfach auf die andere Seite der Donau verlegt – dem sog. Anger. Die Angerstraße ist im Moment übrigens auch komplett überschwemmt… Also war es weitsichtig, bereits am Sonntag den Schulausfall zu vermelden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber: Es wird ernst, sehr ernst werden in Passau.

Hochwasser übt gewissen Reiz aus, aber bitte kein Katastrophentourismus

Hochwasser hatte für uns Schüler immer einen gewissen Reiz. Vor und nach der Schule sind wir an die Ortsspitze und ins Hochwasser – soweit das ging. Auch 2002 habe ich – nach(!) der Scheitelwelle – das Hochwasser „besichtigt“. Aber dieses Mal habe ich ganz bewusst auf diese Art von Katastrophentourismus verzichtet. Ich habe auch keinerlei Verständnis für diese Art von Sensationsgier der Menschen. Meine Hauptinformationsquellen sind also im Moment soziale Medien. Und was ich da erlebe, „muss“ ich wohl in einem getrennten Post verarbeiten…

Packen wir’s an: So helfen Sie Passau

Für heute nur noch so viel: Wir Passauer können und wollen unsere Flüsse nicht durch Dämme abschotten. Wir leben mit und von Donau, Inn und Ilz. Und deswegen werden wir auch nach dieser „Jahrtausendflut“ zusammenstehen. (Die “Flut” an Hilfsbereitschaft in den sozialen Medien ist einfach überwältigend.)

Packen wir’s an! Im Moment ist es schwer zu überblicken, ob und wie freiwillige Helfer in die Aufräumaktionen eingebunden werden können. Ich habe mich bei der Studenten-Initiative “Passau räumt auf” registriert, weil ich die Arbeit der Verantwortlichen persönlich kenne und schätze.

Wer unser Passau finanziell unterstützen will, tut dies am Besten hier:

Stiftung der Passauer Neuen Presse,

Kennwort Fluthilfe,

Kontonummer 30365373

Bankleitzahl 74050000 Sparkasse Passau

- auch wenn das Konto bei der Sparkasse Passau ist ;-)

Appell an Deutsche Bahn: Chaos in überfüllten Regionalzügen durch neue Gepäckablagen bekämpfen

28 Jan

Es ist immer dasselbe Bild: Statt Platz für die Fahrgäste zu bieten, stapelt sich auf, vor und neben den Sitzen im Regionalzug, das Reisegepäck.

Auf den Gepäckablagen finden nur kleinere Taschen und Rucksäcke Platz. Das restliche Gepäck muss vor und auf den Sitzen gelagert werden.

Auf den Gepäckablagen finden nur kleinere Taschen und Rucksäcke Platz. Das restliche Gepäck muss vor und auf den Sitzen gelagert werden.

Ich kann den Ärger der Mitreisenden verstehen, wenn sie in den – gerade zu Stoßzeiten – maßlos überfüllten Zug einsteigen und erst die anderen Reisenden bitten müssen, ihr Gepäck von den Sitzen zu entfernen. Nur wohin damit?

Ich pendle wöchentlich die Strecke Passau – München und München – Passau im sog. Donau-Isar-Express. Mittlerweile beschränkt sich mein Gepäck für die Arbeitswoche in München auf eine Reisetasche. Sie ist nicht überdimensioniert, aber nicht einmal diese findet Platz auf der Gepäckablage im Zug.

Ergonomisch designte Gepäckablage ohne Funktion

Einmal habe ich es ausprobiert und meine Tasche nach oben verfrachtet, doch dort blieb sie nicht lange: Beim nächsten Halt des Zuges fiel sie von dort herunter und meiner Sitznachbarin auf den Arm. Ich habe mich mehrfach entschuldigt, doch der wahrhaft Schuldige war schnell gefunden: Der Designer der Gepäckablagen in den Regionalzügen!

Schönes, ergonmisches Design - leider ohne Funktion: Die Gepäckablagen im Regionalzug sind meistens leer, das Gepäck muss auf den Sitzen gelagert werden.

Schönes, ergonmisches Design – leider ohne Funktion: Die Gepäckablagen im Regionalzug sind meistens leer, das Gepäck muss auf den Sitzen gelagert werden.

Die Besonderheit der Gepäckablagen ist, dass sie sich zur Mitte hin verjüngen. Wahrscheinlich soll das Design so besonders dynamisch aussehen. Das Problem ist nur, dass die Ablagen auch an ihrem Anfang und Ende nicht breit genug sind, dass sie z. B. Platz für meine Otto-Normal-Reisetasche bieten würden.

Gepäckchaos

Statt auf den Gepäckablagen stehen die Koffer am Gang. Reisende müssen stehen, weil auf den Sitzplätzen Gepäck lagert.

Statt auf den Gepäckablagen stehen die Koffer am Gang. Reisende müssen stehen, weil auf den Sitzplätzen Gepäck lagert – Alltag im Donau-Isar-Express.

Oft ist der einzige Ausweg, um zumindest einigen im Gang stehenden Mitreisenden einen Sitzplatz zukommen zu lassen, das Gepäck/ vorrangig die Koffer in den Gang zu stellen. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es nichts Unangenehmeres gibt, als über eine mehrstündige Zugfahrt immer wieder seinen Koffer festhalten zu müssen, weil er ansonsten davonrollt. (Leider passt meine Rimowa Hartschale nicht unter den Sitz der Vierergruppe – ja, man entwickelt durchaus kreative Gepäckverstaumöglichkeiten…) Die Reisetasche auf dem Schoß zu haben ist auch nicht ganz angenehm, aber meiner Meinung nach lange nicht so nervtötend.

Design ist nicht alles

Deswegen: Liebe Deutsche Bahn, wenn schon nicht zu den Stoßzeiten (insbesondere für die Strecke München – Freising – Moosburg – Landshut und retour) und vor Feiertagen längere Züge eingesetzt werden können, dann bitte ändert zumindest das Design eurer Gepäckablagen! Denn kein Reisender hat etwas von ergonomisch designten Gepäckablagen, wenn sie dafür stehen müssen…

Passau PArockt: Barockfest oder Mittelalter-Markt?

4 Sep
Die richtige Kulisse für das PArockfest: Dom St. Stephan.

Die richtige Kulisse für das PArockfest: Dom St. Stephan.

Mit großer Freude habe ich als angehende Historikerin natürlich einem ganz besonderen Jubiläum meiner Heimatstadt entgegengefiebert: “350 Jahre Barockstadt Passau” feiert die Dreiflüssestadt in diesem Jahr.

Stadtbrand als Aufhänger

Der Anlass für das Jubiläum, ein trauriger: Im letzten Stadtbrand von 1662 wurde Passau zerstört, aber wiederaufgebaut und zwar in barockem Glanz. Für das Barock-Jubiläum haben sich Passau und die Passauer ganz besonders herausgeputzt. Stadtmarketing und City Marketing Passau e. V. haben Einiges auf die Beine gestellt – Höhepunkt war am vergangenen Wochenende das Barockfest “Passau PArockt”.

Festumzug mit Huren?

Stadträtin Karin Kasberger stand ihr Barock-Kostüm außerordentlich gut.

Im Vorfeld habe ich überlegt, selbst ein barockes Kostüm auszuleihen, doch als klar wurde, dass ich nur am Sonntag kurz in Passau sein werde können, habe ich den Plan fallen gelassen. Umso mehr habe ich mich auf den Festumzug am Sonntag Nachmittag gefreut… Einigen standen die Kostüme einfach exzellent, wie z. B. Stadträtin Karin Kasberger (SPD). Anmut, Eleganz und auch ihr sonst sehr fröhliches Wesen unterstrichen das Kleid hervorragend!

Anderen wiederum stand die Verkleidung weniger gut… um es gelinde zu formulieren. Aber grundsätzlich ist es natürlich schön, dass sich auch viele “normale” Bürger an diesem Umzug beteiligten, wie bspw. auch das Passauer Countertenor-Talent Fritz Spengler.

Höhepunkt des PArockfestes: Ein Festumzug durch die Stadt.

Ich weiß nicht, ob ich als angehende Historikerin überhaupt ein Fazit über das PArock-Fest ziehen sollte… Mir sind natürlich schon ein paar Ungereimtheiten ins Auge gestochen, wobei ich damit die Arbeit der Verantwortlichen keinenfalls schmälern möchte!

So etwa die kräftigen Farben einiger Kostüme. Diese trugen vielleicht in der Barock-Zeit Huren, aber sicher keine Bürgersfrauen! Sicher, auch die Dirnen haben das barocke Stadtbild von damals geprägt, aber ob das den Passauerinnen so bewusst war, was sie da trugen?

Mittelaltermarkt beim Barockfest

Shopping-Event oder mehr? Immerhin war auch Bischof Wilhelm Schraml Schirmherr - hier beim Festumzug im Wagen sitzend mit DK Dr. Bär.

Shopping-Event oder mehr? Immerhin war auch Bischof Wilhelm Schraml Schirmherr – hier beim Festumzug im Wagen sitzend mit DK Dr. Bär.

Ich persönlich frage mich, ob ich für ein “Mitternachts-Shopping-Event” extra ein Barockfest brauche… gut, das Regenwetter vom Wochenende hat einige Programmpunkte erschwert und die Buden in der Altstadt wurden so wohl auch weniger besucht.

Aber kommen wir auch gleich zu den Buden. Für den Laien ist die Grenzziehung zwischen “Mittelalter” und “Barock” vielleicht eher schwierig und unwichtig. Aber ich möchte an dieser Stelle einfach zur Sprache bringen, dass die angebotenen Waren eher zu einem Mittelaltermarkt als zu einem Barockfest gepasst haben. Sicher, was könnte “barockes” angeboten werden….

Wie immer ist es eine schmale Gradwanderung zwischen Popularität und (halbwegser) Orginalität…

Fachberatung bei künftigen Barockfesten wünschenswert

Selbst die Vierbeiner Passaus schmissen sich für das Barock-Event in Schale.

Wie die Passauer heute aus der PNP erfahren haben, denken die Verantwortlichen darüber nach, das “Event” zu wiederholen. Vielleicht wäre es schön und wünschenwert, würden sie für künftige Barockfeste auf eine (fundierte) historische Fachberatung zurückgreifen. Vielleicht lohnt dann auch die Anschaffung eines eigenen Barock-Kostüms? 85 Euro mussten schon Männer für die Leihgebühr aufbringen. Ich jedenfalls überlege es mir – dann kaufe ich aber sicher ein Kleid in gedeckten Farben :-)

Sicher sind diese historischen Ungereimtheiten wohl nur den Wenigsten aufgefallen, aber meine Devise lautet: “Wenn man schon was macht, dann richtig!”

Politik & Qualitätsjournalismus – unvereinbar?

24 Jul

Kürzlich warf das “Institut für Medienkompetenz” auf seiner Facebook-Seite folgende Diskussionsfrage auf: “Ist das Medienkompetenz bzw. Qualitätsjournalismus, wenn Medien die Kanzlerin immer als “Mutti” bezeichnen? Was ist eure Meinung?”

Meine Meinung dazu ist eindeutig NEIN. Nein, es ist nicht Zeichen von Medienkompetenz oder Qualitätsjournalismus, das Amt der Bundeskanzlerin dermaßen zu personalisieren.

Einen Kanzlerkandidaten gibt es nicht

Da wären wir auch schon beim Stichwort. “Personalisierung” stellt in der politischen Kommunikation ein wesentliches Element dar.

Seit Jahren wundere ich mich, dass im Vorfeld der Bundestagswahl immer von “Kanzlerkanditaten” die Rede ist. Es gibt nämlich keinen Kanzlerkandidaten! Der Bundeskanzler/ die Bundeskanzlerin wird vom Bundestag und nicht vom Volk gewählt. Das regelt Art. 63 des Grundgesetzes. Natürlich “wählt” der Bürger indirekt den Kanzler/ die Kanzlerin, indem er dem Bundestagskandidaten “seiner” oder “ihrer “Partei” seine Stimme schenkt. Mag es also noch so falsch sein, vom “Kanzerkandidaten”/ der “Kanzlerkandidatin” zu sprechen, auch im Vorfeld zur Bundestagswahl 2013 werden auch sog. Qualitätsmedien wieder davon sprechen.

Scheuer bei Ramsauer PSts. und nicht bei de Maizère

Falsch! Scheuer ist nicht “Verteidigungsstaatssekretär”.

Und da wären wir auch schon beim nächsten Stichtwort angelangt: Dem “Bundestagskandidaten”. Ich habe mich heute morgen sehr geärgert, als ich unsere Lokalzeitung, die “Passauer Neue Presse” (PNP) las. Dort hieß es nämlich, dass bald die Wahl der CSU-Delegierten für das Direktmandat des Bundestagsabgeordneten stattfindet – einziger Kandidat sei “Verteidigungsstaatssekretär” Dr. Andreas Scheuer. Und hier hat die PNP sich gleich zwei große Fehler geleistet:

1. Parlamentarischer Staatssekretär (PSts.) ist PSts. des jeweiligen Ministers. Verknappt wird das gerne auf das jeweilige Ressort. Da will ich mal nicht so streng sein…

Aber 2. Scheuer ist PSts. beim Bundesverkehrsminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und nicht beim Bundesminister der Verteidigung! Ein solcher Fehler darf in einer Regionalzeitung meines Erachtens einfach nicht passieren.

Qualität auch oder gerade in Lokalzeitungen

Wie aber kann ein solcher Fehler passieren? Wohl weil niemand mehr die fertigen Artikel durchliest – Personaleinsparungen gehen aber auf Kosten der Qualität. Gerade aber bei einer Lokalzeitung in einem Einzeitungskreis möchte ich als Leser, wenn ich schon keine andere Alternative habe, kompetente- oder zumindest faktisch richtige – und qualitativ hochwertige Berichterstattung! Oder sind Qualitätsjournalismus und politische Berichterstattung einfach unvereinbar?

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