Bayernhymne: Vermeintliche Textunsicherheit Benedikt XVI.

12 Feb

Es war wohl der Höhepunkt seines Heimatbesuchs vom 9. bis 14. September 2006: Der aus Bayern stammende Papst Benedikt XVI. (seit 2005) betet zum Auftakt seiner Bayernreise am 9. September 2006 an der Mariensäule.

Diese Säule hatte mitten im Dreißigjährigen Krieg Kurfürst Maximilian I. im Jahr 1638 aufstellen lassen. Seitdem ist sie sozusagen das „Herz Bayerns“, denn von ihr aus wurden früher alle Entfernungen im Freistaat gemessen.

Maria wird unter Benedikt XV. Patrona Bavariae

Übrigens: Der Namensvorgänger unseres Bayern-Papstes, Benedikt XV. (1914-1922) erklärte 1916, auf Bitte König Ludwigs III., Maria zur Schutzpatronin Bayerns (Patrona Bavariae).

Traditionell werden die Erzbischöfe von München und Freising an der Mariensäule empfangen und verabschiedet – auch Benedikt XVI. als Erzbischof Josef Ratzinger in den Jahren 1977 und 1982.

Auch Johannes Paul II. (1978-2005) besuchte die Säule am 19. November 1980.

Als nun im September 2006 der bayerische Papst seine Heimat besucht, darf natürlich eines nicht fehlen: Die Bayernhymne an der Mariensäule!

„Deutsche Erde“ oder „Heimaterde“?

„Gott mit dir, du Land der Bayern,…“ beginnen der Chor, die Gläubigen und der Papst feierlich zu singen – doch dann stockt der gebürtige Niederbayer: „Heimaterde, Vaterland“ singt der Chor – „Deutsche Erde, Vaterland“ will der Papst singen. Wohl durch den vermeintlichen Textfehler verunsichert, verfolgt Benedikt sichtlich irritiert den Rest der Hymne fast ausschließlich schweigend.

Doch so falsch lag der Papst mit seiner Textvariante nicht…

Geschichte der Bayernhymne

Kurz daher zur Geschichte der Bayernhymne: Die Melodie stammt von Konrad Max Kunz aus dem Jahr 1860, der Text der ursprünglichen drei Strophen von Michael Öchsner. Da das Lied bald zum Volkslied avancierte, waren jedoch unterschiedliche Fassungen davon im Umlauf.

Lutz- vs. Öchsner-Fassung

So schrieb auch der bayerische Dichter Joseph Maria Lutz im Jahr 1948 eine neue Fassung des Bayernliedes: Lutz verfasste eine neue dritte Strophe als Ersatz für die sog. „Königsstrophe“, die bereits 1919 aus den Schulbüchern getilgt worden war. Er änderte außerdem mehrere Stellen in den Strophen 1 und 2. So ersetzte er bspw. die Formulierung „deutsche Erde“ durch „Heimaterde“. Nun kam es zu jahrelangen Streitigkeiten zwischen Öchsner- und Lutz-Anhängern:

Ministerpräsident Alfons Goppel hat in einer Bekanntmachung vom 29. Juli 1966 die Lutz-Fassung empfohlen, aber (ohne Ministerratsberatung) nicht angeordnet.

Ministerpräsident Franz Josef Strauß beendete schließlich den Streit durch die Feststellung, dass die Öchsner-Fassung (für das Lernen in den Schulen und den Gebrauch im Bayerischen Rundfunk) weiterhin gelte. Sie war bereits am 11. November 1952 im kulturpolitischen Ausschuss des Bayerischen Landtags einstimmig beschlossen worden.

Bayern-Papst hätte „richtige“ Fassung gesungen

Somit ist die Öchsner-Fassung der offizielle Text der Hymne. (Nach der Bekanntmachung des Bayerischen Ministerpräsidenten vom 18. Juli 1980) – Diese wollte auch Benedikt XVI. am 9. September 2006 an der Mariensäule singen und wäre damit richtig gelegen:

1. Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe seine Segenshand!
|: Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
seines Himmels, weiß und blau!  😐

2. Gott mit dir, dem Bayernvolke,
dass wir, uns’rer Väter wert,
fest in Eintracht und in Frieden
bauen uns’res Glückes Herd!
|: Dass mit Deutschlands Bruderstämmen
einig uns ein jeder schau
und den alten Ruhm bewähre
unser Banner, weiß und blau!  😐

Im Übrigen wird das Lied erst seit 1964 bei staatlichen Veranstaltungen des Freistaates gespielt und erst seit 1966 als Hymne bezeichnet, obwohl der Ministerrat der großen Koalition schon 1953 das Lernen des Liedes (nach der Öchsner-Fassung) angeordnet hatte.

Im Gegensatz zu anderen Regionalliedern, wie etwa dem Badner- oder Niedersachsenlied, genießt die Bayernhymne den Schutz von § 90a StGB.

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Eine Antwort to “Bayernhymne: Vermeintliche Textunsicherheit Benedikt XVI.”

  1. weisswas August 30, 2012 um 2:10 am #

    Wir Preussen lieben Bayern deshalb müssen wir gemeinsam gegen die dummfassung derr“ lutzhymne “
    angehen. Wir sind alle Deutsche und vor allem EIN VOLK Gruß nach Bayern aus dem schönen HH

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