Archiv | April, 2011

Mein Geburtstag, der 30. April: Ein Tag schreibt Geschichte

30 Apr

Der 30. April schrieb Geschichte – und das nicht nur, weil es mein Geburtstag ist 😉

Ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Leistungskurslehrer für Geschichte regelrecht irritiert war, als ich sagte: „Am 8. Mai war Kriegsende in Europa. Und am 30. April hat sich Hitler umgebracht“. Dass ich als Geschichte-Leistungskursschüler das Datum vom Ende des Zweiten Weltkriegs wusste, war selbstverständlich. Aber dass ich den genauen Tag wusste, wann sich der „Führer“ umgebracht hatte, das beeindruckte den Lehrer nachhaltig. Denn ich kann mich nicht erinnern, dass das markante Datum vom Selbstmordtag Hitlers in einem Geschichtsbuch erwähnt worden wäre…

Geboren an Hitlers-Todestag

Gleich im nächsten Satz löste ich das Geheimnis: „Ich bin an einem 30. April geboren – daher weiß ich es“. Die Ereignisse, die sich am letzten April-Tag des Jahres 1945 im Führerbunker in Berlin abgespielt haben, faszinierten mich schon immer.

Warum hatte Hitlers langjährige Geliebte, Eva Braun, den Führer noch geheiratet? Warum ging sie aber dennoch nicht in die Geschichte als Eva Hitler ein, sondern mit ihrem Mädchennamen? Was hätten wir von Eva Braun erfahren, hätte sie nicht mit Adolf Hitler Suizid begangen? Warum war Hitler so feig und „testete“ die Giftkapsel an seinem Hund?

66 Jahre später zeichnet VOX in einer 12-stündigen Dokumentation die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse des 30. April 1945 nach: Ein Tag schreibt Geschichte, der Thementag am 30. April 2011 beginnt um 12h. Viele Fragen werden wohl für immer unbeantwortet bleiben.

Geboren 4 Tage nach Tschernobyl

Der eigene Geburtstag sollte ein Tag größter Freude sein – aber irgendwie hat für mich dieses markante Datum einen faden Beigeschmack. Denn der April 1986 steht auch für die Katastrophe von Tschernobyl. Am 26. April 1986 ereignete sich eine Explosion in Block 4 des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl. Die Katastrophe wurde im Westen erst bekannt, als zwei Tage nach der Explosion schwedische Wissenschaftler erhöhte Radioaktivität maßen. Auf Nachfrage in Moskau wurde man sich dort erst des Ausmaßes der Katastrophe bewusst.

25 Jahre später: Fukushima als zweites Tschernobyl

Die atomare Wolke ging am 30. April 1986 in unserer Region nieder, weil sich der Wind gedreht hatte. Der 30. April 1986 ist mein Geburtstag. Das ist heute genau 25 Jahre her. Ich finde es besonders traurig, dass genau in diesem zweifelhaften „Jubiläumsjahr“ sich in Japan ein „zweites Tschernobyl“ ereignet hat. Und, dass die Informationspolitik in Fukushima ähnlich erschreckend war, wie die der damaligen Sowjetunion!

Meine Mama hat nach Bekanntwerden des GAUs in der Ukraine Babynahrung im Keller „gebunkert“. Es ist erschreckend, dass gerade die Kinder die Leidtragenden der Katastrophe waren – die Fehlbildungen und gesundheitlichen (Spät)folgen sind einfach schrecklich anzusehen.

Der 30. April ist für mich also nicht nur ein persönlicher Feiertag, sondern er regt mich zum Nachdenken an: Über den Wahnsinn des Krieges und insbesondere menschliches Fehlverhalten…

Gottes mächtige Dienerin: ARD-Zweiteiler mit haarsträubenden Ungenauigkeiten

26 Apr
Christine Neubauer als Schwester Pascalina im ARD-Drama "Gottes mächtige Dienerin".

Christine Neubauer als Schwester Pascalina im ARD-Drama "Gottes mächtige Dienerin".

Schwester Pascalina Lehnert (1894-1983) hat Pius XII. (1939-58) über vierzig Jahre im Haushalt gedient. Der Papst, dessen Pontifikat im Schicksalsjahr 1939 beginnt, zählt bis heute zu einem der umstrittensten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Denn er hat im Holocaust geschwiegen – dieses Verhalten wird kontrovers diskutiert. Noch sind die Quellen über die Zeit des Zweiten Weltkrieges in den Vatikanischen Archiven nicht zugänglich – so stützen sich die Informationen über die Haltung des Papstes hauptsächlich auf die Aufzeichnungen der deutschen Nonne, die dem Papst als Haushälterin und Sekretärin besonders nahe stand. Ihr Buch „Ich durfte ihm dienen“ wurde 1983 veröffentlicht.

Mit Spannung habe ich den ARD-Zweiteiler über Schwester Pascalina „Gottes mächtige Dienerin“ erwartet (gespielt von Christine Neubauer). Gleich vorweg – das TV-Drama wurde meinen Erwartungen nicht gerecht. Ich will einmal absehen von den historischen Ungenauigkeiten.

Wird die „kirchliche Fachberatung“ überhaupt befragt?

Was ich auch bei anderen Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen nicht verstehen kann ist, dass kirchliche Sachverhalte falsch dargestellt werden. Z. B. bei „Pfarrer Braun“, den Ottfried Fischer verkörpert, habe ich es des Öfteren schon beobachtet, dass der Bischof mit „Eminenz“ angesprochen wird. Die korrekte Anrede für einen Bischof ist jedoch „Exzellenz“, nur ein Kardinal wird mit „Eminenz“ angesprochen.

Warum gibt es dann eine kirchliche Fachberatung? Werden die Kirchen-„Experten“, die die Produktion angeblich berät, überhaupt befragt? Nur so kann ich mir solche „Kardinals-Fehler“ erklären…

Aber zurück zum Film über Schwester Pascalina: Beim Tode Pius‘ XI. (1922-39) war Pacelli nicht nur Kardinalstaatssekretär, sondern auch Camerlengo. D. h. Kardinal Pacelli musste traditionell z. B. das verstorbene Kirchenoberhaupt mit seinem bürgerlichen Namen drei Mal fragen, ob er schläft: „Achille Ratti schläfst du?“. Zudem nimmt der Camerlengo dem toten Papst seinen Fischerring ab. Dies zeigt auch der Film „Gottes mächtige Dienerin“.

Dieser Amtsring, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Siegel genutzt wurde, wird übrigens vom Camerlengo vor den Augen der Kardinäle mit einem silbernen Hämmerchen zerstört – eigentlich sollte der Ring in so viele Teile zerschlagen werden, wie es Kardinäle sind. So soll symbolisiert werden, dass die Macht des Papstes für die Zeit der Sedisvakanz auf das Kardinalskollegium übergeht.

Schwester Pascalina fungiert im Film als Camerlengo

Festzuhalten gilt, dass der Tod des Papstes nach einem festgelegten Ritus festgestellt wird. Ich habe mich sehr geärgert, dass in dem Film „Gottes mächtige Dienerin“ Schwester Pascalina beim Tode des Pacelli-Papstes quasi die Aufgabe des Camerlengos übernommen hat. So etwas darf nicht sein! Solche Ungenauigkeiten, im Prinzip falsche Tatsachen zu vermitteln, erwarte ich eher in einer Produktion privater Sender – auf keinen Fall darf so etwas jedoch bei den Öffentlich-Rechtlichen geschehen. Durch die Rundfunkgesetze ist es schließlich geregelt, dass das Programm der Bildung dienen soll (neben Information, Beratung und Unterhaltung). Ich finde es mehr als bedenklich, dass eine ARD-Produktion – auch wenn es ein Spielfilm ist – falsches „Wissen“ vermittelt. Es wird sicher einige Zuseher gegeben haben, die von dem Dienst eines Camerlengos noch nie gehört haben werden und deswegen einen falschen Eindruck gewinnen.

Falsche Fakten statt Bildungsauftrag in Öffentlich-Rechtlichen

Auch wenn es für die Dramaturgie des Filmes wohl besser gewesen ist, dass Schwester Pascalina den Papst fragt, ob er schläft und ihm den Fischerring abnimmt – es ist und bleibt falsch! Falsch ist auch, dass die Vertraute Pius‘ XII. allein im Sterbezimmer gewesen ist. Denn der Tod des Pacelli-Papstes in Castel Gandolfo war mehr als bizarr: Radio Vatikan soll direkt vom Nebenzimmer aus den Tod des Papstes gemeldet haben. Auch Bilder des Sterbenden wurden gemacht und in Zeitungen veröffentlicht.

Meiner Meinung nach sollten die Öffentlich-Rechtlichen nicht gezielt falsche Fakten darstellen, gerade wenn es sich um solch eine umstrittene Persönlichkeit wie Pius XII. handelt. Es ist (für den Historiker) schon befremdlich, nur auf autobiografische Schriften, in dem Fall das Buch der Haushälterin, zurückgreifen zu müssen. Ich würde mir dann aber gerade bei feststehenden Fakten mehr Genauigkeit und nicht diverse Ungenauigkeiten wünschen! Schade um diese verpasste Chance, Schwester Pascalina den Deutschen authentisch nahe zu bringen.

Kunst am Ei: Ostereier sammeln und selbst verzieren

25 Apr

Monogramm-Ei in gold und silber.

Meine Mama sammelt seit vielen Jahren kunstvoll verzierte und zum Teil auch sehr teure Ostereier. Daher besuchen wir auch öfter Osterausstellungen, bei denen diese ovalen Kunstwerke ausgestellt und verkauft werden. Ein Fixpunkt für uns ist im Frühjahr z. B. immer die Ausstellung in Pocking.

Vornehmlich werden Hühnereier verziert, aber auch Wachtel-, Enten- und Gänseeier und wer es etwas exotischer mag, für den gibt es auch Straußeneier zu kaufen. Die ovalen Leinwände werden bemalt, bestickt, mit Perlen verziert oder auch Muster werden eingefräst – der Fantasie scheint das Ei keine Grenzen zu setzen.

Angefangen hat die Sammlung meiner Mama, als sie erfuhr, dass die Frau eines Kollegens Ostereier bemalt. Als Kind war ich schon von diesen kleinen Kunstwerken fasziniert. Die ältere Dame zeigte mir auch, wenn wir bei ihr alljährlich neue Ostereier kauften, wie sie diese bemalt und welche Werkzeuge sie benutzt. Um z. B. kunstvoll Löcher in die Eier zu fräsen, hatte sie sich extra einen Zahnarztbohrer angeschafft.

Mittlerweile ist die Ei-Künstlerin leider erblindet. Aber immer an Ostern, wenn wir ihre selbst hergestellten Schätze auspacken, erinnern wir uns an sie – meine Mama ruft sie dann auch jedes Jahr an und sie freut sich dann, dass wir uns noch immer an ihren kleinen Kunstwerken erfreuen.

Libelle auf Entenosterei.

Diese ältere Dame war es, die mich dazu brachte, mein Talent beim Ostereier verzieren einmal selbst zu probieren. Am Anfang, vor mehr als zehn Jahren, versuchte ich insbesondere ihre Tier-Motive nachzumalen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an die ovale Form des Eies und entwickelt dann selbst Ideen.

Seit ich studiere, komme ich leider kaum mehr zum Bemalen von Eiern in den unterschiedlichsten Größen. Schließlich muss die „Leinwand“ auch noch vorher ausgeblasen werden…

Viele selbstgefertigte Ostereier habe ich an Verwandte und Freunde verschenkt. So hat meine Mama nur eine kleine Sammlung von meinen gestalteten Exemplaren in ihrer Sammlung. Exklusiv für die Leser meines Blogs habe ich zum Osterfest einige fotografiert – schließlich haben Eier dann „Hochsaison“:

Bunte Hühnereier Ton in Ton verziert mit Swarovski-Steinen.

Schwarzes Kamel auf Wachtelei.

Ein Gänseei beschrieben mit dem "Vater Unser" in verschiedenen Sprachen und vergoldeter Weltkugel.

Passau: Nächtliches Privatkonzert an der größten Domorgel der Welt

21 Apr

Ostern und Weihnachten – an diesen beiden Hochfesten hat die Kirche „Hochsaison“. Die Liturgie, die Musik – alles ist dann besonders feierlich. Das will jedoch geübt werden. Ich kann mich noch gut an meine Zeit als (Dom)ministrantin erinnern, geprobt haben wir für die Pontifikalämter, also die Messen mit dem Diözesanbischof jedes Detail z. B. beim großen Einzug oder der Kommunion.

Doch was wäre ein Gottesdienst ohne Musik, ohne die Orgel. An Karfreitag wird das den Christen immer wieder bewusst, die Gemeinde muss dann dieses typische Kircheninstrument entbehren. Und statt Glockenläuten hören sie „Ratschen“. Erst beim feierlichen Osterhalleluja scheinen die wieder ertönenden Glocken die Orgel übertönen zu wollen – oder umgekehrt.

In Passau haben wir das Glück, in unserem Dom St. Stephan die größte Domorgel der Welt zu haben. (Die größte Kirchenorgel der Welt steht übrigens in der First Congregational Church in Los Angeles.) Seit 2003 ist Ludwig Ruckdeschel Domorganist und somit Herr über die 17.974 Pfeifen, die eben insbesondere an den christlichen Hochfesten besonders gefordert sind.

Der Abend vor Gründonnerstag war dieses Jahr ein lauer Frühlingsabend. Es herrschte Stille und es waren erstaunlich wenig Touristen unterwegs, als ich am Dom St. Stephan vorbei spazierte. Und so hörte ich nichts außer meinen eigenen Schritten und die gewaltigen Töne der Domorgel, die trotz der geschlossenen Portale aus dem Inneren der Barockkirche nach außen drangen. Ich fühlte mich als Gast eines exklusiven Privatkonzertes, das ich so sehr genoss, dass ich auch andere daran teilhaben lassen wollte.

Aus diesem Grund habe ich die zwei Videos aufgenommen – beide sind nicht sehr professionell, aber geben hoffentlich die Stimmung dieses besonderen Moments wieder.

Wer durch meine Aufnahmen auf den Geschmack gekommen ist – hier finden sich Termine für Orgelkonzerte im Passauer Stephansdom. Und wer weiß, vielleicht wird der ein oder andere meiner Leser die Domorgel in den kommenden Ostertagen auch „live“ hören:

Frohe Ostern!

Heraldik: Geschichte des Wappens der Universität Passau

18 Apr

Zugegeben, es mag lebensnotwendigere Dinge als Heraldik geben. Heraldiker beschäftigen sich mit Wappen. Aber ist nicht auch ein Krimi nicht unbedingt lebensnotwendig und dennoch spannend? Die Geschichte über das Wappen der Universität Passau erinnert in manchen Episoden an einen hochspannenden Krimi, der zumindest Geschichtsfans Gänsehaut bekommen lässt.

Die Uni Passau hat (noch?) kein Wappen

Das Logo der Universität Passau, das wegen des Schriftzugs kein Wappen darstellt.rstellDoch gleich vorweg, die niederbayerische Hochschule besitzt (noch?) kein Wappen! Sie hat lediglich ein grau-orangefarbenes Logo mit Schriftzug. Denn Prof. Dr. Thomas Frenz weiß: „Ein „gutes“ Wappen enthält keine Schrift. Die Heraldik ist eine Bildsprache.“ Der Historiker ist Inhaber der Professur für Historische Hilfswissenschaften an der Uni Passau. Um in dieser Teildisziplin der Geschichtswissenschaft historische Quellen aufarbeiten zu können, beschäftigt er sich auch unter anderem eingehender mit der Heraldik.

Informatik-Gebäude als Vorlage für das Uni-Logo

Dem Uni-Logo diente das Portal des Informatik-Gebäudes als Vorlage. Die unterhalb abgebildeten fünf dynamischen Schwingen sollen Hörsaalreihen darstellen, die wiederum die fünf Fakultäten symbolisieren. Das Corporate Design hat Stefan Dahinten -im Übrigen ein Passauer Alumni- bereits 2003 entwickelt. Mit dem Wintersemester 2009/2010 ist jedoch die Katholisch Theologische Fakultät (KT) in die Philosophische Fakultät eingegliedert worden. Müsste man nun nicht eigentlich eine Hörsaalreihe aus dem Logo entfernen? Der Sprecher des neu geschaffenen Departments für Katholische Theologie, Prof. Dr. Isidor Baumgartner sieht das folgendermaßen: „Streng genommen ist die KT nicht aufgelöst, sondern lediglich für „ruhend“ erklärt worden. Aus diesem Grund halte ich es für angebracht, wenn das Uni-Logo weiterhin an die KT erinnert.“

Siegel der Uni-Vorgängerin übernommen

Die Siegelabbildung der Uni Passau ist auch kein Wappen.Doch die Theologen kommen noch einmal in der Geschichte um das Wappen einer Uni, die eigentlich kein Wappen besitzt, zum Zug. Immerhin war die KT nicht nur Gründungsfakultät der jüngsten Universität Bayerns, ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Doch soweit müssen wir für unsere kleine Wappenkunde nicht zurückgehen: „Im Jahr 1978, dem Gründungsjahr der Uni, hat man einfach das Siegel der Vorgängerinstitution, der Philosophisch-Theologischen Hochschule übernommen“, erklärt Prof. Frenz.

Das Siegelbild dieser Hochschule war eine so genannte „Maria vom Siege“: Maria steht darauf auf der Mondsichel und trägt das Jesuskind auf dem Arm, das seinerseits mit dem Kreuzstab einen Drachen tötet.

Der „Passauer Madonnenstreit“

Doch eine Universität müsse „konfessions- und religionsneutral“ sein, war sich der mittlerweile emeritierte Passauer Soziologieprofessor Adolf Mintzel sicher. So kam es in den 1990er Jahren zum „Passauer Madonnenstreit“. „Ich habe damals dem Rektor einen Brief geschrieben, in dem ich darauf hinwies, dass die Abbildung von Heiligenfiguren auf Universitätssiegeln allgemein üblich ist“, erinnert sich Prof. Frenz. Besonders ärgert den Wissenschaftler, dass Mintzel im „Passauer Madonnenstreit“, die Siegelabbildung fälschlicherweise als Wappen bezeichnete. Aber das ist eine heraldische Spitzfindigkeit.

Interessanter ist, warum die Philosophisch-Theologische Hochschule, 1950 eben dieses Siegelbild gewählt hat. Und das kam so: 1933 war der Rektor der Hochschule, Prälat Franz Xaver Eggersdorfer, von den Nationalsozialisten aus seinem Amt entfernt worden. In der Zeit der unfreiwilligen Muße, verfasste er eine Geschichte seiner Hochschule, auf deren Umschlag die „Maria vom Siege“ abgebildet war. „Zudem hatte man in der NS-Zeit ein Hakenkreuzsiegel verwenden müssen, das bis 1950 in der Mitte leer war, weil man das Hakenkreuz nach Kriegsende herausgekratzt hatte“, erläutert Prof. Frenz. Die Botschaft, die dahinter steckt, ist eigentlich klar: Die Madonna mit dem göttlichen Kind überwindet die widergöttliche Ideologie der Nationalsozialisten.

UP-Logo als konfessions- und religionsneutrale Lösung

Doch im „Passauer Madonnenstreit“ der 1990er Jahre musste eine „konfessions- und religionsneutrale“ Lösung her. Also kreierte man kurzerhand ein Logo mit den Initialen der Uni „UP“. UP steht für Universität Passau. Prof. Frenz erinnert dies jedoch eher an „einstürzende Neubauten“.

Vom Streit um eine Madonna und fünf Fakultäten zum lesenden Wolf?

Ein Vorschlag für das Wappen der Universität Passau von Prof. Frenz.

Und überhaupt hätte der Historiker eine hervorragende Idee, wie man den „Passauer Madonnenstreit“ vielleicht vergessen und auch das Problem mit den eigentlich nur mehr vier Fakultäten umgehen könnte: Die Universität Passau sollte ein Wappen führen!

Der Historiker erklärt, dass in vielen Universitätswappen ein Buch vorkäme. Gerne werde auch ein lokaler Bezug hergestellt: „Ich schlage deshalb vor, dass wir den Passauer Wolf als Grundlage nehmen, ihm aber ein Buch zu halten geben. Und außerdem einen Bezug zu Bayern herstellen, in dem wir in das Schildhaupt die bayerischen Farben setzen.“

Wie gesagt, Heraldik ist nicht lebensnotwendig, aber spannend ist die Geschichte um das Wappen der Universität Passau allemal. Und wer weiß, vielleicht ist die Geschichte auch noch nicht zu Ende…

Stadtgalerie Passau: Versteigerung von „Promi-Ostereiern“ für guten Zweck

13 Apr

Wer dieser Tage in die Stadtgalerie in Passau kommt, wird schon am Eingang von riesigen Ostereiern begrüßt. Regionale Künstler haben -meist Motive aus ihrer Heimat- gekonnt auf die ovale „Leinwand“ gezaubert.

Die Wappen seiner Heimat hat MdL Roos auf sein Osterei gemalt.

Die Heimat machte auch Bernhard Roos zum Thema für das Osterei, das er für die Ausstellung „Ostereier aus prominenter Hand“ in der Stadtgalerie bemalt hat. Der Landtagsabgeordnete von der SPD hat hierfür eines der auffälligsten Objekte gestaltet. Auf der Vorderseite des knallroten Eies findet sich das Wappen des Freistaates Bayern, auf der Rückseite das der Stadt Passau.

Wie die Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, sind auch die künstlerischen Fähigkeiten der Passauer Promis recht unterschiedlich.

Edel -wie im Stil von ihrem Geschäft "Living Art"- gestaltete Katrin Pernpointner ein Straußen-Ei.

Wohl eines der edelsten Exponate hat die ehemalige Vorsitzende der Europäischen Wochen (EW), Katrin Pernpointner gestaltet: Auf einem vergoldeten Straußen-Ei plazierte sie Swarowski-Steine in schönen Mustern – dabei kommt die typische Struktur des Straußen-Eies gut zum Tragen.

"Klassisch" mit EW-Logo ist das Osterei von Dr. Pankraz von Freyberg verziert.

Andere Promis der Region rückten eher die berufliche Tätigkeit bei der Gestaltung der Ostereier in den Vordergrund: So malte EW-Intendant, Dr. Pankraz Frhr. von Freyberg, das markante EW-Logo auf ein Holzei.

Lustig ist das Osterei des UnserRadio-Teams.

Das wohl lustigste Osterei gestaltete das Team von UnserRadio Passau. Die Mannschaft wählte, wie Pernpointner, ebenfalls ein edel-strukturiertes Straußen-Ei. In dem Fall war wohl aber eher die Größe als die Struktur ausschlaggebend – denn mit original Radio-Accessoires gestalteten sie den Kopf eines Radio-Moderators.

Ob Schlagersängerin, Politiker oder Passauer-Society-Lady – alle „Promis“ haben sich sichtliche Mühe bei der Gestaltung ihres Ostereies gegeben. Engagement, das belohnt werden müsste:

Öffentliche Versteigerung am Karsamstag

Denn die äußerst individuell gestalteten kleinen Oster-Kunstwerke sollen bei einer Versteigerung für den guten Zweck möglichst viel Geld einbringen. Noch bis Karsamstag können die „Ostereier aus prominenter Hand“ in der Passauer Stadtgalerie (auf Höhe des Drogeriemarktes dm) bestaunt werden.

Dann findet am Karsamstag, dem 23. April 2011 ab 13h die gr0ße öffentliche Versteigerung der Promi-Ostereier statt. Der gesamte Erlös kommt der Kinderklinik Dritter Orden Passau e. V. zu Gute. Bieten Sie also mit!

Onomastik 2.0: Namensforschung online

4 Apr

Irgendwie ist es schon ein Kreuz mit den Namen! Die einen müssen ihren Familiennamen grundsätzlich buchstabieren, weil er so ungewöhnlich ist. Die anderen mit den „gewöhnlichen“ Nachnamen sind jedoch auch nicht besser dran, denn z. B. Herrn Meir kann man schließlich mit ai, ei oder auch ay schreiben.

Nachnamen veraten viel über ihren Träger bzw. dessen Vorfahren, denn die Familiennamen sind „sprechende Namen“. So gibt es z. B. Berufsnamen wie Maier, dessen Vorfahren ursprüngl. einmal Verwaltungsbeamte gewesen sind, aber auch Herkunftsnamen (die Vorfahren des bspw. Herrn „Bayer“ stammten aus Bayern) oder Wohnstättennamen (ein z. B. Herr „Wiese“ hat demnach einmal an einer Wiese gewohnt).

Die Wissenschaft von der Erforschung der Bedeutung, Herkunft und Verbreitung der Namen wird als Onomastik bezeichnet.

Prof. Udolph und sein Buch der Namen

Einer der wohl berühmtesten Onomastiker ist Prof. Jürgen Udolph, der die Namen gerne als „Friedhof der Wörter“ bezeichnet. Bekannt ist der Namenskundler von seinen zahlreichen Auftritten in Funk und Fernsehen. 2005 erschien „Professor Udolphs Buch der Namen“, darin erklärt er Namen und gibt auch Anleitung, den eigenen Namen selbst zu deuten.

Doch so einfach ist das leider nicht! Bei einer Veranstaltung in Deggendorf im vergangenen Jahr wusste der Experte Udolph selbst spontan nichts mit meinem Nachnamen anzufangen – er selbst habe ihn noch nie gehört.

In unserer Familie vermuten wir, dass der Name „Winderl“ vom Volksstamm der Wenden stammt.

Namen online kartieren

Wenn wir auch leider (noch) nicht die genaue Bedeutung unseres Familiennamens kennen, so können wir ihn mittels Internet immerhin kartieren – und somit die regionale Häufung in der Oberpfalz ermitteln. Dies ist mit der Geogen-Website möglich.

  • Die Angaben werden bei Geogen einem Online-Telefonbuch aus dem Jahr 2002 entnommen.
  • Die Karten werden im Internet erzeugt, ohne dass dafür die Software auf einem eigenen Rechner installiert werden muss. Die erzeugten Verbreitungskarten können als Grafik gespeichert werden.

Geografische Verteilung des Familiennamens "Winderl" mit Geogen

Zudem kann es bei einigen Familiennamen sinnvoll sein, diese geografische Verteilung mittels des Reichstelefonbuchs von 1942 vorzunehmen. Warum? So können mögliche Flucht-Bewegungen der eigenen Familie bzw. der Mit-Namensträger während des Zweiten Weltkriegs nachvollzogen werden. Dies ist auf der Gen-Evolu-Website möglich. Berücksichtigt werden muss freilich, dass in den 1940er Jahren nur wenige Personen überhaupt einen Telefonanschluss hatten.

  • Die Namensverteilung kann bei Gen-Evolu mittels des Reichstelefonbuchs von 1942 und einem Telefonbuch aus dem Jahr 1998 erzeugt werden.
  • Die Kartierung ist im Übrigen auch für Vornamen möglich.

Sowohl Geogen, als auch Gen-Evolu sind zwei Websites, die sich gut für den Einstieg in die Onomastik eignen. Wer jedoch einen ähnlich ungewöhnlichen Nachnamen wie ich ihn trage, hat, wird langfristig nicht darum herumkommen auf Literatur zur Namensdeutung zurückzugreifen bzw. evtl. parallel dazu auch Ahnenforschung zu betreiben. Gute Literaturtipps zur Familiennamendeutung finden sich hier.

Letzte Hoffnung: Namensberatungsstelle der Uni Leipzig

Und wer mit diesen Hilfsmitteln nicht weiterkommt, kann sich an die Namensberatungsstelle der Universität Leipzig wenden, die im Übrigen von Prof. Udolph ins Leben gerufen wurde. Dort erhält man für 95,20€ ein Gutachten über einen Familiennamen – jedoch ist die Beratungsstelle so ausgelastet, dass derzeit keine neuen Anfragen mehr bearbeitet werden können.

Da Namenskunde nur in Leipzig gelehrt wurde, steht es nach der Emeritierung von Prof. Udolph eher schlecht mit dem Nachwuchs an Namenskundlern. Daher kann es nicht schaden, u a. auch auf Onomastik 2.0 zu setzen.