Heraldik: Geschichte des Wappens der Universität Passau

18 Apr

Zugegeben, es mag lebensnotwendigere Dinge als Heraldik geben. Heraldiker beschäftigen sich mit Wappen. Aber ist nicht auch ein Krimi nicht unbedingt lebensnotwendig und dennoch spannend? Die Geschichte über das Wappen der Universität Passau erinnert in manchen Episoden an einen hochspannenden Krimi, der zumindest Geschichtsfans Gänsehaut bekommen lässt.

Die Uni Passau hat (noch?) kein Wappen

Das Logo der Universität Passau, das wegen des Schriftzugs kein Wappen darstellt.rstellDoch gleich vorweg, die niederbayerische Hochschule besitzt (noch?) kein Wappen! Sie hat lediglich ein grau-orangefarbenes Logo mit Schriftzug. Denn Prof. Dr. Thomas Frenz weiß: „Ein „gutes“ Wappen enthält keine Schrift. Die Heraldik ist eine Bildsprache.“ Der Historiker ist Inhaber der Professur für Historische Hilfswissenschaften an der Uni Passau. Um in dieser Teildisziplin der Geschichtswissenschaft historische Quellen aufarbeiten zu können, beschäftigt er sich auch unter anderem eingehender mit der Heraldik.

Informatik-Gebäude als Vorlage für das Uni-Logo

Dem Uni-Logo diente das Portal des Informatik-Gebäudes als Vorlage. Die unterhalb abgebildeten fünf dynamischen Schwingen sollen Hörsaalreihen darstellen, die wiederum die fünf Fakultäten symbolisieren. Das Corporate Design hat Stefan Dahinten -im Übrigen ein Passauer Alumni- bereits 2003 entwickelt. Mit dem Wintersemester 2009/2010 ist jedoch die Katholisch Theologische Fakultät (KT) in die Philosophische Fakultät eingegliedert worden. Müsste man nun nicht eigentlich eine Hörsaalreihe aus dem Logo entfernen? Der Sprecher des neu geschaffenen Departments für Katholische Theologie, Prof. Dr. Isidor Baumgartner sieht das folgendermaßen: „Streng genommen ist die KT nicht aufgelöst, sondern lediglich für „ruhend“ erklärt worden. Aus diesem Grund halte ich es für angebracht, wenn das Uni-Logo weiterhin an die KT erinnert.“

Siegel der Uni-Vorgängerin übernommen

Die Siegelabbildung der Uni Passau ist auch kein Wappen.Doch die Theologen kommen noch einmal in der Geschichte um das Wappen einer Uni, die eigentlich kein Wappen besitzt, zum Zug. Immerhin war die KT nicht nur Gründungsfakultät der jüngsten Universität Bayerns, ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Doch soweit müssen wir für unsere kleine Wappenkunde nicht zurückgehen: „Im Jahr 1978, dem Gründungsjahr der Uni, hat man einfach das Siegel der Vorgängerinstitution, der Philosophisch-Theologischen Hochschule übernommen“, erklärt Prof. Frenz.

Das Siegelbild dieser Hochschule war eine so genannte „Maria vom Siege“: Maria steht darauf auf der Mondsichel und trägt das Jesuskind auf dem Arm, das seinerseits mit dem Kreuzstab einen Drachen tötet.

Der „Passauer Madonnenstreit“

Doch eine Universität müsse „konfessions- und religionsneutral“ sein, war sich der mittlerweile emeritierte Passauer Soziologieprofessor Adolf Mintzel sicher. So kam es in den 1990er Jahren zum „Passauer Madonnenstreit“. „Ich habe damals dem Rektor einen Brief geschrieben, in dem ich darauf hinwies, dass die Abbildung von Heiligenfiguren auf Universitätssiegeln allgemein üblich ist“, erinnert sich Prof. Frenz. Besonders ärgert den Wissenschaftler, dass Mintzel im „Passauer Madonnenstreit“, die Siegelabbildung fälschlicherweise als Wappen bezeichnete. Aber das ist eine heraldische Spitzfindigkeit.

Interessanter ist, warum die Philosophisch-Theologische Hochschule, 1950 eben dieses Siegelbild gewählt hat. Und das kam so: 1933 war der Rektor der Hochschule, Prälat Franz Xaver Eggersdorfer, von den Nationalsozialisten aus seinem Amt entfernt worden. In der Zeit der unfreiwilligen Muße, verfasste er eine Geschichte seiner Hochschule, auf deren Umschlag die „Maria vom Siege“ abgebildet war. „Zudem hatte man in der NS-Zeit ein Hakenkreuzsiegel verwenden müssen, das bis 1950 in der Mitte leer war, weil man das Hakenkreuz nach Kriegsende herausgekratzt hatte“, erläutert Prof. Frenz. Die Botschaft, die dahinter steckt, ist eigentlich klar: Die Madonna mit dem göttlichen Kind überwindet die widergöttliche Ideologie der Nationalsozialisten.

UP-Logo als konfessions- und religionsneutrale Lösung

Doch im „Passauer Madonnenstreit“ der 1990er Jahre musste eine „konfessions- und religionsneutrale“ Lösung her. Also kreierte man kurzerhand ein Logo mit den Initialen der Uni „UP“. UP steht für Universität Passau. Prof. Frenz erinnert dies jedoch eher an „einstürzende Neubauten“.

Vom Streit um eine Madonna und fünf Fakultäten zum lesenden Wolf?

Ein Vorschlag für das Wappen der Universität Passau von Prof. Frenz.

Und überhaupt hätte der Historiker eine hervorragende Idee, wie man den „Passauer Madonnenstreit“ vielleicht vergessen und auch das Problem mit den eigentlich nur mehr vier Fakultäten umgehen könnte: Die Universität Passau sollte ein Wappen führen!

Der Historiker erklärt, dass in vielen Universitätswappen ein Buch vorkäme. Gerne werde auch ein lokaler Bezug hergestellt: „Ich schlage deshalb vor, dass wir den Passauer Wolf als Grundlage nehmen, ihm aber ein Buch zu halten geben. Und außerdem einen Bezug zu Bayern herstellen, in dem wir in das Schildhaupt die bayerischen Farben setzen.“

Wie gesagt, Heraldik ist nicht lebensnotwendig, aber spannend ist die Geschichte um das Wappen der Universität Passau allemal. Und wer weiß, vielleicht ist die Geschichte auch noch nicht zu Ende…

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