Archiv | Juni, 2011

Wiedersehen mit dem „Bundespräsidenten der Herzen“: Dr. Gauck in Passau

27 Jun

Gaucks Eintrag ins Goldene Buch der EW

„Werte Leuchtende und Erleuchtete, werte Erwählte und Gewählte…“, unkonventionell begrüßte Gauck die Zuhörer seiner Festrede im Rathaussaal in Passau. Ich kringelte mich vor Lachen – der Schirmherr der Festspiele Europäische Wochen (EW) spricht aus, was sich seine Vorredner nicht getraut haben, was ich noch nie im Rahmen einer solchen Veranstaltung gehört hatte: Er führte die seitenweise Begrüßungen der „Honoratioren“ ad absurdum.

Erste Begegnung am Vorabend der Bundespräsidentenwahl 2010

Und plötzlich war es wieder da, das Gefühl, das ich vor einem Jahr hatte. Ich erinnere mich zurück, wie viel anders die Situation war, als ich Gauck zum ersten Mal begegnete – es war am Vorabend der Bundespräsidentenwahl auf der sog. Fraktionsebene im Reichstagsgebäude. Ich war aufgeregt, schließlich durfte ich an diesem politischen Groß-Ereignis teilnehmen – zwar nicht als Wahlfrau, sondern „nur“ als Gast, was aber für mich „kleine“ Praktikantin dennoch eine große Ehre war.

Keine zweckgerichtete Höflichkeit

Ausweis für die Bundespräsidentenwahl 2010

Und da stand plötzlich dieser Mann vor mir, der einfach keine Chance haben wird, am nächsten Tag zum Bundespräsidenten gewählt zu werden. Es hätten schon die Linken sich von ihrer Vergangenheit distanzieren müssen und den Chef und Namensgeber der Gauck-Behörde, die sich mit den Stasi-Unterlagen auseinandersetzt, zum Staatsoberhaupt zu wählen. Er lächelte mich nur an, aber ich war berührt. Und ich bin das nicht häufig, zudem war ich von Parteipropaganda geprägt. Gauck war in diesem Moment nur von einer Person begleitet. Er wusste nicht, wer ich war, ob ich ihm morgen vielleicht mit meiner Stimme „nutzen“ könnte. Seine Höflichkeit war in diesem Moment nicht zweckgerichtet, Gauck war einfach nur höflich, weil er ein Mensch ist, der Menschen liebt.
Ich war berührt, nicht nur, weil ich Augenzeuge eines historischen Ereignisses werden durfte. Berührt war ich von der Aura dieses Menschen.

Von Gaucks Aura berührt

Dieselbe Aura spürte ich auch ein Jahr nach meiner ersten Begegnung mit Gauck wieder bei der Eröffnung der EW am Freitag, den 24. Juni 2011. Auch hier begegnete ich ihm durch Zufall in einem stillen Moment. Er saß für kurze Zeit einige Minuten beim Eröffnungskonzert am Abend in meiner Nähe, als er mit dem Intendanten kurz seinen Platz in der ersten Reihe gegen einen in der letzten eingetauscht hatte – der Akustik wegen. Fast auf den Tag genau sah ich den einstigen Bundespräsidenten-Kandidaten in Passau wieder. Er war im Grund unverändert. An diesem Tag wurde davon gesprochen, dass der „Bundespräsident der Herzen“ zu Gast sei. Ich meine, Gauck ist einfach „Bürger“ geblieben.

Mit meinem Praktikums-Chef PSts. Dr. Andreas Scheuer, MdB auf der Bundespräsidentenwahl 2010.

Mit „liebe Mitbürger“ schloss Gauck seine Begrüßung im Rathaussaal. Und das ist, was zählt: Auch die „Erwählten“ und „Gewählten“ sind in erster Linie „Bürger“. Das sollten die „Honoratioren“ selbst nicht vergessen, aber auch wir „einfachen“ Bürger nicht…

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Grenzüberschreitend seit ihrer Gründung: Die Festspiele Europäische Wochen Passau

24 Jun

EW-Logo

Wenn die Festspiele Europäischen Wochen Passau (EW) am 24. Juni 2001 zum 59. Mal eröffnet werden, dann wird jemandem auch ein klein wenig wehmütig zumute sein: Denn Dr. Pankraz Frhr. von Freyberg wird dann zum letzten Mal die Festspielzeit als Intendant miterleben. Nach 16 Jahren künstlerischer Leitung muss er Platz machen für einen anderen.

Intendant brillierte als Telefonjoker von Barbara Schöneberger

Zu vielen wurde Freyberg zu unbequem – seine Ideen versuchte er radikal durchzusetzen. Doch er hat dieses europäische Festival geprägt, wie nur wenige seiner Vorgänger. Und er lebt die Idee dieses Festivals: Grenzen kennt er nicht. Überregionale Berühmtheit erlangten der Intendant und die Passauer Festspiele spätestens als Freyberg als Telefonjoker von Barbara Schöneberger die Eine-Million-Euro-Frage von „Wer wird Millionär“ knackte.

Kulturfestival mit politischem Anspruch

Als die EW im Jahr 1953 gegründet wurden, war es das erste Festival im Nachkriegsdeutschland, das sich dem Europagedanken widmete.

Plakat der 2. Europäischen Wochen im Jahr 1953

Auf ein besonders kulturelles Engagement der Stadt Passau deutet zu Beginn der 1950er Jahre eigentlich nichts hin: Bombenschäden, überfüllte ‚Flüchtlingsbehelfsheime’ und viele andere Folgen des Krieges waren noch vielerorts sichtbar. Zudem war die kleine Stadt am Eisernen Vorhang hoch verschuldet. „The city of Passau is notoriously poor and its poverty has become even more serious since the end of the war.“ (Robert Marvel Allen’s report on the beginning of the European Festival in Passau, in: Lanzinner, Maximilian, Kulturfestspiele mit politischem Anspruch: Europäische Wochen Passau 1952-2002, Passau 2002, S. 312f.)

So heißt es zu den Anfängen der Festspiele im Bericht des Amerikaners Robert M. Allen. Die Gründung eines Festivals musste der Stadtrat also schon aus finanziellen Gründen ablehnen. 15 000 DM (vgl. Ebd., S. 11) wären einfach zu viel für den Haushalt der niederbayerischen Kleinstadt gewesen.

Gründung „am Rande der westlichen Welt“

Robert M. Allen: Gründungsoffizier der EW

Deutschland war in Besatzungszonen aufgeteilt – doch zumindest die Amerikaner wollten die Deutschen nicht nur regieren, sondern ihnen auch so schnell wie möglich wieder ein normales (Kultur)leben ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung der Festspiele Europäische Wochen durch den US-Kulturoffizier Robert M. Allen zu setzen. Denn die Amerikaner hielten es für erforderlich, „die geistig-moralische Haltung (…) am Rande der westlichen Welt zu stärken.“ (Ebd., S. 310f)

“Passau was selected for the project because of its significant geographical location on the Czechoslovakian border of the Russian Zone of Austria.“ (Ebd., S. 312f.) – Passaus Nähe zum Eisernen Vorhang gab also letztendlich den Ausschlag zur Gründung der Festspiele in Passau, wie es im Bericht des Gründers nachzulesen ist.

Die Gründung der Festspiele Europäische Woche war relativ stark politisch motiviert und großartige Programmpunkte gerade in der ‚Gründerphase’ eher spärlich.

Große Festspielregion in drei europäischen Ländern

Heute ist es den EW zu verdanken, wenn während der Festspielzeit hochkarätige Künstler, wie zum Beispiel Krzysztof Penderecki oder der verstorbene Lord Yehudi Menuhin, aber auch Politiker aus ganz Europa nach Passau und Umgebung kommen. Die Schirmherrschaft über die 59. Festspiele Europäische Wochen hat Joachim Gauck übernommen, der im vergangenen Sommer zur Bundespräsidentenwahl angetreten ist. Er ist ein lebendes Beispiel, was heute die Festspiele prägt: Denn mit dem Fall des Eisernen Vorhangs können nun die zahlreichen Veranstaltungen nicht mehr nur in Südostbayern und Oberösterreich, sondern auch in Südböhmen stattfinden. Die ca. 20 Veranstaltungsorte erstrecken über einen Raum von ca. 8.400 km².

Intendant Freyberg sagt „Adieu“

Noch vor dem großen 60. Jubiläum (muss) Freyberg „Adieu“ sagen. Der promovierte Kunsthistoriker widmet das Programm  „À Dieu – In Zeiten spiritueller Unruhe“. Bis zum 31. Juli finden heuer insgesamt 83 Veranstaltungen in den schönsten Kirchen, Klöstern und Schlössern des Dreiländerecks statt.

Karten für die Konzerte, Theater, Lesungen, Filme, Vorträge sind u. a. in der Kartenzentrale in Passau erhältlich. Übrigens gibt es für Schüler und Studenten 40% Ermäßigung.

Mein Abschied vom Konvent: Effektive Hochschulpolitik nur ohne Parteischarmüzel

21 Jun

Am Dienstag, 21. Juni 2011, findet an der Uni Passau die Hochschulwahl 2011 statt. Dieses Mal kann ich ganz gelassen auf das Wahldatum blicken, aber vergangenes Sommersemester sah das etwas anders aus – schließlich kandidierte ich da für einen Platz im Studentischen Konvent der Uni Passau.

Mein "Wahlflyer" für die Hochschulwahl 2010

Ich trat für den RCDS Passau an, der Studentenorganisation der Union. Natürlich freute ich mich sehr, dass ich das Vertrauen der Studierenden erhalten habe und (übrigens als einzige Frau) den RCDS für eine Legislatur, also über zwei Semester, im Studierendenparlament der Uni vertreten durfte.

Wenn meine Legislatur mit dem Sommersemester zu Ende geht, bin ich schon etwas traurig – schließlich war meine „Abgeordnetentätigkeit“ nicht nur mit Arbeit verbunden, sondern v. a. durfte ich viel lernen.

Beschlüsse haben nur Weisungscharakter für Uni-Leitung

Zu Beginn meiner Legislatur war ich sehr geprägt – und so vielleicht auch mit einigen Vorurteilen behaftet, was meinen christlich-sozialen Hintergrund anbelangte. Doch schnell merkte ich, dass Entscheidungen des StuPa/ des Konvents ohnehin nur Weisungscharakter für die Hochschulleitung hat. Warum also in Partei-Scharmüzeln uns gegenseitig bei der Konventssitzung zerfleischen?

Umweltschutz war dem RCDS mindestens genauso wichtig wie der GHG, der Grünen Hochschulgruppe. Den Antrag der Grünen, künftig Umwelt- als Kopierpapier zu verwenden, unterstützte meine „Fraktion“, indem wir nach Umweltpapier Ausschau hielten, das nicht von „normalem“ zu unterscheiden ist. Hand in Hand also für eine umweltfreundliche Hochschule!

Freilich, bei manchen Anträgen konnten die studentischen Vertreter der einzelnen politischen Hochschulgruppen einfach nicht über ihren Schatten springen: Die LHG, die liberale Hochschulgruppe, stimmte so – wie ihre wirtschaftliberale „Mutter“, die FDP – gegen den Antrag der GHG für Wirtschaftsethik als Pflichtfach in Wirtschaftsstudiengängen. Und ich brachte es als Christsoziale einfach nicht übers Herz, für konkordatsunabhängige Lehrstühle zu stimmen…

So ist wohl ein jeder geprägt von dem (partei-politischen) Hintergrund, für welche Liste er in den Konvent gewählt wird. Aber dem Studierendenparlament für die Legislatur 2011/12 kann ich nur raten: Handelt möglichst „überparteilich“, zerfleischt euch nicht, damit ihr gegenüber der Uni-Leitung möglichst geschlossen auftreten könnt.

Mein letzter Antrag: Benennung eines Hörsaals nach Anna Wimschneider

Eine möglichst geschlossene Entscheidung bzw. Abstimmung würde ich mir auch für meinen letzten Antrag, den ich in meiner Legislatur einbringe, wünschen: Der Benennung eines Hörsaales nach Anna Wimschneider (nach diesem Antrag zur Umbenennung von Hörsälen nach histor. Gesichtspunkten). Wer sich über den Ausgang des Antrags oder generell über die Arbeit des studentischen Konvents informieren möchte, der ist herzlich eingeladen am Donnerstag, 7. Juli 2011, ab 20h in Nk 403 vorbeizukommen! Die Sitzungen sind übrigens grundsätzlich öffentlich.

Danke für Euer Vertrauen!

Bei allen, die mir im vergangenen Semester ihre Stimme gegeben haben sowie dem RCDS Passau möchte ich mich auf diesem Weg herzlich bedanken! Mir hat die Arbeit große Freude gemacht und v. a., dass ich politisch viel toleranter geworden bin, hat mein künftiges Leben wohl enorm bereichert. Geht heute also wählen, damit ihr auch anderen diese Chance geben könnt. Hochschulpolitik ist wichtig, aber vergesst nicht: Nur gemeinsam kann man viel erreichen!

Gruppe an der Uni Passau für Geschichtsstudierende und -interessierte

6 Jun

Gemeinsam mit einem Kommilitonen habe ich mir zum Ziel gesetzt, eine „Hochschulgruppe Geschichte“ an der Uni Passau zu gründen. Ziel dieser Einrichtung soll der Austausch der Geschichtsstudierenden untereinander, aber auch mit der historisch interessierten Bevölkerung sein.

Die studentische Gruppe fußt auf drei Beinen:

  • Ein Historiker-Stammtisch, der jeden ersten Mittwoch im Monat stattfinden soll,
  • Studienberatung für Studierende des Fachs Geschichte an der Uni Passau (inkl. der Präsenz bei der „O-Woche“ zu Semesterbeginn),
  • sowie zahlreiche „historische Aktivitäten“ (wie z. B. der gemeinsame Besuch von Ausstellungen, Vorträgen, aber auch die Weiterführung der Diskussion von Seminarthemen).

Termine und aktuelle Infos zu der Gruppe finden sich auf http://geschichtepassau.wordpress.com/ oder in der Facebook-Gruppe „Geschichte Passau“.

Macher gesucht

Hast du/ haben Sie Lust unsere Gruppe zu unterstützen? Dann nimm/ nehmen Sie doch Kontakt mit uns aus – wir freuen uns über jeden Neuzugang und Ideen (zur Kooperation) für unsere „historischen Aktivitäten“!