Grenzüberschreitend seit ihrer Gründung: Die Festspiele Europäische Wochen Passau

24 Jun

EW-Logo

Wenn die Festspiele Europäischen Wochen Passau (EW) am 24. Juni 2001 zum 59. Mal eröffnet werden, dann wird jemandem auch ein klein wenig wehmütig zumute sein: Denn Dr. Pankraz Frhr. von Freyberg wird dann zum letzten Mal die Festspielzeit als Intendant miterleben. Nach 16 Jahren künstlerischer Leitung muss er Platz machen für einen anderen.

Intendant brillierte als Telefonjoker von Barbara Schöneberger

Zu vielen wurde Freyberg zu unbequem – seine Ideen versuchte er radikal durchzusetzen. Doch er hat dieses europäische Festival geprägt, wie nur wenige seiner Vorgänger. Und er lebt die Idee dieses Festivals: Grenzen kennt er nicht. Überregionale Berühmtheit erlangten der Intendant und die Passauer Festspiele spätestens als Freyberg als Telefonjoker von Barbara Schöneberger die Eine-Million-Euro-Frage von „Wer wird Millionär“ knackte.

Kulturfestival mit politischem Anspruch

Als die EW im Jahr 1953 gegründet wurden, war es das erste Festival im Nachkriegsdeutschland, das sich dem Europagedanken widmete.

Plakat der 2. Europäischen Wochen im Jahr 1953

Auf ein besonders kulturelles Engagement der Stadt Passau deutet zu Beginn der 1950er Jahre eigentlich nichts hin: Bombenschäden, überfüllte ‚Flüchtlingsbehelfsheime’ und viele andere Folgen des Krieges waren noch vielerorts sichtbar. Zudem war die kleine Stadt am Eisernen Vorhang hoch verschuldet. „The city of Passau is notoriously poor and its poverty has become even more serious since the end of the war.“ (Robert Marvel Allen’s report on the beginning of the European Festival in Passau, in: Lanzinner, Maximilian, Kulturfestspiele mit politischem Anspruch: Europäische Wochen Passau 1952-2002, Passau 2002, S. 312f.)

So heißt es zu den Anfängen der Festspiele im Bericht des Amerikaners Robert M. Allen. Die Gründung eines Festivals musste der Stadtrat also schon aus finanziellen Gründen ablehnen. 15 000 DM (vgl. Ebd., S. 11) wären einfach zu viel für den Haushalt der niederbayerischen Kleinstadt gewesen.

Gründung „am Rande der westlichen Welt“

Robert M. Allen: Gründungsoffizier der EW

Deutschland war in Besatzungszonen aufgeteilt – doch zumindest die Amerikaner wollten die Deutschen nicht nur regieren, sondern ihnen auch so schnell wie möglich wieder ein normales (Kultur)leben ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung der Festspiele Europäische Wochen durch den US-Kulturoffizier Robert M. Allen zu setzen. Denn die Amerikaner hielten es für erforderlich, „die geistig-moralische Haltung (…) am Rande der westlichen Welt zu stärken.“ (Ebd., S. 310f)

“Passau was selected for the project because of its significant geographical location on the Czechoslovakian border of the Russian Zone of Austria.“ (Ebd., S. 312f.) – Passaus Nähe zum Eisernen Vorhang gab also letztendlich den Ausschlag zur Gründung der Festspiele in Passau, wie es im Bericht des Gründers nachzulesen ist.

Die Gründung der Festspiele Europäische Woche war relativ stark politisch motiviert und großartige Programmpunkte gerade in der ‚Gründerphase’ eher spärlich.

Große Festspielregion in drei europäischen Ländern

Heute ist es den EW zu verdanken, wenn während der Festspielzeit hochkarätige Künstler, wie zum Beispiel Krzysztof Penderecki oder der verstorbene Lord Yehudi Menuhin, aber auch Politiker aus ganz Europa nach Passau und Umgebung kommen. Die Schirmherrschaft über die 59. Festspiele Europäische Wochen hat Joachim Gauck übernommen, der im vergangenen Sommer zur Bundespräsidentenwahl angetreten ist. Er ist ein lebendes Beispiel, was heute die Festspiele prägt: Denn mit dem Fall des Eisernen Vorhangs können nun die zahlreichen Veranstaltungen nicht mehr nur in Südostbayern und Oberösterreich, sondern auch in Südböhmen stattfinden. Die ca. 20 Veranstaltungsorte erstrecken über einen Raum von ca. 8.400 km².

Intendant Freyberg sagt „Adieu“

Noch vor dem großen 60. Jubiläum (muss) Freyberg „Adieu“ sagen. Der promovierte Kunsthistoriker widmet das Programm  „À Dieu – In Zeiten spiritueller Unruhe“. Bis zum 31. Juli finden heuer insgesamt 83 Veranstaltungen in den schönsten Kirchen, Klöstern und Schlössern des Dreiländerecks statt.

Karten für die Konzerte, Theater, Lesungen, Filme, Vorträge sind u. a. in der Kartenzentrale in Passau erhältlich. Übrigens gibt es für Schüler und Studenten 40% Ermäßigung.

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