Medienkritik im Korruptionsverdacht gegen Landrat Wölfl – über die Toten nur Gutes

4 Okt

„De mortuis nil nisi bene“, wie der Lateiner sagt. In Bayern heißt es: „Über an Doaden red ma net schlecht“.

Dass man über Verstorbene nicht sagen soll, es sei denn, es ist gut gemeint, das wird meiner Meinung nach im Moment vergessen, wenn die (Lokal)zeitungen über den verstorbenen Landrat Wölfl schreiben.

Der CSU-Landrat von Regen war in der Nacht vom 16. auf 17. August unter mysteriösen Umständen mit seinem Kleinwagen gegen einen Baum geprallt. Es war Selbstmord, wie sich später herausstellte. Die Familie des Verstorbenen hat es über den Pfarrer bei der Beerdigung der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Das hätte Familie Wölfl meines Erachtens nicht tun müssen! Auch wenn Wölfl durch sein Amt eine Person des öffentlichen Lebens war, das geht nur die engsten Angehörigen etwas an. An dieser Stelle möchte ich der Familie nicht nur mein Beileid, sondern auch meinen tiefempfunden Respekt für den Schritt ausdrücken, so früh oder überhaupt mit dieser Tragödie an die Öffentlichkeit zu gehen.

Fehler mit dem Leben bezahlt

Für die einen wird er ein „Bazi“ gewesen sein, der seine politische Position ausgenutzt hat. „Typisch CSU“, werden andere auch sagen. Ich sage, es ist völlig irrelevant, von welcher Partei der Regner Landrat war. Denn ich meine, im Tod sind wir alle gleich!

Wölfl war am Ende. Er wusste sich mit  seiner Spielsucht und den damit verbundenen Schulden einfach nicht mehr anders zu helfen. Das ist die Tragik seines Lebens und es ist egal, was er vor dem Tod war. Er hat mit dem Wertvollsten bezahlt, was ein Mensch hat: Mit seinem Leben.

Polizeiliche Ermittlungen werden nach Tod eingestellt

Was erlauben sich die Medien, Details gegen einen Toten in die Öffentlichkeit zu bringen? Damit posthum sein Ansehen und das seiner Familie schmälern, die jetzt ohnehin viel durchmachen muss. Die polizeilichen Ermittlungen werden gegen einen Toten eingestellt. Was bezweckt also jetzt noch eine Berichterstattung? Warum beschweren wir uns über die Bildzeitung, wenn selbst eine Lokalzeitung nicht weiß, was Medienethik ist?

Dass wir uns nicht falsch verstehen, ich heisse keineswegs gut, wenn Wölfl in seinem Amt korrupt war. Viel früher hätte er professionelle Hilfe suchen sollen – so hätte er auch gerade seiner Familie viel Leid erspart. Aber ich gebe ihm nicht allein Schuld an seinem Versagen. Plötzlich wissen viel etwas über Wölfl – sagen gegen ihn aus, vielleicht um die eigene Haut zu retten? Aber warum haben sie ihm nicht geholfen? Wollten sie ihm vielleicht gar nicht helfen?

Den Toten zu Ruhe kommen lassen

RIP Heinz Wölfl – ruhe in Frieden! Auch die Angehörigen sollen endlich zur Ruhe kommen dürfen. Daher würde ich mir wünschen, dass die Medien den antiken Spruch beherzigen würden. De mortuis nil nisi bene“ meint ja nicht, dass man sich Unwahrheiten ausdenken und Gutes schreiben muss, wenn man nichts Gutes schreiben kann. Es heißt für mich in die Jetzt-Zeit übersetzt, dass die Medien schauen sollen, wann Berichterstattung noch sinnvoll ist oder den Toten ihre Ruhe gönnen.

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3 Antworten to “Medienkritik im Korruptionsverdacht gegen Landrat Wölfl – über die Toten nur Gutes”

  1. Martin Resch Oktober 4, 2011 um 10:29 am #

    Der „Herbert“ hieß Heinz !

    • teresaohneh Oktober 4, 2011 um 10:41 am #

      Oh, vielen Dank für die Info – hab ich gleich geändert!

  2. Franz Schuhwerk Oktober 22, 2011 um 9:14 am #

    Was wirklich wütend macht an der politischen und medialen Aufarbeitung von Landrat Wölfls (Sucht-)Krankheit sind die heuchlerischen Krokodilstränen der Politiker. Der Politiker, die einerseits große Spenden aus dem Kreis der Spielautomaten-Hersteller und der Hallenbetreiber dankbar annehmen und andererseits dann gerne mithelfen, diese Seuche weiter und weiter zu verbreiten. Es ist widerlich…

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