Gauck spricht in München exklusiv zu CSU-Delegierten

13 Mrz

Es war wohl einer der „exklusivsten“ Termine, an denen ich bisher teilnehmen durfte. Nur zwei Ereignisse in meinem bisherigen Leben würde ich überhaupt so klassifizieren. Und ich werde mich wohl noch lange an diese zwei Tage erinnern –wahrscheinlich noch meinen Enkeln erzählen. Im Mittelpunkt stand zwei Mal derselbe Mann – aber aus einer anderen Perspektive…

CSU war immer schon für Gauck

Dr. Joachim Gauck sprach am 12. März exklusiv zu CSU-Mitgliedern in München. Foto: Heinrich R. Bruns.

Dr. Joachim Gauck sprach am 12. März exklusiv zu CSU-Mitgliedern in München. Foto: Heinrich R. Bruns.

„Sie treffen auf viele, die für Sie waren. Aber wir sind es wirklich“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer als er Gauck, im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) am Montag vor den Mitgliedern der Bundesversammlung am kommenden Sonntag begrüßte. Gauck lächelt verschmitzt, wie er immer lächelt.

Ich erinnere mich noch gut an die Bundesversammlung 2010. Wie ich hier schon berichtete, konnte ich als Gast bei der Bundesversammlung teilnehmen – das erste „exklusive“ Ereignis meines Lebens.

Damals hatte mich Gauck angelächelt, einen Tag vor der Bundespräsidentenwahl, als ich „kleine“ Praktikantin den Ort des morgigen Geschehens noch einmal inspizieren wollte. Gauck lächelte mich an, er konnte nicht ahnen, ob ich eine Wahlfrau war oder nicht – ihm bei der „morgigen“ Wahl „nützlich“ sein könnte oder nicht. Seine zutiefst menschliche Art hatte mich damals gefesselt.

Und sie fesselt mich sofort wieder beim Gespräch mit den Wahlfrauen und –männern der CSU. Als Parteimitglied (ja… ich „oute“ mich an dieser Stelle) habe ich eine Einladung erhalten. Ich bin kein Fan von irgendeinem Star und bin es auch noch nie gewesen. Nicht, dass Gauck den Vergleich mit einem Popsternchen verdient hätte, aber ich wollte zu diesem Termin. Ich wollte ihn wiedersehen, den Mann mit der sonoren Erzählerstimme, der mir aus tiefster Seele spricht.

Medienvertreter raus – Twitterer bleiben

Mir war klar, dass ich mit diesem Mann, der mich so fasziniert, schon zwei sehr viel „exklusivere“ Begegnungen hatte und dennoch wollte ich dort unbedingt hin… Jetzt „durfte“ auch die CSU für ihn sein. Endlich, so scheint es.

Das Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung war beim CSU-Gespräch mit Gauck bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Medienvertreter müssen nach der Begrüßung den Konferenzsaal der HSS verlassen – die Twitterer bleiben. Und es sind ja auch keine „Geheimnisse“, die Gauck dem überaus geneigten Publikum berichtet.

„Wer sich lange nach ihr sehnt, wird im Herzen immer einen Platz für sie haben: Die Freiheit“. Gauck definiert, was für ihn Freiheit bedeutet. Freiheit ist sein Thema. Er, der 1940 in einen unfreien Staat geboren wurde und dann – als Bürger der DDR – abermals Unfreiheit erleben musste. Keine großartig neuen Erkenntnisse – ich erinnere mich an meine eigenen Theologie-Vorlesungen zurück – als Gauck auf den Unterschied der „Freiheit von etwas“ und „Freiheit für etwas“ eingeht. Doch ich höre ihm gern zu. Ja, es macht richtig Spaß, ihm zuzuhören! Und seine direkte Art, zu sprechen macht mir Mut, ermutigt mich in meinem Tun. Gauck war kein braver Parteisoldat und er wird nie einer sein, er sagt: „In der Politik gibt es alles: Von grenzdebil bis begnadet“. Bisher habe ich vor allem Ersteres bei meinen eigenen Ausflügen in die (Lokal)politik am eigenen Leib erfahren müssen. Aber wer, außer Gauck kann sagen, dass es so ist?

Keine Experimente und dennoch ein neuer „Mutmacher“

Obwohl die CSU-Mitglieder eigentlich zum „Gespräch“ mit Gauck geladen wurden und für mich ein Gespräch aus einem Dia- und nicht Monolog besteht, lässt Seehofer nur wenige Wortmeldungen zu. Und da ist die Frage, die dem rechten Flügel der Union unter den Nägeln brennt: Die Frage nach dem „gschlamperten“ Verhältnis.

CSU-Chef Seehofer ermahnt seine Anhänger, nur Fragen zu stellen, die dieser Stunde „würdig“ seien und weist Gauck darauf hin, dass er auf die Frage selbstverständlich nicht zu antworten brauche. Doch Gauck tut es, mit einem Lächeln. Nie wieder werde er darüber sprechen sagt er: „Ich bin nicht derjenige, der ein neues Rollenmodell verkörpert“. Ich meine, auch sonst werden wir von unserem neuen Bundespräsidenten „keine Experimente“ erwarten können.

Gauck ist ein Konservativer, das war er immer. Und er ist meiner Meinung nach der Richtige, der dem Amt des Bundespräsidenten jetzt wieder Würde verleihen wird – mit einem verschmitzten Lächeln.

Erinnerungsfoto mit HSS-Vorsitzendem Hans Zehetmair und HSS-Stipendiaten aus Passau. Foto: Heinrich R. Bruns.

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2 Antworten to “Gauck spricht in München exklusiv zu CSU-Delegierten”

  1. teresaohneh März 13, 2012 um 4:57 pm #

    Vielen Dank

Trackbacks/Pingbacks

  1. Gauck und die CSU – eine Annäherung « Heinrich graut's - März 13, 2012

    […] @Teresa_ohne_H hat einen schönen Blogpost aus der Sicht als Zuschauerin […]

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