Sterben 2.0: Darf ich Bilder „live“ von einer Beerdigung posten?

25 Sep

Da das Sterben bekanntlich zum Leben gehört, hat es auch in das Web 2.0 Einzug gehalten.

Wie sehr Altbischof Eder von seinen Diözesanen geschätzt wurde, zeigten u. a. die Einträge im Kondolzenzbuch, das im Passauer Stephansdom aufgelegt war.

Wie sehr Altbischof Eder von seinen Diözesanen geschätzt wurde, zeigten u. a. die Einträge im Kondolzenzbuch, das im Passauer Stephansdom aufgelegt war.

Ich gehöre nicht unbedingt zu den Personen, die gerade wenig in sozialen Netzwerken posten. Aber ich habe meine Grenzen! Dieser Rubikon wurde bei mir ganz deutlich überschritten, als ich Bilder von der Beerdigung des von mir hoch geschätzten Altbischof von Passau, Franz-Xaver Eder, auf Facebook (FB) entdeckte.

Und dabei meine ich nicht Bilder, die die bischöfliche Pressestelle angefertigt hat und die ich dann über Accounts befreundeter Priester in meiner Timeline entdeckte.

Nein, es geht mir konkret um das Foto einer Passauer Geschäftsfrau (Näheres möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich niemanden bloß stellen will), die während(!) des Requiems ein Foto von ihrem Sitzplatz aus auf FB postete: Zu sehen ist dabei deutlich der Sarg, wie er vorm Volksaltar aufgestellt war.

Social Media raubt jegliches Gefühl für den Augenblick

Bitte, versteht mich nicht falsch: Es geht mir nicht um das Bild von einem Sarg. Es geht mir vielmehr darum, wie uns soziale Medien jegliche Sakralität, das Gefühl für den Augenblick rauben. Wo bleibt die persönliche Einkehr, das Gebet für den Verstorbenen?

Warum gehe ich auf eine Beerdigung/ ein Requiem? Nur um sehen und gesehen zu werden? Wohl kaum. Aber genau das drückt dieser Post für mich aus.

Wenn ich eine Beerdigung besuche, erweise ich dem Verstorbenen die letzte Ehre. Wenigstens für diese wenige Minuten des Gottesdienstes verzichte ich auf den Gebrauch meines Smartphones. Ich möchte mich einlassen auf die Liturgie und durch Gebet und Gesang an ihr teilhaben. Und selbst wenn ich nicht der jeweiligen Religion angehöre, kann ich die Trauerfeierlichkeit mit positiven Gedanken an den Verstorbenen begleiten.

Wenn ich ein Bild mit meinen „Freunden“ von diesem wichtigen Ereignis teilen möchte, kann ich sicher auch warten, bis ich zu Hause am PC sitze und die Presse ihre Artikel ins Web gestellt hat.

Medienkompetenz bedeutet manchmal nur Menschenverstand gebrauchen

Wie gesagt, ich bin bestimmt kein Kind von bescheidener Selbstdarstellung im Web 2.0. Aber wann ich auf Twitter, Facebook und Co zu schweigen habe, das weiß ich. Das Beispiel zeigt für mich, dass Medienkompetenz auch manchmal nur einen normalen Menschenverstand bedingt. Schon als kleine Kinder lernen wir, wie wir uns bei einer Beerdigung/ im Gotteshaus zu verhalten haben. Auch wenn uns unsere Eltern damals noch nicht das Posten mit Smartphones verboten haben, weil es das eben noch nicht gab!

FAZIT Vor dem Posten einfach einmal Köpfchen einschalten!

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In meiner Blog-Serie „Sterben 2.0“ bisher veröffentlicht:

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