Archiv | August, 2014

#IceBucketChallenge – mein Kommentar und Nominierungseinsatz

31 Aug

Die #IceBucketChallenge unserer Tage erinnert mich etwas an den Sportunterricht meiner Schulzeit. Es war ein bisschen ein Zeichen von Beliebtheit, in welcher Reihenfolge man in die Völkerball-Mannschaft gewählt wurde. Ich habe mich gerne auf der Bank besonders klein gemacht, um möglichst spät (am liebsten wär mir gewesen gar nicht) in die Mannschaft gewählt zu werden. Der Zeitpunkt der Nominierung bei der #IceBucketChallenge ist auch irgendwie ein Indikator für die Beliebtheit/ Vernetztheit der nominierten Person. Ich wurde bspw. zeitgleich mit dem CSU-General Andi Scheuer nominiert. Und ich dachte, ich hätte schon lange auf der Bank sitzen dürfen… Bei der #IceBucketChallenge habe ich mich nämlich – entgegen meiner sonstigen Gewohnheit – wie einst im Sportunterricht äußerst zurückgehalten, keine (oder kaum dumme Kommentare) meinerseits. Und jetzt hat’s mich doch erwischt! Ich „danke“ meinem Twitterfreund Marko Preuß (@papapreuss) aus Berlin für die Nominierung. Ich mach mich auch als Bayer nicht zum „Vollhorst“

Als Bayerin mache ich mich ungern zum "Vollhorst", sondern bastel lieber für das BR-Projekt Sternstunden. Für einen Stern brauche ich bis zu einer Stunde, je nach Modell.

Als Bayerin mache ich mich ungern zum „Vollhorst“, sondern bastel lieber für das BR-Projekt Sternstunden. Für einen Stern brauche ich bis zu einer Stunde, je nach Modell.

Doch auch wenn ich aus Bayern bin, ich mache mich an dieser Stelle NICHT zum „Vollhorst“ und kippe mir keinen Eimer mit Eiswasser über den Kopf… Ich habe mich schon über genug Videos selber lustig gemacht. (Mein persönliches Highlight ist der Sprung in den Pool einer Lokalpolitikerin mit einem Hermès-Gürtel.) Und auch sonst habe ich es nicht nötig, mich besonders pseudo-originell vor einer Kamera zu produzieren. Wer mich kennt weiß, ich brauch keine Kamera dazu 😉 Es gibt leider eine Meeeeenge unerforschter Krankheiten. ALS ist nur eine davon. Doch ist die #IceBucketChallenge wirklich dazu geeignet, auf diese Krankheit nachhaltig aufmerksam zu machen? Passauer Prof initiiert ALS-Seite auf FB Ein hochgeschätzer Ex-Prof von mir, Prof. Dirk Heckmann, hat eine Facebook-Seite („Help ALS Anywhere – Like & Share“) initiiert, die nachhaltig auf ALS aufmerksam machen soll. Eine ganz, ganz wunderbare Idee, diesen Hype zu nutzen! Das Interesse? Ganze 34 Likes (inkl. dem Like des Initiators). Fazit: Die Menschen wollen einfach nur sehen, wie sich ihre Social-Media-Freunde nass machen. q. e. d. Mein Nominierungseinsatz Soweit mein Kommentar/ Wort zum Sonntag zur #IceBucketChallenge, jetzt zu meinem Nominierungseinsatz: Ich lasse mir ungern vorschreiben, wem ich etwas spenden soll – setze mich aber gerne für den guten Zweck ein… Aber auf allen Hochzeiten kann man auch charitymäßig nicht tanzen!

Beim ersten von vier geplanten Bastelnachmittagen für Sternstunden entstanden elf sog. Bascetta-Sterne.

Beim ersten von vier geplanten Bastelnachmittagen für Sternstunden entstanden elf sog. Bascetta-Sterne.

Im Moment organisiere ich (in Kooperation mit dem Club der Altstipendiaten meiner Stiftung – kurz: CdAS) Bastelnachmittage für Sternstunden. Für das Projekt des Bayerischen Rundfunks mit dem „kranke, behinderte und in Not geratene Kinder – in Bayern, in Deutschland und weltweit“ Unterstützung erfahren, werden die selbstgebastelten Sterne auf dem Nürnberg Christkindlesmarkt verkauft. Ich habe bereits im vergangenen Jahr mit Mitstipendiaten für das Projekt gebastelt und das Bastelmaterial selbst bezahlt. Dieses Jahr konnte ich den CdAS als Sponsor für das Bastelmaterial gewinnen. Pro Like für meinen Beitrag an der Pinnwand der Seite von Prof. Heckmann, bastle ich einen Stern für Sternstunden (mit meinem persönlichen Bastelmaterial). Zeitaufwand pro Sterne, je nach Modell, zwischen 10 Minuten bis zu einer Stunde. Nominieren möchte ich niemanden für die #IceBucketChallenge, weil ich hoffe, dass jeder ein persönliches Charity-Projekt hat, das er auch ohne pseudo-witzige Videos unterstützt. Vielleicht wollt ihr dazu ja die ALS-Seite von Prof. Heckmann liken! ***Update*** Meinen Like-Countdown (1 Like = 1 Stern) habe ich am 9. Sept. um 22.22h geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt waren es 12 Likes für den Beitrag an meiner Pinnwand, plus 2 Likes auf der Seite von Prof. Dirk Heckmann „Help ALS Anywhere – Like & Share“ (wo die Likes eigentlich gemacht werden sollten, aber ich zähl natürlich alle ;)) Das macht nach Adam Riese 15 Sterne, die ich „extra“ für Sternstunden basteln wollte. Und was soll ich sagen – die vergangenen TV-Abende waren sehr produktiv, hier der ultimative Bildbeweis (vom 16. Sept.):

Meine persönliche #IceBucketChallenge habe ich erfüllt: 15 Sterne ( 1 Like = 1 Stern) für Sternstunden.

Meine persönliche #IceBucketChallenge habe ich erfüllt: 15 Sterne ( 1 Like = 1 Stern) für Sternstunden.

Wie ich mich kenne, werden es aber bis zur Abgabe der Sterne beim BR noch ein paar zusätzliche Exemplare 😉

Sterben 2.0: „grandmabetty33“ ist tot

3 Aug
Screenshot Instagram

Screenshot Instagram

Grandma Betty ist tot. Das klingt so, als wäre eben eine Großmutter gestorben. Von irgendwem. Irgendwo. Aber diese Nachricht erreicht über eine halbe Million Follower auf Instagram.

Urenkel Zach Belden hatte nach der Krebsdiagnose für seine Grandma diesen Account eingerichtet. Die 80-jährige Dame freute sich, dass so viele Menschen Anteil an ihrem Schicksal nahmen. Und “grandmabetty33” erfreute ihr IG-Follower, wenn sie z B zu „Happy“ ein Tänzchen wagte.

Warum, können sich die Kritiker fragen, warum stellen Menschen ihre letzen intimen Momente ins Netz? Warum das Sterben oder den Kampf darum öffentlich machen?

Wie ich schon öfters in meiner kleinen Serie zum Thema „Sterben 2.0“ beobachtet habe, das Sterben gehört mittlerweile zum Web 2.0. Insbesondere Angehörigen scheint dieser öffentliche Umgang mit dem Tod Kraft zu geben: Sie finden Gleichgesinnte, Trost… Gleichzeitig schaffen sie ihren geliebten Menschen ein ehrendes Andenken.

Grabmäler sind heute mulitmedial

Grandma Betty ließ die Menschen an ihrer Krebserkrankung teilhaben: Bunt wie das Leben ihr Instagram-Account (Screenshots) mit Hochs und Tiefs.

Grandma Betty ließ die Menschen an ihrer Krebserkrankung teilhaben: Bunt wie das Leben ihr Instagram-Account (Screenshots) mit Hochs und Tiefs.

Früher hat man ein monumentales Grabmal errichtet – heute sind die Monumente multimedial. Und das Beste daran: Man kann an seinem Monument im Web 2.0 selbst mitbauen:

Vor einigen Tagen habe ich den Instagram-Account einer 20-jährigen Mutter entdeckt, die nach eigener Beschreibung, „Krebs im Endstadium“ hat. Mit Glatze und ihrer kleinen Tochter lädt sie Bilder auf Instagram. Ehrlich & ungeschminkt. Sie lässt ihre IG-„Gemeinde“ teilhaben an ihrem Schicksal und das ganz konkret: „Heute wirken die Medikamente nicht“, „ich habe Angst“, „ich möchte leben“.

Für ihre kleine Tochter hinterlässt sie so nicht nur Briefe, in denen sie später einmal nachlesen kann, wie es ihrer Mutter erging – nein, konket überliefert sie ihrer „Zaubermaus“ auch Bilder von schönen und traurigen Momenten.

Empathie statt Voyeurismus ist angesagt

Ich wünsche der „Kämpferin“, dass sie die Hoffnung niemals aufgibt. Und verneige mich vor so viel ungeschminkter Wahrheit & Ehrlichkeit. Denn ich meine, die Netzgemeinde befriedigt mit Accounts wie dem von Grandma Betty nicht ihren Sensations-Voyeurismus.

Nein, diese Accounts wecken unsere Empathie und die Besinnung auf das Wesentliche: Alles Leben ist endlich – wir sind nur Gast auf Erden, machen wir das Beste aus jedem Tag!

 

In meiner Blog-Serie “Sterben 2.0″ bisher veröffentlicht: