Archiv | November, 2014

Selbstgemachter Adventskranz „to go“

20 Nov

Nur noch einige Tage und wir haben schon wieder den ersten Advent. Habt ihr euch schon Gedanken über euren Adventskranz gemacht?

Die (Vor)weihnachtszeit ist die Zeit der Geschenke. Und was erfreut das eigene Herz und das Herz des Beschenkten besser, als etwas selbstgebasteltes, weil diese Kleinigkeiten eben ganz persönlich sind und von Herzen kommen.

Adventskranz to go

Vier Teelichter mit Washi Tapes und den Ziffern 1 bis 4 verzieren und fertig ist der „Adventskranz to go“.

Eine solche gebastelte Kleinigkeit ist mein „Adventskranz to go“. So ein Mini-Adventskranz ist das ideale Mitbringsel für die liebe Kollegin im Nachbarbüro oder den Junggesellen, der keinen Adventskranz im herkömmlichen Sinne in seiner Bude hat. Oder vielleicht wollt auch ihr selbst auf einen traditionellen Adventskranz aus Tannengrün verzichten.

Mein „Adventskranz to got“ ist jedenfalls ratzfatz fertig, alles was ihr für die „Basic-Variante“ benötigt sind:

  • 4 Teelichter
  • Washi Tapes
  • Lackmaler in der Farbe eurer Wahl
  • Klarsichtfolie oder Tütchen zum Verpacken
  • Geschenkanhänger zum Verzieren

Sog. Washi Tapes (auch Masking Tapes genannt) sind gerade bei einigen Discountern (ALDI Süd, LIDL) im Angebot, es gibt sie aber auch in großer Auswahl z. B. hier auf Amazon. Es handelt sich hierbei um bedruckte Papierklebebänder, die man zum Basteln verwenden kann und ursprünglich aus Japan kommen.

Teelicht mit Washi Tape

Das Washi Tape einfach auf die „Schale“ der Teelichter aufkleben.

Ähnlich wie einen Tesafilm lassen sich dies Washi Tapes auf die „Schale“ der Teelichter anbringen. Wer verschiedene Design-Varianten der Tapes besitzt (und das ist ja meist bei den Bastelfeen der Fall), der kann jede Adventskerze/ jedes Teelicht mit einem anderen Muster verzieren.

Danach werden noch mit den Lackmalern die Zahlen eins bis vier für die einzelnen vier Adventssonntage auf die verzierten Teelichter geschrieben. Hier habe ich mich für die klassischen Farben gold und silber entschieden. Jetzt seid ihr im Prinzip auch schon fertig.

Ich habe den „Adventskranz to go“ ganz einfach in Klarsichtfolie verpackt und mittels eines Stempels ein farbiges Notizblockpapier verziert, das ich gelocht und an die Teelichter gebunden habe.

Je nach Fantasie, Bastelfertigkeiten und Zeitbudget könnt ihr die „Basic-Variante“ natürlich auch noch etwas aufpeppen – hierzu noch einige Ideen von mir:

  • Man kann natürlich auch nur ein Washi-Tape-Design für den „Adventskranz to go“ wählen und bspw. nur für den sog. Gaudete-Sonntag, den dritten Advent, eine andere Variante. Dieses dritte Teelicht könnte dann auch ein Duft-Teelicht oder eines aus Bienenwachs sein.
  • Man könnte auch den Teelichter noch eine Zündholzschachtel hinzufügen, die ihr natürlich auch noch mit bspw. Washi Tapes verzieren könnt.
  • Ihr könnt natürlich auch noch z. B. einen  selbstgebastelten Stern an das Päckchen hängen.
  • Ihr könntet auch eine kleine Box in Origami-Technik für die Teelichter basteln.

Sicher habt ihr noch viele eigene Ideen zum „Adventskranz to go“! Ich würde mich daher freuen, wenn ihr diese einfach als Kommentar unter meinem Blogpost hinterlasst und auch noch bei meinem älteren Beitrag über Adventskränze vorbeiklickt 😉

Viel Spaß beim Nachbasteln, kreative Ideen und natürlich eine schöne Adventszeit

wünscht euch Teresa ohne h

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Kaffeefahrt statt Disneyland: Ein Besuch bei der Urenkelin von Franz Ferdinand auf Schloss Artstetten

5 Nov
Idyllisch in Niederösterreich gelegen: Schloss Arstetten mit der Gruft der Hohenbergs

Idyllisch in Niederösterreich gelegen: Schloss Artstetten mit der Gruft der Hohenbergs

„Ich kann aus Schloss Artstetten kein Disneyland machen. Mit Spielen in der Art, wer schießt so gut wie Princip“, sagt „Ihre Durchlaucht“ Anita von Hohenberg. Die Fürstin ist die Schlossherrin von Artstetten. Ihr Ur-Großvater war Franz Ferdinand, Thronfolger von Österreich-Ungarn; ermordet mit seiner Gemahlin Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo – was bekanntlich als das auslösende Moment für den Ersten Weltkrieg gilt.

Jetzt jährte sich das traurige Jubiläum des Attentats zum 100. Mal. Das will geschickt vermarktet sein! Man denke nur an die unzähligen Bücher, die pünktlich 2014 auf den Markt geworfen wurden.

Besonders stolz scheint Frau Hohenberg, wie sie in Österreich schlicht heißt -der Adel wurde dort 1918 abgeschafft und anders als in Deutschland sind die Titel kein Namensbestandteil- darauf zu sein, dass zur Gedenkfeier am 28. Juni 2014 auch viele Habsburger da waren. Konkrete Namen nennt sie nicht. Denn zu Lebzeiten hatten die Habsburger nichts von dem Thronfolger-Ehepaar wissen wollen, die Ehe ihrer Urgroßeltern galt als nicht standesgemäß.

Monarchie-Kitsch statt Micky Maus im Souvenirshop

Gerne erinnert sich Anita von Hohenberg bspw. an ihren „Onkel Otto“ – Otto von Habsburg, der Sohn des letzten österreichischen Kaisers. Ottos Vater Karl wurde nach dem Tod von Franz Ferdinand Thronfolger. Das Kleidchen, das Onkel Otto bei der Krönung seines Vaters, trug ist im „Franz-Ferdinand-Museum“ in Artstetten ausgestellt. (Im Übrigen eines der wenigen wirklich sehenswerten Exponate.)

Das "Auto von Sarajevo" ist im Original im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien zu betrachten.

Das „Auto von Sarajevo“ ist im Original im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien zu betrachten.

Um in das kleine Museum zu kommen, muss man durch den Souvenir-Shop. Das Auto von Sarajevo gibt es dort in Miniaturformat zu erwerben. (Ein echter Haderthauer witzeln wir.) Pralinen, Schnaps Handtücher – nicht mit Micky Maus darauf, sondern mit dem Konterfei des Thronfolger-Paares, eine Landkarte von Österreich-Ungarn, um nur einige Dinge zu nennen, die Fans der Monarchie dort erwerben können.

Darunter natürlich auch unzählige Bücher, die zu diesem Jubiläum erschienen sind. Die Fürstin hat selbst auch eins geschrieben bzw. schreiben lassen mit dem Titel „Er war mein Ur-Großvater“. Anita von Hohenberg ist Jahrgang 1958, sie selbst ist weit nach dem Attentat und dem Zerfall der k.-u.-k. Monarchie, in der Republik Österreich geboren. Aber zahlungsfreudigen Gästen gibt sie gern Auskunft über Franz Ferdinand, ihre Familie, ihre Abstammung: „Die kann ich nicht einfach wie einen Rucksack abstreifen“, sagt sie.

Zwischen 30 und 60 Euro p. P. kostet ein Gespräch mit der Urenkelin

Gruppen die nach Artstetten kommen, können zwischen zwei Arrangements wählen: 30 Euro pro Person kostet Variante 1 mit Sektempfang im Café; nochmal 30 Euro drauf gelegt und man wird in den Privaträumen der Fürstenfamilie empfangen. Ihre Söhne pflegen wohl nicht ganz ohne Grund von einem „Privathaus mit öffentlichen Teilen“ zu sprechen.

Wir haben für unsere Gruppe einen Sondertarif erhalten: Die Fürstin verzichtet auf die „Kopfpauschale“, dafür zahlen wir den vollen Eintrittspreis für das Museum, das für seine Größe durchaus großzügig veranschlagt ist. Und die Fürstin wünscht, dass wir im Café, wo sie uns empfängt, konsumieren.

Hohenbergs sind und waren Habsburgern nicht ebenbürtig

Urenkelin & Fürstin Anita von Hohenberg empfängt zahlende Gäste in ihrem Schloss-Café.

Fürstin Anita von Hohenberg empfängt zahlende Gäste in ihrem Schloss.

Nach der Führung durch das Museum und die Gruft der Hohenbergs, wo Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und seine Gemahlin Sophie von Hohenberg geb. Chotek beigesetzt sind, geht es – natürlich wieder durch den Souvenirshop – ins Café.

„Bitte stellen sie mir Fragen, ich kann sie sonst auch zwei Stunden zuschwallen“, meint die Fürstin. Wann hat man schon Gelegenheit mit der Urenkelin von Franz Ferdinand zu sprechen?

Leider antwortet sie nicht direkt auf Fragen, was etwa ihre Kinder beruflich machen. Gerne schweift sie ab, um von ihrer hochkarätigen Verwandtschaft zu sprechen: „Wir Adeligen sind wie Zigeuner, wir kennen jeden Vetter. Meine Großmutter etwa war die Großherzogin von Luxemburg“ Dass Sophie von Chotek, die aus einem böhmischen Adelsgeschlecht stammte, einst nicht ebenbürtig für den habsburgischen Thronfolger war, könnte man an dieser Stelle fast vergessen. Erst nach der Heirat war die böhmische Gräfin in den Fürstenstand erhoben worden.

Franz Ferdinand und Gemahlin in Gruft Artstetten bestattet

Die beiden führten eine morganatische Ehe, d. h. ihre Kinder hätten nie den Thron besteigen dürfen. Nicht einmal in der Kaisergruft in Wien hätte die Frau neben ihrem Mann bestattet werden können.

Weil bereits ein Sohn des Paares in der Gruft von Artstetten bestattet wurde (im Bild sieht man den Kindersarg oberhalb in die Wand eingelassen), wollte Franz Ferdinand nach seinem Tod ebenfalls nach Artstetten.

In der Gruft von Artstetten wurde das ermordete Thronfolger Ehepaar beigesetzt, da dort bereits ein Sohn des Paares begraben war.

In der Gruft von Artstetten wurde das ermordete Thronfolger Ehepaar beigesetzt, da dort bereits ein Sohn des Paares begraben war.

Die Fürstin beklagt sich, wie schlecht es dem ehemaligen Herrscherhaus nach 1918 ergangen sei: „Jedes andere Land hat seinen Frieden mit seinen ehemaligen Regenten geschlossen, nur Österreich nicht.“ Es könnte ihr eigentlich egal sein; denn dem Herrscherhaus gehört sie nach den strengen Hausgesetzen nicht an.

Zum Glück scheinen dennoch – neben zahlreichen ausländischen Touristen – genug Österreicher nach Artstetten zu kommen; das Schloss und der fürstliche Lebensstil will finanziert werden. Im Übrigen scheinen auch ihre Kinder in dieses „Familienunternehmen“ eingebunden zu sein – als Fotografen, Grafikdesigner etc. Warum sie dies nicht sagen wollte, man kann nur mutmaßen…

Nachdem die Fürstin „ihr“ Café verlässt, bekommt unsere Gruppe das Pauschalangebot serviert, das nicht an Disneyland, sondern eine Kaffeefahrt erinnert: Ein Stück trockenen Kuchen und eine Wiener Melange. Sonderwünsche ausgeschlossen, das 5-Euro-Arrangement muss genau so gewählt werden.

Mit Noblesse hat diese Vermarktung herzlich wenig zu tun

100 Jahre Erster Weltkrieg – ein Zentenarium der besonderen Art, das wir dieses Jahr begehen. Jahres- und Gedenktage rücken historische Ereignisse in das öffentliche Interesse. Die Angebote zu diesem traurigen Jubiläum sind vielseitig, sie bewegen sich zwischen echter Erinnerungskultur und schlichten Vermarktungsmechanismen.

Meiner Meinung nach zeugt diese Vermarktung der eigenen Familiengeschichte auf Artstetten wenig von adeliger Noblesse. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass die Habsburger die Hohenbergs heute nicht mehr aus dynastischen Gründen meiden. Aber darüber kann man ebenso nur Mutmaßungen anstellen, wie über die Frage, ob sich Franz Ferdinand in seiner Gruft in Artstetten am liebsten sprichwörtlich umdrehen würde. Mögen er und seine Sophie in Frieden ruhen dürfen!