Archiv | Juli, 2015

“Darf ich zu meinem Professor “hallo” sagen?”: Anrede-Knigge für Studierende

30 Jul
Die Titel der Unilehrer sind zwar auf dem Namensschild oft voluminös, aber nicht alle gehören in die (schriftliche) Anrede. Wie spreche ich meinen Professor richtig an? Oft ist das eine große Hürde für Studierende - nach diesem Text wisst ihr, wie es richtig geht! (Foto: Winderl)

Die Titel der Unilehrer sind zwar auf dem Namensschild oft voluminös, aber nicht alle gehören in die (schriftliche) Anrede. Wie spreche ich meinen Professor richtig an? Oft ist das eine große Hürde für Studierende – nach diesem Text wisst ihr, wie es richtig geht! (Foto: Winderl)

Ich kann mich noch gut an den Beginn meiner Studienzeit erinnern und insbesondere daran, wie ehrfürchtig ich die ganzen Titel vor den Namen meiner Dozenten im (damals noch auf Totholz gedrucktem) Vorlesungsverzeichnis bewundert habe.

Die Immatrikulation war geschafft, aber schon wartete die nächste Hürde auf mich: Ich musste dem Dozenten eine E-Mail schreiben. Nur wie sollte ich Frau Prof. Dr. XY korrekt anschreiben oder -reden? Die Titel abkürzen? Gehören alle Titel in die Anrede?

Und weil ich zwischenzeitlich die Seiten gewechselt habe und nun selbst an der Uni arbeite, weiß ich, dass es die Hürde der richtigen Anrede noch immer gibt. Deswegen folgt an dieser Stelle ein kleiner Anrede-Knigge:

Welche Grußformel wähle ich in einer E-Mail an meinen Professor?

Den ersten Fehler, den Studierende (ich gendere das Wort Studenten mal ganz brav zumindest an dieser Stelle, weil ich ja u. a. schon an der Pressestelle der Uni gearbeitet habe) in einer E-Mail begehen, ist m. E. oft schon die Anrede: “Hallo” mag zwar im www eine gebräuchliche Grußformel sein, in einer E-Mail an den Herrn Professor ist sie aber fehl am Platz! (Ich glaube ich muss nicht gesondert erwähnen, dass das analog auch für “Hi” oder Grußformeln am Ende der E-Mail wie “Tschüss” oder “Servus” gilt ;))

Sicher, es gibt immer Ausnahmen von dieser Regel, wenn der Professor oder der (unpromovierte) Dozent noch recht jung ist. Aber ich würde empfehlen, gerade wenn man seinen akademischen Lehrer noch nicht kennt, diesen potentiellen Fauxpas zu vermeiden und ihn zumindest in der ersten E-Mail mit “Sehr geehrter Herr..” anzuschreiben. Wenn er dann mit “Hallo” oder “Lieber” zurückschreibt, kann man selbstverständlich auch selbst diese lässigere Grußformel wählen.

“Lieber” als Anrede gebrauche ich z. B. nur bei Professoren oder Dozenten, die ich persönlich wirklich schon länger kenne. Wobei ich diese Anrede lange nicht so deplatziert wie “Hallo” finde, aber das ist sicher Geschmackssache…

Titel hinter dem Namen getrost ignorieren

Kommen wir nun zu den ganzen Titeln, die Uni-Dozenten vor oder auch hinter dem Nachnamen stehen haben. Ich habe bspw. auch schon Mails an “Frau M.A. Winderl” bekommen. Das ist völlig übertrieben! Denn als Faustregel gilt: Titel, die hinter dem Namen stehen, kann man getrost in der Anrede (mündlich wie schriftlich) weglassen.

Eine Ausnahme bildet hier unser Nachbarland Österreich. Dort würde ich wohl (wenn ich meinen Master-Grad angeben würde) als “Frau Magister” (in der Schriftsprache als Frau Mag. abgekürzt) angesprochen werden, auch wenn ich eigentlich einen Master habe… Aber Titel und Österreich, das wäre mindestens einen gesonderten Blogpost wert…

Konzentrieren wir uns zunächst auf deutsche Unis – dort gibt es genug Fettnäpfchen, in die man in Sachen “Titel” hineintappen kann.

Wann wird der Doktortitel ausgeschrieben?

Einen Doktortitel zu erwerben ist mit erheblichen Anstrengungen verbunden (wie ich im Moment auch selber feststelle) und so ist es nur recht und billig, wenn man diesen Titel nicht unter den Tisch fallen lässt. Sprich, ihr solltet eure Gegenüber solange mit dem richtigen Titel ansprechen, bis euch angeboten wird, diesen wegzulassen.

Eine Ausnahme bildet, wenn ihr selbst promoviert seid, dann “dürft” ihr “Herrn Dr. Bauer” gleich als “Herr Bauer” ansprechen. Ihr “dürft” das natürlich auch schon als Studi, die Frage ist nur, ob es euch euer Dozent nicht übel nimmt… Deswegen würde ich empfehlen, lieber einmal mehr “Frau Dr. Specht” mit “Frau Dr. Specht” anzuschreiben als zu wenig. “Frau Doktor” allein als Anrede genügt im Übrigen nicht – es sei denn, sie ist eure Hausärztin 😉

Jeder nicht-medizinische Doktorgrad wird mit “Dr.” abgekürzt. Die Art des Doktors, ob “phil.” oder “theol.” oder was es auch immer gibt, müsst ihr in der Anrede nicht angeben. “Frau Dr. Specht” genügt.

Was ist ein PD?

Nach der Promotion folgt für einige ganz Mutige noch die Habilitation. Hat sich eine Person habilitiert (man sagt übrigens “sich habilitieren”), aber noch keinen Lehrstuhl (den man auch nicht immer bekommt, deswegen sind es so wenige „Mutige“), darf sie sich als “Privatdozent” (abgekürzt mit PD) bezeichnen. An Frau Dr. Sprechts Türschild würde dann “PD. Dr. Specht” stehen. Diesen Titel dürft ihr nun jedoch ignorieren – es genügt, wenn ihr sie mündlich oder schriftlich weiterhin mit “Frau Dr. Specht” anredet.

Doch sobald unsere Frau Dr. Specht einen Lehrstuhl oder eine Professur bekommen hat und so zur Professorin wird, solltet ihr sie auch mit “Frau Professor” oder “Frau Professorin” anreden. Den Nachnamen kann man im Gespräch übrigens auch weglassen.

Nur der höchste Titel zählt für die Anrede

Weglassen kann und sollte man nun in der Anrede auch den Dr.

Auf ihrem Türschild mag zwar vielleicht “Prof. Dr. phil. Dr. h.c. mult. Specht M.A.” stehen. Aber relevant für die Anrede ist nur der höchste Titel. In einer E-Mail solltet ihr nun schlicht schreiben: “Sehr geehrte Frau Professor Specht” (auch Frau Professorin ist möglich).

In die Anschrift, aber lediglich dort, könnt ihr gerne alle Titel schreiben. Ich lache mich immer schlapp, wenn ein Professor mit “Herr Professor Dr. XY” angeredet wird. Da erkennt man sofort, dass
a) die Person noch nicht lange an der Uni ist oder
b) für Konventionen nicht viel übrig hat.

Lassen sich Informatik-Professoren schneller duzen?

Denn auch wenn euch nach einiger Zeit im Seminar euer Professor anbietet, dass ihr seinen Titel weglassen könnt, dann heißt das nicht, dass er auf seine(n) Titel keinen Wert legt. Es ist durchaus ein Zeichen der Wertschätzung (und der guten Erziehung), wenn ihr ihn bis zu diesem Zeitpunkt korrekt angesprochen habt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich gehandhabt wird. Bei Informatikern mag es vorkommen, dass man seinen Professor sogar duzt. An der Philosophischen Fakultät hingegen wäre es mir nie in den Sinn gekommen, auf die korrekte Anrede zu verzichten.

Sind Titel wirklich alles?

Titel sollten zwar nicht der Grund (zumindest in erster Linie) für eine Promotion sein, sind es aber doch oftmals…

Aber wenn ihr den Text bis hierhin gelesen habt, dann könnt ihr künftig auf dem Parkett der akademischen Anreden, das einem Minenfeld gleicht, mit Bravour bestehen 😉

„Sharing is caring“ ist diesem Fall ganz besonders – evtl. erspart ihr so einem Kommilitonen eine größere Peinlichkeit...

P. S.: Vielleicht verrate ich euch bei Gelegenheit noch, wie ihr einen habilitierten Graf (in Österreich) korrekt ansprecht… Weil das hätte an dieser Stelle nun echt zu weit geführt 😉