Archiv | Mai, 2016

Aus dem Archiv: Reisebericht über meine Lieblingsstadt WIEN

19 Mai

Heute habe ich für meine Leser in meinem persönlichen Archiv gekramt. Gefunden habe ich einen Reisebericht über meine Lieblingsstadt Wien. Erschienen ist der Artikel mit schönen Reisebildern in einem Studentenmagazin der Uni Passau. Wer den Text lieber bebildert im retro-Layout liest, scrollt einfach an das Ende des Posts.
Und wer nach der Lektüre noch nicht genug hat, der kann auf ISARSPARER weiterlesen – dort habe ich geschrieben, wie man Wien günstig erkunden kann.

Einfach „leiwand“:

Ein Wochenende in Wien

Nach nur drei Stunden im ICE kündigt der Schaffner in schönstem Wienerisch an: „In Kürze erreichen wir Wien Westbahnhof“. Er versucht zumindest hochdeutsch zu sprechen, seine Stimme klingt dabei nicht besonders freundlich, aber auch nicht besonders unfreundlich – wienerisch eben.

Entweder du wirst Wien und die Wiener von der ersten Sekunde an lieben. Oder nicht. Diese Stadt braucht keinen zweiten „ersten Eindruck“. In Wien ist die Vergangenheit so lebendig wie in keiner anderen Metropole. Doch drei Tage reichen aus, um eine womöglich lebenslange Sym- oder eben Antipathie zu entwickeln.

Viele sehnen sich hier nach ihrem Kaiser und nach der Zeit, in der Wien die k.u.k Hauptstadt eines Vielvölkerstaates war. Auch wenn das Verhältnis der Wiener zu anderen Nationalitäten damals wie heute durchaus durchwachsen ist.

Wien, das ist eben auch eine Stadt der Gegensätze.

Freitag:
Steffl und „einmal um die Ringstraße“ für die Psyche

Es ist Freitagabend und wie könntest du deinen Wienaufenthalt besser beginnen, als „das“ Wahrzeichen der Stadt zu besichtigen: Den Stephansdom. Dafür musst du vom Westbahnhof nur einige Stationen mit der U3 (Richtung Simmering) zum Stephansplatz fahren. Und schon stehst du vor ihm – dem „Steffl“.

Du fragst dich, ob es Zufall ist, dass der heilige Stephan auch der Patron der Passauer Domkirche ist? Sicher nicht! Denn in seiner Frühzeit reichte das „Donaubistum“ Passau über Wien bis Ungarn.

Aber nun wirf doch gleich einen Blick in den Innenraum, den Adolf Loos 1906 als den „schönsten und weihevollsten Kirchenraum der Welt“ bezeichnete. Die bunten Glasfenster wurden größtenteils im Zweiten Weltkrieg zerstört und ausgetauscht. So wirkt das Innere heute wohl etwas düsterer als zu Loos’ Zeiten. Licht fällt nur durch die Glasfenster des Seitenschiffs in den Kirchenraum. Beeindruckt von der gotischen Pracht wirst du den Dom wieder verlassen und hinaustreten in den Graben.

Vielleicht ist dir auch vorher schon der Geruch von Pferden in die Nase gestiegen. Um den Dom herum stehen nämlich Fiaker, die auf zahlungswillige Touristen warten, die Wien von der Pferdekutsche aus erkunden wollen. Aber du möchtest nicht ein verkitschtes, sondern das „echte“ Wien kennen lernen.

So geh doch jetzt
durch die Kärntner Straße Richtung Oper hinauf.
Über sie schrieb
 Jörg Mauthe in den 1950er Jahren, sie sei die „eleganteste und teure Geschäftsstraße schlechthin.“ Die Geschäfte werden schon geschlossen haben, aber das macht nichts. Denn wer die Kaufingerstraße in München oder den Ku’damm in Berlin kennt, der kennt auch die Kärntner Straße. Auch sie ist heute so eine zwar noch immer elegante, aber eben x-beliebige „H&M-Zara-Mango-Straße“.

An der Oper angelangt, wärst du noch vor ein paar Monaten am Besten in die „Anser“ oder „Zwarer“ (Straßenbahn Ring-Rundlinie 1 oder 2) gestiegen. Sie hätte dich einmal um den „Ring“ gefahren. Denn laufen wirst du in den nächsten Tagen noch genug.

„Einmal um die Ringstraße“, dieses Therapieprogramm soll schon Siegmund Freud seinen Patienten empfohlen haben. Doch heute musst du für die „urgeniale“ Ringtour extra zahlen: Seit Kurzem informiert eine „Touristen-Bim“ die Wien-Gäste über die Sehenswürdigkeiten entlang des Rings.

Denn bequem von der Straßenbahn aus siehst du auf das Strauß-Denkmal im Stadtpark, die Börse und das Rathaus. Dem gegenüber steht das berühmte Burgtheater, das mit einer „Burg“ im herkömmlichen Sinne herzlich wenig zu tun hat. Noch ein Stückchen weiter und du fährst am Parlament vorbei.

Schon das Quietschen der alten Straßenbahnen magst du als Musik empfinden. Doch an der Staatsoper darfst du dir musikalische Höhepunkte erwarten. Wien, das ist auch die Stadt der Musik – schau doch einfach mal, was am Spielplan steht! Deine Reisekasse wird das nicht schwer beuteln, denn Stehplätze gibt es schon ab zwei Euro. Eben dort gibt sich auch alljährlich die Haute-Volée ein Stelldichein beim berühmten Opernball. Fehlen darf dabei der Donauwalzer von Johann Strauß auf keinen Fall. Zur zweiten österreichischen Nationalhymne möchte der berühmte Musikkritiker Eduard Hanslick „an der schönen blauen Donau“ küren.

Vielleicht willst du aber deinen Abend auch weniger „klassisch“ gestalten. Dann auf zum Prater! Dort ist das ganze Jahr Wiesn. Das Riesenrad ist neben dem Steffl schließlich zweites Wahrzeichen der Stadt.

Samstag:
Wiener Schmankerl, bitte mit Bankomat!

Ausgiebig flaniert wird dann am nächsten Tag auf der Mariahilfer Straße. Mit der U3 fährst du am Besten bis zur Neubaugasse. Wenn dein Bargeld für die neusten modischen Errungenschaften nicht ausreichen sollte, kannst du natürlich auch bequem elektronisch zahlen. Nur sagen, dass du mit „Karte“ bezahlen möchtest, das kannst du nicht! Man wird dich nicht verstehen (wollen). Denn hier heißt es: „Bitte mit Bankomat“.

Wer einen etwas exklusiveren Geschmack hat, der wird am Kohlmarkt im 1. Bezirk und den dort ansässigen Designern fündig werden. Vom Graben hinauf zur ehemaligen Kaiserresidenz reihen sich Burberry, Louis Vuitton, Tiffany und Co aneinander. Ein weiteres Wahrzeichen Wiens lernst du so kennen: Die Hofburg, wo einst Sissi und Franz residierten.

Mit dem Platz davor, dem Heldenplatz, verbinden die Wiener jedoch we-niger schöne nostalgische Momente. Dort feierten sie 1938 Hitler und den Anschluss Österreichs emphatisch. Thomas Bernhard verarbeitet dieses traurige Kapitel österreichischer Geschichte in seinem gleichnamigen Drama.

Diese schwere Kost
 musst du jetzt erst mal
 verdauen. Wie wär’s mit
 einem „G’spritzten“?
 Den trinkst du aber am
 Besten nicht dort, wo
 die Touristenbusse parken, sondern dort wo
der „G’spritzte“ etwas
über einen Euro kostet.
 Das ist in den „hochzahligeren“ Bezirken,
 wie zum Beispiel in den
 Weinbergen von Grinzing 
der Fall.„Beisl“ heißen 
diese österreichischen
 Wirtshäuser. Und was
 solltest du dort unbedingt gegessen haben? 
Richtig, ein echtes Wiener Schnitzel!

Es heißt:
„Ein Wiener Schnitzel soll
 von jenem tiefen Goldgelb sein, das man vom Holz der Stradivari-Geige kennt.“ Selbstverständlich kommt es immer vom Kalb und niemals vom Schwein. So ein Schnitzel gibt es zum Beispiel beim Figlmüller, einen guten Tafelspitz bei Plachutta.

Sonntag:
Wien und den Wienern „Baba“ sagen

Gestärkt mit Wiener Schmankerl könntest du am nächsten Morgen zumindest eines der unzähligen Museen Wiens besuchen. Da wäre zum Beispiel das Museumsquartier in der Nähe der Mariahilfer Straße, das Kunst- oder Naturhistorische Museum oder du schaust in die Kaisergruft? Ja, richtig gelesen. Eine Gruft.

„Der Tod, das muss ein Wiener sein, genau wie die Lieb’ a Französin“, heißt es in einem Lied von Georg Kreisler. Die Stadt könnte man durchaus als etwas morbide bezeichnen. Oder kennst du beispielsweise irgendwo anders einen Club, der in einer alten Sargfabrik ist? Auch das gehört eben zum berühmten „Wiener Schmäh“. In jedem Fall wäre auch ein Besuch auf dem Zentralfriedhof lohnenswert. Besser als in Museen lernst du dort, im „Meer der Toten“, nämlich die Wiener Seele kennen.

Aber auf keinen Fall darfst du die Donaumetropole wieder verlassen, ehe du nicht zumindest einem der berühmten Kaffeehäuser einen Besuch abgestattet hast. Ob Sacher mit seiner berühmten Torte, Landtmann oder Hawelka – ein jedes hat seinen eigenen Reiz und ein jeder Wiener sein Stammkaffeehaus. Du kannst den ganzen Vor- oder Nachmittag bei einem „Kleinen Braunen“ oder auch nur mehreren Gläsern Wassern im Kaffeehaus bleiben und dir nicht fehl am Platz vorkommen. Denn ein echter Ober wird nicht fragen: „Haben der Herr noch einen Wunsch?“ Vielmehr ignoriert er den zahlungswilligen Gast sogar. So wird Zahlen zum Ritual.

Den Wiener mit seiner eigensinnigen Art, seinem „Raunzen“ und „Grant“ wirst du in drei Tagen lieben oder hassen gelernt haben. Über ihn schreibt Hermann Bahr treffend: „Der Wiener ist ein mit sich sehr unglücklicher Mensch, der den Wiener hasst, aber ohne den Wiener nicht leben kann.“

Doch in einem sind sich alle Wiener einig: Den „Piefke“, also den Deutschen, mögen sie nicht. Vermeide es also dich mit„Tschüss“ zu verabschieden, denn das entlarvt dich sofort. Das wienerische „Baba“ wird dir jedoch erst nach einigen Aufenthalten in der Kaiserstadt über die Lippen kommen. Aber wer weiß, vielleicht magst du ja auch schon nächstes Wochenende wiederkommen – weil du Wien einfach „leiwand“ findest.

Dieser Reisebericht erschien 2009 im Up-Campusmagazin. Die gelayoutete Seite gibt’s hier zum herunterladen.

 

 

Best of Teresa ohne h

2 Mai

snapseed-6Ein Kumpel hat mich gebeten, ich soll ihm ein „Best of“ meiner Blogposts zusammenstellen. Da ich ein Freund von Synergie-Effekten bin, dachte ich mir, diese Liste könnte ich doch gleich auf meinem Blog veröffentlichen.

In letzter Zeit wurden zwei Artikel über mich als Bloggerin veröffentlicht. Im August 2015 in der Welt am Sonntag (Print und Online) und in der Passauer Neuen Presse im Februrar 2016. In der Vorbereitung auf diese Interviews habe ich auf meinem Blog zurückgeblättert bzw. zurückgescrollt. Ich möchte euch an meinen persönlichen Highlight-Posts teilhaben lassen:

Persönliche Top 10 von und auf Teresa ohne h

  1. Als Passauerin war mir mein Beitrag zur Heimatliebe-Blogparade sehr wichtig.
  2. Auf diese Wahlanalyse wurde ich oft angesprochen. Einige Lokaljournalisten haben sich davon auch inspieren lassen 😉
  3. Sterben 2.0 – ein Thema, das mich als Medientante mit theologischem Hintergrund sehr fasziniert. Auch hier gilt es unbedingt Medienkompetenz zu erlernen – sofern nicht von Natur aus vorhanden!
  4. Passau und das Hochwasser – ein Thema, das wie Weihnachten leider alle Jahre wieder kommt
  5. Warum ich andere Bücher höre als lese
  6. Habemus Brüderlichkeit – ich glaube, meine Einschätzung nach der Wahl Papst Franziskus‘ haben sich bisher bewahrheitet
  7. Stolz auf meine Verwandschaft bin ich auch: Darum fühl ich mich als Europäerin
  8. Teresa ohne h und die Sparkasse Passau 😉 Eine neverending story möchte man sagen. Auf der #rp15 wurde ich auf dich Geschichte angesprochen. Noch heute zeigt sie eindrucksvoll WIE mächtig Social Media heute wirklich sein kann
  9. Kreativ bin ich auch schon immer gerne… hier am Ei.
  10. Heraldik? Onomastik? Mein Geschichtsstudium hat mir wirklich Spaß gemacht