Archiv | Oktober, 2017

Streit um Stadtstrand in Passau: Mein Leserbrief (extended version)

8 Okt

Eine gekürzte Version des folgenden Beitrags habe ich als Leserbrief* an die Lokalredaktion Passau der PNP geschickt. Eigentlich ist das Thema Stadtstrand nicht mehr unbedingt ein Thema für Oktober. Doch die Debatte darum zieht sich im Passauer Stadtrat und wird wohl auch noch andauern. Weil ich gerne in Erinnerungen an den Summer in the City schwelge, lasse ich euch ausführlich daran Teilhaben. Und Bilder kann man als Leserbrief-Schreiber auch nicht für sich sprechen lassen. Ich hoffe, ich kann so deutlich machen, warum meiner Meinung nach die Dreifüssestadt einen Stadtstrand braucht:

Donaustrand Vilshofen

Auch wenn der weiße Sandstrand vielleicht nach Karibik aussieht. Das Foto wurde am Donaustrand in Vilshofen aufgenommen. Warum gibt es in Passau keinen Stadtstrand? (Foto: Winderl).

Nicht aus meiner für drei Flüsse bekannten Heimatstadt, sondern aus Berlin und München kenne ich das Modell Stadtstrand.

Seit ich vor einigen Jahren Praktikum im Bundestag gemacht habe, bin ich angefixt von der Idee Stadtstrand. Dort in Berlin musste man sogar Eintritt bezahlen. Doch mir gefiel dieser künstliche Strand, mitten in der Stadt gegenüber dem Bundespresseamt so gut, dass ich oft auch nur für ein Eis dort hinein bin.

Dementsprechend begeistert war ich, als ich nach München zog und erfuhr, dass es dort regelmäßig einen sog. Kulturstrand gibt. Dieses Jahr fand er sich zum Beispiel am Vater-Rhein-Brunnen in Blickweite zum Deutschen Museum, am Isarufer ein.

Wie freute ich mich, dass sich die CSU Passau-Stadt dieses Themas endlich annahm, obwohl ich es eigentlich eher von der SPD besetzt gesehen hätte.

Rund 20 Kilometer donauaufwärts hätten die ungläubigen Stadtväter heuer in Vilshofen am Donaustrand bewundern können, wie das Konzept auch in Niederbayern funktionieren kann. Aber dafür wurde das Thema wohl zu spät auf die Tagesordnung des Stadtrates gesetzt, denn das Vergnügen dort war nur von kurzer Dauer: Nach schon vier Wochen schloss der Vilshofener Strand seine Pforten bzw. klappte seine Liegestühle ein.

Kulturstrand München

Zum Vergleich: So funktioniert Stadtstrand in München. Der sog. Kulturstrand war heuer am Vater-Rhein-Brunnen angesiedelt – in Isar Nähe! (Foto: Winderl).

Mehr ist es auch kaum, denn für Strand-Feeling in unseren Breitengraden braucht es nicht viel: Etwas Sand, Palmen, Liegestühle (hat Stadtrat Steiner ja bereits öfter mit Linz-Branding im Einsatz). Das Ganze garniert mit (südlländischer) Musik (bestimmt kein „Bum-Bum“) und einem Verkaufsort für Getränke und Essen (denn „a fressads Gschäft geht allerweil“).

Die Preise in Vilshofen waren gegenüber denen München mehr als fair: Am Kulturstrand kostet eine Kugel Eis 2,60 Euro. Natürlich ist die dort vom feinen Eiscremehändler, das in Vilshofen kam am Steckerl aus der Kühlbox daher. Doch wer sich einige Meter vom Strand entfernte, war ja direkt am Stadtplatz und konnte sich dort Eiscreme vom Eiscafé seines Vertrauens gönnen.

Donaustrand in Vilshofen könnte Vorbild sein

An dieser Stelle einfach mal ein besonderer Dank an den Alt-Bürgermeister Gschwendtner, der durch den Ausbau die Donau für Vilshofen überhaupt erst nutzbar gemacht hat. Er ist sozusagen der geistige Vater des Stadtstrands als Event – hat doch die Donau seit dem klugen Umbau schon ohne Palmen sehr viel Strandfeeling.

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Die Preise in Vilshofen am Donaustrand waren fair. Der Cocktail „Sex on the Donaustrand“ kostete zum Beispiel 5,80 Euro. (Foto: Winderl).

Die Cocktails – mit ohne Alkohol – waren am Donaustrand lecker. Sogar ein „Sex on the Donaustrand“ hat es auf die Getränkekarte geschafft – Liebe zum Detail nennt man das wohl.

Und es ging so herrlich deutsch zu am Donaustrand: Die Liegestühle wurden besetzt wie man das vom Urlaub in Italien her gewohnt ist. Das funktionierte, auch wenn nicht alle ein Handtuch dabei haben, denn es soll ja durchaus auch Menschen geben, die ans Meer fahren, gar nicht um darin zu baden. Sie sitzen also nur in ihren Liegestühlen (im Optimalfall) oder liegen auf ihren Badehandtüchern. Den Unterschied vom Stadtstrand zum normalen Strand merken sie kaum. Es fischelt am Fluss sogar genauso wie am Meer – mit einem feinen Unterschied: Der Sand klebt nicht am nassen Körper, denn wenn überhaupt, werden nur die Füße vom kühlen Nass benetzt.

Stadtstrand als Realität gewordene soziale Gerechtigkeit

Stadtstrand Vilshofen an der Donau

Kleine und große Kinder hatten am Donaustrand ihren Spaß. Die kleineren gingen planschen in der Donau, die älteren erfreuten sich am aufblasbaren Schwimmtier – standesgemäß ein Schwan und kein Einhorn! (Foto: Privat).

Anders sieht es da hingegen bei den Kindern aus. Denn ihnen ist es egal, ob sie prestigeträchtig an der Côte d‘ Azur urlauben oder am Stadtstrand planschen und Sandburgen bauen. Sie gehen baden im kleinsten Brunnen (wie am sog. Kulturstrand in München) oder in der Donau in Vilshofen und haben hier wie im Süden ihren Spaß.

Vielleicht könnte man sogar soweit gehen, dass der Stadtstrand der „Urlaub des kleinen Mannes“ ist. Und gerade für Kinder finde ich es eine wunderbare Idee, ihnen einen Urlaub am Strand von Stadtseite her zu gönnen. Denn Sonne, Strand und gute Urlaubslaune ist so nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängig! Will so eine Realität gewordene soziale Gerechtigkeit ausgerechnet ein Sozialdemokrat den Passauern verwehren?

 

* Erschienen im Lokalteil Passau der PNP am Freitag, 6. Oktober 2017. S. 22.

 

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