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Streit um Stadtstrand in Passau: Mein Leserbrief (extended version)

8 Okt

Eine gekürzte Version des folgenden Beitrags habe ich als Leserbrief* an die Lokalredaktion Passau der PNP geschickt. Eigentlich ist das Thema Stadtstrand nicht mehr unbedingt ein Thema für Oktober. Doch die Debatte darum zieht sich im Passauer Stadtrat und wird wohl auch noch andauern. Weil ich gerne in Erinnerungen an den Summer in the City schwelge, lasse ich euch ausführlich daran Teilhaben. Und Bilder kann man als Leserbrief-Schreiber auch nicht für sich sprechen lassen. Ich hoffe, ich kann so deutlich machen, warum meiner Meinung nach die Dreifüssestadt einen Stadtstrand braucht:

Donaustrand Vilshofen

Auch wenn der weiße Sandstrand vielleicht nach Karibik aussieht. Das Foto wurde am Donaustrand in Vilshofen aufgenommen. Warum gibt es in Passau keinen Stadtstrand? (Foto: Winderl).

Nicht aus meiner für drei Flüsse bekannten Heimatstadt, sondern aus Berlin und München kenne ich das Modell Stadtstrand.

Seit ich vor einigen Jahren Praktikum im Bundestag gemacht habe, bin ich angefixt von der Idee Stadtstrand. Dort in Berlin musste man sogar Eintritt bezahlen. Doch mir gefiel dieser künstliche Strand, mitten in der Stadt gegenüber dem Bundespresseamt so gut, dass ich oft auch nur für ein Eis dort hinein bin.

Dementsprechend begeistert war ich, als ich nach München zog und erfuhr, dass es dort regelmäßig einen sog. Kulturstrand gibt. Dieses Jahr fand er sich zum Beispiel am Vater-Rhein-Brunnen in Blickweite zum Deutschen Museum, am Isarufer ein.

Wie freute ich mich, dass sich die CSU Passau-Stadt dieses Themas endlich annahm, obwohl ich es eigentlich eher von der SPD besetzt gesehen hätte.

Rund 20 Kilometer donauaufwärts hätten die ungläubigen Stadtväter heuer in Vilshofen am Donaustrand bewundern können, wie das Konzept auch in Niederbayern funktionieren kann. Aber dafür wurde das Thema wohl zu spät auf die Tagesordnung des Stadtrates gesetzt, denn das Vergnügen dort war nur von kurzer Dauer: Nach schon vier Wochen schloss der Vilshofener Strand seine Pforten bzw. klappte seine Liegestühle ein.

Kulturstrand München

Zum Vergleich: So funktioniert Stadtstrand in München. Der sog. Kulturstrand war heuer am Vater-Rhein-Brunnen angesiedelt – in Isar Nähe! (Foto: Winderl).

Mehr ist es auch kaum, denn für Strand-Feeling in unseren Breitengraden braucht es nicht viel: Etwas Sand, Palmen, Liegestühle (hat Stadtrat Steiner ja bereits öfter mit Linz-Branding im Einsatz). Das Ganze garniert mit (südlländischer) Musik (bestimmt kein „Bum-Bum“) und einem Verkaufsort für Getränke und Essen (denn „a fressads Gschäft geht allerweil“).

Die Preise in Vilshofen waren gegenüber denen München mehr als fair: Am Kulturstrand kostet eine Kugel Eis 2,60 Euro. Natürlich ist die dort vom feinen Eiscremehändler, das in Vilshofen kam am Steckerl aus der Kühlbox daher. Doch wer sich einige Meter vom Strand entfernte, war ja direkt am Stadtplatz und konnte sich dort Eiscreme vom Eiscafé seines Vertrauens gönnen.

Donaustrand in Vilshofen könnte Vorbild sein

An dieser Stelle einfach mal ein besonderer Dank an den Alt-Bürgermeister Gschwendtner, der durch den Ausbau die Donau für Vilshofen überhaupt erst nutzbar gemacht hat. Er ist sozusagen der geistige Vater des Stadtstrands als Event – hat doch die Donau seit dem klugen Umbau schon ohne Palmen sehr viel Strandfeeling.

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Die Preise in Vilshofen am Donaustrand waren fair. Der Cocktail „Sex on the Donaustrand“ kostete zum Beispiel 5,58 Euro. (Foto: Winderl).

Die Cocktails – mit ohne Alkohol – waren am Donaustrand lecker. Sogar ein „Sex on the Donaustrand“ hat es auf die Getränkekarte geschafft – Liebe zum Detail nennt man das wohl.

Und es ging so herrlich deutsch zu am Donaustrand: Die Liegestühle wurden besetzt wie man das vom Urlaub in Italien her gewohnt ist. Das funktionierte, auch wenn nicht alle ein Handtuch dabei haben, denn es soll ja durchaus auch Menschen geben, die ans Meer fahren, gar nicht um darin zu baden. Sie sitzen also nur in ihren Liegestühlen (im Optimalfall) oder liegen auf ihren Badehandtüchern. Den Unterschied vom Stadtstrand zum normalen Strand merken sie kaum. Es fischelt am Fluss sogar genauso wie am Meer – mit einem feinen Unterschied: Der Sand klebt nicht am nassen Körper, denn wenn überhaupt, werden nur die Füße vom kühlen Nass benetzt.

Stadtstrand als Realität gewordene soziale Gerechtigkeit

Stadtstrand Vilshofen an der Donau

Kleine und große Kinder hatten am Donaustrand ihren Spaß. Die kleineren gingen planschen in der Donau, die älteren erfreuten sich am aufblasbaren Schwimmtier – standesgemäß ein Schwan und kein Einhorn! (Foto: Privat).

Anders sieht es da hingegen bei den Kindern aus. Denn ihnen ist es egal, ob sie prestigeträchtig an der Côte d‘ Azur urlauben oder am Stadtstrand planschen und Sandburgen bauen. Sie gehen baden im kleinsten Brunnen (wie am sog. Kulturstrand in München) oder in der Donau in Vilshofen und haben hier wie im Süden ihren Spaß.

Vielleicht könnte man sogar soweit gehen, dass der Stadtstrand der „Urlaub des kleinen Mannes“ ist. Und gerade für Kinder finde ich es eine wunderbare Idee, ihnen einen Urlaub am Strand von Stadtseite her zu gönnen. Denn Sonne, Strand und gute Urlaubslaune ist so nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängig! Will so eine Realität gewordene soziale Gerechtigkeit ausgerechnet ein Sozialdemokrat den Passauern verwehren?

 

* Erschienen im Lokalteil Passau der PNP am Freitag, 6. Oktober 2017. S. 22.

 

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Hat Teresa noch immer die schönsten Eier? Ein Einblick in die aktuelle Osterhasen-Werkstatt

5 Apr

 

PaWo TitelgirlMittlerweile ist es zwar schon ein paar Jährchen her, dass ich mit einer boulevardesken Überschrift als „Cover-Girl“ fungierte… Da ich aber, gerade in der Fastenzeit, noch heute darauf angesprochen werde, ob ich immer noch Ostereier bemale, wird es Zeit, der Frage auf den Grund zu gehen: Hat Teresa noch immer die schönsten (Oster)Eier?

Wer mir auf meiner privaten Instagram-Seite folgt, bekommt dort auch immer wieder Bastelerzeugnisse von mir zu Gesicht. Ganz besonders hoch im Kurs steht bei mir seit einigen Jahren Origami. Ich habe schon mit Gruppen für die BR-Aktion „Sternstunden“ Weihnachtssterne in dieser (und anderen) Techniken gebastelt. Aber in diesem Post soll es ja um Ostern und Eier gehen.

Bevor ich jedoch meine Eier-Kollektion aus dem Jahr 2017 zeige, möchte ich euch auf meinen Blogpost auf meinem Spar-Blog ISARSPARER verweisen, dort findet ihr Links zu einem 3D-Origami-Osterhasen. Für den Fall, dass euch dieser Blogpost Lust auf Basteln macht, ihr euch aber das mit echten Eier nicht zutraut.

 

Derweil muss ich immer wieder sagen: So zerbrechlich ist ein Ei gar nicht. Man kann es also schon fest in die Hand nehmen, wenn man es bemalt und auch zum Beispiel etwas vorzeichnen mit Bleistift. Sogar das Radieren hinterher hält das Ei aus, insbesondere Gänseeier sind stabiler als die vom gemeinen Haushuhn.

Weniger religiöse Symbole auf Ostereiern

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Grün auf grün. Auch an Ostern macht mir Origami Spaß! Wer findet den Hasen? (Foto: Winderl)

Dieses Jahr konnte ich endlich mal wieder die Ostereier-Ausstellung in Pocking besuchen. Zusammen mit meiner Mama war das früher immer ein Pflichttermin, doch mittlerweile bin ich nicht mehr jedes Wochenende in der Region Passau und konnte den Termin leider nicht immer einplanen.

Was ich – nicht nur bei den Ostereiern beobachte – Basteln folgt gesellschaftlichen Trends. Manche Stände kamen dieses Jahr gänzlich ohne religiöse Symbolik auf den Eiern aus. Ist es Ausdruck unserer säkularen Gesellschaft? Oder passen zum Beispiel überladene Klosterarbeiten einfach nicht mehr so gut in die oft puristischen Wohnraumkonzepte?

Auch ich verschließe mich Basteltrends nicht. Früher haben meine Mama und ich auch schöne Klosterarbeiten zusammen gemacht. Heute bastle ich eher allein und will schnell einen Erfolg sehen. (Im Vergleich dazu könnt ihr euch gerne einen älteren Blogpost von mir mit Ostereiern ansehen.)

Lettering als DIY-Trend

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Lettering auf Ei oder Papier eine DIY-Methode, um schnell schöne Effekte zu erzielen, wie diese Osterkarte zeigen soll. (Foto: Winderl)

Schnell geht das zum Beispiel mit einem neuen DIY-Trend (man spricht jetzt auch eher von Do It Yourself als altmodisch „basteln“) Lettering. Das ist als eine Art moderne Kalligraphie.

Kurz zusammengefasst: Die Abstriche der Buchstaben sollen dabei dicker (hierfür Druck auf den Stift ausüben) als ihre Aufstriche sein. Dafür gibt es spezielle Stifte zum Beispiel von Tombow*, aber die sind leider nicht wasserfest – deswegen konnte ich sie für meine Ostereier Edition 2017 nicht verwenden.

Benutzt habe ich einen einfachen schwarzen Edding*, denn ich finde, damit sieht es richtig nach Lettering aus. (Aber natürlich gibt’s die Edding-Stifte auch zum Beispiel in silber- oder goldfarben*.) Die dickeren Abstriche der Buchstaben musste ich so „simulieren“. Mit den teuren Pinselstiften werden diese quasi automatisch erzeugt – wenn man weiß wie der Hase läuft bzw. der Stift richtig zu handhaben ist.

In Pocking am Ostermarkt habe ich mich auch immer gerne mit ausgeblasenen Eiern eingedeckt. Aber die Preise dort sind gestiegen. Schade, dass man sie mittlerweile im Internet schon fast günstiger bestellen kann. Wer also gleich loslegen will mit der Kunst am Ei, dem empfehle ich mit den stabileren Gänseeiern (12 Stück auf Amazon für unter 11 Euro*) zu starten.

DaWanda-Shop von Teresa ohne h eröffnet

Bisher kamen nur liebe Freunde und Verwandte in den Genuss, Bastelerzeugnisse von mir geschenkt zu bekommen. Da aber wie gesagt die Nachfrage danach relativ hoch ist, habe ich mich dazu entschlossen einen Shop bei DaWanda zu eröffnen. Dort könnt ihr ab sofort einige Basteleien von mir kaufen – mal schauen, ob das auch irgendwer tut oder die Leute meine Sachen immer nur geschenkt wollen 😉

Aber hier nur ein kleiner Einblick in meine Werkstatt:

 

#indiebookday 2016 – Rezension von „Tango in Tel Aviv“

26 Mrz

Am 26. März 2016 ist Indiebookday!

Ich habe diesen Tag zum Anlass genommen, einen Erstlingsroman einer lieben Bekannten von mir zu rezensieren: „Tango in Tel Aviv“ lautet der Titel, erschienen ist es unter dem Namen „Selma Sipur“. Es war schwierig für die Indie-Autorin einen Verlag zu finden, deswegen erschien ihr Erstlingswerk als book on demand. Doch wer sich genau hinter dem Pseudonym „Selma Sipur“ verbirgt, das kann nicht genau verraten werden – aus Sicherheitsgründen.

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Denn hinter dem auffälligen Cover, das einen Frauentorso in einem knallroten Kleid ziert, verbirgt sich ein hoch politischer Roman, der in Buenos Aires, Schweden und Tel Aviv spielt und auch an den Original-Schauplätzen recherchiert wurde. Die junge Hauptprotagonistin Liora trennt sich nach einem Auslandsaufenthalt in Argentinien von ihrem Lebensgefährten Lasse. Und als wäre das nicht genug, hat sie als jüdische Schwedin mit Antisemitismus in ihrer Heimat zu kämpfen. Selbst Lasse hat nicht viel für die jüdische Kultur übrig. Einen gemeinsamen Sohn beschneiden lassen? Das käme für ihn nicht in Frage!

Mehr als ein Liebesroman

Tango in Tel Aviv

Die Indie-Autorin mit ihrem ersten Roman: Tango in Tel Aviv, erschienen als book on demand. (Foto: Winderl)

Doch der Roman ist mehr, als das aufreizende Cover vermuten lässt, kein reiner Dreiecks-Liebesroman, der in drei Ländern spielt: Denn während ihres Praktikums in Buenos Aires lernt Liora den Schriftsteller Emilio kennen, mit dem sie die Nächte durchtanzt: Tango – jedoch in Buenos Aires.

Zurück in Schweden muss sie hochschwanger erkennen, dass ihre Beziehung gescheitert ist. Doch nicht ausschließlich wegen der Affäre mit dem Südamerikaner.

Die Autorin versteht es,  die Probleme einer jungen Mutter mit der brisanten politischen Situation der Juden in Skandinavien zu verknüpfen. Und so verlässt Liora noch am Abend der Rückkehr aus Argentinien den Vater ihres Kindes. Mehrere Stellen im Roman nehmen eine solche rasante Wendung.

An anderen Passagen merkt man, dass den Text eine Politikwissenschaftlerin geschrieben hat, die eine echte Kennerin der Geschichte und Politik Israels ist. Denn bei der Lektüre erfährt der Leser viel über die herrschende Mentalität in Tel Aviv und die Bedeutung Israels für die Juden in der Welt. Wie einige europäische Juden besitzen auch Lioras Eltern eine Wohnung in Tel Aviv – dort zieht es die junge Mutter nach den Ausschreitungen in Schweden hin; wie übrigens ein Drittel der jüdischen Malmöer, die durch den südskandinavischen Antisemitismus der 00er-Jahre bis dato aus ihrer Heimatstadt vertrieben wurden.

Roman einer Israel-Kennerin

Mit viel Liebe zum Detail beschreibt „Selma Sipur“ Tel Aviv – bis hin zum überdimensionierten Schnabeltier auf einem Spielplatz, den Liora im Roman mit ihren Kindern besucht, kennt die Autorin all diese Schauplätze wie ihre Westentasche. Genauso fundiert recherchiert sind auch die historischen und politischen Entwicklungen, die sich in den Dialogen der Romanfiguren wiederfinden.

In Tel Aviv ist Emilio zunächst vergessen. Ein junger, israelischer Berufssoldat tritt in das Leben der jungen Mutter. Doch das Leben in Israel zeigt sich für Liora auch von seiner Schattenseite, ehe sie Tango in Tel Aviv tanzen kann …

Wer mehr über den Antisemitismus in Skandinavien und das Lebensgefühl der Israelis in Tel Aviv erfahren will, dem sei dieser Roman wärmstens ans Herz gelegt. Mit jeder Seite im Buch glaubt man die salzige Luft des Toten Meeres zwischen den Zeilen schmecken zu können. Denn die literarischen Momentaufnahmen nehmen den Leser mit auf die Reise einer jungen Mutter, deren Herz als Jüdin zwar an Israel hängt, aber sich auch irgendwo zwischen Südamerika und Europa verfangen hat.

Warum das Indiebook unter einem Pseudonym erschienen ist

Die emotionale Verbundenheit der Autorin mit dem Nahen Osten kommt auch in der Wahl des Pseudonyms zum Ausdruck: „Selma“ ist ein skandinavischer Vorname – die Politikwissenschaftlerin, die das Schreiben als Passion für sich entdeckt hat, wuchs mit den Geschichten wie Nils Holgerson aus dem Norden Europas auf. Dessen Schöpferin diesen Vornamen auch trägt. „Sipur“ hingegen ist hebräisch und bedeutet „Erzählung“. Es war der Autorin wichtig, unter einem Pseudonym ihren Roman zu publizieren, da sie als Aktivistin gegen Judenhass um das Gewaltpotential der Antisemiten weiß. Zweieinhalb Jahr hat sie an dem 316 Seiten starken Roman gearbeitet.

Ein gelungener Erstlingsroman, der zeigt, dass komplizierte Politik auch spannend verpackt werden kann. Das findet auch der international renommierte Israel-Experte Professor Wolffssohn, der den Roman als „packend und politisch aufschlussreich“ beschreibt.

Erschienen ist „Tango in Tel Aviv“ im Oktober 2013 als book on demand; es kostet 14,99 Euro und kann in jedem Buchladen on- wie offline bestellt werden.

Die Rezension erschien in der Banziana 2016.

Christkindlesmarkt Nürnberg: Wirklich nur mehr was für Japaner? Der ultimative Check

10 Dez

Heute muss ich eine Lanze für den Nürnberger Christkindlesmarkt brechen. Überall höre ich: „Da brauchst nicht hingehen, da sind nur mehr Japaner“ „Die echten Nürnberger gehen da nicht mehr hin.“

Nicht Christkindlmarkt, sondern fränkisch Christkindlesmarkt

Nicht Christkindlmarkt, sondern fränkisch Christkindlesmarkt

Und auch ich war etwas skeptisch, war ich doch vor etwa 20(!) Jahren – ja meine Kindheit ist schon so lange her…- dort und ich hatte immer nur eine schreckliche Erinnerung: Zwetschgenmännla!

Als ich am zweiten Adventssonntag also nach Nürnberg aufbrach, lag der Christkindlesmarkt quasi auf dem Weg (nach Kloster Banz). Extra nur deswegen wäre ich wohl nicht nach Nürnberg gefahren.

So sehen Zwetschgenmännla aus - Männchen aus Zwetschgen aus Franken.

So sehen Zwetschgenmännla aus – Männchen aus Zwetschgen aus Franken.

Vom Hauptbahnhof zum Hauptmarkt sind es ein paar Gehminuten (ca. 1km), aber der wird den Touris so stimmungsvoll wie möglich bereitet. Bis zum Hauptmarkt säumen schon einige Buden und Glühweinstände den Gehweg durch die Fußgängerzone. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof findet sich im Handwerkerhof eine Miniaturausgabe des Chrstkindlesmarktes. Einige Touris werden diese Stände im Burg-Ambiente mit Fachwerkhaus-Ständen wohl schon für das Original gehalten haben – dem Gedränge nach zu schließen.

Käthe-Wohlfahrt kein Muss

Auf dem Christkindlesmarkt gibt es relativ viele traditionelle Waren zu kaufen - wie z. B. beleuchtete, typisch fränkische Fachwerkhäuser.

Auf dem Christkindlesmarkt gibt es relativ viele traditionelle Waren zu kaufen – wie z. B. beleuchtete, typisch fränkische Fachwerkhäuser.

Generell ist die Reise nach Nürnberg zur Adventszeit nur etwas für Leute, die sich in größeren Menschenmassen nicht unwohl fühlen. Am Hauptmarkt angekommen, beging ich gleich den ersten Kardinalsfehler: Ich betrat den Laden von Käthe Wohlfahrt. Am Eingang hielt ich die Schlange im Laden für die zur Kasse, aber das war falsch – die Schlange zog sich mit ihrem Sprachengewirr aus Deutsch, Englisch, Italienisch, Japanisch… durch den gesamten Laden. Das Sortiment: Mei, Christbaumschmuck aus Glas, Holz, Zinn – z. T. echt schöne Sachen, tolle Auswahl, aber wahrlich „Apothekenpreise“. Kann mal anschauen, dann geht man auch wieder weiter.

Über den "Dächern" des Christkindlesmarktes am Hauptmarkt in Nürnberg

Über den „Dächern“ des Christkindlesmarktes am Hauptmarkt in Nürnberg

Geheimtipp „Kinderweihnacht“

Gleich noch vor dem Käthe-Wohlfahrt-Laden geht es rechts weg zur sog. Kinderweihnacht. Ein – wie mir schien- echter Geheimtipp, wer seine „Drei im

Warum bei der Kinderweihnacht des CHRISTKINDLesmarktes Nürnberg  Weihnachtsmänner dekoriert sind? Ich kann es nicht ganz nachvollziehen...

Warum bei der Kinderweihnacht des CHRISTKINDLesmarktes Nürnberg Weihnachtsmänner dekoriert sind? Ich kann es nicht ganz nachvollziehen…

Weggla“ (also für die Norddeutschen: drei fränkische Bratwürste im Brötchen) etwas ruhiger genießen will. Für Kinder sind auch einige Mitmach-Aktionen an den Ständen – vielleicht gab es das zu meiner Kinderzeit nicht und der Christkindlesmarkt war mir deshalb in so schlechter Erinnerung? Warum allerdings bei der Kinderweihnacht des CHRISTKINDLESmarktes Weihnachtsmänner dekoriert sind, das muss ich wohl nicht verstehen… Wo doch eigentlich schon bei der Eröffnung das Christkind mit wallenden blonden Haaren wie ein Rauschgoldengel im Mittelpunkt steht.

Jetzt kommen wir endlich zum sog. Hauptmarkt, wo er stattfindet: DER Christkindlesmarkt aller Christkindelmärkte! (Wer es für einen Tippfehler gehalten hat: Es heißt wirklich fränk. Christkindlesmarkt und nicht bayer. Christkindlmarkt!)

Wie auf allen Christkindl-/ oder Weihnachtsmärkten, es gibt natürlich auch in Nürnberg eine Menge zu essen (hauptsächlich fränk. Bratwürste im Weggla) & trinken (natürlich Glühwein). Hinzu kommen in Nürnberg natürlich traditionell Lebkuchen!

Spartipp: Bruch bei Lebkuchen Schmidt

Hier ein kleiner Tipp: Man muss nicht die teuren Lebkuchen am Markt kaufen, sondern geht bequem zu Lebkuchen Schmidt, der seinen Laden praktischerweise gleich am Hauptmarkt hat. Dort gibt es sog. „Bruch“ zu kaufen, der jedoch nicht wirklich stark lädiert ist, aber nur ein Bruchteil (hihi) der „normalen“ Lebkuchen kostet.

Billiger als auf dem Christkindlmarkt gibt es echte Nürnberger Lebkuchen bei Lebkuchen Schmidt am Hauptmarkt - hier mit "maskierten" Besuchern davor.

Billiger als auf dem Christkindlmarkt gibt es echte Nürnberger Lebkuchen bei Lebkuchen Schmidt am Hauptmarkt – hier mit „maskierten“ Besuchern davor.

Aber auch noch kurz ein Wort zu den anderen Ständen: Diese haben mich wirklich überrascht. Natürlich habe ich auch meine „verhassten“ Zwetschgenmännla gesehen, aber die gehören doch quasi irgendwie dazu. Und natürlich gab es auch den überteuerten China-Schrott zu kaufen, wie es in auf so vielen Weihnachtsmärkten gibt.

Aber insgesamt finden sich auf dem Christkindlesmarkt auch viele traditionelle Waren: Rauschgoldengel, nostalgischer Weihnachtsschmuck aus Papier, beleuchtete Fachwerkhäuser… Und einen ganz besonderen Stand: Den „Sternstunden“-Stand.

Den Stand von "Sternstunden" musste ich besuchen - standesgemäß mit Sternen-Mütze. Seit einigen Jahren bastel ich für das BR-Projekt.

Den Stand von „Sternstunden“ musste ich besuchen – standesgemäß mit Sternen-Mütze. Seit einigen Jahren bastel ich für das BR-Projekt.

Mit einigen Mitstipendiaten hatte ich für dieses BR-Projekt gebastelt. Logisch, dass ich diesen Stand einmal sehen wollte, an dem gebastelte Sterne gegen eine Spende für den guten Zweck erworben werden können.

Fazit: Im Grunde sind alle Weihnachtsmärkte gleich. Man wird durch Menschenmassen geschoben, es gibt viel zu essen und trinken. Aber den Nürnberger Christkindlesmarkt sollte man als Weihnachts-„Junkie“ (wie ich einer bin) unbedingt mal gesehen haben. Ähnlich vielleicht wie Karnevalisten gern einmal in Köln mitfeiern möchten. Und irgendwie hinkt der Vergleich auch gar nicht so sehr. Von „stader“ Zeit jedenfalls ist dieser Rummel allerorts weit entfernt, Menschen verkleiden sich neuerdings auch hier. Die Japaner, die unbestritten in großen Scharen nach Nürnberg kommen, gehören einfach dazu.

Vielleicht sollte ich mir doch so ein Zwetschgenmännla zulegen..

Vielleicht sollte ich mir doch so ein Zwetschgenmännla zulegen..

Eine Japanerin biss genüsslich in ihre Bratwurst. Sie trug einen Pulli mit Schneemann-Kapuze. Ich konnte sie nicht fragen, ob sie glaubt, man müsse sich in Deutschland auch im Advent verkleiden, denn plötzlich standen mir glühweintrunkene Deutsche mit roten Zipfelmützen und Elchgeweihen am Kopf im Weg.

Das alles ist Teil der lustigen Selbstinszenierung. Denn Nürnberg und die Nürnberger wissen sehr wohl um ihre Marktwert (nicht nur) in der Weihnachtszeit und inszenieren diesen gekonnt. Und gerade weil diese Inszenierung so international stattfindet, wollte ich bayernintern die Lanze für den Christkindlesmarkt brechen.

Kaffeefahrt statt Disneyland: Ein Besuch bei der Urenkelin von Franz Ferdinand auf Schloss Artstetten

5 Nov
Idyllisch in Niederösterreich gelegen: Schloss Arstetten mit der Gruft der Hohenbergs

Idyllisch in Niederösterreich gelegen: Schloss Artstetten mit der Gruft der Hohenbergs

„Ich kann aus Schloss Artstetten kein Disneyland machen. Mit Spielen in der Art, wer schießt so gut wie Princip“, sagt „Ihre Durchlaucht“ Anita von Hohenberg. Die Fürstin ist die Schlossherrin von Artstetten. Ihr Ur-Großvater war Franz Ferdinand, Thronfolger von Österreich-Ungarn; ermordet mit seiner Gemahlin Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajevo – was bekanntlich als das auslösende Moment für den Ersten Weltkrieg gilt.

Jetzt jährte sich das traurige Jubiläum des Attentats zum 100. Mal. Das will geschickt vermarktet sein! Man denke nur an die unzähligen Bücher, die pünktlich 2014 auf den Markt geworfen wurden.

Besonders stolz scheint Frau Hohenberg, wie sie in Österreich schlicht heißt -der Adel wurde dort 1918 abgeschafft und anders als in Deutschland sind die Titel kein Namensbestandteil- darauf zu sein, dass zur Gedenkfeier am 28. Juni 2014 auch viele Habsburger da waren. Konkrete Namen nennt sie nicht. Denn zu Lebzeiten hatten die Habsburger nichts von dem Thronfolger-Ehepaar wissen wollen, die Ehe ihrer Urgroßeltern galt als nicht standesgemäß.

Monarchie-Kitsch statt Micky Maus im Souvenirshop

Gerne erinnert sich Anita von Hohenberg bspw. an ihren „Onkel Otto“ – Otto von Habsburg, der Sohn des letzten österreichischen Kaisers. Ottos Vater Karl wurde nach dem Tod von Franz Ferdinand Thronfolger. Das Kleidchen, das Onkel Otto bei der Krönung seines Vaters, trug ist im „Franz-Ferdinand-Museum“ in Artstetten ausgestellt. (Im Übrigen eines der wenigen wirklich sehenswerten Exponate.)

Das "Auto von Sarajevo" ist im Original im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien zu betrachten.

Das „Auto von Sarajevo“ ist im Original im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien zu betrachten.

Um in das kleine Museum zu kommen, muss man durch den Souvenir-Shop. Das Auto von Sarajevo gibt es dort in Miniaturformat zu erwerben. (Ein echter Haderthauer witzeln wir.) Pralinen, Schnaps Handtücher – nicht mit Micky Maus darauf, sondern mit dem Konterfei des Thronfolger-Paares, eine Landkarte von Österreich-Ungarn, um nur einige Dinge zu nennen, die Fans der Monarchie dort erwerben können.

Darunter natürlich auch unzählige Bücher, die zu diesem Jubiläum erschienen sind. Die Fürstin hat selbst auch eins geschrieben bzw. schreiben lassen mit dem Titel „Er war mein Ur-Großvater“. Anita von Hohenberg ist Jahrgang 1958, sie selbst ist weit nach dem Attentat und dem Zerfall der k.-u.-k. Monarchie, in der Republik Österreich geboren. Aber zahlungsfreudigen Gästen gibt sie gern Auskunft über Franz Ferdinand, ihre Familie, ihre Abstammung: „Die kann ich nicht einfach wie einen Rucksack abstreifen“, sagt sie.

Zwischen 30 und 60 Euro p. P. kostet ein Gespräch mit der Urenkelin

Gruppen die nach Artstetten kommen, können zwischen zwei Arrangements wählen: 30 Euro pro Person kostet Variante 1 mit Sektempfang im Café; nochmal 30 Euro drauf gelegt und man wird in den Privaträumen der Fürstenfamilie empfangen. Ihre Söhne pflegen wohl nicht ganz ohne Grund von einem „Privathaus mit öffentlichen Teilen“ zu sprechen.

Wir haben für unsere Gruppe einen Sondertarif erhalten: Die Fürstin verzichtet auf die „Kopfpauschale“, dafür zahlen wir den vollen Eintrittspreis für das Museum, das für seine Größe durchaus großzügig veranschlagt ist. Und die Fürstin wünscht, dass wir im Café, wo sie uns empfängt, konsumieren.

Hohenbergs sind und waren Habsburgern nicht ebenbürtig

Urenkelin & Fürstin Anita von Hohenberg empfängt zahlende Gäste in ihrem Schloss-Café.

Fürstin Anita von Hohenberg empfängt zahlende Gäste in ihrem Schloss.

Nach der Führung durch das Museum und die Gruft der Hohenbergs, wo Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und seine Gemahlin Sophie von Hohenberg geb. Chotek beigesetzt sind, geht es – natürlich wieder durch den Souvenirshop – ins Café.

„Bitte stellen sie mir Fragen, ich kann sie sonst auch zwei Stunden zuschwallen“, meint die Fürstin. Wann hat man schon Gelegenheit mit der Urenkelin von Franz Ferdinand zu sprechen?

Leider antwortet sie nicht direkt auf Fragen, was etwa ihre Kinder beruflich machen. Gerne schweift sie ab, um von ihrer hochkarätigen Verwandtschaft zu sprechen: „Wir Adeligen sind wie Zigeuner, wir kennen jeden Vetter. Meine Großmutter etwa war die Großherzogin von Luxemburg“ Dass Sophie von Chotek, die aus einem böhmischen Adelsgeschlecht stammte, einst nicht ebenbürtig für den habsburgischen Thronfolger war, könnte man an dieser Stelle fast vergessen. Erst nach der Heirat war die böhmische Gräfin in den Fürstenstand erhoben worden.

Franz Ferdinand und Gemahlin in Gruft Artstetten bestattet

Die beiden führten eine morganatische Ehe, d. h. ihre Kinder hätten nie den Thron besteigen dürfen. Nicht einmal in der Kaisergruft in Wien hätte die Frau neben ihrem Mann bestattet werden können.

Weil bereits ein Sohn des Paares in der Gruft von Artstetten bestattet wurde (im Bild sieht man den Kindersarg oberhalb in die Wand eingelassen), wollte Franz Ferdinand nach seinem Tod ebenfalls nach Artstetten.

In der Gruft von Artstetten wurde das ermordete Thronfolger Ehepaar beigesetzt, da dort bereits ein Sohn des Paares begraben war.

In der Gruft von Artstetten wurde das ermordete Thronfolger Ehepaar beigesetzt, da dort bereits ein Sohn des Paares begraben war.

Die Fürstin beklagt sich, wie schlecht es dem ehemaligen Herrscherhaus nach 1918 ergangen sei: „Jedes andere Land hat seinen Frieden mit seinen ehemaligen Regenten geschlossen, nur Österreich nicht.“ Es könnte ihr eigentlich egal sein; denn dem Herrscherhaus gehört sie nach den strengen Hausgesetzen nicht an.

Zum Glück scheinen dennoch – neben zahlreichen ausländischen Touristen – genug Österreicher nach Artstetten zu kommen; das Schloss und der fürstliche Lebensstil will finanziert werden. Im Übrigen scheinen auch ihre Kinder in dieses „Familienunternehmen“ eingebunden zu sein – als Fotografen, Grafikdesigner etc. Warum sie dies nicht sagen wollte, man kann nur mutmaßen…

Nachdem die Fürstin „ihr“ Café verlässt, bekommt unsere Gruppe das Pauschalangebot serviert, das nicht an Disneyland, sondern eine Kaffeefahrt erinnert: Ein Stück trockenen Kuchen und eine Wiener Melange. Sonderwünsche ausgeschlossen, das 5-Euro-Arrangement muss genau so gewählt werden.

Mit Noblesse hat diese Vermarktung herzlich wenig zu tun

100 Jahre Erster Weltkrieg – ein Zentenarium der besonderen Art, das wir dieses Jahr begehen. Jahres- und Gedenktage rücken historische Ereignisse in das öffentliche Interesse. Die Angebote zu diesem traurigen Jubiläum sind vielseitig, sie bewegen sich zwischen echter Erinnerungskultur und schlichten Vermarktungsmechanismen.

Meiner Meinung nach zeugt diese Vermarktung der eigenen Familiengeschichte auf Artstetten wenig von adeliger Noblesse. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass die Habsburger die Hohenbergs heute nicht mehr aus dynastischen Gründen meiden. Aber darüber kann man ebenso nur Mutmaßungen anstellen, wie über die Frage, ob sich Franz Ferdinand in seiner Gruft in Artstetten am liebsten sprichwörtlich umdrehen würde. Mögen er und seine Sophie in Frieden ruhen dürfen!

Deine Armut kotzt mich an: Wenn Posting zum Posing und kriminell wird

17 Apr

Vor Gericht musste sich der 21-jährige Manuel E. verantworten. Eigentlich ist er Hauptschulabsolvent aus Neu-Perlach, doch im Netz gab er sich als Jura-Student aus Grünwald aus. Für alle „Unwissenden“: Krasser könnte der Unterschied nicht sein; Grünwald ist das Nobel-Viertel im Münchner Süden, Neuperlach sozialer Brennpunkt. Ein Einzelfall? Ich möchte behaupten: Jeder hat (mindestens) einen Manuel in seiner Freundesliste!

Seien wir doch mal ehrlich: Das Social Web ist für Angebereien auch geeigneter als kein anderes Medium: Auf der Shopping-Tour bei H&M einloggen? Gott, bewahre… Lieber schon bei Louis Vuitton an der Maximiliansstraße! Ob man dort wirklich einkauft ist eine ganz andere Frage: Aber man kann ja so tun. „Habt ihr denn was gefunden“ – der Antwort-Kommentar kommt wie aus der Pistole geschossen: „Wir finden da leider immer was!“ Ja – „leider“ – wirklich ein hartes Leben, dieses öffentliche Schein-Leben für andere zu führen!

„Hast du keinen Vater, keine Mutter, die was kann?“

Wir lassen uns gerne täuschen – drücken voller Ehrfurcht auf’s „Like-Knöpfchen“. Derweil könnten wir es uns eigentlich denken: Denn wenn die Eltern von Studis nicht gerade Großindustrielle oder Maffiosi sind, nicht jeden Monat eine Designertäschchen drin ist.

Jetzt sind natürlich nicht alle Menschen so schlau wie wir 😉 Und es gibt eben einige, die kaufen den Manuels dieser Welt den Berufsstatus „Sohn“ ab. Vielleicht wären sie auch gerne so, aber die Eltern sind eben „nur“ Arbeitnehmer und das eigene Bafög reicht auch nur bis zur Monatsmitte.

Früher sind diese Leute dann motiviert arbeiten gegangen, dass sie sich später vielleicht mal etwas mehr leisten können als ihre Eltern. Heute denken die meisten nicht mehr im Traum daran:
Das schicke Auto lässt sich schließlich auch leasen.

Die Marken-Klamotten bequem in Raten abstottern. Viele Online-Händler machen sogar gezielt damit Werbung (z. B. Zalando: „Erst in 100Tagen bezahlen“).

Mir doch egal wie mein Konto aussieht – Hauptsache die Like-Zahlen auf meinem Facebook-Profil stimmen!

„Hey kleiner Mann, deine Armut kotzt mich an!“

Diese Welt muss eigentlich zugrunde gehen, angesichts der selbstverliebten Angeber wie sie sich uns so stark in sozialen Netzwerken präsentieren. Und ich behaupte es nicht nur, ich weiß: Manuel ist kein trauriger Einzelfall!

An dieser Stelle muss ich etwas vorsichtig werden, sonst könnte ich schnell eine Klage am Hals haben. Aber ja, ich kann schreiben, dass ich schon mit Leuten im Club war, die sich mit der leeren Magnum-Flasche Champagner fotografieren ließen, aber dafür nicht wussten, wie sie ihren Studienkredit jemals zurückzahlen sollten. Auf den Bildern posierten sie mit gebrauchten Designer-Klamotten aus dem Internet – die Kreditkartenabrechnung ist ja erst in ein paar Wochen fällig. In der Gastro glaubten sie, schnelles Geld verdienen zu können – aber dass man dort auch hart arbeiten muss, das wussten sie nicht. Und so leben sie heute wieder bei Mama & Papa, die keinen Chauffeur haben und nie hatten. Aber das Image vom Berufssohn machte sich ihrer Meinung nach gut.

„Wohnst du nicht im Münchner Süden wie die Schönen und die Reichen?“

Sicher, Angeber gibt es schon immer: Aber noch nie war es so leicht, sich als „Hochstapler“ der Öffentlichkeit zu präsentieren. So wird der zweite Vorname mit „V“ beginnend, z. B. „Viktoria“ im Profilnamen gerne mal als V. abgekürzt. Zufällig kürzen auch viele Adelige ihr „von“ so ab. Zufall oder bewusste Vortäuschung falscher Tatsachen?
Ich jedenfalls kann nur noch lachen, wenn sich wieder so ein „Opfer“ seiner Scheinwelt in meiner Timeline präsentiert: Z. B. an Heiligabend -kurz vor dem Posting, dass man danach die Christmette besucht- das Armgelenk zu fotografieren. Am Uhrenverschluss ist äußerst dezent die Aufschrift „Rolex“ zu lesen. Ich muss schon sagen, da hat jemand die Wa(h)re Weihnacht verstanden!

Wir können diese Entwicklung wahrscheinlich nicht aufhalten: Aber unsere eigene Einstellung können wir ändern – bspw. andere Prioritäten im Leben setzen, damit das Leben nicht nur online stattfindet und Betrüger wie Manuel keine Chance haben, uns zu imponieren!

Die Zwischenüberschriften sollten bewusst die Aufmerksamkeit auf sich lenken und stammen aus dem Song „Eure Armut kotzt mich an“ von der Münchner Rap-Gruppe „Aggro Grünwald“.

 

Ode an Ronald Mc Donald

3 Feb
Erste Mc Donald's in Deutschland

Wie ein Leuchtturm ragt das goldene M aus dem Werbeschilder-Dschungel… Anlaufpunkt für meine Generation auf Reisen wie es früher die Klöster waren?

Wir alle wissen, Fast-Food ist nicht gesund. Burger, Cola, Pommes und Co machen dick und trotzdem tun wir es immer wieder. Wir alle gehen zu Mc Donald’s – der eine öfter, der andere seltner. Aber warum?

Ich würde sogar soweit gehen, dass für die Generation der heute bis-30-Jährigen McDonald’s mehr ist als ein Fast-Food-Restaurant. Es ist eine Art öffentliches Wohnzimmer.

Öffentliches Wohnzimmer mit sauberen Toiletten

Wenn immer du in einer fremden Stadt eine Toilette suchst, das „goldene M“ ragt wie ein Leuchtturm im Werbeschilder-Dschungel heraus. Dort ist niemand, der dich böse ansieht, wenn du dich erleichtern musst. Aus „Dank“ nehme ich gerne eine kleine Cola mit. Die vertraute Umgebung gibt mir auch in der Fremde das Gefühl, einen Anlaufpunkt zu haben.

Wenn es draußen wie aus Eimern kübelt, dann hat Ronald nichts dagegen, wenn ich mich kurz bei ihm unterstelle. Ohne Murren wischt sein Mitarbeiter die Regennässe auf. Das gehört zum Service, auch wenn ich heute, ohne das Mc-Donald’s-Einmaleins zu „üben“, weiterziehe.

Die Hipster mögen mich belächeln, sie nennen Starbucks ihr öffentliches Wohnzimmer. Aber mir reicht Ronalds Café völlig ist. Der ist wenigstens nicht überteuert und schmeckt nach Café. Was will ich mehr? Niemand fragt mich, wie lange ich schon an meinem 1-Euro-Capuccino sitze und meine Mails in deinem WLAN checke.

„Nichts absorbiert Alkohol besser“

Der Burger „danach“, also nach jeder Party, gehört zu einem gelungenen Abend. Nichts absorbiert Alkohol besser. Dennoch wissen wir, wie wir uns gesund ernähren.  Doch gerade in der Kleinstadt, wenn alle anderen ihre Pforten bereits geschlossen haben, bietest du uns Raum in deinem „Wohnzimmer“. Wenn wir einen Schluck aus unserer eigenen Wasserflasche nehmen, nimmst du es uns nicht übel. Nur Alkohol und da bist du streng, den gibt es auch bei dir nicht, der muss draußen bleiben. Und auch sonst ist im Fast-Food-Tempel nicht alles schlecht. Hygiene z. B. wird groß geschrieben – das gehört zum weltweiten Standard.

McDonald’s ist also mehr als Fast-Food-Tempel, McDonald’s ist für meine Generation ein Hort des Vertrauten, der Gemeinschaft! Es ist egal wie viel wir konsumieren, ob es das große Menü oder nur das kleine Wasser ist… Ronald Mc Donald hat uns alle lieb, ob wir oft vorbeischauen oder nur bei Gelegenheit  – „ich liebe es“!

Mc Donald's international

Mc Donald’s international – eine beliebte Anlaufstelle auf Reisen, denn die Qualität und Hygiene gehört zum Standard!

Anlaufstellen in unserer säkularisierten Welt

Meine Texte sind immer mit einem kleinen Augenzwinkern zu lesen. Die Ode habe ich auf einer Reise geschrieben. Dort ist mir aufgefallen, wie sehr Mc Donald’s in unser Leben integriert ist. Durst? Schnell zu „Mäci“! Die Preise sind schließlich fair. Schnell die Mails checken? Auf zu „Mäci“!

Früher sind die Menschen weniger individuell gereist und wenn, dann sind sie gepilgert. Anlaufstätten waren auf (Pilger)reisen die Klöster. Dort wurde der Pilger verköstigt und ihm auch ein Schlafplatz gewährt.

Nun bietet Mc Donald’s (noch) keine Übernachtungsmöglichkeit an und auch ansonsten scheue ich den Vergleich des Fast-Food-Tempels mit den Horten der Kontemplation etwas. Aber nachdenklich macht es mich schon, was in einer säkularisierten Welt unsere Anlaufstellen sind…