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Geld verdienen mit Selbstgemachtem: Motive für Lokalpatrioten aus Passau und dem Woid

12 Okt
Spreadshirt Passau

Ok, ein gelbes T-Shirt ist wahrscheinlich nicht jedermanns Fall…. Und man hätte es auch bügeln können… Aber in der Position, mir Models aussuchen zu können, bin ich noch nicht 😉 So jedenfalls sieht meine Stadtteil-Karte aus. (Foto: Winderl)

Vielleicht geht es euch auch so: Ich mache total gerne Geschenke. Wenn sich der Beschenkte freut, freue ich mich fast mehr als wenn ich selbst etwas geschenkt bekomme.

Natürlich mache ich mir Gedanken über das Geschenk, meist sind sie selbstgemacht. Und wenn nicht, ist mindestens eine selbstgemachte Karte dabei. 

Oft passiert es mir dann, dass wenn andere (Gäste) das Geschenk sehen, sie auch gerne etwas Selbstgemachtes von mir hätten. Das brachte mich in ein Dilemma:

Einerseits verschenke ich wirklich gern, aber
1. fehlt mir Zeit, alle möglichen Leute zu beschenken
2. dachte ich mir, wenn meine Sachen anderen gefällt, könnte ich damit vielleicht auch Geld verdienen.

Ich musste jedoch feststellen, dass zwischen ich-lass-mir-Selbstgemachtes-schenken und ich-gebe-Geld-für-Selbstgemachtes-aus, ein riesen Unterschied besteht. Mein Shop bei Dawanda warf jedenfalls keinen großen Gewinn ab.

Stadtteile-Karte von Passau

Zudem habe ich dort physische Produkte angeboten, die ich erst selbst herstellen musste. Das Zeitproblem habe ich damit also nicht gelöst.

Derzeit teste ich Spreadshirt. Dort kann ich eigene Designs anbieten und selbst einen Preis dafür festlegen. Bedrucken kann man dort nicht nur Shirts, sondern auch Jutebeutel, Tassen, Schürzen, Handy-Hüllen… Ich selbst muss nichts produzieren und mich nicht um die Lieferung kümmern. Das ist schon mal klasse!

Da ich immer schon mehr Ideen als Zeit hatte, habe ich festgestellt, dass es relativ wenige bzw. schöne Motive für Lokalpatrioten aus Passau gibt. Deswegen startete ich mit einer Stadtteilkarte meine Karriere bei Spreadshirt. Falls ihr einen anderen Stadtteil wie die bereits angebotenen hervorgehoben haben wollt, nehmt einfach mit mir Kontakt auf. Ich erstelle dann gratis das entsprechende Karten-Design.

Vom-Woid-dahoam-Motiv auch als GIF

Auch für die „Waidler“ unter euch, hab ich mir was einfallen lassen und den Spruch „Vom Woid dahoam“ für euch erstellt. Quasi handmade in Lower Bavaria für Lower Bavaria. Wer weiß, wenn ihr meine Designs mögt (und kauft), vielleicht kann ich meine Ideen auch vor Ort in Shops in Passau verkaufen?

Wenn euch mein Design zusagt, könnt ihr es auch auf Instagram als GIF verwenden. (Dort einfach nach „Passau“ oder „Teresa ohne h“ suchen und dann sollten meine GIFs erscheinen.)


Tut mir nur einen Gefallen: Wenn ihr meine Designs bei Spreadshirt bestellen wollt, tut das bitte direkt über meinen Teresa-ohne-h-Shop bei Spreadshirt. Dort erhalte ich nämlich zusätzlich zu meiner kleinen Designpauschale (etwa 2 Euro), eine Provision für das von dir gekaufte Produkte bei Spreadshirt (anders als über den sog. Markplatz). Das Endprodukt wird deswegen für dich nicht teuerer, aber du hilfst mir, dass sich die Arbeit für mich etwas mehr lohnt.

Kurt-Eisner-Straße für Passau?

1 Jun
Max-Matheis-Straße Passau

Die Max-Matheus-Straße in Passau-Neustift ist wegen der NS-Vergangenheit ihres Namensgebers nicht unumstritten. (Foto: Winderl)

Offensichtlich würde man Max Matheis heute keinen Persilschein mehr ausstellen – und schon gar keine Straße nach ihm benennen. Die Linke Passau wollte das prüfen lassen.

Die Stadt Passau ließ sich Zeit… Viel Zeit. Nach fünf(!) Jahren hakte die Linke nach („Linke hakt im Fall Max Matheis nach“ (Passauer Neue Presse (PNP)/ Lokalteil Passau vom 20.04.19, S. 21). Das Ergebnis: Die Stadt Passau hat eine Prüfung noch nicht vorgenommen. 

Ich schrieb einen Leserbrief, denn der evtl. frei werdende Straßenname inspirierte mich:

Mein Leserbrief (PNP/ Lokalteil Passau vom 08.05.19, S. 24)

„Es stellt sich für mich die Frage, ob alle Persönlichkeiten, nach denen in Passau eine Straße benannt ist, einer kritischen Prüfung Stand hielten. Dennoch finde ich es richtig und wichtig, dass Die Linke bei der Stadt nachtarockt, wie man mit der Max-Matheis-Straße verfahren möchte.
Es kann nämlich nicht sein, dass aus Bequemlichkeit – sicher wäre eine Umbenennung mit Aufwand für die Stadt und nicht zuletzt für die Anwohner verbunden – einfach nichts geschieht! Meines Erachtens könnte die Stadt Passau im Zuge des Zentenariums von 100 Jahre Freistaat und Attentat auf seinen Gründer hier einen Coup landen: Nach Kurt Eisner sind in ganz Bayern nur zwei Straßen benannt. Mit der Umbenennung der Max-Matheis- in Kurt-Eisner-Straße könnte die Stadt Passau ein Statement für Demokratie setzen.
Schließlich hat der Eisner-Attentäter in der Altstadt die Schulbank gedrückt und das Notabitur erworben. Hat man das in der Stadt bis dato richtig aufgearbeitet?
Auch thematisch würde sich der erste bayerische Ministerpräsident in die Riege verdienter Bayern meines Erachtens gut einordnen, nach denen die Straßen im Neustifter Umfeld benannt sind. Denn auch wenn Eisner gebürtiger Berliner war, starb er als überzeugter Wahl-Bayer – seine Eltern übrigens in der Passauer Straße in Berlin. Wenn Straßennamen sprechen könnten…“

Reaktion auf meinen Leserbrief

Kurt Eisner Platz München

Aktivisten um Aktionskünstler Wolfram P. Kastner benennen zum Jahrestag des Attentats den Marienhof in München seit einigen Jahren in Kurt-Eisner-Platz um. (Foto: Winderl)

Ist es nicht schön, wenn der eigene Leserbrief andere Leser zum Schreiben bringt?
Einige Tage später (PNP/ Lokalteil vom 16.05.19, S. 21) erschien ein Leserbrief von Alois Zechmann, der sich auf denselben Artikel bezog und ebenfalls für eine Kurt-Eisner-Straße in Passau plädierte, er schreibt: „Es ist eine große Schande, dass in ganz Bayern meines Wissens nur in München eine Straße nach Kurt Eisner, dem Begründer des Freistaats benannt ist.“

Das ist zwar so nicht so ganz richtig: Denn seit 2018 gibt es in Erlangen einen Platz in der Nähe des Rathauses, der im Zuge des Freistaat-Jubiläums nach Eisner benannt wurde. Aber ein Platz ist keine Straße. Und so bin ich, wie Alois Zechmann gespannt, welcher Stadtrat sich traut, einen entsprechenden Antrag in Passau einzubringen.

Marienhof in München soll Kurt-Eisner-Platz werden

Übrigens: In München wünschen sich Eisner-Fans eine Umbenennung des Marienhofs in Kurt-Eisner-Platz. Dieser prominente Platz befindet sich direkt neben dem Marienplatz, aber hat keine Anwohner. Eine Umbenennung würde also relativ wenig kosten.

Da bei Straßenbennungen der Grundsatz der Gleichwertigkeit berücksichtigt werden sollte, d. h. nach bedeutenden Personen sollten wichtige Straßen benannt werden, wäre der Marienhof im Herzen Münchens ideal! Denn die Kurt-Eisner-Straße befindet sich in Neuperlach. 1969, zum Zeitpunkt der Benennung, war dies noch ein sozialer Brennpunkt; doch nicht einmal dort wollte man dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten einen Straße gönnen. Als Gegenargument wurde u. a. eingebracht, dass dies die Witwe – Achtung – des Attentäters beleidigen würde. Eisners Witwe hatte sich übrigens bereits 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Frankreich das Leben genommen.

Weitere Blogposts zum Thema „Kurt Eisner“:

 

„Hans im Glück“ ab November 2019 in Passau: Wie gut ist der Burgergrill wirklich?

19 Mai

Der Hype um das neue Burger-Restaurant, das im Sommer 2019 an der Stadtgalerie in Passau eröffnen soll*, ist bereits im Vorfeld groß: „Hans im Glück“ heißt es, das klingt irgendwie nach glücklichen Burgern und Fritten. Aber wie sehr unterscheidet sich das Franchise-Restaurant von Fast-Food-Ketten wie Mc Donalds und Co?

Aus München kenne ich „Hans im Glück“ schon seit vielen Jahren. Mich begeistert besonders die Einrichtung, die mit Birkenstämmen zwar in jeder Filiale gleich, aber eben auf den jeweiligen Gastraum individuell angepasst ist. Das Märchen von „Hans im Glück“ und seiner Gans wird konsequent durchgezogen, auch in der Speisekarte. (Ich freue mich besonders, dass die aktuelle Speisekarte Katharina Konte, eine junge und sympathische Illustratorin aus München gezeichnet hat! Sie hat nicht nur mich schon portraitiert – worauf ich echt stolz bin… Sondern Katharina hat bei Hans im Glück auch bereits oft die Fenster verschönert mit putzigen Eichhörnchen, glücklichen Hänsen…) Deswegen tragen die Burger auch so klangvolle Namen wie „Alsdann“. Es gibt sie mit Rind- und Hähnchenfleisch, vegetarischen und veganen Bratlingen im Sauerteig- oder Mehrkornbrötchen sowie Burger mit und ohne Brot. 

Im Norden der Republik gibt es einen ähnlichen Burgerbrater, dort ist Hans jedoch kein so geläufiger Vorname, da ziert dann Peter Pan das Logo von Peter Pane (Wortwitz komm raus!).

Aber was wären Burger ohne Pommes? 

Das Menü-Konzept der Fast-Food-Ketten gibt’s deswegen auch bei „Hans im Glück“: 

Hans im Glück Burger Menü

Das Abendmahl in gemütlicher Atmosphäre mit Cocktail und Süßkartoffel-Pommes. (Foto: Privat)

Wenn das Mittagsmenü nicht mehr gilt (immerhin großzügig bis 17 Uhr), schließt sich alsdann das „Abendmahl“ an. Man zahlt dann den individuellen Burgerpreis (ab 6,90 Euro für den „Klassiker“) plus den Menüpreis. 

Das klingt jedoch einfacher als es beim ersten Besuch ist: Als meine Mama zum ersten Mal in einer Filiale zu Gast war, hatte sie Probleme, sich in der Vielzahl der Burger und Menüs (mit und ohne Aufpreis) zurecht zu finden.

Mittags ist es etwas günstiger, da gibt es eine Beilage, einen Durstlöscher und ein Heißgetränk; am Abend  werden für eine Beilage und einen Cocktail plus 9 Euro fällig. Wer Süßkartoffel-Pommes will, zahlt dafür einen Aufpreis von einem Euro. Aber diese Süßkartoffel-Pommes und die Soßen sind mein absolutes Highlight!

Das originelle Märchen-Konzept wird, wie gesagt, liebevoll durchgezogen, deswegen heißt die Mayo nicht einfach Mayo, sondern Fritten-Soße.

Hans im Glück Passau

Im sog. Resch-Haus neben der Stadtgalerie soll im Sommer 2019 die Burger-Kette „Hans im Glück“ eröffnen. (Foto: Winderl)

Besonders gern hab ich die Orangen-Senf-Soße. Und da ich ordentlich tunken mag, auch meinen Burger, finde ich es super, dass große Flaschen der Soßen (natürlich gibt’s auch Ketchup) am Tisch stehen. Nichts hasse ich mehr, als wenn ich mir mit einem mühselig erbettelten Ketchup-Tütchen das Tunken meiner Pommes schon fast akribisch berechnen muss!

Was die Burger anbelangt, da finde ich, hat „Hans im Glück“ groß an Geschmack eingebüßt. Vor Jahren haben mir die Burger wirklich hervorragend geschmeckt. Mittlerweile bekommt man aber halt fast an jeder Ecke Burger – mein Highlight war einer vom Charolais-Rind in Paris – und auch Mc Donalds zieht ordentlich nach mit Deluxe- und Veggievarianten. Auch schwankt meiner Meinung nach der Geschmack zwischen den einzelnen Lokalen (in München gibt es derzeit immerhin schon 15) eklatant. Ist das bei einem Franchise-Restaurant überhaupt möglich? 

Latte Mittagsmenü Hans im Glück

Niedlich sieht der Latte Macchiato aus dem Mittagsmenü schon aus. Aber hat eher Espresso-Größe oder? Daneben steht ein 0,5l Glas. (Foto: Winderl)

Für mich siegt das originelle Ambiente deutlich über das kulinarische Angebot. Das Preisleistungsverhältnis ist unterm Strich ok, mit einem Menü wird man gut satt. Natürlich ist „Hans im Glück“ teurer als zum Beispiel Burger King, aber es handelt sich ja auch um kein Schnellrestaurants. Die Cocktails sind ebenfalls in Ordnung zum Essen dazu. Wenn ich jedoch explizit Cocktails trinken will, werde ich weiterhin in zum Beispiel das „Journeys“ gehen.

Der Latte Macchiato aus dem Mittagsmenü ist jedoch etwas für den hohlen Zahn, der hat eher Espresso-Größe. Eigentlich eine Leute-Verdummung, so etwas überhaupt auszuschenken! Der Strohhalm wirkt darin leicht überdimensioniert. Meines Erachtens hätte man auf das Heißgetränk im Menü dann lieber ganz verzichtet…

Bald ist es soweit und die Passauer können sich ihr eigenes Bild von „Hans im Glück“ machen. Für die Stadtgalerie ist es wahrscheinlich eine gute Ergänzung ihres gastronomischen Angebots, das ich bis dato kaum nutze. (Das Italy ist ja auch eher so eine schlechte Kopie des Eataly-Konzepts!) Allein optisch ist es im grün getünchten Resch-Haus sicher ein Gewinn – denn auch die Fenster werden im Märchenkonzept gestaltet und das Logo von Hans mit seiner Gans zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht.

*UPDATE: Ich fragte am 20. Juli 2019 via Instagram bei Hans im Glück nach, wann es denn mit der Eröffnung in Passau so weit sei. Die (unbefriedigende) Antwort lautete: „Leider verschiebt sich die Eröffnung unseres Burgergrill in Passau noch auf unbestimmte Zeit. Sobald wir aber einen Termin festgelegt haben, erfährst Du es auf jeden Fall sofort direkt über Instagram…“

UPDATE des UPDATES: Am 21. November 2019 eröffnet Hans im Glück in Passau. Jetzt wirklich.

Hans im Glück (in der Stadtgalerie Passau)
Bahnhofstraße 1
94032 Passau
Öffnungszeiten: Mo- So: 11h-24h

Symphonie aus Licht und Klang am Dom: Keine Show mit Tiefgang

2 Jul
Barock Dom Passau

Vor 350 Jahren wurde der Grundstein für den barocken Passauer Stephans-Dom gelegt – ein Grund zu feiern! (Foto: Winderl)

Mag sein, dass die ich gestern bei der Premiere der „Symphonie aus Licht und Klang“ nicht den optimalsten (Steh)Platz hatte. Ich stand auf der rechten Seite des Domplatzes – vor dem Max-Denkmal.

Aber ich frage mich, ob man durch die Bäume von weiter hinten die „Leinwand“ aka Dom besser erkennen kann? Insbesondere die Bespielung des Hauptportals sehe ich daher kritisch. Jeder hat eben keinen Zugang zu den (kirchlichen) Räumlichkeiten am Domplatz, von denen aus einige Mitarbeiter die Vorführung genossen.

Zunächst einmal war ich beeindruckt, dass es zu doch relativ später Stunde am Sonntagabend so viele – auch junge – Menschen auf den Domplatz zur Premiere gezogen hat. Auch ich war schon seit Wochen gespannt, was uns da zum Domjubiläum präsentiert wird: Prägte doch der Projektor bereits markant das Bild des Domplatzes am Max-Denkmal.

Schwer verständlich für den Otto-Normal-Zuseher

Als Historikerin, die sich noch dazu gerade in der Ausbildung zur Stadtführerin in Passau befindet, weiß ich vielleicht etwas mehr über die Bistums- und Domgeschichte als der Otto-Normal-Zuseher. Ich konnte also durchaus das römische Grabmal zu Beginn einordnen und was die Fronleichnamsprozession auf der Leinwand zu suchen hatte… Denn der Dom wurde zwar beim Stadtbrand von 1662 schwer beschädigt, die Ruine brach jedoch erst am Fronleichnamstag ein – und soll sogar noch Teilnehmer der Prozession erschlagen haben.

Freilich muss man dieses tragische Kuriosum der Bistumsgeschichte nicht kennen, aber wenn es schon in die Symphonie eingebaut wird, dann hätte da vielleicht eine Erläuterung in Form von kurzen Schlagwörtern (ins Bild eingebaut) nicht geschadet. Oder man lässt Flyer/ Programme drucken oder konzipiert dazu eine App oder oder… Aber vielleicht kommt das noch und war zur Premiere nur noch nicht fertig?

In der kleinen Gruppe, in der wir die Premiere erlebten, fragten wir uns, ob wir auf dem Video der Diözese von der Probe nicht einen Ansager/ „Guide“ gehört hätten. Wahrscheinlich haben uns da unsere Ohren getäuscht. Oder hat das der spannende Promo-Film impliziert?

Übrigens: Gefeiert wird der 350. Geburtstag, also der (Wiederauf)bau des barocken Doms nach dem Stadtbrand ab 1668. Nur falls das während der Symphonie nicht so rübergekommen ist… Mehr Feierlichkeiten sind aber zum Beispiel seitens der Stadt Passau nicht geplant.

Handwerklich überzeugend

Symphonie aus Licht und Klang

Wahrscheinlich hatte ich nicht den optimalsten Platz, die Premiere zu verfolgen. Tencallas Hund (im mittigen Fenster) ist mir trotzdem gleich ins Auge gestochen. (Foto: Winderl)

Die Bilder an die weiße Domfassade projiziert, waren wunderschön: Ich war beeindruckt, dass der Dom dabei irgendwie gar nicht mehr plastisch, sondern wie eine Kulisse wirkte. (Das soll jetzt keinesfalls doppeldeutig klingen 😉 ) Jeder der die Gelegenheit hat, sollte sich das unbedingt ansehen – denn so hat er den Dom garantiert noch nie gesehen und die Musik ist optimal auf die imposanten Bilder abgestimmt: Er steht in Flammen und stürzt vor den Augen der Zuseher ein… Möge Gott und selbstverständlich die Diözesanpatrone verhüten, dass dies jemals wieder passieren sollte – außerhalb dieser Lichteffekte! Aber bitte bei der nächsten Vorführung das Licht zur Orgelempore ausmachen – es störte etwas die Gesamt-Harmonie.

Sitzplätze gibt es nicht bei diesem Freiluft-Spektakel und von den Bänken am Domplatz dürfte man keinen allzu optimalen Blick haben. Ich werde mir sicher noch mehrmals die Show ansehen (bis Oktober hat man dazu ja noch Gelegenheit) und während der 20-minütigen Show den optimalen Steh- oder Sitzplatz ermitteln.

Ältere oder in der Mobilität eingeschränkte Menschen, sollten vielleicht einen Klapphocker mitbringen. Ich weiß nicht, ob man auch daran als Veranstalter hätte denken sollen?

Nichts als Show?

Ich halte die Symphonie aus Licht und Klang insgesamt leider etwas für eine verpasste Chance: Denn wann wollen sich so viele Menschen freiwillig mit der Geschichte des Bistums beschäftigen, die auch ein Stück Glaubensgeschichte ist – sind aber nach der „Show“ genauso schlau wie zuvor?

Die Deckenfresken kann man auch bei einem normalen Besuch oder im Optimalfall während einer Führung im Dom betrachten, dann bekommt man sie auch noch inhaltlich erläutert. (Ich hatte das Glück, eine solche Domführung kürzlich beim Kulturreferenten des Bistums, Alois Brunner mitmachen zu können. Das Bistum ist also selbst „schuld“, wenn ich da jetzt einfach mehr sehe…) Vielleicht wären ja (gratis) Domführungen zum Domgeburtstag noch eine ideale Ergänzung zu dieser Show? Aber bitte nur von echten Domkennern wie Brunner, der das auch noch recht kurzweilig rüberbringt!

Ich persönlich fand es schön, dass beispielsweise Tencallas Darstellung von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel ausgewählt wurde, denn darauf befindet sich ein Hund, der im biblischen Kontext natürlich keine Erwähnung findet.

Auch so ein Kuriosum, das man freilich nicht kennen muss. Aber wenn man es schon zeigt, wäre doch das dargestellte Thema interessant zu erwähnen und sicher auch die Hundeliebe des Dommalers. Immerhin haben wir gleich nebenan jetzt auch ein Dackelmuseum in Passau 😉

Die Symphonie aus Licht und Klang ist ab 6. Juli jeden Freitag bis 5. Oktober 2018 um 22 Uhr zu sehen (und hören). Es müssen keine Karten erworben werden, die Show ist kostenlos!

 

Ostern mit dem Bischof

29 Apr

Eigentlich sollte ich, wenn ich mir schon die Zeit nehme zu schreiben (außerhalb der Doktorarbeit versteht sich), dies für meine eigenen Blogs tun: Diesen hier (gibt`s immerhin schon im achten Jahr) oder ISARSPARER.

Aber ich dachte, meine Erlebnisse während der Ostertage, die wir im Bistum Passau gemeinsam mit unserem Bischof Dr. Stefan Oster verbringen konnten, sei etwas für einen katholischen Blog.

#teamOSTERn: Junge Leute verbringen im Bistum Passau Kar- und Ostertage 2018 lautet der Titel meines Gastbeitrags für „The Cathwalk“.

Gegründet hat das „Onlinemagazin für katholische Lebensart“ – „The Cathwalk“ nennt sich nämlich nicht einfach „Blog“ – ein Stipendiaten-Kollege von mir. Lange schon wollte ich für Jean-Marie Schäppi bzw. sein Magazin etwas schreiben, nie hatte ich Zeit oder Muße. Und wie es der Zufall will, ist mein Gastbeitrag nun der letzte unter seiner Chefredaktion von „The Cathwalk“.

Aber das nur nebenbei: Wenn ihr wissen wollt, wie ich die Kartage 2018 verbracht habe und wie ein Bischof Ostern feiert – also nicht nur im Dom, da kann ja jeder mitfeiern… Dann klickt auf den Link!

Streit um Stadtstrand in Passau: Mein Leserbrief (extended version)

8 Okt

Eine gekürzte Version des folgenden Beitrags habe ich als Leserbrief* an die Lokalredaktion Passau der PNP geschickt. Eigentlich ist das Thema Stadtstrand nicht mehr unbedingt ein Thema für Oktober. Doch die Debatte darum zieht sich im Passauer Stadtrat und wird wohl auch noch andauern. Weil ich gerne in Erinnerungen an den Summer in the City schwelge, lasse ich euch ausführlich daran Teilhaben. Und Bilder kann man als Leserbrief-Schreiber auch nicht für sich sprechen lassen. Ich hoffe, ich kann so deutlich machen, warum meiner Meinung nach die Dreifüssestadt einen Stadtstrand braucht:

Donaustrand Vilshofen

Auch wenn der weiße Sandstrand vielleicht nach Karibik aussieht. Das Foto wurde am Donaustrand in Vilshofen aufgenommen. Warum gibt es in Passau keinen Stadtstrand? (Foto: Winderl).

Nicht aus meiner für drei Flüsse bekannten Heimatstadt, sondern aus Berlin und München kenne ich das Modell Stadtstrand.

Seit ich vor einigen Jahren Praktikum im Bundestag gemacht habe, bin ich angefixt von der Idee Stadtstrand. Dort in Berlin musste man sogar Eintritt bezahlen. Doch mir gefiel dieser künstliche Strand, mitten in der Stadt gegenüber dem Bundespresseamt so gut, dass ich oft auch nur für ein Eis dort hinein bin.

Dementsprechend begeistert war ich, als ich nach München zog und erfuhr, dass es dort regelmäßig einen sog. Kulturstrand gibt. Dieses Jahr fand er sich zum Beispiel am Vater-Rhein-Brunnen in Blickweite zum Deutschen Museum, am Isarufer ein.

Wie freute ich mich, dass sich die CSU Passau-Stadt dieses Themas endlich annahm, obwohl ich es eigentlich eher von der SPD besetzt gesehen hätte.

Rund 20 Kilometer donauaufwärts hätten die ungläubigen Stadtväter heuer in Vilshofen am Donaustrand bewundern können, wie das Konzept auch in Niederbayern funktionieren kann. Aber dafür wurde das Thema wohl zu spät auf die Tagesordnung des Stadtrates gesetzt, denn das Vergnügen dort war nur von kurzer Dauer: Nach schon vier Wochen schloss der Vilshofener Strand seine Pforten bzw. klappte seine Liegestühle ein.

Kulturstrand München

Zum Vergleich: So funktioniert Stadtstrand in München. Der sog. Kulturstrand war heuer am Vater-Rhein-Brunnen angesiedelt – in Isar Nähe! (Foto: Winderl).

Mehr ist es auch kaum, denn für Strand-Feeling in unseren Breitengraden braucht es nicht viel: Etwas Sand, Palmen, Liegestühle (hat Stadtrat Steiner ja bereits öfter mit Linz-Branding im Einsatz). Das Ganze garniert mit (südlländischer) Musik (bestimmt kein „Bum-Bum“) und einem Verkaufsort für Getränke und Essen (denn „a fressads Gschäft geht allerweil“).

Die Preise in Vilshofen waren gegenüber denen München mehr als fair: Am Kulturstrand kostet eine Kugel Eis 2,60 Euro. Natürlich ist die dort vom feinen Eiscremehändler, das in Vilshofen kam am Steckerl aus der Kühlbox daher. Doch wer sich einige Meter vom Strand entfernte, war ja direkt am Stadtplatz und konnte sich dort Eiscreme vom Eiscafé seines Vertrauens gönnen.

Donaustrand in Vilshofen könnte Vorbild sein

An dieser Stelle einfach mal ein besonderer Dank an den Alt-Bürgermeister Gschwendtner, der durch den Ausbau die Donau für Vilshofen überhaupt erst nutzbar gemacht hat. Er ist sozusagen der geistige Vater des Stadtstrands als Event – hat doch die Donau seit dem klugen Umbau schon ohne Palmen sehr viel Strandfeeling.

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Die Preise in Vilshofen am Donaustrand waren fair. Der Cocktail „Sex on the Donaustrand“ kostete zum Beispiel 5,80 Euro. (Foto: Winderl).

Die Cocktails – mit ohne Alkohol – waren am Donaustrand lecker. Sogar ein „Sex on the Donaustrand“ hat es auf die Getränkekarte geschafft – Liebe zum Detail nennt man das wohl.

Und es ging so herrlich deutsch zu am Donaustrand: Die Liegestühle wurden besetzt wie man das vom Urlaub in Italien her gewohnt ist. Das funktionierte, auch wenn nicht alle ein Handtuch dabei haben, denn es soll ja durchaus auch Menschen geben, die ans Meer fahren, gar nicht um darin zu baden. Sie sitzen also nur in ihren Liegestühlen (im Optimalfall) oder liegen auf ihren Badehandtüchern. Den Unterschied vom Stadtstrand zum normalen Strand merken sie kaum. Es fischelt am Fluss sogar genauso wie am Meer – mit einem feinen Unterschied: Der Sand klebt nicht am nassen Körper, denn wenn überhaupt, werden nur die Füße vom kühlen Nass benetzt.

Stadtstrand als Realität gewordene soziale Gerechtigkeit

Stadtstrand Vilshofen an der Donau

Kleine und große Kinder hatten am Donaustrand ihren Spaß. Die kleineren gingen planschen in der Donau, die älteren erfreuten sich am aufblasbaren Schwimmtier – standesgemäß ein Schwan und kein Einhorn! (Foto: Privat).

Anders sieht es da hingegen bei den Kindern aus. Denn ihnen ist es egal, ob sie prestigeträchtig an der Côte d‘ Azur urlauben oder am Stadtstrand planschen und Sandburgen bauen. Sie gehen baden im kleinsten Brunnen (wie am sog. Kulturstrand in München) oder in der Donau in Vilshofen und haben hier wie im Süden ihren Spaß.

Vielleicht könnte man sogar soweit gehen, dass der Stadtstrand der „Urlaub des kleinen Mannes“ ist. Und gerade für Kinder finde ich es eine wunderbare Idee, ihnen einen Urlaub am Strand von Stadtseite her zu gönnen. Denn Sonne, Strand und gute Urlaubslaune ist so nicht mehr vom Geldbeutel der Eltern abhängig! Will so eine Realität gewordene soziale Gerechtigkeit ausgerechnet ein Sozialdemokrat den Passauern verwehren?

* Erschienen im Lokalteil Passau der PNP am Freitag, 6. Oktober 2017. S. 22.

 

Warum eigentlich ich „Kohls Mädchen“ bin

29 Jun
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Einblick in das Fotoalbum: Denn der Auftritt Helmut Kohls am 7. November 1982 in der Passauer Nibelungenhalle hat eine besondere Bedeutung für unsere Familie. Das Foto hat mein Papa gemacht. Wer den Herren links neben dem Bundeskanzler erkennt, darf gerne sein Wissen als Kommentar mit uns teilen!

Die Position von „Kohls Mädchen“ ist wohl in den letzten Lebensjahren von Angela Merkel auf seine Ehefrau Maike übergegangen. Doch warum eigentlich ich „Kohls Mädchen“ bin, das will ich euch heute, anlässlich seines Todes, berichten:

Bayern ist bekanntlich schwarz. Tiefschwarz. Doch dass Unions-Regenten direkt für Ehen und Kinder verantwortlich sind, das ist wohl auch in Bayern eher selten. Meine Eltern lernten sich jedoch bei einer Veranstaltung von Helmut Kohl in der Nibelungenhalle in Passau kennen. Dienstlich waren sie dort, beide waren sie bei der bayerischen Polizei. Mein Papa tat jedoch 1982 in Franken Dienst, sozusagen am anderen Ende des Freistaats und hätte wohl ohne den Auftritt des späteren Kanzlers der Einheit, meine Mutter im schönen Niederbayern nicht so schnell oder eher gar nicht kennengelernt. (Auch die Passauer Neue Presse erinnert hier an diesen historischen Auftritt – denn in Passau hielt Kohl eine seiner ersten Reden als Kanzler! Erst am 1. Oktober war er durch das konstruktive Misstrauensvotum an die Macht gekommen.)

Vielleicht war es für mich daher so undenkbar, dass Deutschland einen Kanzler haben könnte, der NICHT Helmut Kohl heißt. Am verlorenen Wahlabend des Jahres 1998 war ich entsprechend niedergeschlagen. Ja, ich interessierte mich schon sehr früh für Politik! Er reihte sich ein in die Liste „der ewigen Regenten“ meiner Jugend – Papst Johannes Paul II., Ministerpräsident Stoiber – von denen heute nur noch Königin Elizabeth übrig ist. An dieser Stelle: Long live our nobel Queen!

Kohl hätte meine Pate werden sollen

Leider hat Helmut Kohl nie davon erfahren, dass er so unmittelbar mit meiner Geburt zu tun hatte. Meine Mama hat sich zwar überlegt, an sein Büro zu schreiben und ihn um eine (Ehren)Patenschaft für mich zu bitten. Gemacht hat sie es jedoch leider nicht.

Die Familie Kohl habe ich aber auch nach der Kanzlerschaft, aus diesem persönlichen Interesse heraus, nie aus den Augen verloren. In studiVZ trat ich in die Gruppe ein: „Ehrenvorsitz für Dr. Helmut Kohl“ – die Gruppen dort beschrieben einen ja besser als das eigentliche Profil, auf dem ich als Heimatland „Europa“ angab. Ganz Kohlianer irgendwie.

Für diesen Blogpost habe ich mich extra in studiVZ eingeloggt und musste feststellen, dass die Helmut-Kohl-Gruppe inzwischen gelöscht ist. Ob ich schon vor der Löschung aus ihr austrat, weiß ich nicht.

Es dürfte wohl ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als ich endgültig von studiVZ zu Facebook wechselte, dass ich Walter Kohls Buch „Leben oder gelebt werden“* nicht las, sondern vom Sohn selbst vorgelesen, als Hörbuch* hörte. Und irgendwie verabschiedet sich damit von mir ein Stück Erinnerung an eine heile Kindheit:

So gern hatte ich das Ehepaar Kohl am Wolfgangsee zusammen urlauben sehen. War das alles nur eine Inszenierung, wenn er entspannt (mit Strickjacke natürlich) seine Hannelore über den See ruderte und beide dabei in die Kameras lachten? Und jetzt soll er nicht einmal im Familiengrab beigesetzt werden? Das bleibt also am Ende von der Ehe eines so großen Christdemokraten!

Als Historikerin werde ich mit Argusaugen beobachten, was mit den Akten geschieht, die Kohl der Adenauer-Stiftung zunächst schon übereignet, dann jedoch wieder zurückgefordert hat. Sofern er dazu selbst überhaupt noch in der Lage war.

Wenn ich Fotos der neuen Frau Kohl mit dem Kanzler sehe, meine ich, dort Liebe zu erkennen. Aber wen geht das schon etwas an! Für mich jedoch wird Hannelore auf ewig „Frau Kohl“ bleiben. Ich weiß nicht, ob Dr. Maike Kohl-Richter ärgert, dass sie in die Geschichte wohl eben nicht als Frau vom Kohl eingehen wird und deshalb die alleinige Deutungshoheit über Kohls Lebenswerk für sich beansprucht?

Plant Diekmann ein Buch mit Kohl-Witwe?

Ich jedenfalls warte schon gespannt auf das Buch, das sie vielleicht mit Kai Diekmann schreiben wird. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur eine Vermutung von mir. Wie es der Zufall will, habe ich Diekmann, just fast genau ein Jahr vor dem Tod des Altkanzlers, interviewt. Damals war er noch Bild-Chefredakteur und stritt mir ab, dass Kohl in Oggersheim lebt (hier nachzulesen und -sehen).

Natürlich lebte er in diesem Stadtteil Ludwigshafens, natürlich war mir klar, dass Kohl für seine provinziale Herkunft immer belächelt wurde. Kai Diekmann konnte natürlich auch nicht wissen, dass er mit „Kohls echtem Mädchen“ sprach 😉

Ich gebe zu, ich hätte Helmut Kohl gerne einmal „live“ gesehen. Als ich mit dem Zug durch Ludwigshafen fuhr, reckte ich meinen Kopf zu beiden Seiten des Waggons hinaus. Wahrscheinlich saß er zu diesem Zeitpunkt jedoch im Garten seines Bungalows – mit Strickjacke. Ich selbst liebe auch Strickjacken, einen Pfälzer Saumagen habe ich jedoch noch nicht gegessen. Macht nichts, denn jetzt wurde im Zuge der Berichterstattung über seinen Tod enthüllt, dass es gar nicht Kohls Lieblingsgericht gewesen sein soll.

Vielleicht ist es besser so, dass ich nie Kohls Patenkind geworden bin. Wer weiß, vielleicht forsche ich eines Tags über ihn. Möge er jetzt erstmal in Frieden seine ewige Ruhe finden dürfen! Ich danke Helmut Kohl für eine ganz besondere Einheit: Die Ehe meiner Eltern, die mich für immer zu „Kohls Mädchen“ gemacht hat!