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„So viel mehr als eine Professorin…“ Nachruf auf Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner

25 Mai

Ich werde nie vergessen, wie ich heute in Facebook las, dass „unsere Go“ gestorben ist. Durch Social Media von ihrem Tod zu erfahren ist irgendwie authentisch für eine Medien-Professorin mit Leib und Seele oder?

Immer wieder habe ich mich im vergangenen Jahr an „Go“ erinnert, die auch eine zeitlang meine Chefin war. Zu ihrem ersten Todestag möchte ich den Nachruf teilen, den ich für die „Banziana“ über sie schreiben durfte, eine Zeitschrift der (Alt)Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), über die wie wir uns kennengelernt haben:

Mein Nachruf für die Banziana

AquarellDie HSS-Familie ist um ein besonders engagiertes Mitglied ärmer. Am 1. Juli 2016 verstarb Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner im Alter von nur 56 Jahren nach schwerer Krankheit. Ihr Tod traf die meisten ihrer Weggefährten völlig überraschend.
„Wenn ich an Familie denke, denke ich – logisch, an meine Familie –, aber auch an die Hanns-Seidel-Stiftung. Sie ist mir – mit all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – zur zweiten Familie geworden.“ So persönlich repräsentierte Gabi Goderbauer-Marchner als Alumna die Hanns-Seidel-Stiftung auf der Internetseite Stipendiumplus. Durch ihr jahrzehntelanges Engagement hatte sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die HSS vielen heute mehr als ein Netzwerk, eben eine Art zweite Familie ist.

In den 1980er Jahren gehörte sie einem der ersten Stipendiaten-Jahrgänge an. Der HSS blieb sie nach ihrer Förderungszeit treu – als aktives Mitglied im CdAS (Club der Altstipendiaten), Prüferin bei Auswahltagungen, engagierte Referentin und Vertrauensdozentin.

Ursprünglich u. a. Geschichte auf Magister an der LMU studiert, arbeitete sie „immer in den und für die Medien und deren Nachwuchs“, wie sie es selbst treffend formuliert hatte. Über die Hochschulen Mittweida und Würzburg-Schweinfurt führte ihr Weg als “Medien-Professorin” schließlich an die Universität der Bundeswehr München, wo sie auf den Lehrstuhl für Print- und Onlinejournalismus berufen wurde und tatkräftig half, einen neuen Medienstudiengang aufzubauen.

Medien-Professorin war „gelernte“ Journalistin

Endlich war „Go“, wie sie von allen liebevoll genannt wurde, wieder näher an ihrem geliebten Landshut. Ihrer Heimatstadt, in der ihre journalistische Karriere als Chefin vom Dienst bei der Landshuter Zeitung begonnen hatte, blieb sie zeitlebens eng verbunden In der bayerischen Medienlandschaft war sie vernetzt wie wohl kaum ein anderer – als Mitglied in hochkarätigen Ausschüssen wie beispielsweise der Jury für den Bayerischen Fernsehpreis. Neun Jahre leitete sie zudem den Medien Campus Bayern. Nicht nur vom Katheder herab, sondern eben auch praktisch immer Einsatz für den Qualitätsjournalismus.

Ihr freundliche, aber stets direkte und verbindliche Art war auch bei ihren Studierenden beliebt: „So viel mehr als eine Professorin…“ lautete die Überschrift des studentischen Nachrufs. Darin beschrieben sie „Go“ als Vorbild und Mentorin. Trotz ihres voll gepackten Terminkalenders, „der in seiner Fülle jedem DAX-Konzernchef Respekt einflößen sollte“, hatte sie immer ein offenes Ohr für ihre Studierenden und Stipendiaten der Münchner HSS-Hochschulgruppe V, als deren sog. Vertrauensdozentin sie fungierte.

„Schnelles, effizientes und risikofreudiges Arbeiten“ habe Dr. Rainer Sontheimer im „Team Go“ gelernt, wie der Altstipendiat im Online-Kondolenzbuch der Uni schrieb: „GO war somit nicht nur ihr Namenskürzel, sondern wortwörtlich auch Motto: ‚Voran, auf geht’s, pack ma scho, krieg ma scho hin.’

Vermutlich wird die ‚Go’ momentan zu uns herabblicken – sofern sie nicht gerade ein neues Ehrenamt bei Petrus persönlich übernimmt.” Das könnte mit ihrem Elan und Eifer, der für zwei Leben zu reichen schien, gut möglich sein!

Zwar nicht Oberbürgermeisterin von Landshut, aber im Himmel?

Ein letzter, großer Erfolg war ihr jedoch nicht mehr vergönnt: Die Kandidatur als Oberbürgermeisterin für ihr geliebtes Landshut musste sie im Juni krankheitsbedingt zurückziehen. Den Wahlausgang selbst hat sie nicht mehr erlebt. Statt ihres Wahlplakats zierten rote Rosen die unplakatierte Wand. Berührend das Zitat eines kleinen Mädchens, das deren Mutter auf „Gos“ Facebook- Seite postete: „Mama, wenn’s im Himmel a Oberbürgermeisterin brauchen, ist ja jetzt die Gabi da.“

„Ein Stückerl Himmel über Landshut“ wünschten ihr viele Weggefährten zum Abschied. Vielleicht ist ihr auch ein kleines Stückerl Himmel über der Lazarettstraße vergönnt, denn zumindest ein Teil von Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner wird auch künftig weiterhin in der HSS-Familie zu Hause sein: Einer ihrer beiden Söhne ist Stipendiat.

Dieser Nachruf erschien in der BANZIANA 2017. Informations- und Servicedienst für Stipendiaten und Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung, S. 78, online verfügbar unter: https://www.hss.de/download/publications/Banziana_2017.pdf

#histag16: Bloggende Historiker – zwischen Schreibübung für die Doktorarbeit, auf dem Weg zur Online-Fachzeitschrift

26 Sep

Dass der Deutsche Historikertag keine so hippe Tagung wie die Republica ist, das ist irgendwie selbst erklärend. Aber dennoch gab es einen Hashtag, Veranstaltungen über Digital Humanities und sogar ein Bloggertreffen, von dem ich euch berichten möchte:

Der Sascha Lobo der deutschen Historiker heißt @Mareike2405, ist weiblich, lebt und forscht in Paris am dortigen Deutschen Historischen Institut. Eigentlich wollte ich schreiben, „während in den Sektionen noch über die Notwendigkeit digitaler historischer Grundwissenschaften diskutiert wurde…“ Aber das wäre falsch zu behaupten, denn dass die Notwendigkeit längst vorhanden wäre, war allen Anwesenden bewusst – auf dem Podium sowie im Publikum, das jedoch aus auffallend wenigen Professoren bestanden hat.

Es ist also noch ein weiter Weg, den die bloggenden und twitternden Historikerinnen und Historiker zurücklegen werden müssen, aber gemeinsam geht alles besser und so traf man sich am letzten Konferenztag in der Twitter-Lounge, um barcampmäßig den eigenen Blog zu präsentieren: Zur Seite stand Dr. Mareike König dabei @karolinedoering.

Seit 2012 betreibt sie mit zwei Bekannten DEN Mittelalter-Blog. Vorweg, einige dieser historischen Blogs sind nicht selbst gehostet, sondern über Hypotheses.

Hypotheses ist das WordPress der Wissenschaftsblogs

Kostenlos kann man dort einen wissenschaftlichen Blog eröffnen, Zielgruppe sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. Dr. Karoline Döring hebt vor allem die Gemeinschaft hervor, die es bei Hypothese gebe. Der Blog selbst basiert auf WordPress, ist aber eben schon durch die Adresse als wissenschaftlich auszumachen.

Selbst gehostet hat der Doktorand Yves Vincent Grossmann seinen Blog . „Um schreiben zu üben“, habe er angefangen zu bloggen und berichtet regelmäßig über den Fortschritt seiner Dissertation.

„Ich habe den Anspruch, immer etwas auf meinem Blog zu zitieren“, sagt Dr. Burkhard Conrad in der kurzen Präsentation seines Blogs. Der Unterschied zu den etablierten Sektionen am Deutschen Historikertags wird deutlich: Manche dauern dort 3,5 Stunden, den Bloggern (muss) eine genügen 😉

Dr. Conrad ist Laiendominikaner, sein Blog heißt Rotsinn und ist bei WordPress gehostet. Die Motivationen, einen eigenen Blog zu betreiben, sind also unterschiedlich.

Alle anderen (außer mir), die an diesem frühen Freitagnachmittag in Hamburg ihren Blog präsentieren, setzen auf das Blogportal Hypotheses.

Torsten Hiltmann stellt seinen Blog „Heraldica Nova“ vor. (Wer nicht weiß, was Heraldik ist, liest seinen Blog oder meinen Blogpost ;)) Die Postings sind in Deutsch, Englisch und Französisch verfasst und ziehen Laien-Experten gleichermaßen an wie Wissenschaftler.

Blogposts über Forschungsergebnisse, die sonst unter den Tisch fallen würden

Selbstverständlich bloggt auch die Leiterin der Session, Dr. Mareike König und zwar gleich auf verschiedenen Blogs. Ihren über das 19. Jahrhundert sieht sie selbst als eine Art Dokumentation und verrät den bloggenden Historiker-Kollegen, welches ihr meist geklickter Beitrag ist: Er trägt den spannenden Titel „Bitte leeren Sie den Papierkorb, Madame!“. Was es mit Madame Bastian auf sich hat, erfahrt ihr selbstverständlich im verlinkten Blogpost. So viel vorab: Es ist eine nette Hintergrundinfo über die Dreyfusaffäre, die jedoch, wie die promovierte Historikerin selbstkritisch feststellt, keinen Artikel wert wäre.

Monetarisierung bei Wissenschaftsblags kein Thema

Als ich ein paar Anekdoten über den Blogger-Stammtisch in München einstreue und, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt seit Kurzem sogar einen Bloggerclub e. V. gibt, geraten die bloggenden Historiker etwas ins Staunen. Geld verdienen mit dem eigenen Blog? Das geht?

Bei bloggenden Wissenschaftlern stehen andere Dinge als die Monetarisierung im Fokus – Hypotheses ist zudem gänzlich werbefrei. Was ist ein Blogpost wissenschaftlich gesehen wert? Wie bringt man Kolleginnen und Kollegen dazu, Zeit in einen Blogpost zu investieren, wenn eine Publikation auf Totholz noch sehr viel mehr angesehen ist? Kann ein Blog künftig den Rang einer (online) Fachzeitschrift haben?

Weiter geht’s auf dem Histocamp in Mainz

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Design: Lucas Garske/ Text: Team Open History e. V.

Die Blogger-Session auf dem Deutschen Historikertag hat Appetit gemacht – mehr konnten die wenigen Veranstaltungen nicht leisten: Aber ich fuhr nach Hause mit der Erkenntnis, dass es bloggende Kolleginnen und Kollegen gibt. Auch wenn nicht alle an der Session teilgenommen haben, gell @citoyenberlin 😉

Über die Vernetzung und viele weitere spannende Dinge können wir beim histocamp weiterdiskutieren – ja, ein echtes „BarCamp für alle, die an und mit Geschichte arbeiten“. Karoline mit dem Mittelalter-Blog gehört zu den Organisatoren. Und wie sagte schon Simone de Beauvoir? „Man kommt nicht als langweilige Historikerin zur Welt, man wird dazu gemacht.“*
* zitiert nach Team Open History e . V.

Aus dem Leben einer Doktorandin: Warum das mit der Doktorarbeit wirklich so „schwer“ ist – der Kampf mit den Großformaten

1 Jun

Ok, niemand hat gesagt, dass eine Promotion einfach werden würde – aber dass es gleich so schwer sein würde eine Doktorarbeit zu schreiben und zwar im Sinne körperlich schwerer Arbeit, das hätte ich nicht gedacht.
Ich meine: Ganz ehrlich – was hat man für Vorurteile gegenüber Doktoranden? Dass sie mit einer fetten Lesebrille auf der Nase lieber auf der heimischen Couch rumlümmeln als in Muckibuden zu gehen. Und genau so einer bin ich! (Nur dass ich (noch) nicht weit-, sondern kurzsichtig bin). Aber sobald ihr in einer Bibliothek ein Buch bestellt, das großformatig ist – wie das eben bei Zeitungsbänden der Fall ist, wird’s sportlich. Also etwas trainiert solltet ihr schon sein, sonst ergeht es euch wie mir heute:
In der Stabi in München findet ihr ein Großformat nämlich nicht mehr in der normalen Ablage für die Lesesaal-Bestellungen, sondern in der Abteilung für Sonderformat. Diese Info wird dir auf einem gelben Zettel mitgeteilt, der sich in der normalen Ablagesektion für deine Ausweisnummer findet. Hey, wir sind in Deutschland! Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Und wann immer ich mir denke, hm – habe ich nicht eigentlich mehr Bücher bestellt? Dann wühle ich in der kleinen Kiste im Ablagefach, das an eine Zigarrenkiste erinnert. Und dann hab ich große Freude – im wahrsten Sinne des Wortes…

Mittwoch, 1. Juni. Juni ist ja eigentlich ein Sommermonat, aber an diesem Tag hat sich der Himmel zugezogen und Petrus weiß nicht so recht, ob er es schwül oder kalt werden lassen soll. Also habe ich mich für einen dicken Strickmantel entschieden, den ich jedoch nicht im Schließfach gelassen, sondern in den Lesesaal mitgenommen habe. Noch habe ich ihn an. Noch. Denn jetzt bewege ich mich in Richtung der Großformate. Fach 62 – da liegt mein Packen an gebundenen Zeitungen. Natürlich habe ich nicht daran gedacht, die Sackkarre oder wie auch immer ich dieses Gefährt bezeichnen soll, mit nach hinten zu den Großformaten zu nehmen. Nochmal vorlaufen zum Schalter? Ne, das kostet nur wertvolle Arbeitszeit. Schließlich bin ich doch in die Bib gegangen, um konzentriert arbeiten zu können. Kein Facebook, keine Arbeit am Blog, keine Mails. Nur ich und die Wissenschaft – und eben mein Kampf mit den Großformaten!
Also fasse ich mir ein Herz und packe alle Zeitungsbände auf einmal – und oben drauf die gelben Zettel aus der Zigarrenkiste. Puuuh… eigentlich hab ich mich überschätzt, aber jetzt auf halbem Weg zum Schalter wieder zurück? Näää! Der erste gelbe Zettel flattert vom Stapel – keine Zeit und keine Kraft ihn aufzuheben. Das wäre mit der Beladung ja fast wie Kniebeugen. Bin ich Hochleistungssportlerin oder Doktorandin der Geschichte? Ich gehöre eindeutig lieber zu der Fraktion mit den Hornbrillen!

Endlich bin ich am Verbuchungsschalter angekommen. Ich muss noch ergänzen, dass ich meine zweifelhaft elegante Plastiktasche aus dem China-Shop auch noch am Arm trage. Durchsichtig versteht sich! Denn nur mit durchsichtigen Tüten oder Taschen kommt man in den Lesesaal der Stabi. Ein Glück, sonst müsste ich meinen Laptop, das Ladekabel, den Transponder für den Doktorandenbereich im ersten Stock, Bleistifte und was man halt sonst noch alles braucht für das Überleben in der Bib, auch noch lose auf den Großformaten balancieren.
Die Bücher bzw. Zeitungsbände sind verbucht. Ob ich mir keinen Wagen nehmen will, fragt der freundliche Bib-Mitarbeiter in schönem bayerisch. Wenigstens muss ich nicht noch mein gekünsteltes Hochdeutsch auspacken, denk ich mir, denn die Schweißperlen stehen ohnehin schon auf meiner Stirn. „Eigentlich müsste ich damit in den Doktorandenbereich“, erkläre ich ihm. Denn die Stabi ist wieder mal auf den letzten Platz besetzt. Hat das Semester nicht gerade erst wieder angefangen? Ist denn schon wieder Prüfungszeit? Ihr müsst entschuldigen, aber als Promotionsstudent ist irgendwie jeder Tag gleich. Vom normalen Semesterablauf bekomme ich nichts mit.
Jedenfalls sind alle Plätze im Lesesaal besetzt – sogar diejenigen, die extra für Leute freigehalten sind, die mit Magazinbeständen arbeiten wollen. Also Leute wie ich, die wirklich um Bücher zu lesen, in die Bib gehen und nicht ihren Schönfelder mit lustigen Einmerkerl versehen. Ok, diese Gesetze wiegen auch ganz schön viel. Aber Herrschaft, der Platz ist eigentlich als Arbeitsplatz für Leute wie mich gedacht und jetzt habe ich den Salat.
Erst einmal schleppe ich alle Zeitungsbände wieder zurück. Ich will am Regal entscheiden, welches Jahrganges ich mich heute annehmen will. Dazu setze ich mich auf den Boden und wähle aus. Ok, die sollen es werden und noch ein bisschen was aus der normalen Ablage. Es ist ja nicht so, dass die Ablage und der Doktorandenbereich gleich ums Eck wären. Neeeein! Und da nehme ich lieber gleich mehr mit, dass mir auch ja der Lesestoff nicht ausgeht. Wie schon gesagt, wir sind ja in Deutschland.
Also belade ich mich mit meiner persönlichen Auswahl. Der gelbe Zettel, der noch übrig war, liegt wieder oben auf. Kaum gesagt und schon flattert er auch schon runter. Es hilft nichts. Es steht ja mein Name drauf. Wer weiß, vielleicht bekomme ich Hausverbot, wenn ich Zettel hier rumliegen lasse? Einer wär vielleicht noch gegangen, aber zwei?
Also runter in die Knie, schön weit runter und elegant mit einer Hand den Zettel vom grauen Teppichboden fischen. Puuh und weil das so gut geklappt hat, gleich noch den zweiten aufheben. Wieder zur „normalen“ Ablage. Auswahl getroffen und weiter geht’s mit noch mehr Büchern auf den Armen.
Ok, es hilft nichts, ich muss mir so einen braunen Transportwagen nehmen. Einer steht gerade da, der wartet also auf mich. Gekonnt platziere ich meine Auswahl auf der obersten Transportebene. Zwei weitere Ablageebenen hätte ich noch frei. Ob ich noch zurück soll und doch die anderen Jahrgänge drauflade? Nein, das wäre ja wieder vertane Arbeitszeit!

Jetzt muss ich nur noch rausfinden wo der Lift ist. Ich fange an, das Wägelchen zu bewegen. Es quietscht. Hm, eigentlich soll es ja in einer Bibliothek leise zugehen. Aber ich kann ja nichts dafür!
Vielleicht hat der Bibliotheksgott doch Erbarmen mit mir, wenn es schon im Moment Petrus nicht mit München hat und es ist irgendwo im unteren Lesesaal ein Platz frei? In diesem Moment merke ich, dass meine Strickjacke mit dem auffälligen schwarz-weiß Muster viel zu warm ist. Oder ist mir nur vom Schleppen so heiß geworden? Ich ziehe die Jacke jedenfalls aus. Leider ist weder in meiner Plastik-Handtasche Platz und auf den Wagen stopfen will ich sie auch nicht. Also, hänge ich sie lässig über meine stylische Bib-Handtasche und quietsche damit Richtung Lift. Natürlich ist der Weg dahin recht eng, mit dem Wendekreis des Transportwagens eines LKWs, das das Wägelchen aufweist, eigentlich kaum zu bewältigen. Aber hey, irgendwas muss so ein Geisteswissenschaftler ja auch können!
Knöpfchen gedrückt und schon ist er da, der Aufzug. Sesam öffne dich! Naja, ich wusste gar nicht, wie frequentiert das Teil ist, denn ich habe bisher meinen Astralkörper immer selbstständig die verschiedenen Ebenen des Lesesaales rauf und runter bewegt.
Aber da steht tatsächlich noch ein zweites Transportwägelchen drin. Mit seiner Lenkerin. „Geht das noch?“, frage ich und parke gekonnt das sperrige Holzteil ein. Ich will endlich was arbeiten! Mein Blick fällt auf die verschiedenen Knöpfe im Aufzug. Offensichtlich ist meine Mitfahrerin keine Leidensgenossin, sondern arbeitet hier. Denn die Knöpfe führen auch in Ebenen des Magazins. Eine Reihe Druckknöpfe sind offensichtlich nur für Mitarbeiter reserviert. Wo genau ich hin muss, weiß ich jedoch nicht.
„Wo muss ich denn drücken, wenn ich den Doktorandenlesesaal möchte“, frage ich sie beim Aussteigen. Mit dem Aufzug bin ich jetzt im Keller gelandet. Das wisse sie nicht, aber da sei ja eine Infotafel im Aufzug.
Alles klar, die hab ich natürlich noch gar nicht gesehen… (Ironie) So total übersichtlich mit den verschiedenen Ebenen. Ich drück einfach mal auf Verdacht Lesesaalebene 1. Doch der Aufzug hält und mich blökt ein grauhaariger Mann an, ich soll ihn reinlassen. Genug Platz ist ja im Aufzug, schließlich waren vorher ja zwei Wägelchen hier drin. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass hier genügend Platz gewesen sein soll?
Der Mann steigt ein und steigt wieder aus. Mein Haltewunsch wurde offensichtlich ignoriert. Ich drück nochmals und nochmals hält der Lift – aber nicht an meiner gewünschten Ebene, sondern am Ausgangspunkt meiner lustigen Liftfahrt. Ich fange an zu schimpfen, draußen steht wieder ein älterer Mann, aber freundlicher als der erste und er sagt, ich solle erst meine Fahrt beenden. Erst dann würde er wieder drücken.

Und siehe da – Sesam öffne dich! Ich bin auf Ebene 1 des Lesesaals angelangt. Jetzt muss ich nur noch mit dem quietschenden Wägelchen von ganz vorne nach ganz hinten. Gott, ist mir das peinlich! Wie mich dich Leute anschauen, die hier brav studieren wollen. Und ich bin verschwitzt – einfach „fick und fertig“. Ich will nicht angegafft werden. Und das ist noch die laptopfreie Zone, also hier soll man besonders konzentriert arbeiten wollen.
Aber das ist ja nicht mein Problem! Blöde Stabi, denke ich mir! Die hätten mir ja auch einfach jemand mitschicken können, der die Bücher trägt. Oder den Wagen ölen. Oder sich etwas Innovativeres als diesen Wagen anschaffen… Oder… Wie ich so gedanklich wie ein Rohrspatz vor mich hinschimpfe, stehe ich auch schon vor dem Doktorandenbereich. Er ist mit Glasscheiben, mitten im normalen Lesesaal eingezäunt. Um reinzukommen brauche ich meinen Transponder. Und als ich in meiner Plastik-Tasche krame und da nochmal in der kleineren Tasche, die meine Wertsachen enthalten, quatscht mich eine Frau an. „Kann ich da rein“, fragt sie mich mit einem Buch in der Hand.
Sie muss mich offensichtlich für eine Mitarbeiterin halten. Wer fährt sonst auch mit einem Wagen Bücher durch eine Bibliothek? Die Dame ist schon etwas älter und ich erkläre ihr, dass sie hier nur mit einem Transponder reinkommt, sie brauche eine Berechtigung für diesen Bereich. Typisch deutsch eben.
Genervt erklärt sie mir: „Dann setze ich mich einfach auf den Boden und lese da!“ Wenn das mal erlaubt ist, denke ich mir und klicke mich endlich frei, um das Doktorandengehege betreten zu können.

Endlich produktiv an der Diss arbeiten denke ich mir und fange an, meinen Laptop, mein Ladekabel, meine Wasserflasche aus der Plastiktasche zu holen. Plötzlich fällt mir ein: Wo ist eigentlich meine Strickjacke? Die wird doch nicht im Aufzug…
Und ich packe alles wieder in meine Tasche zurück. Das Wägelchen lasse ich derweil eingeparkt im Doktorandenbereich. Der Schweiß läuft mir mittlerweile schon in die Augen. Aber es hat ja keiner gesagt, dass das mit der Doktorarbeit leicht werden würde. Nur warum bitte gleich so schwer?

“Darf ich zu meinem Professor “hallo” sagen?”: Anrede-Knigge für Studierende

30 Jul
Die Titel der Unilehrer sind zwar auf dem Namensschild oft voluminös, aber nicht alle gehören in die (schriftliche) Anrede. Wie spreche ich meinen Professor richtig an? Oft ist das eine große Hürde für Studierende - nach diesem Text wisst ihr, wie es richtig geht! (Foto: Winderl)

Die Titel der Unilehrer sind zwar auf dem Namensschild oft voluminös, aber nicht alle gehören in die (schriftliche) Anrede. Wie spreche ich meinen Professor richtig an? Oft ist das eine große Hürde für Studierende – nach diesem Text wisst ihr, wie es richtig geht! (Foto: Winderl)

Ich kann mich noch gut an den Beginn meiner Studienzeit erinnern und insbesondere daran, wie ehrfürchtig ich die ganzen Titel vor den Namen meiner Dozenten im (damals noch auf Totholz gedrucktem) Vorlesungsverzeichnis bewundert habe.

Die Immatrikulation war geschafft, aber schon wartete die nächste Hürde auf mich: Ich musste dem Dozenten eine E-Mail schreiben. Nur wie sollte ich Frau Prof. Dr. XY korrekt anschreiben oder -reden? Die Titel abkürzen? Gehören alle Titel in die Anrede?

Und weil ich zwischenzeitlich die Seiten gewechselt habe und nun selbst an der Uni arbeite, weiß ich, dass es die Hürde der richtigen Anrede noch immer gibt. Deswegen folgt an dieser Stelle ein kleiner Anrede-Knigge:

Welche Grußformel wähle ich in einer E-Mail an meinen Professor?

Den ersten Fehler, den Studierende (ich gendere das Wort Studenten mal ganz brav zumindest an dieser Stelle, weil ich ja u. a. schon an der Pressestelle der Uni gearbeitet habe) in einer E-Mail begehen, ist m. E. oft schon die Anrede: “Hallo” mag zwar im www eine gebräuchliche Grußformel sein, in einer E-Mail an den Herrn Professor ist sie aber fehl am Platz! (Ich glaube ich muss nicht gesondert erwähnen, dass das analog auch für “Hi” oder Grußformeln am Ende der E-Mail wie “Tschüss” oder “Servus” gilt ;))

Sicher, es gibt immer Ausnahmen von dieser Regel, wenn der Professor oder der (unpromovierte) Dozent noch recht jung ist. Aber ich würde empfehlen, gerade wenn man seinen akademischen Lehrer noch nicht kennt, diesen potentiellen Fauxpas zu vermeiden und ihn zumindest in der ersten E-Mail mit “Sehr geehrter Herr..” anzuschreiben. Wenn er dann mit “Hallo” oder “Lieber” zurückschreibt, kann man selbstverständlich auch selbst diese lässigere Grußformel wählen.

“Lieber” als Anrede gebrauche ich z. B. nur bei Professoren oder Dozenten, die ich persönlich wirklich schon länger kenne. Wobei ich diese Anrede lange nicht so deplatziert wie “Hallo” finde, aber das ist sicher Geschmackssache…

Titel hinter dem Namen getrost ignorieren

Kommen wir nun zu den ganzen Titeln, die Uni-Dozenten vor oder auch hinter dem Nachnamen stehen haben. Ich habe bspw. auch schon Mails an “Frau M.A. Winderl” bekommen. Das ist völlig übertrieben! Denn als Faustregel gilt: Titel, die hinter dem Namen stehen, kann man getrost in der Anrede (mündlich wie schriftlich) weglassen.

Eine Ausnahme bildet hier unser Nachbarland Österreich. Dort würde ich wohl (wenn ich meinen Master-Grad angeben würde) als “Frau Magister” (in der Schriftsprache als Frau Mag. abgekürzt) angesprochen werden, auch wenn ich eigentlich einen Master habe… Aber Titel und Österreich, das wäre mindestens einen gesonderten Blogpost wert…

Konzentrieren wir uns zunächst auf deutsche Unis – dort gibt es genug Fettnäpfchen, in die man in Sachen “Titel” hineintappen kann.

Wann wird der Doktortitel ausgeschrieben?

Einen Doktortitel zu erwerben ist mit erheblichen Anstrengungen verbunden (wie ich im Moment auch selber feststelle) und so ist es nur recht und billig, wenn man diesen Titel nicht unter den Tisch fallen lässt. Sprich, ihr solltet eure Gegenüber solange mit dem richtigen Titel ansprechen, bis euch angeboten wird, diesen wegzulassen.

Eine Ausnahme bildet, wenn ihr selbst promoviert seid, dann “dürft” ihr “Herrn Dr. Bauer” gleich als “Herr Bauer” ansprechen. Ihr “dürft” das natürlich auch schon als Studi, die Frage ist nur, ob es euch euer Dozent nicht übel nimmt… Deswegen würde ich empfehlen, lieber einmal mehr “Frau Dr. Specht” mit “Frau Dr. Specht” anzuschreiben als zu wenig. “Frau Doktor” allein als Anrede genügt im Übrigen nicht – es sei denn, sie ist eure Hausärztin 😉

Jeder nicht-medizinische Doktorgrad wird mit “Dr.” abgekürzt. Die Art des Doktors, ob “phil.” oder “theol.” oder was es auch immer gibt, müsst ihr in der Anrede nicht angeben. “Frau Dr. Specht” genügt.

Was ist ein PD?

Nach der Promotion folgt für einige ganz Mutige noch die Habilitation. Hat sich eine Person habilitiert (man sagt übrigens “sich habilitieren”), aber noch keinen Lehrstuhl (den man auch nicht immer bekommt, deswegen sind es so wenige „Mutige“), darf sie sich als “Privatdozent” (abgekürzt mit PD) bezeichnen. An Frau Dr. Sprechts Türschild würde dann “PD. Dr. Specht” stehen. Diesen Titel dürft ihr nun jedoch ignorieren – es genügt, wenn ihr sie mündlich oder schriftlich weiterhin mit “Frau Dr. Specht” anredet.

Doch sobald unsere Frau Dr. Specht einen Lehrstuhl oder eine Professur bekommen hat und so zur Professorin wird, solltet ihr sie auch mit “Frau Professor” oder “Frau Professorin” anreden. Den Nachnamen kann man im Gespräch übrigens auch weglassen.

Nur der höchste Titel zählt für die Anrede

Weglassen kann und sollte man nun in der Anrede auch den Dr.

Auf ihrem Türschild mag zwar vielleicht “Prof. Dr. phil. Dr. h.c. mult. Specht M.A.” stehen. Aber relevant für die Anrede ist nur der höchste Titel. In einer E-Mail solltet ihr nun schlicht schreiben: “Sehr geehrte Frau Professor Specht” (auch Frau Professorin ist möglich).

In die Anschrift, aber lediglich dort, könnt ihr gerne alle Titel schreiben. Ich lache mich immer schlapp, wenn ein Professor mit “Herr Professor Dr. XY” angeredet wird. Da erkennt man sofort, dass
a) die Person noch nicht lange an der Uni ist oder
b) für Konventionen nicht viel übrig hat.

Lassen sich Informatik-Professoren schneller duzen?

Denn auch wenn euch nach einiger Zeit im Seminar euer Professor anbietet, dass ihr seinen Titel weglassen könnt, dann heißt das nicht, dass er auf seine(n) Titel keinen Wert legt. Es ist durchaus ein Zeichen der Wertschätzung (und der guten Erziehung), wenn ihr ihn bis zu diesem Zeitpunkt korrekt angesprochen habt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich gehandhabt wird. Bei Informatikern mag es vorkommen, dass man seinen Professor sogar duzt. An der Philosophischen Fakultät hingegen wäre es mir nie in den Sinn gekommen, auf die korrekte Anrede zu verzichten.

Sind Titel wirklich alles?

Titel sollten zwar nicht der Grund (zumindest in erster Linie) für eine Promotion sein, sind es aber doch oftmals…

Aber wenn ihr den Text bis hierhin gelesen habt, dann könnt ihr künftig auf dem Parkett der akademischen Anreden, das einem Minenfeld gleicht, mit Bravour bestehen 😉

„Sharing is caring“ ist diesem Fall ganz besonders – evtl. erspart ihr so einem Kommilitonen eine größere Peinlichkeit...

P. S.: Vielleicht verrate ich euch bei Gelegenheit noch, wie ihr einen habilitierten Graf (in Österreich) korrekt ansprecht… Weil das hätte an dieser Stelle nun echt zu weit geführt 😉

Gruppe an der Uni Passau für Geschichtsstudierende und -interessierte

6 Jun

Gemeinsam mit einem Kommilitonen habe ich mir zum Ziel gesetzt, eine „Hochschulgruppe Geschichte“ an der Uni Passau zu gründen. Ziel dieser Einrichtung soll der Austausch der Geschichtsstudierenden untereinander, aber auch mit der historisch interessierten Bevölkerung sein.

Die studentische Gruppe fußt auf drei Beinen:

  • Ein Historiker-Stammtisch, der jeden ersten Mittwoch im Monat stattfinden soll,
  • Studienberatung für Studierende des Fachs Geschichte an der Uni Passau (inkl. der Präsenz bei der „O-Woche“ zu Semesterbeginn),
  • sowie zahlreiche „historische Aktivitäten“ (wie z. B. der gemeinsame Besuch von Ausstellungen, Vorträgen, aber auch die Weiterführung der Diskussion von Seminarthemen).

Termine und aktuelle Infos zu der Gruppe finden sich auf http://geschichtepassau.wordpress.com/ oder in der Facebook-Gruppe „Geschichte Passau“.

Macher gesucht

Hast du/ haben Sie Lust unsere Gruppe zu unterstützen? Dann nimm/ nehmen Sie doch Kontakt mit uns aus – wir freuen uns über jeden Neuzugang und Ideen (zur Kooperation) für unsere „historischen Aktivitäten“!

Heraldik: Geschichte des Wappens der Universität Passau

18 Apr

Zugegeben, es mag lebensnotwendigere Dinge als Heraldik geben. Heraldiker beschäftigen sich mit Wappen. Aber ist nicht auch ein Krimi nicht unbedingt lebensnotwendig und dennoch spannend? Die Geschichte über das Wappen der Universität Passau erinnert in manchen Episoden an einen hochspannenden Krimi, der zumindest Geschichtsfans Gänsehaut bekommen lässt.

Die Uni Passau hat (noch?) kein Wappen

Das Logo der Universität Passau, das wegen des Schriftzugs kein Wappen darstellt.rstellDoch gleich vorweg, die niederbayerische Hochschule besitzt (noch?) kein Wappen! Sie hat lediglich ein grau-orangefarbenes Logo mit Schriftzug. Denn Prof. Dr. Thomas Frenz weiß: „Ein „gutes“ Wappen enthält keine Schrift. Die Heraldik ist eine Bildsprache.“ Der Historiker ist Inhaber der Professur für Historische Hilfswissenschaften an der Uni Passau. Um in dieser Teildisziplin der Geschichtswissenschaft historische Quellen aufarbeiten zu können, beschäftigt er sich auch unter anderem eingehender mit der Heraldik.

Informatik-Gebäude als Vorlage für das Uni-Logo

Dem Uni-Logo diente das Portal des Informatik-Gebäudes als Vorlage. Die unterhalb abgebildeten fünf dynamischen Schwingen sollen Hörsaalreihen darstellen, die wiederum die fünf Fakultäten symbolisieren. Das Corporate Design hat Stefan Dahinten -im Übrigen ein Passauer Alumni- bereits 2003 entwickelt. Mit dem Wintersemester 2009/2010 ist jedoch die Katholisch Theologische Fakultät (KT) in die Philosophische Fakultät eingegliedert worden. Müsste man nun nicht eigentlich eine Hörsaalreihe aus dem Logo entfernen? Der Sprecher des neu geschaffenen Departments für Katholische Theologie, Prof. Dr. Isidor Baumgartner sieht das folgendermaßen: „Streng genommen ist die KT nicht aufgelöst, sondern lediglich für „ruhend“ erklärt worden. Aus diesem Grund halte ich es für angebracht, wenn das Uni-Logo weiterhin an die KT erinnert.“

Siegel der Uni-Vorgängerin übernommen

Die Siegelabbildung der Uni Passau ist auch kein Wappen.Doch die Theologen kommen noch einmal in der Geschichte um das Wappen einer Uni, die eigentlich kein Wappen besitzt, zum Zug. Immerhin war die KT nicht nur Gründungsfakultät der jüngsten Universität Bayerns, ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Doch soweit müssen wir für unsere kleine Wappenkunde nicht zurückgehen: „Im Jahr 1978, dem Gründungsjahr der Uni, hat man einfach das Siegel der Vorgängerinstitution, der Philosophisch-Theologischen Hochschule übernommen“, erklärt Prof. Frenz.

Das Siegelbild dieser Hochschule war eine so genannte „Maria vom Siege“: Maria steht darauf auf der Mondsichel und trägt das Jesuskind auf dem Arm, das seinerseits mit dem Kreuzstab einen Drachen tötet.

Der „Passauer Madonnenstreit“

Doch eine Universität müsse „konfessions- und religionsneutral“ sein, war sich der mittlerweile emeritierte Passauer Soziologieprofessor Adolf Mintzel sicher. So kam es in den 1990er Jahren zum „Passauer Madonnenstreit“. „Ich habe damals dem Rektor einen Brief geschrieben, in dem ich darauf hinwies, dass die Abbildung von Heiligenfiguren auf Universitätssiegeln allgemein üblich ist“, erinnert sich Prof. Frenz. Besonders ärgert den Wissenschaftler, dass Mintzel im „Passauer Madonnenstreit“, die Siegelabbildung fälschlicherweise als Wappen bezeichnete. Aber das ist eine heraldische Spitzfindigkeit.

Interessanter ist, warum die Philosophisch-Theologische Hochschule, 1950 eben dieses Siegelbild gewählt hat. Und das kam so: 1933 war der Rektor der Hochschule, Prälat Franz Xaver Eggersdorfer, von den Nationalsozialisten aus seinem Amt entfernt worden. In der Zeit der unfreiwilligen Muße, verfasste er eine Geschichte seiner Hochschule, auf deren Umschlag die „Maria vom Siege“ abgebildet war. „Zudem hatte man in der NS-Zeit ein Hakenkreuzsiegel verwenden müssen, das bis 1950 in der Mitte leer war, weil man das Hakenkreuz nach Kriegsende herausgekratzt hatte“, erläutert Prof. Frenz. Die Botschaft, die dahinter steckt, ist eigentlich klar: Die Madonna mit dem göttlichen Kind überwindet die widergöttliche Ideologie der Nationalsozialisten.

UP-Logo als konfessions- und religionsneutrale Lösung

Doch im „Passauer Madonnenstreit“ der 1990er Jahre musste eine „konfessions- und religionsneutrale“ Lösung her. Also kreierte man kurzerhand ein Logo mit den Initialen der Uni „UP“. UP steht für Universität Passau. Prof. Frenz erinnert dies jedoch eher an „einstürzende Neubauten“.

Vom Streit um eine Madonna und fünf Fakultäten zum lesenden Wolf?

Ein Vorschlag für das Wappen der Universität Passau von Prof. Frenz.

Und überhaupt hätte der Historiker eine hervorragende Idee, wie man den „Passauer Madonnenstreit“ vielleicht vergessen und auch das Problem mit den eigentlich nur mehr vier Fakultäten umgehen könnte: Die Universität Passau sollte ein Wappen führen!

Der Historiker erklärt, dass in vielen Universitätswappen ein Buch vorkäme. Gerne werde auch ein lokaler Bezug hergestellt: „Ich schlage deshalb vor, dass wir den Passauer Wolf als Grundlage nehmen, ihm aber ein Buch zu halten geben. Und außerdem einen Bezug zu Bayern herstellen, in dem wir in das Schildhaupt die bayerischen Farben setzen.“

Wie gesagt, Heraldik ist nicht lebensnotwendig, aber spannend ist die Geschichte um das Wappen der Universität Passau allemal. Und wer weiß, vielleicht ist die Geschichte auch noch nicht zu Ende…

Onomastik 2.0: Namensforschung online

4 Apr

Irgendwie ist es schon ein Kreuz mit den Namen! Die einen müssen ihren Familiennamen grundsätzlich buchstabieren, weil er so ungewöhnlich ist. Die anderen mit den „gewöhnlichen“ Nachnamen sind jedoch auch nicht besser dran, denn z. B. Herrn Meir kann man schließlich mit ai, ei oder auch ay schreiben.

Nachnamen veraten viel über ihren Träger bzw. dessen Vorfahren, denn die Familiennamen sind „sprechende Namen“. So gibt es z. B. Berufsnamen wie Maier, dessen Vorfahren ursprüngl. einmal Verwaltungsbeamte gewesen sind, aber auch Herkunftsnamen (die Vorfahren des bspw. Herrn „Bayer“ stammten aus Bayern) oder Wohnstättennamen (ein z. B. Herr „Wiese“ hat demnach einmal an einer Wiese gewohnt).

Die Wissenschaft von der Erforschung der Bedeutung, Herkunft und Verbreitung der Namen wird als Onomastik bezeichnet.

Prof. Udolph und sein Buch der Namen

Einer der wohl berühmtesten Onomastiker ist Prof. Jürgen Udolph, der die Namen gerne als „Friedhof der Wörter“ bezeichnet. Bekannt ist der Namenskundler von seinen zahlreichen Auftritten in Funk und Fernsehen. 2005 erschien „Professor Udolphs Buch der Namen“, darin erklärt er Namen und gibt auch Anleitung, den eigenen Namen selbst zu deuten.

Doch so einfach ist das leider nicht! Bei einer Veranstaltung in Deggendorf im vergangenen Jahr wusste der Experte Udolph selbst spontan nichts mit meinem Nachnamen anzufangen – er selbst habe ihn noch nie gehört.

In unserer Familie vermuten wir, dass der Name „Winderl“ vom Volksstamm der Wenden stammt.

Namen online kartieren

Wenn wir auch leider (noch) nicht die genaue Bedeutung unseres Familiennamens kennen, so können wir ihn mittels Internet immerhin kartieren – und somit die regionale Häufung in der Oberpfalz ermitteln. Dies ist mit der Geogen-Website möglich.

  • Die Angaben werden bei Geogen einem Online-Telefonbuch aus dem Jahr 2002 entnommen.
  • Die Karten werden im Internet erzeugt, ohne dass dafür die Software auf einem eigenen Rechner installiert werden muss. Die erzeugten Verbreitungskarten können als Grafik gespeichert werden.

Geografische Verteilung des Familiennamens "Winderl" mit Geogen

Zudem kann es bei einigen Familiennamen sinnvoll sein, diese geografische Verteilung mittels des Reichstelefonbuchs von 1942 vorzunehmen. Warum? So können mögliche Flucht-Bewegungen der eigenen Familie bzw. der Mit-Namensträger während des Zweiten Weltkriegs nachvollzogen werden. Dies ist auf der Gen-Evolu-Website möglich. Berücksichtigt werden muss freilich, dass in den 1940er Jahren nur wenige Personen überhaupt einen Telefonanschluss hatten.

  • Die Namensverteilung kann bei Gen-Evolu mittels des Reichstelefonbuchs von 1942 und einem Telefonbuch aus dem Jahr 1998 erzeugt werden.
  • Die Kartierung ist im Übrigen auch für Vornamen möglich.

Sowohl Geogen, als auch Gen-Evolu sind zwei Websites, die sich gut für den Einstieg in die Onomastik eignen. Wer jedoch einen ähnlich ungewöhnlichen Nachnamen wie ich ihn trage, hat, wird langfristig nicht darum herumkommen auf Literatur zur Namensdeutung zurückzugreifen bzw. evtl. parallel dazu auch Ahnenforschung zu betreiben. Gute Literaturtipps zur Familiennamendeutung finden sich hier.

Letzte Hoffnung: Namensberatungsstelle der Uni Leipzig

Und wer mit diesen Hilfsmitteln nicht weiterkommt, kann sich an die Namensberatungsstelle der Universität Leipzig wenden, die im Übrigen von Prof. Udolph ins Leben gerufen wurde. Dort erhält man für 95,20€ ein Gutachten über einen Familiennamen – jedoch ist die Beratungsstelle so ausgelastet, dass derzeit keine neuen Anfragen mehr bearbeitet werden können.

Da Namenskunde nur in Leipzig gelehrt wurde, steht es nach der Emeritierung von Prof. Udolph eher schlecht mit dem Nachwuchs an Namenskundlern. Daher kann es nicht schaden, u a. auch auf Onomastik 2.0 zu setzen.