Hochwasser-Katastrophe in Niederbayern: Bitte lasst die Hinterbliebenen in Ruhe

3 Jun
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Die Facebook-Funktion „an diesem Tag“ erinnert nicht nur an schöne Ereignisse. Zur Zeit zum Beispiel an meine Erinnerungen an das Hochwasser in Passau von 2013 (Fotoquelle: Screenshot).

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist her, dass ich mich in diesem Blogpost über das Verhalten mancher Social-Media-Nutzer in der Hochwasser-Katastrophe (in Passau) aufgeregt habe. Horrormeldungen wurden verbreitet. Fluch und Segen der sozialen Netzwerke: Koordiniert wurde, hauptsächlich über Facebook, auch zum Beispiel das vorbildliche Hilfs-Projekt „Passau räumt auf“.
Exakt drei Jahre danach hat das Hochwasser meine Heimat Niederbayern wieder heimgesucht – nicht direkt meine Heimatstadt Passau, aber die benachbarten Landkreise Rottal-Inn und Passau sind dieses Mal betroffen. Facebook erinnert gerade viele Nutzer aus meiner Heimatregion daran: „Es ist schön, Erinnerungen wach zu halten. Wir könnten uns vorstellen, dass du gern an diesen Beitrag von vor 3 Jahren zurückdenkst.“

Vater via Facebook gesucht

Fluch und Segen: Ich erinnere mich, ich saß am Mittwoch in der Bibliothek in München als mich die Meldungen und vor allem Bilder der schlammigen Massen über soziale Medien erreichten, wie sie sich durch Simbach am Inn, Tann etc. wälzten.
„Lebt ihr noch?“, schrieb ich in die familieneigene whatsapp-Gruppe. Angesichts der Horrorszenarien, wie sie die Medien wieder propagierten, hatte ich Angst bekommen.
Vielleicht erging es meiner ehemaligen Studienkollegin ähnlich, nur hat sie das Pech, dass ihr Elternhaus direkt im Zentrum der Katastrophe, in Simbach am Inn steht. Wenig später erreichte mich in meiner Timeline der verzweifelte Aufruf, den ihr Bruder verfasst hat:

„Hochwasser Simbach am Inn.

Unser Vater Walter (…) wird vermisst. Zuletzt gesehen (…)Straße.

Informationen an: (Handynummern der Geschwister)

Bitte teilen!!!“

Natürlich habe ich sofort auf teilen geklickt. 8 400 Personen haben das ebenfalls getan. Und da ich auf Twitter bin, habe ich einen Screenshot auch dort verbreitet – über 200 Retweets waren es hier.
Schon zu diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt tun sollte. Denn bekanntlich sind die sozialen Netzwerke „Fluch und Segen“… Man könnte sich nun ausrechnen, wie viele Menschen, darunter auch Medienvertreter, die Handynummern und die Adresse eines potentiellen Flutopfers hatten.

Screenshot des Suchaufrufs in der BILD

Gestern Abend hatten die Angehörigen dann traurige Gewissheit – nach Stunden des Hoffens und Bangens, unvorstellbar quälender Ungewissheit: Der Vater hat es nicht mehr raus aus dem Keller geschafft. Er ist das sechste Opfer der Hochwasser-Katastrophe von 2016. Zu diesem Zeitpunkt werden jedoch noch Personen vermisst.
Als wäre das alles für die Familie noch nicht genug! Den „verzweifelten“ Suchaufruf der Geschwister hat die BILD heute als Screenshot veröffentlicht – mit den Handynummern und der Adresse. Da wurde nichts geschwärzt. Auch die Kommentare der Facebook-Freunde des Sohnes sind zu lesen. Mit Namen versteht sich.
Gleich wäre man wieder da mit dem Urteil: BILD halt. Aber selbst in den Öffentlich-Rechtlichen ist man nicht pietätvoller. Dort verkündete eine Rettungskraft heute im Morgenmagazin vollmundig: „Den (Familiennamen) hat man da hinten rausgezogen.“ Sorry, liebes Moma-Magazin, aber muss man den O-Ton, in dem der Name eines Hochwasser-Opfers genannt wird, wirklich senden?
Handynummer kann man wechseln, aber die Erinnerungen bleiben. Auch Facebook wird sie zum Jahrestag der Familientragödie an diesen Beitrag erinnern. (Hier wird beschrieben, wie man die Funktion „An diesem Tag“ ausschalten kann.)

Der Familie habe ich bereits persönlich mein Beileid ausgesprochen. Sie brauchen jetzt Hilfe*. Auch wenn das im Moment vielleicht hinten ansteht, aber es geht dabei auch um finanzielle Unterstützung der Opfer und Hinterbliebenen. Hier sind die sozialen Netzwerke wieder Fluch und Segen: Wie nah sollen die Medien das Schicksal der Hochwasseropfer beleuchten (und über die sozialen Netzwerke verbreiten), damit der Spendenrubel rollt?

Wir entscheiden über die Art der Berichterstattung

Wir alle können mit unserem persönlichen Medienkonsum und insbesondere Klick-Verhalten über das WIE der Berichterstattung entscheiden. Ich persönlich würde mir mehr Fingerspitzengefühl wünschen. Oder nennen wir es ethisches, pietätvolles Verhalten. Die Berichterstattung auf Basis eines Screenshots des Hilfeaufrufs der Geschwister mit den persönlichen Daten halte ich für verwerflich – es ist für mich ein trauriges Beispiel wie Journalismus nicht funktionieren sollte!

Anmerkung: Aufgrund des Tenors meines Blogposts bitte ich um Verständnis, dass ich auf einen Screenshot des Hilfeaufrufs verzichtet habe. Ich habe schon daran zu knapperen, dass ich selbst die Daten verbreitet habe, in der Hoffnung, dass alles gut wird… Derweil lag der Vater vermutlich bereits tot im Keller.

* So können Sie helfen:
Spendenaktion der PNP für Hochwasser-Opfer
Spendenkonto des Landkreis Rottal-Inn –> Helfer können im Übrigen gratis mit der Südostbayernbahn anreisen

Aus dem Leben einer Doktorandin: Warum das mit der Doktorarbeit wirklich so „schwer“ ist – der Kampf mit den Großformaten

1 Jun

Ok, niemand hat gesagt, dass eine Promotion einfach werden würde – aber dass es gleich so schwer sein würde eine Doktorarbeit zu schreiben und zwar im Sinne körperlich schwerer Arbeit, das hätte ich nicht gedacht.
Ich meine: Ganz ehrlich – was hat man für Vorurteile gegenüber Doktoranden? Dass sie mit einer fetten Lesebrille auf der Nase lieber auf der heimischen Couch rumlümmeln als in Muckibuden zu gehen. Und genau so einer bin ich! (Nur dass ich (noch) nicht weit-, sondern kurzsichtig bin). Aber sobald ihr in einer Bibliothek ein Buch bestellt, das großformatig ist – wie das eben bei Zeitungsbänden der Fall ist, wird’s sportlich. Also etwas trainiert solltet ihr schon sein, sonst ergeht es euch wie mir heute:
In der Stabi in München findet ihr ein Großformat nämlich nicht mehr in der normalen Ablage für die Lesesaal-Bestellungen, sondern in der Abteilung für Sonderformat. Diese Info wird dir auf einem gelben Zettel mitgeteilt, der sich in der normalen Ablagesektion für deine Ausweisnummer findet. Hey, wir sind in Deutschland! Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?
Und wann immer ich mir denke, hm – habe ich nicht eigentlich mehr Bücher bestellt? Dann wühle ich in der kleinen Kiste im Ablagefach, das an eine Zigarrenkiste erinnert. Und dann hab ich große Freude – im wahrsten Sinne des Wortes…

Mittwoch, 1. Juni. Juni ist ja eigentlich ein Sommermonat, aber an diesem Tag hat sich der Himmel zugezogen und Petrus weiß nicht so recht, ob er es schwül oder kalt werden lassen soll. Also habe ich mich für einen dicken Strickmantel entschieden, den ich jedoch nicht im Schließfach gelassen, sondern in den Lesesaal mitgenommen habe. Noch habe ich ihn an. Noch. Denn jetzt bewege ich mich in Richtung der Großformate. Fach 62 – da liegt mein Packen an gebundenen Zeitungen. Natürlich habe ich nicht daran gedacht, die Sackkarre oder wie auch immer ich dieses Gefährt bezeichnen soll, mit nach hinten zu den Großformaten zu nehmen. Nochmal vorlaufen zum Schalter? Ne, das kostet nur wertvolle Arbeitszeit. Schließlich bin ich doch in die Bib gegangen, um konzentriert arbeiten zu können. Kein Facebook, keine Arbeit am Blog, keine Mails. Nur ich und die Wissenschaft – und eben mein Kampf mit den Großformaten!
Also fasse ich mir ein Herz und packe alle Zeitungsbände auf einmal – und oben drauf die gelben Zettel aus der Zigarrenkiste. Puuuh… eigentlich hab ich mich überschätzt, aber jetzt auf halbem Weg zum Schalter wieder zurück? Näää! Der erste gelbe Zettel flattert vom Stapel – keine Zeit und keine Kraft ihn aufzuheben. Das wäre mit der Beladung ja fast wie Kniebeugen. Bin ich Hochleistungssportlerin oder Doktorandin der Geschichte? Ich gehöre eindeutig lieber zu der Fraktion mit den Hornbrillen!

Endlich bin ich am Verbuchungsschalter angekommen. Ich muss noch ergänzen, dass ich meine zweifelhaft elegante Plastiktasche aus dem China-Shop auch noch am Arm trage. Durchsichtig versteht sich! Denn nur mit durchsichtigen Tüten oder Taschen kommt man in den Lesesaal der Stabi. Ein Glück, sonst müsste ich meinen Laptop, das Ladekabel, den Transponder für den Doktorandenbereich im ersten Stock, Bleistifte und was man halt sonst noch alles braucht für das Überleben in der Bib, auch noch lose auf den Großformaten balancieren.
Die Bücher bzw. Zeitungsbände sind verbucht. Ob ich mir keinen Wagen nehmen will, fragt der freundliche Bib-Mitarbeiter in schönem bayerisch. Wenigstens muss ich nicht noch mein gekünsteltes Hochdeutsch auspacken, denk ich mir, denn die Schweißperlen stehen ohnehin schon auf meiner Stirn. „Eigentlich müsste ich damit in den Doktorandenbereich“, erkläre ich ihm. Denn die Stabi ist wieder mal auf den letzten Platz besetzt. Hat das Semester nicht gerade erst wieder angefangen? Ist denn schon wieder Prüfungszeit? Ihr müsst entschuldigen, aber als Promotionsstudent ist irgendwie jeder Tag gleich. Vom normalen Semesterablauf bekomme ich nichts mit.
Jedenfalls sind alle Plätze im Lesesaal besetzt – sogar diejenigen, die extra für Leute freigehalten sind, die mit Magazinbeständen arbeiten wollen. Also Leute wie ich, die wirklich um Bücher zu lesen, in die Bib gehen und nicht ihren Schönfelder mit lustigen Einmerkerl versehen. Ok, diese Gesetze wiegen auch ganz schön viel. Aber Herrschaft, der Platz ist eigentlich als Arbeitsplatz für Leute wie mich gedacht und jetzt habe ich den Salat.
Erst einmal schleppe ich alle Zeitungsbände wieder zurück. Ich will am Regal entscheiden, welches Jahrganges ich mich heute annehmen will. Dazu setze ich mich auf den Boden und wähle aus. Ok, die sollen es werden und noch ein bisschen was aus der normalen Ablage. Es ist ja nicht so, dass die Ablage und der Doktorandenbereich gleich ums Eck wären. Neeeein! Und da nehme ich lieber gleich mehr mit, dass mir auch ja der Lesestoff nicht ausgeht. Wie schon gesagt, wir sind ja in Deutschland.
Also belade ich mich mit meiner persönlichen Auswahl. Der gelbe Zettel, der noch übrig war, liegt wieder oben auf. Kaum gesagt und schon flattert er auch schon runter. Es hilft nichts. Es steht ja mein Name drauf. Wer weiß, vielleicht bekomme ich Hausverbot, wenn ich Zettel hier rumliegen lasse? Einer wär vielleicht noch gegangen, aber zwei?
Also runter in die Knie, schön weit runter und elegant mit einer Hand den Zettel vom grauen Teppichboden fischen. Puuh und weil das so gut geklappt hat, gleich noch den zweiten aufheben. Wieder zur „normalen“ Ablage. Auswahl getroffen und weiter geht’s mit noch mehr Büchern auf den Armen.
Ok, es hilft nichts, ich muss mir so einen braunen Transportwagen nehmen. Einer steht gerade da, der wartet also auf mich. Gekonnt platziere ich meine Auswahl auf der obersten Transportebene. Zwei weitere Ablageebenen hätte ich noch frei. Ob ich noch zurück soll und doch die anderen Jahrgänge drauflade? Nein, das wäre ja wieder vertane Arbeitszeit!

Jetzt muss ich nur noch rausfinden wo der Lift ist. Ich fange an, das Wägelchen zu bewegen. Es quietscht. Hm, eigentlich soll es ja in einer Bibliothek leise zugehen. Aber ich kann ja nichts dafür!
Vielleicht hat der Bibliotheksgott doch Erbarmen mit mir, wenn es schon im Moment Petrus nicht mit München hat und es ist irgendwo im unteren Lesesaal ein Platz frei? In diesem Moment merke ich, dass meine Strickjacke mit dem auffälligen schwarz-weiß Muster viel zu warm ist. Oder ist mir nur vom Schleppen so heiß geworden? Ich ziehe die Jacke jedenfalls aus. Leider ist weder in meiner Plastik-Handtasche Platz und auf den Wagen stopfen will ich sie auch nicht. Also, hänge ich sie lässig über meine stylische Bib-Handtasche und quietsche damit Richtung Lift. Natürlich ist der Weg dahin recht eng, mit dem Wendekreis des Transportwagens eines LKWs, das das Wägelchen aufweist, eigentlich kaum zu bewältigen. Aber hey, irgendwas muss so ein Geisteswissenschaftler ja auch können!
Knöpfchen gedrückt und schon ist er da, der Aufzug. Sesam öffne dich! Naja, ich wusste gar nicht, wie frequentiert das Teil ist, denn ich habe bisher meinen Astralkörper immer selbstständig die verschiedenen Ebenen des Lesesaales rauf und runter bewegt.
Aber da steht tatsächlich noch ein zweites Transportwägelchen drin. Mit seiner Lenkerin. „Geht das noch?“, frage ich und parke gekonnt das sperrige Holzteil ein. Ich will endlich was arbeiten! Mein Blick fällt auf die verschiedenen Knöpfe im Aufzug. Offensichtlich ist meine Mitfahrerin keine Leidensgenossin, sondern arbeitet hier. Denn die Knöpfe führen auch in Ebenen des Magazins. Eine Reihe Druckknöpfe sind offensichtlich nur für Mitarbeiter reserviert. Wo genau ich hin muss, weiß ich jedoch nicht.
„Wo muss ich denn drücken, wenn ich den Doktorandenlesesaal möchte“, frage ich sie beim Aussteigen. Mit dem Aufzug bin ich jetzt im Keller gelandet. Das wisse sie nicht, aber da sei ja eine Infotafel im Aufzug.
Alles klar, die hab ich natürlich noch gar nicht gesehen… (Ironie) So total übersichtlich mit den verschiedenen Ebenen. Ich drück einfach mal auf Verdacht Lesesaalebene 1. Doch der Aufzug hält und mich blökt ein grauhaariger Mann an, ich soll ihn reinlassen. Genug Platz ist ja im Aufzug, schließlich waren vorher ja zwei Wägelchen hier drin. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass hier genügend Platz gewesen sein soll?
Der Mann steigt ein und steigt wieder aus. Mein Haltewunsch wurde offensichtlich ignoriert. Ich drück nochmals und nochmals hält der Lift – aber nicht an meiner gewünschten Ebene, sondern am Ausgangspunkt meiner lustigen Liftfahrt. Ich fange an zu schimpfen, draußen steht wieder ein älterer Mann, aber freundlicher als der erste und er sagt, ich solle erst meine Fahrt beenden. Erst dann würde er wieder drücken.

Und siehe da – Sesam öffne dich! Ich bin auf Ebene 1 des Lesesaals angelangt. Jetzt muss ich nur noch mit dem quietschenden Wägelchen von ganz vorne nach ganz hinten. Gott, ist mir das peinlich! Wie mich dich Leute anschauen, die hier brav studieren wollen. Und ich bin verschwitzt – einfach „fick und fertig“. Ich will nicht angegafft werden. Und das ist noch die laptopfreie Zone, also hier soll man besonders konzentriert arbeiten wollen.
Aber das ist ja nicht mein Problem! Blöde Stabi, denke ich mir! Die hätten mir ja auch einfach jemand mitschicken können, der die Bücher trägt. Oder den Wagen ölen. Oder sich etwas Innovativeres als diesen Wagen anschaffen… Oder… Wie ich so gedanklich wie ein Rohrspatz vor mich hinschimpfe, stehe ich auch schon vor dem Doktorandenbereich. Er ist mit Glasscheiben, mitten im normalen Lesesaal eingezäunt. Um reinzukommen brauche ich meinen Transponder. Und als ich in meiner Plastik-Tasche krame und da nochmal in der kleineren Tasche, die meine Wertsachen enthalten, quatscht mich eine Frau an. „Kann ich da rein“, fragt sie mich mit einem Buch in der Hand.
Sie muss mich offensichtlich für eine Mitarbeiterin halten. Wer fährt sonst auch mit einem Wagen Bücher durch eine Bibliothek? Die Dame ist schon etwas älter und ich erkläre ihr, dass sie hier nur mit einem Transponder reinkommt, sie brauche eine Berechtigung für diesen Bereich. Typisch deutsch eben.
Genervt erklärt sie mir: „Dann setze ich mich einfach auf den Boden und lese da!“ Wenn das mal erlaubt ist, denke ich mir und klicke mich endlich frei, um das Doktorandengehege betreten zu können.

Endlich produktiv an der Diss arbeiten denke ich mir und fange an, meinen Laptop, mein Ladekabel, meine Wasserflasche aus der Plastiktasche zu holen. Plötzlich fällt mir ein: Wo ist eigentlich meine Strickjacke? Die wird doch nicht im Aufzug…
Und ich packe alles wieder in meine Tasche zurück. Das Wägelchen lasse ich derweil eingeparkt im Doktorandenbereich. Der Schweiß läuft mir mittlerweile schon in die Augen. Aber es hat ja keiner gesagt, dass das mit der Doktorarbeit leicht werden würde. Nur warum bitte gleich so schwer?

Aus dem Archiv: Reisebericht über meine Lieblingsstadt WIEN

19 Mai

Heute habe ich für meine Leser in meinem persönlichen Archiv gekramt. Gefunden habe ich einen Reisebericht über meine Lieblingsstadt Wien. Erschienen ist der Artikel mit schönen Reisebildern in einem Studentenmagazin der Uni Passau. Wer den Text lieber bebildert im retro-Layout liest, scrollt einfach an das Ende des Posts.
Und wer nach der Lektüre noch nicht genug hat, der kann auf ISARSPARER weiterlesen – dort habe ich geschrieben, wie man Wien günstig erkunden kann.

Einfach „leiwand“:

Ein Wochenende in Wien

Nach nur drei Stunden im ICE kündigt der Schaffner in schönstem Wienerisch an: „In Kürze erreichen wir Wien Westbahnhof“. Er versucht zumindest hochdeutsch zu sprechen, seine Stimme klingt dabei nicht besonders freundlich, aber auch nicht besonders unfreundlich – wienerisch eben.

Entweder du wirst Wien und die Wiener von der ersten Sekunde an lieben. Oder nicht. Diese Stadt braucht keinen zweiten „ersten Eindruck“. In Wien ist die Vergangenheit so lebendig wie in keiner anderen Metropole. Doch drei Tage reichen aus, um eine womöglich lebenslange Sym- oder eben Antipathie zu entwickeln.

Viele sehnen sich hier nach ihrem Kaiser und nach der Zeit, in der Wien die k.u.k Hauptstadt eines Vielvölkerstaates war. Auch wenn das Verhältnis der Wiener zu anderen Nationalitäten damals wie heute durchaus durchwachsen ist.

Wien, das ist eben auch eine Stadt der Gegensätze.

Freitag:
Steffl und „einmal um die Ringstraße“ für die Psyche

Es ist Freitagabend und wie könntest du deinen Wienaufenthalt besser beginnen, als „das“ Wahrzeichen der Stadt zu besichtigen: Den Stephansdom. Dafür musst du vom Westbahnhof nur einige Stationen mit der U3 (Richtung Simmering) zum Stephansplatz fahren. Und schon stehst du vor ihm – dem „Steffl“.

Du fragst dich, ob es Zufall ist, dass der heilige Stephan auch der Patron der Passauer Domkirche ist? Sicher nicht! Denn in seiner Frühzeit reichte das „Donaubistum“ Passau über Wien bis Ungarn.

Aber nun wirf doch gleich einen Blick in den Innenraum, den Adolf Loos 1906 als den „schönsten und weihevollsten Kirchenraum der Welt“ bezeichnete. Die bunten Glasfenster wurden größtenteils im Zweiten Weltkrieg zerstört und ausgetauscht. So wirkt das Innere heute wohl etwas düsterer als zu Loos’ Zeiten. Licht fällt nur durch die Glasfenster des Seitenschiffs in den Kirchenraum. Beeindruckt von der gotischen Pracht wirst du den Dom wieder verlassen und hinaustreten in den Graben.

Vielleicht ist dir auch vorher schon der Geruch von Pferden in die Nase gestiegen. Um den Dom herum stehen nämlich Fiaker, die auf zahlungswillige Touristen warten, die Wien von der Pferdekutsche aus erkunden wollen. Aber du möchtest nicht ein verkitschtes, sondern das „echte“ Wien kennen lernen.

So geh doch jetzt
durch die Kärntner Straße Richtung Oper hinauf.
Über sie schrieb
 Jörg Mauthe in den 1950er Jahren, sie sei die „eleganteste und teure Geschäftsstraße schlechthin.“ Die Geschäfte werden schon geschlossen haben, aber das macht nichts. Denn wer die Kaufingerstraße in München oder den Ku’damm in Berlin kennt, der kennt auch die Kärntner Straße. Auch sie ist heute so eine zwar noch immer elegante, aber eben x-beliebige „H&M-Zara-Mango-Straße“.

An der Oper angelangt, wärst du noch vor ein paar Monaten am Besten in die „Anser“ oder „Zwarer“ (Straßenbahn Ring-Rundlinie 1 oder 2) gestiegen. Sie hätte dich einmal um den „Ring“ gefahren. Denn laufen wirst du in den nächsten Tagen noch genug.

„Einmal um die Ringstraße“, dieses Therapieprogramm soll schon Siegmund Freud seinen Patienten empfohlen haben. Doch heute musst du für die „urgeniale“ Ringtour extra zahlen: Seit Kurzem informiert eine „Touristen-Bim“ die Wien-Gäste über die Sehenswürdigkeiten entlang des Rings.

Denn bequem von der Straßenbahn aus siehst du auf das Strauß-Denkmal im Stadtpark, die Börse und das Rathaus. Dem gegenüber steht das berühmte Burgtheater, das mit einer „Burg“ im herkömmlichen Sinne herzlich wenig zu tun hat. Noch ein Stückchen weiter und du fährst am Parlament vorbei.

Schon das Quietschen der alten Straßenbahnen magst du als Musik empfinden. Doch an der Staatsoper darfst du dir musikalische Höhepunkte erwarten. Wien, das ist auch die Stadt der Musik – schau doch einfach mal, was am Spielplan steht! Deine Reisekasse wird das nicht schwer beuteln, denn Stehplätze gibt es schon ab zwei Euro. Eben dort gibt sich auch alljährlich die Haute-Volée ein Stelldichein beim berühmten Opernball. Fehlen darf dabei der Donauwalzer von Johann Strauß auf keinen Fall. Zur zweiten österreichischen Nationalhymne möchte der berühmte Musikkritiker Eduard Hanslick „an der schönen blauen Donau“ küren.

Vielleicht willst du aber deinen Abend auch weniger „klassisch“ gestalten. Dann auf zum Prater! Dort ist das ganze Jahr Wiesn. Das Riesenrad ist neben dem Steffl schließlich zweites Wahrzeichen der Stadt.

Samstag:
Wiener Schmankerl, bitte mit Bankomat!

Ausgiebig flaniert wird dann am nächsten Tag auf der Mariahilfer Straße. Mit der U3 fährst du am Besten bis zur Neubaugasse. Wenn dein Bargeld für die neusten modischen Errungenschaften nicht ausreichen sollte, kannst du natürlich auch bequem elektronisch zahlen. Nur sagen, dass du mit „Karte“ bezahlen möchtest, das kannst du nicht! Man wird dich nicht verstehen (wollen). Denn hier heißt es: „Bitte mit Bankomat“.

Wer einen etwas exklusiveren Geschmack hat, der wird am Kohlmarkt im 1. Bezirk und den dort ansässigen Designern fündig werden. Vom Graben hinauf zur ehemaligen Kaiserresidenz reihen sich Burberry, Louis Vuitton, Tiffany und Co aneinander. Ein weiteres Wahrzeichen Wiens lernst du so kennen: Die Hofburg, wo einst Sissi und Franz residierten.

Mit dem Platz davor, dem Heldenplatz, verbinden die Wiener jedoch we-niger schöne nostalgische Momente. Dort feierten sie 1938 Hitler und den Anschluss Österreichs emphatisch. Thomas Bernhard verarbeitet dieses traurige Kapitel österreichischer Geschichte in seinem gleichnamigen Drama.

Diese schwere Kost
 musst du jetzt erst mal
 verdauen. Wie wär’s mit
 einem „G’spritzten“?
 Den trinkst du aber am
 Besten nicht dort, wo
 die Touristenbusse parken, sondern dort wo
der „G’spritzte“ etwas
über einen Euro kostet.
 Das ist in den „hochzahligeren“ Bezirken,
 wie zum Beispiel in den
 Weinbergen von Grinzing 
der Fall.„Beisl“ heißen 
diese österreichischen
 Wirtshäuser. Und was
 solltest du dort unbedingt gegessen haben? 
Richtig, ein echtes Wiener Schnitzel!

Es heißt:
„Ein Wiener Schnitzel soll
 von jenem tiefen Goldgelb sein, das man vom Holz der Stradivari-Geige kennt.“ Selbstverständlich kommt es immer vom Kalb und niemals vom Schwein. So ein Schnitzel gibt es zum Beispiel beim Figlmüller, einen guten Tafelspitz bei Plachutta.

Sonntag:
Wien und den Wienern „Baba“ sagen

Gestärkt mit Wiener Schmankerl könntest du am nächsten Morgen zumindest eines der unzähligen Museen Wiens besuchen. Da wäre zum Beispiel das Museumsquartier in der Nähe der Mariahilfer Straße, das Kunst- oder Naturhistorische Museum oder du schaust in die Kaisergruft? Ja, richtig gelesen. Eine Gruft.

„Der Tod, das muss ein Wiener sein, genau wie die Lieb’ a Französin“, heißt es in einem Lied von Georg Kreisler. Die Stadt könnte man durchaus als etwas morbide bezeichnen. Oder kennst du beispielsweise irgendwo anders einen Club, der in einer alten Sargfabrik ist? Auch das gehört eben zum berühmten „Wiener Schmäh“. In jedem Fall wäre auch ein Besuch auf dem Zentralfriedhof lohnenswert. Besser als in Museen lernst du dort, im „Meer der Toten“, nämlich die Wiener Seele kennen.

Aber auf keinen Fall darfst du die Donaumetropole wieder verlassen, ehe du nicht zumindest einem der berühmten Kaffeehäuser einen Besuch abgestattet hast. Ob Sacher mit seiner berühmten Torte, Landtmann oder Hawelka – ein jedes hat seinen eigenen Reiz und ein jeder Wiener sein Stammkaffeehaus. Du kannst den ganzen Vor- oder Nachmittag bei einem „Kleinen Braunen“ oder auch nur mehreren Gläsern Wassern im Kaffeehaus bleiben und dir nicht fehl am Platz vorkommen. Denn ein echter Ober wird nicht fragen: „Haben der Herr noch einen Wunsch?“ Vielmehr ignoriert er den zahlungswilligen Gast sogar. So wird Zahlen zum Ritual.

Den Wiener mit seiner eigensinnigen Art, seinem „Raunzen“ und „Grant“ wirst du in drei Tagen lieben oder hassen gelernt haben. Über ihn schreibt Hermann Bahr treffend: „Der Wiener ist ein mit sich sehr unglücklicher Mensch, der den Wiener hasst, aber ohne den Wiener nicht leben kann.“

Doch in einem sind sich alle Wiener einig: Den „Piefke“, also den Deutschen, mögen sie nicht. Vermeide es also dich mit„Tschüss“ zu verabschieden, denn das entlarvt dich sofort. Das wienerische „Baba“ wird dir jedoch erst nach einigen Aufenthalten in der Kaiserstadt über die Lippen kommen. Aber wer weiß, vielleicht magst du ja auch schon nächstes Wochenende wiederkommen – weil du Wien einfach „leiwand“ findest.

Dieser Reisebericht erschien 2009 im Up-Campusmagazin. Die gelayoutete Seite gibt’s hier zum herunterladen.

 

 

Best of Teresa ohne h

2 Mai

snapseed-6Ein Kumpel hat mich gebeten, ich soll ihm ein „Best of“ meiner Blogposts zusammenstellen. Da ich ein Freund von Synergie-Effekten bin, dachte ich mir, diese Liste könnte ich doch gleich auf meinem Blog veröffentlichen.

In letzter Zeit wurden zwei Artikel über mich als Bloggerin veröffentlicht. Im August 2015 in der Welt am Sonntag (Print und Online) und in der Passauer Neuen Presse im Februrar 2016. In der Vorbereitung auf diese Interviews habe ich auf meinem Blog zurückgeblättert bzw. zurückgescrollt. Ich möchte euch an meinen persönlichen Highlight-Posts teilhaben lassen:

Persönliche Top 10 von und auf Teresa ohne h

  1. Als Passauerin war mir mein Beitrag zur Heimatliebe-Blogparade sehr wichtig.
  2. Auf diese Wahlanalyse wurde ich oft angesprochen. Einige Lokaljournalisten haben sich davon auch inspieren lassen 😉
  3. Sterben 2.0 – ein Thema, das mich als Medientante mit theologischem Hintergrund sehr fasziniert. Auch hier gilt es unbedingt Medienkompetenz zu erlernen – sofern nicht von Natur aus vorhanden!
  4. Passau und das Hochwasser – ein Thema, das wie Weihnachten leider alle Jahre wieder kommt
  5. Warum ich andere Bücher höre als lese
  6. Habemus Brüderlichkeit – ich glaube, meine Einschätzung nach der Wahl Papst Franziskus‘ haben sich bisher bewahrheitet
  7. Stolz auf meine Verwandschaft bin ich auch: Darum fühl ich mich als Europäerin
  8. Teresa ohne h und die Sparkasse Passau 😉 Eine neverending story möchte man sagen. Auf der #rp15 wurde ich auf dich Geschichte angesprochen. Noch heute zeigt sie eindrucksvoll WIE mächtig Social Media heute wirklich sein kann
  9. Kreativ bin ich auch schon immer gerne… hier am Ei.
  10. Heraldik? Onomastik? Mein Geschichtsstudium hat mir wirklich Spaß gemacht

 

Blogger schenken Lesefreude: Publikation zum gratis-Download mit Beitrag von mir

23 Apr

blogger2015v-W-177x300Die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ geht dieses Jahr in die vierte Runde. Bisher war es üblich, dass Blogger am Welttag des Buches, dem 23. April, Bücher verlost haben.

Im vergangenen Jahr habe ich mich mit meinem Sparblog ISARSPARER auch ganz klassisch daran beteiligt und eine Verlosung ausgeschrieben. Das hat mich als Buchliebhaberin jedoch nicht so wirklich befriedigt… Mir kam es vor, als hätten Gewinnspiel-Junkies einfach die Liste der zentralen Seiten der Aktion, in der alle teilnehmenden Blogs gelistet sind, abgegrast:

Ui, eine pseudo-Gewinnspielfrage – scroll!
Oh, hier den Namen hinterlassen und in den Lostopf springen.
Und – klick – weiter zum nächsten Blog, der eine Buch verlost.

Aktion sollte mehr als Buchverlosung sein

Dass das nicht das Wahre ist, das haben auch die bibliophilen Mädels, die die Lesefreude-Aktion ins Leben gerufen haben, erkannt und dieses Jahr soll es anders werden: Gelistet sind nicht mehr die zu verlosenden Bücher. Zurück zu den Wurzeln also – Blogger schenken Lesefreude. Auf ISARSPARER erwartet euch auch ein ganz unkonventioneller Beitrag. Und Lesefreude muss ja nicht immer durch ein Buch entstehen – es gibt auch andere Formen der Publikation…

Doch obwohl ich viel (im www) schreibe, ist es doch ein besonderes Gefühl, wenn ein Text von mir gedruckt wird. So richtig, auf Papier. Totholz gebunden als Buch.

Publikation zum gratis-Download

Ich habe mich am Wettbewerb zum Förderpreis für Politische Publizistik der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) beteiligt. Thema war: „2030 – Wo steht dann meine Generation?“ Und ich freue mich, dass mein doch recht unorthodoxer Beitrag publiziert wurde, also so richtig gedruckt – auf Papier, zum Anfassen und Weitergeben an Opa.

Die Publikation gibt es gratis zum Download auf den Seiten der HSS:

Teresa A. Winderl: Briefe in die bayerische Gegenwart, in: Ursula Männle (Hrsg.): Förderpreis für Politische Publizistik 2014/2015. 2030 – Wo steht dann meine Generation, S. 139 – 148. (*einfach klicken*)

Kluge Beiträge über meine Generation im Jahr 2030

Es ist eine ganze Publikation, die, wer sie nicht auf Totholz ergattern konnte, eben auch digital auf zum Beispiel einem E-book-Reader lesen kann. Und ich persönlich finde, dass bei den sehr unterschiedlichen Beiträgen zu diesem spannenden Zukunftsthema, sehr kluge Überlegungen dabei sind:

Inspiriert wurde ich für meinen Beitrag von Rosendorfs Buch „Briefe in die chinesische Vergangenheit“. Die Preisträgerin hingegen hat sich als Naturwissenschaftlerin dem Thema recht geisteswissenschaftlich genähert und über die Autopoiese einer Generation an Hand der Luhmann’schen Systemtheorie nachgedacht.

Ja, vielleicht merkt ihr schon, warum ich mich freue, dass mein relativ stark literarischer Beitrag publiziert wurde 😉 Die Überschriften der einzelnen Beiträge sind zum Teil recht frech, wie „Opakratie“ etwa oder auch unaussprechlich „2030 – fourty, fifty! Abwechselnd Angst und Achsel – eine Anklage“. Zumindest Professorin Männle hatte bei der Laudatio ihre Freude an diesem Zungenbrecher 😉

Fourty, fifty – „meine“ Generation, die sich an diesem Wettbewerb beteiligen konnte, wird 2030 zwischen 40 und 50 Jahre alt sein. Werden wir die Arbeitswelt umkrempeln? Ein Beitrag („jung, smart & frech“) setzt sich damit auseinander.

Mitmachen und selbst Lesefreude schenken

Wenn auch ihr Lesefreude im Rahmen einer Publikation schenken wollt: Der Förderpreis für politische Publizistik der HSS ist dieses Jahr wieder ausgeschrieben – eingereicht werden können dieses Mal Beiträge zum Thema „Herausforderung: Einwanderung“

 

 

#indiebookday 2016 – Rezension von „Tango in Tel Aviv“

26 Mrz

Am 26. März 2016 ist Indiebookday!

Ich habe diesen Tag zum Anlass genommen, einen Erstlingsroman einer lieben Bekannten von mir zu rezensieren: „Tango in Tel Aviv“ lautet der Titel, erschienen ist es unter dem Namen „Selma Sipur“. Es war schwierig für die Indie-Autorin einen Verlag zu finden, deswegen erschien ihr Erstlingswerk als book on demand. Doch wer sich genau hinter dem Pseudonym „Selma Sipur“ verbirgt, das kann nicht genau verraten werden – aus Sicherheitsgründen.

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Denn hinter dem auffälligen Cover, das einen Frauentorso in einem knallroten Kleid ziert, verbirgt sich ein hoch politischer Roman, der in Buenos Aires, Schweden und Tel Aviv spielt und auch an den Original-Schauplätzen recherchiert wurde. Die junge Hauptprotagonistin Liora trennt sich nach einem Auslandsaufenthalt in Argentinien von ihrem Lebensgefährten Lasse. Und als wäre das nicht genug, hat sie als jüdische Schwedin mit Antisemitismus in ihrer Heimat zu kämpfen. Selbst Lasse hat nicht viel für die jüdische Kultur übrig. Einen gemeinsamen Sohn beschneiden lassen? Das käme für ihn nicht in Frage!

Mehr als ein Liebesroman

Tango in Tel Aviv

Die Indie-Autorin mit ihrem ersten Roman: Tango in Tel Aviv, erschienen als book on demand. (Foto: Winderl)

Doch der Roman ist mehr, als das aufreizende Cover vermuten lässt, kein reiner Dreiecks-Liebesroman, der in drei Ländern spielt: Denn während ihres Praktikums in Buenos Aires lernt Liora den Schriftsteller Emilio kennen, mit dem sie die Nächte durchtanzt: Tango – jedoch in Buenos Aires.

Zurück in Schweden muss sie hochschwanger erkennen, dass ihre Beziehung gescheitert ist. Doch nicht ausschließlich wegen der Affäre mit dem Südamerikaner.

Die Autorin versteht es,  die Probleme einer jungen Mutter mit der brisanten politischen Situation der Juden in Skandinavien zu verknüpfen. Und so verlässt Liora noch am Abend der Rückkehr aus Argentinien den Vater ihres Kindes. Mehrere Stellen im Roman nehmen eine solche rasante Wendung.

An anderen Passagen merkt man, dass den Text eine Politikwissenschaftlerin geschrieben hat, die eine echte Kennerin der Geschichte und Politik Israels ist. Denn bei der Lektüre erfährt der Leser viel über die herrschende Mentalität in Tel Aviv und die Bedeutung Israels für die Juden in der Welt. Wie einige europäische Juden besitzen auch Lioras Eltern eine Wohnung in Tel Aviv – dort zieht es die junge Mutter nach den Ausschreitungen in Schweden hin; wie übrigens ein Drittel der jüdischen Malmöer, die durch den südskandinavischen Antisemitismus der 00er-Jahre bis dato aus ihrer Heimatstadt vertrieben wurden.

Roman einer Israel-Kennerin

Mit viel Liebe zum Detail beschreibt „Selma Sipur“ Tel Aviv – bis hin zum überdimensionierten Schnabeltier auf einem Spielplatz, den Liora im Roman mit ihren Kindern besucht, kennt die Autorin all diese Schauplätze wie ihre Westentasche. Genauso fundiert recherchiert sind auch die historischen und politischen Entwicklungen, die sich in den Dialogen der Romanfiguren wiederfinden.

In Tel Aviv ist Emilio zunächst vergessen. Ein junger, israelischer Berufssoldat tritt in das Leben der jungen Mutter. Doch das Leben in Israel zeigt sich für Liora auch von seiner Schattenseite, ehe sie Tango in Tel Aviv tanzen kann …

Wer mehr über den Antisemitismus in Skandinavien und das Lebensgefühl der Israelis in Tel Aviv erfahren will, dem sei dieser Roman wärmstens ans Herz gelegt. Mit jeder Seite im Buch glaubt man die salzige Luft des Toten Meeres zwischen den Zeilen schmecken zu können. Denn die literarischen Momentaufnahmen nehmen den Leser mit auf die Reise einer jungen Mutter, deren Herz als Jüdin zwar an Israel hängt, aber sich auch irgendwo zwischen Südamerika und Europa verfangen hat.

Warum das Indiebook unter einem Pseudonym erschienen ist

Die emotionale Verbundenheit der Autorin mit dem Nahen Osten kommt auch in der Wahl des Pseudonyms zum Ausdruck: „Selma“ ist ein skandinavischer Vorname – die Politikwissenschaftlerin, die das Schreiben als Passion für sich entdeckt hat, wuchs mit den Geschichten wie Nils Holgerson aus dem Norden Europas auf. Dessen Schöpferin diesen Vornamen auch trägt. „Sipur“ hingegen ist hebräisch und bedeutet „Erzählung“. Es war der Autorin wichtig, unter einem Pseudonym ihren Roman zu publizieren, da sie als Aktivistin gegen Judenhass um das Gewaltpotential der Antisemiten weiß. Zweieinhalb Jahr hat sie an dem 316 Seiten starken Roman gearbeitet.

Ein gelungener Erstlingsroman, der zeigt, dass komplizierte Politik auch spannend verpackt werden kann. Das findet auch der international renommierte Israel-Experte Professor Wolffssohn, der den Roman als „packend und politisch aufschlussreich“ beschreibt.

Erschienen ist „Tango in Tel Aviv“ im Oktober 2013 als book on demand; es kostet 14,99 Euro und kann in jedem Buchladen on- wie offline bestellt werden.

Die Rezension erschien in der Banziana 2016.

Teilen erwünscht – kopieren verpönt: Warum mir ISARSPARERIN ein Gastbeitrag des Isarschnorrers zu weit geht

11 Mrz

Ich freue mich richtig, dass mein Blogprojekt ISARSPARER so einschlägt. “Beweis” dafür, wenn man so sagen will, ist für mich die mediale Berichterstattung – gerade auch in Print. Das zeigt für mich, dass sich der Blog schön langsam aus der reinen Online-Sphäre der sozialen Medien herauslöst.

Und wie es so ist mit guten Dingen, sie werden kopiert. Mit dem Nachweis der Kopie einer Idee ist das nur so eine Sache… Denn was ist ein Blog schon als eine „Idee“? Könnte ich mich davor schützen, wenn ich ihn als Marke registrieren lasse? Wohl kaum!

Ich muss mich schon wundern: Ich habe gehört habe, dass die Bloggerin, von der ich zunächst berichten möchte, ISARSPARER liest und Beiträge von uns auf ihrem FB-Auftritt (des ersten Blogs) geteilt hat. Sharing ist bekanntlich caring. Aber kopieren oder nachmachen? Das ist eine Gratwanderung!

Wenige Monate nachdem ISARSPARER schon online war, ging sie mit der Sparfüchsin an den Start. Nicht so sehr mit dem Fokus auf München, aber ich finde, es bleibt zumindest ein “Geschmäckle”, wenn man eben weiß, dass man als ISARSPARER von der Sparfüchsin gelesen wird. Und wenn sich auch noch Rubriken ähneln; sogar das Logo für Facebook – konsequenterweise mit einem rosa Fuchs – sieht dem unseren mit blauen Hund äußerst ähnlich. Und komisch, Beiträge von ISARSPARER teilt sie als Sparfüchsin nicht mehr. Warum wohl?

Freilich haben wir das Wort “unterwegs” und “sparen” nicht für uns gepachtet…. Aber fällt denn den Menschen nichts Eigenes ein?

Nachmacher habe ich schon in der Schulzeit gehasst

Ich für meinen Teil liebe es, gerade mit meinen Blogs kreativ sein und spielen zu können! Und ich habe schon in der Schule meine Banknachbarin gehasst, die mir alles nachgemacht hat. Wenn ich die Überschrift rosa unterstrichen habe, unterstrich sie auch rosa. Ich habe dann experimentiert und die abstrusesten Designs für meine Hefteinträge entworfen: Schnörkel in den Ecken, kalligrafische Elemente – alles wurde von ihr nachgemacht. Das war dann der Beweis für mich, dass meine Banknachbarin keine eigene Ideen hatte.

Persiflage oder billige Kopie?

Ein anderes Beispiel für eine solch etwas billigere Kopie von ISARSPARER – oder besser gesagt Persiflage  –  ist der Isarschnorrer. Mich verwirrt in diesem Zusammenhang nicht nur die Tatsache, dass man sich gleich an den Namen unseres Projektes anlehnt, sondern wir den kreativen Geist dahinter auch noch persönlich kennen.

Und als wäre das nicht genug, es wurde uns auch noch ein Gastbeitrag seitens des Isarschnorrers angeboten. Ja, das hätten sich die Herren Kopierer gut ausgedacht – die bereits funktionierende Idee übernehmen und dann auch noch die Community durch einen Gastbeitrag abgreifen wollen.

Nur eins unterscheidet die ISARSPARER eklatant vom Isarschnorrer: Die Qualität. Sparen ja, aber bei uns bitte immer mit Niveau und Stil! Sparen ist sympathisch, schnorren hingegen nicht. Aber die Domain isarSPARER.de war halt schon besetzt, gell 😉

Denn wer möchte schon einen angefressenen Burger im Fast-Food-Restaurant weiteressen? Dafür haben die Herren schon ansehnliche Preisvorstellungen für potentielle Werbepartner.

Wie gesagt, die Beweisführung der Kopie einer Idee ist schwierig… und eigentlich bin ich nicht nur ein kreativer, sondern auch überzeugter Net(t)worker. Den ersten Blog der Sparfüchsin habe ich so zum Beispiel auch gerne verlinkt. Ich will mich ja auch irgendwie revanchieren, wenn jemand meine Beiträge teilt. Aber ein Gastbeitrag vom Isarschnorrer, das geht selbst mir gutmütiger Person zu weit! Etwas “Werbung” haben die Blogs ja aber durch dieses Posting erhalten 😉

Meine Blog-Botschaft des Tages lautet: Leute, werdet halt einfach selbst kreativ und entwickelt eine eigene Idee! Oder gebt dann zumindest zu, wer euch inspiriert hat. Alles andere ist doch irgendwie peinlich.