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#2popesaints: Was Papst Franziskus mit dem hl. Johannes XXIII. gemein hat

28 Apr

Wenn ich auch wieder „geschimpft“ werde, dass ich zu einem Thema blogge, über das ohnehin in den Medien rauf und runter berichtet wird 😉 Mir ist dieser Blog-Beitrag persönlich wichtig, weil die Heiligsprechung dieser zwei Päpste am Weißen Sonntag 2014 für den Kenner noch viel mehr (versteckte) Zeichen enthält als die populäre Berichterstattung:

Screenshot vatican.va zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Screenshot vatican.va zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Gleich zu Beginn seines Pontifikats hat Papst Franziskus auf sein Vorbild, Johannes XXIII., referiert, in dem er während seines ersten öffentlichen Auftritts nur davon sprach, „Bischof von Rom“ zu sein – nicht Papst (darüber habe hier gebloggt).

Papst als Bischof unter Bischöfen

Als Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil feierlich eröffnete, trug er als Zeichen seiner kollegialen Verbundenheit mit den 2540 stimmberechtigten Konzilsvätern statt der Tiara, der Papstkrone, die Bischofsmitra. Als Bischof unter Bischöfen wollte das Kirchenoberhaupt an „seinem“ Konzil teilnehmen. Gewöhnlich sprach der Roncalli-Papst und Bischof von Rom von „wir Bischöfe“.

Auch die demütige Haltung mit der Papst Franziskus das Papst-Amt ausübt – immer wieder bittet er die Gläubigen, für ihn zu beten – erinnert an den nun hl. Johannes XXIII.: Er schrieb in seiner Antrittsenzyklika „Ad Petri cathedram“: „Wir kennen die Geringheit Unserer Person, die Gott … zur Würde des Papsttums erhoben hat. Deshalb wiederholen Wir diese Worte (des ägyptischen Joseph) an alle Unsere vom Stuhl Petri getrennten Brüder und Söhne: Ich bin Joseph euer Bruder.“

Sein Pontifikat war wie der von Franziskus, mehr pastoral als dogmatisch geprägt. So besuchte er Gefängnisse und Krankenhäuser – auch das erinnert an Franziskus, der immer ein besonders Augenmerk für die Ärmsten der Armen hat.

Kirche muss durch beide Lungenflügel atmen

Papst Franziskus ist immer wieder um die Einheit der Kirche von Ost und West bemüht – deswegen wird z. B. als sichtbares Zeichen das Evangelium zusätzlich auf griechisch verkündet. Damit greift er das Anliegen von dem ebenfalls heilig gesprochenen Johannes Paul II. auf – die Kirche könne nur existieren, wenn sie mit beiden Lungenflügeln atme – nämlich mit Ost und West. Durch die Gemeinschaft mit anderen Glaubensgemeinschaften und der Anwesenheit von z. B. Juden und Muslimen bei Feierlichkeiten im Vatikan, knüpft er direkt an die Friedensbemühungen seines Vorbildes, Johannes XXIII., an.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wandte sich Johannes XXIII. mit seiner Friedens-Enzyklika „Pacem in terris“ vom 11. April 1963 „an alle Menschen guten Willens“ (Original: universis bonae voluntatis hominibus) und nicht nur an die Katholiken.

Mit der Heiligsprechung von Johannes Paul II. gemeinsam mit Johannes XXIII. vereint Papst Franziskus aber auch zwei (Lungen)Flügel innerhalb der römischen Kirche: Den der Konservativen mit dem liberalen.

Kirche wäre ohne Konzil eine andere

Johannes XXIII. war vielen Konservativen ein Dorn im Auge: Schließlich war er in ihren Augen „Schuld“ am Konzil. Im Zuge der Heiligsprechung sollten wir uns vor Augen führen, wie die Kirche ohne Johannes XXIII. und somit vielleicht ohne das 2. Vatikanisches Konzil heute aussehen könnte: Würden wir noch immer den Gottesdienst auf lateinisch und nicht in unserer Muttersprache hören? Der Priester dem Volk dem Rücken zugewandt, die Messe am Hochaltar zelebrieren? Das sind nur einige, aber doch sehr essentielle Änderungen, die das Zweite Vatikanum mit sich brachte – viele andere Beschlüsse sind bis heute nicht umgesetzt. Aber Papst Franziskus ist auf dem besten Weg, das von Johannes XXIII. angestoßene „Aggiornamento“ zu vollenden bzw. neue Impulse zu geben. (Es ging ihm dabei um das „Heutig-werden“ der Kirche, nicht die billige Anpassung an den Zeitgeist!)

Zwei echte „Übergangspäpste“

Das hätte man Angelo Roncalli, der bereits 77-jährig zum Kirchenoberhaupt gewählt worden war, nicht zugetraut: Er galt -schon angesichts seines Alters- als sog. Übergangspapst. Dass er zu einem Übergangspapst werden sollte, aber in einem ganz anderen Sinne, wie es die Kardinäle wohl gerne gesehen hätten, beeindruckt mich bis heute: Mit ihm öffnete sich die Kirche wieder der Welt. Das zeigte sich u. a. bildlich darin, dass er als erster Papst seit dem Verlust des Kirchenstaates im Jahr 1870, Rom verließ.

Deswegen wurde er als „Papst des Modernismus“ beschimpft und seine Kritiker haben z. B. durch homosexuelle Vorwürfe versucht, die Kanonisation des „il Papa buno“ zu verhindern. Egal wie man heute zum Kanonisationsverfahren steht:

Zeichen der Hoffnung

Papst Franziskus hat sich darüber hinweggesetzt: Für sein Vorbild reichte ein Wunder zur Heiligsprechung aus – und damit hat er ein Zeichen gesetzt! Ich glaube, auch Papst Franziskus ist ein Übergangspapst im Format eines hl. Johannes XXIII.

Vielen Dank, hl. Vater, für dieses Zeichen, das Hoffnung macht, dass die Kirche auf dem richtigen Weg ist!

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Benedikt XVI.: Der Nachfolger des „Papstes der Rekorde“ setzt neue Maßstäbe

9 Mai

Sein Vorgänger auf dem Stuhle Petri, Johannes Paul II. (1978-2005), ging als Papst der Superlative in die Kirchengeschichte ein: Die meisten Enzykliken, die meisten Auslandsreisen, die meisten Kanonisationsverfahren (Selig- und Heiligsprechungen) – nur bei der Amtszeit wurde er von Pius IX. (1846-1878) überrundet. Jetzt sprach Benedikt XVI. (seit 2005) den beliebten Papst aus Polen auch noch in Rekordzeit am 1. Mai 2011 selig.

Johannes Paul II. stellt auch noch nach seinem Tod neue Rekorde auf

Nur fünf Jahre nach seinem Tod wird er in die Schar der Seligen aufgenommen, das war somit das kürzeste Seligsprechungsverfahren der neueren Kirchengeschichte. Auch nach seinem Tod stellt Papst Johannes Paul II. also noch Rekorde auf…

Doch der Nachfolger und enge Vertraute des Wojtyla-Papstes stellt zumindest kleine „Rekorde“ auf. Drei Tage vor seiner Wahl wurde Ratzinger 78 Jahre alt – somit ist er seit Clemens XII. (1730-1740) der älteste Kardinal der Kirchengeschichte, der zum Papst gewählt wurde.

Benedikt XVI. – ein Papst des Übergangs?

Allein schon auf Grund des Alters gilt – der erste deutsche Papst seit Hadrian VI. (1522-1523) – als Übergangspapst. Doch die lange Geschichte der Päpste zeigt, dass gerade die Übergangspäpste oft für Überraschungen sorgten. So etwa berief Johannes XXIII. (1958-1963), der 77-jährig zum Papst gewählt wurde, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ein. Daher wurde „il papa buono“ („der gute Papst“), wie er im Volksmund wegen seiner Volksnähe gerne genannt wurde, zum Papst des Übergangs – aber eben in einem ganz anderen Sinne…

Johannes XXIII. hatte die Zeichen der Zeit erkannt und begann die Kirche für die heutige Zeit zu öffnen. Sein Schlagwort für das Konzil wurde daher „Aggiornamento“, was in etwa mit „Heutigwerden der Kirche“ übersetzt werden kann. Sowohl Johannes Paul II, als auch Benedikt XVI. hatten an dem von ihrem starken Vorgänger einberufenen Konzil teilgenommen. Im Übrigen wurde Johannes XXIII. von Johannes Paul II. im Hl. Jahr 2000 selig gesprochen.

Benedikt XVI. erkennt die Zeichen der Zeit

Der Ratzinger-Papst zeigt sich "privat" und stellt so neue Maßstäbe für die Päpste auf.

Und auch wenn Benedikt XVI. die „Aggiornamento-Strömung“ als Joseph Ratzinger kritisch beäugte, so ist er meiner Meinung nach jetzt der erste Papst in der Geschichte, der sich versucht, dem Zeitgeist zu öffnen.

Auch wenn er wesentlich distanzierter wirkt wie sein Vorgänger, ist er doch der erste Papst in der Geschichte „zum Anfassen“. Kein Papst vor ihm gewährte solche Einblicke in sein Privatleben. Als Beispiel hierfür habe ich einen Ausschnitt aus der „Sendung mit der Maus“ gewählt, wie der Papst im Vatikan lebt:

Erstmals Einblicke in das Leben eines Papstes durch Interviews und Kinofilm

So ist er bspw. der erste Papst in der langen Geschichte der Päpste, der für ein Interviewbuch Rede und Antwort stand. „Licht der Welt“, das Interviewbuch von Peter Seewald ist einzigartig. Nie zuvor hatte ein Papst so offen über seinen Glauben und sein Leben gesprochen.

Auch im ersten Kinofilm der Geschichte mit einem Papst „spielte“ er mit, dieser läuft derzeit in den Kinos und heißt „Francesco und der Papst“.

Joseph Kardinal Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst nicht unbedingt Liebling der Weltpresse. U. a. als „Panzerkardinal“ wurde er wegen seiner Strenge tituliert. Aber genau er nutzt jetzt die (neuen) Medien, um die Gläubigen zu erreichen.

Auch der Ratzinger-Papst wird meiner Meinung nach als Übergangspapst in die (Kirchen)Geschichte eingehen, aber ähnlich wie Johannes XXIII. in einem ganz anderen Sinne, als man es zu Beginn seines Pontifikats erwartet hätte: Ich möchte ihm zurufen, macht weiter so, Eure Heiligkeit und ich wünsche Ihnen noch ein langes Pontifikat, in dem Ihr noch sicher einige Maßstäbe setzen werdet!