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Aus dem Archiv: Christkind vs. Weihnachtsmann – wer ist der „richtige“ Gabenbringer an Weihnachten?

11 Dez

Für meine Leser habe ich mal wieder im persönlichen Archiv gekramt. Gefunden habe ich einen Beitrag für ein Passauer Studentenmagazin aus dem Jahr 2008. Als Christkind verkleidet habe ich damals mit einem Weihnachtsmann Passanten befragt, an welchen Gabenbringer sie glauben.

Hach, das waren noch Zeiten! Als Studentin weit vor Weihnachten (man bedenke den Redaktionsschluss für ein Magazin aus Papier) einfach mal als Christkind über den Campus zu laufen. Und dann wurde das Ergebnis auch noch gedruckt. So richtig mit mir auf dem Cover (übrigens vor der PaWo mein erstes) auf Papier.

Auf den letzten Seiten des Magazins habe ich mit der Geschichte des Christkinds bzw. Weihnachtsmannes auseinandergesetzt: Und mit diesem Wissen kann man garantiert „alle Jahre wieder“ unterm Christbaum prahlen!

Wer den Text lieber bebildert im retro-Layout liest, für den gibt es den Artikel Christkind vs Weihnachtsmann hier als PDF zum Download. Alle anderen bilden sich bitte hier weiter:

christkind-weihnachtsmann_uni

Kaum eine Frage spaltet unser Land in diesen Tagen vor Weihnachten stärker — gehört man nun zur Christkind— oder doch zur Weihnachtsmann“fraktion“. Das scheint auf den ersten eine Frage der Konfession zu sein: Denn in den traditionell eher katholisch geprägten Gefilden West- und Süddeutschlands, aber auch im angrenzenden Österreich und der Schweiz bringt das goldblondgelockte Christkind die Weihnachtsgeschenke. Im restlichen, zumeist evangelischen Teil der Republik ist dieser Dienst dem zipfelmützigen Weihnachtsmann vorbehalten.

Doch ganz so einfach ist es nicht! Denn das Christkind, das heute den Kindern heimlich die Gaben unter den Weihnachtsbaum legt, ist eine Erfindung des Reformators Martin Luther (1483-1546) und somit eigentlich alles andere als „katholisch“! Die Bescherung am Geburtstag Jesu war im Mittelalter aber noch nicht üblich: Die Kinder beschenkte man am Nikolaustag, dem 6. Dezember oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember).

Martin Luther jedoch lehnte die Heiligenverehrung ab und somit konnte schlecht ausgerechnet ein Heiliger, der hl. Bischof aus Myra, den Kleinen Geschenke bringen.

Verzichten wollte er aber auf den lieb gewonnen Brauch des Beschenken auch nicht mehr. Denn wahrscheinlich wusste Luther als sechsfacher Vater nur zu gut, was Kinderaugen zum Glänzen bringt. So sollte fortan (ab etwa 1535) der „heilige Christ“ höchstpersönlich die Kinder beschenken.

Weil die Gläubigen sich aber noch zu Beginn der Neuzeit sehr bildhafte Vorstellungen machten, wurde aus dem ,,heiligen Christ“ allmählich die Kunstfigur des lieben Christkinds. Dieses stellt also nicht das Christuskind in der Krippe dar, wie es der Name vermuten lässt. Vielmehr schufen die Menschen eine neue Figur, die den engelhaft gekleideten Mädchen entsprach, die weihnachtlichen Umzügen mit offenen Haaren vorangingen.

christkind-oder-weihnachtsmann

Zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert mischte sich zum Aspekt der evangelischen Kritik an der Heiligenverehrung erstmals die Vorstellung von einem Weihnachtsmann. Ob er nun Père Noël, Sinterklaas oder Santa Claus heißt, auf der ganzen Welt wissen die Kinder wie er aussieht: Pausbäckig mit rosigen Wangen und einem langen weißen Bart. Der rote Mantel darf dabei ebenso wenig fehlen wie die Zipfelmütze, die der Weihnachtsmann im Unterschied zum mitratragenden Bischof aus Kleinasien auf dem Kopf hat. Warum sein pelzbesetzter Mantel ausgerechnet rot ist? Vielleicht ist das noch ein Anklang an den Bischofsmantel des hl. Nikolaus. Doch im Grunde braucht man sich nur eine Coca-Cola-Dose anzusehen – denn dem US-Konzern ist es gelungen, das Bild vom Weihnachtsmann entscheidend zu prägen und in ihn Firmenfarben zu kleiden. Ist der Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen also nichts anderes als ein besonders effektiver Marketinggag? Mit dem mildtätigen Bischof Nikolaus, der ein Heiliger und Schutzpatron der Kinder ist, hat die Märchenfigur auf dem Rentierschlitten jedenfalls nichts gemein!

„Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern“ und recht viel üppiger darf man sich die Geschenke einst zur Weihnachtszeit auch nicht vorstellen. Schenken war damals noch stärker eine Sympathieerklärung und nicht wie in unseren Tagen ein exklusiver Warenaustausch. Erst um l800 hatte bei den Katholiken Weihnachtsmann bzw. Christkind allmählich den Nikolaus als Gabenbringer abgelöst. Doch schon damals scheint der männliche Geschenkebringer populärer als das Christkind gewesen zu sein. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Dichter des Deutschland-Liedes, Hoffmann von Fallersleben, mit seinem Gedicht,,Morgen kommt der Weihnachts- mann“, das er um 1835 verfasste.

Ihre „Wirkungsstätten“ haben die beiden Gabenbringer im Laufe der Zeit getauscht – heute bringt der Weihnachtsmann vornehmlich im Norden die Geschenke, während dies im katholischen Süden das ursprünglich „lutherische“ Christkind übernimmt. Dass in unseren Tagen der einst evangelische Brauch hauptsächlich im katholischen Bayern praktiziert wird, verdankt er vielleicht dem traditionsreichen „Christkindlesmarkt“ der Stadt Nürnberg, wohl der evangelischte Flecken Bayerns.

Doch auch in den südlichen Gefilden wird das Christkind immer mehr von seinen männlichen Kollegen verdrängt – ob das nun an dem so oft kritisierten US-amerikanischen Einfluss oder der besseren Vermarktbarkeit des Weihnachtsmannes liegt. Wir wissen es nicht. Aber ist denn die männliche oder weibliche Gestalt des Gabenbringers überhaupt entscheidend? Letzten Endes sind doch beide ,,nur“ Kunstfiguren, die zwar auf eine bestimmte Tradition zurückblicken können, jedoch nicht den eigentlichen, kommerzfrei-religiösen Sinn der Weihnacht verkörpern!

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Meine persönliche Top-5 der Weihnachtslieder

12 Dez

Keine Zeit ist so sehr von Musik geprägt wie das Weihnachtsfest. Und diese Musik ist besinnlich, die Texte bedeutungsvoll. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich Weihnachtslieder auch kurz im Hochsommer höre. Es sind dann v. a. klassische Stücke wie etwa das Weihnachtoratorium von Bach. Ich denke mir dann immer, dass die Musik viel zu schade ist, dass sie nur rund 5 Wochen im Jahr „Hochkonjunktur“ hat.
Kurz vorm ersten Adventswochenende geht es wieder los in den Medien mit den beliebten Umfragen zur Weihnachtsmusik: „Haben dieses Jahr schon „Last Christmas“ im Radio gehört?“ „“Last Christmas“ – ein „Muss-“ oder „Hasslied“ für Sie?“
Ich persönlich könnten auf „Last Christmas“ getrost verzichten, aber da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, können auch meine persönlichen „Top 5“ der Weihnachtsmusik nicht gefallen – aber eins verspreche ich, sie sind breitgefächert!

Platz 5
Starten wir „klassisch“: Das „Transeamus“ gehört für mich zu Weihnachten im wahrsten Sinne des Wortes wie die Krippe. Das Lied stammt aus Schlesien und zumindest Teile davon wurden vom Breslauer Domkapellmeister Schnabel komponiert. Der Text ist ausschließlich in lat. gehalten, das Arrangement ist schlicht, aber drückt dennoch auf beeindruckende Weise aus, um was es an Weihnachten geht, aber hört selbst:

Platz 4
Meine Top 4 ist ganz anders… Günther Jauch hat Melanie Thortons Lied vor einigen Tagen im TV eine „Weihnachtshymne“ genannt. Bekannt ist „Wonderful Dream“ v. a. aus dem Coca-Cola-Werbespot mit den beleuchteten Trucks. Wohl aus dieser Assoziation heraus, habe ich Hackes Neger Wumbaba Hackes Neger Wumbaba „Konkurrenz“ gemacht, weil ich anstatt „Holidays are coming“ lange „always Coca Cola“ verstanden habe. Aber hört selbst:

Thorton kam bei einem Flugzeugabsturz 2001 ums Leben. Kurz vor ihrem Tod sagte sie: „Wir wissen alle nicht, ob wir morgen noch erleben. Also sollten wir unseren Traum jetzt leben.“
Wunderschön wie diese Hymne diese Lebenslust auch über 10 Jahre nach dem Tod der Künstlerin versprüht! „Love and peace for everyone!“

Platz 3
In die Top 3 hat es das Lied „Freu dich Erd und Sternenzelt“ geschafft. Es gefällt mir des Textes wegen. In der 4. Strophe heißt es:
„Er, das menschenword’ne Wort, Hallelujah.
Jesus Christus, unser Hort, Hallelujah.
Uns zum Heil erkoren,
Ward er heut geboren,
Heute uns geboren.“

In meinem ersten Semester des Studiums der kath. Theologie wurde mir die tiefe Bedeutung dieser schlichten Zeilen bewusst:. „Das Wort ist Fleisch geworden“, die Menschwerdung Christi steht Weihnachten im Zentrum – sie war kein Zufall. Welch ein Wunder, dass die alten Prophezeiungen sich erfüllt haben!

Platz 2
Mein „2.-Lieblings-Weihnachtslied“ erinnert mich an meine Schulzeit. Musik war eines meiner Lieblingsfächer, auch weil wir so gute Musiklehrer hatten. Einer von ihnen sang mit uns in der 6. Klasse (ja, an die Stufe kann ich mich noch genau erinnern) den „Little Drummer Boy“. Bekannt ist das Lied v. a. in der Version von Bing Crosby & David Bowie.
Aber meine Musiklehrer, der so eine wunderbare tiefe Singstimme hatte, hat das Lied fast noch einen Ticken schöner gesungen. Auch hier ist es nicht die Melodie, die mich so reizt, sondern der Text. Der kleiner Trommler hat nichts was er dem Jesuskind bringen könnte – die Botschaft ist klar: Es geht Christus nicht darum was du hast, du musst nur dich ihm schenken!
Auf Youtube habe ich folgende Version des Liedes gefunden – die Trommler faszinieren mich:

Platz 1
Ganz oben auf meinen X-Mas-Charts steht „War is over“ von John Lennon & Yoko Ono.
Ich denke, ich muss nicht mehr Worte verlieren, die Musik und der Text sprechen für sich: „War is over, if you want it“. Warum können sich nicht z. B. Palästinenser und Israelis einfach die Hände reichen?

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, eine lebensbejahende, friedliche Weimhnachtszeit! Wenn jeder Einzelne verinnerlichen würde, dass der der Friede von uns selbst ausgehen muss, jeder Einzelne ihn nur wollen muss, dann könnte wahrlich „Friede auf Erde“ herrschen!

Coca-Cola-TV-Spot 2011: Good news besiegen Nachrichtenfaktoren

4 Jul

Je „negativer“ ein Ereignis ist, umso stärker beachten es die Medien. Wenn etwa im Irak Soldaten getötet werden, geht diese Nachricht um die Welt. Wenn jedoch Hilfsorganisationen großartige Leistungen vollbringen, ist das den Medien – wenn überhaupt – nur eine kleine Meldung wert.

„Sex and Crime“ bringen Quote und Klicks

Denn Nachrichten werden unter gewissen Aspekten ausgewählt – da die Mediengesellschaft nach immer spektakulären Ereignissen verlangt, werden die sog. „Nachrichtenfaktoren“, nach denen der „Nachrichtenwert“ eines Ereignisses bestimmt werden, oft auch etwas inszeniert. Warum ist das so? Ganz einfach, es geht um Quoten und hohe Klickzahlen!

Krieg, Misserfolge, Dramatik – das zieht bei den Zuschauern. Kurz zusammengefasst werden kann das auf die Formel von „Sex and Crime“.

Wann haben wir zuletzt von guten Nachrichten gehört oder gelesen?

Coca-Cola stellt sich gegen den Trend

Daher gefällt mir der Coca-Cola-TV-Spot aus dem Jahr 2011 so gut. Denn hier wendet sich der US-Weltkonzern gegen den aktuellen Trend, dass nur negative Nachrichten thematisiert werden. Coca-Cola zeigt uns die zweite Seite der Medaille, die in der Mediengesellschaft oft unter den Tisch gekehrt zu werden scheint.

Für mich ist dieser TV-Spot nicht nur ein Werbefilmchen, für mich hat er eine tiefe Botschaft: Denn jeder einzelne kann durch seinen individuellen Medienkonsum, die Mediengesellschaft mitgestalten.

Wer selbst sind aufgerufen „gute Nachrichten“ zu verbreiten

Im Web 2.0, dem Mitmach-Web, können wir selbst zum „Gatekeeper“ werden und z. B. in unseren Blogs entscheiden, welche Selektionsmechanismen wir ansetzen und ob wir Nachrichtenfaktoren und Quoten einfach einmal beiseite schieben und gute Nachrichten verbreiten!