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#btw17: Wie frei, geheim und gleich ist meine Stimme in Zeiten von Social Media noch?

21 Sep

 

Ich bin ein großer Freund der geheimen Wahl – schließlich machte die geheime Wahl die Wahl erst frei. In Zeiten von Social Media habe ich den Eindruck, dass dieses hohe Gut der geheimen Wahl nicht hoch genug zu bewerten ist.

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber meine Timeline ist seit Wochen voll von abfotografierten Wahlzetteln oder Selfies mit Wahlbriefen. Und bitte die appellativen Hashtags wie #gehtwählen dabei nicht vergessen!

Obwohl Ich glaube, jeder der nur eine Schulklasse in einem demokratischen Land verbracht hat, weiß um die Wichtigkeit, von seinem WahlRECHT auch Gebrauch zu machen. Für dieses haben unsere Vorväter gekämpft!

Sozialer Druck: Politische Überzeugung im Internet preiszugeben?

Auf Facebook kann man für die Bundestagswahl sein Profilbild für die Bundestagswahl mit einem „Rahmen“ verzieren. „Ich wähle“ ist dabei noch neutral, aber man kann so auch für oder gegen eine Partei Stellung beziehen. (Foto: Bildschirmfoto meiner Facebook-Seite)

Frei, geheim und gleich. Doch manche Stimmen scheinen mir heute wieder gleicher als andere zu sein: Ich persönlich finde es antidemokratisch, den Wahlschein mit dem Kuli des Direktkandidaten nebenan abzufotografieren oder den Wahlschein so abzudecken, dass man das Kreuzchen zwar nicht sieht, aber durch die Stelle der abgedeckten Position genau weiß, wo das Kreuzchen gemacht wurde.

Bitte nicht falsch verstehen: Aus seiner Wahlentscheidung muss man kein Geheimnis machen. Aber könnten sich dadurch nicht junge Wahlkämpfer (die, die gerade die Ochsentour durchmachen) genötigt fühlen, ein solches Bild posten zu müssen? Wäre dann unsere Wahl wirklich noch so geheim bzw. frei? Das ganze steigert sich: Jetzt gibt es schon das passende Parteien-Design für das Profilbild. Ist das nur die Fortsetzung des Wahlkampfes im www?

Wann kommt das erste Selfie aus der Wahlkabine?

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Die Autorin soll wirklich Anne Frank heißen? Irgendwie machte mich die Kombi aus Namen und Inhalt stutzig… (Foto: SC)

Wer sich jedoch nicht gleich einer Partei zuordnen will, der kann sich auch für das Design “AfD – dich wähl ich nicht“ entscheiden. Wir haben schließlich von “ganz oben”, nämlich niemand geringerem als Kanzleramtschef Altmaier gehört, dass es besser sei gar nicht zu wählen als AfD – was irgendwie im krassen Gegensatz zu den ganzen Briefwahl-Selfies steht. Was bitte läuft da derzeit eigentlich falsch mit der freien, gleichen und geheimen Wahl!? Bin ich jetzt schon ein potentieller “Nazi”, wenn ich keine Anti-AfD-Postings teile?

Muss ich es gut finden, wenn Fake-News heute ganz normal auf der Online-Ausgabe einer „normalen“ Zeitung (dem Kölner Abendblatt) veröffentlicht wird? Und erst im letzten Abschnitt des Artikels dieser als „Fake-News“ gekennzeichnet wird. Und nein, es ist eben

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Aber erst am unteren Teil des Artikels wird darauf hingewiesen, dass es sich hier um „Fake-News“ und gleichzeitig Wahlwerbung für „Die Partei“ handelt. (Foto: SC).

nicht die Rede vom Postillon! Aber das wäre einen gesonderten Post wert…

 

 

Ich persönlich warte ja auf ein Selfie aus der Wahlkabine. Hoffentlich würde das wenigstens geahndet! Nicht umsonst wählt man in demokratischen Ländern in einer Kabine und wirft den Wahlzettel in eine undurchsichtige Urne. Transparenz ist für eine Demokratie essentiell, aber beim Wahlakt selbst absolut fehl am Platz – aus gutem Grund. Auch für die Briefwahl sollte man sich das bewusst machen. Der Briefwahlumschlag ist kein Lifestyle-Gadget für Instagram mit hippen Hashtags!

Politik-Seiten auf Facebook abonnieren statt liken

Das Wahlgeheimnis hochhalten kann man auch durch die bewusste Unterscheidung zwischen “Like” und “Abo” einer Facebook-Seite. Aus Interesse habe ich zahlreiche Politiker und Parteien geliket – von Sahra Wagenknecht, Andreas Scheuer bis zur AfD, also wirklich quer durch den Gemüsegarten. Da logischerweise nicht alle Likes meiner politischen Überzeugung entsprechen (können) und diese letzten Endes auch niemanden – und schon gar nicht Facebook etwas angeht, entlike und abonniere ich stattdessen im Moment systematisch Parteien- und Politiker-Seiten. So bekomme ich (so der FB-Algorithmus es zulässt) alle Infos, die ich will, aber ich halte das Wahlgeheimnis hoch. Auch das ist Medienkompetenz.

Hochwasser-Katastrophe in Niederbayern: Bitte lasst die Hinterbliebenen in Ruhe

3 Jun
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Die Facebook-Funktion „an diesem Tag“ erinnert nicht nur an schöne Ereignisse. Zur Zeit zum Beispiel an meine Erinnerungen an das Hochwasser in Passau von 2013 (Fotoquelle: Screenshot).

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist her, dass ich mich in diesem Blogpost über das Verhalten mancher Social-Media-Nutzer in der Hochwasser-Katastrophe (in Passau) aufgeregt habe. Horrormeldungen wurden verbreitet. Fluch und Segen der sozialen Netzwerke: Koordiniert wurde, hauptsächlich über Facebook, auch zum Beispiel das vorbildliche Hilfs-Projekt „Passau räumt auf“.
Exakt drei Jahre danach hat das Hochwasser meine Heimat Niederbayern wieder heimgesucht – nicht direkt meine Heimatstadt Passau, aber die benachbarten Landkreise Rottal-Inn und Passau sind dieses Mal betroffen. Facebook erinnert gerade viele Nutzer aus meiner Heimatregion daran: „Es ist schön, Erinnerungen wach zu halten. Wir könnten uns vorstellen, dass du gern an diesen Beitrag von vor 3 Jahren zurückdenkst.“

Vater via Facebook gesucht

Fluch und Segen: Ich erinnere mich, ich saß am Mittwoch in der Bibliothek in München als mich die Meldungen und vor allem Bilder der schlammigen Massen über soziale Medien erreichten, wie sie sich durch Simbach am Inn, Tann etc. wälzten.
„Lebt ihr noch?“, schrieb ich in die familieneigene whatsapp-Gruppe. Angesichts der Horrorszenarien, wie sie die Medien wieder propagierten, hatte ich Angst bekommen.
Vielleicht erging es meiner ehemaligen Studienkollegin ähnlich, nur hat sie das Pech, dass ihr Elternhaus direkt im Zentrum der Katastrophe, in Simbach am Inn steht. Wenig später erreichte mich in meiner Timeline der verzweifelte Aufruf, den ihr Bruder verfasst hat:

„Hochwasser Simbach am Inn.

Unser Vater Walter (…) wird vermisst. Zuletzt gesehen (…)Straße.

Informationen an: (Handynummern der Geschwister)

Bitte teilen!!!“

Natürlich habe ich sofort auf teilen geklickt. 8 400 Personen haben das ebenfalls getan. Und da ich auf Twitter bin, habe ich einen Screenshot auch dort verbreitet – über 200 Retweets waren es hier.
Schon zu diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt tun sollte. Denn bekanntlich sind die sozialen Netzwerke „Fluch und Segen“… Man könnte sich nun ausrechnen, wie viele Menschen, darunter auch Medienvertreter, die Handynummern und die Adresse eines potentiellen Flutopfers hatten.

Screenshot des Suchaufrufs in der BILD

Gestern Abend hatten die Angehörigen dann traurige Gewissheit – nach Stunden des Hoffens und Bangens, unvorstellbar quälender Ungewissheit: Der Vater hat es nicht mehr raus aus dem Keller geschafft. Er ist das sechste Opfer der Hochwasser-Katastrophe von 2016. Zu diesem Zeitpunkt werden jedoch noch Personen vermisst.
Als wäre das alles für die Familie noch nicht genug! Den „verzweifelten“ Suchaufruf der Geschwister hat die BILD heute als Screenshot veröffentlicht – mit den Handynummern und der Adresse. Da wurde nichts geschwärzt. Auch die Kommentare der Facebook-Freunde des Sohnes sind zu lesen. Mit Namen versteht sich.
Gleich wäre man wieder da mit dem Urteil: BILD halt. Aber selbst in den Öffentlich-Rechtlichen ist man nicht pietätvoller. Dort verkündete eine Rettungskraft heute im Morgenmagazin vollmundig: „Den (Familiennamen) hat man da hinten rausgezogen.“ Sorry, liebes Moma-Magazin, aber muss man den O-Ton, in dem der Name eines Hochwasser-Opfers genannt wird, wirklich senden?
Handynummer kann man wechseln, aber die Erinnerungen bleiben. Auch Facebook wird sie zum Jahrestag der Familientragödie an diesen Beitrag erinnern. (Hier wird beschrieben, wie man die Funktion „An diesem Tag“ ausschalten kann.)

Der Familie habe ich bereits persönlich mein Beileid ausgesprochen. Sie brauchen jetzt Hilfe*. Auch wenn das im Moment vielleicht hinten ansteht, aber es geht dabei auch um finanzielle Unterstützung der Opfer und Hinterbliebenen. Hier sind die sozialen Netzwerke wieder Fluch und Segen: Wie nah sollen die Medien das Schicksal der Hochwasseropfer beleuchten (und über die sozialen Netzwerke verbreiten), damit der Spendenrubel rollt?

Wir entscheiden über die Art der Berichterstattung

Wir alle können mit unserem persönlichen Medienkonsum und insbesondere Klick-Verhalten über das WIE der Berichterstattung entscheiden. Ich persönlich würde mir mehr Fingerspitzengefühl wünschen. Oder nennen wir es ethisches, pietätvolles Verhalten. Die Berichterstattung auf Basis eines Screenshots des Hilfeaufrufs der Geschwister mit den persönlichen Daten halte ich für verwerflich – es ist für mich ein trauriges Beispiel wie Journalismus nicht funktionieren sollte!

Anmerkung: Aufgrund des Tenors meines Blogposts bitte ich um Verständnis, dass ich auf einen Screenshot des Hilfeaufrufs verzichtet habe. Ich habe schon daran zu knapperen, dass ich selbst die Daten verbreitet habe, in der Hoffnung, dass alles gut wird… Derweil lag der Vater vermutlich bereits tot im Keller.

* So können Sie helfen:
Spendenaktion der PNP für Hochwasser-Opfer
Spendenkonto des Landkreis Rottal-Inn –> Helfer können im Übrigen gratis mit der Südostbayernbahn anreisen

Deine Armut kotzt mich an: Wenn Posting zum Posing und kriminell wird

17 Apr

Vor Gericht musste sich der 21-jährige Manuel E. verantworten. Eigentlich ist er Hauptschulabsolvent aus Neu-Perlach, doch im Netz gab er sich als Jura-Student aus Grünwald aus. Für alle „Unwissenden“: Krasser könnte der Unterschied nicht sein; Grünwald ist das Nobel-Viertel im Münchner Süden, Neuperlach sozialer Brennpunkt. Ein Einzelfall? Ich möchte behaupten: Jeder hat (mindestens) einen Manuel in seiner Freundesliste!

Seien wir doch mal ehrlich: Das Social Web ist für Angebereien auch geeigneter als kein anderes Medium: Auf der Shopping-Tour bei H&M einloggen? Gott, bewahre… Lieber schon bei Louis Vuitton an der Maximiliansstraße! Ob man dort wirklich einkauft ist eine ganz andere Frage: Aber man kann ja so tun. „Habt ihr denn was gefunden“ – der Antwort-Kommentar kommt wie aus der Pistole geschossen: „Wir finden da leider immer was!“ Ja – „leider“ – wirklich ein hartes Leben, dieses öffentliche Schein-Leben für andere zu führen!

„Hast du keinen Vater, keine Mutter, die was kann?“

Wir lassen uns gerne täuschen – drücken voller Ehrfurcht auf’s „Like-Knöpfchen“. Derweil könnten wir es uns eigentlich denken: Denn wenn die Eltern von Studis nicht gerade Großindustrielle oder Maffiosi sind, nicht jeden Monat eine Designertäschchen drin ist.

Jetzt sind natürlich nicht alle Menschen so schlau wie wir 😉 Und es gibt eben einige, die kaufen den Manuels dieser Welt den Berufsstatus „Sohn“ ab. Vielleicht wären sie auch gerne so, aber die Eltern sind eben „nur“ Arbeitnehmer und das eigene Bafög reicht auch nur bis zur Monatsmitte.

Früher sind diese Leute dann motiviert arbeiten gegangen, dass sie sich später vielleicht mal etwas mehr leisten können als ihre Eltern. Heute denken die meisten nicht mehr im Traum daran:
Das schicke Auto lässt sich schließlich auch leasen.

Die Marken-Klamotten bequem in Raten abstottern. Viele Online-Händler machen sogar gezielt damit Werbung (z. B. Zalando: „Erst in 100Tagen bezahlen“).

Mir doch egal wie mein Konto aussieht – Hauptsache die Like-Zahlen auf meinem Facebook-Profil stimmen!

„Hey kleiner Mann, deine Armut kotzt mich an!“

Diese Welt muss eigentlich zugrunde gehen, angesichts der selbstverliebten Angeber wie sie sich uns so stark in sozialen Netzwerken präsentieren. Und ich behaupte es nicht nur, ich weiß: Manuel ist kein trauriger Einzelfall!

An dieser Stelle muss ich etwas vorsichtig werden, sonst könnte ich schnell eine Klage am Hals haben. Aber ja, ich kann schreiben, dass ich schon mit Leuten im Club war, die sich mit der leeren Magnum-Flasche Champagner fotografieren ließen, aber dafür nicht wussten, wie sie ihren Studienkredit jemals zurückzahlen sollten. Auf den Bildern posierten sie mit gebrauchten Designer-Klamotten aus dem Internet – die Kreditkartenabrechnung ist ja erst in ein paar Wochen fällig. In der Gastro glaubten sie, schnelles Geld verdienen zu können – aber dass man dort auch hart arbeiten muss, das wussten sie nicht. Und so leben sie heute wieder bei Mama & Papa, die keinen Chauffeur haben und nie hatten. Aber das Image vom Berufssohn machte sich ihrer Meinung nach gut.

„Wohnst du nicht im Münchner Süden wie die Schönen und die Reichen?“

Sicher, Angeber gibt es schon immer: Aber noch nie war es so leicht, sich als „Hochstapler“ der Öffentlichkeit zu präsentieren. So wird der zweite Vorname mit „V“ beginnend, z. B. „Viktoria“ im Profilnamen gerne mal als V. abgekürzt. Zufällig kürzen auch viele Adelige ihr „von“ so ab. Zufall oder bewusste Vortäuschung falscher Tatsachen?
Ich jedenfalls kann nur noch lachen, wenn sich wieder so ein „Opfer“ seiner Scheinwelt in meiner Timeline präsentiert: Z. B. an Heiligabend -kurz vor dem Posting, dass man danach die Christmette besucht- das Armgelenk zu fotografieren. Am Uhrenverschluss ist äußerst dezent die Aufschrift „Rolex“ zu lesen. Ich muss schon sagen, da hat jemand die Wa(h)re Weihnacht verstanden!

Wir können diese Entwicklung wahrscheinlich nicht aufhalten: Aber unsere eigene Einstellung können wir ändern – bspw. andere Prioritäten im Leben setzen, damit das Leben nicht nur online stattfindet und Betrüger wie Manuel keine Chance haben, uns zu imponieren!

Die Zwischenüberschriften sollten bewusst die Aufmerksamkeit auf sich lenken und stammen aus dem Song „Eure Armut kotzt mich an“ von der Münchner Rap-Gruppe „Aggro Grünwald“.

 

Bier exen: Tobias Feigl setzt Gegentrend auf Facebook – spenden statt saufen

4 Feb

Das soziale Netz hat einen neuen Trend: Die einen exen vor laufender Kamera ein Bier, die anderen regen sich lautstark darüber auf.

Kurz zum Hintergrund – wer es wirklich noch nicht mitbekommen haben sollte 😉 Vor laufender Kamera müssen die „Nominierten“ ein Bier exen und dann drei weitere Freunde nominieren. Lädt der Nominierte nicht innerhalb von 24 Stunden das geforderte Video hoch, muss er einen Kasten Bier zahlen. Mehr dazu u. a. bei der PNP.

Bislang entzogen sich die wenigsten dem zweifelhaften Ruhm dieser Nominierung. Vielleicht aus Gruppenzwang, vielleicht aus Geiz den Kasten Bier zu zahlen. Die Liste der Mutmaßungen der Hobby-Psychologen sind ebenso lang wie die Kritiker des neuen FB-Trends. Aber eine richtige „Lösung“ präsentierte uns bisher keiner.

„Ein Bayer trinkt wann, so viel und so oft er will“

Bis mir eben in meine Timeline das Video von Tobias Feigl aus Niederbayern gepostet wurde. Ein kurze Zusammenfassung (v. a. allem für alle Nicht-Bajuwaren ;)): Der Nominierte fühle sich durch die Nominierung in seiner Ehre gekränkt, sagt er – Ein Bayer trinke wann er will, so viel er will und so oft er wolle 😉

Bis hierhin ist mit der junge Mann schon sympathisch, aber es kommt noch besser: Weil er trinke WANN ER WILL, würde er nun nicht vor laufender Kamera ein Bier exen…

Spenden statt saufen

Warum stellt er dennoch ein Video auf Facebook möchte man sich fragen? Die Antwort folgt prompt: Tobias Feigl ist kein Feigling, den Kasten Bier zahlt er jedoch nicht! Stattdessen spendet er lieber 20 Euro an die Kinderkrebshilfe Dingolfing-Landau-Landshut. Den „Beweis“ – die PayPal-Überweisung hält er statt einer Halbe in die Kamera.

Nachahmung erwünscht!

Er meint zum Abschluss seines Videos, vielleicht mache ihm das noch einer nach und „aus dem Blödsinn kommt doch noch etwas Gutes raus.“

Vor gut 2 Stunden hat der Niederbayer das Video hochgeladen, bis dato wurde es knapp 100 Mal geteilt.

Ich meine: Sauber, Tobias! Gscheid daherreden und mitmachen können viele – einen sauberen Schlussstrich ziehen und eine Lösung für den nervigen FB-Trend präsentiert hast uns bisher nur du.

Ich schließe mich deinem frommen Wunsch – mögen es dir noch viele gleichtun und lieber Geld für einen guten Zweck als einen Kasten Bier an seine Freunde spenden! Meinen Respekt hast du und sicher den 1000 FB-Nutzer!

Fluthilfe revidiert meine Meinung über soziale Medien

21 Sep

Rund 100 Tage ist die „Flut“ her. Zeit, einmal Bilanz zu ziehen – vornehmlich über die Engagment für und um die Fluthilfe in sozialen Medien.

1. Über den Wahrheitsgehalt von Informationen in sozialen Medien

Die Schleuse Kachlet während der "Jahrtausendflut".Meinem Post muss ich vorwegschicken, dass ich von Natur aus ein gutgläubiger Mensch bin. Da die Stadt Passau bis dato keinen richtig guten Auftritt in sozialen Medien hat, waren wir auf Postings von Privatleuten angewiesen. Dies geschah bei mir vornehmlich über die Gruppen „Infoseite – Hochwasser 2013 Bayern“ und „Fluthelfer Passau“.

Wann und wo werden Leitungswasser und Strom abgestellt? Der Aufruf zum Wassersparen, Postings von Wasserausgabeorten – das alles geschah über Facebook (FB). Twitter ist bei den Passauern wohl noch nicht so angekommen 😉

Nun gut, ich bin schon an normalen Tagen äußerst Social-Media-affin… Aber in den Hochwasser-Tagen war mein Konsum extrem.

Katastrophale Rechtschreibung mit dem Klassiker der das-und-dass-Schwäche ist ja noch harmlos. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch bei der niederbayerischen Jugend, die mich, in diesen Tage gelehrt hat, dass Sätze ohne der, die, das gebildet werden: „Was geht Kachlet?“

Panikmache via FB

Ja, was geht Kachlet… (Für alle OrtsUNkundigen, das Kachlet ist ein Schleusenkraftwerk im Passauer Westen, wo ich wohne.) Das Kachlet ist hochwassererprobt. Die Wehre müssen geöffnet werden, egal wie viel Wasser dann Richtung Altstadt fließt. Dass diese Fluten bei dieser Jahrtausendflut enorm waren, ist logisch.

Urplötzlich tauchte in FB das Gerücht auf, das Kachlet könnte den Fluten nicht mehr Stand halten. Ich, als gutgläubiger Mensch dachte, an der Sache könnte was dran sein. Denn welcher Mensch würde in einer solchen Katastrophen-Situation so grausam sein und seine Mitmenschen auch noch mit falschen Gerüchten quälen?

Falsch gedacht: Krönung war für mich folgender Post:

Leider verbreiteten sich auch "Horror-Falschmeldungen" über soziale Medien.

Leider verbreiteten sich auch „Horror-Falschmeldungen“ über soziale Medien.

Spätestens jetzt war mir klar: An dem Gerücht ist nichts dran. Welcher Experte würde davon sprechen, dass eine Staustufe „bricht“ und dann auch noch genau „ab 20h“.

Vielen Dank an dieser Stelle an all diese Menschen da draußen, die uns Passauern noch zusätzlich Angst gemacht bzw. versucht haben!

FAZIT Krisenkommunikation via Social Media funktioniert nur bedingt!

2. Fluthilfe als Hilfe zur Selbstdarstellung?

Die Selbstdarstellung im Social Web ist ja auch sonst nicht ohne. Aber ich für meinen Teil konnte bei den eigentlichen Hochwasser-Einsätzen nicht auch noch darauf achten, das „passende“ Bild für Facebook und Co zu machen. Deswegen fehlen auch bei meiner Fluthelfer- Reportage einige Bilder, wie ich anmerkte.

Umso trauriger finde ich persönlich, dass es politische (Jugend)gruppierungen geschafft haben, genau solche Fotos hochzuladen. Ich habe sehr genau hingesehen und festgestellt, dass so ein Einsatz z. B. nur an einem Tag stattfand. Imposante Fotos davon ins Netz zu stellen, finde ich umso beschämender, wenn Studenten zum Teil mehrere Tag hintereinander bis zur gänzlichen Erschöpfung als Fluthelfer im Einsatz waren. Ist doch Passau „nur“ ihre Universitätsstadt, für die anderen aber ihre Heimat…

Sicherlich geht es jetzt nicht darum, hochzurechnen, wer wie viele Stunden aktiv Fluthilfe geleistet hat – aber nachdenklich macht es mich schon. Helfen machen nur, um dokumentieren zu können, dass sie geholfen habe?

Ähnlich kritisch sehe ich im Übrigen auch die jetzt aufkommenden Ehrungen durch Stadt und Staat. Ganz bewusst habe ich z. B. NICHT am Helferfest der Stadt Passau teilgenommen. Ich war gern als Fluthelfer im Einsatz und bemühe mich nach meinen Kräften auch noch heute, Betroffenen zu helfen.

Statt einer Maß auf der Dult hätte ich z. B. lieber Unterstützung für meine Spendenaktion gehabt!

3. Keine Unterstützung für meine Ebay-Auktion

Wie man hier nachlesen kann, habe ich einen selbstgefertigten Passau-Scherenschnitt auf Ebay für die Fluthilfe der Passauer Neuen Presse (PNP) versteigert. Gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber ich möchte behaupten, dass das schlicht-klassische Design wohl in viele Einrichtungsstile passt. Mit der Endsumme der Versteigerung war ich nicht wirklich zufrieden. (An dieser Stelle jedoch ein großes Dankeschön an den Berliner Käufer, der mich lediglich über Twitter „kennt“ und noch einen Extra-Betrag gespendet hat.)

Diesen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigerte ich auf ebay für die Hochwasseropfer - leider ohne jegliche Unterstützung im Social Web

Diesen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigerte ich auf ebay für die Hochwasseropfer – leider ohne jegliche Unterstützung im Social Web

Er war auch einer von wenigen, der die Aktion im Netz überhaupt verbreitet – sie retweetet hat. Von den Politikern in meiner Timeline oder in meiner Freundesliste hat sich niemand bemüßigt gefühlt, meine Aktion zumindest zu teilen – das hat mich persönlich sehr enttäuscht. Gut, jetzt könnte das Argument kommen, die haben die Sache vielleicht nicht mitbekommen… Aber ich habe meine Auktion zumindest an die Facebook-Pinnwand von „City Marketing Passau“ (CMP) und diversen Seiten der PNP gepostet (und den offizillen Twitter-Account der Stadt Passau angetwittert). Auch von dieser Seite keine Unterstützung in der Form, dass mein Post geteilt worden wäre.

FAZIT Da der Wille bekanntlich für’s Werk zählt, habe ich zwar nur 30€ an die PNP-Fluthilfe überweisen können – aber für mich als Promotionsstudentin ist im Moment einfach nicht mehr drin. Nachdenklich macht mich die Nicht-Unterstützung von PNP und CMP, da diese Institutionen sich die Hochwasser-Hilfe groß auf ihrer Fahnen geschrieben haben.

Und so ist insgesamt mein Fazit zu „Social Media und Hochwasser“ ernüchternd: JA, durch Social Media gab es Informationen – aber vielleicht auch zu viele!? Die Zeit für über soziale Medien vermarktete Spendenaktionen scheint noch nicht reif zu sein – ob das zum Teil an mangelnder Medienkompetenz liegt, möchte ich nicht bewerten.

„Jahrtausendflut“ in Passau: Leben mit und von den Flüssen

3 Jun

Im ARD-Brennpunkt hat es heute Abend geheißen, dass Passau zum letzten Mal 2002 vom Hochwasser betroffen gewesen sei. Das ist nicht nur sprachlich falsch (es kann nicht das letzte Mal heißen, wenn es Wiederholungen gibt), sondern auch inhaltlich.

Wir Passauer leben mit unseren drei Flüssen und somit auch mit dem Hochwasser. Auch wenn meine Familie nicht in der Altstadt wohnt, sind wir immer indirekt vom Hochwasser betroffen ist. „Rien ne va plus“ heißt es dann für viele Straßen und Gassen der Innenstadt. Nach starken Regenfällen ist die Situation routiniert. So war es auch dieses Mal.

Hauptsächlich via soziale Medien wurde ich zu Beginn dieser „Jahrtausendflut“ gefragt, wie es in Passau mit dem Hochwasser gehe. „Daily Business“ habe ich geantwortet.

Wir haben aus 2002 gelernt

In der Tat: Die vornehmlich Andenkenläden, Restaurants, Ateliers in Wassernähe sind vorbereitet – schnell können sie ihre Räumlichkeiten im Hochwasserfall räumen. Seit 2002 haben einige von ihnen (wie z. B. das Restaurant Croatia) spezielle Hochwasserwände installiert. Wir Passauer sind vielleicht sture Niederbayern, aber sicher nicht dumm… Natürlich haben wir uns nach 2002 Gedanken gemacht – auch wenn das jetzt vielleicht nicht so aussieht! Wenn aber die Hochwasserwände im Gastraum installiert sind, wie im Croatia, nun aber das Wasser bis zum 2. Stock reicht – dann hilft leider nichts mehr.

Dass das Wasser immer weiterstieg und stieg und stieg, das haben wir nicht erwartet. Schon im Kindesalter habe ich Geschichten über unser Jahrhundertwasser aus dem Jahr 1954 gehört. Mein Opa war damals als Fluthelfer im Einsatz. „Damals liefen Donau und Inn in der Stadt zusammen“ – das war immer das 1954-Horrorszenario. Dass sich dieses einmal wiederholen, gar übertreffen werden wird, damit hat hier irgendwie niemand gerechnet.

Zusammenfluss von Donau und Inn als Horrorszenario

Als dann heute Vormittag Donau und Inn in der Fußgängerzone zusammenliefen, war meine Angst groß. Darauf war ich ja quasi schon seit Kindertagen konditioniert.

Schon gestern Abend stand fest, dass die Hochwassermarke von 1954 getoppt werden würde. Für mich war das auch schon ein paar Stunden vorher klar, dass es nun brenzlig wird, nämlich als schulfrei gegeben wurde.

Nie gab es schulfrei

Ich war Schülerin des ehrwürdigen Leopoldinums an der Michaeligasse. Wie habe ich als Gymnasiastin gehofft, dass einmal der Unterricht wegen Hochwasser ausfallen würde. Nie, nie, nie war das der Fall! (Gut, 2002 fiel das Hochwasser in die Ferienzeit). In anderen Städten würde man vielleicht seine Kinderchen lieber zu Hause lassen, wenn unterhalb des Fensters ein reißender Gebirgsfluss Hochwasser hat – nicht in Passau! Weil die Fritz-Schäffer-Promenade – die direkte Zufahrtsstraße für die Schulen in der Altstadt – überschwemmt war, wurden die Haltestellen einfach auf die andere Seite der Donau verlegt – dem sog. Anger. Die Angerstraße ist im Moment übrigens auch komplett überschwemmt… Also war es weitsichtig, bereits am Sonntag den Schulausfall zu vermelden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber: Es wird ernst, sehr ernst werden in Passau.

Hochwasser übt gewissen Reiz aus, aber bitte kein Katastrophentourismus

Hochwasser hatte für uns Schüler immer einen gewissen Reiz. Vor und nach der Schule sind wir an die Ortsspitze und ins Hochwasser – soweit das ging. Auch 2002 habe ich – nach(!) der Scheitelwelle – das Hochwasser „besichtigt“. Aber dieses Mal habe ich ganz bewusst auf diese Art von Katastrophentourismus verzichtet. Ich habe auch keinerlei Verständnis für diese Art von Sensationsgier der Menschen. Meine Hauptinformationsquellen sind also im Moment soziale Medien. Und was ich da erlebe, „muss“ ich wohl in einem getrennten Post verarbeiten…*

Packen wir’s an: So helfen Sie Passau

Für heute nur noch so viel: Wir Passauer können und wollen unsere Flüsse nicht durch Dämme abschotten. Wir leben mit und von Donau, Inn und Ilz. Und deswegen werden wir auch nach dieser „Jahrtausendflut“ zusammenstehen. (Die „Flut“ an Hilfsbereitschaft in den sozialen Medien ist einfach überwältigend.)

Packen wir’s an! Im Moment ist es schwer zu überblicken, ob und wie freiwillige Helfer in die Aufräumaktionen eingebunden werden können. Ich habe mich bei der Studenten-Initiative „Passau räumt auf“ registriert**, weil ich die Arbeit der Verantwortlichen persönlich kenne und schätze.

Wer unser Passau finanziell unterstützen will, tut dies am Besten hier:

Stiftung der Passauer Neuen Presse,

Kennwort Fluthilfe,

Kontonummer 30365373

Bankleitzahl 74050000 Sparkasse Passau

– auch wenn das Konto bei der Sparkasse Passau ist 😉

Weitere Blogposts zum Thema „Hochwasser in Passau“:

* Zu meinem Blogpost „Fluthilfe revidiert meine Meinung über soziale Medien“.
** Zu meinem Blogpost über meinen „Einsatz als Fluthelfer in Bernhard’s Corner Shop“.

Social Media als Feedback für Öffentlich-Rechtliche: ZDF verschenkt Chance

5 Apr

Mein gestriger Blogbeitrag über das Verhalten des ZDF-Mitarbeiters Michael Umlandt hat eine große Welle der Diskussion ausgelöst.

Viele haben mir via Facebook, Twitter, whatsapp und Co geschrieben und in persönlichen Gesprächen gesagt, ich solle sie über die aktuelle Entwicklung am Laufenden halten: Da muss ich meine Freunde/ Follower enttäuschen – das ZDF hat bis dato nicht reagiert. (Wie auch, wenn wohl hinter dem ZDF-Twitter-Account der „Social-Media-Monkey“ sitzt? ;)). Also eigentlich nichts Neues.

ZDF trotz „Fehlern“ qualitativ wertvoll

Eigentlich, denn wer schweigt, gesteht seine Schuld ein. Eigentlich. Aber „Schuld“ das sind zu große, schwerwiegende Worte. Besinnen wir uns auf das Wesentliche: Es ging um Kritik am Programm des ZDFs. Und ich muss sagen, dass ich bis dato Öffentlich-Rechtliche neben all ihren „Fehlern“ sehr gern geschaut habe. (An dieser Stelle mal ein kleiner Werbeblock für den Bayerischen Rundfunk, müsste ich mich für ein Fernsehprogramm entscheiden, ich würde euch wählen! Denn ältere wie jüngere Zuseher kommen bei eurem breitgefächerten Programm gleichermaßen auf ihre Kosten. Aber das vielleicht mal in einem extra Post ;))

„Und dafür zahle ich GEZ?“

Zeitgleich zu meinem Blogpost machte gestern der Post „Und dafür zahle ich GEZ?“ die Runde. Er bringt meiner Meinung das Dilemma der Öffentlich-Rechtlichen gut auf den Punkt. Denn auch wenn das ZDF meint, sich mit Oli Pocher, Cindy aus Marzahn und wie sie alle heißen mögen, „verjüngen“, „verhippen“ oder was auch immer zu müssen – allein das ZDF bietet natürlich mehr Qualität als alle privaten Sender zusammen!

Über Geschmack lässt sich freilich streiten. So empören sich viele darüber, für meine Lieblingssoap Lindenstraße zahlen zu müssen 😉 (Nebenbei – die sind in Sachen Social Media aber vorbildlich)

Daher an dieser Stelle meine Fazit:

Ich finde es schade, wenn über soziale Medien kein Austausch von unterschiedlichen Meinungen stattfindet. Herr Umlandt, Souveränität ist etwas anderes! Denn was wäre besser für eine Interaktion von Zuseher und Sendern geeignet als Twitter und Co? Feedback und das sogar noch in Echtzeit – ein Traum! Gerne hätte ich natürlich mit @michaelumlandt, Oli Pocher und anderen diskutiert. Aber da man bekanntlich niemand zu seinem „Glück“ zwingen kann, sage ich: „Schwamm drüber“!

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk hat in einer pluralistischen Gesellschaft natürlich genauso seine Daseinsberechtigung wie RTL-Humor. Bei allen, die meine (marketingtechnische überspitzte) Kritik beleidigt hat, möchte ich auf diesem Weg entschuldigen. Entschuldigen möchte ich mich jedoch nicht für meinen persönlichen Geschmack, der noch nie mit Mainstream konform ging…

FC Bayern München zeigt, wie Social-Media-Marketing nicht funktioniert

26 Jan

Der FCB hat für heute um 14h eine Pressekonfernz angekündigt, die nur auf Facebook übertragen werden sollte. Grund: Es wurde ein neuer Spieler verpflichtet.

Dann die große Überraschung, der neue Spieler war (noch) nicht da – stattdessen hielt FCB-Sportdirektor Nerlinger ein grünes Blatt in die Kamera. Auf dem Blatt war kein Foto zu sehen, sondern darauf sollte das Facebook-Profil des Fans zu sehen sein, der via Facebook die Pressekonferenz gerade verfolgte.

Originelle Aktion oder Lachnummer im Netz?

Doch der vermeintliche Gag schlug fehl – die technische Aufmachung war vielleicht ganz originell, aber das Einblenden des Facebook-Profils funktionierte wohl nur bei den wenigsten Fans: Die Server waren überlastet.

Die Reaktionen auf die FCB-Facebook-Aktion sind im Netz relativ heftig. Ob sich der FCB selbst zu einer Lachnummer gemacht hat? Oder war die Aktion einfach auf einen unglücklichen Termin gelegt? Immerhin hatte der FC Bayern erst den Rückrundenauftakt gegen Gladbach verloren…

FCB braucht einheitliche Social-Media-Philosophie

Ich meine, die FCB-Facebook-Aktion von heute war ein Lehrbuch-Beispiel dafür, wie Social-Media-Marketing nicht funktioniert! Nahezu bedenklich finde ich, dass der Trainer des weltbekannten Fußball-Vereins die privaten Social-Media-Aktivitäten einiger Spieler einschränken will. Warum greift man auf einen Social-Media-Marketing-Gag zurück, wenn man offensichtlich nicht richtig versteht, um was es bei Social-Media geht?

Der FCB sollte sich meiner Meinung nach auf eine einheitliche Social-Media-Philosophie verständigen, mit der Spieler, Trainer und Vereinsführung zufrieden sind. Denn die Grundidee der FCB-Facebook-Aktion war im Prinzip – vielleicht für den 1. April ganz gut geeignet. Auf der FCB-Fan-Seite wurde erklärt, was hinter der Pressekonferenz steckte:

„Sorry liebe Fans,
wie wir Euren zahlreichen Kommentaren entnehmen, seid ihr über die heutige Aktion sehr verärgert.

Es war nicht unsere Absicht, Euch mit der neuen App zu enttäuschen. Vielmehr wollten wir Euch mit dieser Aktion in den Mittelpunkt stellen und dadurch zeigen, wie wichtig jeder Fan für den FC Bayern München ist. In mehreren folgenden Videoclips auf der App soll der Fan Teil der Mannschaft werden, indem z.B. der Nachname des Fans auf dem Trikot zu sehen ist und der Fan in den Medien als Star dargestellt wird. Diese persönlichen Videos sollen Euch und Euren Freunden Spaß und Freude bereiten.“

Keine Aufzeichnungen mehr auf Youtube

Dass die Fans dem FCB wichtig sind, das ist wohl die vielleicht einzig positive Botschaft, die von der Aktion bleibt… Etwas peinlich ist auch, wie ich finde, dass alle Aufzeichnungen von der Pressekonferenz von Youtube entfernt wurden. Wer das Video der Pressekonferenz sehen will, muss Fan des FCB auf Facebook werden und dann auf die Rubrik „The New FCB Star“ klicken.

Wer einen „Fehler“ macht ,sollte dazu stehen – auch oder gerade der FC Bayern München!

Social Media: Fasten 2.0

3 Mrz

Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Die Christen besinnen sich seit dem Kreuzestod Jesu‘ durch Fasten auf das Leiden und Sterben ihres Messias. Am Ende der Fastenzeit steht daher auch symbolisch die „Belohnung“ für ihre Entbehrungen: Das Osterfest, das die Auferstehung und das Leben nach dem Tod symbolisiert.

Egal, ob in dieser Zeit auf Fleisch, Süßes, Alkohol, Tabak, Computer oder Internet verzichtet wird – dieser Verzicht muss nicht (nur) schmerzlich sein, sondern kann auch glücklich machen.

Kraft tanken beim Facebook Fasten? (Foto: Ralph Winderl)

Ständige Verfügbarkeit erzeugt Stress

Denn über E-Mails und unsere Smartphones sind wird ständig verfügbar. Und diese Verfügbarkeit erzeugt Stress.

Wie oft ertappe ich mich, dass ich nur „schnell“ auf Facebook schauen wollte, was meine „Freunde“ dort machen und dann wird aus dem „schnell“ doch schnell eine halbe Stunde… So wie mir geht es wohl auch anderen, denn auf Facebook gibt es eine Gruppe „Facebook Fasten“ mit immerhin derzeit 224 Mitgliedern.

Gänzlicher Verzicht auf Social Media schlecht möglich

Ich bin realistisch, ich werde es wohl nicht schaffen, in den kommenden sechs Wochen gänzlich auf soziale Netzwerke zu verzichten. Zu sehr läuft die tägliche Kommunikation, auch mit meinen „echten“ Freunden über soziale Medien ab. Nicht zuletzt bin ich als Medienschaffende auf diese Medien auf eine gewisse Art angewiesen.

Aber ich werde versuchen, meinen Social-Media-Konsum drastisch einschränken: D. h. als allererstes die Aufenthaltszeit in den sozialen Netzwerken zu verringern, auch die Anzahl meiner Statusmeldungen werde ich einschränken. Zudem kann ich auf die aktive Suche nach neuen Kontakten verzichten, sowie die Zahl der „gefällt mir“ begrenzen. D. h. aber auch, mir die Zeit zu nehmen, nicht auf jeden Post, eine jede Nachricht sofort zurück zu schreiben.

Alles in allem gelingt es mir so vielleicht, durch das Fasten 2.0 mich auch nach der Passionszeit etwas bewusster und auch gezielter im Web 2.0 zu bewegen. Der Alltagsstress würde verringert, ich spare durch die auf sozialen Netzwerken „vergeudete“ Zeit – Minuten, wenn nicht sogar Stunden für sinnvollere Aktivitäten.

Religiöse Fastenmotive treten oft zurück

Wer früher fastete, stellte körperliche Bedürfnisse zugunsten seines Glaubens zurück. Dabei spielt auch die Angst um das Seelenheil eine große Rolle. Die Motive für das Fasten haben sich heute gewandelt: Viele üben sich nicht mehr aus religiösen Gründen im Verzicht. So wird etwa auf Tabak aus gesundheitlichen Gründen verzichtet. Und z. B. bei einem „Medienfasten“ möchte man gegen „Süchte“ ankämpfen.

Die evangelische Kirche hatte von je her eine andere Sicht auf das Fasten. Martin Luther war der Überzeugung, dass der Mensch nicht durch das Fasten angenehm bei Gott werde, sondern allein durch die Gnade, allein durch den Glauben. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Tradition ist auch das Fasten in den protestantischen Kirchen nicht mit dem Bußsakrament verbunden.

„7 Wochen Ohne“

Eine Renaissance erlebt das Fasten in der evangelischen Kirche in den vergangenen Jahren also nicht wegen Kirchengebote, sondern als freiwillige spirituelle Erfahrung. In diesen Kontext ist die Aktion „7 Wochen Ohne“ einzuordnen, deren Ziel die bewusste Gestaltung der Passionszeit ist. Wobei der Fastenbegriff dabei weit gefasst ist. Alltagsgewohnheiten sollen während der Fastenzeit überdacht werden. Die Teilnehmer der deutschlandweiten Aktion verzichten dazu zum Beispiel auf Süßigkeiten, Nikotin aber eben auch auf Medien wie etwa das Internet.

Durch diesen Verzicht wird klar, was für einen persönlich Lebensqualität ausmacht. Nicht mehr ständig verfügbar zu sein, nicht mehr jeden selbstdarstellerischen Post meiner Facebook-Freunde mitzubekommen, gehört für mich dazu.

Mein Facebook Fasten stellt für mich persönlich also mehr Gewinn als Verzicht dar.

Bistum Passau bietet „Exerzitien online“

Interessant ist, dass für Fastenaktionen die Kirchen auch verstärkt auf das Internet zurückgreifen, um die Menschen zu erreichen.

So bietet etwa das Bistum Passau für die Fastenzeit 2011 Exerzitien online an. Die Teilnehmer der Aktion können dabei aus drei Begleitern wählen. Auf der Homepage heißt es dazu:  „Sie werden Ihren Begleiter, Ihre Begleiterin nicht persönlich treffen, sondern lediglich per Mail kontaktieren. Diese geschützte Atmosphäre kann Sie ermutigen, Fragen oder Angelegenheiten Ihres Lebens und Glaubens zu formulieren, die Sie sonst nirgendwo zum Ausdruck bringen können.“

Gewinn durch Verzicht

Beide Aktionen, die evangelische „7 Wochen ohne“ und die katholische „Exerzitien online“, sind gute Möglichkeiten, die Fastenzeit gewinnbringend für sich zu nutzen, zu sich zu finden und neue Kraft zu tanken – Kraft dafür auch einmal offline zu gehen und das Smartphone vielleicht auch in der Freizeit nach der 40-tägigen Fastenzeit auch mal abzuschalten.

Social Media: Freundschaft 2.0

28 Jan

„Neue Freunde finden auf http://www.lokalisten.de“, so wirbt ein soziales Onlinenetzwerk am Nachmittag auf dem Jugendsender Pro Sieben. Inflationär wird in unserer Zeit der einst, v. a. in der Antike, so wertvolle Begriff der Freundschaft gebraucht. Doch off- wie online nehmen zwischenmenschliche Beziehungen, Freundschaften eine große Rolle im Leben der Menschen ein.

Vernetzt und doch @llein?

Im Internet richten sich heute vor allem die Jugendlichen häuslich ein – soziale Onlinenetzwerke boomen. Facebook, studiVZ und Co werden zu einer Art zweitem zu Hause. Manche User haben online mehrere hundert „Freunde“.  (Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat 130 Freunde.) Gleichzeitig hat jedoch die Facebook-Gruppe „Nur weil wir Facebook-Freunde sind, heißt das nicht, dass ich dich mag“ über 50.000 Mitglieder (Stand: September 2010).

Seit wann mögen sich „Freunde“ nicht mehr?

Noch in Friedrich Schillers „Bürgschaft“ liefert sich der Freund dem antiken tyrannischen König aus – Freundschaft reicht hier über den Tod hinaus. Doch das gilt sicher nicht mehr für Freunde in sozialen Onlinenetzwerken. Nicht von ungefähr titelte auch der „Spiegel“ im März 2009: „Fremde Freunde. Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen.“

Besteht also ein Unterschied zwischen Online- und sog. Real-Life-Freundschaften? Sind also die Online-Netzwerker vernetzt und doch @llein?

Nur wenn die Menschen erkennen, dass Freundschaft nicht nur virtuell gelebt werden kann und darf, können sie für sich auch die Frage klären: Wann ist ein Freund ein Freund?

Erst bei entsprechender Differenzierung zwischen Bekannt- und Freundschaften, können die sozialen Onlinenetzwerke gewinnbringend genutzt werden. Denn Freundschaften zu schließen, insbesondere im Jugendalter, hat eine wichtige sozialisatorische Bedeutung.

Als neue Errungenschaft unserer Zeit sollten Social Communities nicht über- aber auch nicht unterbewertet werden.

Zauberwort „Medienkompetenz“

„Jugendliche müssen heute mehr Informationen verarbeiten und mehr Entscheidungen treffen als jede Generation vor ihnen. Um diese Wahlfreiheit nutzen zu können, benötigen Jugendliche heute vielfältige Kompetenzen (…).“ (Shell-Studie 2010, S. 41) Um die Medieninhalte, insbesondere der Neuen Medien, für sich prüfen und nutzen zu können, ist daher eine sog. Medienkompetenz erforderlich. Denn diese hat sich als vierte Basiskompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen in der heutigen Mediengesellschaft etabliert.

Der damalige Vorsitzende der DBK, Karl Kardinal Lehmann, bezeichnet daher in einer Ansprache im Jahr 2006 die Medienkompetenz als Lebenskompetenz. Auch für den Erwachsenen impliziere diese Forderung die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, wie es der ständige Wandel der Medienkultur erforderlich mache. Denn auch den digitalen Einwanderern, den Erwachsenen, die sich in den sozialen Onlinenetzwerken aufhalten, muss klar werden, dass wahre Freundschaft offensichtlich nur offline stattfindet.

Insbesondere für Jugendliche stellen Freundschaften ein wichtiges Moment dar, das psychosoziale Moratorium Jugend positiv zu durchlaufen. Hierbei sollten sie in einem Medienunterricht auch dazu angeleitet bzw. ermuntert werden, dass eine face-to-face Kommunikation wesentlich andere Aspekte beinhaltet als eine medienvermittelte.

Eine wichtige Rolle beim Aufbau von Freundschaften spielen nämlich auch Merkmale, wie Geruch, Mimik oder Gestik, die bei der Kommunikation im Internet von vornherein (noch?) gänzlich ausgeschlossen sind. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: „Ich kann dich nicht riechen“. Diese Aspekte spielen also ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Aufbau „echter“, wechselseitiger Freundschaft.

Es gilt also, die Medienkompetenz in schulischer und außerschulischer Medienarbeit zu fördern. Denn wer heute nicht im Web 2.0 präsent ist, existiert quasi nicht. So startete Bayern vorbildlich an 30 Grundschulen zum Schuljahr 2009/10 die Pilotphase zu einem Medienführerschein, der die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fördern soll.

Angeleitet zum richtigen Gebrauch, erfüllen soziale Onlinenetzwerke viele praktische Funktionen: Über diese können Kontakte aufgebaut, intensiviert oder gehalten werden und das über große Entfernungen hinweg, was insbesondere in unserer globalisierten Welt sinnvoll wäre.

Doch erscheint in Anbetracht der Tatsache, dass bereits Aristoteles Freundschaft relativiert, auch hier eine Relativierung, sprich eine Umbenennung des Begriffs „Freund“ in sozialen Onlinenetzwerken sinnvoll.

„Kontakte“ statt „Freunde“

Das Businessnetzwerk XING macht es vor: In ihm werden die eigenen Netzwerkpartner neutral als „Kontakte“ bezeichnet. Denn Nutzfreundschaften, wie Aristoteles sie beschreibt, werden heute etwa im studiVZ gepflegt. So negativ bewertet, wie von dem Griechen einst, werden diese nützlichen Verbindungen heute schon lange nicht mehr. Vielmehr erscheint es sinnvoll, sich zusammenzuschließen, um sich z. B. über gemeinsame Lehrveranstaltungen an der Uni auszutauschen. Und bereits Cicero gestand den Menschen zu, dass Freundschaften nicht ein Leben langhalten müssen, weil sich die Grundsätze ändern können. Das alles trifft also z. B. auf die „Freunde“ in studiVZ, etwa nach Ende des Studiums, zu. Aber warum werden dann darin die Netzwerkpartner als „Freunde“ bezeichnet?

In Anbetracht der Bachelorarbeit der Autorin erscheint eine Umbenennung in die neutralere Bezeichnung wie z. B. „Kommilitonen“ sinnvoll. 67,1% der Teilnehmer haben sich in der Umfrage im Rahmen der Bachelorarbeit für eine Umbenennung ausgesprochen. Aber wie wäre dies zu erreichen?

Ähnlich wie bei der Änderung der Datenschutzbestimmungen könnten sie sich in Gruppen zusammenschließen und so die Betreiber dazu bringen, diese Umbenennung vorzunehmen. Doch diese Initiative hätte wohl nur wenig Aussicht auf Erfolg, müssten hierfür wohl erst Millionen User mobilisiert werden, bis die Betreiber überhaupt davon Kenntnis nähmen.

Trennung zwichen beruflichorientierten und privaten Netzwerken

Eine andere Möglichkeit wäre, persönlich stärker als jetzt zwischen beruflichorientierten und privaten Netzwerken zu trennen. Denn sind etwa in Xing „weakties“ für die Erhöhung des briding social capitals erforderlich, dass „strukturelle[…] Löcher“ (Ebersbach, Anja/ Glaser, Markus/ Heigl, Richard (2008): Social Web. Konstanz., S. 82) überbrückt werden können, sollte die Intensität der Kontakte, das bonding social capital, privat und somit auf Facebook eine wichtigere Rolle spielen. Jedoch wird dies in der Praxis kaum umzusetzen sein, da nicht jeder in allen Netzwerken angemeldet ist und man keinen Kontakt verlieren möchte, da jeder potentielle Ressourcen bereithält.

Was bleibt, ist also die Erziehung der Digital Natives, aber auch der Digital Immigrants zum eigenverantwortlichen Umgang – allen muss klar gemacht werden:

Nicht jeder, den wir im Internet als Freund bezeichnen, ist ein wahrer Freund – denn sonst bleiben wir vernetzt und doch @llein!