Tag Archives: Franken

Christkindlesmarkt Nürnberg: Wirklich nur mehr was für Japaner? Der ultimative Check

10 Dez

Heute muss ich eine Lanze für den Nürnberger Christkindlesmarkt brechen. Überall höre ich: „Da brauchst nicht hingehen, da sind nur mehr Japaner“ „Die echten Nürnberger gehen da nicht mehr hin.“

Nicht Christkindlmarkt, sondern fränkisch Christkindlesmarkt

Nicht Christkindlmarkt, sondern fränkisch Christkindlesmarkt

Und auch ich war etwas skeptisch, war ich doch vor etwa 20(!) Jahren – ja meine Kindheit ist schon so lange her…- dort und ich hatte immer nur eine schreckliche Erinnerung: Zwetschgenmännla!

Als ich am zweiten Adventssonntag also nach Nürnberg aufbrach, lag der Christkindlesmarkt quasi auf dem Weg (nach Kloster Banz). Extra nur deswegen wäre ich wohl nicht nach Nürnberg gefahren.

So sehen Zwetschgenmännla aus - Männchen aus Zwetschgen aus Franken.

So sehen Zwetschgenmännla aus – Männchen aus Zwetschgen aus Franken.

Vom Hauptbahnhof zum Hauptmarkt sind es ein paar Gehminuten (ca. 1km), aber der wird den Touris so stimmungsvoll wie möglich bereitet. Bis zum Hauptmarkt säumen schon einige Buden und Glühweinstände den Gehweg durch die Fußgängerzone. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof findet sich im Handwerkerhof eine Miniaturausgabe des Chrstkindlesmarktes. Einige Touris werden diese Stände im Burg-Ambiente mit Fachwerkhaus-Ständen wohl schon für das Original gehalten haben – dem Gedränge nach zu schließen.

Käthe-Wohlfahrt kein Muss

Auf dem Christkindlesmarkt gibt es relativ viele traditionelle Waren zu kaufen - wie z. B. beleuchtete, typisch fränkische Fachwerkhäuser.

Auf dem Christkindlesmarkt gibt es relativ viele traditionelle Waren zu kaufen – wie z. B. beleuchtete, typisch fränkische Fachwerkhäuser.

Generell ist die Reise nach Nürnberg zur Adventszeit nur etwas für Leute, die sich in größeren Menschenmassen nicht unwohl fühlen. Am Hauptmarkt angekommen, beging ich gleich den ersten Kardinalsfehler: Ich betrat den Laden von Käthe Wohlfahrt. Am Eingang hielt ich die Schlange im Laden für die zur Kasse, aber das war falsch – die Schlange zog sich mit ihrem Sprachengewirr aus Deutsch, Englisch, Italienisch, Japanisch… durch den gesamten Laden. Das Sortiment: Mei, Christbaumschmuck aus Glas, Holz, Zinn – z. T. echt schöne Sachen, tolle Auswahl, aber wahrlich „Apothekenpreise“. Kann mal anschauen, dann geht man auch wieder weiter.

Über den "Dächern" des Christkindlesmarktes am Hauptmarkt in Nürnberg

Über den „Dächern“ des Christkindlesmarktes am Hauptmarkt in Nürnberg

Geheimtipp „Kinderweihnacht“

Gleich noch vor dem Käthe-Wohlfahrt-Laden geht es rechts weg zur sog. Kinderweihnacht. Ein – wie mir schien- echter Geheimtipp, wer seine „Drei im

Warum bei der Kinderweihnacht des CHRISTKINDLesmarktes Nürnberg  Weihnachtsmänner dekoriert sind? Ich kann es nicht ganz nachvollziehen...

Warum bei der Kinderweihnacht des CHRISTKINDLesmarktes Nürnberg Weihnachtsmänner dekoriert sind? Ich kann es nicht ganz nachvollziehen…

Weggla“ (also für die Norddeutschen: drei fränkische Bratwürste im Brötchen) etwas ruhiger genießen will. Für Kinder sind auch einige Mitmach-Aktionen an den Ständen – vielleicht gab es das zu meiner Kinderzeit nicht und der Christkindlesmarkt war mir deshalb in so schlechter Erinnerung? Warum allerdings bei der Kinderweihnacht des CHRISTKINDLESmarktes Weihnachtsmänner dekoriert sind, das muss ich wohl nicht verstehen… Wo doch eigentlich schon bei der Eröffnung das Christkind mit wallenden blonden Haaren wie ein Rauschgoldengel im Mittelpunkt steht.

Jetzt kommen wir endlich zum sog. Hauptmarkt, wo er stattfindet: DER Christkindlesmarkt aller Christkindelmärkte! (Wer es für einen Tippfehler gehalten hat: Es heißt wirklich fränk. Christkindlesmarkt und nicht bayer. Christkindlmarkt!)

Wie auf allen Christkindl-/ oder Weihnachtsmärkten, es gibt natürlich auch in Nürnberg eine Menge zu essen (hauptsächlich fränk. Bratwürste im Weggla) & trinken (natürlich Glühwein). Hinzu kommen in Nürnberg natürlich traditionell Lebkuchen!

Spartipp: Bruch bei Lebkuchen Schmidt

Hier ein kleiner Tipp: Man muss nicht die teuren Lebkuchen am Markt kaufen, sondern geht bequem zu Lebkuchen Schmidt, der seinen Laden praktischerweise gleich am Hauptmarkt hat. Dort gibt es sog. „Bruch“ zu kaufen, der jedoch nicht wirklich stark lädiert ist, aber nur ein Bruchteil (hihi) der „normalen“ Lebkuchen kostet.

Billiger als auf dem Christkindlmarkt gibt es echte Nürnberger Lebkuchen bei Lebkuchen Schmidt am Hauptmarkt - hier mit "maskierten" Besuchern davor.

Billiger als auf dem Christkindlmarkt gibt es echte Nürnberger Lebkuchen bei Lebkuchen Schmidt am Hauptmarkt – hier mit „maskierten“ Besuchern davor.

Aber auch noch kurz ein Wort zu den anderen Ständen: Diese haben mich wirklich überrascht. Natürlich habe ich auch meine „verhassten“ Zwetschgenmännla gesehen, aber die gehören doch quasi irgendwie dazu. Und natürlich gab es auch den überteuerten China-Schrott zu kaufen, wie es in auf so vielen Weihnachtsmärkten gibt.

Aber insgesamt finden sich auf dem Christkindlesmarkt auch viele traditionelle Waren: Rauschgoldengel, nostalgischer Weihnachtsschmuck aus Papier, beleuchtete Fachwerkhäuser… Und einen ganz besonderen Stand: Den „Sternstunden“-Stand.

Den Stand von "Sternstunden" musste ich besuchen - standesgemäß mit Sternen-Mütze. Seit einigen Jahren bastel ich für das BR-Projekt.

Den Stand von „Sternstunden“ musste ich besuchen – standesgemäß mit Sternen-Mütze. Seit einigen Jahren bastel ich für das BR-Projekt.

Mit einigen Mitstipendiaten hatte ich für dieses BR-Projekt gebastelt. Logisch, dass ich diesen Stand einmal sehen wollte, an dem gebastelte Sterne gegen eine Spende für den guten Zweck erworben werden können.

Fazit: Im Grunde sind alle Weihnachtsmärkte gleich. Man wird durch Menschenmassen geschoben, es gibt viel zu essen und trinken. Aber den Nürnberger Christkindlesmarkt sollte man als Weihnachts-„Junkie“ (wie ich einer bin) unbedingt mal gesehen haben. Ähnlich vielleicht wie Karnevalisten gern einmal in Köln mitfeiern möchten. Und irgendwie hinkt der Vergleich auch gar nicht so sehr. Von „stader“ Zeit jedenfalls ist dieser Rummel allerorts weit entfernt, Menschen verkleiden sich neuerdings auch hier. Die Japaner, die unbestritten in großen Scharen nach Nürnberg kommen, gehören einfach dazu.

Vielleicht sollte ich mir doch so ein Zwetschgenmännla zulegen..

Vielleicht sollte ich mir doch so ein Zwetschgenmännla zulegen..

Eine Japanerin biss genüsslich in ihre Bratwurst. Sie trug einen Pulli mit Schneemann-Kapuze. Ich konnte sie nicht fragen, ob sie glaubt, man müsse sich in Deutschland auch im Advent verkleiden, denn plötzlich standen mir glühweintrunkene Deutsche mit roten Zipfelmützen und Elchgeweihen am Kopf im Weg.

Das alles ist Teil der lustigen Selbstinszenierung. Denn Nürnberg und die Nürnberger wissen sehr wohl um ihre Marktwert (nicht nur) in der Weihnachtszeit und inszenieren diesen gekonnt. Und gerade weil diese Inszenierung so international stattfindet, wollte ich bayernintern die Lanze für den Christkindlesmarkt brechen.

Schildbürgerstreich: Bayerischer Bürger darf bei der Kommunalwahl wegen Umzugs nicht mitwählen

10 Mrz

Überall ist von der Politikverdrossenheit der Deutschen zu lesen. Insbesondere junge Menschen versuchen die Parteien für ihre Politik zu begeistern bzw. dazu zu bewegen, überhaupt von ihrem Bürgerrecht -der Stimmabgabe- Gebrauch zu machen.

Ein Schildbürgerstreich, was da einem jungen Mann aus Bayern passiert ist: Er wird wohl am 16. März 2014 NICHT von seinem Bürgerrecht Gebrauch machen können und bei der Kommunalwahl nicht mitwählen dürfen.

Wie das möglich ist? Nun, gewissenhaft meldete er, nur wenige Tage nach seinem Umzug nach München, seinen fränkischen Hauptwohnsitz ab und sich beim Kreisverwaltungsreferat in München an.

Symboldbild für den Bayern, der bei der Kommunalwahl 2014 nicht wählen darf.

Symboldbild für den Bayern, der bei der Kommunalwahl 2014 nicht wählen darf.

Das war am 14. Februar.

Im Laufe des Februars wurde ihm sein Wahlbescheid zugeschickt – jedoch nach Franken ins Elternhaus, wo er bis zum 14. Februar mit Hauptwohnsitz gemeldet war.

Vorbildlich ermächtigte der junge Mann mittels Vollmacht seine Mutter die Wahlunterlagen in seinem fränkischen Heimatort für ihn abzuholen. Er wollte seinem Bürgerrecht, das für ihn eine selbstverständliche Pflicht ist, gerne nachkommen.

In der Heimatstadt darf er nicht MEHR wählen

Doch die Überraschung war groß: Im Bürgerservice teilte man mit, er dürfe nicht in seiner Heimatstadt wählen, da er zwar zum Zeitpunkt der Aufstellung der Wählerliste in der fränkischen Stadt gemeldet war, dies jedoch nicht mehr am Tag der Wahl ist. Er solle sich nach München wenden.

Spätestens hier hätten wohl die meisten aufgebeben und Kommunalwahl Kommunalwahl sein lassen. Nicht jedoch der junge Neu-Münchner aus Franken. Er erkundigte sich sowohl telefonisch in seiner Heimatstadt in Franken, als auch in München. Das Ergebnis war ernüchternd: Auch in der Landeshauptstadt wird er nicht wählen dürfen!

In München darf er NOCH nicht wählen

Die Wählerliste wurde vor seiner Anmeldung aufgestellt, bis 9. Februar wäre eine Eintragung noch möglich gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war der Franke jedoch noch nicht in München gemeldet – sondern erst fünf Tage später…  Die nachträgliche Eintragung in das Wählerverzeichnis ist laut Behördenauskunft nicht möglich.

“Wollen Sie mir sagen, dass ich als Bürger des Freistaates Bayern am 16. März nirgendwo meine Stimme abgeben darf?”, fragte der Neumünchner die zuständige Sachbearbeiterin der Landeshauptstadt am Telefon. Am anderen Ende der Leitung keine Reaktion.

Wahlrecht sollte oberste Priorität in Demokratien genießen

Sicher, es gibt gesetzliche Regelungen und Fristen, die eindeutig sind. Aber es gibt eben auch Bürgerrechte, die essentiell für die demokratische Grundordnung unseres Staates sind, wie eben das Wahlrecht. Und dieses Recht auf Wahl seinen Bürgern zu gewähren sollte in unserem Staat oberste Priorität besitzen! Auch wenn dieses – wie im Fall des jungen Neu-Münchners – mit Mehraufwand für die kommunalen Sachbearbeiter verbunden ist. Ist es wirklich so schwer, einen neuen Namen in das Wahlverzeichnis zu schreiben?

Ironie der Geschichte: Wenige Tage zuvor hatte sich der politisch interessierte junge Mann mit einer Münchner Stadträtin darüber unterhalten, ob er sie überhaupt wählen könne. Er wusste nämlich von einer Zwei-Monats-Frist, die man in München gemeldet sein muss, um hier wählen zu dürfen.

Egal ob in Franken oder in Oberbayern: Hauptsache wählen!

Ob er seine Stimme nun in Franken oder in Oberbayern abgibt, ist dem Neu-Münchner egal. Aber dafür kämpfen, dass er als Bürger unseres Freistaates überhaupt bei der Kommunalwahl mitwählen darf, das wird er. Ein Engagement, das überaus beachtenswert ist – stellt man dem gegenüber die Zahl der Nichtwähler.

Monika Hohlmeier: Podcast über ihren Beitrag zur europäisch-bayerisch-fränkischen Völkerverständigung

19 Mrz

„Man muss Gott für alles danken – auch für Ober-, Unter- und Mittelfranken“ – solche und ähnliche (wohl nicht ganz ernst gemeinte) Sprüche haben die Altbayern für die Franken auf Lager…

Als Wanderin zwischen diesen zwei bayerischen Welten versucht sich seit dem Jahr 2009 die Strauß-Tocher Monika Hohlmeier: Für die Franken sitzt die gebürtige Oberbayerin seit Juni 2009 im Europaparlament. Doch für den Umzug aus der Landeshauptstadt ins oberfränkische Bad Staffelstein ließ sich Hohlmeier nach der Wahl Zeit…

Eine Tatsache, die nicht alle Staffelsteiner gerade glücklich stimmte…

Entstanden ist ein buntes Stimmungsbild, aus dem der CSU-Frau eigentlich unbekannten Wahlkreis, das auch den alten Streit zwischen Altbayern und Franken wieder neu beleuchtet.

Der gebaute Beitrag entstand im August 2009 auf Kloster Banz im Rahmen der sog. Hörfunkadamie, die Teil des journalistischen Förderprogramms (JFS) der Hanns-Seidel-Stiftung ist.