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Vea Kaiser: „Blasmusikpop“ – ungewöhnlicher Erstlingsroman einer 24-jährigen

19 Apr

BlasmusikpopNachdem ich Vea Kaiser bei Markus Lanz gesehen habe und – an dieser Stelle verzichte auf jeglichen Kommentar über das ZDF #ausgruenden.

Ich war beeindruckt von dieser Jungautorin, die Philologie studiert und dennoch ganz modern rüberkam. Vielleicht erinnerte mich das etwas an mich… In jedem Fall verknüpfte sie gekonnt griechische Geschichte und Zeitgeist – kompetent und witzig. So etwas gefällt mir und mir gefallen ungewöhnliche Romane. Von daher lieh ich mir ihr Buch Blasmusikpop sofort in der Stadtbibliothek aus. (Als Schwäbin im Herzen kaufe ich grundsätzlich nur Taschenbücher – da der Erstlingsroman aber erst erschienen ist, gibt es ihn nur als Hardcover.) Noch aus einem weiteren Grund bevorzuge ich Taschenbücher – schließlich nehme ich ein packendes Buch überall mit hin… In die U-Bahn, auf die Couch, in den Zug, in die Küche…

Bei Vea Kaisers Blasmusikpop war ich ehrlich gesagt „froh“, dass ich krank war und ein Wochenende auf der Couch verbringen konnte… eben weil es ein Hardcoverbuch ist, aber so spannend war. Die ersten rund 200 Seiten fraß ich in mich hinein. Ich konnte gar nicht genug bekommen. Für mich stellt es die wunderbare Mischung aus historischem Roman und witziger Geschichte dar. Wie der Untertitel sagt, berichtet Vea Kaiser darüber „(w)ie die Wissenschaft in die Berge kam“:

Ein Fischbandwurm bringt die Wissenschaft in die Berge

Johannes Gerlitzen zieht aus dem kleinen Bergdorf St. Peter am Anger aus, um Medizin studieren (übrigens ohne Matura) – Grund: Sein Fischbandwurm. Die Jungautorin beschreibt so realistisch die Skepsis der „Ureinwohner“ des Alpendorfes gegenüber Bildung. Die Geschichte könnte sich genauso zugetragen haben.

Nach dem Studium in der großen Stadt kehrt Dr. Gerlitzen wieder in seine Heimat zurück. Er will seinem Bergdorf medizinische Versorgung zu Teil werden lassen. Und ab diesem Zeitpunkt nimmt die Geschichte leider immer mehr an Qualität ab, wird unrealistischer und sarkastischer.

Trotzdem wollte ich wissen, wie es dem „Doktor Enkel“ Johannes A. Gerlitzen ergeht. Denn nach dem Tod seines „Doktor Opa“ verliert Johannes seine Bezugsperson. Forschen muss er von nun an allein. Nur durch Zufall kann er auf’s Gymnasium gehen. Seine Eltern und das gesamt Dorf hat kein Verständnis für die „Hochg’schissenen“. Und dann fällt Johannes durch die Matura – jedoch nicht aus Faulheit, sondern aus anderen Gründen (aber an dieser Stelle will ich nicht zu viel verraten, denn trotz kleiner Schwächen ist dieses Erstlingswerk unbedingt lesenswert!).

Jedenfalls „reift“ Johannes die verpatzte „Reifeprüfung“ erst richtig. Er nutzt diese unfreiwillige Pause als Gelegenheit, sein Dorf näher kennenzulernen – zunächst nur durch die Brille des neutralen Forschers. „Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ als Grundmotiv des Romans – die einzelnen Romankapitel werden durch historiographische Betrachtungen im Stil von Herodot eingeleitet. So hat man am Ende des Romans auch die fiktive Geschichtsschreibung eines fiktiven Bergdorfes gelesen – ein originelle Idee!

Ich kann nicht genau sagen, warum mir der erste Teil des 479 Seiten starken Werkes so viel besser gefallen hat. Es liegt wohl u. a. daran, dass ich die Figur des Johannes A. Gerlitzen als zu überzeichnet empfunden habe. Etwas weniger Klischees hätten dem Buch sicher gut getan! Wie gesagt, ich will nicht zu viel verraten, aber am Ende öffnet sich nicht nur der junge Forscher der Welt, sondern durch ihn auch sein Dorf der Moderne.

Fazit: Vea Kaiser ist eine talentierte Jungautorin aus Österreich, die für ihr ungewöhnliches Studienfach glüht – das schlägt sich auch im Roman nieder. Ich werde sicher auch ihren nächsten Roman lesen, der dann vielleicht von Anfang bis Ende von gleichbleibender Qualität ist. In jedem Fall „Chapeau“ für diese junge, ungewöhnliche Frau – Lesebefehl!

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Rundfunkbeitrag: Vom ZDF via Twitter beleidigt zu werden und dafür auch noch zahlen?

4 Apr

Kürzlich erst habe ich eine Diskussion darüber geführt, wie weit Kunst gehen darf.  Die „Kunst“, die Oli Pocher  betreibt, geht für mich zu weit. Seine Scherze gehen auf Kosten von Menschen, die sich nicht wehren können – aktuellstes Beispiel ist Jenny Elvers-Elbertzhagen. Sie ist offensichtlich krank. Muss sich ein Comedian – meiner Meinung nach nicht einmal sonderlich originell – über ihre Schwäche lustig machen?

Ich meine nein! Und ich bin der Meinung, das ZDF sollte solche platte Unterhaltung auch nicht unterstützen  – einem wie Oli Pocher keine Plattform bieten. Deshalb retweetete ich folgenden Tweet von @victor5679, der sich auf den Pocher-Auftritt bei Lanz gestern Abend bezog:

 anstoß

Ich setzte den Zusatz auf Cindy aus Marzahn dazu. Denn seitdem die Trainingsanzug-Trägerin als Co-Moderatorin von „Wetten Dass“ aufgestiegen ist, meide ich diese ZDF-Sendung. Schade, denn mit dieser Samstags-Abend-Sendung bin ich eigentlich groß geworden.

Rundfunkbeiträge für Cindy aus Marzahn und Oli Pocher

Nichts Besonderes – möchte man denken. Da kritisieren zwei Twitterer das Programm des ZDF. Seine Meinung wird man in Deutschland doch noch äußern dürfen! Auch oder gerade über das Zweite Deutsche Fernsehen, das ich durch meinen Rundfunkbeitrag auch noch zwangsweise finanzieren muss.

Das dachte ich auch! Aber dann kam dieser Tweet von @michaelumlandt:

beleidigung

Auchmonkey das wäre noch nicht schlimm gewesen, hat er eben eine andere Auffassung von Qualitätsjournalismus als @victor5679 und ich. Aber dann schaute ich in seine Bio: Er bezeichnet sich darin nach eigenen Angaben als „Social Media Monkey @ZDF“. Und dann fragte ich mich: Muss ich mich vom ZDF für meinen Qualitätsanspruch an das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen beleidigen lassen? Sicher nicht! Und ohne Frage würde ich meine Meinung diesbzgl. noch gegenüber ganz anderen als einem Oli Pocher verteidigen!

@victor5679 schlug @ZDF und @michaelumlandt daher folgendes vor:

vorschlag

Bis heute haben wir keine Antwort von @michaelumlandt oder seinem Arbeitgeber, dem ZDF,  erhalten. Von einer Entschuldigung ganz zu schweigen. Ironie der Geschichte: Michael Umlandt hat sich (wie Richard Gutjahr hier berichtet) mit einem Freund quasi in das ZDF „hineingetwittert“ – erst ohne Auftrag, dafür jetzt mit einem offiziellen Arbeitsvertrag.

Offensichtlich hat das ZDF in letzter Zeit nicht nur eine ganz eigene Auffassung von Qualitätsfernsehen entwickelt, sondern auch von Kommunikationskultur. Denn als rundfunkbeitragzahlendes Mitglied der Gesellschaft fand ich den Tweet von ZDF-Mitarbeiter @michaelumlandt nicht nur unhöflich, sondern völlig daneben. Denn @victor5679 und ich haben die „Kunst“ von Oli Pocher und Cindy aus Marzahn, also von zwei Kunstfiguren, in Frage gestellt. Der Social-Media-Arbeiter hat uns daraufhin auf unangebrachte, persönliche Art beleidigt.

Beleidigungen via Twitter als „Grundversorgung“?

Als Journalistin und Medienwissenschaftlerin weiß ich, dass zum Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk nicht nur Bildung, sondern u. a. auch Unterhaltung gehört. Was „wertvolle“ Unterhaltung ist, darüber lässt sich freilich streiten.

Gestritten wird auch schon seit längerem über das Engagement der Öffentlich-Rechtlichen Sender im Internet – ob dies auch zur sog. Grundversorgung gezählt werden darf oder nicht. Ich meine, dass das ZDF mit einem wie @michaelumlandt beweist, dass unsere Rundfunkbeiträge im www NICHT vergeudet werden dürfen! Denn Zuseher zu beleidigen, das schaffen die privaten Sendern auch ganz ohne Rundfunk“zwangs“beiträge…