Tag Archives: Medienkompetenz

#btw17: Wie frei, geheim und gleich ist meine Stimme in Zeiten von Social Media noch?

21 Sep

 

Ich bin ein großer Freund der geheimen Wahl – schließlich machte die geheime Wahl die Wahl erst frei. In Zeiten von Social Media habe ich den Eindruck, dass dieses hohe Gut der geheimen Wahl nicht hoch genug zu bewerten ist.

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber meine Timeline ist seit Wochen voll von abfotografierten Wahlzetteln oder Selfies mit Wahlbriefen. Und bitte die appellativen Hashtags wie #gehtwählen dabei nicht vergessen!

Obwohl Ich glaube, jeder der nur eine Schulklasse in einem demokratischen Land verbracht hat, weiß um die Wichtigkeit, von seinem WahlRECHT auch Gebrauch zu machen. Für dieses haben unsere Vorväter gekämpft!

Sozialer Druck: Politische Überzeugung im Internet preiszugeben?

Auf Facebook kann man für die Bundestagswahl sein Profilbild für die Bundestagswahl mit einem „Rahmen“ verzieren. „Ich wähle“ ist dabei noch neutral, aber man kann so auch für oder gegen eine Partei Stellung beziehen. (Foto: Bildschirmfoto meiner Facebook-Seite)

Frei, geheim und gleich. Doch manche Stimmen scheinen mir heute wieder gleicher als andere zu sein: Ich persönlich finde es antidemokratisch, den Wahlschein mit dem Kuli des Direktkandidaten nebenan abzufotografieren oder den Wahlschein so abzudecken, dass man das Kreuzchen zwar nicht sieht, aber durch die Stelle der abgedeckten Position genau weiß, wo das Kreuzchen gemacht wurde.

Bitte nicht falsch verstehen: Aus seiner Wahlentscheidung muss man kein Geheimnis machen. Aber könnten sich dadurch nicht junge Wahlkämpfer (die, die gerade die Ochsentour durchmachen) genötigt fühlen, ein solches Bild posten zu müssen? Wäre dann unsere Wahl wirklich noch so geheim bzw. frei? Das ganze steigert sich: Jetzt gibt es schon das passende Parteien-Design für das Profilbild. Ist das nur die Fortsetzung des Wahlkampfes im www?

Wann kommt das erste Selfie aus der Wahlkabine?

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Die Autorin soll wirklich Anne Frank heißen? Irgendwie machte mich die Kombi aus Namen und Inhalt stutzig… (Foto: SC)

Wer sich jedoch nicht gleich einer Partei zuordnen will, der kann sich auch für das Design “AfD – dich wähl ich nicht“ entscheiden. Wir haben schließlich von “ganz oben”, nämlich niemand geringerem als Kanzleramtschef Altmaier gehört, dass es besser sei gar nicht zu wählen als AfD – was irgendwie im krassen Gegensatz zu den ganzen Briefwahl-Selfies steht. Was bitte läuft da derzeit eigentlich falsch mit der freien, gleichen und geheimen Wahl!? Bin ich jetzt schon ein potentieller “Nazi”, wenn ich keine Anti-AfD-Postings teile?

Muss ich es gut finden, wenn Fake-News heute ganz normal auf der Online-Ausgabe einer „normalen“ Zeitung (dem Kölner Abendblatt) veröffentlicht wird? Und erst im letzten Abschnitt des Artikels dieser als „Fake-News“ gekennzeichnet wird. Und nein, es ist eben

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Aber erst am unteren Teil des Artikels wird darauf hingewiesen, dass es sich hier um „Fake-News“ und gleichzeitig Wahlwerbung für „Die Partei“ handelt. (Foto: SC).

nicht die Rede vom Postillon! Aber das wäre einen gesonderten Post wert…

 

 

Ich persönlich warte ja auf ein Selfie aus der Wahlkabine. Hoffentlich würde das wenigstens geahndet! Nicht umsonst wählt man in demokratischen Ländern in einer Kabine und wirft den Wahlzettel in eine undurchsichtige Urne. Transparenz ist für eine Demokratie essentiell, aber beim Wahlakt selbst absolut fehl am Platz – aus gutem Grund. Auch für die Briefwahl sollte man sich das bewusst machen. Der Briefwahlumschlag ist kein Lifestyle-Gadget für Instagram mit hippen Hashtags!

Politik-Seiten auf Facebook abonnieren statt liken

Das Wahlgeheimnis hochhalten kann man auch durch die bewusste Unterscheidung zwischen “Like” und “Abo” einer Facebook-Seite. Aus Interesse habe ich zahlreiche Politiker und Parteien geliket – von Sahra Wagenknecht, Andreas Scheuer bis zur AfD, also wirklich quer durch den Gemüsegarten. Da logischerweise nicht alle Likes meiner politischen Überzeugung entsprechen (können) und diese letzten Endes auch niemanden – und schon gar nicht Facebook etwas angeht, entlike und abonniere ich stattdessen im Moment systematisch Parteien- und Politiker-Seiten. So bekomme ich (so der FB-Algorithmus es zulässt) alle Infos, die ich will, aber ich halte das Wahlgeheimnis hoch. Auch das ist Medienkompetenz.

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Sterben 2.0: Darf ich Bilder „live“ von einer Beerdigung posten?

25 Sep

Da das Sterben bekanntlich zum Leben gehört, hat es auch in das Web 2.0 Einzug gehalten.

Wie sehr Altbischof Eder von seinen Diözesanen geschätzt wurde, zeigten u. a. die Einträge im Kondolzenzbuch, das im Passauer Stephansdom aufgelegt war.

Wie sehr Altbischof Eder von seinen Diözesanen geschätzt wurde, zeigten u. a. die Einträge im Kondolzenzbuch, das im Passauer Stephansdom aufgelegt war.

Ich gehöre nicht unbedingt zu den Personen, die gerade wenig in sozialen Netzwerken posten. Aber ich habe meine Grenzen! Dieser Rubikon wurde bei mir ganz deutlich überschritten, als ich Bilder von der Beerdigung des von mir hoch geschätzten Altbischof von Passau, Franz-Xaver Eder, auf Facebook (FB) entdeckte.

Und dabei meine ich nicht Bilder, die die bischöfliche Pressestelle angefertigt hat und die ich dann über Accounts befreundeter Priester in meiner Timeline entdeckte.

Nein, es geht mir konkret um das Foto einer Passauer Geschäftsfrau (Näheres möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, weil ich niemanden bloß stellen will), die während(!) des Requiems ein Foto von ihrem Sitzplatz aus auf FB postete: Zu sehen ist dabei deutlich der Sarg, wie er vorm Volksaltar aufgestellt war.

Social Media raubt jegliches Gefühl für den Augenblick

Bitte, versteht mich nicht falsch: Es geht mir nicht um das Bild von einem Sarg. Es geht mir vielmehr darum, wie uns soziale Medien jegliche Sakralität, das Gefühl für den Augenblick rauben. Wo bleibt die persönliche Einkehr, das Gebet für den Verstorbenen?

Warum gehe ich auf eine Beerdigung/ ein Requiem? Nur um sehen und gesehen zu werden? Wohl kaum. Aber genau das drückt dieser Post für mich aus.

Wenn ich eine Beerdigung besuche, erweise ich dem Verstorbenen die letzte Ehre. Wenigstens für diese wenige Minuten des Gottesdienstes verzichte ich auf den Gebrauch meines Smartphones. Ich möchte mich einlassen auf die Liturgie und durch Gebet und Gesang an ihr teilhaben. Und selbst wenn ich nicht der jeweiligen Religion angehöre, kann ich die Trauerfeierlichkeit mit positiven Gedanken an den Verstorbenen begleiten.

Wenn ich ein Bild mit meinen „Freunden“ von diesem wichtigen Ereignis teilen möchte, kann ich sicher auch warten, bis ich zu Hause am PC sitze und die Presse ihre Artikel ins Web gestellt hat.

Medienkompetenz bedeutet manchmal nur Menschenverstand gebrauchen

Wie gesagt, ich bin bestimmt kein Kind von bescheidener Selbstdarstellung im Web 2.0. Aber wann ich auf Twitter, Facebook und Co zu schweigen habe, das weiß ich. Das Beispiel zeigt für mich, dass Medienkompetenz auch manchmal nur einen normalen Menschenverstand bedingt. Schon als kleine Kinder lernen wir, wie wir uns bei einer Beerdigung/ im Gotteshaus zu verhalten haben. Auch wenn uns unsere Eltern damals noch nicht das Posten mit Smartphones verboten haben, weil es das eben noch nicht gab!

FAZIT Vor dem Posten einfach einmal Köpfchen einschalten!

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In meiner Blog-Serie „Sterben 2.0“ bisher veröffentlicht:

Wie ich zum „Robin Hood“ der Sparkassen-Kunden wurde

28 Aug

Normalerweise lässt sich ein Blogger ungern in seine Statistik schauen – Aber was ich bei meinem Eintrag „Ein Blogeintrag schlägt große Wellen: „Vorladung“ bei der Sparkasse Passau“ erlebte, übertraf alles bisher dagewesene: Binnen weniger Stunden hatte ich 910 Aufrufe auf meinen Blog. Die Klicks verteilten sich (bis auf wenige „verirrte“  im zweistelligen Bereich) auf die zwei Einträge über die Sparkasse mit dem Titel „Sparkasse Passau: Wer nicht mit der Zeit geht… verliert seine Kunden“ und dem oben genannten. Und die hohen Aufrufzahlen scheinen kein Ende zu nehmen…

Unzufriedene Kunden vernetzt euch!

Zugegeben, irgendwie war ich zunächst sogar ein klein wenig enttäuscht – immerhin gehören die zwei Sparkassen-Blogeinträge nicht unbedingt zu meinen stilistischen Glanzleistungen.. Aber die Botschaft, die für mich dahinter steckt, ist klar: Wenn wir Kunden uns im Web 2.0 vernetzten, können wir vielleicht sogar alteingefahrene Strategien etablierter Groß-Unternehmen aufweichen!

Alles was wir dazu brauchen, ist eine Art „moderner Robin Hood“, der kein Blatt vor den Mund nimmt und die Unzufriedenheit verbalisiert. Die technischen Möglichkeiten sind mit den sozialen Medien gegeben, lasst sie uns daher auch nutzen! Oder wie es ein Kommentar prägnant ausdrückt:

shivaniAugust 28, 2011 um 9:41 am

Jahwoll! Das gefällt mir so sehr am web2.0: die Transparenz. Endlich greifen die platt-Schüsse der alten Werbe-Industrie nicht mehr. Authentizität zählt jetzt! Alles andere wird entlarvt. Die Kunden beschweren sich, wenn das Versprechen nicht eingehalten wird. Die Werte, die mir auch wichtig sind werden endlich lebbar. Und das Beste: Das kommt aus dem Internet (wer hätte das gedacht?) und die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Wer nicht mitmacht (sprich: seine Kunden nicht anständig behandelt), der ist weg vom Fenster. Rucki zucki. schönen Sonntag und weiter so!

Regionales Thema schafft es in die „Blogcharts“

Ich habe mich noch nie gescheut, gerechtfertigte Kritik zu formulieren. Sicher, mit dieser direkten Art eckte ich auch schon des Öfteren an… z. B. kann offensichtlich eine Partei solche Menschen nicht wirklich brauchen. Aber die Klickzahlen auf meinen Blog bestätigen mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Und seien wir einmal ehrlich: Nie im Leben hatte ich erwartet , dass ich mit einem vermeintlich regionalen Thema so viel Aufmerksamkeit erzeugen könnte, schließlich leide ich nicht an Selbstüberschätzung! Alle,s was ich wollte war, meine Erfahrungen mit der ortsansässigen Sparkasse zu schildern. Das Motto meines Bloges lautet schließlich nicht von ungefähr „Über Gott und die Welt“.

Aber, dass ich es damit sogar in die meistgelesenen deutschen Blogs von WordPress schaffen würde – das überstieg restlos meine Vorstellungskraft!

Ich gebe eure Kritik an die Führungsebene der Sparkasse weiter!

Immer mehr Kritikpunkte erreichen mich on – wie offline über die Sparkasse. So dass ich mich mittlerweile – natürlich etwas überspitzt formuliert – wie ein moderner Robin-Hood fühle…

Ich möchte mich auf diesem Weg für alle Kommentare, die mich via Facebook, Twitter, E-Mails, direkt hier auf WordPress oder auch in persönlichen Gesprächen erreicht haben, bedanken: Vielen Dank, dass auch ihr nicht Angst habt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen!

Selbstverständlich werde ich versuchen, Eure Kritikpunkte in dem Gespräch mit Marktdirektor Horst G.und Regionaldirektor Hans Rudolf D. von der Sparkasse Passau anzubringen. Das Gespräch ist für Mitte September geplant.

Fehlende Medienkompetenz ist schuld an der Misere der Sparkasse

Ich denke nicht, dass die Sparkasse Passau auch nur annähernd einschätzen kann, auf welch große Resonanz meine Blogeinträge stoßen. Und ich möchte hier sogar eine Lanze für Horst G. brechen, der kommentierte:

Horst GebetsbergerAugust 26, 2011 um 3:04 pm

Hallo teresaohneh,

komme per E-Mail mit einem alternativen Terminvorschlag für unser Beratungsgespräch zu.
Viele Grüße
Horst Gebetsberger
Sparkasse Passau

Die Sparkasse Passau hat zumindest versucht, auf diese neue Art der Kritik zu reagieren – von daher gab es von mir auch ein kleines „Lob“ dafür:

teresaohnehAugust 26, 2011 um 3:08 pm

Vielen Dank auch für unser Telefonat. Wie man sieht – die Sparkasse scheint lernfähig ;-)

Thomas Gerlach schreibt woran es eigentlich liegt:

Thomas GerlachAugust 26, 2011 um 4:43 pm

Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich sagen: Sehr schön. Ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man mit Social Media NICHT umgeht und wie man NICHT reagiert, wenn sich dort jemand wie Du kritisch über ein bestimmtes Unternehmen äußert. Man kann der Sparkasse nur wünschen, dass in dem Bereich irgendwann (möglichst bald) etwas mehr Kompetenz vom Himmel fällt.

Es fehlt den Verantwortlichen schlicht weg die Kompetenz, mit den neuen Medien umzugehen – aber ich bleibe dabei: Bravo, dass es Herr G. zumindest versucht hat, sich in die Diskussion einzumischen. Freilich, das sehen nicht alle so…

frank (@FLHH)August 26, 2011 um 6:00 pm

Alleine die Tatsache, dass der Herr „Berater“ sich stocksteif in den Kommentaren zu Wort meldet, ist für mich ganz grosses Kino.

Ihr könnt Euch ja selbst durch die Kommentare der zwei Blogeinträge hier klicken. Einen aus meiner privaten Facebook-Seite von „Olli“ möchte ich euch jedoch nicht vorenthalten:

Viel Spaß bei dem Gespräch:-) Wer von der „Wiege bis zur Bare“ an einem Wohnort lebt, für den ist eine KSK okay. Wer aber beruflich mehrmals umzieht, der erlebt sein blaues Wunder! Alle Sparkassen in Deutschland sind rechtlich selbstständig. Darum bekommt man auch in Stuttgart keine Kontoauszüge, falls Dein Girokonto in Bayern läuft. Alles schon live erlebt. Die sind in der Lebensrealität des 21. Jh. noch nicht angekommen… Und dann gibt’s doch tatsächlich so ’ne freche Blondine, die das alles ganz frech bloggt! Sachen gibt’s 🙂
—> Also, wie ihr schon gemerkt habt, die „freche Blondine“ wird euch in der „Causa Sparkasse“ weiterhin auf dem Laufenden halten 😉 Und mal schauen, wie es mit der fehlenden Medienkompetenz der Sparkasse Passau weitergeht – immerhin habe ich mich ja bereits bereit erklärt, die Mitarbeiter zu schulen…
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Alle Posts zur „Causa Sparkasse“ im Überblick:

Archiv des Bistums Passau setzt auf Digitalisierung

8 Feb

„In Amerika ist Familienforschung das Hobby von jedermann, das geht hinauf bis zum Präsidenten“, sagt  Wolfgang Fronhöfer. Der Diplom-Archivar muss es wissen, schließlich erreichen das Archiv des Bistums Passau, für das er als Archivamtsrat arbeitet, jährlich zahlreiche Forschungs-Anfragen aus Übersee.

Besonders begehrt für Familienforscher sind dabei die sog. Matrikelbücher, weil in ihnen die „Kerndaten“ eines Christenlebens erfasst sind. Für die Erstellung von Stammbäumen können aus ihnen Tauf-, Trauungs- und Sterbedaten ermittelt werden.

Familienforschung online

Von zehn ForArchiv des Bistums Passauschern, die in dem kleinen Raum in der Luragogasse 4 am Domplatz in Passau Platz finden, seien bisher acht Familenforscher gewesen. Das wird sich nun wohl ändern: Denn die wertvollen Matrikelbücher können nun bequem von zu Hause am Bildschirm angesehen werden. Und das völlig kostenlos – bisher mussten „offline“ pro Tag immerhin fünf Euro Archivnutzungsgebühr entrichtet werden.

Bis Ende 2011 bzw. spätestens 2012 sollen alle Matrikelbücher des Bistums Passau digitalisiert sein. Im Moment sind auf www.matricola-online.eu schon die Kirchenbücher der Stadt Passau und des Bayerischen Waldes einzusehen . Das eröffnet vor allem den Ahnenforschern, die überall auf dem Globus verteilt sind, neue – bisher ungeahnte Möglichkeiten. Grundsätzlich können Ahnen bis 1890 erforscht werden, dann greifen Datenschutzregelungen.

„Die Digitalisierung ist der beste Schutz für unsere Archivalien“, ist sich Fronhöfer sicher.  Denn mit den Orginalen der Bücher, die im Internet verfügbar sind, kann im Archiv künftig nicht mehr gearbeitet werden.

Bisher mussten Unsummen in die Restaurierung der häufig benutzten Bände gesteckt werden – das kann schon einmal 3000 bis 4000 Euro pro Band betragen. Das Bistumsarchiv hofft, dass mit den Digitaliserungs-Maßnahmen, diese Kosten gesenkt werden können. Wenn die Archivalien erst einmal gescannt sind, sollen sie für immer in den Regalen des Archivs ruhen.

Virtuelles Urkundenarchiv

Interessant ist auch das virtuelle Urkundenarchiv Monasterium. Hier finden sich Urkunden aus den Jahren 1159-1801. An diesem EU-Projekt, das die historische Forschung im Internet-Zeitalter enorm bereichert, waren neben den Diözesanarchiven von St. Pölten und Passau, österreichische Stifte und Klöster, das Oberösterreichische Landesarchiv, sowie die archivische Vereinigung ICARUS beteiligt.

Diözesanarchiv Passau ist Vorreiter

Obwohl das Diözesanarchiv Passau erst im Jahr 1980 eingeweiht wurde, zählt es heute wohl zu den modernsten Archiven Bayerns.

Um etwa Bewohner des Bayerischen Waldes, die nach wie vor nur eine DSL-Internetverbindung haben oder auch ältere Forscher, die nicht über die nötige Medienkompetenz verfügen, nicht zu benachteiligen, sollen im Archiv Bildschirmarbeitsplätze eingerichtet werden. Dies stellt für Fronhöfer jedoch nur eine Übergangslösung da:

Denn Ahnenforschung wird -zumindest im Bistum Passau- künftig online stattfinden. Bleibt nur zur hoffen, dass sich viele weitere Archive dieser vorbildlichen Digitalisierungsarbeit anschließen werden! Schließlich wird die Familienforschung, auch wieder zunehmend in Deutschland populär und löst sich aus dem negativ konnotierten NS-Schatten.

 

Ein aktueller Beitrag zum Thema bei „Treffpunkt Degenhart“ vom 16.02.2010 auf trp1.de.

 

Social Media: Freundschaft 2.0

28 Jan

„Neue Freunde finden auf http://www.lokalisten.de“, so wirbt ein soziales Onlinenetzwerk am Nachmittag auf dem Jugendsender Pro Sieben. Inflationär wird in unserer Zeit der einst, v. a. in der Antike, so wertvolle Begriff der Freundschaft gebraucht. Doch off- wie online nehmen zwischenmenschliche Beziehungen, Freundschaften eine große Rolle im Leben der Menschen ein.

Vernetzt und doch @llein?

Im Internet richten sich heute vor allem die Jugendlichen häuslich ein – soziale Onlinenetzwerke boomen. Facebook, studiVZ und Co werden zu einer Art zweitem zu Hause. Manche User haben online mehrere hundert „Freunde“.  (Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat 130 Freunde.) Gleichzeitig hat jedoch die Facebook-Gruppe „Nur weil wir Facebook-Freunde sind, heißt das nicht, dass ich dich mag“ über 50.000 Mitglieder (Stand: September 2010).

Seit wann mögen sich „Freunde“ nicht mehr?

Noch in Friedrich Schillers „Bürgschaft“ liefert sich der Freund dem antiken tyrannischen König aus – Freundschaft reicht hier über den Tod hinaus. Doch das gilt sicher nicht mehr für Freunde in sozialen Onlinenetzwerken. Nicht von ungefähr titelte auch der „Spiegel“ im März 2009: „Fremde Freunde. Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen.“

Besteht also ein Unterschied zwischen Online- und sog. Real-Life-Freundschaften? Sind also die Online-Netzwerker vernetzt und doch @llein?

Nur wenn die Menschen erkennen, dass Freundschaft nicht nur virtuell gelebt werden kann und darf, können sie für sich auch die Frage klären: Wann ist ein Freund ein Freund?

Erst bei entsprechender Differenzierung zwischen Bekannt- und Freundschaften, können die sozialen Onlinenetzwerke gewinnbringend genutzt werden. Denn Freundschaften zu schließen, insbesondere im Jugendalter, hat eine wichtige sozialisatorische Bedeutung.

Als neue Errungenschaft unserer Zeit sollten Social Communities nicht über- aber auch nicht unterbewertet werden.

Zauberwort „Medienkompetenz“

„Jugendliche müssen heute mehr Informationen verarbeiten und mehr Entscheidungen treffen als jede Generation vor ihnen. Um diese Wahlfreiheit nutzen zu können, benötigen Jugendliche heute vielfältige Kompetenzen (…).“ (Shell-Studie 2010, S. 41) Um die Medieninhalte, insbesondere der Neuen Medien, für sich prüfen und nutzen zu können, ist daher eine sog. Medienkompetenz erforderlich. Denn diese hat sich als vierte Basiskompetenz neben Lesen, Schreiben und Rechnen in der heutigen Mediengesellschaft etabliert.

Der damalige Vorsitzende der DBK, Karl Kardinal Lehmann, bezeichnet daher in einer Ansprache im Jahr 2006 die Medienkompetenz als Lebenskompetenz. Auch für den Erwachsenen impliziere diese Forderung die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, wie es der ständige Wandel der Medienkultur erforderlich mache. Denn auch den digitalen Einwanderern, den Erwachsenen, die sich in den sozialen Onlinenetzwerken aufhalten, muss klar werden, dass wahre Freundschaft offensichtlich nur offline stattfindet.

Insbesondere für Jugendliche stellen Freundschaften ein wichtiges Moment dar, das psychosoziale Moratorium Jugend positiv zu durchlaufen. Hierbei sollten sie in einem Medienunterricht auch dazu angeleitet bzw. ermuntert werden, dass eine face-to-face Kommunikation wesentlich andere Aspekte beinhaltet als eine medienvermittelte.

Eine wichtige Rolle beim Aufbau von Freundschaften spielen nämlich auch Merkmale, wie Geruch, Mimik oder Gestik, die bei der Kommunikation im Internet von vornherein (noch?) gänzlich ausgeschlossen sind. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: „Ich kann dich nicht riechen“. Diese Aspekte spielen also ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle beim Aufbau „echter“, wechselseitiger Freundschaft.

Es gilt also, die Medienkompetenz in schulischer und außerschulischer Medienarbeit zu fördern. Denn wer heute nicht im Web 2.0 präsent ist, existiert quasi nicht. So startete Bayern vorbildlich an 30 Grundschulen zum Schuljahr 2009/10 die Pilotphase zu einem Medienführerschein, der die Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fördern soll.

Angeleitet zum richtigen Gebrauch, erfüllen soziale Onlinenetzwerke viele praktische Funktionen: Über diese können Kontakte aufgebaut, intensiviert oder gehalten werden und das über große Entfernungen hinweg, was insbesondere in unserer globalisierten Welt sinnvoll wäre.

Doch erscheint in Anbetracht der Tatsache, dass bereits Aristoteles Freundschaft relativiert, auch hier eine Relativierung, sprich eine Umbenennung des Begriffs „Freund“ in sozialen Onlinenetzwerken sinnvoll.

„Kontakte“ statt „Freunde“

Das Businessnetzwerk XING macht es vor: In ihm werden die eigenen Netzwerkpartner neutral als „Kontakte“ bezeichnet. Denn Nutzfreundschaften, wie Aristoteles sie beschreibt, werden heute etwa im studiVZ gepflegt. So negativ bewertet, wie von dem Griechen einst, werden diese nützlichen Verbindungen heute schon lange nicht mehr. Vielmehr erscheint es sinnvoll, sich zusammenzuschließen, um sich z. B. über gemeinsame Lehrveranstaltungen an der Uni auszutauschen. Und bereits Cicero gestand den Menschen zu, dass Freundschaften nicht ein Leben langhalten müssen, weil sich die Grundsätze ändern können. Das alles trifft also z. B. auf die „Freunde“ in studiVZ, etwa nach Ende des Studiums, zu. Aber warum werden dann darin die Netzwerkpartner als „Freunde“ bezeichnet?

In Anbetracht der Bachelorarbeit der Autorin erscheint eine Umbenennung in die neutralere Bezeichnung wie z. B. „Kommilitonen“ sinnvoll. 67,1% der Teilnehmer haben sich in der Umfrage im Rahmen der Bachelorarbeit für eine Umbenennung ausgesprochen. Aber wie wäre dies zu erreichen?

Ähnlich wie bei der Änderung der Datenschutzbestimmungen könnten sie sich in Gruppen zusammenschließen und so die Betreiber dazu bringen, diese Umbenennung vorzunehmen. Doch diese Initiative hätte wohl nur wenig Aussicht auf Erfolg, müssten hierfür wohl erst Millionen User mobilisiert werden, bis die Betreiber überhaupt davon Kenntnis nähmen.

Trennung zwichen beruflichorientierten und privaten Netzwerken

Eine andere Möglichkeit wäre, persönlich stärker als jetzt zwischen beruflichorientierten und privaten Netzwerken zu trennen. Denn sind etwa in Xing „weakties“ für die Erhöhung des briding social capitals erforderlich, dass „strukturelle[…] Löcher“ (Ebersbach, Anja/ Glaser, Markus/ Heigl, Richard (2008): Social Web. Konstanz., S. 82) überbrückt werden können, sollte die Intensität der Kontakte, das bonding social capital, privat und somit auf Facebook eine wichtigere Rolle spielen. Jedoch wird dies in der Praxis kaum umzusetzen sein, da nicht jeder in allen Netzwerken angemeldet ist und man keinen Kontakt verlieren möchte, da jeder potentielle Ressourcen bereithält.

Was bleibt, ist also die Erziehung der Digital Natives, aber auch der Digital Immigrants zum eigenverantwortlichen Umgang – allen muss klar gemacht werden:

Nicht jeder, den wir im Internet als Freund bezeichnen, ist ein wahrer Freund – denn sonst bleiben wir vernetzt und doch @llein!