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Warum eigentlich ich „Kohls Mädchen“ bin

29 Jun
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Einblick in das Fotoalbum: Denn der Auftritt Helmut Kohls am 7. November 1982 in der Passauer Nibelungenhalle hat eine besondere Bedeutung für unsere Familie. Das Foto hat mein Papa gemacht. Wer den Herren links neben dem Bundeskanzler erkennt, darf gerne sein Wissen als Kommentar mit uns teilen!

Die Position von „Kohls Mädchen“ ist wohl in den letzten Lebensjahren von Angela Merkel auf seine Ehefrau Maike übergegangen. Doch warum eigentlich ich „Kohls Mädchen“ bin, das will ich euch heute, anlässlich seines Todes, berichten:

Bayern ist bekanntlich schwarz. Tiefschwarz. Doch dass Unions-Regenten direkt für Ehen und Kinder verantwortlich sind, das ist wohl auch in Bayern eher selten. Meine Eltern lernten sich jedoch bei einer Veranstaltung von Helmut Kohl in der Nibelungenhalle in Passau kennen. Dienstlich waren sie dort, beide waren sie bei der bayerischen Polizei. Mein Papa tat jedoch 1982 in Franken Dienst, sozusagen am anderen Ende des Freistaats und hätte wohl ohne den Auftritt des späteren Kanzlers der Einheit, meine Mutter im schönen Niederbayern nicht so schnell oder eher gar nicht kennengelernt. (Auch die Passauer Neue Presse erinnert hier an diesen historischen Auftritt – denn in Passau hielt Kohl eine seiner ersten Reden als Kanzler! Erst am 1. Oktober war er durch das konstruktive Misstrauensvotum an die Macht gekommen.)

Vielleicht war es für mich daher so undenkbar, dass Deutschland einen Kanzler haben könnte, der NICHT Helmut Kohl heißt. Am verlorenen Wahlabend des Jahres 1998 war ich entsprechend niedergeschlagen. Ja, ich interessierte mich schon sehr früh für Politik! Er reihte sich ein in die Liste „der ewigen Regenten“ meiner Jugend – Papst Johannes Paul II., Ministerpräsident Stoiber – von denen heute nur noch Königin Elizabeth übrig ist. An dieser Stelle: Long live our nobel Queen!

Kohl hätte meine Pate werden sollen

Leider hat Helmut Kohl nie davon erfahren, dass er so unmittelbar mit meiner Geburt zu tun hatte. Meine Mama hat sich zwar überlegt, an sein Büro zu schreiben und ihn um eine (Ehren)Patenschaft für mich zu bitten. Gemacht hat sie es jedoch leider nicht.

Die Familie Kohl habe ich aber auch nach der Kanzlerschaft, aus diesem persönlichen Interesse heraus, nie aus den Augen verloren. In studiVZ trat ich in die Gruppe ein: „Ehrenvorsitz für Dr. Helmut Kohl“ – die Gruppen dort beschrieben einen ja besser als das eigentliche Profil, auf dem ich als Heimatland „Europa“ angab. Ganz Kohlianer irgendwie.

Für diesen Blogpost habe ich mich extra in studiVZ eingeloggt und musste feststellen, dass die Helmut-Kohl-Gruppe inzwischen gelöscht ist. Ob ich schon vor der Löschung aus ihr austrat, weiß ich nicht.

Es dürfte wohl ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als ich endgültig von studiVZ zu Facebook wechselte, dass ich Walter Kohls Buch „Leben oder gelebt werden“* nicht las, sondern vom Sohn selbst vorgelesen, als Hörbuch* hörte. Und irgendwie verabschiedet sich damit von mir ein Stück Erinnerung an eine heile Kindheit:

So gern hatte ich das Ehepaar Kohl am Wolfgangsee zusammen urlauben sehen. War das alles nur eine Inszenierung, wenn er entspannt (mit Strickjacke natürlich) seine Hannelore über den See ruderte und beide dabei in die Kameras lachten? Und jetzt soll er nicht einmal im Familiengrab beigesetzt werden? Das bleibt also am Ende von der Ehe eines so großen Christdemokraten!

Als Historikerin werde ich mit Argusaugen beobachten, was mit den Akten geschieht, die Kohl der Adenauer-Stiftung zunächst schon übereignet, dann jedoch wieder zurückgefordert hat. Sofern er dazu selbst überhaupt noch in der Lage war.

Wenn ich Fotos der neuen Frau Kohl mit dem Kanzler sehe, meine ich, dort Liebe zu erkennen. Aber wen geht das schon etwas an! Für mich jedoch wird Hannelore auf ewig „Frau Kohl“ bleiben. Ich weiß nicht, ob Dr. Maike Kohl-Richter ärgert, dass sie in die Geschichte wohl eben nicht als Frau vom Kohl eingehen wird und deshalb die alleinige Deutungshoheit über Kohls Lebenswerk für sich beansprucht?

Plant Diekmann ein Buch mit Kohl-Witwe?

Ich jedenfalls warte schon gespannt auf das Buch, das sie vielleicht mit Kai Diekmann schreiben wird. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur eine Vermutung von mir. Wie es der Zufall will, habe ich Diekmann, just fast genau ein Jahr vor dem Tod des Altkanzlers, interviewt. Damals war er noch Bild-Chefredakteur und stritt mir ab, dass Kohl in Oggersheim lebt (hier nachzulesen und -sehen).

Natürlich lebte er in diesem Stadtteil Ludwigshafens, natürlich war mir klar, dass Kohl für seine provinziale Herkunft immer belächelt wurde. Kai Diekmann konnte natürlich auch nicht wissen, dass er mit „Kohls echtem Mädchen“ sprach 😉

Ich gebe zu, ich hätte Helmut Kohl gerne einmal „live“ gesehen. Als ich mit dem Zug durch Ludwigshafen fuhr, reckte ich meinen Kopf zu beiden Seiten des Waggons hinaus. Wahrscheinlich saß er zu diesem Zeitpunkt jedoch im Garten seines Bungalows – mit Strickjacke. Ich selbst liebe auch Strickjacken, einen Pfälzer Saumagen habe ich jedoch noch nicht gegessen. Macht nichts, denn jetzt wurde im Zuge der Berichterstattung über seinen Tod enthüllt, dass es gar nicht Kohls Lieblingsgericht gewesen sein soll.

Vielleicht ist es besser so, dass ich nie Kohls Patenkind geworden bin. Wer weiß, vielleicht forsche ich eines Tags über ihn. Möge er jetzt erstmal in Frieden seine ewige Ruhe finden dürfen! Ich danke Helmut Kohl für eine ganz besondere Einheit: Die Ehe meiner Eltern, die mich für immer zu „Kohls Mädchen“ gemacht hat!

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Heimatliebe Blogparade: Passau – Tagesausflug ins bayerische Venedig mit viel Kaffee

18 Apr
Teresas Liebling, der kleine Jack-Russell-Mix Mali, auf Mariahilf über den Dächern Passaus. Von dort hat meinen hervorragend Blick über die Altstadtzunge mit Dom inklusive Oberhaus (Foto-Winderl)

Teresas Liebling, der kleine Jack-Russell-Mix Mali, auf Mariahilf über den Dächern Passaus. Von dort hat meinen hervorragend Blick über die Altstadtzunge mit Dom inklusive Oberhaus (Foto-Winderl)

Nun wohne ich schon seit einigen Jahren in München. Aber wenn mich jemand fragt, woher ich komme, dann antworte ich ganz klar mit PASSAU. Denn Passau, dort wo Donau, Inn und (eigentlich die Ilz nicht exakt am selben Punkt) an der Ortsspitze zusammenfließen, da bin i dahoam! Heimatliebe pur also, deswegen beteilige ich mich gern an der Blogparade des Blogs “Teilzeitreisender”.

Meine Heimatstadt Passau hat mehr als Hochwasser(tourismus) zu bieten. Hier wurde der Wasserstand im letzten großen Hochwasser künstlerisch markiert. (Foto: Winderl)

Meine Heimatstadt Passau hat mehr als Hochwasser(tourismus) zu bieten. Hier wurde der Wasserstand im letzten großen Hochwasser künstlerisch markiert. (Foto: Winderl)

Passau, die niederbayerische Dreiflüssestadt, das „bayerische Venedig“ “im Herzen Europas” – am A* der Welt, wie ich gerne mit einem Augenzwinkern hinzufüge. Nicht weit haben wir es nach Wien (280km) und Prag (200km). Doch in die Landeshauptstadt haben wir noch immer keine direkte Autobahn (die A94 wird schon seit mehr als 30 Jahren gebaut, wir müssen ein kleines Dreieck über die A92 bei Deggendorf ausfahren) und auch auf der Schiene heißt es für uns Bummelzug fahren. Vielleicht kam mir in eben diesem Donau-Isar-„Express” auch die Idee, zusammen mit einem Kumpel, die ISARSPARER zu gründen. Denn am günstigsten kommt man mit dem Bayern-Ticket in meine Heimat, auch wenn die Zugfahrt etwas länger dauert. Doch das macht uns Passauern nichts! Denn der Niederbayer bleibt ohnehin am liebsten daheim, denn da ist es schließlich auch am schönsten! Der Bayerische Wald ist von uns auch nicht weit entfernt und dort gibt es das Sprücherl: „Du bekommst zwar einen Waidler aus dem Wald, aber nie den Wald aus dem Waidler.“ Und da ist was Wahres dran!

Nein, „Waidler“ sind wir noch nicht

Aber wir in Passau sind noch keine „Waidler“, da legen wir großen Wert drauf 😉 Aber eben heimatverbunden und gern dahoam. Unser Dialekt ist Niederbayerisch mit einem Hang zum Österreichischen. (Oberhalb des Weißwurst-Äquators wurde ich auch schon gefragt, ob Passau nicht in Österreich liege. Sieht man auch recht schön auf der Heimatliebe-Blogger-Landkarte unten..) Nein, das tut es (noch) nicht… Aber wir leben das Beste aus zwei „Welten“: Zum Tanken fahren wir zum Beispiel gern nach Österreich, weil es dort (noch immer) günstiger ist. Und Lebensmittel kaufen wir dort auch gerne ein, auch wenn es, wegen der höheren Mehrwertsteuer, etwas teurer ist, weil die Milch von noch glücklicheren Kühen einfach noch ein bisschen besser schmeckt.

Der Stephansdom gehört zum Pflichtprogramm

Von der Donau aus sieht die Altstadt von Passau etwas wie eine Insel ist. Das bayerische Venedig eben! (Foto: Winderl)

Von der Donau aus sieht die Altstadt von Passau etwas wie eine Insel ist. Das bayerische Venedig eben! (Foto: Winderl)

Und wir haben hier in Passau auch richtig tolle Kaffeehäuser ähnlich wie in Wien. Ja, vielleicht fangen wir meine kleine Tour durch meine Heimatstadt so an: Wer die Dreiflüssestadt besucht, sollte schon unseren Dom besichtigt haben – mit der größten (Kirchen)orgel der Welt. Diese Einschränkung braucht es, weil irgend ein Ami eine noch größer Orgel gebaut hat. Ich selbst war viele Jahre Dom-Ministrantin und es war immer ein Erlebnis, wenn zum Beispiel das Osterhalleluja ertönt ist und der hauptberufliche Organist an seinem Instrument nahezu alle Pfeifen ausgespielt hat. Aber obwohl wir in Passau sehr katholisch sind (im Übrigen das katholikenstärkste Bistum Deutschlands), findet auch bei uns nicht rund um die Uhr ein Gottesdienst im Stephansdom statt. Die Alternative dazu lautet: Besuche ein Orgelkonzert, das nur ein paar Euro Eintritt kostet. Die Orgel wird da so richtig ausgespielt – im Galopp durch die Jahrhunderte der Orgelmusik quasi. Seit Kurzem haben wir für unseren Stephansdom sogar einen Bischof namens Stefan! Und gleich neben dem Dom gibt es das Café Stephan’s Dom, dessen Name jedoch keine Besitzanzeige des Bischofs darstellt, jedoch sehr zu empfehlen ist. So ein tolles Café sieht man wirklich selten – es ist im „neo-barocken“ Stil eingerichtet, nur die Öffnungszeiten (bis 18 Uhr) sind etwas „provinziell“ – oder auf die Tagestouristen abgestimmt. Ganz wie man es sehen will… Allein es wird einem dort kein Touri-Fraas vorgesetzt, die Kuchen sind aus der Hand Passaus’ bekanntesten Konditors! Am segnenden König Max vorbei (es ist eine Segenshand und nichts anderes – wie uns das Filme schon weis machen wollten), gelangt man rechts in die Luragogasse mit dem Café Anton.

Kaffeehauskultur fast schon wie in Wien

Lurago, Carlone… Die kleinen pittoresken Gässchen tragen übrigens gerne Namen italienischer Baumeister des Domes. Denn nach dem Stadtbrand von 1662 haben in Passau vor allem Italiener gewirkt, unter anderem ist deshalb wohl vom „bayerischen Venedig“ die Rede. Gut, zu Hochwasserzeiten haben wir ja auch Venedig-Feeling pur – da werden Staatsexamenskandidaten in der Universitätsstadt schon mal am Prüfungstag per Boot von zu Hause abgeholt. Und weil die Altstadt von der Donau aus betrachtet wie eine Insel und somit wie Venedig aussieht. Aber dazu später. Noch einige Worte zu meinem Lieblingskaffeehaus, dem Café Anton: Nirgendwo gibt es besseren Kaffee. Hier fühl ich mich als Wien-Liebhaberin pudelwohl! Es gibt dort zum Beispiel Sacher-Würstel mit Kren. Alles schon eben etwas österreichisch in der Grenzstadt!

Dreiflüsserundfahrt ein Muss

So gestärkt, kann man sich dann auf eine Schifferl-Fahrt begeben. Die Anlegestellen gegenüber dem Rathaus sind vom Domplatz aus in wenigen Gehminuten zu erreichen. Zumindest eine „kleine“ Dreiflüsserundfahrt ist eigentlich Pflicht und kostet, wer Großstadt-Preise gewohnt ist, nur ein paar Euro. Wer etwas längere Zeit auf der Donau verbringen will – nachdem Inn und Ilz in die Donau gemündet sind, heißt der Fluss nur mehr Donau – kann sich eine Fahrt auf dem Swarovski-Kristallschiff gönnen. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie es da funkelt, wenn die Sonne auf die einzelnen Kristalle trifft. Unbeschreiblich schön und entspannend ist die Fahrt nach Österreich! Und Getränke, Eis oder Essen an Bord sind überraschend günstig für eine solche Touristen-Attraktion. (Ja, da kommt wieder ganz die ISARSPARERIN durch 😉 )

Neue Mitte thront über der Altstadt

Unsere alte Fußgängerzone, die mit den romantischen Gässchen wirklich schön war, hat man vor einigen Jahren für ein überdachtes Einkaufszentrum abgeschafft. Die Stadtgalerie thront nun in der so genannten Neuen Mitte. Dort wo einst Franz Josef Strauß am Politischen Aschermittwoch in der Nibelungenhalle sprach – viele pilgern wegen der CSU-Veranstaltung noch heute jährlich nach Passau – steht jetzt der Stadtturm. In diesem gibt es ein weiteres tolles Café, das Café Diwan in dem die besten Plätze mit dem schönsten Blick über Passau natürlich besonders schnell weg sind. Auch hier schmeckt der Kuchen recht gut, weil es derselbe Pächter wie im Café Stephansdom ist und Greindl heißt. Der neu gebaute Stadtturm ragt über die mittelalterliche Altstadt und ist auch von den zwei beliebten Aussichtspunkten Oberhaus und Mariahilf auszumachen. Ich würde empfehlen, unbedingt einen der beiden “Berge” zu „besteigen“ – nicht nur der Ausblick entschädigt einen für die Strapazen. Auf Mariahilf ist es zudem die Muttergottes in der gleichnamigen Wallfahrtkirche. An Stelle der Straße kann man alternativ auch die Wallfahrtsstiege für den Aufstieg nutzen.

Eterna: Premiumhemden aus Passau

Ausblick aus dem Café Diwan im Stadtturm der sog. Neuen Mitte. Die besten Plätze mit dem schönsten Ausblick sind dort schnell weg. (Foto: Winderl)

Ausblick aus dem Café Diwan im Stadtturm der sog. Neuen Mitte. Die besten Plätze mit dem schönsten Ausblick sind dort schnell weg. (Foto: Winderl)

Und auf Oberhaus gibt es ein weiteres Café für die Verschnaufpause nach der Wanderung. Der Blick über die Stadt ist atemberaubend, allein mir schmeckt es dort nicht so gut wie in meinen “Stammkaffeehäusern”. Aber das ist natürlich reine Geschmackssache! Als überzeugte ISARSPARERIN muss ich euch natürlich noch unbedingt verraten, wo man in Passau sparen kann – der Tagesausflug soll sich schließlich auch auszahlen 😉 In Passau hat die Bekleidungsfirma eterna ihren Hauptsitz. So gibt es dort in der Sperrwies ein Outlet. Wer aus beruflichen Gründen oft Hemden tragen muss, der kann sich in Passau für den Rest des Geschäftsjahres richtig eindecken. Ich persönlich liebe jedoch mehr das Factory-Outlet der Schuhmarke Högl im benachbarten Oberösterreich, weil mir die Blusen von eterna leider nicht so optimal passen. Aber das alles und noch viel mehr könnt ihr ja direkt auf ISARSPARER nachlesen. Ich hoffe, ich konnte euer Interesse für meine Heimatstadt Passau wecken, das mehr als Hochwasser-Tourismus zu bieten hat. Von den kulturellen Veranstaltungen habe ich zum Beispiel gar nichts erzählt, aber unsere Festspiele Europäische Wochen und das Museum Moderner Kunst beispielsweise müssen sich auch nicht hinter den Metropoleregionen  verstecken. Ganz im Gegenteil! Passau ist vielleicht klein, aber fein – ein echtes Donaujuwel, unser bayerisches Venedig. Ich bin hier gerne dahoam und die Nähe zu unseren europäischen Nachbarn hat mich geprägt: In Bayern geboren, in Europa zu Hause – das bin ich als Passauerin!

59. Politischer Aschermittwoch: Karten für den größten Stammtisch der Welt

21 Feb

Eine Ordnerin heißt die Gäste des Politischen Aschermittwochs der CSU 2010 in Niederbayern willkommen.

Bald ist es also wieder soweit: Alt und Jung zieht es dann nach Passau zu dem Original, dem Politischen Aschermittwoch der CSU.

Zur Dreiflüssestadt gehört dieses Polit-Spektakel mittlerweile wie der Dom in ihre Altstadt – doch seinen Ursprung hat der Politische Aschermittwoch rund 20km donauaufwärts: In Vilshofen an der Donau diskutierten erstmals im 16. Jahrhundert Bauern am Aschermittwoch am Viehmarkt über Politik.

Wolferstetterkeller in Vilshofen wurde zu klein

Einige Jahrhunderte später – immer noch in Vilshofen – wird 1975 der CSU der dortige Wolferstetterkeller schließlich zu klein. Die CSU zieht in die Nibelungenhalle nach Passau. Heute trifft sich die SPD in diesem traditionellen Veranstaltungsort, dem Wolferstetterkeller.

Die Bühne für das Polit-Spektakel in der Dreiländerhalle ist modern gestaltet.

Allein diese historische Entwicklung ist natürlich den Christsozialen jedes Jahr ein Seitenhieb auf die Sozialdemokraten wert: „Den SPDlern reicht der Wolferstetterkeller und wir liebe Parteifreunde, wir brauchen hier in Passau eine ganze Halle, die Dreiländerhalle!“ Denn seit 2004 findet die Aschermittwochskundgebung der CSU „oben“ in Kohlbruck statt, da die Nibelungenhalle abgerissen wurde.

Auch wenn die CSUler mittlerweile zwei Mal umgezogen sind, der Charakter der Veranstaltung ist und bleibt über die fast sechs Jahrzehnte derselbe: In bierseliger Stimmung jubeln die eingefleischten Aschermittwochfans ihrem Parteivorsitzendem zu. Über diesem größten Stammtisch der Welt liegt der Duft von Fisch- und Käsesemmeln – denn glatt könnte das auch ein Christsozialer bei diesem Spektakel vergessen… Aber am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Fleisch und Wurst sind an diesem Tag tabu, das Starkbier stärkt traditionell in Anbetracht solcher „Entbehrungen“.

Eingefleischte „Passau-Fahrer“ aus ganz Deutschland

Und Stärkung braucht an diesem Tag nicht nur der Stammtischredner. Da es keine Platzkarten gibt, bekommt der den besten Platz, der in der Warteschlange vor der Halle ganz vorne steht. Manch einer hat vor der Warteschlange schon eine lange Anreise hinter sich. Traditionell begrüßt werden beim Politischen Aschermittwoch der CSU z. B. die „Passau-Fahrer“ aus Peine.

Das Ehepaar Spreng bejubelt jedes Jahr ihren (Partei)freund Seehofer in Passau.

Kommen, um ihrem Parteichef und nach eigenen Angaben auch persönlichen Freund Seehofer zu bejubeln, werden dieses Jahr auch wieder Stilla und Andreas Spreng aus Eichstätt.

Die beiden sind nicht nur Aschermittwochs-, sondern auch schon richtige Medienprofis. Denn sobald die Eheleute Spreng einen Journalisten entdecken, recken sie ihre Schilder (die eigentlich aus Sicherheitsgründen vor der Halle bleiben müssten) in die Kamera.

Kostenlos Karten online reservieren

So kommt irgendwie ein jeder beim Politischen Aschermittwoch auf seine Kosten.

Wer dieses Spektakel  am 9. März 2011 live in der Dreiländerhalle in Passau erleben möchte, kann sich Karten bei der örtlichen CSU-Bundeswahlkreisgeschäftsstelle reservieren. Für z. B. Passauer wäre das also hier möglich. Direkt online auf CSU.de sollten nur diejenigen Karten bestellen, die außerhalb von Bayern leben.

Die Karten sind übrigens kostenlos.

Die Sprengs und ihre Plakate auf Teresa ohne h’s Blog im Überblick: