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#2popesaints: Was Papst Franziskus mit dem hl. Johannes XXIII. gemein hat

28 Apr

Wenn ich auch wieder „geschimpft“ werde, dass ich zu einem Thema blogge, über das ohnehin in den Medien rauf und runter berichtet wird 😉 Mir ist dieser Blog-Beitrag persönlich wichtig, weil die Heiligsprechung dieser zwei Päpste am Weißen Sonntag 2014 für den Kenner noch viel mehr (versteckte) Zeichen enthält als die populäre Berichterstattung:

Screenshot vatican.va zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Screenshot vatican.va zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Gleich zu Beginn seines Pontifikats hat Papst Franziskus auf sein Vorbild, Johannes XXIII., referiert, in dem er während seines ersten öffentlichen Auftritts nur davon sprach, „Bischof von Rom“ zu sein – nicht Papst (darüber habe hier gebloggt).

Papst als Bischof unter Bischöfen

Als Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil feierlich eröffnete, trug er als Zeichen seiner kollegialen Verbundenheit mit den 2540 stimmberechtigten Konzilsvätern statt der Tiara, der Papstkrone, die Bischofsmitra. Als Bischof unter Bischöfen wollte das Kirchenoberhaupt an „seinem“ Konzil teilnehmen. Gewöhnlich sprach der Roncalli-Papst und Bischof von Rom von „wir Bischöfe“.

Auch die demütige Haltung mit der Papst Franziskus das Papst-Amt ausübt – immer wieder bittet er die Gläubigen, für ihn zu beten – erinnert an den nun hl. Johannes XXIII.: Er schrieb in seiner Antrittsenzyklika „Ad Petri cathedram“: „Wir kennen die Geringheit Unserer Person, die Gott … zur Würde des Papsttums erhoben hat. Deshalb wiederholen Wir diese Worte (des ägyptischen Joseph) an alle Unsere vom Stuhl Petri getrennten Brüder und Söhne: Ich bin Joseph euer Bruder.“

Sein Pontifikat war wie der von Franziskus, mehr pastoral als dogmatisch geprägt. So besuchte er Gefängnisse und Krankenhäuser – auch das erinnert an Franziskus, der immer ein besonders Augenmerk für die Ärmsten der Armen hat.

Kirche muss durch beide Lungenflügel atmen

Papst Franziskus ist immer wieder um die Einheit der Kirche von Ost und West bemüht – deswegen wird z. B. als sichtbares Zeichen das Evangelium zusätzlich auf griechisch verkündet. Damit greift er das Anliegen von dem ebenfalls heilig gesprochenen Johannes Paul II. auf – die Kirche könne nur existieren, wenn sie mit beiden Lungenflügeln atme – nämlich mit Ost und West. Durch die Gemeinschaft mit anderen Glaubensgemeinschaften und der Anwesenheit von z. B. Juden und Muslimen bei Feierlichkeiten im Vatikan, knüpft er direkt an die Friedensbemühungen seines Vorbildes, Johannes XXIII., an.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wandte sich Johannes XXIII. mit seiner Friedens-Enzyklika „Pacem in terris“ vom 11. April 1963 „an alle Menschen guten Willens“ (Original: universis bonae voluntatis hominibus) und nicht nur an die Katholiken.

Mit der Heiligsprechung von Johannes Paul II. gemeinsam mit Johannes XXIII. vereint Papst Franziskus aber auch zwei (Lungen)Flügel innerhalb der römischen Kirche: Den der Konservativen mit dem liberalen.

Kirche wäre ohne Konzil eine andere

Johannes XXIII. war vielen Konservativen ein Dorn im Auge: Schließlich war er in ihren Augen „Schuld“ am Konzil. Im Zuge der Heiligsprechung sollten wir uns vor Augen führen, wie die Kirche ohne Johannes XXIII. und somit vielleicht ohne das 2. Vatikanisches Konzil heute aussehen könnte: Würden wir noch immer den Gottesdienst auf lateinisch und nicht in unserer Muttersprache hören? Der Priester dem Volk dem Rücken zugewandt, die Messe am Hochaltar zelebrieren? Das sind nur einige, aber doch sehr essentielle Änderungen, die das Zweite Vatikanum mit sich brachte – viele andere Beschlüsse sind bis heute nicht umgesetzt. Aber Papst Franziskus ist auf dem besten Weg, das von Johannes XXIII. angestoßene „Aggiornamento“ zu vollenden bzw. neue Impulse zu geben. (Es ging ihm dabei um das „Heutig-werden“ der Kirche, nicht die billige Anpassung an den Zeitgeist!)

Zwei echte „Übergangspäpste“

Das hätte man Angelo Roncalli, der bereits 77-jährig zum Kirchenoberhaupt gewählt worden war, nicht zugetraut: Er galt -schon angesichts seines Alters- als sog. Übergangspapst. Dass er zu einem Übergangspapst werden sollte, aber in einem ganz anderen Sinne, wie es die Kardinäle wohl gerne gesehen hätten, beeindruckt mich bis heute: Mit ihm öffnete sich die Kirche wieder der Welt. Das zeigte sich u. a. bildlich darin, dass er als erster Papst seit dem Verlust des Kirchenstaates im Jahr 1870, Rom verließ.

Deswegen wurde er als „Papst des Modernismus“ beschimpft und seine Kritiker haben z. B. durch homosexuelle Vorwürfe versucht, die Kanonisation des „il Papa buno“ zu verhindern. Egal wie man heute zum Kanonisationsverfahren steht:

Zeichen der Hoffnung

Papst Franziskus hat sich darüber hinweggesetzt: Für sein Vorbild reichte ein Wunder zur Heiligsprechung aus – und damit hat er ein Zeichen gesetzt! Ich glaube, auch Papst Franziskus ist ein Übergangspapst im Format eines hl. Johannes XXIII.

Vielen Dank, hl. Vater, für dieses Zeichen, das Hoffnung macht, dass die Kirche auf dem richtigen Weg ist!

Papstwahl 2013: Habemus… Brüderlichkeit

13 Mrz

Ich dachte, kein“ Habemus Papam“ könnte mich jemals mehr so bewegen als das von 2005. Aber 2013 war es ähnlich und doch ganz anders:
Zuerst dachte ich, der ist ja schon wieder 76 und auch noch Jesuit… Sonderlich reformfreudig wird er nicht sein. „Immerhin“ ist er aus Südamerika.
Und dann trat der erste nicht-europäische Papst hinaus auf den Balkon – endlich! Fast wirkte er fremd und verloren dort, aber dann: „Buona sera!“ Ein freundliches Lächeln dazu, so menschlich. Auch war dieser erste Auftritt für mich voller Botschaften und ich hoffe, ich interpretiere nicht über, sondern es tritt so oder so ähnlich auch ein:

1. Sein Papstname trägt die Nominalzahl 1, d. h. er möchte nicht das Programm einer seiner Vorgänger fortführen, sondern gänzlich neue Akzente setzen. Und das muss er auch: Den Vatikan reformieren, sozusagen „mit straffer Hand zurück zu den Wurzeln“. Und dennoch die eigentliche Botschaft, das Evangelium, nicht aus den Augen verlieren. Das Kommunikationsmittel hierfür: Das Gebet. Demütig betet er für den Papa emeritus und lässt auch für sich beten.

2. Der Papstname enthält von sich aus eine Botschaft. Der hl. Franziskus, der Freund der Armen und Tiere… Vielleicht veräußert Franziskus I. Kunstwerke, die im Vatikan einfach nur „herumhängen“ und schenkt den Erlös den Armen. In jedem Fall wird er die Brüderlichkeit der Menschen untereinander fördern wollen und Demut üben.

3. Franziskus I. hat bei seinem Auftritt „nur“ davon gesprochen, Bischof von Rom zu sein. Nicht explizit betont, Papst zu sein (es sei denn, ich habe etwas überhört…) Mich hat das an Johannes XXIII. erinnert, der „Bischof unter Bischöfen“ sein wollte. Er berief das Zweite Vatikanum ein – ein großartiges Zeichen, die Roncalli-Geste im Konzils-Jubiläumsjahr aufzugreifen! Dringender als alles andere brauchen wir echte Kommunikation in der Kirche – ein „wir“ und eben echte Brüderlichkeit!

Naturereignis oder Zeichen Gottes? Gewitter im Vatikan

15 Feb
Am Tag des Papst-Rücktritts schlägt im Petersdom ein Blitz ein. Zeichen Gottes oder Naturereignis? (Quelle: Screenshot - Focus online)

Am Tag des Papst-Rücktritts schlägt im Petersdom ein Blitz ein. Zeichen Gottes oder Naturereignis? (Quelle: Screenshot – Focus online)

Das Kirchenrecht, die Kirchengeschichte erhält in diesen Tagen eine Renaissance, dass es fast schon unheimlich ist. Zufällig waren das während meines Theologie-Studiums genau meine Lieblingsdisziplinen u. a., weil ich sie für besonders lebenspraktisch und nützlich erachtet habe. Von meinen Kommilitonen im „profanen“ Studiengang erntete ich für solche Aussagen nicht selten einen Lacher. Was soll man in einer säkularen Welt schon mit Kirchenrecht?

Wer zuletzt lacht…

Blitzeinschlag im Petersdom am Tag des Rücktritts

Am Tag des Rücktritts habe ich mich hier bereits über die schlechte Informiertheit der Journalisten zum Thema Kirchenrecht beklagt. Ich könnte das Einzelbeispiel (man beschwerte sich, dass ich nur eins nenne – aber sorry, zum Zeitpunkt der Post-Veröffentlichung war erst eine Sondersendung vergangen) leider um einige erweitern. Aber ich möchte nicht (nur) das Nichtwissen der Kollegen kommentieren, sondern lieber mit Wissen dagegen halten 😉
Zugegeben etwas erschreckt war ich, als ich vom Blitzeinschlag am Montagabend in den Petersdom gelesen habe. Solche Wintergewitter sollen in Rom wohl relativ selten sein… Ich bin jetzt keine Meteorologin…

Vielleicht bin ich etwas offener für solch „himmlischen“ Dinge (immerhin habe ich ja auch mal Theologie studiert) und interpretiere da (zu) viel hinein. Hat Benedikt Gott mit seinem Rücktritt erzürnt? Hand auf’s Herz – egal wie man dieses Naturereignis interpretieren mag, aber das Timing ist schon in jedem Fall interessant!

Parallele zum Ersten Vatikanischen Konzil

Und plötzlich erinnerte ich mich an ein noch perfekteres Timing in der Kirchengeschichte. Am 11. Februar 2013 lagen zwischen der Ankündigung des Rücktritts und dem Gewittereinschlag doch einige Stunden… Doch am 18. Juli 1870 störte ein Gewitter direkt ein ebenfalls für die Kirchengeschichte bedeutendes Ereignis: An diesem Tag wurde am Ersten Vatikanischen Konzil die dogmatische Konstitution „Pastor Aeternus“ verabschiedet. Es wurden darin der Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit des Papstes definiert. Gerade Letzteres sorgt bis heute gerade bei Kirchengegnern immer wieder für Diskussionsstoff – an andere Stelle habe ich schon darüber gebloggt.

Die Konzilssitzung fand in einem Seitenflügel des Petersdomes statt. Das Unwetter soll die Aula so verdunkelt haben, dass Kerzen entzündet werden mussten – und das um die Mittagszeit! Auch sollen die „Placets“ der Kardinäle vom Donnergrollen übertönt worden sein. Papst Pius IX. wollte diese Konstitution um alles in der Welt vom Konzil bestätigt wissen. Als er in der Konzilsaula sprach, soll das Gewitter seinen Höhepunkt erreicht haben.

Unfehlbarkeit unter Donnergrollen verkündet

War dies ein Zeichen göttlichen Zorns? Oder ein verzweifeltes Zeichen der Mächte der Unterwelt gegen den Fels Petri? Damals wie heute gibt uns dieses Naturereignis Anlass zur Interpretation. Ich möchte mich auf keine Deutung festlegen: Mich fasziniert einfach diese Parallele und wollte diese meinen Lesern nicht vorenthalten! (Nachzulesen ist das übrigens in der sehr guten Konziliengeschichte von Klaus Schatz)

FAZIT Liebe Medienleute, hättet ihr mal lieber in (Kirchen)geschichte aufgepasst, dann hättet Ihr jetzt eine schöne Story 😉

Wie immer gilt mein Angebot (das auch nach meinem Blogpost über den Rücktritt prompt angenommen wurde… und ich nenne an dieser Stelle keine Namen!!): Gerne stehe ich Ihnen in den kommenden Tagen, insbesondere auch während dem Konklave, als sozusagen „Papst-Fachfrau“ zur Verfügung!

Papstrücktritt überfordert deutsche Medien

11 Feb

„Unser“ Papst Benedikt XVI. tritt am 28. Februar um 20h zurück, das hat er heute in einem Konsistorium verkündet. Dazu möchte ich, als ehem. Theologie-Studentin und Journalistin, zwei Feststellungen aus zwei Perspektiven treffen:

  1. aus kirchlich/theologischer
  2. aus qualitätsjournalistischer Sicht

Zu 1.:

Als gläubige Katholikin hat mich die Entscheidung dieses Papstes, der meiner Meinung nach einer der fähigsten der Kirchengeschichte ist, traurig gemacht.

Aber ich respektiere diese Entscheidung und zolle dem Hl. Vater höchsten Respekt. In der Kirchengeschichte hat faktisch kein Pontifex maximus von der Möglichkeit, zurückzutreten, Gebrauch gemacht (abgesehen von einem Papst während des Abendländischen Schismas). Denn das Kirchenrecht (CIC) räumt dem Papst diese Möglichkeit ein – nach Can 332 § 2.

(Noch) gänzlich ungeregelt ist, was mit einem zurückgetretenen Papst geschieht: Wird er nach dem Rücktritt automatisch wieder zum Kardinal „zurückgestuft“? Wie wird ein „Alt-Papst“ korrekt angeredet?

Ich hoffe, dass für Benedikts Entscheidung keine ernsthafte Krankheit ausschlaggebend war – er einfach aufgrund seines Alters seine nachlassenden Kräfte spürte.
Ich bin erleichtert, dass wir bei „unserem“ deutschen Papst nicht „herwarten“ werden müssen, bis er seinen letzten Atemzug getan hat. Das öffentlich-mediale Warten auf den Tod Johannes Paul II. fand ich persönlich mehr als unwürdig. Das erspart uns Benedikt mit dieser Entscheidung, das wollte er sich sicher auch selber ersparen. Lieber im Vollbesitz der geistigen Kräfte, sozusagen am Höhepunkt der Macht, in Würde abtreten!

Das zeigt für mich auch, dass Benedikt nicht an Macht und Würden klebt – verzichten können ist Stärke! Vielleicht will er so auch noch Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers haben? Aber das sind Spekulationen. Sicher werden wir von diesem Papst auch im Ruhestand hören bzw. lesen. Ich hoffe, dass Benedikt seine letzten Lebensjahre noch produktiv nutzen wird und vielleicht auch wieder in unsere bayerische Heimat zurückkehrt 😉

Zu 2.:

Jetzt möchte ich einige Bemerkungen über die Berichterstattung verlieren, von der wir in den nächsten Tagen sicher nicht „verschont“ bleiben werden…

Ich verlange nicht, dass jeder Journalist Kenner des Kirchenrechtes ist, aber ich erwarte, dass gerade die Öffentlich-Rechtlichen keine falschen Informationen verbreiten.

Sicherlich, der Rücktritt kam völlig überraschend. Wie gut, dass (wohl für den Nachruf) Rückblicke auf den Pontifikat in den Redaktionen vorhanden sind. So konnte wenigstens halbwegs Sinnvolles bisher gesendet werden.

Aber was völlig daneben war, war ein Korrespondenten-Bericht der ARD. Die Journalistin Hilde Stadler sagte in der Tagesschau um 13h (ab Min 12): „Zu dem Konklave, das ja in Bälde jetzt zusammentreten wird, sollen die Kardinäle unter 80 Jahre zusammentreten. Das ist auch ein Hinweis. Vielleicht wird man jetzt auch versuchen, einen doch um einiges jüngeren Papst zu wählen“.

Liebe ARD, wenn ihr mich in der Nacht aufgeweckt und vor die Kamera geholt hättet – so einen Blödsinn hätte ich nicht verzapft! Sorry, aber fast jedes Kind weiß, dass Kardinäle nur bis zum 80. Lebensjahr wahlberichtigt sind. Gewählt werden kann aber theoretisch jeder andere (männliche) Katholik – er muss also weder Kardinal, noch im Konklave sein. Das ist also kein Hinweis, das ist Fakt!

Also, wenn ihr in den kommenden Tagen eine versierte „Kirchenkennerin“ braucht, ich stehe euch da gerne zur Verfügung 😉 Mich wundert, dass das ifp es offensichtlich nicht schafft, seine Leute an „Schaltstellen“ zu setzen. Dieses Institut der Deutschen Bischofskonferenz fördert Journalisten. Vielleicht sollte es seine Auswahlkriterien überdenken?

So einen Blödsinn will ich, insbesondere in den Öffentlich-Rechtlichen, nirgends mehr hören! Quo vadis Qualitätsjournalismus?

Benedikt XVI.: Der Nachfolger des „Papstes der Rekorde“ setzt neue Maßstäbe

9 Mai

Sein Vorgänger auf dem Stuhle Petri, Johannes Paul II. (1978-2005), ging als Papst der Superlative in die Kirchengeschichte ein: Die meisten Enzykliken, die meisten Auslandsreisen, die meisten Kanonisationsverfahren (Selig- und Heiligsprechungen) – nur bei der Amtszeit wurde er von Pius IX. (1846-1878) überrundet. Jetzt sprach Benedikt XVI. (seit 2005) den beliebten Papst aus Polen auch noch in Rekordzeit am 1. Mai 2011 selig.

Johannes Paul II. stellt auch noch nach seinem Tod neue Rekorde auf

Nur fünf Jahre nach seinem Tod wird er in die Schar der Seligen aufgenommen, das war somit das kürzeste Seligsprechungsverfahren der neueren Kirchengeschichte. Auch nach seinem Tod stellt Papst Johannes Paul II. also noch Rekorde auf…

Doch der Nachfolger und enge Vertraute des Wojtyla-Papstes stellt zumindest kleine „Rekorde“ auf. Drei Tage vor seiner Wahl wurde Ratzinger 78 Jahre alt – somit ist er seit Clemens XII. (1730-1740) der älteste Kardinal der Kirchengeschichte, der zum Papst gewählt wurde.

Benedikt XVI. – ein Papst des Übergangs?

Allein schon auf Grund des Alters gilt – der erste deutsche Papst seit Hadrian VI. (1522-1523) – als Übergangspapst. Doch die lange Geschichte der Päpste zeigt, dass gerade die Übergangspäpste oft für Überraschungen sorgten. So etwa berief Johannes XXIII. (1958-1963), der 77-jährig zum Papst gewählt wurde, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ein. Daher wurde „il papa buono“ („der gute Papst“), wie er im Volksmund wegen seiner Volksnähe gerne genannt wurde, zum Papst des Übergangs – aber eben in einem ganz anderen Sinne…

Johannes XXIII. hatte die Zeichen der Zeit erkannt und begann die Kirche für die heutige Zeit zu öffnen. Sein Schlagwort für das Konzil wurde daher „Aggiornamento“, was in etwa mit „Heutigwerden der Kirche“ übersetzt werden kann. Sowohl Johannes Paul II, als auch Benedikt XVI. hatten an dem von ihrem starken Vorgänger einberufenen Konzil teilgenommen. Im Übrigen wurde Johannes XXIII. von Johannes Paul II. im Hl. Jahr 2000 selig gesprochen.

Benedikt XVI. erkennt die Zeichen der Zeit

Der Ratzinger-Papst zeigt sich "privat" und stellt so neue Maßstäbe für die Päpste auf.

Und auch wenn Benedikt XVI. die „Aggiornamento-Strömung“ als Joseph Ratzinger kritisch beäugte, so ist er meiner Meinung nach jetzt der erste Papst in der Geschichte, der sich versucht, dem Zeitgeist zu öffnen.

Auch wenn er wesentlich distanzierter wirkt wie sein Vorgänger, ist er doch der erste Papst in der Geschichte „zum Anfassen“. Kein Papst vor ihm gewährte solche Einblicke in sein Privatleben. Als Beispiel hierfür habe ich einen Ausschnitt aus der „Sendung mit der Maus“ gewählt, wie der Papst im Vatikan lebt:

Erstmals Einblicke in das Leben eines Papstes durch Interviews und Kinofilm

So ist er bspw. der erste Papst in der langen Geschichte der Päpste, der für ein Interviewbuch Rede und Antwort stand. „Licht der Welt“, das Interviewbuch von Peter Seewald ist einzigartig. Nie zuvor hatte ein Papst so offen über seinen Glauben und sein Leben gesprochen.

Auch im ersten Kinofilm der Geschichte mit einem Papst „spielte“ er mit, dieser läuft derzeit in den Kinos und heißt „Francesco und der Papst“.

Joseph Kardinal Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst nicht unbedingt Liebling der Weltpresse. U. a. als „Panzerkardinal“ wurde er wegen seiner Strenge tituliert. Aber genau er nutzt jetzt die (neuen) Medien, um die Gläubigen zu erreichen.

Auch der Ratzinger-Papst wird meiner Meinung nach als Übergangspapst in die (Kirchen)Geschichte eingehen, aber ähnlich wie Johannes XXIII. in einem ganz anderen Sinne, als man es zu Beginn seines Pontifikats erwartet hätte: Ich möchte ihm zurufen, macht weiter so, Eure Heiligkeit und ich wünsche Ihnen noch ein langes Pontifikat, in dem Ihr noch sicher einige Maßstäbe setzen werdet!

Gottes mächtige Dienerin: ARD-Zweiteiler mit haarsträubenden Ungenauigkeiten

26 Apr
Christine Neubauer als Schwester Pascalina im ARD-Drama "Gottes mächtige Dienerin".

Christine Neubauer als Schwester Pascalina im ARD-Drama "Gottes mächtige Dienerin".

Schwester Pascalina Lehnert (1894-1983) hat Pius XII. (1939-58) über vierzig Jahre im Haushalt gedient. Der Papst, dessen Pontifikat im Schicksalsjahr 1939 beginnt, zählt bis heute zu einem der umstrittensten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Denn er hat im Holocaust geschwiegen – dieses Verhalten wird kontrovers diskutiert. Noch sind die Quellen über die Zeit des Zweiten Weltkrieges in den Vatikanischen Archiven nicht zugänglich – so stützen sich die Informationen über die Haltung des Papstes hauptsächlich auf die Aufzeichnungen der deutschen Nonne, die dem Papst als Haushälterin und Sekretärin besonders nahe stand. Ihr Buch „Ich durfte ihm dienen“ wurde 1983 veröffentlicht.

Mit Spannung habe ich den ARD-Zweiteiler über Schwester Pascalina „Gottes mächtige Dienerin“ erwartet (gespielt von Christine Neubauer). Gleich vorweg – das TV-Drama wurde meinen Erwartungen nicht gerecht. Ich will einmal absehen von den historischen Ungenauigkeiten.

Wird die „kirchliche Fachberatung“ überhaupt befragt?

Was ich auch bei anderen Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen nicht verstehen kann ist, dass kirchliche Sachverhalte falsch dargestellt werden. Z. B. bei „Pfarrer Braun“, den Ottfried Fischer verkörpert, habe ich es des Öfteren schon beobachtet, dass der Bischof mit „Eminenz“ angesprochen wird. Die korrekte Anrede für einen Bischof ist jedoch „Exzellenz“, nur ein Kardinal wird mit „Eminenz“ angesprochen.

Warum gibt es dann eine kirchliche Fachberatung? Werden die Kirchen-„Experten“, die die Produktion angeblich berät, überhaupt befragt? Nur so kann ich mir solche „Kardinals-Fehler“ erklären…

Aber zurück zum Film über Schwester Pascalina: Beim Tode Pius‘ XI. (1922-39) war Pacelli nicht nur Kardinalstaatssekretär, sondern auch Camerlengo. D. h. Kardinal Pacelli musste traditionell z. B. das verstorbene Kirchenoberhaupt mit seinem bürgerlichen Namen drei Mal fragen, ob er schläft: „Achille Ratti schläfst du?“. Zudem nimmt der Camerlengo dem toten Papst seinen Fischerring ab. Dies zeigt auch der Film „Gottes mächtige Dienerin“.

Dieser Amtsring, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Siegel genutzt wurde, wird übrigens vom Camerlengo vor den Augen der Kardinäle mit einem silbernen Hämmerchen zerstört – eigentlich sollte der Ring in so viele Teile zerschlagen werden, wie es Kardinäle sind. So soll symbolisiert werden, dass die Macht des Papstes für die Zeit der Sedisvakanz auf das Kardinalskollegium übergeht.

Schwester Pascalina fungiert im Film als Camerlengo

Festzuhalten gilt, dass der Tod des Papstes nach einem festgelegten Ritus festgestellt wird. Ich habe mich sehr geärgert, dass in dem Film „Gottes mächtige Dienerin“ Schwester Pascalina beim Tode des Pacelli-Papstes quasi die Aufgabe des Camerlengos übernommen hat. So etwas darf nicht sein! Solche Ungenauigkeiten, im Prinzip falsche Tatsachen zu vermitteln, erwarte ich eher in einer Produktion privater Sender – auf keinen Fall darf so etwas jedoch bei den Öffentlich-Rechtlichen geschehen. Durch die Rundfunkgesetze ist es schließlich geregelt, dass das Programm der Bildung dienen soll (neben Information, Beratung und Unterhaltung). Ich finde es mehr als bedenklich, dass eine ARD-Produktion – auch wenn es ein Spielfilm ist – falsches „Wissen“ vermittelt. Es wird sicher einige Zuseher gegeben haben, die von dem Dienst eines Camerlengos noch nie gehört haben werden und deswegen einen falschen Eindruck gewinnen.

Falsche Fakten statt Bildungsauftrag in Öffentlich-Rechtlichen

Auch wenn es für die Dramaturgie des Filmes wohl besser gewesen ist, dass Schwester Pascalina den Papst fragt, ob er schläft und ihm den Fischerring abnimmt – es ist und bleibt falsch! Falsch ist auch, dass die Vertraute Pius‘ XII. allein im Sterbezimmer gewesen ist. Denn der Tod des Pacelli-Papstes in Castel Gandolfo war mehr als bizarr: Radio Vatikan soll direkt vom Nebenzimmer aus den Tod des Papstes gemeldet haben. Auch Bilder des Sterbenden wurden gemacht und in Zeitungen veröffentlicht.

Meiner Meinung nach sollten die Öffentlich-Rechtlichen nicht gezielt falsche Fakten darstellen, gerade wenn es sich um solch eine umstrittene Persönlichkeit wie Pius XII. handelt. Es ist (für den Historiker) schon befremdlich, nur auf autobiografische Schriften, in dem Fall das Buch der Haushälterin, zurückgreifen zu müssen. Ich würde mir dann aber gerade bei feststehenden Fakten mehr Genauigkeit und nicht diverse Ungenauigkeiten wünschen! Schade um diese verpasste Chance, Schwester Pascalina den Deutschen authentisch nahe zu bringen.