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Unfehlbarkeit des Papstes: Oft falsch verstanden

31 Okt

Die Unfehlbarkeit des Papstes ist es, die nicht nur von Kirchengegner, sondern auch von Gläubigen oft falsch verstanden wird.

Denn nicht alle Äußerungen des Papstes sind unfehlbar – unfehlbar sind grundsätzlich nur Äußerungen in Glaubens- und Sittenfragen. Also können z. B. Meinungen über Politik, wenn etwa der Papst die Verfolgung von Christen in totalitären Staaten kritisiert, nie unfehlbar sein.

Außerdem muss der Papst, das Oberhaupt der katholischen Kirche, ankündigen, dass er eine unfehlbare Entscheidung verkündet – er muss dann „ex cathedra“ sprechen. Er spricht dann von der Kathedra Petri aus, also seinem Bischofssitz in Rom.

Wörtliche Definition in „Pastor Aeternus“

In der dogmatischen Konstitution „Pastor aeternus“, in der die Unfehlbarkeit im 4. Kapitel definiert ist, heißt es wörtlich:

Wenn der römische Bischof „ex cathedra“ spricht, das heißt, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten Apostolischen Autorität entscheidet, da[ss] eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheißenen göttlichen Beistands jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei der Definition des Glaubens- oder Sittenlehre ausgestattet sehen wollte; und daher sind solche Definitionen des Römischen Bischofs aus sich [ex sese], nicht aber aufgrund der Zustimmung der Kirche [non autem ex consensu Ecclesiae] unabänderlich.“ (DH, S. 776 Nr. 3074)

Unfehlbarkeit erst ein einziges Mal in der Geschichte genutzt

Die Unfehlbarkeit des Papstes wurde während des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70) zum Dogma erhoben; seit dieser Zeit hat jedoch nur ein Papst in der Geschichte der katholischen Kirche davon Gebrauch gemacht: Dies war im Jahr 1950 als Papst Pius XII. (1939-1958) das Dogma von der leiblichen Aufnahmen Mariens in den Himmel verkündigte.

Als erster und einziger Papst in der Kirchengeschichte machte Pius XII. von der Unfehlbarkeit Gebrauch: Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel (1. November 1950).

Dogmatisierung während Erstem Vatikanum (1869/70)

Schon unter den rund 700 Konzilsteilnehmern war diese Dogmatisierung kontrovers diskutiert worden.

Einberufen hatte dieses Konzil Papst Pius IX. (1846-1878) Im Vorfeld dazu war in der jesuitischen Zeitung Civiltà Cattolica ein Artikel erschienen, dass die wahren Gläubigen Frankreichs auf dem Konzil -ohne Aussprache- die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit erwarten würden.

In Bayern beleuchtete Ignaz von Döllinger, ein katholischer Geistlicher und Professor für Kirchengeschichte in München, diese Entwicklung kritisch. Seine Artikel erschienen unter dem Pseudonym „Janus“ in der Augsburger Allgemeinen Zeitung.

Als Pius IX. am 8 Dezember 1870 schließlich das Konzil im rechten Seitenflügel des Petersdoms im Vatikan eröffnete, stand die Unfehlbarkeit zunächst nicht auf der Tagesordnung. Jedoch schaffte es eine kleine Kerngruppe, der z. B. der Bischof Senestrey von Regensburg angehörte, die Unfehlbarkeit zur Abstimmung zu bringen.

Gegner reisen vor Schlussabstimmung ab

Unfehlbarkeit heißt auf lateinisch Infallibilität. Daher werden die Konzilsväter, je nach ihrer Position als Fallibilisten (Anhänger der Unfehlbarkeit) bzw. Infallibilisten (Gegner der Unfehlbarkeit) bezeichnet.

Weil die Gegner der Unfehlbarkeit, die Infallibilisten, nicht gegen das Dokument und so indirekt gegen den Papst stimmen wollten, reisten sie vor der endgültigen Abstimmung vom Konzil ab. Und so wurde die Definition von der Unfehlbarkeit des Papstes vom Konzil angenommen.

Primat wichtiger als Unfehlbarkeit

Im selben Dokument, der dogmatischen Konstitution „Pastor Aeternus“ wie die Unfehlbarkeit findet sich in Kaptitel 3 übrigens auch eine Definiton über den Primat des Papstes. Als Primat versteht man die Vorrangstellung des Papstes in der römisch-katholischen Kirche. Laut dem Dogma von 1870 hat der Papst also nicht nur die absolute Lehrvollmacht (Unfehlbarkeit), sondern auch den Jurisdiktionsprimat. Im besagten Dokument heißt es wörtlich über den Primat:

„Wer deshalb sagt, der Römische Bischof besitze lediglich das Amt der Aufsicht bzw. Leitung, nicht aber die volle und höchste Jurisdiktionsvollmacht über die gesamte Kirche, nicht nur in Angelegenheiten, die den Glauben und die Sitten, sondern auch solche, die die Disziplin und Leitung der auf dem ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche betreffen; oder er habe nur einen größeren Anteil, nicht aber die ganze Fülle, [totam plenitudinem] dieser höchsten Vollmacht, sei nicht ordentlich und unmittelbar sowohl über alle und die einzelnen Kirchen als auch über alle und die einzelnen Hirten und Gläubigen; der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH, S. 773 Nr. 3064)

Bis heute ist der Primat entscheidender als die Unfehlbarkeit.

Altkatholiken lehnen Primat und Unfehlbarkeit ab

Interessant ist auch, dass der Streit über das Dogma von der Unfehlbarkeit bereits in Zeiten ihrer Definition über Medien ausgetragen wurde.

Bis heute gibt es Katholiken, die diese Konzilsentscheidung nicht anerkennen: Es sind die Altkatholiken, die sich nach dem Ersten Vatikanum von der römisch-katholischen Kirchen abgespalten haben. Wohl einer der größten Kritiker in unserem Raum , Döllinger, fühlte sich trotz Exkommunikation zeitlebens als Mitglied der „alten“, römisch-katholischen Kirche und wurde interessanterweise nicht Altkatholik.

Ausschnitt aus Folge 10 der Doku-Serie „2000-Jahre-Christentum“ über das Erste Vatikanum:

 

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Gottes mächtige Dienerin: ARD-Zweiteiler mit haarsträubenden Ungenauigkeiten

26 Apr

Schwester Pascalina Lehnert (1894-1983) hat Pius XII. (1939-58) über vierzig Jahre im Haushalt gedient. Der Papst, dessen Pontifikat im Schicksalsjahr 1939 beginnt, zählt bis heute zu einem der umstrittensten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Denn er hat im Holocaust geschwiegen – dieses Verhalten wird kontrovers diskutiert. Noch sind die Quellen über die Zeit des Zweiten Weltkrieges in den Vatikanischen Archiven nicht zugänglich – so stützen sich die Informationen über die Haltung des Papstes hauptsächlich auf die Aufzeichnungen der deutschen Nonne, die dem Papst als Haushälterin und Sekretärin besonders nahe stand. Ihr Buch „Ich durfte ihm dienen“ wurde 1983 veröffentlicht.

Mit Spannung habe ich den ARD-Zweiteiler über Schwester Pascalina „Gottes mächtige Dienerin“ erwartet (gespielt von Christine Neubauer). Gleich vorweg – das TV-Drama wurde meinen Erwartungen nicht gerecht. Ich will einmal absehen von den historischen Ungenauigkeiten.

Wird die „kirchliche Fachberatung“ überhaupt befragt?

Was ich auch bei anderen Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen nicht verstehen kann ist, dass kirchliche Sachverhalte falsch dargestellt werden. Z. B. bei „Pfarrer Braun“, den Ottfried Fischer verkörpert, habe ich es des Öfteren schon beobachtet, dass der Bischof mit „Eminenz“ angesprochen wird. Die korrekte Anrede für einen Bischof ist jedoch „Exzellenz“, nur ein Kardinal wird mit „Eminenz“ angesprochen.

Warum gibt es dann eine kirchliche Fachberatung? Werden die Kirchen-„Experten“, die die Produktion angeblich berät, überhaupt befragt? Nur so kann ich mir solche „Kardinals-Fehler“ erklären…

Aber zurück zum Film über Schwester Pascalina: Beim Tode Pius‘ XI. (1922-39) war Pacelli nicht nur Kardinalstaatssekretär, sondern auch Camerlengo. D. h. Kardinal Pacelli musste traditionell z. B. das verstorbene Kirchenoberhaupt mit seinem bürgerlichen Namen drei Mal fragen, ob er schläft: „Achille Ratti schläfst du?“. Zudem nimmt der Camerlengo dem toten Papst seinen Fischerring ab. Dies zeigt auch der Film „Gottes mächtige Dienerin“.

Dieser Amtsring, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Siegel genutzt wurde, wird übrigens vom Camerlengo vor den Augen der Kardinäle mit einem silbernen Hämmerchen zerstört – eigentlich sollte der Ring in so viele Teile zerschlagen werden, wie es Kardinäle sind. So soll symbolisiert werden, dass die Macht des Papstes für die Zeit der Sedisvakanz auf das Kardinalskollegium übergeht.

Schwester Pascalina fungiert im Film als Camerlengo

Festzuhalten gilt, dass der Tod des Papstes nach einem festgelegten Ritus festgestellt wird. Ich habe mich sehr geärgert, dass in dem Film „Gottes mächtige Dienerin“ Schwester Pascalina beim Tode des Pacelli-Papstes quasi die Aufgabe des Camerlengos übernommen hat. So etwas darf nicht sein! Solche Ungenauigkeiten, im Prinzip falsche Tatsachen zu vermitteln, erwarte ich eher in einer Produktion privater Sender – auf keinen Fall darf so etwas jedoch bei den Öffentlich-Rechtlichen geschehen. Durch die Rundfunkgesetze ist es schließlich geregelt, dass das Programm der Bildung dienen soll (neben Information, Beratung und Unterhaltung). Ich finde es mehr als bedenklich, dass eine ARD-Produktion – auch wenn es ein Spielfilm ist – falsches „Wissen“ vermittelt. Es wird sicher einige Zuseher gegeben haben, die von dem Dienst eines Camerlengos noch nie gehört haben werden und deswegen einen falschen Eindruck gewinnen.

Falsche Fakten statt Bildungsauftrag in Öffentlich-Rechtlichen

Auch wenn es für die Dramaturgie des Filmes wohl besser gewesen ist, dass Schwester Pascalina den Papst fragt, ob er schläft und ihm den Fischerring abnimmt – es ist und bleibt falsch! Falsch ist auch, dass die Vertraute Pius‘ XII. allein im Sterbezimmer gewesen ist. Denn der Tod des Pacelli-Papstes in Castel Gandolfo war mehr als bizarr: Radio Vatikan soll direkt vom Nebenzimmer aus den Tod des Papstes gemeldet haben. Auch Bilder des Sterbenden wurden gemacht und in Zeitungen veröffentlicht.

Meiner Meinung nach sollten die Öffentlich-Rechtlichen nicht gezielt falsche Fakten darstellen, gerade wenn es sich um solch eine umstrittene Persönlichkeit wie Pius XII. handelt. Es ist (für den Historiker) schon befremdlich, nur auf autobiografische Schriften, in dem Fall das Buch der Haushälterin, zurückgreifen zu müssen. Ich würde mir dann aber gerade bei feststehenden Fakten mehr Genauigkeit und nicht diverse Ungenauigkeiten wünschen! Schade um diese verpasste Chance, Schwester Pascalina den Deutschen authentisch nahe zu bringen.