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Kurt-Eisner-Straße für Passau?

1 Jun
Max-Matheis-Straße Passau

Die Max-Matheus-Straße in Passau-Neustift ist wegen der NS-Vergangenheit ihres Namensgebers nicht unumstritten. (Foto: Winderl)

Offensichtlich würde man Max Matheis heute keinen Persilschein mehr ausstellen – und schon gar keine Straße nach ihm benennen. Die Linke Passau wollte das prüfen lassen.

Die Stadt Passau ließ sich Zeit… Viel Zeit. Nach fünf(!) Jahren hakte die Linke nach („Linke hakt im Fall Max Matheis nach“ (Passauer Neue Presse (PNP)/ Lokalteil Passau vom 20.04.19, S. 21). Das Ergebnis: Die Stadt Passau hat eine Prüfung noch nicht vorgenommen. 

Ich schrieb einen Leserbrief, denn der evtl. frei werdende Straßenname inspirierte mich:

Mein Leserbrief (PNP/ Lokalteil Passau vom 08.05.19, S. 24)

„Es stellt sich für mich die Frage, ob alle Persönlichkeiten, nach denen in Passau eine Straße benannt ist, einer kritischen Prüfung Stand hielten. Dennoch finde ich es richtig und wichtig, dass Die Linke bei der Stadt nachtarockt, wie man mit der Max-Matheis-Straße verfahren möchte.
Es kann nämlich nicht sein, dass aus Bequemlichkeit – sicher wäre eine Umbenennung mit Aufwand für die Stadt und nicht zuletzt für die Anwohner verbunden – einfach nichts geschieht! Meines Erachtens könnte die Stadt Passau im Zuge des Zentenariums von 100 Jahre Freistaat und Attentat auf seinen Gründer hier einen Coup landen: Nach Kurt Eisner sind in ganz Bayern nur zwei Straßen benannt. Mit der Umbenennung der Max-Matheis- in Kurt-Eisner-Straße könnte die Stadt Passau ein Statement für Demokratie setzen.
Schließlich hat der Eisner-Attentäter in der Altstadt die Schulbank gedrückt und das Notabitur erworben. Hat man das in der Stadt bis dato richtig aufgearbeitet?
Auch thematisch würde sich der erste bayerische Ministerpräsident in die Riege verdienter Bayern meines Erachtens gut einordnen, nach denen die Straßen im Neustifter Umfeld benannt sind. Denn auch wenn Eisner gebürtiger Berliner war, starb er als überzeugter Wahl-Bayer – seine Eltern übrigens in der Passauer Straße in Berlin. Wenn Straßennamen sprechen könnten…“

Reaktion auf meinen Leserbrief

Kurt Eisner Platz München

Aktivisten um Aktionskünstler Wolfram P. Kastner benennen zum Jahrestag des Attentats den Marienhof in München seit einigen Jahren in Kurt-Eisner-Platz um. (Foto: Winderl)

Ist es nicht schön, wenn der eigene Leserbrief andere Leser zum Schreiben bringt?
Einige Tage später (PNP/ Lokalteil vom 16.05.19, S. 21) erschien ein Leserbrief von Alois Zechmann, der sich auf denselben Artikel bezog und ebenfalls für eine Kurt-Eisner-Straße in Passau plädierte, er schreibt: „Es ist eine große Schande, dass in ganz Bayern meines Wissens nur in München eine Straße nach Kurt Eisner, dem Begründer des Freistaats benannt ist.“

Das ist zwar so nicht so ganz richtig: Denn seit 2018 gibt es in Erlangen einen Platz in der Nähe des Rathauses, der im Zuge des Freistaat-Jubiläums nach Eisner benannt wurde. Aber ein Platz ist keine Straße. Und so bin ich, wie Alois Zechmann gespannt, welcher Stadtrat sich traut, einen entsprechenden Antrag in Passau einzubringen.

Marienhof in München soll Kurt-Eisner-Platz werden

Übrigens: In München wünschen sich Eisner-Fans eine Umbenennung des Marienhofs in Kurt-Eisner-Platz. Dieser prominente Platz befindet sich direkt neben dem Marienplatz, aber hat keine Anwohner. Eine Umbenennung würde also relativ wenig kosten.

Da bei Straßenbennungen der Grundsatz der Gleichwertigkeit berücksichtigt werden sollte, d. h. nach bedeutenden Personen sollten wichtige Straßen benannt werden, wäre der Marienhof im Herzen Münchens ideal! Denn die Kurt-Eisner-Straße befindet sich in Neuperlach. 1969, zum Zeitpunkt der Benennung, war dies noch ein sozialer Brennpunkt; doch nicht einmal dort wollte man dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten einen Straße gönnen. Als Gegenargument wurde u. a. eingebracht, dass dies die Witwe – Achtung – des Attentäters beleidigen würde. Eisners Witwe hatte sich übrigens bereits 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Frankreich das Leben genommen.

Weitere Blogposts zum Thema „Kurt Eisner“:

 

Fluthilfe revidiert meine Meinung über soziale Medien

21 Sep

Rund 100 Tage ist die „Flut“ her. Zeit, einmal Bilanz zu ziehen – vornehmlich über die Engagment für und um die Fluthilfe in sozialen Medien.

1. Über den Wahrheitsgehalt von Informationen in sozialen Medien

Die Schleuse Kachlet während der "Jahrtausendflut".Meinem Post muss ich vorwegschicken, dass ich von Natur aus ein gutgläubiger Mensch bin. Da die Stadt Passau bis dato keinen richtig guten Auftritt in sozialen Medien hat, waren wir auf Postings von Privatleuten angewiesen. Dies geschah bei mir vornehmlich über die Gruppen „Infoseite – Hochwasser 2013 Bayern“ und „Fluthelfer Passau“.

Wann und wo werden Leitungswasser und Strom abgestellt? Der Aufruf zum Wassersparen, Postings von Wasserausgabeorten – das alles geschah über Facebook (FB). Twitter ist bei den Passauern wohl noch nicht so angekommen 😉

Nun gut, ich bin schon an normalen Tagen äußerst Social-Media-affin… Aber in den Hochwasser-Tagen war mein Konsum extrem.

Katastrophale Rechtschreibung mit dem Klassiker der das-und-dass-Schwäche ist ja noch harmlos. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch bei der niederbayerischen Jugend, die mich, in diesen Tage gelehrt hat, dass Sätze ohne der, die, das gebildet werden: „Was geht Kachlet?“

Panikmache via FB

Ja, was geht Kachlet… (Für alle OrtsUNkundigen, das Kachlet ist ein Schleusenkraftwerk im Passauer Westen, wo ich wohne.) Das Kachlet ist hochwassererprobt. Die Wehre müssen geöffnet werden, egal wie viel Wasser dann Richtung Altstadt fließt. Dass diese Fluten bei dieser Jahrtausendflut enorm waren, ist logisch.

Urplötzlich tauchte in FB das Gerücht auf, das Kachlet könnte den Fluten nicht mehr Stand halten. Ich, als gutgläubiger Mensch dachte, an der Sache könnte was dran sein. Denn welcher Mensch würde in einer solchen Katastrophen-Situation so grausam sein und seine Mitmenschen auch noch mit falschen Gerüchten quälen?

Falsch gedacht: Krönung war für mich folgender Post:

Leider verbreiteten sich auch "Horror-Falschmeldungen" über soziale Medien.

Leider verbreiteten sich auch „Horror-Falschmeldungen“ über soziale Medien.

Spätestens jetzt war mir klar: An dem Gerücht ist nichts dran. Welcher Experte würde davon sprechen, dass eine Staustufe „bricht“ und dann auch noch genau „ab 20h“.

Vielen Dank an dieser Stelle an all diese Menschen da draußen, die uns Passauern noch zusätzlich Angst gemacht bzw. versucht haben!

FAZIT Krisenkommunikation via Social Media funktioniert nur bedingt!

2. Fluthilfe als Hilfe zur Selbstdarstellung?

Die Selbstdarstellung im Social Web ist ja auch sonst nicht ohne. Aber ich für meinen Teil konnte bei den eigentlichen Hochwasser-Einsätzen nicht auch noch darauf achten, das „passende“ Bild für Facebook und Co zu machen. Deswegen fehlen auch bei meiner Fluthelfer- Reportage einige Bilder, wie ich anmerkte.

Umso trauriger finde ich persönlich, dass es politische (Jugend)gruppierungen geschafft haben, genau solche Fotos hochzuladen. Ich habe sehr genau hingesehen und festgestellt, dass so ein Einsatz z. B. nur an einem Tag stattfand. Imposante Fotos davon ins Netz zu stellen, finde ich umso beschämender, wenn Studenten zum Teil mehrere Tag hintereinander bis zur gänzlichen Erschöpfung als Fluthelfer im Einsatz waren. Ist doch Passau „nur“ ihre Universitätsstadt, für die anderen aber ihre Heimat…

Sicherlich geht es jetzt nicht darum, hochzurechnen, wer wie viele Stunden aktiv Fluthilfe geleistet hat – aber nachdenklich macht es mich schon. Helfen machen nur, um dokumentieren zu können, dass sie geholfen habe?

Ähnlich kritisch sehe ich im Übrigen auch die jetzt aufkommenden Ehrungen durch Stadt und Staat. Ganz bewusst habe ich z. B. NICHT am Helferfest der Stadt Passau teilgenommen. Ich war gern als Fluthelfer im Einsatz und bemühe mich nach meinen Kräften auch noch heute, Betroffenen zu helfen.

Statt einer Maß auf der Dult hätte ich z. B. lieber Unterstützung für meine Spendenaktion gehabt!

3. Keine Unterstützung für meine Ebay-Auktion

Wie man hier nachlesen kann, habe ich einen selbstgefertigten Passau-Scherenschnitt auf Ebay für die Fluthilfe der Passauer Neuen Presse (PNP) versteigert. Gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber ich möchte behaupten, dass das schlicht-klassische Design wohl in viele Einrichtungsstile passt. Mit der Endsumme der Versteigerung war ich nicht wirklich zufrieden. (An dieser Stelle jedoch ein großes Dankeschön an den Berliner Käufer, der mich lediglich über Twitter „kennt“ und noch einen Extra-Betrag gespendet hat.)

Diesen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigerte ich auf ebay für die Hochwasseropfer - leider ohne jegliche Unterstützung im Social Web

Diesen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigerte ich auf ebay für die Hochwasseropfer – leider ohne jegliche Unterstützung im Social Web

Er war auch einer von wenigen, der die Aktion im Netz überhaupt verbreitet – sie retweetet hat. Von den Politikern in meiner Timeline oder in meiner Freundesliste hat sich niemand bemüßigt gefühlt, meine Aktion zumindest zu teilen – das hat mich persönlich sehr enttäuscht. Gut, jetzt könnte das Argument kommen, die haben die Sache vielleicht nicht mitbekommen… Aber ich habe meine Auktion zumindest an die Facebook-Pinnwand von „City Marketing Passau“ (CMP) und diversen Seiten der PNP gepostet (und den offizillen Twitter-Account der Stadt Passau angetwittert). Auch von dieser Seite keine Unterstützung in der Form, dass mein Post geteilt worden wäre.

FAZIT Da der Wille bekanntlich für’s Werk zählt, habe ich zwar nur 30€ an die PNP-Fluthilfe überweisen können – aber für mich als Promotionsstudentin ist im Moment einfach nicht mehr drin. Nachdenklich macht mich die Nicht-Unterstützung von PNP und CMP, da diese Institutionen sich die Hochwasser-Hilfe groß auf ihrer Fahnen geschrieben haben.

Und so ist insgesamt mein Fazit zu „Social Media und Hochwasser“ ernüchternd: JA, durch Social Media gab es Informationen – aber vielleicht auch zu viele!? Die Zeit für über soziale Medien vermarktete Spendenaktionen scheint noch nicht reif zu sein – ob das zum Teil an mangelnder Medienkompetenz liegt, möchte ich nicht bewerten.