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#histag16: Bloggende Historiker – zwischen Schreibübung für die Doktorarbeit, auf dem Weg zur Online-Fachzeitschrift

26 Sep

Dass der Deutsche Historikertag keine so hippe Tagung wie die Republica ist, das ist irgendwie selbst erklärend. Aber dennoch gab es einen Hashtag, Veranstaltungen über Digital Humanities und sogar ein Bloggertreffen, von dem ich euch berichten möchte:

Der Sascha Lobo der deutschen Historiker heißt @Mareike2405, ist weiblich, lebt und forscht in Paris am dortigen Deutschen Historischen Institut. Eigentlich wollte ich schreiben, „während in den Sektionen noch über die Notwendigkeit digitaler historischer Grundwissenschaften diskutiert wurde…“ Aber das wäre falsch zu behaupten, denn dass die Notwendigkeit längst vorhanden wäre, war allen Anwesenden bewusst – auf dem Podium sowie im Publikum, das jedoch aus auffallend wenigen Professoren bestanden hat.

Es ist also noch ein weiter Weg, den die bloggenden und twitternden Historikerinnen und Historiker zurücklegen werden müssen, aber gemeinsam geht alles besser und so traf man sich am letzten Konferenztag in der Twitter-Lounge, um barcampmäßig den eigenen Blog zu präsentieren: Zur Seite stand Dr. Mareike König dabei @karolinedoering.

Seit 2012 betreibt sie mit zwei Bekannten DEN Mittelalter-Blog. Vorweg, einige dieser historischen Blogs sind nicht selbst gehostet, sondern über Hypotheses.

Hypotheses ist das WordPress der Wissenschaftsblogs

Kostenlos kann man dort einen wissenschaftlichen Blog eröffnen, Zielgruppe sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. Dr. Karoline Döring hebt vor allem die Gemeinschaft hervor, die es bei Hypothese gebe. Der Blog selbst basiert auf WordPress, ist aber eben schon durch die Adresse als wissenschaftlich auszumachen.

Selbst gehostet hat der Doktorand Yves Vincent Grossmann seinen Blog . „Um schreiben zu üben“, habe er angefangen zu bloggen und berichtet regelmäßig über den Fortschritt seiner Dissertation.

„Ich habe den Anspruch, immer etwas auf meinem Blog zu zitieren“, sagt Dr. Burkhard Conrad in der kurzen Präsentation seines Blogs. Der Unterschied zu den etablierten Sektionen am Deutschen Historikertags wird deutlich: Manche dauern dort 3,5 Stunden, den Bloggern (muss) eine genügen 😉

Dr. Conrad ist Laiendominikaner, sein Blog heißt Rotsinn und ist bei WordPress gehostet. Die Motivationen, einen eigenen Blog zu betreiben, sind also unterschiedlich.

Alle anderen (außer mir), die an diesem frühen Freitagnachmittag in Hamburg ihren Blog präsentieren, setzen auf das Blogportal Hypotheses.

Torsten Hiltmann stellt seinen Blog „Heraldica Nova“ vor. (Wer nicht weiß, was Heraldik ist, liest seinen Blog oder meinen Blogpost ;)) Die Postings sind in Deutsch, Englisch und Französisch verfasst und ziehen Laien-Experten gleichermaßen an wie Wissenschaftler.

Blogposts über Forschungsergebnisse, die sonst unter den Tisch fallen würden

Selbstverständlich bloggt auch die Leiterin der Session, Dr. Mareike König und zwar gleich auf verschiedenen Blogs. Ihren über das 19. Jahrhundert sieht sie selbst als eine Art Dokumentation und verrät den bloggenden Historiker-Kollegen, welches ihr meist geklickter Beitrag ist: Er trägt den spannenden Titel „Bitte leeren Sie den Papierkorb, Madame!“. Was es mit Madame Bastian auf sich hat, erfahrt ihr selbstverständlich im verlinkten Blogpost. So viel vorab: Es ist eine nette Hintergrundinfo über die Dreyfusaffäre, die jedoch, wie die promovierte Historikerin selbstkritisch feststellt, keinen Artikel wert wäre.

Monetarisierung bei Wissenschaftsblags kein Thema

Als ich ein paar Anekdoten über den Blogger-Stammtisch in München einstreue und, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt seit Kurzem sogar einen Bloggerclub e. V. gibt, geraten die bloggenden Historiker etwas ins Staunen. Geld verdienen mit dem eigenen Blog? Das geht?

Bei bloggenden Wissenschaftlern stehen andere Dinge als die Monetarisierung im Fokus – Hypotheses ist zudem gänzlich werbefrei. Was ist ein Blogpost wissenschaftlich gesehen wert? Wie bringt man Kolleginnen und Kollegen dazu, Zeit in einen Blogpost zu investieren, wenn eine Publikation auf Totholz noch sehr viel mehr angesehen ist? Kann ein Blog künftig den Rang einer (online) Fachzeitschrift haben?

Weiter geht’s auf dem Histocamp in Mainz

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Design: Lucas Garske/ Text: Team Open History e. V.

Die Blogger-Session auf dem Deutschen Historikertag hat Appetit gemacht – mehr konnten die wenigen Veranstaltungen nicht leisten: Aber ich fuhr nach Hause mit der Erkenntnis, dass es bloggende Kolleginnen und Kollegen gibt. Auch wenn nicht alle an der Session teilgenommen haben, gell @citoyenberlin 😉

Über die Vernetzung und viele weitere spannende Dinge können wir beim histocamp weiterdiskutieren – ja, ein echtes „BarCamp für alle, die an und mit Geschichte arbeiten“. Karoline mit dem Mittelalter-Blog gehört zu den Organisatoren. Und wie sagte schon Simone de Beauvoir? „Man kommt nicht als langweilige Historikerin zur Welt, man wird dazu gemacht.“*
* zitiert nach Team Open History e . V.

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Wie ich zum „Robin Hood“ der Sparkassen-Kunden wurde

28 Aug

Normalerweise lässt sich ein Blogger ungern in seine Statistik schauen – Aber was ich bei meinem Eintrag „Ein Blogeintrag schlägt große Wellen: „Vorladung“ bei der Sparkasse Passau“ erlebte, übertraf alles bisher dagewesene: Binnen weniger Stunden hatte ich 910 Aufrufe auf meinen Blog. Die Klicks verteilten sich (bis auf wenige „verirrte“  im zweistelligen Bereich) auf die zwei Einträge über die Sparkasse mit dem Titel „Sparkasse Passau: Wer nicht mit der Zeit geht… verliert seine Kunden“ und dem oben genannten. Und die hohen Aufrufzahlen scheinen kein Ende zu nehmen…

Unzufriedene Kunden vernetzt euch!

Zugegeben, irgendwie war ich zunächst sogar ein klein wenig enttäuscht – immerhin gehören die zwei Sparkassen-Blogeinträge nicht unbedingt zu meinen stilistischen Glanzleistungen.. Aber die Botschaft, die für mich dahinter steckt, ist klar: Wenn wir Kunden uns im Web 2.0 vernetzten, können wir vielleicht sogar alteingefahrene Strategien etablierter Groß-Unternehmen aufweichen!

Alles was wir dazu brauchen, ist eine Art „moderner Robin Hood“, der kein Blatt vor den Mund nimmt und die Unzufriedenheit verbalisiert. Die technischen Möglichkeiten sind mit den sozialen Medien gegeben, lasst sie uns daher auch nutzen! Oder wie es ein Kommentar prägnant ausdrückt:

shivaniAugust 28, 2011 um 9:41 am

Jahwoll! Das gefällt mir so sehr am web2.0: die Transparenz. Endlich greifen die platt-Schüsse der alten Werbe-Industrie nicht mehr. Authentizität zählt jetzt! Alles andere wird entlarvt. Die Kunden beschweren sich, wenn das Versprechen nicht eingehalten wird. Die Werte, die mir auch wichtig sind werden endlich lebbar. Und das Beste: Das kommt aus dem Internet (wer hätte das gedacht?) und die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Wer nicht mitmacht (sprich: seine Kunden nicht anständig behandelt), der ist weg vom Fenster. Rucki zucki. schönen Sonntag und weiter so!

Regionales Thema schafft es in die „Blogcharts“

Ich habe mich noch nie gescheut, gerechtfertigte Kritik zu formulieren. Sicher, mit dieser direkten Art eckte ich auch schon des Öfteren an… z. B. kann offensichtlich eine Partei solche Menschen nicht wirklich brauchen. Aber die Klickzahlen auf meinen Blog bestätigen mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Und seien wir einmal ehrlich: Nie im Leben hatte ich erwartet , dass ich mit einem vermeintlich regionalen Thema so viel Aufmerksamkeit erzeugen könnte, schließlich leide ich nicht an Selbstüberschätzung! Alle,s was ich wollte war, meine Erfahrungen mit der ortsansässigen Sparkasse zu schildern. Das Motto meines Bloges lautet schließlich nicht von ungefähr „Über Gott und die Welt“.

Aber, dass ich es damit sogar in die meistgelesenen deutschen Blogs von WordPress schaffen würde – das überstieg restlos meine Vorstellungskraft!

Ich gebe eure Kritik an die Führungsebene der Sparkasse weiter!

Immer mehr Kritikpunkte erreichen mich on – wie offline über die Sparkasse. So dass ich mich mittlerweile – natürlich etwas überspitzt formuliert – wie ein moderner Robin-Hood fühle…

Ich möchte mich auf diesem Weg für alle Kommentare, die mich via Facebook, Twitter, E-Mails, direkt hier auf WordPress oder auch in persönlichen Gesprächen erreicht haben, bedanken: Vielen Dank, dass auch ihr nicht Angst habt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen!

Selbstverständlich werde ich versuchen, Eure Kritikpunkte in dem Gespräch mit Marktdirektor Horst G.und Regionaldirektor Hans Rudolf D. von der Sparkasse Passau anzubringen. Das Gespräch ist für Mitte September geplant.

Fehlende Medienkompetenz ist schuld an der Misere der Sparkasse

Ich denke nicht, dass die Sparkasse Passau auch nur annähernd einschätzen kann, auf welch große Resonanz meine Blogeinträge stoßen. Und ich möchte hier sogar eine Lanze für Horst G. brechen, der kommentierte:

Horst GebetsbergerAugust 26, 2011 um 3:04 pm

Hallo teresaohneh,

komme per E-Mail mit einem alternativen Terminvorschlag für unser Beratungsgespräch zu.
Viele Grüße
Horst Gebetsberger
Sparkasse Passau

Die Sparkasse Passau hat zumindest versucht, auf diese neue Art der Kritik zu reagieren – von daher gab es von mir auch ein kleines „Lob“ dafür:

teresaohnehAugust 26, 2011 um 3:08 pm

Vielen Dank auch für unser Telefonat. Wie man sieht – die Sparkasse scheint lernfähig ;-)

Thomas Gerlach schreibt woran es eigentlich liegt:

Thomas GerlachAugust 26, 2011 um 4:43 pm

Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich sagen: Sehr schön. Ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man mit Social Media NICHT umgeht und wie man NICHT reagiert, wenn sich dort jemand wie Du kritisch über ein bestimmtes Unternehmen äußert. Man kann der Sparkasse nur wünschen, dass in dem Bereich irgendwann (möglichst bald) etwas mehr Kompetenz vom Himmel fällt.

Es fehlt den Verantwortlichen schlicht weg die Kompetenz, mit den neuen Medien umzugehen – aber ich bleibe dabei: Bravo, dass es Herr G. zumindest versucht hat, sich in die Diskussion einzumischen. Freilich, das sehen nicht alle so…

frank (@FLHH)August 26, 2011 um 6:00 pm

Alleine die Tatsache, dass der Herr „Berater“ sich stocksteif in den Kommentaren zu Wort meldet, ist für mich ganz grosses Kino.

Ihr könnt Euch ja selbst durch die Kommentare der zwei Blogeinträge hier klicken. Einen aus meiner privaten Facebook-Seite von „Olli“ möchte ich euch jedoch nicht vorenthalten:

Viel Spaß bei dem Gespräch:-) Wer von der „Wiege bis zur Bare“ an einem Wohnort lebt, für den ist eine KSK okay. Wer aber beruflich mehrmals umzieht, der erlebt sein blaues Wunder! Alle Sparkassen in Deutschland sind rechtlich selbstständig. Darum bekommt man auch in Stuttgart keine Kontoauszüge, falls Dein Girokonto in Bayern läuft. Alles schon live erlebt. Die sind in der Lebensrealität des 21. Jh. noch nicht angekommen… Und dann gibt’s doch tatsächlich so ’ne freche Blondine, die das alles ganz frech bloggt! Sachen gibt’s 🙂
—> Also, wie ihr schon gemerkt habt, die „freche Blondine“ wird euch in der „Causa Sparkasse“ weiterhin auf dem Laufenden halten 😉 Und mal schauen, wie es mit der fehlenden Medienkompetenz der Sparkasse Passau weitergeht – immerhin habe ich mich ja bereits bereit erklärt, die Mitarbeiter zu schulen…
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