Tag Archives: Bistum Passau

Passau: Nächtliches Privatkonzert an der größten Domorgel der Welt

21 Apr

Ostern und Weihnachten – an diesen beiden Hochfesten hat die Kirche „Hochsaison“. Die Liturgie, die Musik – alles ist dann besonders feierlich. Das will jedoch geübt werden. Ich kann mich noch gut an meine Zeit als (Dom)ministrantin erinnern, geprobt haben wir für die Pontifikalämter, also die Messen mit dem Diözesanbischof jedes Detail z. B. beim großen Einzug oder der Kommunion.

Doch was wäre ein Gottesdienst ohne Musik, ohne die Orgel. An Karfreitag wird das den Christen immer wieder bewusst, die Gemeinde muss dann dieses typische Kircheninstrument entbehren. Und statt Glockenläuten hören sie „Ratschen“. Erst beim feierlichen Osterhalleluja scheinen die wieder ertönenden Glocken die Orgel übertönen zu wollen – oder umgekehrt.

In Passau haben wir das Glück, in unserem Dom St. Stephan die größte Domorgel der Welt zu haben. (Die größte Kirchenorgel der Welt steht übrigens in der First Congregational Church in Los Angeles.) Seit 2003 ist Ludwig Ruckdeschel Domorganist und somit Herr über die 17.974 Pfeifen, die eben insbesondere an den christlichen Hochfesten besonders gefordert sind.

Der Abend vor Gründonnerstag war dieses Jahr ein lauer Frühlingsabend. Es herrschte Stille und es waren erstaunlich wenig Touristen unterwegs, als ich am Dom St. Stephan vorbei spazierte. Und so hörte ich nichts außer meinen eigenen Schritten und die gewaltigen Töne der Domorgel, die trotz der geschlossenen Portale aus dem Inneren der Barockkirche nach außen drangen. Ich fühlte mich als Gast eines exklusiven Privatkonzertes, das ich so sehr genoss, dass ich auch andere daran teilhaben lassen wollte.

Aus diesem Grund habe ich die zwei Videos aufgenommen – beide sind nicht sehr professionell, aber geben hoffentlich die Stimmung dieses besonderen Moments wieder.

Wer durch meine Aufnahmen auf den Geschmack gekommen ist – hier finden sich Termine für Orgelkonzerte im Passauer Stephansdom. Und wer weiß, vielleicht wird der ein oder andere meiner Leser die Domorgel in den kommenden Ostertagen auch „live“ hören:

Frohe Ostern!

Social Media: Fasten 2.0

3 Mrz

Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Die Christen besinnen sich seit dem Kreuzestod Jesu‘ durch Fasten auf das Leiden und Sterben ihres Messias. Am Ende der Fastenzeit steht daher auch symbolisch die „Belohnung“ für ihre Entbehrungen: Das Osterfest, das die Auferstehung und das Leben nach dem Tod symbolisiert.

Egal, ob in dieser Zeit auf Fleisch, Süßes, Alkohol, Tabak, Computer oder Internet verzichtet wird – dieser Verzicht muss nicht (nur) schmerzlich sein, sondern kann auch glücklich machen.

Kraft tanken beim Facebook Fasten? (Foto: Ralph Winderl)

Ständige Verfügbarkeit erzeugt Stress

Denn über E-Mails und unsere Smartphones sind wird ständig verfügbar. Und diese Verfügbarkeit erzeugt Stress.

Wie oft ertappe ich mich, dass ich nur „schnell“ auf Facebook schauen wollte, was meine „Freunde“ dort machen und dann wird aus dem „schnell“ doch schnell eine halbe Stunde… So wie mir geht es wohl auch anderen, denn auf Facebook gibt es eine Gruppe „Facebook Fasten“ mit immerhin derzeit 224 Mitgliedern.

Gänzlicher Verzicht auf Social Media schlecht möglich

Ich bin realistisch, ich werde es wohl nicht schaffen, in den kommenden sechs Wochen gänzlich auf soziale Netzwerke zu verzichten. Zu sehr läuft die tägliche Kommunikation, auch mit meinen „echten“ Freunden über soziale Medien ab. Nicht zuletzt bin ich als Medienschaffende auf diese Medien auf eine gewisse Art angewiesen.

Aber ich werde versuchen, meinen Social-Media-Konsum drastisch einschränken: D. h. als allererstes die Aufenthaltszeit in den sozialen Netzwerken zu verringern, auch die Anzahl meiner Statusmeldungen werde ich einschränken. Zudem kann ich auf die aktive Suche nach neuen Kontakten verzichten, sowie die Zahl der „gefällt mir“ begrenzen. D. h. aber auch, mir die Zeit zu nehmen, nicht auf jeden Post, eine jede Nachricht sofort zurück zu schreiben.

Alles in allem gelingt es mir so vielleicht, durch das Fasten 2.0 mich auch nach der Passionszeit etwas bewusster und auch gezielter im Web 2.0 zu bewegen. Der Alltagsstress würde verringert, ich spare durch die auf sozialen Netzwerken „vergeudete“ Zeit – Minuten, wenn nicht sogar Stunden für sinnvollere Aktivitäten.

Religiöse Fastenmotive treten oft zurück

Wer früher fastete, stellte körperliche Bedürfnisse zugunsten seines Glaubens zurück. Dabei spielt auch die Angst um das Seelenheil eine große Rolle. Die Motive für das Fasten haben sich heute gewandelt: Viele üben sich nicht mehr aus religiösen Gründen im Verzicht. So wird etwa auf Tabak aus gesundheitlichen Gründen verzichtet. Und z. B. bei einem „Medienfasten“ möchte man gegen „Süchte“ ankämpfen.

Die evangelische Kirche hatte von je her eine andere Sicht auf das Fasten. Martin Luther war der Überzeugung, dass der Mensch nicht durch das Fasten angenehm bei Gott werde, sondern allein durch die Gnade, allein durch den Glauben. Im Gegensatz zur römisch-katholischen Tradition ist auch das Fasten in den protestantischen Kirchen nicht mit dem Bußsakrament verbunden.

„7 Wochen Ohne“

Eine Renaissance erlebt das Fasten in der evangelischen Kirche in den vergangenen Jahren also nicht wegen Kirchengebote, sondern als freiwillige spirituelle Erfahrung. In diesen Kontext ist die Aktion „7 Wochen Ohne“ einzuordnen, deren Ziel die bewusste Gestaltung der Passionszeit ist. Wobei der Fastenbegriff dabei weit gefasst ist. Alltagsgewohnheiten sollen während der Fastenzeit überdacht werden. Die Teilnehmer der deutschlandweiten Aktion verzichten dazu zum Beispiel auf Süßigkeiten, Nikotin aber eben auch auf Medien wie etwa das Internet.

Durch diesen Verzicht wird klar, was für einen persönlich Lebensqualität ausmacht. Nicht mehr ständig verfügbar zu sein, nicht mehr jeden selbstdarstellerischen Post meiner Facebook-Freunde mitzubekommen, gehört für mich dazu.

Mein Facebook Fasten stellt für mich persönlich also mehr Gewinn als Verzicht dar.

Bistum Passau bietet „Exerzitien online“

Interessant ist, dass für Fastenaktionen die Kirchen auch verstärkt auf das Internet zurückgreifen, um die Menschen zu erreichen.

So bietet etwa das Bistum Passau für die Fastenzeit 2011 Exerzitien online an. Die Teilnehmer der Aktion können dabei aus drei Begleitern wählen. Auf der Homepage heißt es dazu:  „Sie werden Ihren Begleiter, Ihre Begleiterin nicht persönlich treffen, sondern lediglich per Mail kontaktieren. Diese geschützte Atmosphäre kann Sie ermutigen, Fragen oder Angelegenheiten Ihres Lebens und Glaubens zu formulieren, die Sie sonst nirgendwo zum Ausdruck bringen können.“

Gewinn durch Verzicht

Beide Aktionen, die evangelische „7 Wochen ohne“ und die katholische „Exerzitien online“, sind gute Möglichkeiten, die Fastenzeit gewinnbringend für sich zu nutzen, zu sich zu finden und neue Kraft zu tanken – Kraft dafür auch einmal offline zu gehen und das Smartphone vielleicht auch in der Freizeit nach der 40-tägigen Fastenzeit auch mal abzuschalten.

Archiv des Bistums Passau setzt auf Digitalisierung

8 Feb

„In Amerika ist Familienforschung das Hobby von jedermann, das geht hinauf bis zum Präsidenten“, sagt  Wolfgang Fronhöfer. Der Diplom-Archivar muss es wissen, schließlich erreichen das Archiv des Bistums Passau, für das er als Archivamtsrat arbeitet, jährlich zahlreiche Forschungs-Anfragen aus Übersee.

Besonders begehrt für Familienforscher sind dabei die sog. Matrikelbücher, weil in ihnen die „Kerndaten“ eines Christenlebens erfasst sind. Für die Erstellung von Stammbäumen können aus ihnen Tauf-, Trauungs- und Sterbedaten ermittelt werden.

Familienforschung online

Von zehn ForArchiv des Bistums Passauschern, die in dem kleinen Raum in der Luragogasse 4 am Domplatz in Passau Platz finden, seien bisher acht Familenforscher gewesen. Das wird sich nun wohl ändern: Denn die wertvollen Matrikelbücher können nun bequem von zu Hause am Bildschirm angesehen werden. Und das völlig kostenlos – bisher mussten „offline“ pro Tag immerhin fünf Euro Archivnutzungsgebühr entrichtet werden.

Bis Ende 2011 bzw. spätestens 2012 sollen alle Matrikelbücher des Bistums Passau digitalisiert sein. Im Moment sind auf www.matricola-online.eu schon die Kirchenbücher der Stadt Passau und des Bayerischen Waldes einzusehen . Das eröffnet vor allem den Ahnenforschern, die überall auf dem Globus verteilt sind, neue – bisher ungeahnte Möglichkeiten. Grundsätzlich können Ahnen bis 1890 erforscht werden, dann greifen Datenschutzregelungen.

„Die Digitalisierung ist der beste Schutz für unsere Archivalien“, ist sich Fronhöfer sicher.  Denn mit den Orginalen der Bücher, die im Internet verfügbar sind, kann im Archiv künftig nicht mehr gearbeitet werden.

Bisher mussten Unsummen in die Restaurierung der häufig benutzten Bände gesteckt werden – das kann schon einmal 3000 bis 4000 Euro pro Band betragen. Das Bistumsarchiv hofft, dass mit den Digitaliserungs-Maßnahmen, diese Kosten gesenkt werden können. Wenn die Archivalien erst einmal gescannt sind, sollen sie für immer in den Regalen des Archivs ruhen.

Virtuelles Urkundenarchiv

Interessant ist auch das virtuelle Urkundenarchiv Monasterium. Hier finden sich Urkunden aus den Jahren 1159-1801. An diesem EU-Projekt, das die historische Forschung im Internet-Zeitalter enorm bereichert, waren neben den Diözesanarchiven von St. Pölten und Passau, österreichische Stifte und Klöster, das Oberösterreichische Landesarchiv, sowie die archivische Vereinigung ICARUS beteiligt.

Diözesanarchiv Passau ist Vorreiter

Obwohl das Diözesanarchiv Passau erst im Jahr 1980 eingeweiht wurde, zählt es heute wohl zu den modernsten Archiven Bayerns.

Um etwa Bewohner des Bayerischen Waldes, die nach wie vor nur eine DSL-Internetverbindung haben oder auch ältere Forscher, die nicht über die nötige Medienkompetenz verfügen, nicht zu benachteiligen, sollen im Archiv Bildschirmarbeitsplätze eingerichtet werden. Dies stellt für Fronhöfer jedoch nur eine Übergangslösung da:

Denn Ahnenforschung wird -zumindest im Bistum Passau- künftig online stattfinden. Bleibt nur zur hoffen, dass sich viele weitere Archive dieser vorbildlichen Digitalisierungsarbeit anschließen werden! Schließlich wird die Familienforschung, auch wieder zunehmend in Deutschland populär und löst sich aus dem negativ konnotierten NS-Schatten.

 

Ein aktueller Beitrag zum Thema bei „Treffpunkt Degenhart“ vom 16.02.2010 auf trp1.de.