Archive | Mai, 2014

Der bunte Hund von Augsburg: Jung-Stadtrat Benedikt Lika fährt mit seinem Rolli Spitzenergebnis ein

28 Mai

Benedikt Lika sitzt seit seit früher Jugend im Rollstuhl. Auf du und du ist er mit den Politikern. Sein „Alleinstellungsmerkmal Rollstuhl“ setzt er gezielt für seine politischen Ziele ein.

„Sie kenn ich doch, Sie haben für die CDU kandidiert“, sagt der Service-Point-Mitarbeiter am Hauptbahnhof in München zu Benedikt Lika, als der sich für die Fahrt mit der Regionalbahn nach Augsburg anmelden will. „Für die CSU“, antwortet ihm Benedikt – das S in seiner Partei, das für „sozial“ steht, ist ihm besonders wichtig. Benedikt, der seit seinem elften Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, kann nicht einfach so von seinem Wohnort bei Augsburg mit dem Zug in die Landeshauptstadt fahren. Benes E-Rolli wiegt 160kg, da braucht es eine Rampe, die ihn und sein Gefährt in den Zug bringt.

„Und er hat die Wahl auch gewonnen“, füge ich hinzu – „mit einem Spitzen-Ergebnis“, Benedikt schmunzelt bescheiden. Der freundliche Bahn-Mitarbeiter vom Service-Point begleitet uns bis zur Zugbegleiterin, die etwas motzig reagiert als sie erfährt, dass der Rolli-Fahrer mit soll: „So so, nicht vorgemeldet“, grummelt sie.

Politiker mit „Wiedererkennungseffekt“

Es stellt sich heraus, dass der Bahn-Mitarbeiter –wie Bene- aus Augsburg-Hochzoll stammt. „Das ist ja toll, jetzt kenn ich meinen Stadtrat. Wenn ich mal ein Problem hat, darf ich mich an Sie wenden?“ „Selbstverständlich“, antwortet ihm „sein“ Stadtrat.

Sein Mandat nimmt Benedikt Lika sehr ernst, schließlich haben ihm die Wähler so großes Vertrauen geschenkt, dass er von Platz 35 auf Platz 8 der CSU-Liste „vorgewählt“ wurde. „So etwas gab es in Augsburg noch nie“, freut sich der Jung-Stadtrat.

Mit gerade 32 Jahren ist er auch einer der Jüngsten im Stadtratskollegium. Ich habe viele junge Kandidaten -ebenfalls JU-Kreisvorsitzende- erlebt, die von einem viel besseren, aussichtsreichen Platz gestartet sind und weit abgeschlagen die Kommunalwahl 2014 verloren haben. „Das liegt aber auch an meinem hohen Wiedererkennungseffekt“, witzelt Bene.

Mich beeindruckt die Offenheit mit der er von seiner Behinderung und auch seiner politischen Arbeit berichtet:. „Wie viele Hände schüttelt Horst Seehofer jeden Tag? Mich hat er nach dem dritten Mal mit Vornamen gekannt.“ Dieses „Alleinstellungsmerkmal“ Rollstuhl setzt der Christsoziale geschickt ein.

Versprechen von Horst Seehofer

Über die Kulturpolitik kam der Musiker, der aus einer Künstlerfamilie stammt, zur CSU. In Augsburg ist er Stadtrat „für alle“. Mit seinem guten Draht zum Ministerpräsidenten setzt er sich v. a. dafür ein, dass Bayern zum Inklusionsland wird: „Noch am Abend der Landtagswahl hat mir Horst Seehofer versprochen, sich für das Bundesteilhabegesetz einzusetzen. Das würde auch die Richterin im Rolli betreffen, über die du kürzlich die Reportage gesehen hast.“

Geschockt habe ich Bene getwittert, als ich durch diesen Film erstmals erfuhr, dass Behinderte, die auf einen Assistenten angewiesen sind, ihr Gehalt abgeben müssen, wenn es einen bestimmten Satz übersteigt. Nach der momentanen gesetzlichen Regelung dürfen Behinderte lediglich ein „Vermögen“ von 2.600 Euro besitzen und 780 Euro pro Monat dazuverdienen. Im Fall der Richterin bedeutet dies, dass sie zwei Staatsexamina höchst erfolgreich bestanden hat, aber ein Einkommen wie ein Hartz 4-Empfänger hat.*

WWM-Gewinn ging für Taxifahrten drauf

Benedikt Lika ist Stadtrat "für alle". Bei der Kommunalwahl haben ihn die Augsburg von Platz 35 auf 8 "vorgewählt".

Benedikt Lika ist Stadtrat „für alle“. Bei der Kommunalwahl haben ihn die Augsburg von Platz 35 auf 8 „vorgewählt“.

Auch Bene, der blitzgescheid und einen Uni-Abschluss hat, hat so schon ein kleines „Vermögen“ verloren: 16.000 Euro gewann er vor ein paar Jahren bei „Wer wird Millionär“. Davon hat er nichts mehr und lacht: „Durch den Gewinn verlor ich den Anspruch auf einen Assistenten. Ich musste von da mit dem Taxi zur Uni fahren. Die 16.000 Euro habe ich quasi für’s Taxifahren ausgegeben.“

Ob er sein Stadtrats“gehalt“ behalten darf, ist noch nicht sicher: „Je nachdem, ob es als Lohn oder Aufwandsentschädigung eintaxiert wird.“ Aber Bene, der gläubiger Christ ist und somit ein gesundes Gottvertrauen hat, ist optimistisch. Horst Seehofer hat ihm schließlich etwas versprochen und er wird nachfragen, wenn er ihn beim nächsten Mal sieht.

Bene ist wie jeder andere junge Mann, er feiert gern und möchte nicht anders behandelt werden, nur weil er im Rollstuhl sitzt. Er glaubt, das sei eine Erziehungssache: „Mit meinen drei Brüdern habe ich Fußball gespielt, die haben mich ins Tor gestellt und draufgeboltzt, da wurde auf meine Behinderung keine Rücksicht genommen.“ Inklusion ist ein hochaktuelles politisches Thema. Benedikt war immer schon „integriert“. Freunde im Rolli hat er keine, weil er eine „normale“ Schule und Uni besucht hat.

Jeder sollte einen Bene_Li kennen

Als Bene mit seinem Rolli im Zug sitzt hofft er, dass dieser auch pünktlich abfährt. Denn in Hochzoll werde der Lift um 23h ausgeschaltet. Ich schaue auf die Uhr, zwei Minuten Verspätung hat der Zug bei Abfahrt – nicht wegen Bene. Ich fahre nach Hause, aber mit deutlich anderen Augen wie zuvor. Ich denke mir, jeder Deutsche sollte einen @Bene_Li in seinem Bekanntenkreis haben, um so zu sehen.

Gleichbehandlung bei der Bahn: Fehlanzeige

Die Tram stellt für mich kein Hindernis dar, Bene konnte nicht auf die Hebe-Rampe fahren… Wenigstens Zugfahren kann er ohne Probleme, denk ich mir, das mit der Rampe ging dort ratz-fatz. Der Blick auf’s Smartphone belehrt mich eines Bessern: Bene twittert:

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Fazit: Behandelt werden wie jeder andere ist etwas anders.

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Wir in Bayern/ Deutschland haben noch einen weiten Weg zum Inklusionsland. Aber mit Politikern wie Benedikt, könnte dies gelingen!

 *Wer die momentane gesetzliche Regelung auch ungerecht findet – unterzeichnet diese Petition zum Teilhabegesetz.

Weihnachts-Grußkarte in Christbaum-Kugel-Design basteln

17 Mai

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten!? Nein, aber da mich gerade eine Frühjahrs-Grippe ans Bett fesselt und Weihnachten ohnehin immer so plötzlich kommt… Warum nicht schon im Mai Grußkarten vorbasteln für Weihnachten?

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Für meine Grußkarte braucht ihr nicht viel:
Quadratisches Papier (in der Farbe eurer Wahl) für die Schleife,
farbiges Papier (z. B. Weihnachtsgeschenk-Papier) für die „Christbaum-Kugel“,
eine Gußkarte
Kleber.
Schritt 1 Die 3D-Schleife in Origami-Technik falten. Eine gute Anleitung habe ich hier gefunden. Origami fasziniert mich seit Weihnachten 2013 – Bascetta-Sterne haben mich „infiziert“. Ich bin also schon etwas geübt, aber im zweiten oder dritten Anlauf kriegt auch ihr die Schleife hin.
Schritt 2 Je nach Geschmack eine, zwei oder auch mehrere kleiner werdende Kreise ausschneiden. Bei meiner „Muster“-Variante habe ich mich für zwei Kreise entschieden – der eine ist aus Geschenkpapier, der andere aus demselben Papier wie die Schleife. Diesen kleineren uni-farbenen Kreis habe ich auch noch bestempelt, aber das kann man sich auch sparen.
Schritt 3 Jetzt müssen die Teile nur noch zusammengeklebt werden. Auf die Origami-Schleife habe ich noch ein Glitzersteinchen geklebt. Wer das nicht hat, kann das natürlich auch weglassen. Die Kreise könnte man auch mit 3D-Klebeband auf der Grußkarte anbringen, aber das hab ich nicht zur Hand. Wer das hat und mag, kann „Frohe Weihnachten“-Aufkleber anbringen oder mit Schönschrift unter die Weihnachtskugel schreiben. Mir persönlich gefällt meine Variante ganz gut, Weihnachtskarten sind ja sonst recht überladen.
Schritt 4 Die Karte muss natürlich noch beschrieben werden 😉 Wer möchte, dass Karte und Umschlag zusammenpassen, kann auf den Umschlag Papier kleben, das beim Kreise ausschneiden übrig blieb. Ich finde, das sieht nicht nur super aus, sondern ist auch eine ideale Resteverwertung.
Fazit Ich ertappe mich dabei, immer weniger „echte“ Post zu verschicken. Oft greife ich auf die schnelle und persönliche Variante „E-Mail“ zurück. Doch an Weihnachten greife ich gern zu Füller und Grußkarte. Ich finde, meine hier gezeigte Variante ist eine praktikable Bastelvariante – denn länger als ca. eine halbe Stunde, wie hier, kann und möchte ich nicht in die Herstellung einer Grußkarte investieren.

Sterben 2.0: Nordbayerischer Kurier erkennt wirtschaftliches Potential von Traueranzeigen

17 Mai

Von der Medienlandschaft im Wandel und der Gratis-Mentalität, die mit ihr Einzug gehalten hat, ist besonders auch der Lokaljournalismus betroffen. Joachim Braun, Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers meint jedoch: „Der Lokaljournalismus befand sich schon vorher in einer Krise“.

Im Rahmen seines Vortrags bei der 2. Medienfachtagung des Instituts für Journalistik der Universität der Bundeswehr in München präsentiert der Chefredakteur zehn eingängige Forderungen. Einige „Erfolgsfaktoren für einen erfolgreichen Lokaljournalismus im 21. Jahrhundert“, die er in seinem gleichnamigen Vortrag am 15. Mai 2014 aufzeigte, setzt er mit „seiner“ Tageszeitung auch schon selbst um.

Lokaljournalismus ist mehr als Vereinschronik

Ich bin davon überzeugt, dass das Medium Tagesteitung gerade im Lokalen eine Daseinsberechtigung haben wird. Doch Braun stellte klar: „Lokaljournalisten sind keine Chronisten“. Das könnten die Vereine auf ihren Homepages und Jahresberichten viel besser. Der Nordbayerische Kurier gibt daher für die Vereinsmeldungen eine eigene Zeitschrift heraus. Sie heißt „mein Verein“ und enthält die Pressemitteilungen der Vereine, die unredigiert für das Blatt übernommen werden.

„Premium“ Gedenkseite kostet extra

Eine große Notwendigkeit für den Leser, die lokale Zeitung zu abonnieren sehe ich persönlich v. a. in Todesanzeigen, wie ich noch einmal in einem gesonderten Post darstellen werden. Viele Tageszeitungen stellen jedoch die Todesanzeigen online – ohne Zusatzkosten. Das ist bequem für den User, der kann sich, meist ohne Abonnent der Zeitung zu sein, Informationen aus den Todesanzeigen ziehen (wann etwa die Beerdigung stattfindet) und auch kondolieren. Dieses Modell ist jedoch für die Zeitung aus wirtschaftlicher Sicht nicht besonders clever .

Auf der Webpräsenz des Nordbayerischen Kuriers können Hinterbliebene eine Gedenkseite für den Verstorbenen erstellen. In der Premium-Variante sind auch für die  Kondolierenden die digitalen Kerzen kostenlos.

Auf der Webpräsenz des Nordbayerischen Kuriers können Hinterbliebene eine Gedenkseite für den Verstorbenen erstellen. In der Premium-Variante sind auch für die Kondolierenden die digitalen Kerzen kostenlos.

Der Nordbayerische Kurier hat die Vorreiter-Stellung der Lokalzeitung erkannt: Die Angehörigen können auf dessen Webpräsenz eine „Gedenkseite“ einrichten und haben dabei zwei Möglichkeiten: Entweder sie wählen die gratis oder Premium-Variante. Einen Überblick über die einzelnen Funktionen gibt es hier.

„Mit jeder Traueranzeige, die Sie im Nordbayerischen Kurier aufgeben, erhalten Sie zusätzlich eine kostenfreie Gedenkseite auf trauer.nordbayerischer-kurier.de. Animierte virtuelle Kerzen kosten je 0,99 €.“ Weiter heißt es auf der Webseite: „Für jährlich 29,- € können Sie alle zusätzlichen Funktionen uneingeschränkt nutzen und virtuelle Kerzen ohne zusätzliche Kosten beliebig oft anzünden“

Diese Gedenkseiten enthalten weit mehr Informationen als die bloßen Lebensdaten in der gedruckten Traueranzeige: Bilder und Videos können hochgeladen werden. Kurz – ein „virtueller“ Lebenslauf der verstorbenen Person kann eingerichtet werden. Gut ist meiner Meinung nach, dass die Gedenkseite mit einem Passwort geschützt werden kann und so nur einem gewissen Personenkreis zugänglich ist. Wie ich in einem weiteren Blogpost darstellen möchte, werden die digitalen Kondolenzbücher z. T. als eine Art Trauertagebuch von Angehörigen genutzt. Aus unterschiedlichen Gründen müssen diese nicht öffentlich einsehbar sein.

Leser kann virtuelle Kerze entzünden

Einfache digitale Kerzen können kostenlos entzündet werden - animierte kosten.

Einfache digitale Kerzen können kostenlos entzündet werden – animierte kosten.

Der Nordbayerischer Kurier hat sich hier richtig Gedanken gemacht: Ein echter Mehrwert – für die Hinterbliebenen und die Trauergemeinde: Denn auch die Leser können sich beim Nordbayerischen Kurier nicht nur in ein virtuelles Kondolenzbuch eintragen, sondern auch virtuelle Kerzen entzünden.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – so sicherlich auch über Ästhetik, Sinn und Unsinn der virtuellen Kerzen. Aber die fränkische Tageszeitung hat das Alleinstellungsmerkmal „Traueranzeigen“ von Lokaljournalismus geschickt erkannt.  Mit solch (innovativen) Ideen kann Lokaljournalismus sicherlich auch noch im 21. Jahrhundert erfolgreich sein!

 

In meiner Blog-Serie “Sterben 2.0″ bisher veröffentlicht: