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Aus dem Archiv: Christkind vs. Weihnachtsmann – wer ist der „richtige“ Gabenbringer an Weihnachten?

11 Dez

Für meine Leser habe ich mal wieder im persönlichen Archiv gekramt. Gefunden habe ich einen Beitrag für ein Passauer Studentenmagazin aus dem Jahr 2008. Als Christkind verkleidet habe ich damals mit einem Weihnachtsmann Passanten befragt, an welchen Gabenbringer sie glauben.

Hach, das waren noch Zeiten! Als Studentin weit vor Weihnachten (man bedenke den Redaktionsschluss für ein Magazin aus Papier) einfach mal als Christkind über den Campus zu laufen. Und dann wurde das Ergebnis auch noch gedruckt. So richtig mit mir auf dem Cover (übrigens vor der PaWo mein erstes) auf Papier.

Auf den letzten Seiten des Magazins habe ich mit der Geschichte des Christkinds bzw. Weihnachtsmannes auseinandergesetzt: Und mit diesem Wissen kann man garantiert „alle Jahre wieder“ unterm Christbaum prahlen!

Wer den Text lieber bebildert im retro-Layout liest, für den gibt es den Artikel Christkind vs Weihnachtsmann hier als PDF zum Download. Alle anderen bilden sich bitte hier weiter:

christkind-weihnachtsmann_uni

Kaum eine Frage spaltet unser Land in diesen Tagen vor Weihnachten stärker — gehört man nun zur Christkind— oder doch zur Weihnachtsmann“fraktion“. Das scheint auf den ersten eine Frage der Konfession zu sein: Denn in den traditionell eher katholisch geprägten Gefilden West- und Süddeutschlands, aber auch im angrenzenden Österreich und der Schweiz bringt das goldblondgelockte Christkind die Weihnachtsgeschenke. Im restlichen, zumeist evangelischen Teil der Republik ist dieser Dienst dem zipfelmützigen Weihnachtsmann vorbehalten.

Doch ganz so einfach ist es nicht! Denn das Christkind, das heute den Kindern heimlich die Gaben unter den Weihnachtsbaum legt, ist eine Erfindung des Reformators Martin Luther (1483-1546) und somit eigentlich alles andere als „katholisch“! Die Bescherung am Geburtstag Jesu war im Mittelalter aber noch nicht üblich: Die Kinder beschenkte man am Nikolaustag, dem 6. Dezember oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember).

Martin Luther jedoch lehnte die Heiligenverehrung ab und somit konnte schlecht ausgerechnet ein Heiliger, der hl. Bischof aus Myra, den Kleinen Geschenke bringen.

Verzichten wollte er aber auf den lieb gewonnen Brauch des Beschenken auch nicht mehr. Denn wahrscheinlich wusste Luther als sechsfacher Vater nur zu gut, was Kinderaugen zum Glänzen bringt. So sollte fortan (ab etwa 1535) der „heilige Christ“ höchstpersönlich die Kinder beschenken.

Weil die Gläubigen sich aber noch zu Beginn der Neuzeit sehr bildhafte Vorstellungen machten, wurde aus dem ,,heiligen Christ“ allmählich die Kunstfigur des lieben Christkinds. Dieses stellt also nicht das Christuskind in der Krippe dar, wie es der Name vermuten lässt. Vielmehr schufen die Menschen eine neue Figur, die den engelhaft gekleideten Mädchen entsprach, die weihnachtlichen Umzügen mit offenen Haaren vorangingen.

christkind-oder-weihnachtsmann

Zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert mischte sich zum Aspekt der evangelischen Kritik an der Heiligenverehrung erstmals die Vorstellung von einem Weihnachtsmann. Ob er nun Père Noël, Sinterklaas oder Santa Claus heißt, auf der ganzen Welt wissen die Kinder wie er aussieht: Pausbäckig mit rosigen Wangen und einem langen weißen Bart. Der rote Mantel darf dabei ebenso wenig fehlen wie die Zipfelmütze, die der Weihnachtsmann im Unterschied zum mitratragenden Bischof aus Kleinasien auf dem Kopf hat. Warum sein pelzbesetzter Mantel ausgerechnet rot ist? Vielleicht ist das noch ein Anklang an den Bischofsmantel des hl. Nikolaus. Doch im Grunde braucht man sich nur eine Coca-Cola-Dose anzusehen – denn dem US-Konzern ist es gelungen, das Bild vom Weihnachtsmann entscheidend zu prägen und in ihn Firmenfarben zu kleiden. Ist der Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen also nichts anderes als ein besonders effektiver Marketinggag? Mit dem mildtätigen Bischof Nikolaus, der ein Heiliger und Schutzpatron der Kinder ist, hat die Märchenfigur auf dem Rentierschlitten jedenfalls nichts gemein!

„Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern“ und recht viel üppiger darf man sich die Geschenke einst zur Weihnachtszeit auch nicht vorstellen. Schenken war damals noch stärker eine Sympathieerklärung und nicht wie in unseren Tagen ein exklusiver Warenaustausch. Erst um l800 hatte bei den Katholiken Weihnachtsmann bzw. Christkind allmählich den Nikolaus als Gabenbringer abgelöst. Doch schon damals scheint der männliche Geschenkebringer populärer als das Christkind gewesen zu sein. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Dichter des Deutschland-Liedes, Hoffmann von Fallersleben, mit seinem Gedicht,,Morgen kommt der Weihnachts- mann“, das er um 1835 verfasste.

Ihre „Wirkungsstätten“ haben die beiden Gabenbringer im Laufe der Zeit getauscht – heute bringt der Weihnachtsmann vornehmlich im Norden die Geschenke, während dies im katholischen Süden das ursprünglich „lutherische“ Christkind übernimmt. Dass in unseren Tagen der einst evangelische Brauch hauptsächlich im katholischen Bayern praktiziert wird, verdankt er vielleicht dem traditionsreichen „Christkindlesmarkt“ der Stadt Nürnberg, wohl der evangelischte Flecken Bayerns.

Doch auch in den südlichen Gefilden wird das Christkind immer mehr von seinen männlichen Kollegen verdrängt – ob das nun an dem so oft kritisierten US-amerikanischen Einfluss oder der besseren Vermarktbarkeit des Weihnachtsmannes liegt. Wir wissen es nicht. Aber ist denn die männliche oder weibliche Gestalt des Gabenbringers überhaupt entscheidend? Letzten Endes sind doch beide ,,nur“ Kunstfiguren, die zwar auf eine bestimmte Tradition zurückblicken können, jedoch nicht den eigentlichen, kommerzfrei-religiösen Sinn der Weihnacht verkörpern!

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Frohe Weihnachten 2014

23 Dez

Weihnachtskarte_Teresaohneh20142Ein Jahr neigt sich dem Ende, das gibt Anlass zurückzuschauen:
Einige Impressionen aus dem Jahr 2014 zieren daher Weihnachtskugeln auf meiner Weihnachtskarte.

Diese stehen exemplarisch für Blogposts oder Ereignisse aus dem Jahr 2014, die mich besonders bewegt haben und die ich daher nochmals kurz darstellen möchte (von links nach rechts):

  • Es war mir eine besondere Ehre, den frisch gewählten Stadtrat von Augsburg, Benedikta Lika, interviewen zu dürfen – ich hoffe, dass ich ihn künftig noch etwas mehr bei seinem wichtigen Anliegen, der Inklusion, unterstützen kann.
  • Besonders freut mich auch die Kooperation mit der Lichtbox. In diesem Jahr habe ich einen neuen Header gebastelt – das war so nur möglich, weil ich die Foto-Daten hierfür zur Verfügung gestellt bekommen habe.
    Vielen Dank nochmals an Helmut Weishäupl von der Lichtbox in Passau! Wie ihr bei diesen Bildern seht, wer wirklich gute Aufnahmen braucht, der ist dort an der richtigen Adresse.
  • 2014 war ein besonderes Zentenarium: 100 Jahre Erster Weltkrieg. Nachdem ich mich akademisch vielfältig mit diesem Thema beschäftigt habe (so durfte ich u. a. beim Bayernbund einen Vortrag dazu halten), war es ein echtes Erlebnis, das Auto von Sarajevo in Wien besichtigen zu können. Mit dem CdAS waren wir auf Spurensuche, hier entstand auch der Blogpost über die Ur-Enkelin des ermordeten Thronfolgers.
  • Ein weiteres Highlight war für mich auch der StipendiatenCup in Nürnberg, da ich mich dort erstmals als Sportfotografin versuchen konnte.
  • Einen zentralen Platz im zurückliegenden Jahr nahm wieder „meine“ Stiftung ein. Nachdem ich im Frühjahr als Promotionsstipendiatin in den Vorstand von „docnet“ gewählt wurde, organisierten wir vielfältige Aktivitäten für die Doktoranden der HSS. Ganz besonders am Herzen lagen mir dabei die insges. vier Bastelabende für das BR-Projekt „Sternstunden“, bei dem u. a. Basetta-Sterne gefaltet wurden.

Als „Weihnacht-Junkie“ habe ich einige Posts zum Thema „Weihnachten“, diese sind:

Selbstgemachter Adventskranz „to go“

20 Nov

Nur noch einige Tage und wir haben schon wieder den ersten Advent. Habt ihr euch schon Gedanken über euren Adventskranz gemacht?

Die (Vor)weihnachtszeit ist die Zeit der Geschenke. Und was erfreut das eigene Herz und das Herz des Beschenkten besser, als etwas selbstgebasteltes, weil diese Kleinigkeiten eben ganz persönlich sind und von Herzen kommen.

Adventskranz to go

Vier Teelichter mit Washi Tapes und den Ziffern 1 bis 4 verzieren und fertig ist der „Adventskranz to go“.

Eine solche gebastelte Kleinigkeit ist mein „Adventskranz to go“. So ein Mini-Adventskranz ist das ideale Mitbringsel für die liebe Kollegin im Nachbarbüro oder den Junggesellen, der keinen Adventskranz im herkömmlichen Sinne in seiner Bude hat. Oder vielleicht wollt auch ihr selbst auf einen traditionellen Adventskranz aus Tannengrün verzichten.

Mein „Adventskranz to got“ ist jedenfalls ratzfatz fertig, alles was ihr für die „Basic-Variante“ benötigt sind:

  • 4 Teelichter
  • Washi Tapes
  • Lackmaler in der Farbe eurer Wahl
  • Klarsichtfolie oder Tütchen zum Verpacken
  • Geschenkanhänger zum Verzieren

Sog. Washi Tapes (auch Masking Tapes genannt) sind gerade bei einigen Discountern (ALDI Süd, LIDL) im Angebot, es gibt sie aber auch in großer Auswahl z. B. hier auf Amazon. Es handelt sich hierbei um bedruckte Papierklebebänder, die man zum Basteln verwenden kann und ursprünglich aus Japan kommen.

Teelicht mit Washi Tape

Das Washi Tape einfach auf die „Schale“ der Teelichter aufkleben.

Ähnlich wie einen Tesafilm lassen sich dies Washi Tapes auf die „Schale“ der Teelichter anbringen. Wer verschiedene Design-Varianten der Tapes besitzt (und das ist ja meist bei den Bastelfeen der Fall), der kann jede Adventskerze/ jedes Teelicht mit einem anderen Muster verzieren.

Danach werden noch mit den Lackmalern die Zahlen eins bis vier für die einzelnen vier Adventssonntage auf die verzierten Teelichter geschrieben. Hier habe ich mich für die klassischen Farben gold und silber entschieden. Jetzt seid ihr im Prinzip auch schon fertig.

Ich habe den „Adventskranz to go“ ganz einfach in Klarsichtfolie verpackt und mittels eines Stempels ein farbiges Notizblockpapier verziert, das ich gelocht und an die Teelichter gebunden habe.

Je nach Fantasie, Bastelfertigkeiten und Zeitbudget könnt ihr die „Basic-Variante“ natürlich auch noch etwas aufpeppen – hierzu noch einige Ideen von mir:

  • Man kann natürlich auch nur ein Washi-Tape-Design für den „Adventskranz to go“ wählen und bspw. nur für den sog. Gaudete-Sonntag, den dritten Advent, eine andere Variante. Dieses dritte Teelicht könnte dann auch ein Duft-Teelicht oder eines aus Bienenwachs sein.
  • Man könnte auch den Teelichter noch eine Zündholzschachtel hinzufügen, die ihr natürlich auch noch mit bspw. Washi Tapes verzieren könnt.
  • Ihr könnt natürlich auch noch z. B. einen  selbstgebastelten Stern an das Päckchen hängen.
  • Ihr könntet auch eine kleine Box in Origami-Technik für die Teelichter basteln.

Sicher habt ihr noch viele eigene Ideen zum „Adventskranz to go“! Ich würde mich daher freuen, wenn ihr diese einfach als Kommentar unter meinem Blogpost hinterlasst und auch noch bei meinem älteren Beitrag über Adventskränze vorbeiklickt 😉

Viel Spaß beim Nachbasteln, kreative Ideen und natürlich eine schöne Adventszeit

wünscht euch Teresa ohne h

Weihnachts-Grußkarte in Christbaum-Kugel-Design basteln

17 Mai

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten!? Nein, aber da mich gerade eine Frühjahrs-Grippe ans Bett fesselt und Weihnachten ohnehin immer so plötzlich kommt… Warum nicht schon im Mai Grußkarten vorbasteln für Weihnachten?

20140517-155711.jpg
Für meine Grußkarte braucht ihr nicht viel:
Quadratisches Papier (in der Farbe eurer Wahl) für die Schleife,
farbiges Papier (z. B. Weihnachtsgeschenk-Papier) für die „Christbaum-Kugel“,
eine Gußkarte
Kleber.
Schritt 1 Die 3D-Schleife in Origami-Technik falten. Eine gute Anleitung habe ich hier gefunden. Origami fasziniert mich seit Weihnachten 2013 – Bascetta-Sterne haben mich „infiziert“. Ich bin also schon etwas geübt, aber im zweiten oder dritten Anlauf kriegt auch ihr die Schleife hin.
Schritt 2 Je nach Geschmack eine, zwei oder auch mehrere kleiner werdende Kreise ausschneiden. Bei meiner „Muster“-Variante habe ich mich für zwei Kreise entschieden – der eine ist aus Geschenkpapier, der andere aus demselben Papier wie die Schleife. Diesen kleineren uni-farbenen Kreis habe ich auch noch bestempelt, aber das kann man sich auch sparen.
Schritt 3 Jetzt müssen die Teile nur noch zusammengeklebt werden. Auf die Origami-Schleife habe ich noch ein Glitzersteinchen geklebt. Wer das nicht hat, kann das natürlich auch weglassen. Die Kreise könnte man auch mit 3D-Klebeband auf der Grußkarte anbringen, aber das hab ich nicht zur Hand. Wer das hat und mag, kann „Frohe Weihnachten“-Aufkleber anbringen oder mit Schönschrift unter die Weihnachtskugel schreiben. Mir persönlich gefällt meine Variante ganz gut, Weihnachtskarten sind ja sonst recht überladen.
Schritt 4 Die Karte muss natürlich noch beschrieben werden 😉 Wer möchte, dass Karte und Umschlag zusammenpassen, kann auf den Umschlag Papier kleben, das beim Kreise ausschneiden übrig blieb. Ich finde, das sieht nicht nur super aus, sondern ist auch eine ideale Resteverwertung.
Fazit Ich ertappe mich dabei, immer weniger „echte“ Post zu verschicken. Oft greife ich auf die schnelle und persönliche Variante „E-Mail“ zurück. Doch an Weihnachten greife ich gern zu Füller und Grußkarte. Ich finde, meine hier gezeigte Variante ist eine praktikable Bastelvariante – denn länger als ca. eine halbe Stunde, wie hier, kann und möchte ich nicht in die Herstellung einer Grußkarte investieren.

Zu Epiphanie: Weg mit dem Christbaum?

6 Jan
Kommen die Hl. Drei Könige - geht der Christbaum.

Kommen die Hl. Drei Könige – geht der Christbaum.

Traditionell wird bei uns zu Hause der Christbaum zu Epiphanie (6. Januar), dem Dreikönigstag, abgeräumt. Damit stehen wir eher in evangelischer Tradition, denn bei den Katholiken steht der Christbaum eigentlich traditionell bis Lichtmess (2. Februar) – zumindest früher war das so. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis kenne ich kaum jemanden, der das noch durchzieht.


Doch so schön der Christbaum jedes Jahr ist, wenn er am Vorabend des Hl. Abends in unser Wohnzimmer kommt, spätestens an Silvester beginnt er seine Nadeln zu verlieren und dann ist es auch wieder schön, wenn wir ihn abräumen…
In unser Wohnzimmer kommt uns nur eine Nordmanntanne aus heimischen Gefilden. Es sind prächtige und gut duftende Bäumchen. Eigentlich schade, wenn sie nur einen kurzen „glänzenden“ Auftritt in den Wohnzimmern haben.
Gnadenfrist bis Lichtmess

Aus dem Garten meiner Großeltern: Christbaum 2012 vor der Vilshofener Stadtpfarrkirche.

Aus dem Garten meiner Großeltern: Christbaum 2012 vor der Vilshofener Stadtpfarrkirche.

Aber einige Tannenbäume haben Weihnachten ihren letzten großen Auftritt. Viele Jahre habe ich irgendwie die Spender von den Christbäumen in und um die Kirchen bewundert. Dieses Jahr gehörten auch meine Großeltern zu diesem Kreis. Der Tannenbaum in ihrem Garten war viel zu groß geworden. Ihn einfach abzuholzen dafür war er viel zu schade. Und so freuten wir uns in der Familie, dass er seinen letzten glänzenden Auftritt vor der Vilshofener Stadtpfarrkirche haben durfte.
Und weil die Kirche katholisch ist, hat er sogar noch eine Gnadenfrist bis Lichtmess 😉 Diese Art von „Recycling“ von zu groß gewordenen Tannenbäumen finde ich eine schöne und clever Idee von Kommunen und Kirchen!

Adventskalender – eine Tradition für die man nie zu alt ist?

3 Dez
Mein Schoko-Adventskalender von Milka.

Mein Schoko-Adventskalender von Milka.

Es gibt Traditionen, für die ist man – finde zumindest ich – nie zu alt: Der Adventskalender ist eine solche Tradition.

Früher, da waren die gekauften Adventskalender aus Papier und die Motive darauf waren christlich. Hinter jedem Türchen verbarg sich ein anderes Bildchen.

Papa hielt die beiden Kalender hoch. „In dem hier sind Schokoladenfiguren“, sagte es. „Das findet der Zahnarzt wahrscheinlich nicht so gut. Im anderen sind Plastikpüppchen.“ (…) „Als ich klein war, war das alles ganz anders“ (…) „Damals war immer nur ein kleines Bild unter den Klappen des Kalenders, für jeden Tag eins. Aber wir waren trotzdem jeden Morgen von neuem gespannt. Wir haben immer erst zu raten versucht, was für ein Bild wohl als Nächstes kommen würde. Und dann… ja, danach haben wir dann die Klappen aufgemacht. Es war, als ob wir die Tür zu einer anderen Welt öffneten.“ (Gaarder (2009), Das Weihnachtsgeheimnis, S. 7f.)

Das ist der heutigen Generation irgendwie zu wenig. Auch ich wuchs mit Schoko-Adventskalender auf. Die Motive darauf waren irgendwie noch nie schön – so amerikanisch, mit Weihnachtsmännern. Das war natürlich für bayerische Kinder ganz schlecht, denn die glauben bekanntlich an das Christkind!

Meine Mama hat uns den Adventskalender noch selbst gebastelt

So lange mein jüngerer Bruder und ich noch im Kindergarten waren, bastelte unsere Mami die Adventskalender selbst. Jedes Jahr gab es einen anderen, der ganz individuell befüllt war. Und da ich kein Einzelkind war, lernte ich teilen – mein Bruder und ich durften abwechselnd die Türchen öffnen. Zum Glück ist 24 durch 2 teilbar, ansonsten wäre die Adventszeit vielleicht nicht ganz so friedlich verlaufen…

„Fertig-Adventskalender“ sind heute Trend

Ja und heute müssen sich Mamis keine allzu große Mühe mehr geben. Die Adventskalender, ob von Lego, Polly Pocket oder von Kosmos sind reich befüllt – und haben auch einen stolzen Preis. Nun gut, die „Kleinigkeiten“, die unsere Mama in die Säckchen und Schübchen gefüllt hat, waren auch nicht umsonst… aber irgendwie hatte das noch einen andere Dimension.

Ich will nicht sagen, dass Mütter und Väter, die heute „Fertig-Adventskalender“ für ihre Kinder kaufen, diese weniger lieben… aber irgendwie hat das für mich auch eine Botschaft: Sie nehmen sich nicht mehr die Zeit, sich auf die Adventszeit einzustimmen. Der „Fertig-Adventskalender“ ist gleich gekauft. Meine Mama hat hingegen sehr viel mehr Mühe investiert und musste sich alle 24 Kleinigkeiten erst ausdenken und dann kaufen.

Da ich trotz meines nicht mehr gerade zarten jugendlichen Alters auf einen Adventskalender verzichten will, habe ich auch einen… naja, eigentlich nicht nur einen. Aber von meiner Mama habe ich dieses Jahr einen Schoko-Adventskalender von Milka bekommen. Die Schokoladenqualität darin ist angenehm gut, über die Optik lässt sich freilich wieder streiten.

Ein Buch als Adventskalender

Da wir eigentlich in der Familie beschlossen hatten, die „ungesunden“ Schoko-Adventskalender nicht mehr zu kaufen – was angesichts der aktuellen Mineralöl-Thematik wieder ein ganz anderes Licht auf die Sache wirft – bekam ich im vergangenen Jahr einen „gesunden“ Adventskalender geschenkt: Das Buch „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Garder. Jeden Tag kann man darin ein Kapitel lesen – die Geschichte wird so quasi in Etappen bis zum 24. Dezember erzählt. Das Buch selbst ist spannend – auch für Erwachsene – und eignet sich meines Erachtens zum selber-, aber auch vorlesen.

„Schummeln“ beim Adventskalender?

Nun nutze ich diese zwei Kalender „parallel“ – es steht ja nirgends, dass man nur EINEN Adventskalender haben dürfte. In Kindertagen hatten wir auch immer zwei: Einen zu Hause bei den Eltern und einen bei meinen Großeltern. Da wir diese „nur“ einmal wöchentlich besuchten, hatten ich dort immer eine Arbeit die Türchen der vergangenen Woche nachzunaschen. Mein Bruder musste da weniger „hart“ arbeiten – er hatte meist nur maximal bis zum ersten dezemberlichen Besuch bei den Großeltern einen „Zweit-Kalender“, denn er verputzte traditionelle alle 24 Schokofiguren auf einmal.

„Ob er das dritte Türchen aufmachen sollte? Er könnte es ja danach wieder zudrücken und so tun, als ob nichts passiert wäre.

Aber das wäre geschummelt gewesen. Beim Kartenspielen durfte man auch nicht schummeln, und mit der Zeit bis Weihnachten zu schummeln war noch viel schlimmer. So schlimm, wie Päckchen zu gucken, die erst am Heiligabend geöffnet werden durften. Es war fast, wie sich selber bestehlen.“ (Gaarder (2009), Das Weihnachtsgeheimnis, S. 25)

Ein Adventskalender für die Ohren

Dieses Jahr bin ich noch auf einen anderen „alternativen“ Adventskalender gestoßen: Ich habe mir das Hörbuch „Der Weihnachtshund“ von Daniel Glattauer ausgeliehen. Nun, da geht es mir da aber irgendwie wie meinem Bruder… Ich höre die einzelnen Tage nicht an jedem Dezembertag, sondern gleich komplett durch. Ich bin erst beim 10. Dezember und kann diesen Hörbuch-Adventskalender daher noch nicht bewerten.

Aber ich finde es irgendwie schön, dass es mittlerweile auch Adventskalender für Erwachsene gibt. (Inwiefern mich allerdings z. B. ein Krimi-Adventskalender auf die besinnlichste Zeit des Jahres einstimmen soll… darüber lässt sich sicher streiten.) Eigentlich egal, ob sich hintern den Türchen Plastikpüppchen, Schokoladenfiguren oder ein Text befindet – ein Adventskalender verkürzt Jung und Alt das Warten auf Weihnachten!

Adventskränze im TV-Test: Traditionell oder modern

24 Nov

Endlich habe ich mal wieder gebastelt. Das dabei entstandene „Produkt“ löste etwas kontroverse Reaktionen aus: Die einen fanden den Adventskranz, der ausschließlich aus bunten, glitzernden Weihnachtskugeln aus Plastik besteht, durchaus gelungen, die anderen kitschig.

Mein selbstgebastelter Adventskranz aus Weihnachtskugeln

Das inspirierte uns am vergangenen Wochenende in Bamberg den ultimativen Adventskranztest zu machen. Denn auf die Idee mit meinem Christbaumkugel-Advenskranz bin ich nicht selbst gekommen. Nein, solche Modelle werden durchaus für 50 Euro und mehr verkauft – ich habe den Trend nur kostengünstig „nachgestylt“.

Moderner Adventskranz oder doch lieber die traditionelle Variante aus Tannengrün? Welche Variante in Oberfranken das Rennen macht, sehen Sie hier: 

Der TV-Beitrag entstand im November 2011 auf Kloster Banz im Rahmen der sog. Fernsehakademie, die Teil des journalistischen Förderprogramms (JFS) der Hanns-Seidel-Stiftung ist.