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#2popesaints: Was Papst Franziskus mit dem hl. Johannes XXIII. gemein hat

28 Apr

Wenn ich auch wieder „geschimpft“ werde, dass ich zu einem Thema blogge, über das ohnehin in den Medien rauf und runter berichtet wird 😉 Mir ist dieser Blog-Beitrag persönlich wichtig, weil die Heiligsprechung dieser zwei Päpste am Weißen Sonntag 2014 für den Kenner noch viel mehr (versteckte) Zeichen enthält als die populäre Berichterstattung:

Screenshot vatican.va zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Screenshot vatican.va zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Gleich zu Beginn seines Pontifikats hat Papst Franziskus auf sein Vorbild, Johannes XXIII., referiert, in dem er während seines ersten öffentlichen Auftritts nur davon sprach, „Bischof von Rom“ zu sein – nicht Papst (darüber habe hier gebloggt).

Papst als Bischof unter Bischöfen

Als Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil feierlich eröffnete, trug er als Zeichen seiner kollegialen Verbundenheit mit den 2540 stimmberechtigten Konzilsvätern statt der Tiara, der Papstkrone, die Bischofsmitra. Als Bischof unter Bischöfen wollte das Kirchenoberhaupt an „seinem“ Konzil teilnehmen. Gewöhnlich sprach der Roncalli-Papst und Bischof von Rom von „wir Bischöfe“.

Auch die demütige Haltung mit der Papst Franziskus das Papst-Amt ausübt – immer wieder bittet er die Gläubigen, für ihn zu beten – erinnert an den nun hl. Johannes XXIII.: Er schrieb in seiner Antrittsenzyklika „Ad Petri cathedram“: „Wir kennen die Geringheit Unserer Person, die Gott … zur Würde des Papsttums erhoben hat. Deshalb wiederholen Wir diese Worte (des ägyptischen Joseph) an alle Unsere vom Stuhl Petri getrennten Brüder und Söhne: Ich bin Joseph euer Bruder.“

Sein Pontifikat war wie der von Franziskus, mehr pastoral als dogmatisch geprägt. So besuchte er Gefängnisse und Krankenhäuser – auch das erinnert an Franziskus, der immer ein besonders Augenmerk für die Ärmsten der Armen hat.

Kirche muss durch beide Lungenflügel atmen

Papst Franziskus ist immer wieder um die Einheit der Kirche von Ost und West bemüht – deswegen wird z. B. als sichtbares Zeichen das Evangelium zusätzlich auf griechisch verkündet. Damit greift er das Anliegen von dem ebenfalls heilig gesprochenen Johannes Paul II. auf – die Kirche könne nur existieren, wenn sie mit beiden Lungenflügeln atme – nämlich mit Ost und West. Durch die Gemeinschaft mit anderen Glaubensgemeinschaften und der Anwesenheit von z. B. Juden und Muslimen bei Feierlichkeiten im Vatikan, knüpft er direkt an die Friedensbemühungen seines Vorbildes, Johannes XXIII., an.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wandte sich Johannes XXIII. mit seiner Friedens-Enzyklika „Pacem in terris“ vom 11. April 1963 „an alle Menschen guten Willens“ (Original: universis bonae voluntatis hominibus) und nicht nur an die Katholiken.

Mit der Heiligsprechung von Johannes Paul II. gemeinsam mit Johannes XXIII. vereint Papst Franziskus aber auch zwei (Lungen)Flügel innerhalb der römischen Kirche: Den der Konservativen mit dem liberalen.

Kirche wäre ohne Konzil eine andere

Johannes XXIII. war vielen Konservativen ein Dorn im Auge: Schließlich war er in ihren Augen „Schuld“ am Konzil. Im Zuge der Heiligsprechung sollten wir uns vor Augen führen, wie die Kirche ohne Johannes XXIII. und somit vielleicht ohne das 2. Vatikanisches Konzil heute aussehen könnte: Würden wir noch immer den Gottesdienst auf lateinisch und nicht in unserer Muttersprache hören? Der Priester dem Volk dem Rücken zugewandt, die Messe am Hochaltar zelebrieren? Das sind nur einige, aber doch sehr essentielle Änderungen, die das Zweite Vatikanum mit sich brachte – viele andere Beschlüsse sind bis heute nicht umgesetzt. Aber Papst Franziskus ist auf dem besten Weg, das von Johannes XXIII. angestoßene „Aggiornamento“ zu vollenden bzw. neue Impulse zu geben. (Es ging ihm dabei um das „Heutig-werden“ der Kirche, nicht die billige Anpassung an den Zeitgeist!)

Zwei echte „Übergangspäpste“

Das hätte man Angelo Roncalli, der bereits 77-jährig zum Kirchenoberhaupt gewählt worden war, nicht zugetraut: Er galt -schon angesichts seines Alters- als sog. Übergangspapst. Dass er zu einem Übergangspapst werden sollte, aber in einem ganz anderen Sinne, wie es die Kardinäle wohl gerne gesehen hätten, beeindruckt mich bis heute: Mit ihm öffnete sich die Kirche wieder der Welt. Das zeigte sich u. a. bildlich darin, dass er als erster Papst seit dem Verlust des Kirchenstaates im Jahr 1870, Rom verließ.

Deswegen wurde er als „Papst des Modernismus“ beschimpft und seine Kritiker haben z. B. durch homosexuelle Vorwürfe versucht, die Kanonisation des „il Papa buno“ zu verhindern. Egal wie man heute zum Kanonisationsverfahren steht:

Zeichen der Hoffnung

Papst Franziskus hat sich darüber hinweggesetzt: Für sein Vorbild reichte ein Wunder zur Heiligsprechung aus – und damit hat er ein Zeichen gesetzt! Ich glaube, auch Papst Franziskus ist ein Übergangspapst im Format eines hl. Johannes XXIII.

Vielen Dank, hl. Vater, für dieses Zeichen, das Hoffnung macht, dass die Kirche auf dem richtigen Weg ist!

Papstwahl 2013: Habemus… Brüderlichkeit

13 Mrz

Ich dachte, kein“ Habemus Papam“ könnte mich jemals mehr so bewegen als das von 2005. Aber 2013 war es ähnlich und doch ganz anders:
Zuerst dachte ich, der ist ja schon wieder 76 und auch noch Jesuit… Sonderlich reformfreudig wird er nicht sein. „Immerhin“ ist er aus Südamerika.
Und dann trat der erste nicht-europäische Papst hinaus auf den Balkon – endlich! Fast wirkte er fremd und verloren dort, aber dann: „Buona sera!“ Ein freundliches Lächeln dazu, so menschlich. Auch war dieser erste Auftritt für mich voller Botschaften und ich hoffe, ich interpretiere nicht über, sondern es tritt so oder so ähnlich auch ein:

1. Sein Papstname trägt die Nominalzahl 1, d. h. er möchte nicht das Programm einer seiner Vorgänger fortführen, sondern gänzlich neue Akzente setzen. Und das muss er auch: Den Vatikan reformieren, sozusagen „mit straffer Hand zurück zu den Wurzeln“. Und dennoch die eigentliche Botschaft, das Evangelium, nicht aus den Augen verlieren. Das Kommunikationsmittel hierfür: Das Gebet. Demütig betet er für den Papa emeritus und lässt auch für sich beten.

2. Der Papstname enthält von sich aus eine Botschaft. Der hl. Franziskus, der Freund der Armen und Tiere… Vielleicht veräußert Franziskus I. Kunstwerke, die im Vatikan einfach nur „herumhängen“ und schenkt den Erlös den Armen. In jedem Fall wird er die Brüderlichkeit der Menschen untereinander fördern wollen und Demut üben.

3. Franziskus I. hat bei seinem Auftritt „nur“ davon gesprochen, Bischof von Rom zu sein. Nicht explizit betont, Papst zu sein (es sei denn, ich habe etwas überhört…) Mich hat das an Johannes XXIII. erinnert, der „Bischof unter Bischöfen“ sein wollte. Er berief das Zweite Vatikanum ein – ein großartiges Zeichen, die Roncalli-Geste im Konzils-Jubiläumsjahr aufzugreifen! Dringender als alles andere brauchen wir echte Kommunikation in der Kirche – ein „wir“ und eben echte Brüderlichkeit!

Unfehlbarkeit des Papstes: Oft falsch verstanden

31 Okt

Die Unfehlbarkeit des Papstes ist es, die nicht nur von Kirchengegner, sondern auch von Gläubigen oft falsch verstanden wird.

Denn nicht alle Äußerungen des Papstes sind unfehlbar – unfehlbar sind grundsätzlich nur Äußerungen in Glaubens- und Sittenfragen. Also können z. B. Meinungen über Politik, wenn etwa der Papst die Verfolgung von Christen in totalitären Staaten kritisiert, nie unfehlbar sein.

Außerdem muss der Papst, das Oberhaupt der katholischen Kirche, ankündigen, dass er eine unfehlbare Entscheidung verkündet – er muss dann „ex cathedra“ sprechen. Er spricht dann von der Kathedra Petri aus, also seinem Bischofssitz in Rom.

Wörtliche Definition in „Pastor Aeternus“

In der dogmatischen Konstitution „Pastor aeternus“, in der die Unfehlbarkeit im 4. Kapitel definiert ist, heißt es wörtlich:

Wenn der römische Bischof „ex cathedra“ spricht, das heißt, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten Apostolischen Autorität entscheidet, da[ss] eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheißenen göttlichen Beistands jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei der Definition des Glaubens- oder Sittenlehre ausgestattet sehen wollte; und daher sind solche Definitionen des Römischen Bischofs aus sich [ex sese], nicht aber aufgrund der Zustimmung der Kirche [non autem ex consensu Ecclesiae] unabänderlich.“ (DH, S. 776 Nr. 3074)

Unfehlbarkeit erst ein einziges Mal in der Geschichte genutzt

Die Unfehlbarkeit des Papstes wurde während des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70) zum Dogma erhoben; seit dieser Zeit hat jedoch nur ein Papst in der Geschichte der katholischen Kirche davon Gebrauch gemacht: Dies war im Jahr 1950 als Papst Pius XII. (1939-1958) das Dogma von der leiblichen Aufnahmen Mariens in den Himmel verkündigte.

Als erster und einziger Papst in der Kirchengeschichte machte Pius XII. von der Unfehlbarkeit Gebrauch: Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel (1. November 1950).

Dogmatisierung während Erstem Vatikanum (1869/70)

Schon unter den rund 700 Konzilsteilnehmern war diese Dogmatisierung kontrovers diskutiert worden.

Einberufen hatte dieses Konzil Papst Pius IX. (1846-1878) Im Vorfeld dazu war in der jesuitischen Zeitung Civiltà Cattolica ein Artikel erschienen, dass die wahren Gläubigen Frankreichs auf dem Konzil -ohne Aussprache- die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit erwarten würden.

In Bayern beleuchtete Ignaz von Döllinger, ein katholischer Geistlicher und Professor für Kirchengeschichte in München, diese Entwicklung kritisch. Seine Artikel erschienen unter dem Pseudonym „Janus“ in der Augsburger Allgemeinen Zeitung.

Als Pius IX. am 8 Dezember 1870 schließlich das Konzil im rechten Seitenflügel des Petersdoms im Vatikan eröffnete, stand die Unfehlbarkeit zunächst nicht auf der Tagesordnung. Jedoch schaffte es eine kleine Kerngruppe, der z. B. der Bischof Senestrey von Regensburg angehörte, die Unfehlbarkeit zur Abstimmung zu bringen.

Gegner reisen vor Schlussabstimmung ab

Unfehlbarkeit heißt auf lateinisch Infallibilität. Daher werden die Konzilsväter, je nach ihrer Position als Fallibilisten (Anhänger der Unfehlbarkeit) bzw. Infallibilisten (Gegner der Unfehlbarkeit) bezeichnet.

Weil die Gegner der Unfehlbarkeit, die Infallibilisten, nicht gegen das Dokument und so indirekt gegen den Papst stimmen wollten, reisten sie vor der endgültigen Abstimmung vom Konzil ab. Und so wurde die Definition von der Unfehlbarkeit des Papstes vom Konzil angenommen.

Primat wichtiger als Unfehlbarkeit

Im selben Dokument, der dogmatischen Konstitution „Pastor Aeternus“ wie die Unfehlbarkeit findet sich in Kaptitel 3 übrigens auch eine Definiton über den Primat des Papstes. Als Primat versteht man die Vorrangstellung des Papstes in der römisch-katholischen Kirche. Laut dem Dogma von 1870 hat der Papst also nicht nur die absolute Lehrvollmacht (Unfehlbarkeit), sondern auch den Jurisdiktionsprimat. Im besagten Dokument heißt es wörtlich über den Primat:

„Wer deshalb sagt, der Römische Bischof besitze lediglich das Amt der Aufsicht bzw. Leitung, nicht aber die volle und höchste Jurisdiktionsvollmacht über die gesamte Kirche, nicht nur in Angelegenheiten, die den Glauben und die Sitten, sondern auch solche, die die Disziplin und Leitung der auf dem ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche betreffen; oder er habe nur einen größeren Anteil, nicht aber die ganze Fülle, [totam plenitudinem] dieser höchsten Vollmacht, sei nicht ordentlich und unmittelbar sowohl über alle und die einzelnen Kirchen als auch über alle und die einzelnen Hirten und Gläubigen; der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH, S. 773 Nr. 3064)

Bis heute ist der Primat entscheidender als die Unfehlbarkeit.

Altkatholiken lehnen Primat und Unfehlbarkeit ab

Interessant ist auch, dass der Streit über das Dogma von der Unfehlbarkeit bereits in Zeiten ihrer Definition über Medien ausgetragen wurde.

Bis heute gibt es Katholiken, die diese Konzilsentscheidung nicht anerkennen: Es sind die Altkatholiken, die sich nach dem Ersten Vatikanum von der römisch-katholischen Kirchen abgespalten haben. Wohl einer der größten Kritiker in unserem Raum , Döllinger, fühlte sich trotz Exkommunikation zeitlebens als Mitglied der „alten“, römisch-katholischen Kirche und wurde interessanterweise nicht Altkatholik.

Ausschnitt aus Folge 10 der Doku-Serie „2000-Jahre-Christentum“ über das Erste Vatikanum:

 

Benedikt XVI.: Der Nachfolger des „Papstes der Rekorde“ setzt neue Maßstäbe

9 Mai

Sein Vorgänger auf dem Stuhle Petri, Johannes Paul II. (1978-2005), ging als Papst der Superlative in die Kirchengeschichte ein: Die meisten Enzykliken, die meisten Auslandsreisen, die meisten Kanonisationsverfahren (Selig- und Heiligsprechungen) – nur bei der Amtszeit wurde er von Pius IX. (1846-1878) überrundet. Jetzt sprach Benedikt XVI. (seit 2005) den beliebten Papst aus Polen auch noch in Rekordzeit am 1. Mai 2011 selig.

Johannes Paul II. stellt auch noch nach seinem Tod neue Rekorde auf

Nur fünf Jahre nach seinem Tod wird er in die Schar der Seligen aufgenommen, das war somit das kürzeste Seligsprechungsverfahren der neueren Kirchengeschichte. Auch nach seinem Tod stellt Papst Johannes Paul II. also noch Rekorde auf…

Doch der Nachfolger und enge Vertraute des Wojtyla-Papstes stellt zumindest kleine „Rekorde“ auf. Drei Tage vor seiner Wahl wurde Ratzinger 78 Jahre alt – somit ist er seit Clemens XII. (1730-1740) der älteste Kardinal der Kirchengeschichte, der zum Papst gewählt wurde.

Benedikt XVI. – ein Papst des Übergangs?

Allein schon auf Grund des Alters gilt – der erste deutsche Papst seit Hadrian VI. (1522-1523) – als Übergangspapst. Doch die lange Geschichte der Päpste zeigt, dass gerade die Übergangspäpste oft für Überraschungen sorgten. So etwa berief Johannes XXIII. (1958-1963), der 77-jährig zum Papst gewählt wurde, das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) ein. Daher wurde „il papa buono“ („der gute Papst“), wie er im Volksmund wegen seiner Volksnähe gerne genannt wurde, zum Papst des Übergangs – aber eben in einem ganz anderen Sinne…

Johannes XXIII. hatte die Zeichen der Zeit erkannt und begann die Kirche für die heutige Zeit zu öffnen. Sein Schlagwort für das Konzil wurde daher „Aggiornamento“, was in etwa mit „Heutigwerden der Kirche“ übersetzt werden kann. Sowohl Johannes Paul II, als auch Benedikt XVI. hatten an dem von ihrem starken Vorgänger einberufenen Konzil teilgenommen. Im Übrigen wurde Johannes XXIII. von Johannes Paul II. im Hl. Jahr 2000 selig gesprochen.

Benedikt XVI. erkennt die Zeichen der Zeit

Der Ratzinger-Papst zeigt sich "privat" und stellt so neue Maßstäbe für die Päpste auf.

Und auch wenn Benedikt XVI. die „Aggiornamento-Strömung“ als Joseph Ratzinger kritisch beäugte, so ist er meiner Meinung nach jetzt der erste Papst in der Geschichte, der sich versucht, dem Zeitgeist zu öffnen.

Auch wenn er wesentlich distanzierter wirkt wie sein Vorgänger, ist er doch der erste Papst in der Geschichte „zum Anfassen“. Kein Papst vor ihm gewährte solche Einblicke in sein Privatleben. Als Beispiel hierfür habe ich einen Ausschnitt aus der „Sendung mit der Maus“ gewählt, wie der Papst im Vatikan lebt:

Erstmals Einblicke in das Leben eines Papstes durch Interviews und Kinofilm

So ist er bspw. der erste Papst in der langen Geschichte der Päpste, der für ein Interviewbuch Rede und Antwort stand. „Licht der Welt“, das Interviewbuch von Peter Seewald ist einzigartig. Nie zuvor hatte ein Papst so offen über seinen Glauben und sein Leben gesprochen.

Auch im ersten Kinofilm der Geschichte mit einem Papst „spielte“ er mit, dieser läuft derzeit in den Kinos und heißt „Francesco und der Papst“.

Joseph Kardinal Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst nicht unbedingt Liebling der Weltpresse. U. a. als „Panzerkardinal“ wurde er wegen seiner Strenge tituliert. Aber genau er nutzt jetzt die (neuen) Medien, um die Gläubigen zu erreichen.

Auch der Ratzinger-Papst wird meiner Meinung nach als Übergangspapst in die (Kirchen)Geschichte eingehen, aber ähnlich wie Johannes XXIII. in einem ganz anderen Sinne, als man es zu Beginn seines Pontifikats erwartet hätte: Ich möchte ihm zurufen, macht weiter so, Eure Heiligkeit und ich wünsche Ihnen noch ein langes Pontifikat, in dem Ihr noch sicher einige Maßstäbe setzen werdet!

Gottes mächtige Dienerin: ARD-Zweiteiler mit haarsträubenden Ungenauigkeiten

26 Apr
Christine Neubauer als Schwester Pascalina im ARD-Drama "Gottes mächtige Dienerin".

Christine Neubauer als Schwester Pascalina im ARD-Drama "Gottes mächtige Dienerin".

Schwester Pascalina Lehnert (1894-1983) hat Pius XII. (1939-58) über vierzig Jahre im Haushalt gedient. Der Papst, dessen Pontifikat im Schicksalsjahr 1939 beginnt, zählt bis heute zu einem der umstrittensten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Denn er hat im Holocaust geschwiegen – dieses Verhalten wird kontrovers diskutiert. Noch sind die Quellen über die Zeit des Zweiten Weltkrieges in den Vatikanischen Archiven nicht zugänglich – so stützen sich die Informationen über die Haltung des Papstes hauptsächlich auf die Aufzeichnungen der deutschen Nonne, die dem Papst als Haushälterin und Sekretärin besonders nahe stand. Ihr Buch „Ich durfte ihm dienen“ wurde 1983 veröffentlicht.

Mit Spannung habe ich den ARD-Zweiteiler über Schwester Pascalina „Gottes mächtige Dienerin“ erwartet (gespielt von Christine Neubauer). Gleich vorweg – das TV-Drama wurde meinen Erwartungen nicht gerecht. Ich will einmal absehen von den historischen Ungenauigkeiten.

Wird die „kirchliche Fachberatung“ überhaupt befragt?

Was ich auch bei anderen Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen nicht verstehen kann ist, dass kirchliche Sachverhalte falsch dargestellt werden. Z. B. bei „Pfarrer Braun“, den Ottfried Fischer verkörpert, habe ich es des Öfteren schon beobachtet, dass der Bischof mit „Eminenz“ angesprochen wird. Die korrekte Anrede für einen Bischof ist jedoch „Exzellenz“, nur ein Kardinal wird mit „Eminenz“ angesprochen.

Warum gibt es dann eine kirchliche Fachberatung? Werden die Kirchen-„Experten“, die die Produktion angeblich berät, überhaupt befragt? Nur so kann ich mir solche „Kardinals-Fehler“ erklären…

Aber zurück zum Film über Schwester Pascalina: Beim Tode Pius‘ XI. (1922-39) war Pacelli nicht nur Kardinalstaatssekretär, sondern auch Camerlengo. D. h. Kardinal Pacelli musste traditionell z. B. das verstorbene Kirchenoberhaupt mit seinem bürgerlichen Namen drei Mal fragen, ob er schläft: „Achille Ratti schläfst du?“. Zudem nimmt der Camerlengo dem toten Papst seinen Fischerring ab. Dies zeigt auch der Film „Gottes mächtige Dienerin“.

Dieser Amtsring, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Siegel genutzt wurde, wird übrigens vom Camerlengo vor den Augen der Kardinäle mit einem silbernen Hämmerchen zerstört – eigentlich sollte der Ring in so viele Teile zerschlagen werden, wie es Kardinäle sind. So soll symbolisiert werden, dass die Macht des Papstes für die Zeit der Sedisvakanz auf das Kardinalskollegium übergeht.

Schwester Pascalina fungiert im Film als Camerlengo

Festzuhalten gilt, dass der Tod des Papstes nach einem festgelegten Ritus festgestellt wird. Ich habe mich sehr geärgert, dass in dem Film „Gottes mächtige Dienerin“ Schwester Pascalina beim Tode des Pacelli-Papstes quasi die Aufgabe des Camerlengos übernommen hat. So etwas darf nicht sein! Solche Ungenauigkeiten, im Prinzip falsche Tatsachen zu vermitteln, erwarte ich eher in einer Produktion privater Sender – auf keinen Fall darf so etwas jedoch bei den Öffentlich-Rechtlichen geschehen. Durch die Rundfunkgesetze ist es schließlich geregelt, dass das Programm der Bildung dienen soll (neben Information, Beratung und Unterhaltung). Ich finde es mehr als bedenklich, dass eine ARD-Produktion – auch wenn es ein Spielfilm ist – falsches „Wissen“ vermittelt. Es wird sicher einige Zuseher gegeben haben, die von dem Dienst eines Camerlengos noch nie gehört haben werden und deswegen einen falschen Eindruck gewinnen.

Falsche Fakten statt Bildungsauftrag in Öffentlich-Rechtlichen

Auch wenn es für die Dramaturgie des Filmes wohl besser gewesen ist, dass Schwester Pascalina den Papst fragt, ob er schläft und ihm den Fischerring abnimmt – es ist und bleibt falsch! Falsch ist auch, dass die Vertraute Pius‘ XII. allein im Sterbezimmer gewesen ist. Denn der Tod des Pacelli-Papstes in Castel Gandolfo war mehr als bizarr: Radio Vatikan soll direkt vom Nebenzimmer aus den Tod des Papstes gemeldet haben. Auch Bilder des Sterbenden wurden gemacht und in Zeitungen veröffentlicht.

Meiner Meinung nach sollten die Öffentlich-Rechtlichen nicht gezielt falsche Fakten darstellen, gerade wenn es sich um solch eine umstrittene Persönlichkeit wie Pius XII. handelt. Es ist (für den Historiker) schon befremdlich, nur auf autobiografische Schriften, in dem Fall das Buch der Haushälterin, zurückgreifen zu müssen. Ich würde mir dann aber gerade bei feststehenden Fakten mehr Genauigkeit und nicht diverse Ungenauigkeiten wünschen! Schade um diese verpasste Chance, Schwester Pascalina den Deutschen authentisch nahe zu bringen.