Tag Archives: Hochwasser

CdAS-Spenden-Initiative für Hochwasseropfer aus Simbach

1 Aug

Wir können zwar nicht die Welt retten. Aber angesichts der unbegreiflichen Anschläge der vergangenen Tage können wir einfach bei uns anfangen, dass diese Welt wieder ein klein wenig menschlicher wird.

Mir ist bewusst, dass inzwischen andere Ereignisse die schrecklichen Bilder des Hochwassers in Niederbayern aus unserer medial gesteuerten Welt verdrängt haben. Doch die Menschen, die in Simbach und Umgebung ihr Hab und Gut – und noch schlimmer, zum Teil ihre Lieben verloren haben, für die ist das Leben nach dem Hochwasser noch immer grausame Realität: Die Wohnungen und Häuser noch immer unbewohnbar, unersetzbare Erinnerungen wie Fotos von Verstorbenen für immer verloren.

Vater von Kommilitonin im Hochwasser gestorben

Und weil wir eben nicht die Welt retten können, bitte ich meine Leser nur um einen kleinen Beitrag.
Es ist zwar nur EIN Schicksal, einer einzigen Familie, das mich in den vergangenen Wochen besonders bewegt hat – es handelt sich um die Familie einer ehem. Kommilitonin und Mit(alt)stipendiatin, über deren Schicksal ich bereits hier geschrieben habe. Aber in diesen Tagen wird mir bewusst, dass wir nicht darauf warten können, dass sich „die Gesellschaft“ ändert, sondern wir müssen bei uns selbst anfangen. In mein Poesiealbum hat meine Grundschullehrerin einen Spruch geschrieben, dessen Bedeutung mir in diesen Tagen immer öfter bewusst wird:
„Der Friede der Welt muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen.“

Machen wir doch gemeinsam einen ersten Schritt, warten wir nicht darauf, dass „die Gesellschaft“ sich ändert, sondern beginnen wir in unserem Herzen und spenden für meine Bekannte, die ihren Vater im Hochwasser von Simbach verloren hat – bitte an folgendes Konto:

Kontoinhaber: CdAS Club der Altstipendiaten e.V.
Bank: HypoVereinsbank
Konto-Nr.: 0015 743 713, BLZ: 700 202 70
IBAN: DE60 7002 0270 0015 7437 13

Bitte als Betreff „Hochwasser Simbach“ nennen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den CdAS (dem Club der Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung), der meine Initiative unterstützt und das Konto eingerichtet hat. Die CdAS-Nothilfe wird zwar nicht die Welt retten können, aber dazu beitragen und uns zu erinnern, dass wir alle Menschen sind

Hochwasser-Katastrophe in Niederbayern: Bitte lasst die Hinterbliebenen in Ruhe

3 Jun
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Die Facebook-Funktion „an diesem Tag“ erinnert nicht nur an schöne Ereignisse. Zur Zeit zum Beispiel an meine Erinnerungen an das Hochwasser in Passau von 2013 (Fotoquelle: Screenshot).

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist her, dass ich mich in diesem Blogpost über das Verhalten mancher Social-Media-Nutzer in der Hochwasser-Katastrophe (in Passau) aufgeregt habe. Horrormeldungen wurden verbreitet. Fluch und Segen der sozialen Netzwerke: Koordiniert wurde, hauptsächlich über Facebook, auch zum Beispiel das vorbildliche Hilfs-Projekt „Passau räumt auf“.
Exakt drei Jahre danach hat das Hochwasser meine Heimat Niederbayern wieder heimgesucht – nicht direkt meine Heimatstadt Passau, aber die benachbarten Landkreise Rottal-Inn und Passau sind dieses Mal betroffen. Facebook erinnert gerade viele Nutzer aus meiner Heimatregion daran: „Es ist schön, Erinnerungen wach zu halten. Wir könnten uns vorstellen, dass du gern an diesen Beitrag von vor 3 Jahren zurückdenkst.“

Vater via Facebook gesucht

Fluch und Segen: Ich erinnere mich, ich saß am Mittwoch in der Bibliothek in München als mich die Meldungen und vor allem Bilder der schlammigen Massen über soziale Medien erreichten, wie sie sich durch Simbach am Inn, Tann etc. wälzten.
„Lebt ihr noch?“, schrieb ich in die familieneigene whatsapp-Gruppe. Angesichts der Horrorszenarien, wie sie die Medien wieder propagierten, hatte ich Angst bekommen.
Vielleicht erging es meiner ehemaligen Studienkollegin ähnlich, nur hat sie das Pech, dass ihr Elternhaus direkt im Zentrum der Katastrophe, in Simbach am Inn steht. Wenig später erreichte mich in meiner Timeline der verzweifelte Aufruf, den ihr Bruder verfasst hat:

„Hochwasser Simbach am Inn.

Unser Vater Walter (…) wird vermisst. Zuletzt gesehen (…)Straße.

Informationen an: (Handynummern der Geschwister)

Bitte teilen!!!“

Natürlich habe ich sofort auf teilen geklickt. 8 400 Personen haben das ebenfalls getan. Und da ich auf Twitter bin, habe ich einen Screenshot auch dort verbreitet – über 200 Retweets waren es hier.
Schon zu diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt tun sollte. Denn bekanntlich sind die sozialen Netzwerke „Fluch und Segen“… Man könnte sich nun ausrechnen, wie viele Menschen, darunter auch Medienvertreter, die Handynummern und die Adresse eines potentiellen Flutopfers hatten.

Screenshot des Suchaufrufs in der BILD

Gestern Abend hatten die Angehörigen dann traurige Gewissheit – nach Stunden des Hoffens und Bangens, unvorstellbar quälender Ungewissheit: Der Vater hat es nicht mehr raus aus dem Keller geschafft. Er ist das sechste Opfer der Hochwasser-Katastrophe von 2016. Zu diesem Zeitpunkt werden jedoch noch Personen vermisst.
Als wäre das alles für die Familie noch nicht genug! Den „verzweifelten“ Suchaufruf der Geschwister hat die BILD heute als Screenshot veröffentlicht – mit den Handynummern und der Adresse. Da wurde nichts geschwärzt. Auch die Kommentare der Facebook-Freunde des Sohnes sind zu lesen. Mit Namen versteht sich.
Gleich wäre man wieder da mit dem Urteil: BILD halt. Aber selbst in den Öffentlich-Rechtlichen ist man nicht pietätvoller. Dort verkündete eine Rettungskraft heute im Morgenmagazin vollmundig: „Den (Familiennamen) hat man da hinten rausgezogen.“ Sorry, liebes Moma-Magazin, aber muss man den O-Ton, in dem der Name eines Hochwasser-Opfers genannt wird, wirklich senden?
Handynummer kann man wechseln, aber die Erinnerungen bleiben. Auch Facebook wird sie zum Jahrestag der Familientragödie an diesen Beitrag erinnern. (Hier wird beschrieben, wie man die Funktion „An diesem Tag“ ausschalten kann.)

Der Familie habe ich bereits persönlich mein Beileid ausgesprochen. Sie brauchen jetzt Hilfe*. Auch wenn das im Moment vielleicht hinten ansteht, aber es geht dabei auch um finanzielle Unterstützung der Opfer und Hinterbliebenen. Hier sind die sozialen Netzwerke wieder Fluch und Segen: Wie nah sollen die Medien das Schicksal der Hochwasseropfer beleuchten (und über die sozialen Netzwerke verbreiten), damit der Spendenrubel rollt?

Wir entscheiden über die Art der Berichterstattung

Wir alle können mit unserem persönlichen Medienkonsum und insbesondere Klick-Verhalten über das WIE der Berichterstattung entscheiden. Ich persönlich würde mir mehr Fingerspitzengefühl wünschen. Oder nennen wir es ethisches, pietätvolles Verhalten. Die Berichterstattung auf Basis eines Screenshots des Hilfeaufrufs der Geschwister mit den persönlichen Daten halte ich für verwerflich – es ist für mich ein trauriges Beispiel wie Journalismus nicht funktionieren sollte!

Anmerkung: Aufgrund des Tenors meines Blogposts bitte ich um Verständnis, dass ich auf einen Screenshot des Hilfeaufrufs verzichtet habe. Ich habe schon daran zu knapperen, dass ich selbst die Daten verbreitet habe, in der Hoffnung, dass alles gut wird… Derweil lag der Vater vermutlich bereits tot im Keller.

* So können Sie helfen:
Spendenaktion der PNP für Hochwasser-Opfer
Spendenkonto des Landkreis Rottal-Inn –> Helfer können im Übrigen gratis mit der Südostbayernbahn anreisen

Hochwasser-Hilfe für Passau: Ebay-Auktion mit selbstgefertigtem Scherenschnitt

6 Aug

Wenn jetzt die Urlaubszeit anbricht, haben wir uns selbstverständlich alle eine Pause verdient. Doch wir sollten auch nicht die Menschen vergessen, die sich heuer und vielleicht auch die kommenden Jahre keinen Urlaub mehr leisten können – etwa weil sie beim Jahrtausendhochwasser alles verloren haben. Auch und gerade weil die „Jahrtausenflut“ aus den Schlagzeilen der Medien verschwunden ist.

Oft werde ich außerhalb meiner Heimatstadt gefragt, ob meine Familie selbst vom Hochwasser betroffen ist und wie es nach den Rekord-Pegel-Ständen in der Dreiflüssestadt aussieht. Da uns die Fluten verschont haben, liegt mir nun eines am Herzen: Unser Passau soll bald wieder so schön werden wie früher!

Passau räumt weiter auf

Der Schlamm ist mittlerweile von den Straßen gespült und das öffentliche Leben läuft weiter: Alle Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten sind wieder zugänglich, was insbesondere für den Tourismus der Dreiflüssestadt von hoher Bedeutung ist. Passau lohnt wirklich jederzeit einen Besuch – gerade jetzt nach dem Jahrtausendhochwasser unterstützen Sie so unsere schöne Stadt!

Aber wenn man genau hinsieht und die Stadt von Kindesbeinen an kennt, ist klar: Bis es wieder so aussieht wie vor der Flut, brauchen wir v. a. eins: SPENDEN, SPENDEN, SPENDEN!

Betroffene brauchen jetzt (Geld)Spenden

In den ehemals überschwemmten Privat- und Gewerberäumen laufen die Renovierungen auf Hochtouren. Da muss der Putz heruntergehauen und Wände getrocknet werden. Oftmals ist noch viele Monate nicht an „normales“ Wohnen oder Geschäftsleben zu denken.

Dieser von mir selbstgefertigte Scherenschnitt von der Passauer Skyline versteigere ich auf ebay für die Hochwasseropfer.

Ich selbst war als „Fluthelferin“ im Einsatz (wie ich hier berichte) und habe hier gebloggt, wie das Leben mit und an drei Flüssen in Passau ist. Aber jetzt brauchen die Betroffenen in erster Linie Gelder, um ihre geschädigten Häuser und Wohnungen zu renovieren bzw. wieder bewohnbar zu machen.

Scherenschnitt „Made in Passau“ passt zu jeder Inneneinrichtung

Um meinen persönlichen Spendenbeitrag als Promotionsstudentin etwas steigern zu können, habe ich mir überlegt, einen von mir selbstgefertigten Scherenschnitt der Passauer Skyline auf Ebay anzubieten. Der Erlös geht an Hochwasseropfer in Passau. Hier geht’s direkt zur Ebay-Auktion.

Der Scherenschnitt ist ein traditionelles Kunsthandwerk. Wie der Name schon sagt: Das Motiv habe ich mit einer (Nagel)schere aus Papier geschnitten. Ich habe mich für das „klassische“ schwarz des Scherenschnittpapiers entschieden und einem schlichten silbernen Rahmen – so passt das 10×15 große Bild wirklich zu jedem Einrichtungsstil.

Also quasi ein „einmalige“ Chance ein schönes Passau-Bild „Made in Passau“ zu ersteigern 😉

***Eine BITTE: Wer meinen Scherenschnitt selbst nicht steigern möchte, dann bitte fleißig im Social Web teilen – Danke***

Passau räumt auf: Einsatz als Fluthelfer in „Bernhard’s Corner Shop“

7 Jun

„Wenn das meine Schwiegermutter sehen würde… Ich glaube, wir dürfen ihr gar keine Bilder vom Laden zeigen“, sagt Susi. Sie ist die Frau von Bernhard, dem Besitzer des kleinen Tante-Emma-Ladens „Bernhard’s Corner Shop“* am Oberen Sand in Passau.

Vor "Bernhard's Corner Shop" am Oberen Sand trocknet das Mobiliar.

Vor „Bernhard’s Corner Shop“ am Oberen Sand trocknet das Mobiliar.

Bei Bernhard holt man sich die ein oder andere Flasche Bier, um an der nahe gelegenen Innpromenade mit Freunden zusammenzusitzen. Jetzt kann man weder an der Innpromenade sitzen, weil dort noch die schlammigen braunen Hochwasserfluten ihre Spuren hinterlassen haben. Und Bernhard kann derzeit nichts verkaufen – auch nicht die Dinge für den täglichen Bedarf, mit denen sich die Bewohner der Passauer Altstadt sonst so gerne bei ihm eindecken. „Bernhard’s Corner Shop“ mit seinem Retro-Charme, das ist eine kleine Passauer Institution und deswegen helfen die Anwohner jetzt. „Ihr“ Laden wurde beim Jahrtausendhochwasser überflutet.

Bis dato keine Erfahrung mit Hochwasser

„Nur beim Hochwasser von 1954 hatte meine Schwiegermutter, die den Laden gegründet hat, hier das Wasser drin“, sagt Susi. Deswegen trifft Bernhard das Hochwasser nun besonders hart, da er im Gegensatz zu anderen Ladenbesitzern, die näher an Donau oder Inn liegen, keine Erfahrung mit den schlammigen Fluten hat.

Rein zufällig bin ich am Dienstag zu den Aufräumarbeiten im Laden gestoßen. Ich habe einfach gefragt, ob hier Hilfe benötigt wird. „Hast du Gummistiefel an? – Dann rein mit dir!“ Eine Treppenstufe führt nach unten in den Ein-Zimmer-großen-Verkaufsraum an der Ecke zur Theresienstraße. Zu diesem Zeitpunkt steht das schlammige Innwasser noch gummistiefelhoch in „Bernhard’s Corner Shop“. Bis zur Mitte des Schaufensters stand es dort bei der Scheitelwelle des Inns.

Zugegeben, ich hatte keine Vorstellung davon, was mich in der überfluteten Passauer Altstadt erwarten wird. So war ich im ersten Moment doch etwas geschockt, als ich die Verwüstung des kleinen Ladens näher betrachte. Im schlammig-braunen Hochwasser schwimmen Getränkedosen, diverse andere Lebensmittel – aber auch Glasscherben.

Große, kleine Gesten in der Katastrophe

Als ich noch die Lage sondiere, spricht mich eine Frau freundlich von der Seite an: „Schön, dass du uns hilfst.“ Die Frau zieht ihre gelben Gummihandschuhe aus und reicht mir die Hand. Welch eine freundliche Geste denke ich, angesichts des katastrophalen Zustandes des Ladens. „Ich bin Susi, Bernhard’s Frau. Könntest du bitte einen Müllsack suchen und den Müll aus dem Wasser fischen?“

Innerhalb von nur einiger Minuten schmeißen wir so Lebensmittel im Wert von sicher einigen hundert Euro weg. Derweil sind es „nur“ Lebensmittel, was da im Wasser treibt. Was, wenn ich einem Privathaus stehen und persönliche Erinnerungen in den blauen Müllsack stopfen müsste?

Alle helfen zusammen

Studenten und Einheimische helfen zusammen. Das Hochwasser wird mit Eimern aus "Bernhard's Corner Shop" geschöpft.

Studenten und Einheimische helfen zusammen. Das Hochwasser wird mit Eimern aus „Bernhard’s Corner Shop“ geschöpft.

Kartons sind aufgequollen, Verpackungen verdreckt vom Schlamm. Die Sicht im überfluteten Laden ist nicht optimal – der Strom ist abgestellt, es gibt kein Licht und Leitungswasser zum Putzen. Währenddessen schöpft ein Schulleiter mit einem Eimer unermüdlich das Hochwasser aus dem Laden. Das ist echte Knochenarbeit. Der „Pauker“ wohnt in der Nachbarschaft. Jetzt helfen alle zusammen: Alteingesessene Passauer, Bewohner, Studenten, Schüler.

Helena z. B. hätte heute eigentlich mündliche Abiturprüfung. Doch die Gymnasien in der Altstadt stehen noch unter Wasser. Respekt, dass sie die zusätzliche Zeit nicht zum Lernen nutzt, sondern anpackt!

Nachdem ein Großteil des Mülls aus dem Wasser gefischt ist, fangen wir an mit einem Besen das Wasser in die Mitte des kleinen Ladens zu „kehren“. Die anderen Helfer schöpfen derweil weiter das Wasser mit Eimern aus dem Laden. Eine Pumpe kann nicht aufgetrieben werden.

Herber Rückschlag für den kranken Bernhard

So wie das Bernhards "Schuldenheft" sind alle Unterlagen in den Fluten verschmutzt und durchnässt worden.

So wie das Bernhards „Schuldenheft“ sind alle Unterlagen in den Fluten verschmutzt und durchnässt worden.

Bernhard steht fassungslos vor dem Corner Shop, der seinen Namen trägt. Der schmächtige Ladenbesitzer ist gesundheitlich ohnehin stark angeschlagen, erst seit einigen Wochen aus dem Krankenhaus entlassen. Das Hochwasser in seinem Laden ist für ihn also nochmals ein schwerer Rückschlag. Zumal er an jedem Einrichtungsteil in seinem Laden aus den 1960er Jahren hängt. Stimmig hat er den Verkaufsraum liebevoll mit allerhand Retro-Accessoires dekoriert. „Alles nach und nach auf Flohmärkten gekauft“, erklärt Susi. Die kleinen Blechschachteln und Schilder sind von Schlamm beschmiert. Die Retro-Poster an den Wänden durchnässt. Sie müssen runter. Das Wasser stand schließlich mannshoch im Laden. Die Schachteln wasche ich aus und hoffe, dass sie nach dem Trocknen keinen Rost ansetzen. Zu wenig wird Bernhard wohl ohnehin von seinem „alten“ Laden bleiben. Ob das Mobiliar nach dem Trocken noch zu gebrauchen ist?

Quer über den Verkaufsraum hat das Hochwasser Bernhards Theke gespült. Von ihr will sich Bernhard auf keinen Fall trennen – noch nicht. Also wird darum herum geschrubbt und geputzt. Doch nachdem mühevoll das Wasser immer mehr hinausgeschöpft ist, wird klar, dass die Theke weichen muss. Das massive Holzteil ist zu schwer um es hinauszutragen, es muss an Ort und Stelle klein gehackt werden.

Die einen helfen, die anderen plündern

Vor dem Laden lagern Dinge, die aus den Fluten gerettet werden konnten und dort trocknen sollen. Als ich einen Eimer Wasser in den Gully kippe, fällt mir ein Mann mit weißen Turnschuhen auf. Geputzt hat der damit sicher nicht, denk ich mir. Er schleicht zu den wenigen Habseligkeiten, die Bernhard noch geblieben sind. Mit einer Seelenruhe fängt der schwarzhaarige Turnschuhträger an darin zu wühlen. Ich frage ihn mit Nachdruck: „Und das wollen Sie jetzt mitnehmen?“ „Ja“ grinst er mir frech ins Gesicht. Zum Glück bemerkt Susi die Situation, denn ich hätte angesichts soviel Unverfrorenheit keinen Ton mehr heraus bekommen. Doch jetzt zeigt auch Susi Emotionen. Die Frau, die so besonnen und freundlich wirkt trotz der miserablen Situation, in der sich ihr Familienbetrieb befindet, schreit nun los: „Das ist das Allerletzte! Schau, dass du wegkommst!“ – sie zieht jetzt abermals ihre gelben Spülhandschuhe aus und wirft sie nach dem Plünderer. Dann brechen bei ihr alle Dämme. Wir Helfer versuchen sie zu trösten. „Ihr alle, die ihr dasteht – allen ein herzliches Dankeschön!“, schluchzt sie.

Solidarität Passau+++ Hilfe für „Bernhard’s Corner Shop“

–> *Sie wollen Bernhard Riederer helfen?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich auf das Helfen und nicht Fotografieren konzentriert habe. Zudem wollte ich Bernhard in dieser Situation nicht vor die (Handy)Kamera holen.

Seine Mitarbeiterin, Michaela Wagner, hat ein Spendenkonto für ihn eingerichtet:

Kontoinhaber: Michaela Wagner

Kennwort: Hochwasser-Hilfe Bernhard Riederer

Kontonummer: 30366959

BLZ 74050000

Sparkasse Passau

++++ Am Samstag, 8. Juni 2013, findet ab 17h eine Feier in Bernhard’s Corner Shop statt. Getränke sind gratis um Spenden wird gebeten.

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BEMERKUNG: Bernhard ist nur ein Einzelschicksal. Meine ganze Heimatstadt ist verwüstet. Wir uns Passauern helfen will:

Stiftung der Passauer Neuen Presse
Kennwort: PNP-Fluthilfe
Kontonummer: 30 365 373
BLZ 740 500 00
Sparkasse Passau

Für Spenden aus dem Ausland:
IBAN: DE30740500000030365373
BIC: BYLADEM1PAS

„Jahrtausendflut“ in Passau: Leben mit und von den Flüssen

3 Jun

Im ARD-Brennpunkt hat es heute Abend geheißen, dass Passau zum letzten Mal 2002 vom Hochwasser betroffen gewesen sei. Das ist nicht nur sprachlich falsch (es kann nicht das letzte Mal heißen, wenn es Wiederholungen gibt), sondern auch inhaltlich.

Wir Passauer leben mit unseren drei Flüssen und somit auch mit dem Hochwasser. Auch wenn meine Familie nicht in der Altstadt wohnt, sind wir immer indirekt vom Hochwasser betroffen ist. „Rien ne va plus“ heißt es dann für viele Straßen und Gassen der Innenstadt. Nach starken Regenfällen ist die Situation routiniert. So war es auch dieses Mal.

Hauptsächlich via soziale Medien wurde ich zu Beginn dieser „Jahrtausendflut“ gefragt, wie es in Passau mit dem Hochwasser gehe. „Daily Business“ habe ich geantwortet.

Wir haben aus 2002 gelernt

In der Tat: Die vornehmlich Andenkenläden, Restaurants, Ateliers in Wassernähe sind vorbereitet – schnell können sie ihre Räumlichkeiten im Hochwasserfall räumen. Seit 2002 haben einige von ihnen (wie z. B. das Restaurant Croatia) spezielle Hochwasserwände installiert. Wir Passauer sind vielleicht sture Niederbayern, aber sicher nicht dumm… Natürlich haben wir uns nach 2002 Gedanken gemacht – auch wenn das jetzt vielleicht nicht so aussieht! Wenn aber die Hochwasserwände im Gastraum installiert sind, wie im Croatia, nun aber das Wasser bis zum 2. Stock reicht – dann hilft leider nichts mehr.

Dass das Wasser immer weiterstieg und stieg und stieg, das haben wir nicht erwartet. Schon im Kindesalter habe ich Geschichten über unser Jahrhundertwasser aus dem Jahr 1954 gehört. Mein Opa war damals als Fluthelfer im Einsatz. „Damals liefen Donau und Inn in der Stadt zusammen“ – das war immer das 1954-Horrorszenario. Dass sich dieses einmal wiederholen, gar übertreffen werden wird, damit hat hier irgendwie niemand gerechnet.

Zusammenfluss von Donau und Inn als Horrorszenario

Als dann heute Vormittag Donau und Inn in der Fußgängerzone zusammenliefen, war meine Angst groß. Darauf war ich ja quasi schon seit Kindertagen konditioniert.

Schon gestern Abend stand fest, dass die Hochwassermarke von 1954 getoppt werden würde. Für mich war das auch schon ein paar Stunden vorher klar, dass es nun brenzlig wird, nämlich als schulfrei gegeben wurde.

Nie gab es schulfrei

Ich war Schülerin des ehrwürdigen Leopoldinums an der Michaeligasse. Wie habe ich als Gymnasiastin gehofft, dass einmal der Unterricht wegen Hochwasser ausfallen würde. Nie, nie, nie war das der Fall! (Gut, 2002 fiel das Hochwasser in die Ferienzeit). In anderen Städten würde man vielleicht seine Kinderchen lieber zu Hause lassen, wenn unterhalb des Fensters ein reißender Gebirgsfluss Hochwasser hat – nicht in Passau! Weil die Fritz-Schäffer-Promenade – die direkte Zufahrtsstraße für die Schulen in der Altstadt – überschwemmt war, wurden die Haltestellen einfach auf die andere Seite der Donau verlegt – dem sog. Anger. Die Angerstraße ist im Moment übrigens auch komplett überschwemmt… Also war es weitsichtig, bereits am Sonntag den Schulausfall zu vermelden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber: Es wird ernst, sehr ernst werden in Passau.

Hochwasser übt gewissen Reiz aus, aber bitte kein Katastrophentourismus

Hochwasser hatte für uns Schüler immer einen gewissen Reiz. Vor und nach der Schule sind wir an die Ortsspitze und ins Hochwasser – soweit das ging. Auch 2002 habe ich – nach(!) der Scheitelwelle – das Hochwasser „besichtigt“. Aber dieses Mal habe ich ganz bewusst auf diese Art von Katastrophentourismus verzichtet. Ich habe auch keinerlei Verständnis für diese Art von Sensationsgier der Menschen. Meine Hauptinformationsquellen sind also im Moment soziale Medien. Und was ich da erlebe, „muss“ ich wohl in einem getrennten Post verarbeiten…*

Packen wir’s an: So helfen Sie Passau

Für heute nur noch so viel: Wir Passauer können und wollen unsere Flüsse nicht durch Dämme abschotten. Wir leben mit und von Donau, Inn und Ilz. Und deswegen werden wir auch nach dieser „Jahrtausendflut“ zusammenstehen. (Die „Flut“ an Hilfsbereitschaft in den sozialen Medien ist einfach überwältigend.)

Packen wir’s an! Im Moment ist es schwer zu überblicken, ob und wie freiwillige Helfer in die Aufräumaktionen eingebunden werden können. Ich habe mich bei der Studenten-Initiative „Passau räumt auf“ registriert**, weil ich die Arbeit der Verantwortlichen persönlich kenne und schätze.

Wer unser Passau finanziell unterstützen will, tut dies am Besten hier:

Stiftung der Passauer Neuen Presse,

Kennwort Fluthilfe,

Kontonummer 30365373

Bankleitzahl 74050000 Sparkasse Passau

– auch wenn das Konto bei der Sparkasse Passau ist 😉

Weitere Blogposts zum Thema „Hochwasser in Passau“:

* Zu meinem Blogpost „Fluthilfe revidiert meine Meinung über soziale Medien“.
** Zu meinem Blogpost über meinen „Einsatz als Fluthelfer in Bernhard’s Corner Shop“.