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CdAS-Spenden-Initiative für Hochwasseropfer aus Simbach

1 Aug

Wir können zwar nicht die Welt retten. Aber angesichts der unbegreiflichen Anschläge der vergangenen Tage können wir einfach bei uns anfangen, dass diese Welt wieder ein klein wenig menschlicher wird.

Mir ist bewusst, dass inzwischen andere Ereignisse die schrecklichen Bilder des Hochwassers in Niederbayern aus unserer medial gesteuerten Welt verdrängt haben. Doch die Menschen, die in Simbach und Umgebung ihr Hab und Gut – und noch schlimmer, zum Teil ihre Lieben verloren haben, für die ist das Leben nach dem Hochwasser noch immer grausame Realität: Die Wohnungen und Häuser noch immer unbewohnbar, unersetzbare Erinnerungen wie Fotos von Verstorbenen für immer verloren.

Vater von Kommilitonin im Hochwasser gestorben

Und weil wir eben nicht die Welt retten können, bitte ich meine Leser nur um einen kleinen Beitrag.
Es ist zwar nur EIN Schicksal, einer einzigen Familie, das mich in den vergangenen Wochen besonders bewegt hat – es handelt sich um die Familie einer ehem. Kommilitonin und Mit(alt)stipendiatin, über deren Schicksal ich bereits hier geschrieben habe. Aber in diesen Tagen wird mir bewusst, dass wir nicht darauf warten können, dass sich „die Gesellschaft“ ändert, sondern wir müssen bei uns selbst anfangen. In mein Poesiealbum hat meine Grundschullehrerin einen Spruch geschrieben, dessen Bedeutung mir in diesen Tagen immer öfter bewusst wird:
„Der Friede der Welt muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen.“

Machen wir doch gemeinsam einen ersten Schritt, warten wir nicht darauf, dass „die Gesellschaft“ sich ändert, sondern beginnen wir in unserem Herzen und spenden für meine Bekannte, die ihren Vater im Hochwasser von Simbach verloren hat – bitte an folgendes Konto:

Kontoinhaber: CdAS Club der Altstipendiaten e.V.
Bank: HypoVereinsbank
Konto-Nr.: 0015 743 713, BLZ: 700 202 70
IBAN: DE60 7002 0270 0015 7437 13

Bitte als Betreff „Hochwasser Simbach“ nennen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den CdAS (dem Club der Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung), der meine Initiative unterstützt und das Konto eingerichtet hat. Die CdAS-Nothilfe wird zwar nicht die Welt retten können, aber dazu beitragen und uns zu erinnern, dass wir alle Menschen sind

Sodom und Gomorra in Niederbayern: Wo ich vor 10 Jahren Abi machte

4 Jul

Zwischen den Jahren trudelte in mein altes E-Mail-Postfach eine Einladung zum 10-jährigen Abitur-Treffen ein.

Meine erste Reaktion war PANIK. Denn nun komme ich offensichtlich in ein Alter, in dem man Jubiläen feiert. Jubiläen, das waren für mich bis dato die goldenen Zahlen auf Fresskörben, die meine Großeltern zu Geburtstag erhalten haben. Aber nun prangt über meinem Leben bald eine dicke, fette, goldene 10!

Meine zweite Reaktion war: Wie viele meiner ehemaligen Mitschüler werden sich noch „in Ausbildung“ befinden, wie ich? Wie viele sind schon verheiratet? Wie viele haben vielleicht gar schon Kinder?

Von einem Pärchen weiß ich, dass es sich in meinem Abiturjahrgang gefunden hat – die beiden haben vor ein paar Jahren auch geheiratet. Anders als die Pärchen, deren unsterbliche Liebe die Verleihung des Reifezeugnisses im Juni 2006 kaum oder knapp überlebt hat… Eine hat bei ihrem “Lover” sogar eine Abiturprüfung ablegen können, aber dazu später.

Der Ex-Schulleiter wurde degradiert

Erst möchte ich erzählen, dass ich auch heute, knapp 10 Jahre nach meiner Zeit als Schülerin eines bayerischen Gymnasiums, oft schweißgebadet aufwache, wenn ich von der Schule träume. Regelrechte Albträume habe ich noch heute. Einige sagen, die Schulzeit sei die schönste Zeit ihres Lebens gewesen – für mich war es die Studienzeit. Erst dann begann mein Leben richtig. Alles andere vorher war nur ertragen. Ich bin froh, dass ich die Schulzeit überlebt habe. Und als ich mir überlegte, wer denn aller zu unserem Abi-Jubiläum kommen könnte, da merkte ich, dass diese Albträume vielleicht auch andere hätten, wenn sie an dieser Schule gewesen wären…

Mittlerweile hat mein altes Gymnasium einen neuen Schulleiter. Ob wohl der ehemalige Schulleiter zu unserem Treffen kommen wird?

Ach nein, der wurde ja seines Dienstgrades degradiert, weil er eine Referendarin sexuell belästigt haben soll.

Religionslehrer besaß Kinderpornos

Und auch der einstige Religionslehrer wird wohl kaum einer Einladung zu unserem Treffen nachkommen können – bei ihm hat die Polizei, einige Jahre nach meiner Schulzeit, Kinder-Pornos gefunden. Ich persönlich habe diesen Lehrer in der Schule nie so recht leiden können, er hat sich uns Kindern gegenüber zu kumpelhaft verhalten. Heute ist mir auch klar, warum… Aber während meiner Studienzeit habe ich ihn noch einige Male getroffen, denn ich habe Theologie studiert in dem Gebäude neben diesem „ehrwürdigen“ Gymnasium. Eigentlich waren die Gebäude sogar miteinander verbunden oder war es sogar ein Gebäude? Dennoch habe ich in meinen Studienjahren nur äußerst selten den Weg „rüber“ in meine alte Schule gefunden. Aber eben ab und an einen ehemaligen Lehrer auf seinem Schulweg und meinem Weg zur Uni getroffen. Und so kam ich auch einige Male mit dem Reli-Lehrer, der eigentlich ein perverser Straftäter war, ins Gespräch; und ich dachte mir, warum habe ich den früher nicht gemocht? Eigentlich war er doch ganz nett. Eigentlich. Aber nachdem ich von dem Polizei-Einsatz bei ihm gelesen habe, hatte ich wieder fast ein schlechtes Gewissen: Warum habe ich einen Sex-Täter sympathisch gefunden?

Aber der ewige Junggeselle war eben so herrlich kumpelhaft! Als junge Studentin fand ich das dann angemessen und eben nett. Peinlich, peinlich – der Straftäter hat für die Festschrift des 400-jährigen Bestehens der Schule einen Beitrag geliefert und sich u. a. so unsterblich in der Schulgeschichte verewigt.

Hier drückte schon ein Attentäter die Schulbank

Und nein, ich bin nicht in Sodom oder Gomorra ins Gymnasium gegangen. Aber „Täter“ haben schon früher diese Schule besucht. Ein Attentäter drückte einige Jahrzehnte vor mir dort die Schulbank: Anton Graf von Arco-Valley, er hat am 21. Februar 1919 den ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner ermordet.

Die Ironie des Schicksals oder der Geschichte will es, dass mich mit ihm zwei Dinge bis heute verbinden:

Zum einen ist sein ehemaliger Hauslehrer der Vater meines ehemaligen Musiklehrers. Mit dem Neffen des Lehrers, den ich sehr gemocht habe, habe ich Abi gemacht. Man möchte meinen, die Verbindungen des (Groß)vaters zum bayerischen Adel würde heute keine so große Rolle mehr spielen. Weit gefehlt! Denn die zweite Verbindung zum Attentäter, der meine ehemalige Schule besuchte, ist meine Diss. Ich promoviere über die Rezeption des Mordes an Kurt Eisner. Und zu dieser Diskursanalyse gehört auch die enge Verbindung zum ehemaligen Hauslehrer…

Ja, immerhin für mein Diss-Thema könnte ich meinem Gymnasium dankbar sein. In meinem Sozialkunde-Geschichte-Leistungskurs – ja, das hieß bei mir noch so und ich erhielt auch erst nach 13 Schuljahren mein Abitur, so alt bin ich schon – fragte ich nach, wer denn dieser Graf Arco sei, der Eisner ermordet habe. Und wie es so ist, wenn der Lehrer nicht weiter weiß:

Ich durfte am nächsten Tag ein Referat über den Attentäter halten. (Man stelle sich mal vor, nicht mal das hat mein Geschichtslehrer gewusst, dass Arco in diesem Gebäude die Schulbank gedrückt hat…) Für das Referat bekam ich 15 Punkte und die Erkenntnis, dass über den Grafen, der ein Attentäter war, quasi nur ein Buch existierte. Darin erinnerte ich mich Jahre später uns schwups hatte ich ein Thema für meine Doktorarbeit. Auch in der Festschrift hat man diesen prominenten Schüler (bewusst?) unter den Tisch fallen lassen – ok, da sind nur die ab Abiturjahrgang 1961 aufgelistet…

Mit meinem Doktor der Geschichte wäre ich dann zumindest qualifiziert, dem Elternbeirat meines ehemaligen Gymnasiums anzugehören. Denn ohne zumindest einem Doktortitel war man in dieser Elite-Ausbildungsstätte nur ein Elternvertreter zweiter Klasse… Am besten war man schon in mindestens zweiter Generation Schüler dieser Anstalt – und dein Großvater hat adelige Attentäter unterrichtet.

„Legenden sterben jung“ – die Lieblingslehrer auch

Aber es war nicht alles schlecht, was ich mit meiner Schulzeit verbinde… Doch ganz nach dem Motto, „Legenden sterben jung“, muss ich feststellen, dass einige meiner Lieblingslehrer schon verstorben sind:

Da war zum Beispiel der Musiklehrer, der mich mit seinem Lockenkopf und seinem tiefen Bass trotz fehlender Körpergröße immer etwas an Johann Sebastian Bach erinnerte. Ist ja auch irgendwie passend für einen Musiker oder? Immer wenn ich das Weihnachtslied „The little drummer boy“ höre, sehe ich ihn vor meinem geistigen Auge, wie er auf dem schwarzen, schon etwas abgenutzten Flügel im kleinen Musiksaal im Erdgeschoss des ehrwürdigen Altbaus dieses Weihnachtslied mit uns anstimmte. Seine Bassstimme hat uns Unterstufen-Schüler dabei gewaltig übertönt.

Das Schulgebäude war so alt, dass wir nicht einmal eine Sprechanlage für Durchsagen hatten. Ob wir hitzefrei hatten oder andere wichtige Informationen des Direktorats erreichten uns daher über Rundschreiben, die der Hausmeister in jedes Klassenzimmer brachte. Und das machte er so: Er klopfte kräftig gegen die alte Holztür; so stark und unverwechselbar, dass wir schon am Klopfen erkannten, dass er den Raum beteten wird und das immer mit einem ebenfalls unverwechselbaren, langgezogenen „Mooooooooorgen!“ Egal zu welcher Uhrzeit, auch wenn es schon 12 Uhr mittags war und bereits die sechste Schulstunde angebrochen war. Das gefiel uns Schülern natürlich so gut, dass wir ihm oft schon vor seinem Gruß, unmittelbar nach seinem Klopfen, „Mooooooorgen“ entgegenbrüllten.

Auch dieser äußerst kräftige Mann ist schon vor einigen Jahren gestorben – er war im Übrigen der Einzige, den ich während des Studiums nebenan besucht habe. Ich hab mir dann auch eine Würstel-Semmel bei seiner Ehefrau gekauft, die den Pause-Verkauf betrieb. Heute hat sie ein Restaurant, über das ich hier geschrieben habe.

Ein anderer Kult-Lehrer, auch nicht von allzu großer körperlicher Größe, aber groß im Geiste, war ein Mathe- und Physiklehrer, der immer mit einem Moped in die Schule fuhr. Und das bei jeder Witterung! Mich erinnerte er daher an Ottfried Fischer, der in “Irgendwie und sowieso” als „Sir Quickly“ auf einer Schwalbe fuhr..

Der „Sir“ schaffte es sogar, dass ich bei ihm eine Zwei in Physik hatte, weil er das mit dem Strom, den Leitern und dem Widerstand so gut erklärt hat. Wer weiß, vielleicht wäre ich gar nicht so unbegabt in Naturwissenschaften gewesen, wenn ich den „Sir“ öfter im Unterricht gehabt hätte. Aber schon damals lag mein Interesse eindeutig mehr in der geisteswissenschaftlicher Richtung.

Abiprüfung beim Lover 

Ich wählte als zweites Leistungskursfach Deutsch und daher bekam ich die heiße Affäre zwischen dem Grundkurslehrer und seiner Schülerin nicht mit. Im Nachhinein wurde natürlich behauptet, dass sie erst nach dem Abi die Liebe füreinander entdeckt hätten – just an der Abifeier soll das gewesen sein. Was für ein Zufall!

Sie wohnten dann sogar eine Zeit lang zusammen. Und das Internet, das ja nichts vergisst, zeugt davon, dass sie sich auch einen Hund aus dem Tierheim nehmen wollten. Ich danke der Tierheimleitung, dass zumindest sie diese zweifelhafte Verbindung bestraft hat, indem sie ihnen den Hund nicht vermittelt hat! Außer einer sehr guten Note im Grundkurs-Abi hatte diese Beziehung zwischen Lehrer und Schülerin keine Folgen… Und nein, ich bin nicht in Sodom und Gomorra auf’s Gymnasium gegangen, sondern in einem beschaulichen, bayerischen Städtchen!

Heute weiß ich auch, warum die Schülerin, die nicht gerade zu meinen Freundinnen gezählt hat, über meine Krankmeldungen so genau Bescheid wusste, über die wohl ausführlich im Lehrerzimmer diskutiert wurde.

Ich hatte nämlich das Glück, dass ich mit Pfeiffer’schem Drüsenfieber zu den Abiprüfungen antreten musste. Meine Oberstufenbetreuerin hat, statt mich zumindest mental zu unterstützen, gesagt, dass ich das Abi in meinem Zustand nicht schaffen könnte. Zum Glück habe ich nicht auf sie gehört und bin angetreten. Gott sei Dank, denn ich wüsste nicht, ob ich diesen Wahnsinn noch ein Jahr länger ausgehalten hätte!

Kaum zu glauben, dass meine Schulzeit mittlerweile schon 10 Jahre her ist. Ich erinnere mich noch heute, wie ich bei der Abiturfeier etwas beschwipst auf die Uhr schaute und um Mitternacht das Datum verwechselte. Es war irgendein Juliabend, aber für mich war es der 4. Juli – mein ganz persönlicher Independence Day!
Die Ironie der Geschichte will es, dass dieser Blogpost just an einem 4. Juli erscheint – damit habe ich mir meine Horror-Schulzeit hoffentlich von der Seele geschrieben!

 

Hochwasser-Katastrophe in Niederbayern: Bitte lasst die Hinterbliebenen in Ruhe

3 Jun
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Die Facebook-Funktion „an diesem Tag“ erinnert nicht nur an schöne Ereignisse. Zur Zeit zum Beispiel an meine Erinnerungen an das Hochwasser in Passau von 2013 (Fotoquelle: Screenshot).

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist her, dass ich mich in diesem Blogpost über das Verhalten mancher Social-Media-Nutzer in der Hochwasser-Katastrophe (in Passau) aufgeregt habe. Horrormeldungen wurden verbreitet. Fluch und Segen der sozialen Netzwerke: Koordiniert wurde, hauptsächlich über Facebook, auch zum Beispiel das vorbildliche Hilfs-Projekt „Passau räumt auf“.
Exakt drei Jahre danach hat das Hochwasser meine Heimat Niederbayern wieder heimgesucht – nicht direkt meine Heimatstadt Passau, aber die benachbarten Landkreise Rottal-Inn und Passau sind dieses Mal betroffen. Facebook erinnert gerade viele Nutzer aus meiner Heimatregion daran: „Es ist schön, Erinnerungen wach zu halten. Wir könnten uns vorstellen, dass du gern an diesen Beitrag von vor 3 Jahren zurückdenkst.“

Vater via Facebook gesucht

Fluch und Segen: Ich erinnere mich, ich saß am Mittwoch in der Bibliothek in München als mich die Meldungen und vor allem Bilder der schlammigen Massen über soziale Medien erreichten, wie sie sich durch Simbach am Inn, Tann etc. wälzten.
„Lebt ihr noch?“, schrieb ich in die familieneigene whatsapp-Gruppe. Angesichts der Horrorszenarien, wie sie die Medien wieder propagierten, hatte ich Angst bekommen.
Vielleicht erging es meiner ehemaligen Studienkollegin ähnlich, nur hat sie das Pech, dass ihr Elternhaus direkt im Zentrum der Katastrophe, in Simbach am Inn steht. Wenig später erreichte mich in meiner Timeline der verzweifelte Aufruf, den ihr Bruder verfasst hat:

„Hochwasser Simbach am Inn.

Unser Vater Walter (…) wird vermisst. Zuletzt gesehen (…)Straße.

Informationen an: (Handynummern der Geschwister)

Bitte teilen!!!“

Natürlich habe ich sofort auf teilen geklickt. 8 400 Personen haben das ebenfalls getan. Und da ich auf Twitter bin, habe ich einen Screenshot auch dort verbreitet – über 200 Retweets waren es hier.
Schon zu diesem Zeitpunkt habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt tun sollte. Denn bekanntlich sind die sozialen Netzwerke „Fluch und Segen“… Man könnte sich nun ausrechnen, wie viele Menschen, darunter auch Medienvertreter, die Handynummern und die Adresse eines potentiellen Flutopfers hatten.

Screenshot des Suchaufrufs in der BILD

Gestern Abend hatten die Angehörigen dann traurige Gewissheit – nach Stunden des Hoffens und Bangens, unvorstellbar quälender Ungewissheit: Der Vater hat es nicht mehr raus aus dem Keller geschafft. Er ist das sechste Opfer der Hochwasser-Katastrophe von 2016. Zu diesem Zeitpunkt werden jedoch noch Personen vermisst.
Als wäre das alles für die Familie noch nicht genug! Den „verzweifelten“ Suchaufruf der Geschwister hat die BILD heute als Screenshot veröffentlicht – mit den Handynummern und der Adresse. Da wurde nichts geschwärzt. Auch die Kommentare der Facebook-Freunde des Sohnes sind zu lesen. Mit Namen versteht sich.
Gleich wäre man wieder da mit dem Urteil: BILD halt. Aber selbst in den Öffentlich-Rechtlichen ist man nicht pietätvoller. Dort verkündete eine Rettungskraft heute im Morgenmagazin vollmundig: „Den (Familiennamen) hat man da hinten rausgezogen.“ Sorry, liebes Moma-Magazin, aber muss man den O-Ton, in dem der Name eines Hochwasser-Opfers genannt wird, wirklich senden?
Handynummer kann man wechseln, aber die Erinnerungen bleiben. Auch Facebook wird sie zum Jahrestag der Familientragödie an diesen Beitrag erinnern. (Hier wird beschrieben, wie man die Funktion „An diesem Tag“ ausschalten kann.)

Der Familie habe ich bereits persönlich mein Beileid ausgesprochen. Sie brauchen jetzt Hilfe*. Auch wenn das im Moment vielleicht hinten ansteht, aber es geht dabei auch um finanzielle Unterstützung der Opfer und Hinterbliebenen. Hier sind die sozialen Netzwerke wieder Fluch und Segen: Wie nah sollen die Medien das Schicksal der Hochwasseropfer beleuchten (und über die sozialen Netzwerke verbreiten), damit der Spendenrubel rollt?

Wir entscheiden über die Art der Berichterstattung

Wir alle können mit unserem persönlichen Medienkonsum und insbesondere Klick-Verhalten über das WIE der Berichterstattung entscheiden. Ich persönlich würde mir mehr Fingerspitzengefühl wünschen. Oder nennen wir es ethisches, pietätvolles Verhalten. Die Berichterstattung auf Basis eines Screenshots des Hilfeaufrufs der Geschwister mit den persönlichen Daten halte ich für verwerflich – es ist für mich ein trauriges Beispiel wie Journalismus nicht funktionieren sollte!

Anmerkung: Aufgrund des Tenors meines Blogposts bitte ich um Verständnis, dass ich auf einen Screenshot des Hilfeaufrufs verzichtet habe. Ich habe schon daran zu knapperen, dass ich selbst die Daten verbreitet habe, in der Hoffnung, dass alles gut wird… Derweil lag der Vater vermutlich bereits tot im Keller.

* So können Sie helfen:
Spendenaktion der PNP für Hochwasser-Opfer
Spendenkonto des Landkreis Rottal-Inn –> Helfer können im Übrigen gratis mit der Südostbayernbahn anreisen

Blogger schenken Lesefreude: Publikation zum gratis-Download mit Beitrag von mir

23 Apr

blogger2015v-W-177x300Die Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ geht dieses Jahr in die vierte Runde. Bisher war es üblich, dass Blogger am Welttag des Buches, dem 23. April, Bücher verlost haben.

Im vergangenen Jahr habe ich mich mit meinem Sparblog ISARSPARER auch ganz klassisch daran beteiligt und eine Verlosung ausgeschrieben. Das hat mich als Buchliebhaberin jedoch nicht so wirklich befriedigt… Mir kam es vor, als hätten Gewinnspiel-Junkies einfach die Liste der zentralen Seiten der Aktion, in der alle teilnehmenden Blogs gelistet sind, abgegrast:

Ui, eine pseudo-Gewinnspielfrage – scroll!
Oh, hier den Namen hinterlassen und in den Lostopf springen.
Und – klick – weiter zum nächsten Blog, der eine Buch verlost.

Aktion sollte mehr als Buchverlosung sein

Dass das nicht das Wahre ist, das haben auch die bibliophilen Mädels, die die Lesefreude-Aktion ins Leben gerufen haben, erkannt und dieses Jahr soll es anders werden: Gelistet sind nicht mehr die zu verlosenden Bücher. Zurück zu den Wurzeln also – Blogger schenken Lesefreude. Auf ISARSPARER erwartet euch auch ein ganz unkonventioneller Beitrag. Und Lesefreude muss ja nicht immer durch ein Buch entstehen – es gibt auch andere Formen der Publikation…

Doch obwohl ich viel (im www) schreibe, ist es doch ein besonderes Gefühl, wenn ein Text von mir gedruckt wird. So richtig, auf Papier. Totholz gebunden als Buch.

Publikation zum gratis-Download

Ich habe mich am Wettbewerb zum Förderpreis für Politische Publizistik der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) beteiligt. Thema war: „2030 – Wo steht dann meine Generation?“ Und ich freue mich, dass mein doch recht unorthodoxer Beitrag publiziert wurde, also so richtig gedruckt – auf Papier, zum Anfassen und Weitergeben an Opa.

Die Publikation gibt es gratis zum Download auf den Seiten der HSS:

Teresa A. Winderl: Briefe in die bayerische Gegenwart, in: Ursula Männle (Hrsg.): Förderpreis für Politische Publizistik 2014/2015. 2030 – Wo steht dann meine Generation, S. 139 – 148. (*einfach klicken*)

Kluge Beiträge über meine Generation im Jahr 2030

Es ist eine ganze Publikation, die, wer sie nicht auf Totholz ergattern konnte, eben auch digital auf zum Beispiel einem E-book-Reader lesen kann. Und ich persönlich finde, dass bei den sehr unterschiedlichen Beiträgen zu diesem spannenden Zukunftsthema, sehr kluge Überlegungen dabei sind:

Inspiriert wurde ich für meinen Beitrag von Rosendorfs Buch „Briefe in die chinesische Vergangenheit“. Die Preisträgerin hingegen hat sich als Naturwissenschaftlerin dem Thema recht geisteswissenschaftlich genähert und über die Autopoiese einer Generation an Hand der Luhmann’schen Systemtheorie nachgedacht.

Ja, vielleicht merkt ihr schon, warum ich mich freue, dass mein relativ stark literarischer Beitrag publiziert wurde 😉 Die Überschriften der einzelnen Beiträge sind zum Teil recht frech, wie „Opakratie“ etwa oder auch unaussprechlich „2030 – fourty, fifty! Abwechselnd Angst und Achsel – eine Anklage“. Zumindest Professorin Männle hatte bei der Laudatio ihre Freude an diesem Zungenbrecher 😉

Fourty, fifty – „meine“ Generation, die sich an diesem Wettbewerb beteiligen konnte, wird 2030 zwischen 40 und 50 Jahre alt sein. Werden wir die Arbeitswelt umkrempeln? Ein Beitrag („jung, smart & frech“) setzt sich damit auseinander.

Mitmachen und selbst Lesefreude schenken

Wenn auch ihr Lesefreude im Rahmen einer Publikation schenken wollt: Der Förderpreis für politische Publizistik der HSS ist dieses Jahr wieder ausgeschrieben – eingereicht werden können dieses Mal Beiträge zum Thema „Herausforderung: Einwanderung“

 

 

Wiesn-Endspurt: Dirndl-Mode, eine Frage der Kombination

2 Okt
Nicht alles wird gut, wenn man sieht, was zu den Standard-Dirndl kombiniert wird. (Foto: Winderl)

Nicht alles wird gut, wenn man sieht, was zu den Standard-Dirndl kombiniert wird. (Foto: Winderl)

Ehrlich gesagt bin ich froh, dass der Dirndl-Geschmack durch die Trachten-Hersteller so standardisiert ist: Ob blaues oder rotes Karo, Hirsche oder Rosen auf der Schürze. Die Standard-Oktoberfest-Uniform für „sie“ kann das Auge gar nicht so beleidigen… Denn wenn man sieht, was dann zum Otto-Normal-Dirndl kombiniert wird, verrät, dass individuellere Trachten-Moden den Durchschnittsbesucher überfordern würde.

Fangen wir doch unten, bei den Füßen an und bewegen uns von dort über Handtasche und Schmuck Richtung Kopf, also Frisur:

1. Schuhe 

Als Schuhe für das Dirndl von der Stange kombiniere auch bitte noch die hässlichsten Treter, die dein Schuhschrank hergibt! Mit Absatz wagt sich nur die Bussi-Bussi-Gesellschaft auf die Wiesn – nimm du bitte das flachste Schuhwerk, das du im Haus hast. Denn gerade zu einem Midi-Dirndl (oder noch länger) sehen Ballerinas richtig elegant aus – bloß nicht die Figur optisch strecken! Am Besten, du schmeißt dich zum Oktoberfest schon in deine UGG-Boots – im September/ Oktober kann es ja schon mal gefrieren… Und diese Fell-Stiefel lassen auch im Tages-Outfit deinen Gang elegant wie eine Ente wirken.

2. Strümpfe

Als Frau von Welt trägt man Strumpf(hose) – da kommt man Ende September auch quasi nicht drumrum. Kombiniere zu deinen Stiefeln bitte unbedingt blickdichte Wollstrumpfhosen, am Besten noch mit Musterung. Das macht dein Dirndl so richtig elegant!

3. Handtasche

Zeig bei deiner Handtasche unbedingt her, was du dir leisten kannst! Wähle eine mit möglichst auffälligem Monogramm, die du crossover trägst. Möglichst so, dass ein toller Mustermix mit deinem Dirndl entsteht.

Hat dir Papi noch keine Designer-Handtasche gekauft, greife unbedingt auf die hochwertigen Modelle in Herzform zurück, die du auch z. B. gleich noch am Hauptbahnhof kaufen kannst. Achte darauf, dass sie mit einem möglichst peinlichen Aufdruck wie „Wiesn-Queen“ versehen ist. Wer weiß, ob du jemals Guidos „Shoppingqueen“ werden kannst?

4. Jacke

Wir haben ja schon festgestellt, dass es zur Wiesnzeit draußen schon zapfig werden kann… Und grad, wenn dein Lover leider nicht in einer (schlagenden) Verbindung ist und ihr daher kein Platzerl im Schützenzelt habt, müsst ihr euch auch noch mit dem Biergarten begnügen. Also muss ein Jackerl mit: Am Besten nimmst du eine, die nicht unifarben ist, sondern schön gemustert. Muster-Mix ist ja gerade ganz angesagt und zum roten Karo-Schürzerl passt eine Daunen-Jacke mit Camouflage-Aufdruck wirklich exzellent!

5. Schal

Unbedingt solltest du einen Schal zu deinem Outfit kombinieren – Hülle dich am Besten gleich so stark in deine Daunen-Jacke und Loop-Schal ein, dass vom Dirndl nichts mehr zu erkennen ist! Auch ist Muster-Mix wieder ganz toll!

6. Schmuck

An dem Stand, an dem du deine Filz-Herztasche erworben hast, wird es sicher auch ein paar tolle Schmuckstücke geben. Hoch im Kurs stehen ebenfalls Herzen, die als Anhänger um den Hals mit Aufdrucken wie „Wiesnluder“ oder „Schatzi“ schon gewisse Botschaften verkünden. Das Dirndl-Schürzen-ABC muss du so gar nicht mehr lernen. Es wird ja auch viel zu selten in den Medien im Vorfeld zur Wiesn darüber berichtet!

7. Frisur

Kommen wir zur Königsdisziplin, der Frisur. Trag auf keinen Fall einen schlichten Zopf. Pah, das sähe ja viel zu bayerisch aus! Toupiere dir die Haare so richtig auf – eine Dose Glitzerspray kann auch nicht schaden; oder noch besser: Ein quietsch-bunter Möchtegern-Trachtenhut, den gibt es auch übrigens an dem Stand, an dem du dir schon Tascherl und deine Kette gekauft hast – und schon ist es fertig: Das Wiesn-Dirndl

Und wenn ich immer die Unken-Rufe höre, dass ein Dirndl mit Leopard-Muster keine „Tracht“ sei… Dann muss ich sagen, dass auch euer Vintage-Dirndl von Omas Dachboden keine „Tracht“ ist. Das war damals einfach genauso in, wie das Leoparden-Teil heute. Wichtig ist meines Erachtens nur, dass man selbst Geschmack hat und das merkt man eben heute mit der standardisierten Wiesn-Mode erst bei den Accessoires…

Und wenn ihr „Tracht“ wollt, dann empfehl ich euch das Buch „Trachtenlandschaft Bayern“ – seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern hat dafür höchstpersönlich das Vorwort geschrieben. Als Chef des Hauses Wittelsbach, dem ehemaligen Herrscherhaus der Bayern, muss er sich schon auskennen, was man da so in „seinem“ Land trägt. Dann seht ihr aber, dass ihr wirkliche blickdichte Strümpfe anziehen müsstet 😉

Nach dem Krexit: Wie ich Wildbad Kreuth erlebte

24 Sep
Nicht mehr lange wird Wildbad Kreuth Bildungszentrum der HSS sein. Die Wittelsbacher haben andere Pläne mit dem historischen Gebäude. (Foto: Winderl)

Nicht mehr lange wird Wildbad Kreuth Bildungszentrum der HSS sein. Die Wittelsbacher haben andere Pläne mit dem historischen Gebäude. (Foto: Winderl)

Im Juli 2015 wurde das Aus für Wildbad Kreuth als Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) amtlich. Mein Blog erlebte in dieser Zeit einen Besucheraufschwung, denn exklusiv habe ich ein Portrait über die Eigentümerin des Gebäudes, Helena Herzogin in Bayern, veröffentlicht.

Nun heißt es also Abschied nehmen von diesem malerischen, symbolträchtigen Ort: Nie mehr wird die CSU-Riege über die TV-Geräte flimmern, wie sie vor dem verschneiten Wildbad Statements zu ihrer dortigen Klausurtagung gibt. Die große Wiese vor dem Gebäude zierte Sommer wie Winter ein blau-weißer Fahnenmast. In den Schneemassen stach sein Blau aus dem Weiß heraus – um ihn herum bibberten die Journalisten vor Kälte, wenn sie auf die CSU-Politiker vor dem Bildungszentrum warteten.

Das alles wird bald Geschichte sein – und in diesem Haus wurde sie auch schon fast geschrieben mit dem Kreuther Trennungsbeschluss zum Beispiel, der wenige Wochen später wieder zurückgenommen wurde und die CSU doch nicht von der CDU trennte. (Historisch auch, dass die Idee zu diesem Blog dem „Geist von Kreuth geschuldet ist ;))

Im August begab ich mich auf meine persönliche „Abschiedstournee“, denn der Betrieb im oberbayerischen Bildungszentrum wird schon zum Jahresende eingestellt, dessen Gast ich als HSS-Stipendiatin so gerne und oft war. Das volle Ende der Mietzeit, bis März 2016 will die Stiftung nicht mehr ausschöpfen. Noch einmal wollte ich den viel beschriebenen „Geist von Kreuth“ spüren!

„Wie ist dein erster, letzter Eindruck?“, frage ich meine Mitstipendiatin, die zum ersten Mal den langgezogenen Gebäudekomplex erblickt, nachdem sich die schmale Privatstraße nach der Steigung wieder in die Gerade windet und den ersten Blick ermöglicht. Erst als diese Worte meinen Mund verlassen haben, merke ich, dass der Techniker, der uns an der Bushaltestelle abgeholt hat, die Frage vielleicht nicht so toll finden könnte. Schließlich wird er seinen Arbeitsplatz verlieren, weil die Wittelsbacher nun anderes mit dem Gebäude vorhaben.

Letzte Anfahrt? #oberbayern #bayern #bavaria #wildbadkreuth #kreuth #herbst #sentimental #phdlife #tegernsee #zeitraffer

Ein von Teresa ohne h❕ (@teresa_ohne_h) gepostetes Video am 16. Okt 2015 um 8:20 Uhr

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Doch der HSS-Mitarbeiter ist äußerst höflich und erklärt uns, dass er und seine Kollegen uns auch gerne bei anderen Seminaren dort unten an der Bushaltestelle abholen werden. Man erspart sich schließlich so einen Fußmarsch – zum Teil eben mit einer beachtlichen Steigung – von einigen hundert Metern mit Gepäck. Ich frage mich still nach Innen, wie oft ich dieses Kleinod noch besuchen werde können…

Wo ist das FJS-Portrait aus dem Eingangsbereich?

Im Eingangsbereich hing ein Portrait von Franz Josef Strauß. Wo ist es nun? War sein Abhängen der Anfang vom Ende? (Foto: Winderl)

Im Eingangsbereich hing ein Portrait von Franz Josef Strauß. Wo ist es nun? War sein Abhängen der Anfang vom Ende? (Foto: Winderl)

Der Mitarbeiter bringt den blauen Transportwagen direkt vor der Eingangstür zum Halten. Ein Privileg, das sonst nur höhere politische Würdenträger genießen. Der Besucherparkplatz liegt unterhalb des langegezogenen Gebäudekomplexes. Die eigentliche Länge der Immobilie, die unter Denkmalschutz steht, kann man sich so erlaufen. Wir haben Sommer, aber ich erinnere mich an Seminare, da lag der Schnee im Wildbad so hoch, dass ich Mühe hatte, meinen Trolley vom Parkplatz bis zum Eingang zu zerren. Denn die Kofferräder versagten bei der Schneedecke ihren Dienst.

Ich könnte mich also sehr freuen, dass ich das letzte Stück der Anreise dieses Mal so komfortabel absolvieren konnte. Aber schon beim Betreten des Bildungszentrums kommt Wehmut bei mir auf. Links im Eingangsbereich steht eine kleine Sitzgruppe, über der immer ein Portrait von Franz Josef Strauß trohnte. Doch das Konterfei des Mannes, der einst den „Deal“ mit den Wittelsbachern ausgehandelt hatte, die Kurbadeanstalt nach ihrer Schließung im Jahr 1973 für die HSS zu mieten, ist weg. Stattdessen hängt dort eine Berglandschaft in Öl. Ich weiß nicht, ob sich das Strauß-Porträt derzeit beispielsweise nur vorübergehend in der Strauß-Ausstellung im Münchner Stadtmuseum befindet. Aber wir munkeln im Seminar später, ob das nicht bereits der Anfang vom Ende war, als der CSU-Übervater abgehängt wurde…

Kreuther-Nächte sind lang

Und noch etwas ist anders seit meinem letzten Besuch: Die Bibliothek, in der die berühmten Kamingespräche stattfinden, hat eine neue, weiße Holztür mit Glaselementen erhalten. Ein schönes Stück für dieses Zimmer, in dem ich wohl ähnlich viele Stunden, wie in einzelnen Seminarräumen verbracht habe. Denn wenn die Seminare irgendwann abends beendet sind, geht bei der HSS niemand ins Bett, sondern ins holzgetäfelte Bierstüberl im Keller. Und wenn dieses nach Mitternacht schließt, zieht man sich in die Bibliothek zurück. Ihre schwere Flügeltür wird dann nur mehr geöffnet, um sich Getränkenachschub zu holen.

Schade, dass dieses neue Schmuckstück nicht mehr lange zum Einsatz kommen wird, denke ich, als ich mich in der Nacht des ersten Seminarabends durch diese in Richtung Rezeption aufmache. Dort verkauft der Nachtportier bayerische Grundnahrungsmittel wie Bier oder Schokolade an die Nachtschwärmer in der Bibliothek. Und meist gibt es einen freundlichen Plausch oben drauf. So auch in dieser Nacht. Den „Krexit“ sparen wir beide zunächst aus. Nicht aus Desinteresse meinerseits – sondern an der Tür zur sog. Molkehalle in deren Brunnen noch heute Heilwasser fließt, klebt ein Aushang: „Wir bitten Sie darum, von Fragen und Kommentaren diesbezüglich Abstand zu nehmen!“

Dieser Aushang hängt an der Tür zur Molkehalle - die Mitarbeiter wollen nicht auf die schwierige Situaion angesprochen werden. (Foto: WInderl)

Dieser Aushang hängt an der Tür zur Molkehalle – die Mitarbeiter wollen nicht auf die schwierige Situaion angesprochen werden. (Foto: WInderl)

Naja und sogar ein Mensch wie ich hält sich manchmal an solche Bitten. Insbesondere wenn er selbst einen Klos im Hals hat, wenn er an das baldige Aus denkt. Es geht schließlich nicht nur darum, dass die HSS ein Bildungszentrum und die CSU eine prestigeträchtige Location verliert – sondern 30 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Gleich beim Eingang auf der linken Seite befindet sich die Sitzgruppe, über der immer ein Bild von Strauß hing. (Foto: Winderl)

Gleich beim Eingang auf der linken Seite befindet sich die Sitzgruppe, über der immer ein Bild von Strauß hing. (Foto: Winderl)

„Hast du schon Postkarten?“, werde ich von hinter dem Tresen gefragt. Ich schaue mir die verschiedenen Motive an: Wildbad Kreuth im Winter, wie man es aus dem TV kennt zur Klausurtagung.

Wildbad Kreuth mit den Haflinger-Pferden davor – die Wittelsbacher sind ja für ihre Tierliebe bekannt. (So kam ich übrigens damals ins Gespräch mit der heutigen Besitzerin für die Reportage – ich hatte ein Auge für die herzoglichen Hunde und wusste zunächst gar nicht, wen ich da vor mir hatte.) „Nein, alle kenne ich noch nicht. Sind die neu?“

„Komm, nimm dir welche mit – gleich mehrere! Wie verschenken sie jetzt…“, sagt der Nachtportier. „Ich werde mich am Ende auch noch großzügig mit den Postkarten eindecken“, fügt er hinzu.

„Ja, wird es denn dann noch welche geben, wenn ihr sie jetzt schon so großzügig verschenkt“, frage ich. „Ach, genügend! Wer hätte denn damit gerechnet, dass…“ Den „Krexit“ brauchen wir beide nicht auszusprechen. Wir schauen uns nur an – ich nicke und füge hinzu: „Ja, wer hätte das jemals geglaubt! Ich kann es eigentlich jetzt noch nicht ganz glauben.“

Ich merke, man sollte die Mitarbeiter zwar nicht einfach auf die Situation ansprechen, aber wenn es sich im Gespräch ergibt, dann wollen sie Zustimmung!

Die HSS, die der CSU nur „nahe“ steht, vertritt trotzdem christlich-soziale Werte: Es wird sich um eine „soziale Lösung für die Mitarbeiter“ bemüht, wie es dazu seitens der Stiftung heißt.

Und wenn man mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommt, merkt man sehr deutlich, es geht nicht um irgendeine Immobilie, die man mit dem Tagungszentrum am Tegernsee verloren hat. Es geht in erster Linie um die Mitarbeiter. Auch wenn freilich die Immobilie und die Kulisse besonders schön war.

Puristische Zimmer machten den „Geist von Kreuth“ aus

Eine idyllische Anlage - wie gemalt so schön. Hier mit einem Haflinger der Wittelsbacher vor der Wiese von Wildbad Kreuth. (Foto: Winderl)

Eine idyllische Anlage – wie gemalt so schön. Hier mit einem Haflinger der Wittelsbacher vor der Wiese von Wildbad Kreuth. (Foto: Winderl)

Die HSS ist in der glücklichen Situation, dass sie über ein weiteres Bildungszentrum in Franken, Kloster Banz, verfügt. Und dieses befindet sich (zum Glück) in Eigenbesitz der Stiftung. Einige Azubis aus Kreuth werden dort ihre Ausbildung beenden können.

Und die politische Bildungsarbeit wird darunter auch nicht leiden – schließlich haben einige politische Stiftungen gar keine Bildungszentren mehr. Die HSS möchte nach dem Krexit verstärkt in die Regionen gehen.

Bleibt nur mehr die Frage offen, vor welcher Kulisse wir künftig unseren Ministerpräsidenten während der CSU-Klausurtagung bewundern werden. Aber ich fürchte, dieses Event wird seine starken Bilder einbüßen. Falsch ist jedoch, wenn ich in den sozialen Netzwerken gelesen habe, dass die Parteimitglieder dort „luxuriös“ untergebracht worden seien. Das ist falsch: Ein jedes Zimmer ist mit schlichten Holzmöbeln – einem Schrank, einem Schreibtisch, einem Bett mit einem Holzkruzifix darüber ausgestattet. Als „spartanisch“ oder moderner gesagt „puristisch“ würde ich die Ausstattung des Bildungszentrums beschreiben. Aber auch das hat den Charme von Kreuth ausgemacht, dass man eben lieber einen Ratsch an der Rezeption getan hat, weil im Zimmer eben kein Ultra-HD-Flachbildfernseher gestanden hat.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielen Dank für die schöne Zeit bei und mit euch – jede Fahrt nach Kreuth war für mich jedes Mal wie nach Hause kommen! Und so schließe ich mich dem Hashtag des RCDS Bayen an und sage leise #servusKREUTH.

Heute gehen die ISARSPARER (offiziell) online

3 Feb

Liebe Leser von Teresa ohne h’s Blog,

FB_Titelbild ISARSPARER

heute möchte ich euch auf ein Projekt aufmerksam machen, das ich zusammen mit meinem Kumpel Thomas entworfen habe. Einige Zeit haben wir über den Namen nachgegrübelt, ein Konzept entwickelt und am Design getüftelt. Wenn es künftig also auf Teresa ohne h’ s Blog etwas ruhiger werden sollte, liegt das an den ISARSPARERN.

Kein Spar”fuchs”, sondern ein Jack-Russell-Mischling ziert das Logo ISARSPARER. Unser Familienhund Mali ist sehr sparsam im Unterhalt, weil er nur sehr wenig frisst. Ein hundisches Sparfüchslein sozusagen, das auch noch fuchsfarben ist – wie gemacht also für die ISARSPARER.

Kein Spar”fuchs”, sondern ein Jack-Russell-Mischling ziert das ISARSPARER-Logo. Teresa ohne h’s Familienhund Mali ist sehr sparsam im Unterhalt, weil er nur sehr wenig frisst. Ein hundisches Sparfüchslein sozusagen, das auch noch fuchsfarben ist – wie gemacht also für die ISARSPARER.

Künftig werden wir dort posten, wo München sparen kann. Und zwar nicht mit einer “Geiz-ist-geil-Mentalität”, sondern mit Qualität – denn wir posten nur, von was wir selbst überzeugt sind. Mehr über uns & unsere Idee könnt ihr hier nachlesen.

Damit ihr wisst, was euch künftig ISARSPARER erwartet, haben wir bereits einige Posts online gestellt. Wenn euch zusagt, was ihr dort schon lesen könnt, würden wir uns freuen, wenn ihr regelmäßig auf www.isarsparer.de vorbeisurft. Da einige unserer Spartipps das Isar-Ufer überschreiten, dürfte unsere Seite nicht nur für Münchner interessant sein.

Keinen Post verpassen und noch etwas mehr Spartipps gibt es, wenn ihr Fan von ISARSPARER auf Facebook werdet und/ oder uns auf Twitter sowie Instagram abonniert. Denn eins können wir euch versprechen: Fan der ISARSPARER zu werden, zahlt sich aus 😉 und ich würd mich freuen, wenn ihr mich künftig auch dort lest

Eure Teresa ohne h