Archive | Juli, 2011

Herbstmilch: Für’s Leben lernen von Anna Wimschneider, der niederbayerischen Bäuerin

20 Jul

Es ist nur ein schmales Büchlein – Herbstmilch von Anna Wimschneider hat nur etwas mehr als 100 Seiten. Und dennoch kann der Leser in diesem Buch mehr über das Leben in Niederbayern im 20. Jahrhundert erfahren, als aus 100 Geschichtsbüchern.

Anna Wimschneiders Sprache ist so ehrlich und einfach wie sie selbst. Das macht den Bericht über ihr Leben als Bäuerin im „Armenhaus“ Bayerns, in Niederbayern, so authentisch.

Im Alter von acht Jahren verliert die kleine Anna ihre Mutter. Als wäre dieses Ereignis für das Kind nicht einschneidend genug, von jetzt an muss sich das Mädchen auch noch um den Haushalt und ihre kleineren Geschwister kümmern.

Statt sich in Klagen über ihre harte Kindheit zu verlieren, gewährt sie dem Leser lieber einen Einblick in die kleinen Freuden des bäuerlichen Alltags, wie etwa der Geburt eines Kalbes.

Kein Einzelschicksal

Anna Wimschneiders Lebensgeschichte ist kein Einzelschicksal. So wie der „Wimschneiderin“ erging es wohl dem Großteil der überwiegend bäuerlich geprägten Bevölkerung Niederbayerns – doch nur sie hat es aufgeschrieben und uns so ein wertvolles zeitgeschichtliches Dokument hinterlassen. Das Buch wurde also so in den 80er Jahren verdient zum Bestseller.

Vilsmaier Verfilmung mit Dana Vávrová

Der bayersiche Filmemacher, Joseph Vilsmaier, machte sich an die Verfilmung des autobiografischen Büchleins „Herbstmilch“.

Vilsmaier zeigt im gleichnamigen Film „Herbstmilch“ das bäuerliche Leben wie es war. Auch wenn das nicht immer ästhetisch für den Zuschauer ist, den Dreck nicht nur unter den Fingernägeln der Darsteller zu sehen.

„Herbstmilch“ – ein niederbayerisches Kulturgut

Für mich ist das Buch deswegen so wertvoll, weil ich es für ein echtes niederbayerisches Kulturgut halte. Aus diesem Grund würde ich es auch für wichtig erachten, es als Pflichtlektüre an bayerischen Schulen einzuführen.

Auch die Hochschulen sollten dieser „einfachen“ Frau ein Denkmal setzen, weil man aus ihrer Lebensgeschichte viel lernen kann.

Ich freue mich daher, dass der Studentische Konvent/ das Studierendenparlament der Uni Passau meinen Antrag angenommen hat, nach Anna Wimschneider einen Hörsaal zu benennen. (Hier der Antragstext für Anna-Wimschneider-Hörsaal)

Gegen den Ausverkauf von Hörsaal-Namen an der Uni Passau

Der Beschluss des Konvents hat leider nur beratende Funktion für die Uni-Leitung. Ich hoffe daher, dass diese die Namen unserer Hörsäle künftig nicht nur verkaufen, sondern Anna Wimschneider ein ehrendes Denkmal setzen wird.

Coca-Cola-TV-Spot 2011: Good news besiegen Nachrichtenfaktoren

4 Jul

Je „negativer“ ein Ereignis ist, umso stärker beachten es die Medien. Wenn etwa im Irak Soldaten getötet werden, geht diese Nachricht um die Welt. Wenn jedoch Hilfsorganisationen großartige Leistungen vollbringen, ist das den Medien – wenn überhaupt – nur eine kleine Meldung wert.

„Sex and Crime“ bringen Quote und Klicks

Denn Nachrichten werden unter gewissen Aspekten ausgewählt – da die Mediengesellschaft nach immer spektakulären Ereignissen verlangt, werden die sog. „Nachrichtenfaktoren“, nach denen der „Nachrichtenwert“ eines Ereignisses bestimmt werden, oft auch etwas inszeniert. Warum ist das so? Ganz einfach, es geht um Quoten und hohe Klickzahlen!

Krieg, Misserfolge, Dramatik – das zieht bei den Zuschauern. Kurz zusammengefasst werden kann das auf die Formel von „Sex and Crime“.

Wann haben wir zuletzt von guten Nachrichten gehört oder gelesen?

Coca-Cola stellt sich gegen den Trend

Daher gefällt mir der Coca-Cola-TV-Spot aus dem Jahr 2011 so gut. Denn hier wendet sich der US-Weltkonzern gegen den aktuellen Trend, dass nur negative Nachrichten thematisiert werden. Coca-Cola zeigt uns die zweite Seite der Medaille, die in der Mediengesellschaft oft unter den Tisch gekehrt zu werden scheint.

Für mich ist dieser TV-Spot nicht nur ein Werbefilmchen, für mich hat er eine tiefe Botschaft: Denn jeder einzelne kann durch seinen individuellen Medienkonsum, die Mediengesellschaft mitgestalten.

Wer selbst sind aufgerufen „gute Nachrichten“ zu verbreiten

Im Web 2.0, dem Mitmach-Web, können wir selbst zum „Gatekeeper“ werden und z. B. in unseren Blogs entscheiden, welche Selektionsmechanismen wir ansetzen und ob wir Nachrichtenfaktoren und Quoten einfach einmal beiseite schieben und gute Nachrichten verbreiten!