Warum eigentlich ich „Kohls Mädchen“ bin

29 Jun
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Einblick in das Fotoalbum: Denn der Auftritt Helmut Kohls am 7. November 1982 in der Passauer Nibelungenhalle hat eine besondere Bedeutung für unsere Familie. Das Foto hat mein Papa gemacht. Wer den Herren links neben dem Bundeskanzler erkennt, darf gerne sein Wissen als Kommentar mit uns teilen!

Die Position von „Kohls Mädchen“ ist wohl in den letzten Lebensjahren von Angela Merkel auf seine Ehefrau Maike übergegangen. Doch warum eigentlich ich „Kohls Mädchen“ bin, das will ich euch heute, anlässlich seines Todes, berichten:

Bayern ist bekanntlich schwarz. Tiefschwarz. Doch dass Unions-Regenten direkt für Ehen und Kinder verantwortlich sind, das ist wohl auch in Bayern eher selten. Meine Eltern lernten sich jedoch bei einer Veranstaltung von Helmut Kohl in der Nibelungenhalle in Passau kennen. Dienstlich waren sie dort, beide waren sie bei der bayerischen Polizei. Mein Papa tat jedoch 1982 in Franken Dienst, sozusagen am anderen Ende des Freistaats und hätte wohl ohne den Auftritt des späteren Kanzlers der Einheit, meine Mutter im schönen Niederbayern nicht so schnell oder eher gar nicht kennengelernt. (Auch die Passauer Neue Presse erinnert hier an diesen historischen Auftritt – denn in Passau hielt Kohl eine seiner ersten Reden als Kanzler! Erst am 1. Oktober war er durch das konstruktive Misstrauensvotum an die Macht gekommen.)

Vielleicht war es für mich daher so undenkbar, dass Deutschland einen Kanzler haben könnte, der NICHT Helmut Kohl heißt. Am verlorenen Wahlabend des Jahres 1998 war ich entsprechend niedergeschlagen. Ja, ich interessierte mich schon sehr früh für Politik! Er reihte sich ein in die Liste „der ewigen Regenten“ meiner Jugend – Papst Johannes Paul II., Ministerpräsident Stoiber – von denen heute nur noch Königin Elizabeth übrig ist. An dieser Stelle: Long live our nobel Queen!

Kohl hätte meine Pate werden sollen

Leider hat Helmut Kohl nie davon erfahren, dass er so unmittelbar mit meiner Geburt zu tun hatte. Meine Mama hat sich zwar überlegt, an sein Büro zu schreiben und ihn um eine (Ehren)Patenschaft für mich zu bitten. Gemacht hat sie es jedoch leider nicht.

Die Familie Kohl habe ich aber auch nach der Kanzlerschaft, aus diesem persönlichen Interesse heraus, nie aus den Augen verloren. In studiVZ trat ich in die Gruppe ein: „Ehrenvorsitz für Dr. Helmut Kohl“ – die Gruppen dort beschrieben einen ja besser als das eigentliche Profil, auf dem ich als Heimatland „Europa“ angab. Ganz Kohlianer irgendwie.

Für diesen Blogpost habe ich mich extra in studiVZ eingeloggt und musste feststellen, dass die Helmut-Kohl-Gruppe inzwischen gelöscht ist. Ob ich schon vor der Löschung aus ihr austrat, weiß ich nicht.

Es dürfte wohl ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als ich endgültig von studiVZ zu Facebook wechselte, dass ich Walter Kohls Buch „Leben oder gelebt werden“* nicht las, sondern vom Sohn selbst vorgelesen, als Hörbuch* hörte. Und irgendwie verabschiedet sich damit von mir ein Stück Erinnerung an eine heile Kindheit:

So gern hatte ich das Ehepaar Kohl am Wolfgangsee zusammen urlauben sehen. War das alles nur eine Inszenierung, wenn er entspannt (mit Strickjacke natürlich) seine Hannelore über den See ruderte und beide dabei in die Kameras lachten? Und jetzt soll er nicht einmal im Familiengrab beigesetzt werden? Das bleibt also am Ende von der Ehe eines so großen Christdemokraten!

Als Historikerin werde ich mit Argusaugen beobachten, was mit den Akten geschieht, die Kohl der Adenauer-Stiftung zunächst schon übereignet, dann jedoch wieder zurückgefordert hat. Sofern er dazu selbst überhaupt noch in der Lage war.

Wenn ich Fotos der neuen Frau Kohl mit dem Kanzler sehe, meine ich, dort Liebe zu erkennen. Aber wen geht das schon etwas an! Für mich jedoch wird Hannelore auf ewig „Frau Kohl“ bleiben. Ich weiß nicht, ob Dr. Maike Kohl-Richter ärgert, dass sie in die Geschichte wohl eben nicht als Frau vom Kohl eingehen wird und deshalb die alleinige Deutungshoheit über Kohls Lebenswerk für sich beansprucht?

Plant Diekmann ein Buch mit Kohl-Witwe?

Ich jedenfalls warte schon gespannt auf das Buch, das sie vielleicht mit Kai Diekmann schreiben wird. Das ist zu diesem Zeitpunkt nur eine Vermutung von mir. Wie es der Zufall will, habe ich Diekmann, just fast genau ein Jahr vor dem Tod des Altkanzlers, interviewt. Damals war er noch Bild-Chefredakteur und stritt mir ab, dass Kohl in Oggersheim lebt (hier nachzulesen und -sehen).

Natürlich lebte er in diesem Stadtteil Ludwigshafens, natürlich war mir klar, dass Kohl für seine provinziale Herkunft immer belächelt wurde. Kai Diekmann konnte natürlich auch nicht wissen, dass er mit „Kohls echtem Mädchen“ sprach 😉

Ich gebe zu, ich hätte Helmut Kohl gerne einmal „live“ gesehen. Als ich mit dem Zug durch Ludwigshafen fuhr, reckte ich meinen Kopf zu beiden Seiten des Waggons hinaus. Wahrscheinlich saß er zu diesem Zeitpunkt jedoch im Garten seines Bungalows – mit Strickjacke. Ich selbst liebe auch Strickjacken, einen Pfälzer Saumagen habe ich jedoch noch nicht gegessen. Macht nichts, denn jetzt wurde im Zuge der Berichterstattung über seinen Tod enthüllt, dass es gar nicht Kohls Lieblingsgericht gewesen sein soll.

Vielleicht ist es besser so, dass ich nie Kohls Patenkind geworden bin. Wer weiß, vielleicht forsche ich eines Tags über ihn. Möge er jetzt erstmal in Frieden seine ewige Ruhe finden dürfen! Ich danke Helmut Kohl für eine ganz besondere Einheit: Die Ehe meiner Eltern, die mich für immer zu „Kohls Mädchen“ gemacht hat!

„So viel mehr als eine Professorin…“ Nachruf auf Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner

25 Mai

Ich werde nie vergessen, wie ich in Facebook las, dass „unsere Go“ gestorben ist. Durch Social Media von ihrem Tod zu erfahren ist irgendwie authentisch für eine Medien-Professorin mit Leib und Seele oder?

Immer wieder habe ich mich im vergangenen Jahr an „Go“ erinnert, die auch eine zeitlang meine Chefin war. Zu ihrem ersten Todestag möchte ich den Nachruf teilen, den ich für die „Banziana“ über sie schreiben durfte, eine Zeitschrift der (Alt)Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS), über die wie wir uns kennengelernt haben:

Mein Nachruf für die Banziana

AquarellDie HSS-Familie ist um ein besonders engagiertes Mitglied ärmer. Am 1. Juli 2016 verstarb Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner im Alter von nur 56 Jahren nach schwerer Krankheit. Ihr Tod traf die meisten ihrer Weggefährten völlig überraschend.
„Wenn ich an Familie denke, denke ich – logisch, an meine Familie –, aber auch an die Hanns-Seidel-Stiftung. Sie ist mir – mit all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – zur zweiten Familie geworden.“ So persönlich repräsentierte Gabi Goderbauer-Marchner als Alumna die Hanns-Seidel-Stiftung auf der Internetseite Stipendiumplus. Durch ihr jahrzehntelanges Engagement hatte sie maßgeblich dazu beigetragen, dass die HSS vielen heute mehr als ein Netzwerk, eben eine Art zweite Familie ist.

In den 1980er Jahren gehörte sie einem der ersten Stipendiaten-Jahrgänge an. Der HSS blieb sie nach ihrer Förderungszeit treu – als aktives Mitglied im CdAS (Club der Altstipendiaten), Prüferin bei Auswahltagungen, engagierte Referentin und Vertrauensdozentin.

Ursprünglich u. a. Geschichte auf Magister an der LMU studiert, arbeitete sie „immer in den und für die Medien und deren Nachwuchs“, wie sie es selbst treffend formuliert hatte. Über die Hochschulen Mittweida und Würzburg-Schweinfurt führte ihr Weg als “Medien-Professorin” schließlich an die Universität der Bundeswehr München, wo sie auf den Lehrstuhl für Print- und Onlinejournalismus berufen wurde und tatkräftig half, einen neuen Medienstudiengang aufzubauen.

Medien-Professorin war „gelernte“ Journalistin

Endlich war „Go“, wie sie von allen liebevoll genannt wurde, wieder näher an ihrem geliebten Landshut. Ihrer Heimatstadt, in der ihre journalistische Karriere als Chefin vom Dienst bei der Landshuter Zeitung begonnen hatte, blieb sie zeitlebens eng verbunden In der bayerischen Medienlandschaft war sie vernetzt wie wohl kaum ein anderer – als Mitglied in hochkarätigen Ausschüssen wie beispielsweise der Jury für den Bayerischen Fernsehpreis. Neun Jahre leitete sie zudem den Medien Campus Bayern. Nicht nur vom Katheder herab, sondern eben auch praktisch immer Einsatz für den Qualitätsjournalismus.

Ihr freundliche, aber stets direkte und verbindliche Art war auch bei ihren Studierenden beliebt: „So viel mehr als eine Professorin…“ lautete die Überschrift des studentischen Nachrufs. Darin beschrieben sie „Go“ als Vorbild und Mentorin. Trotz ihres voll gepackten Terminkalenders, „der in seiner Fülle jedem DAX-Konzernchef Respekt einflößen sollte“, hatte sie immer ein offenes Ohr für ihre Studierenden und Stipendiaten der Münchner HSS-Hochschulgruppe V, als deren sog. Vertrauensdozentin sie fungierte.

„Schnelles, effizientes und risikofreudiges Arbeiten“ habe Dr. Rainer Sontheimer im „Team Go“ gelernt, wie der Altstipendiat im Online-Kondolenzbuch der Uni schrieb: „GO war somit nicht nur ihr Namenskürzel, sondern wortwörtlich auch Motto: ‚Voran, auf geht’s, pack ma scho, krieg ma scho hin.’

Vermutlich wird die ‚Go’ momentan zu uns herabblicken – sofern sie nicht gerade ein neues Ehrenamt bei Petrus persönlich übernimmt.” Das könnte mit ihrem Elan und Eifer, der für zwei Leben zu reichen schien, gut möglich sein!

Zwar nicht Oberbürgermeisterin von Landshut, aber im Himmel?

Ein letzter, großer Erfolg war ihr jedoch nicht mehr vergönnt: Die Kandidatur als Oberbürgermeisterin für ihr geliebtes Landshut musste sie im Juni krankheitsbedingt zurückziehen. Den Wahlausgang selbst hat sie nicht mehr erlebt. Statt ihres Wahlplakats zierten rote Rosen die unplakatierte Wand. Berührend das Zitat eines kleinen Mädchens, das deren Mutter auf „Gos“ Facebook- Seite postete: „Mama, wenn’s im Himmel a Oberbürgermeisterin brauchen, ist ja jetzt die Gabi da.“

„Ein Stückerl Himmel über Landshut“ wünschten ihr viele Weggefährten zum Abschied. Vielleicht ist ihr auch ein kleines Stückerl Himmel über der Lazarettstraße vergönnt, denn zumindest ein Teil von Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner wird auch künftig weiterhin in der HSS-Familie zu Hause sein: Einer ihrer beiden Söhne ist Stipendiat.

Dieser Nachruf erschien in der BANZIANA 2017. Informations- und Servicedienst für Stipendiaten und Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung, S. 78, online verfügbar unter: https://www.hss.de/download/publications/Banziana_2017.pdf

Hat Teresa noch immer die schönsten Eier? Ein Einblick in die aktuelle Osterhasen-Werkstatt

5 Apr

 

PaWo TitelgirlMittlerweile ist es zwar schon ein paar Jährchen her, dass ich mit einer boulevardesken Überschrift als „Cover-Girl“ fungierte… Da ich aber, gerade in der Fastenzeit, noch heute darauf angesprochen werde, ob ich immer noch Ostereier bemale, wird es Zeit, der Frage auf den Grund zu gehen: Hat Teresa noch immer die schönsten (Oster)Eier?

Wer mir auf meiner privaten Instagram-Seite folgt, bekommt dort auch immer wieder Bastelerzeugnisse von mir zu Gesicht. Ganz besonders hoch im Kurs steht bei mir seit einigen Jahren Origami. Ich habe schon mit Gruppen für die BR-Aktion „Sternstunden“ Weihnachtssterne in dieser (und anderen) Techniken gebastelt. Aber in diesem Post soll es ja um Ostern und Eier gehen.

Bevor ich jedoch meine Eier-Kollektion aus dem Jahr 2017 zeige, möchte ich euch auf meinen Blogpost auf meinem Spar-Blog ISARSPARER verweisen, dort findet ihr Links zu einem 3D-Origami-Osterhasen. Für den Fall, dass euch dieser Blogpost Lust auf Basteln macht, ihr euch aber das mit echten Eier nicht zutraut.

 

Derweil muss ich immer wieder sagen: So zerbrechlich ist ein Ei gar nicht. Man kann es also schon fest in die Hand nehmen, wenn man es bemalt und auch zum Beispiel etwas vorzeichnen mit Bleistift. Sogar das Radieren hinterher hält das Ei aus, insbesondere Gänseeier sind stabiler als die vom gemeinen Haushuhn.

Weniger religiöse Symbole auf Ostereiern

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Grün auf grün. Auch an Ostern macht mir Origami Spaß! Wer findet den Hasen? (Foto: Winderl)

Dieses Jahr konnte ich endlich mal wieder die Ostereier-Ausstellung in Pocking besuchen. Zusammen mit meiner Mama war das früher immer ein Pflichttermin, doch mittlerweile bin ich nicht mehr jedes Wochenende in der Region Passau und konnte den Termin leider nicht immer einplanen.

Was ich – nicht nur bei den Ostereiern beobachte – Basteln folgt gesellschaftlichen Trends. Manche Stände kamen dieses Jahr gänzlich ohne religiöse Symbolik auf den Eiern aus. Ist es Ausdruck unserer säkularen Gesellschaft? Oder passen zum Beispiel überladene Klosterarbeiten einfach nicht mehr so gut in die oft puristischen Wohnraumkonzepte?

Auch ich verschließe mich Basteltrends nicht. Früher haben meine Mama und ich auch schöne Klosterarbeiten zusammen gemacht. Heute bastle ich eher allein und will schnell einen Erfolg sehen. (Im Vergleich dazu könnt ihr euch gerne einen älteren Blogpost von mir mit Ostereiern ansehen.)

Lettering als DIY-Trend

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Lettering auf Ei oder Papier eine DIY-Methode, um schnell schöne Effekte zu erzielen, wie diese Osterkarte zeigen soll. (Foto: Winderl)

Schnell geht das zum Beispiel mit einem neuen DIY-Trend (man spricht jetzt auch eher von Do It Yourself als altmodisch „basteln“) Lettering. Das ist als eine Art moderne Kalligraphie.

Kurz zusammengefasst: Die Abstriche der Buchstaben sollen dabei dicker (hierfür Druck auf den Stift ausüben) als ihre Aufstriche sein. Dafür gibt es spezielle Stifte zum Beispiel von Tombow*, aber die sind leider nicht wasserfest – deswegen konnte ich sie für meine Ostereier Edition 2017 nicht verwenden.

Benutzt habe ich einen einfachen schwarzen Edding*, denn ich finde, damit sieht es richtig nach Lettering aus. (Aber natürlich gibt’s die Edding-Stifte auch zum Beispiel in silber- oder goldfarben*.) Die dickeren Abstriche der Buchstaben musste ich so „simulieren“. Mit den teuren Pinselstiften werden diese quasi automatisch erzeugt – wenn man weiß wie der Hase läuft bzw. der Stift richtig zu handhaben ist.

In Pocking am Ostermarkt habe ich mich auch immer gerne mit ausgeblasenen Eiern eingedeckt. Aber die Preise dort sind gestiegen. Schade, dass man sie mittlerweile im Internet schon fast günstiger bestellen kann. Wer also gleich loslegen will mit der Kunst am Ei, dem empfehle ich mit den stabileren Gänseeiern (12 Stück auf Amazon für unter 11 Euro*) zu starten.

DaWanda-Shop von Teresa ohne h eröffnet

Bisher kamen nur liebe Freunde und Verwandte in den Genuss, Bastelerzeugnisse von mir geschenkt zu bekommen. Da aber wie gesagt die Nachfrage danach relativ hoch ist, habe ich mich dazu entschlossen einen Shop bei DaWanda zu eröffnen. Dort könnt ihr ab sofort einige Basteleien von mir kaufen – mal schauen, ob das auch irgendwer tut oder die Leute meine Sachen immer nur geschenkt wollen 😉

Aber hier nur ein kleiner Einblick in meine Werkstatt:

 

Aus dem Archiv: Christkind vs. Weihnachtsmann – wer ist der „richtige“ Gabenbringer an Weihnachten?

11 Dez

Für meine Leser habe ich mal wieder im persönlichen Archiv gekramt. Gefunden habe ich einen Beitrag für ein Passauer Studentenmagazin aus dem Jahr 2008. Als Christkind verkleidet habe ich damals mit einem Weihnachtsmann Passanten befragt, an welchen Gabenbringer sie glauben.

Hach, das waren noch Zeiten! Als Studentin weit vor Weihnachten (man bedenke den Redaktionsschluss für ein Magazin aus Papier) einfach mal als Christkind über den Campus zu laufen. Und dann wurde das Ergebnis auch noch gedruckt. So richtig mit mir auf dem Cover (übrigens vor der PaWo mein erstes) auf Papier.

Auf den letzten Seiten des Magazins habe ich mit der Geschichte des Christkinds bzw. Weihnachtsmannes auseinandergesetzt: Und mit diesem Wissen kann man garantiert „alle Jahre wieder“ unterm Christbaum prahlen!

Wer den Text lieber bebildert im retro-Layout liest, für den gibt es den Artikel Christkind vs Weihnachtsmann hier als PDF zum Download. Alle anderen bilden sich bitte hier weiter:

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Kaum eine Frage spaltet unser Land in diesen Tagen vor Weihnachten stärker — gehört man nun zur Christkind— oder doch zur Weihnachtsmann“fraktion“. Das scheint auf den ersten eine Frage der Konfession zu sein: Denn in den traditionell eher katholisch geprägten Gefilden West- und Süddeutschlands, aber auch im angrenzenden Österreich und der Schweiz bringt das goldblondgelockte Christkind die Weihnachtsgeschenke. Im restlichen, zumeist evangelischen Teil der Republik ist dieser Dienst dem zipfelmützigen Weihnachtsmann vorbehalten.

Doch ganz so einfach ist es nicht! Denn das Christkind, das heute den Kindern heimlich die Gaben unter den Weihnachtsbaum legt, ist eine Erfindung des Reformators Martin Luther (1483-1546) und somit eigentlich alles andere als „katholisch“! Die Bescherung am Geburtstag Jesu war im Mittelalter aber noch nicht üblich: Die Kinder beschenkte man am Nikolaustag, dem 6. Dezember oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember).

Martin Luther jedoch lehnte die Heiligenverehrung ab und somit konnte schlecht ausgerechnet ein Heiliger, der hl. Bischof aus Myra, den Kleinen Geschenke bringen.

Verzichten wollte er aber auf den lieb gewonnen Brauch des Beschenken auch nicht mehr. Denn wahrscheinlich wusste Luther als sechsfacher Vater nur zu gut, was Kinderaugen zum Glänzen bringt. So sollte fortan (ab etwa 1535) der „heilige Christ“ höchstpersönlich die Kinder beschenken.

Weil die Gläubigen sich aber noch zu Beginn der Neuzeit sehr bildhafte Vorstellungen machten, wurde aus dem ,,heiligen Christ“ allmählich die Kunstfigur des lieben Christkinds. Dieses stellt also nicht das Christuskind in der Krippe dar, wie es der Name vermuten lässt. Vielmehr schufen die Menschen eine neue Figur, die den engelhaft gekleideten Mädchen entsprach, die weihnachtlichen Umzügen mit offenen Haaren vorangingen.

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Zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert mischte sich zum Aspekt der evangelischen Kritik an der Heiligenverehrung erstmals die Vorstellung von einem Weihnachtsmann. Ob er nun Père Noël, Sinterklaas oder Santa Claus heißt, auf der ganzen Welt wissen die Kinder wie er aussieht: Pausbäckig mit rosigen Wangen und einem langen weißen Bart. Der rote Mantel darf dabei ebenso wenig fehlen wie die Zipfelmütze, die der Weihnachtsmann im Unterschied zum mitratragenden Bischof aus Kleinasien auf dem Kopf hat. Warum sein pelzbesetzter Mantel ausgerechnet rot ist? Vielleicht ist das noch ein Anklang an den Bischofsmantel des hl. Nikolaus. Doch im Grunde braucht man sich nur eine Coca-Cola-Dose anzusehen – denn dem US-Konzern ist es gelungen, das Bild vom Weihnachtsmann entscheidend zu prägen und in ihn Firmenfarben zu kleiden. Ist der Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen also nichts anderes als ein besonders effektiver Marketinggag? Mit dem mildtätigen Bischof Nikolaus, der ein Heiliger und Schutzpatron der Kinder ist, hat die Märchenfigur auf dem Rentierschlitten jedenfalls nichts gemein!

„Äpfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern“ und recht viel üppiger darf man sich die Geschenke einst zur Weihnachtszeit auch nicht vorstellen. Schenken war damals noch stärker eine Sympathieerklärung und nicht wie in unseren Tagen ein exklusiver Warenaustausch. Erst um l800 hatte bei den Katholiken Weihnachtsmann bzw. Christkind allmählich den Nikolaus als Gabenbringer abgelöst. Doch schon damals scheint der männliche Geschenkebringer populärer als das Christkind gewesen zu sein. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Dichter des Deutschland-Liedes, Hoffmann von Fallersleben, mit seinem Gedicht,,Morgen kommt der Weihnachts- mann“, das er um 1835 verfasste.

Ihre „Wirkungsstätten“ haben die beiden Gabenbringer im Laufe der Zeit getauscht – heute bringt der Weihnachtsmann vornehmlich im Norden die Geschenke, während dies im katholischen Süden das ursprünglich „lutherische“ Christkind übernimmt. Dass in unseren Tagen der einst evangelische Brauch hauptsächlich im katholischen Bayern praktiziert wird, verdankt er vielleicht dem traditionsreichen „Christkindlesmarkt“ der Stadt Nürnberg, wohl der evangelischte Flecken Bayerns.

Doch auch in den südlichen Gefilden wird das Christkind immer mehr von seinen männlichen Kollegen verdrängt – ob das nun an dem so oft kritisierten US-amerikanischen Einfluss oder der besseren Vermarktbarkeit des Weihnachtsmannes liegt. Wir wissen es nicht. Aber ist denn die männliche oder weibliche Gestalt des Gabenbringers überhaupt entscheidend? Letzten Endes sind doch beide ,,nur“ Kunstfiguren, die zwar auf eine bestimmte Tradition zurückblicken können, jedoch nicht den eigentlichen, kommerzfrei-religiösen Sinn der Weihnacht verkörpern!

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Wo Retro-Serien legal streamen?

25 Okt

Ok, ich gebe es zu: Mein Serien-Geschmack mag etwas retro sein, aber ich glaube ganz allein bin ich damit auch nicht. Deswegen hoffe ich auf die Schwarm-Intelligenz, dass ihr mir sagen könnt, wo ich “meine” Serien (legal) schauen kann. Auf den Mainstream-Video-Streaming-Portalen finde ich sie nicht, die US-Serien aus meiner Kindheit: “Unsere kleine Farm” zum Beispiel oder “Dr. Quinn”. Aber auch deutsche Serien wie “Nirgendwo ist Poenichen” gibt es dort nicht zu schauen. 

Woran liegt das? An irgendwelchen Rechten oder weil es dafür (vermeintlich) kein Publikum gibt? 

Ich meine, die Kinder von heute sind zwar – Dank “Walking Dead” – auf die nächste Zombie-Apokalypse vorbereitet. Oder wissen aus “Breaking Bad”, wie man synthetische Drogen herstellt – aber „meine“ alten Serien vermitteln ganz andere Kompetenzen: 

Ganz Walnut Grove, das kleine Dörfchen in der Nähe der kleinen Farm von Charles Ingalls zeigt, dass es um mehr als Besitz im Leben geht. Empathie wird den Zusehern gelehrt und das ganz nebenbei. 

Auch Dr. Michaela Quinn, die Ärztin aus Leidenschaft ist ein “Gutmensch”, wie man heute sagen würde. Zusammen mit dem Indianer-Kenner Sally kämpft sie gegen Vorurteile und Engstirnigkeit einer US-Kleinstadt im Wilden Westen.

Das sind die Helden meiner Kindheit! Ok und dann gäbe es da auch noch “ALF”, “Forsthaus Falkenau”, „Pumuckl“ oder den „Bullen von Tölz“. Vielleicht enthalten diese Serien weniger tiefe Botschaften, aber sie machen einfach Spaß anzuschauen. 

Einige Staffeln von „Unsere kleine Farm“ habe ich zwar auf DVD, aber das ist mir persönlich denn doch zu retro. Gerade, dass ich noch einen DVD-Player habe. Aber wenn ich unterwegs bin, genieße ich es, dass ich mir zumindest bei Amazon Instant Video, Filme auf meinem Tablet speichern und unterwegs abspielen kann.

Ok, ich gebe es ja zu: “Unsere kleine Farm” habe ich auf youtube entdeckt, die Qualität ist zwar miserabel, aber das ist mir egal. Die alten Filmaufnahmen haben ohnehin keine HD-Auflösung. Aber natürlich verletzt eine solche Video-Sammlung Rechte und so war das Wiedersehen mit Charles, Laura und Co leider nur von kurzer Dauer.

Was ist die Alternative? Die einzelnen Staffeln zum Beispiel in der Stadtbibliothek München ausleihen, sofern die Serie dort vorhanden ist. Aber da ist dann vielleicht grad die Staffel 5 ausgeliehen, wenn man mit Staffel 4 durch ist… Alles nicht so einfach, zudem muss man die DVDs auch wieder zurückgeben. Kurzum: Ich würde mir ein Streaming-Portal mit alten Klassikern wünschen! Falls es das wirklich noch nicht geben sollte, vielleicht will es ja wer von euch erfinden? 😉 

#histag16: Bloggende Historiker – zwischen Schreibübung für die Doktorarbeit, auf dem Weg zur Online-Fachzeitschrift

26 Sep

Dass der Deutsche Historikertag keine so hippe Tagung wie die Republica ist, das ist irgendwie selbst erklärend. Aber dennoch gab es einen Hashtag, Veranstaltungen über Digital Humanities und sogar ein Bloggertreffen, von dem ich euch berichten möchte:

Der Sascha Lobo der deutschen Historiker heißt @Mareike2405, ist weiblich, lebt und forscht in Paris am dortigen Deutschen Historischen Institut. Eigentlich wollte ich schreiben, „während in den Sektionen noch über die Notwendigkeit digitaler historischer Grundwissenschaften diskutiert wurde…“ Aber das wäre falsch zu behaupten, denn dass die Notwendigkeit längst vorhanden wäre, war allen Anwesenden bewusst – auf dem Podium sowie im Publikum, das jedoch aus auffallend wenigen Professoren bestanden hat.

Es ist also noch ein weiter Weg, den die bloggenden und twitternden Historikerinnen und Historiker zurücklegen werden müssen, aber gemeinsam geht alles besser und so traf man sich am letzten Konferenztag in der Twitter-Lounge, um barcampmäßig den eigenen Blog zu präsentieren: Zur Seite stand Dr. Mareike König dabei @karolinedoering.

Seit 2012 betreibt sie mit zwei Bekannten DEN Mittelalter-Blog. Vorweg, einige dieser historischen Blogs sind nicht selbst gehostet, sondern über Hypotheses.

Hypotheses ist das WordPress der Wissenschaftsblogs

Kostenlos kann man dort einen wissenschaftlichen Blog eröffnen, Zielgruppe sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. Dr. Karoline Döring hebt vor allem die Gemeinschaft hervor, die es bei Hypothese gebe. Der Blog selbst basiert auf WordPress, ist aber eben schon durch die Adresse als wissenschaftlich auszumachen.

Selbst gehostet hat der Doktorand Yves Vincent Grossmann seinen Blog . „Um schreiben zu üben“, habe er angefangen zu bloggen und berichtet regelmäßig über den Fortschritt seiner Dissertation.

„Ich habe den Anspruch, immer etwas auf meinem Blog zu zitieren“, sagt Dr. Burkhard Conrad in der kurzen Präsentation seines Blogs. Der Unterschied zu den etablierten Sektionen am Deutschen Historikertags wird deutlich: Manche dauern dort 3,5 Stunden, den Bloggern (muss) eine genügen 😉

Dr. Conrad ist Laiendominikaner, sein Blog heißt Rotsinn und ist bei WordPress gehostet. Die Motivationen, einen eigenen Blog zu betreiben, sind also unterschiedlich.

Alle anderen (außer mir), die an diesem frühen Freitagnachmittag in Hamburg ihren Blog präsentieren, setzen auf das Blogportal Hypotheses.

Torsten Hiltmann stellt seinen Blog „Heraldica Nova“ vor. (Wer nicht weiß, was Heraldik ist, liest seinen Blog oder meinen Blogpost ;)) Die Postings sind in Deutsch, Englisch und Französisch verfasst und ziehen Laien-Experten gleichermaßen an wie Wissenschaftler.

Blogposts über Forschungsergebnisse, die sonst unter den Tisch fallen würden

Selbstverständlich bloggt auch die Leiterin der Session, Dr. Mareike König und zwar gleich auf verschiedenen Blogs. Ihren über das 19. Jahrhundert sieht sie selbst als eine Art Dokumentation und verrät den bloggenden Historiker-Kollegen, welches ihr meist geklickter Beitrag ist: Er trägt den spannenden Titel „Bitte leeren Sie den Papierkorb, Madame!“. Was es mit Madame Bastian auf sich hat, erfahrt ihr selbstverständlich im verlinkten Blogpost. So viel vorab: Es ist eine nette Hintergrundinfo über die Dreyfusaffäre, die jedoch, wie die promovierte Historikerin selbstkritisch feststellt, keinen Artikel wert wäre.

Monetarisierung bei Wissenschaftsblags kein Thema

Als ich ein paar Anekdoten über den Blogger-Stammtisch in München einstreue und, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt seit Kurzem sogar einen Bloggerclub e. V. gibt, geraten die bloggenden Historiker etwas ins Staunen. Geld verdienen mit dem eigenen Blog? Das geht?

Bei bloggenden Wissenschaftlern stehen andere Dinge als die Monetarisierung im Fokus – Hypotheses ist zudem gänzlich werbefrei. Was ist ein Blogpost wissenschaftlich gesehen wert? Wie bringt man Kolleginnen und Kollegen dazu, Zeit in einen Blogpost zu investieren, wenn eine Publikation auf Totholz noch sehr viel mehr angesehen ist? Kann ein Blog künftig den Rang einer (online) Fachzeitschrift haben?

Weiter geht’s auf dem Histocamp in Mainz

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Design: Lucas Garske/ Text: Team Open History e. V.

Die Blogger-Session auf dem Deutschen Historikertag hat Appetit gemacht – mehr konnten die wenigen Veranstaltungen nicht leisten: Aber ich fuhr nach Hause mit der Erkenntnis, dass es bloggende Kolleginnen und Kollegen gibt. Auch wenn nicht alle an der Session teilgenommen haben, gell @citoyenberlin 😉

Über die Vernetzung und viele weitere spannende Dinge können wir beim histocamp weiterdiskutieren – ja, ein echtes „BarCamp für alle, die an und mit Geschichte arbeiten“. Karoline mit dem Mittelalter-Blog gehört zu den Organisatoren. Und wie sagte schon Simone de Beauvoir? „Man kommt nicht als langweilige Historikerin zur Welt, man wird dazu gemacht.“*
* zitiert nach Team Open History e . V.

CdAS-Spenden-Initiative für Hochwasseropfer aus Simbach

1 Aug

Wir können zwar nicht die Welt retten. Aber angesichts der unbegreiflichen Anschläge der vergangenen Tage können wir einfach bei uns anfangen, dass diese Welt wieder ein klein wenig menschlicher wird.

Mir ist bewusst, dass inzwischen andere Ereignisse die schrecklichen Bilder des Hochwassers in Niederbayern aus unserer medial gesteuerten Welt verdrängt haben. Doch die Menschen, die in Simbach und Umgebung ihr Hab und Gut – und noch schlimmer, zum Teil ihre Lieben verloren haben, für die ist das Leben nach dem Hochwasser noch immer grausame Realität: Die Wohnungen und Häuser noch immer unbewohnbar, unersetzbare Erinnerungen wie Fotos von Verstorbenen für immer verloren.

Vater von Kommilitonin im Hochwasser gestorben

Und weil wir eben nicht die Welt retten können, bitte ich meine Leser nur um einen kleinen Beitrag.
Es ist zwar nur EIN Schicksal, einer einzigen Familie, das mich in den vergangenen Wochen besonders bewegt hat – es handelt sich um die Familie einer ehem. Kommilitonin und Mit(alt)stipendiatin, über deren Schicksal ich bereits hier geschrieben habe. Aber in diesen Tagen wird mir bewusst, dass wir nicht darauf warten können, dass sich „die Gesellschaft“ ändert, sondern wir müssen bei uns selbst anfangen. In mein Poesiealbum hat meine Grundschullehrerin einen Spruch geschrieben, dessen Bedeutung mir in diesen Tagen immer öfter bewusst wird:
„Der Friede der Welt muss in unserem Herzen den Ursprung nehmen.“

Machen wir doch gemeinsam einen ersten Schritt, warten wir nicht darauf, dass „die Gesellschaft“ sich ändert, sondern beginnen wir in unserem Herzen und spenden für meine Bekannte, die ihren Vater im Hochwasser von Simbach verloren hat – bitte an folgendes Konto:

Kontoinhaber: CdAS Club der Altstipendiaten e.V.
Bank: HypoVereinsbank
Konto-Nr.: 0015 743 713, BLZ: 700 202 70
IBAN: DE60 7002 0270 0015 7437 13

Bitte als Betreff „Hochwasser Simbach“ nennen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an den CdAS (dem Club der Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung), der meine Initiative unterstützt und das Konto eingerichtet hat. Die CdAS-Nothilfe wird zwar nicht die Welt retten können, aber dazu beitragen und uns zu erinnern, dass wir alle Menschen sind