Kurt-Eisner-Straße für Passau?

1 Jun

Offensichtlich würde man Max Matheis heute keinen Persilschein mehr ausstellen – und schon gar keine Straße nach ihm benennen. Die Linke Passau wollte das prüfen lassen.

Die Stadt Passau ließ sich Zeit… Viel Zeit. Nach fünf(!) Jahren hakte die Linke nach („Linke hakt im Fall Max Matheis nach“ (Passauer Neue Presse (PNP)/ Lokalteil Passau vom 20.04.19, S. 21). Das Ergebnis: Die Stadt Passau hat eine Prüfung noch nicht vorgenommen. 

Ich schrieb einen Leserbrief, denn der evtl. frei werdende Straßenname inspirierte mich:

Mein Leserbrief (PNP/ Lokalteil Passau vom 08.05.19, S. 24)

„Es stellt sich für mich die Frage, ob alle Persönlichkeiten, nach denen in Passau eine Straße benannt ist, einer kritischen Prüfung Stand hielten. Dennoch finde ich es richtig und wichtig, dass Die Linke bei der Stadt nachtarockt, wie man mit der Max-Matheis-Straße verfahren möchte.
Es kann nämlich nicht sein, dass aus Bequemlichkeit – sicher wäre eine Umbenennung mit Aufwand für die Stadt und nicht zuletzt für die Anwohner verbunden – einfach nichts geschieht! Meines Erachtens könnte die Stadt Passau im Zuge des Zentenariums von 100 Jahre Freistaat und Attentat auf seinen Gründer hier einen Coup landen: Nach Kurt Eisner sind in ganz Bayern nur zwei Straßen benannt. Mit der Umbenennung der Max-Matheis- in Kurt-Eisner-Straße könnte die Stadt Passau ein Statement für Demokratie setzen.
Schließlich hat der Eisner-Attentäter in der Altstadt die Schulbank gedrückt und das Notabitur erworben. Hat man das in der Stadt bis dato richtig aufgearbeitet?
Auch thematisch würde sich der erste bayerische Ministerpräsident in die Riege verdienter Bayern meines Erachtens gut einordnen, nach denen die Straßen im Neustifter Umfeld benannt sind. Denn auch wenn Eisner gebürtiger Berliner war, starb er als überzeugter Wahl-Bayer – seine Eltern übrigens in der Passauer Straße in Berlin. Wenn Straßennamen sprechen könnten…“

Reaktion auf meinen Leserbrief

Kurt Eisner Platz München

Aktivisten um Aktionskünstler Wolfram P. Kastner benennen zum Jahrestag des Attentats den Marienhof in München seit einigen Jahren in Kurt-Eisner-Platz um. (Foto: Winderl)

Ist es nicht schön, wenn der eigene Leserbrief andere Leser zum Schreiben bringt?
Einige Tage später (PNP/ Lokalteil vom 16.05.19, S. 21) erschien ein Leserbrief von Alois Zechmann, der sich auf denselben Artikel bezog und ebenfalls für eine Kurt-Eisner-Straße in Passau plädierte, er schreibt: „Es ist eine große Schande, dass in ganz Bayern meines Wissens nur in München eine Straße nach Kurt Eisner, dem Begründer des Freistaats benannt ist.“

Das ist zwar so nicht so ganz richtig: Denn seit 2018 gibt es in Erlangen einen Platz in der Nähe des Rathauses, der im Zuge des Freistaat-Jubiläums nach Eisner benannt wurde. Aber ein Platz ist keine Straße. Und so bin ich, wie Alois Zechmann gespannt, welcher Stadtrat sich traut, einen entsprechenden Antrag in Passau einzubringen.

Marienhof in München soll Kurt-Eisner-Platz werden

Übrigens: In München wünschen sich Eisner-Fans eine Umbenennung des Marienhofs in Kurt-Eisner-Platz. Dieser prominente Platz befindet sich direkt neben dem Marienplatz, aber hat keine Anwohner. Eine Umbenennung würde also relativ wenig kosten.

Da bei Straßenbennungen der Grundsatz der Gleichwertigkeit berücksichtigt werden sollte, d. h. nach bedeutenden Personen sollten wichtige Straßen benannt werden, wäre der Marienhof im Herzen Münchens ideal! Denn die Kurt-Eisner-Straße befindet sich in Neuperlach. 1969, zum Zeitpunkt der Benennung, war dies noch ein sozialer Brennpunkt; doch nicht einmal dort wollte man dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten einen Straße gönnen. Als Gegenargument wurde u. a. eingebracht, dass dies die Witwe – Achtung – des Attentäters beleidigen würde. Eisners Witwe hatte sich übrigens bereits 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Frankreich das Leben genommen.

Weitere Blogposts zum Thema „Kurt Eisner“:

 

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„Hans im Glück“ ab Sommer 2019 in Passau: Wie gut ist der Burgergrill wirklich?

19 Mai
Hans im Glück Inneneinrichtung

Birkenstämme unterstreichen das märchenhafte Interieur von „Hans im Glück“ (Foto: Winderl)

Der Hype um das neue Burger-Restaurant, das im Sommer 2019 an der Stadtgalerie in Passau eröffnen soll*, ist bereits im Vorfeld groß: „Hans im Glück“ heißt es, das klingt irgendwie nach glücklichen Burgern und Fritten. Aber wie sehr unterscheidet sich das Franchise-Restaurant von Fast-Food-Ketten wie Mc Donalds und Co?

Aus München kenne ich „Hans im Glück“ schon seit vielen Jahren. Mich begeistert besonders die Einrichtung, die mit Birkenstämmen zwar in jeder Filiale gleich, aber eben auf den jeweiligen Gastraum individuell angepasst ist. Das Märchen von „Hans im Glück“ und seiner Gans wird konsequent durchgezogen, auch in der Speisekarte. (Ich freue mich besonders, dass die aktuelle Speisekarte Katharina Konte, eine junge und sympathische Illustratorin aus München gezeichnet hat! Sie hat nicht nur mich schon portraitiert – worauf ich echt stolz bin… Sondern Katharina hat bei Hans im Glück auch bereits oft die Fenster verschönert mit putzigen Eichhörnchen, glücklichen Hänsen…) Deswegen tragen die Burger auch so klangvolle Namen wie „Alsdann“. Es gibt sie mit Rind- und Hähnchenfleisch, vegetarischen und veganen Bratlingen im Sauerteig- oder Mehrkornbrötchen sowie Burger mit und ohne Brot. 

Im Norden der Republik gibt es einen ähnlichen Burgerbrater, dort ist Hans jedoch kein so geläufiger Vorname, da ziert dann Peter Pan das Logo von Peter Pane (Wortwitz komm raus!).

Aber was wären Burger ohne Pommes? 

Das Menü-Konzept der Fast-Food-Ketten gibt’s deswegen auch bei „Hans im Glück“: 

Hans im Glück Burger Menü

Das Abendmahl in gemütlicher Atmosphäre mit Cocktail und Süßkartoffel-Pommes. (Foto: Privat)

Wenn das Mittagsmenü nicht mehr gilt (immerhin großzügig bis 17 Uhr), schließt sich alsdann das „Abendmahl“ an. Man zahlt dann den individuellen Burgerpreis (ab 6,90 Euro für den „Klassiker“) plus den Menüpreis. 

Das klingt jedoch einfacher als es beim ersten Besuch ist: Als meine Mama zum ersten Mal in einer Filiale zu Gast war, hatte sie Probleme, sich in der Vielzahl der Burger und Menüs (mit und ohne Aufpreis) zurecht zu finden.

Mittags ist es etwas günstiger, da gibt es eine Beilage, einen Durstlöscher und ein Heißgetränk; am Abend  werden für eine Beilage und einen Cocktail plus 9 Euro fällig. Wer Süßkartoffel-Pommes will, zahlt dafür einen Aufpreis von einem Euro. Aber diese Süßkartoffel-Pommes und die Soßen sind mein absolutes Highlight!

Das originelle Märchen-Konzept wird, wie gesagt, liebevoll durchgezogen, deswegen heißt die Mayo nicht einfach Mayo, sondern Fritten-Soße.

Hans im Glück Passau

Im sog. Resch-Haus neben der Stadtgalerie soll im Sommer 2019 die Burger-Kette „Hans im Glück“ eröffnen. (Foto: Winderl)

Besonders gern hab ich die Orangen-Senf-Soße. Und da ich ordentlich tunken mag, auch meinen Burger, finde ich es super, dass große Flaschen der Soßen (natürlich gibt’s auch Ketchup) am Tisch stehen. Nichts hasse ich mehr, als wenn ich mir mit einem mühselig erbettelten Ketchup-Tütchen das Tunken meiner Pommes schon fast akribisch berechnen muss!

Was die Burger anbelangt, da finde ich, hat „Hans im Glück“ groß an Geschmack eingebüßt. Vor Jahren haben mir die Burger wirklich hervorragend geschmeckt. Mittlerweile bekommt man aber halt fast an jeder Ecke Burger – mein Highlight war einer vom Charolais-Rind in Paris – und auch Mc Donalds zieht ordentlich nach mit Deluxe- und Veggievarianten. Auch schwankt meiner Meinung nach der Geschmack zwischen den einzelnen Lokalen (in München gibt es derzeit immerhin schon 15) eklatant. Ist das bei einem Franchise-Restaurant überhaupt möglich? 

Latte Mittagsmenü Hans im Glück

Niedlich sieht der Latte Macchiato aus dem Mittagsmenü schon aus. Aber hat eher Espresso-Größe oder? Daneben steht ein 0,5l Glas. (Foto: Winderl)

Für mich siegt das originelle Ambiente deutlich über das kulinarische Angebot. Das Preisleistungsverhältnis ist unterm Strich ok, mit einem Menü wird man gut satt. Natürlich ist „Hans im Glück“ teurer als zum Beispiel Burger King, aber es handelt sich ja auch um kein Schnellrestaurants. Die Cocktails sind ebenfalls in Ordnung zum Essen dazu. Wenn ich jedoch explizit Cocktails trinken will, werde ich weiterhin in zum Beispiel das „Journeys“ gehen.

Der Latte Macchiato aus dem Mittagsmenü ist jedoch etwas für den hohlen Zahn, der hat eher Espresso-Größe. Eigentlich eine Leute-Verdummung, so etwas überhaupt auszuschenken! Der Strohhalm wirkt darin leicht überdimensioniert. Meines Erachtens hätte man auf das Heißgetränk im Menü dann lieber ganz verzichtet…

Bald ist es soweit und die Passauer können sich ihr eigenes Bild von „Hans im Glück“ machen. Für die Stadtgalerie ist es wahrscheinlich eine gute Ergänzung ihres gastronomischen Angebots, das ich bis dato kaum nutze. (Das Italy ist ja auch eher so eine schlechte Kopie des Eataly-Konzepts!) Allein optisch ist es im grün getünchten Resch-Haus sicher ein Gewinn – denn auch die Fenster werden im Märchenkonzept gestaltet und das Logo von Hans mit seiner Gans zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht.

*UPDATE: Ich fragte am 20. Juli 2019 via Instagram bei Hans im Glück nach, wann es denn mit der Eröffnung in Passau so weit sei. Die (unbefriedigende) Antwort lautete: „Leider verschiebt sich die Eröffnung unseres Burgergrill in Passau noch auf unbestimmte Zeit. Sobald wir aber einen Termin festgelegt haben, erfährst Du es auf jeden Fall sofort direkt über Instagram…“

Blogparade #DHMDemokratie: Demokratisierung von Denkmälern durch Graffiti-Künstler?

12 Mai
Grünspitz won abc

Die Männchen am Grünspitz könnten Kurt Eisner am gegenüberliegenden Moral zujubeln – schließlich brachte er die Demokratie nach Bayern. Ohne Blutvergießen. (Foto: Winderl)

Für Denkmäler brauchte man früher einen langen Atem und ein Händchen für den institutionellen Weg. 

Einer, der mit Denkmälern für seine Person bisher eher Pech hatte, ist Kurt Eisner: Als Jude und „Roter“ war er den Nazis nicht genehm, deswegen war er schon dem Attentat zum Opfer gefallen. Aber auch nach dem Systemwechsel wollte er den Machthabern irgendwie nicht so recht ins (Straßen)Bild passen. Und das, obwohl er die Demokratie in der Novemberrevolution für uns erkämpft hat. Wenn also eine Blogparade fragt, was mir persönlich Demokratie bedeutet, muss ich Kurt Eisner als Bayerin unbedingt nennen! Und wenn dieser Text im Demokratie-Labor des Deutschen Historischen Museums in Berlin bearbeitet wird, dann sollte ich auch noch erwähnen, dass Eisner 1867 in Berlin geboren wurde.

100 Jahre nach dem Attentat können seine Gegner den Amtsweg für Denkmäler umgehen – u. a. dank neuer Medien: Auf Google Maps benannten sie den Marienhof kurzerhand in Kurt-Eisner-Platz um – und es hat lange niemand gemerkt, den es gestört hat. 

Und auch Denkmäler sehen heute ganz anders aus als noch vor 30 Jahren, als das „Haupt“bodendenkmal für Eisner in München eingeweiht wurde: Die Umrisse des Ermordeten an der Stelle des Attentats. Achtlos kann man über ihn hinweggehen…

Mural in München für Akteure der Revolution von 1918/19

Graffiti Georg Elser

Das erste Graffiti-Denkmal in München entstand für Georg Elser in Blickweite zum Hauptbahnhof. (Foto: Winderl)

Aber ganz ohne auf das Werk von won abc zu schauen, kann man künftig wohl kaum mehr an der Martin-Luther-Straße vorbeifahren oder -gehen.  Dafür ist es zu groß: Das derzeit größte Mural Münchens zeigt fünf Revolutionäre: Von links nach rechts sind das Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch, Erich Mühsam, Gustav Landauer und Ernst Toller.

Es ist nicht das erste Graffiti-Denkmal, das won abc geschaffen hat. Zusammen mit Loomit sprayte er auch eins für Georg Elser an der Bayerstraße (hier gibts eine genaue Erläuterung). Auch so einer, der in der Mainstream-Erinnerungskultur als Hitler-Attentäter nach Stauffenberg und seinen Mitverschwörern vom Juli 44 eher einen Platz in der zweiten Reihe hatte.

Für mich ist diese neue Art des Denkmals mit Graffiti ur-demokratisch, denn sie kommt direkt aus der Bevölkerung.

Gerade bei Kurt Eisner, dessen Anhänger so lange für eine Würdigung kämpfen, wird das besonders deutlich. Eine Konsens-Entscheidung wie über Denkmäler bis dato üblich, entspricht nicht unbedingt einem authentischen Bild des kollektiven Gedächtnisses. Denn Geschichte wird von den Siegern geschrieben und diese bauen ihren Helden Denkmäler.

Ohne Revolution keine Demokratie

Marienhof Kurt-Eisner-Platz

Der Marienhof wurde auf Google Maps einfach schon mal zeitweise in Kurt-Eisner-Platz umbenannt. Dort gibt es keine Anwohner, es würden wenig Kosten entstehen (Screenshot).

Won abc war laut meiner Nachfrage über Instagram frei bei der Wahl des Motivs an der Martin-Luther-Straße. Zur Gestaltung des ehemaligen Umspannwerks sollen ihm rund 28 000 Euro zur Verfügung gestanden haben.

Er hat sich für diese fünf Revolutionäre entschieden, weil er etwas mit ihnen gemeinsam habe: Die Anti-Haltung.

Ebenso wie Graffiti als Gegenkultur zur etablierten Kunst gilt, kämpften Eisner und seine Verbündeten gegen das herrschende politische System. Was wir nicht vergessen dürfen: Diesen Revolutionären verdanken wir unser heutige Demokratie! Für zum Beispiel das Frauenwahlrecht mussten sich Menschen erst gegen geltendes Recht stark machen. Demokratie ist für mich (nach Rosa Luxemburg) unter anderem daher auch immer die Freiheit der Andersdenkenden, sonst entwickelt sich nichts weiter. Ich bin davon überzeugt, dass Stillstand unserer Demokratie nicht gut tut. Wer weiß, wie unsere Demokratie in 100 Jahren aussieht: Mehr Partizipation vielleicht – wie sich das schon Eisner in seiner Idee von einer Rätedemokratie gewünscht hatte? 

Schwierig: Eisner und Räterepublikaner auf einem gemeinsamen Denkmal

Graffiti Eisner

Das Foto entstand als won abc noch (mit der Hebebühne) am Mural arbeitete: Kurt Eisner, farbig abgehoben von den anderen Akteuren der Revolution, kickt die Monarchie weg – hinter ihm eine Friedenstaube mit Heiligenschein. (Foto: Winderl)

Etwas Bauchweh habe ich als Historikerin immer, wenn Akteure der Räterepublik in einem Atemzug mit Eisner genannt werden oder hier eben gemeinsam abgebildet sind. Mühsam, Landauer und Toller waren nämlich Funktionäre der 1. Räterepublik Baiern – Kurt Eisner wurde mit ihnen oft in einen Topf geworfen, aber das ist falsch! Denn erst nach seinem gewaltsamen Tod (am 21. Februar 1919) eskalierte die Revolution zusehends. Der Rätegedanke wurde überstrapaziert bis die 2. Räterepublik schließlich blutig beendet wurde. (Übrigens während der Laufzeit dieser Blogparade und zwar am 2. Mai exakt vor 100 Jahren.)

Gut gefällt mir daher, dass das Gesicht Eisner auf dem Mural etwas von den anderen abgehoben ist: Es ist das einzige der fünf Köpfe, das rosa ist. So korrespondiert es mit den Friedenstauben und dem Peace-Zeichen, das Mühsam in Händen hält. Kurt Eisner kickt die Krone weg. Hinter ihm eine Friedenstaube mit Olivenzweig und Heiligenschein. Irgendwie eindeutig, wie der Graffiti-Künstler Eisner sieht.

(Mir nicht erklären kann ich jedoch, warum der Name Ernst Tollers eine andere Farbe hat als die anderen Beschriftungen. Wer eine Idee hat, ist herzlich eingeladen, sie als Kommentar zu hinterlassen!)

Giesing als idealer Standort des Denkmal-Graffitis

Mural Giesing Eisner

Als am Graffiti noch gearbeitet wurde, waren auch die Fenster mit einbezogen. Die Malerkrepp-Schriftzüge sind mittlerweile entfernt, die Namen der Akteure sind unter den Figuren aufgesprüht. (Foto: Winderl)

Es würde zu weit führen, alle fünf Portraitierten näher vorzustellen. Einige Worte möchte ich dennoch verlieren und dann wird vielleicht auch klar, warum ich explizit auch den Standort des Graffiti-Denkmals so genial finde: Sarah Sonja Lerch geb. Rabinowitz erlebte die Revolution selbst gar nicht mehr. Zusammen mit Eisner hatte sie in der Münchner Rüstungsindustrie den sog Januar-Streik des Jahres 1918 organisiert und wurde deswegen eingesperrt. Eisner kam aufgrund dieser Aktion erst kurz vor den Wahlen wieder frei.

Sie war zunächst am Neudeck (Gefängnis am Mariahilfplatz) interniert, der nur wenige Meter Luftlinie vom Mural entfernt ist, später (wie auch Toller und Landauer) in Stadelheim, wo sie erhängt in ihrer Zelle aufgefunden wurde. Landauer fand in Stadelheim einen gewaltsamen Tod. Auf dem Mural biegt sie die Gitterstäbe einfach auseinander.

Kurt Eisner Denkmal München

Ich stehe davor, aber über das Eisner’sche Bodendenkmal an der Kardinal-Faulhaber-Straße in München kann man einfach hinweggehen. Aber dieser Entwurf war Sieger bei einem Wettbewerb.

Auch der Ostfriedhof, an dem Eisner seine erste ewige Ruhe fand – im 3. Reich wurde seine Urne inkl. Gedenkstein für die Revolution entfernt – ist nur zwei Tram-Stationen weg.

Vielleicht wäre die Demokratie auch ohne Kurt Eisner nach Bayern gekommen. Vielleicht hätte sich dieser bescheidene Mann gar kein Denkmal für sich gewünscht.

Was meint ihr: Wie viel Erinnerung braucht Demokratie? Und wer darf über die Erinnerungskultur einer Gesellschaft bestimmen?

Wenn ihr jetzt bei der Blogparade des Deutschen Historischen Museums mitmachen wollt habt ihr noch bis 28. Mai Zeit. Alle Infos gibt’s hier.

Und wer sich generell für Graffitis in München interessiert, dem sei mein Blogpost über die Streetart-Safari, die ich mit Martin Arz besucht habe, ans Herz gelegt.

Weitere Blogposts zum Thema „Kurt Eisner“:

Symphonie aus Licht und Klang am Dom: Keine Show mit Tiefgang

2 Jul
Barock Dom Passau

Vor 350 Jahren wurde der Grundstein für den barocken Passauer Stephans-Dom gelegt – ein Grund zu feiern! (Foto: Winderl)

Mag sein, dass die ich gestern bei der Premiere der „Symphonie aus Licht und Klang“ nicht den optimalsten (Steh)Platz hatte. Ich stand auf der rechten Seite des Domplatzes – vor dem Max-Denkmal.

Aber ich frage mich, ob man durch die Bäume von weiter hinten die „Leinwand“ aka Dom besser erkennen kann? Insbesondere die Bespielung des Hauptportals sehe ich daher kritisch. Jeder hat eben keinen Zugang zu den (kirchlichen) Räumlichkeiten am Domplatz, von denen aus einige Mitarbeiter die Vorführung genossen.

Zunächst einmal war ich beeindruckt, dass es zu doch relativ später Stunde am Sonntagabend so viele – auch junge – Menschen auf den Domplatz zur Premiere gezogen hat. Auch ich war schon seit Wochen gespannt, was uns da zum Domjubiläum präsentiert wird: Prägte doch der Projektor bereits markant das Bild des Domplatzes am Max-Denkmal.

Schwer verständlich für den Otto-Normal-Zuseher

Als Historikerin, die sich noch dazu gerade in der Ausbildung zur Stadtführerin in Passau befindet, weiß ich vielleicht etwas mehr über die Bistums- und Domgeschichte als der Otto-Normal-Zuseher. Ich konnte also durchaus das römische Grabmal zu Beginn einordnen und was die Fronleichnamsprozession auf der Leinwand zu suchen hatte… Denn der Dom wurde zwar beim Stadtbrand von 1662 schwer beschädigt, die Ruine brach jedoch erst am Fronleichnamstag ein – und soll sogar noch Teilnehmer der Prozession erschlagen haben.

Freilich muss man dieses tragische Kuriosum der Bistumsgeschichte nicht kennen, aber wenn es schon in die Symphonie eingebaut wird, dann hätte da vielleicht eine Erläuterung in Form von kurzen Schlagwörtern (ins Bild eingebaut) nicht geschadet. Oder man lässt Flyer/ Programme drucken oder konzipiert dazu eine App oder oder… Aber vielleicht kommt das noch und war zur Premiere nur noch nicht fertig?

In der kleinen Gruppe, in der wir die Premiere erlebten, fragten wir uns, ob wir auf dem Video der Diözese von der Probe nicht einen Ansager/ „Guide“ gehört hätten. Wahrscheinlich haben uns da unsere Ohren getäuscht. Oder hat das der spannende Promo-Film impliziert?

Übrigens: Gefeiert wird der 350. Geburtstag, also der (Wiederauf)bau des barocken Doms nach dem Stadtbrand ab 1668. Nur falls das während der Symphonie nicht so rübergekommen ist… Mehr Feierlichkeiten sind aber zum Beispiel seitens der Stadt Passau nicht geplant.

Handwerklich überzeugend

Symphonie aus Licht und Klang

Wahrscheinlich hatte ich nicht den optimalsten Platz, die Premiere zu verfolgen. Tencallas Hund (im mittigen Fenster) ist mir trotzdem gleich ins Auge gestochen. (Foto: Winderl)

Die Bilder an die weiße Domfassade projiziert, waren wunderschön: Ich war beeindruckt, dass der Dom dabei irgendwie gar nicht mehr plastisch, sondern wie eine Kulisse wirkte. (Das soll jetzt keinesfalls doppeldeutig klingen 😉 ) Jeder der die Gelegenheit hat, sollte sich das unbedingt ansehen – denn so hat er den Dom garantiert noch nie gesehen und die Musik ist optimal auf die imposanten Bilder abgestimmt: Er steht in Flammen und stürzt vor den Augen der Zuseher ein… Möge Gott und selbstverständlich die Diözesanpatrone verhüten, dass dies jemals wieder passieren sollte – außerhalb dieser Lichteffekte! Aber bitte bei der nächsten Vorführung das Licht zur Orgelempore ausmachen – es störte etwas die Gesamt-Harmonie.

Sitzplätze gibt es nicht bei diesem Freiluft-Spektakel und von den Bänken am Domplatz dürfte man keinen allzu optimalen Blick haben. Ich werde mir sicher noch mehrmals die Show ansehen (bis Oktober hat man dazu ja noch Gelegenheit) und während der 20-minütigen Show den optimalen Steh- oder Sitzplatz ermitteln.

Ältere oder in der Mobilität eingeschränkte Menschen, sollten vielleicht einen Klapphocker mitbringen. Ich weiß nicht, ob man auch daran als Veranstalter hätte denken sollen?

Nichts als Show?

Ich halte die Symphonie aus Licht und Klang insgesamt leider etwas für eine verpasste Chance: Denn wann wollen sich so viele Menschen freiwillig mit der Geschichte des Bistums beschäftigen, die auch ein Stück Glaubensgeschichte ist – sind aber nach der „Show“ genauso schlau wie zuvor?

Die Deckenfresken kann man auch bei einem normalen Besuch oder im Optimalfall während einer Führung im Dom betrachten, dann bekommt man sie auch noch inhaltlich erläutert. (Ich hatte das Glück, eine solche Domführung kürzlich beim Kulturreferenten des Bistums, Alois Brunner mitmachen zu können. Das Bistum ist also selbst „schuld“, wenn ich da jetzt einfach mehr sehe…) Vielleicht wären ja (gratis) Domführungen zum Domgeburtstag noch eine ideale Ergänzung zu dieser Show? Aber bitte nur von echten Domkennern wie Brunner, der das auch noch recht kurzweilig rüberbringt!

Ich persönlich fand es schön, dass beispielsweise Tencallas Darstellung von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel ausgewählt wurde, denn darauf befindet sich ein Hund, der im biblischen Kontext natürlich keine Erwähnung findet.

Auch so ein Kuriosum, das man freilich nicht kennen muss. Aber wenn man es schon zeigt, wäre doch das dargestellte Thema interessant zu erwähnen und sicher auch die Hundeliebe des Dommalers. Immerhin haben wir gleich nebenan jetzt auch ein Dackelmuseum in Passau 😉

Die Symphonie aus Licht und Klang ist ab 6. Juli jeden Freitag bis 5. Oktober 2018 um 22 Uhr zu sehen (und hören). Es müssen keine Karten erworben werden, die Show ist kostenlos!

 

Ostern mit dem Bischof

29 Apr

Eigentlich sollte ich, wenn ich mir schon die Zeit nehme zu schreiben (außerhalb der Doktorarbeit versteht sich), dies für meine eigenen Blogs tun: Diesen hier (gibt`s immerhin schon im achten Jahr) oder ISARSPARER.

Aber ich dachte, meine Erlebnisse während der Ostertage, die wir im Bistum Passau gemeinsam mit unserem Bischof Dr. Stefan Oster verbringen konnten, sei etwas für einen katholischen Blog.

#teamOSTERn: Junge Leute verbringen im Bistum Passau Kar- und Ostertage 2018 lautet der Titel meines Gastbeitrags für „The Cathwalk“.

Gegründet hat das „Onlinemagazin für katholische Lebensart“ – „The Cathwalk“ nennt sich nämlich nicht einfach „Blog“ – ein Stipendiaten-Kollege von mir. Lange schon wollte ich für Jean-Marie Schäppi bzw. sein Magazin etwas schreiben, nie hatte ich Zeit oder Muße. Und wie es der Zufall will, ist mein Gastbeitrag nun der letzte unter seiner Chefredaktion von „The Cathwalk“.

Aber das nur nebenbei: Wenn ihr wissen wollt, wie ich die Kartage 2018 verbracht habe und wie ein Bischof Ostern feiert – also nicht nur im Dom, da kann ja jeder mitfeiern… Dann klickt auf den Link!

70 Jahre tot und noch immer nicht urheberrechtsfrei: Karl Valentin

9 Feb
Freude im Regen

Karl Valentin habe ich erst kürzlich für mich entdeckt. Viele seiner Sprüche finde ich passend für einige meiner Lebenssituationen. Zu diesem Foto fällt mir einer mit Regen und Freude ein. Nur im Original zitieren, das lasse ich auf dem Blog besser sein… (Foto: Andreas Labes)

Manche „Perlen“ entdeckt man erst spät. Karl Valentin ist so eine Perle, der heute exakt 70 Jahre tot ist – was aber reale Auswirkungen auf uns haben kann.

Mein Papa ist Karl-Valentin-Fan. Aber ich konnte diesem bayerischen Humoristen – heute würde man ihn wohl „Comedian nennen“ – nicht so viel abgewinnen. Lag es an den schwarz-weiß Aufnahmen, dass dieser für mich immer so unglaublich alt wirkte und daher auch seine Witze? Oder daran, dass man seinen oft hintergründigen Humor erst im Erwachsenenalter versteht und zu schätzen weiß.

Ein Beispiel (aus Vorsicht ohne Original-Zitat.* Na, erkennt ihr es?): Nicht gesund, also krank zu sein ist doch etwas Schlechtes! Warum soll es also gesund sein?* So etwas versteht doch kein Kind!

Ich jedenfalls habe neuerdings Karl Valentins Aphorismen für mich entdeckt. In vielen Lebenssituationen erscheinen sie mir passend. Beim Googeln „neuer“ alter oder besser: anderer Zitate stieß ich auf die Meldung, dass die Erben Karl Valentins, Betreiber von Webseiten abmahnen lassen, wenn sie darauf ihren berühmten Vorfahren bemühen. Das ist so, weil das Urheberrecht bekanntlich 70 Jahre beim Urheber bzw. dessen Erben liegt (geregelt in § 64 Urheberrechtsgesetz = UrhG).

Urheberrecht endet nicht direkt am Todestag

Im Jahr 2016 haben wir dies an einem besonders prominenten Beispiel erlebt: Die Rechte an Hitlers „Mein Kampf“ erloschen. Sie waren nach Hitlers Selbstmord am 30. April 1945 zunächst an die Besatzungsmächte und dann an den Freistaat Bayern übergegangen. Doch warum begann die Diskussion um einen Neudruck des Buches nicht im April 2015, sondern erst im Januar 2016? Nach § 69 UrhG endet das Urheberrecht mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Verfasser gestorben ist.

Das heißt, bei Karl Valentin ist noch immer Vorsicht geboten: Nicht an seinem 70. Todestag können seine Texte und Zitate ohne Einschränkung genutzt werden, sondern erst ab 1. Januar 2019. Sehe ich das als Nicht-Juristin richtig?

In diesem Artikel scheint § 64 auch ohne § 69 UrhG interpretiert zu werden. Deswegen habe ich das Zitat oben* nicht genannt (denn sogar Privatpersonen sollen von den Abmahn-Anwälten angeschrieben werden. Und über die Einordnung meines Blogs würde ich ungern wegen Schadensersatz diskutieren…).

Über die Beweggründe der inzwischen verstorbenen Valentin-Enkelin, Anneliese Kühn, lässt sich freilich streiten. Vielleicht wäre Karl Valentin auch ein knackiger Spruch dazu eingefallen… Aber das Beispiel lehrt uns: In diesem Internet gehen wir insgesamt viel zu lasch mit dem Urheberrecht um. Also beim nächsten Zitat auf dem Blog lieber nochmal nachschauen, ob der Autor wirklich schon mindestens 70 Jahre tot ist…. Valentins (Bühnen)Partnerin, Liesl Karlstadt, starb bspw. erst 1960. Die gemeinsamen Werke werden also erst zum 1. Januar 2031 gemeinfrei.

Irgendwie komisch finde ich auch Karl Valentins Ende, wenn denn ein Tod überhaupt komisch sein kann. Man hat ihn versehentlich über Nacht in einem Theater eingeschlossen, dort hat er sich verkühlt und starb an den Folgen einer Lungenentzündung am 9. Februar 1948 – übrigens einem Rosenmontag.

Die Münchner wissen, dass der Karl-Valentin-Brunnen am Viktualienmarkt ein beliebter Treffpunkt für ein Bier oder auch zwei ist. Und das Valentin Karlstadt Musäum (mit ä!) am Isartor seinen Eintritt wert ist. Dort werden so seltene Exponate wie Beamtenschweiß ausgestellt. Die Besichtigung „auch bei Regenschein, Tag und Nacht, nur von außen“ ist jedoch kostenlos 😉

 

Wirtshaussterben in Bayern: Gasthaus Irlbacher in Penting sperrt zu

20 Dez

Das Wirtshaussterben ist ein anonymes Phänomen, das einen genauso wenig berührt wie beispielsweise Altersarmut, wenn man zum Glück nicht gerade selbst davon betroffen ist. Jetzt erlebe ich selbst, dass ein Wirtshaus, in dem wir mit der Familie Tod und Leben gefeiert haben, zum Jahresende schließt.

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Irlbacher setzt auf Regionalität – nicht aus Chichi, sondern Überzeugung. (Foto: Winderl)

Ich finde ja, man gehört erst richtig zu einem Dorf, wenn man ein Grab dort hat. Und so gehören wir auch nach all den Jahren nicht nach Passau-Heining, auch wenn meine Familie noch vor meiner Geburt hierher zog. Das liegt vielleicht auch daran, dass man zum Wirtshaus am Dorf keinen so rechten Bezug hat, weil man dort eben nicht nach einer Beerdigung mit der Trauergemeinde einkehrt.

Der eine Teil meiner Verwandtschaft liegt nämlich in der Oberpfalz begraben. Einem kleinen Dorf, Penting bei Neunburg vorm Wald, das im Prinzip nur aus der Kirche mit seinem angrenzenden Friedhof und dem gegenüberliegenden Wirtshaus besteht. Wie eben Dörfer in Bayern aussehen! Und genau dieses Wirtshaus wird nun zum Jahresende 2017 seine Pforten schließen – für immer.

Das macht mich traurig, denn auch wenn das Essen mal nicht so gut schmeckte, für mich war der „Irlbacher“ ein Stück Heimat. Dort hat meine Familie nicht nur gegessen und getrunken, sondern auch gelacht und geweint. Meine Großeltern liegen gegenüber begraben – der Leichenschmaus fand also dort statt. Aber auch Erstkommunion, Hochzeiten und runde Geburtstage haben wir beim Irlbacher gefeiert.

Der Oberpfälzer-Wirt setzte auf Innovationen

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So kennt man Wolf Irlbacher: An der Theke muss er mit den Reservierungslisten jonglieren, damit er alle Gäste bewirten kann. (Foto: Winderl)

Der Wirt war über die Jahre immer derselbe. Ein kerniger Oberpfälzer der Wolf, der aber immer wieder innovative Ideen hatte, lange bevor diese en vogue waren: So wurde die Wurst in seiner Metzgerei schon viele Jahre ohne Glutamat zubereitet, bevor das große Konzerne für sich entdeckten. (Zum Glück soll die Metzgerei Irlbacher vorerst weiter bestehen.) Das Fleisch und die Wurst kommt von den Bauern aus der Nähe – namentlich aufgelistet auch auf der Speisekarte. Das ist Bio wie ich mir das vorstelle! Kein Chichi von Landgasthöfen, die ihre fehlende Historie wettmachen wollen durch besondere Regionalität. Schon Wolfs Vater war Wirt am Ort. Damals stand das Wirtshaus noch ein paar Meter weiter vorne im Dorf – aber auch in Sichtweite zur Kirche.

Heute kann man vor den Gasthaustüren sogar das E-Bike laden.

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Als Abschiedsessen gabs für mich ein Schnitzel mit Pommes – klassisch, weil ich das als Kind sooft dort gegessen habe. (Foto: Winderl)

Auch XXL-Portionen gab es dort, obwohl das der Gasthof nicht im Namen trug, wie das heute üblich ist. Ich erinnere mich an die Schnitzel meiner Kindheit, die so groß waren, dass sie nicht mal mehr aufs Teller passten. Hungrig musste niemand gehen!

Und für die Stammgäste gab es nach dem Essen eine Kostprobe des „Pentinger Obstgarten“. Ein Obstler, der so mild und bekömmlich ist, dass er seinesgleichen sucht. Den schüttet man nicht einfach hinunter, den muss man auf der Zunge zergehen lassen, dass er sein volles Aroma entfalten kann. (Zum Glück gibt es den auch weiterhin (sechs zum Preis von fünf) in der Metzgerei oder im Online-Shop zu kaufen. Ein Online-„Spezialitätenversand“ auch durchaus innovativ für einen Gastwirt aus der Oberpfalz!)

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Zum letzten Mal sind die Tische dekoriert: Nach dem Weihnachtsgeschäft 2017 ist Schluss mit dem Gasthaus Irlbacher. Die Metzgerei wird vorerst weiter betrieben. (Foto: Winderl)

Das kleine Heimatdorf Penting meines Vaters kennt niemand. Schon gar nicht wegen der gelb getünchten Pfarrkirche St. Nikolaus im Zentrum des Dorfes, die nicht besonders pittoresk erscheint. Aber den Irlbacher gegenüber, der ist weit über die Grenzen des Landkreises Schwandorf bekannt. Das habe ich schon oft erlebt, wenn ich Leuten beschreiben wollte, woher meine Papa stammt. Beim Irlbacher sind sie oft schon eingekehrt. Ohne Reservierung hat man daher kaum Chancen, einen Platz im Gasthaus zu ergattern. Auch jetzt nicht, wo er doch in ein paar Tagen schließt.

Warum genau Wolfgang Irlbacher sein Traditions-Wirtshaus schließt, ist nicht ganz klar. Es werde eben auch immer schwieriger, gutes Personal zu finden.

Das Weihnachtsgeschäft will der Wolf noch mitnehmen. Danach ist Schluss. Nach 28 Jahren am neuen Standort.

Wo die Familie mehr zählt als der Einzelne

Nicht nur beim Abgang zu den Toiletten, sondern überall hängen alte Fotos an den Wänden, die an die Wirtsfamilie und Stammtische erinnern. Einige, die darauf abgebildet sind, liegen wohl schon drüben auf dem Friedhof – in einer Region, in dem die Familie mehr zählt als der Einzelne. Denn auf den Grabsteinen finden sich nur die Familien-, keine Vornamen oder gar individuelle Geburtstags- oder Sterbedaten. Und so werden auch die Irlbachers die Wirtsfamilie von Penting bleiben, auch wenn das große Gasthaus im Ortskern künftig leer stehen wird.

Sicher, wir werden ein anders Wirtshaus in der Nähe finden, in dem wir feiern können – aber es wird eben nicht der Irlbacher sein und für mich daher auch keine richtige Wirtshaus-Heimat in Papas Heimat mehr geben.

Das Gasthaus Irlbacher schließt am 26. Dezember 2017 (2. Weihnachtsfeiertag) für immer.

Die Metzgerei Irlbacher in Penting (Neunburg vorm Wald) bleibt weiterhin bestehen. Bestellungen einiger Schmankerl (wie etwa dem fruchtig-milden Pentinger Obstgarten) sind auch online im sog. Spezialitätenversand möglich!

Mehr über die oberpfälzische Heimat meines Vaters: