100 Jahre Kapelle Thann in Heining: Einladung zum Insta-Walk am 1. Juni

25 Mai
Paula Wurstbauer vor ihrer Kapelle in Thann. Die roten Pfingstrosen hat die 98-jährige für das Jubiläum noch selbst abgeschnitten. (Foto: Winderl)

Die tiefroten Pfingstrosen, die den Altar vor der Kapelle Thann für die Jubiläumsmaiandacht am Samstag, 21. Mai schmückten, hat Paula Wurstbauer eigenhändig in ihrem Anwesen an der Neustifter Straße abgeschnitten. Mit 98 Jahren ist so etwas beileibe keine Selbstverständlichkeit und darf daher extra erwähnt werden!

Gemeinsam mit ihrer bereits verstorbenen Schwester, Johanna Oberneder, hatte sie vor mehr als 30 Jahren den Plan gefasst, auf dem elterlichen Sacherl eine Kapelle zu errichten. Tatkräftig wurden die Schwestern dabei von Walter Feichtenschlager nicht nur finanziell unterstützt; der Nachbar verstand es auch, so viele Leute zu Spenden und Mitarbeit zu motivieren, dass die Kapelle Thann eine Art letztes Gemeinschaftswerk der Gemeinde Heining wurde – obwohl die Heininger da schon seit 20 Jahren nach Passau eingemeindet waren. 

Das machte auch der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft, Ali Krenn, deutlich, indem er mit Urkunden viele Personen ehrte, die dazu beigetragen hatten, dass die Kapelle im Mai 1992 eingeweiht werden konnte – Mitglieder des Gartenbauvereins beispielsweise, die die Grün-Anlage oder ein Vereinskamerad, der den Schriftzug auf der Kapelle gestaltet hatte. Seit dieser Zeit veranstaltet die Soldatenkameradschaft die traditionelle Maiandacht der Vereine und kümmert sich auch um deren Instandhaltung, für die Koordination wurde Kommandant Manfred Baier geehrt.

Fest im Anschluss gehört zur „Maiandacht der Vereine“

Nicht wegzudenken sei auch das gemütliche Beisammensein hinterher auf dem Wurstbauer-Anwesen, betonte Stadtpfarrer Thomas Brandl, der Schirmherr des Jubiläums war: „Schön, dass wir wieder Gemeinschaft feiern können!“

Während der zwei Pandemie-Jahre hat Paula Wurstbauer die schweren Eisengitter der Kapelle kaum aufgeschlossen. Umso mehr freut es sie, dass sie nun die Kapelle für das Jubiläum wieder rausputzen konnte, denn auch das erledigt die 98-jährige noch selbst. Das beeindruckte nicht nur die Bürgermeister Rother und Dickl, die es sich nicht nehmen ließen, das Jubiläum in Thann mitzufeiern. 

Besonders stolz ist Walter Feichtenschlager darauf, dass nicht irgendeine Marienstatute in der Kapelle steht. Die Holzmadonna, die er in Auftrag gab, ließ er nach dem Vorbild der „Maria mit der Birne“ schnitzen, das Original befindet sich in der Heininger Expositurkirche St. Michael in Schalding.

Er und Paula Wurstbauer entstammen noch einer Generation, die Dinge aufbewahrten und reparierten, statt wegzuwerfen. Kaum zu glauben, dass das Tuch, das den Altar schmückt, bereits ihre Mutter bestickt hat – es ist noch so schön weiß! Als sie die Initialen darauf auflöst, lächelt sie verschmitzt: „Meine Mutter hieß mit Vornamen Korona.“ 

Einladung zum Insta-Walk am 1. Juni

Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie haben es für Johannes Asenbauer und Teresa Winderl schwer gemacht, die viele Ideen, die sie für das Kapellen-Jubiläum hatten, umzusetzen. Umso mehr freuen sich beide, dass sie Paula Wurstbauer für ein modernes Konzept gewinnen konnten: 

Am Mittwoch, 1. Juni findet ab 17 Uhr ein sog. Insta-Walk auf dem Anwesen an der Neustifter Str. statt. Die Hausherrin zeigt dabei nicht nur die Kapelle, sondern auch Teile des alten Hofes, den sie bis heute bewohnt. Dabei sollen fleißig Fotos gemacht werden, die dieses einzigartige Ensemble für die kommenden Generationen dokumentieren. Denn das alte Holzhaus steht noch nicht unter Denkmalschutz. Ganz nebenbei werden die Teilnehmer einen Einblick in das Alltagsleben der ehemaligen Gemeinde Heining bekommen.

Lichtbox-Chef kürt beste Aufnahmen

Eingeladen sind alle Hobbyfotografen, auch diejenigen, die am Insta-Walk nicht teilnehmen können, ihre Werke unter dem Hashtag #kapellethann auf Instagram oder Facebook bis zum 10. Juni zu teilen. Die besten Fotos werden von Helmut Weishäupl, der mit seinem Fotoatelier Lichtbox dieses Jahr ins Gewerbegebiet Thann umgezogen ist, prämiert und sollen in einer geplanten Publikation über die Kapelle veröffentlicht werden. 

(erschienen in der Passauer Neuen Presse, Lokalredaktion Passau am Mittwoch, 25. Mai 2022)

Lesung zum 100. Geburtstag von Carl Amery: „Der Untergang der Stadt Passau“

8 Apr
Der Science-Fiction-Roman „Der Untergang der Stadt Passau“ ist aktuell nur noch antiquarisch erhältlich. (Foto: Winderl)

Es ist an Ironie kaum zu überbieten, dass die Lesung anlässlich des 100. Geburtstags Carl Amerys eine der ersten Veranstaltungen war, die ohne Maske besucht werden konnten. Schließlich hatte er seinen Science-Fiction-Roman „Der Untergang der Stadt Passau“* auf 131 post pestilenziam (Anno Domini 2112) datiert.

1975 war seine „Fingerübung“, wie Amery die etwas mehr als 100 Seiten umfassende „Huldigung“ an seine Jugendstadt nannte, bei Heyne erschienen. Recht viel länger hätte der Text für eine Lesung auch nicht sein dürfen, so konnte er am 7. April 2022 in gut vier Stunden in der Staatlichen Bibliothek Passau von vier Lesern vorgetragen werden. Anlass für das Carl-Amery-Festival war der 100. Geburtstag, den der bereits 2005 Verstorbene am 9. April gefeiert hätte.

Lesung Stabi Passau
Vier Stunden lang lasen aus „Der Untergang der Stadt Passau“ Dr. Marita Panzer, Bernhard Setzwein, Vera Botterbusch, Dr. Bernhard Forster und Arwed Vogel. (Foto: Winderl)

Dystopie aus Amerys Jugendstadt mit erschreckender Aktualität

Die „Stabi“ Passau war ein idealer Veranstaltungsort, denn „drüben“ im Leopoldinum hatte Christian Mayer, wie Amery bürgerlich hieß, das Gymnasium besucht, an dem auch seine Eltern unterrichteten. Er hatte denselben Lehrer wie der Eisner-Mörder Graf Arco.

Viele dieser historischen Verknüpfungen sind Gegenstand seiner literarischen Werke. (Wie vorzüglich die Darstellung der Verbindung des gräflichen Attentäters zum ehemaligen Hauslehrer in „Die Wallfahrer“* ist, wird in meiner Doktorarbeit erläutert.)

In „Untergang der Stadt Passau“ wird die Geschichte der Dreiflüssestadt mit einer dystopischen Situation verknüpft, die aufgrund des Ukraine-Kriegs irgendwie erschreckende Aktualität besitzt: Nach dem Ende der Elektrizität ist Passau, das bereits im Mittelalter durch Salz reich geworden war, wieder von großer Bedeutung im Salzhandel.

Ein bayerischer Querdenker

Amery haderte damit, dass das Genre Science-Fiction in der deutschen Literaturszene wenig anerkannt sei, weiß Filmemacherin Vera Botterbusch, die diesem bayerischen Patrioten für ihren Film „Die Zeit, die wir noch haben, Carl Amery – ein bayerischer Querdenker„, tief in die Seele geblickt hat. Vor der Lesung gab sie daher eine Einführung in Person und Werk. Dass der Begriff des Querdenkers heute negativ besetzt ist, habe sie in den 1990er Jahre nicht ahnen können. Das sei früher ja eine Wertschätzung gewesen, argumentierte sie. 

Es ist ohnehin schwer, Carl Amery zu kategorisieren: War er doch nicht nur als Schriftsteller Mitglied der Gruppe 47, sondern auch z. B. Gründungsmitglied der Grünen oder Leiter der Münchner Stadtbibliothek. Botterbusch, deren Amery-Portrait auch im Rahmen des Festivals gezeigt wurde, sagte, dass das Science-Fiction Genres zu ihm passte da er das Leben immer für die Zukunft gedacht habe.

Zum Programm des Carl-Amery-Festivals.

Festival-Programm im Hintergrund das Gymnasium Leopoldinum, das Amery in Passau besuchte. (Foto: Winderl)

Amerys Werke sind nicht unbedingt leichte Kost, aber persönlich berühren sie mich auf vielschichtige Weise… Daher sollte der „Der Untergang der Stadt Passau“ meines Erachtens – zumindest in seiner und meiner ehemaligen Schule, dem Leopoldinum – Pflichtlektüre werden.

Aktuell ist das Büchlein leider nur mehr antiquarisch zu erwerben. Wie schön, dass im Juni eine Neuauflage im SüdOstVerlag zu erscheinen scheint; sie kann hier* vorbestellt werden.

Blogparade: Warum gibt es bis heute #Deutungskämpfe über Kurt Eisner und die Revolution?

18 Okt

„Was einer ist, was einer war, beim Scheiden wird es offenbar…“ lautet ein bekanntes und wie ich finde, auch sehr treffendes Zitat von Hans Carossa.

Als Historikerin beschäftige ich mich vornehmlich mit Menschen, die bereits verschieden sind. Ich kann mich mit ihnen nicht mehr direkt unterhalten, sondern muss mit Mitmenschen über sie sprechen, wobei sog. Oral History nicht unumstritten ist. Im Idealfall hat der Verstorbene in seinem Leben so viele und wichtige Quellen hinterlassen, dass diese in Archiven aufbewahrt werden. 

Doch das Problem das dahinter steckt wird hoffentlich klar: Es kann zu „Deutungskämpfen“ kommen. Denn was mir Zeitzeugen berichten oder ich aus Quellen herauslese, kann anders ausfallen, als das gängige Stimmungsbild das z. B. Zeitungen über diese Person eingefangen haben.

Sinnigerweise hat das Stadtarchiv München zur gleichnamigen Blogparade aufgerufen und ich beteilige mich gerne daran, weil ich in meiner Doktorarbeit über die Rezeption des Eisner-Attentats genau mit diesen „Deutungskämpfen“ konfrontiert bin:

Der Gedenkstein am Ostfriedhof für die „Toten der Revolution“ war gleichzeitig Grab Eisners – bis die Nazis es sprengen ließen. Die Urne wurde der Israeltischen Kultusgemeinde übergeben. Die heutige Replik des Steines wurde in den 1950er Jahren dort aufgestellt. (Foto: Winderl)

Echte Trauer oder nur Schaulustige bei größter Beerdigung in der Geschichte des Ostfriedhofs?

Wenn es – nach Carossa – nach dem Tod deutlich wird, was eine Person war, dann wäre meine Doktorarbeit schnell geschrieben: Denn auch wenn Kurt Eisner während seiner kurzen Amtszeit als erster bayerischer Ministerpräsident nicht gerade die Sympathien auf seiner Seite hatte, war die Trauer nach seinem Ableben groß. Der Tag seiner „Beerdigung“ wurde zum Landestrauertag erklärt. Der Trauerkondukt war so lang, dass die letzten Teilnehmer noch nicht von der Theresienwiese losmarschiert waren, als die ersten darin den Ostfriedhof erreicht hatten.

Waren unter diesen zahlreichen Trauergästen nur Schaulustige, wie später behauptet wurde?

Wie kann es überhaupt zu „Deutungskämpfen“ beim Opfer eines Attentats kommen? Steigt ein Ermordeter nicht automatisch in den Nimbus eines Heiligen auf? Man denke nur an ermordete Staatsmänner wie John F. Kennedy…

Doch Kurt Eisner sollte es anders ergehen: Schon während seiner kurzen Amtszeit wurde das Gerücht geschürt, er heiße in Wirklichkeit „Salomon Kosmanoswki“ und sei ein Jude aus Osteuropa.

Eisner war zwar Jude, aber kein Gläubiger und sein Vater war Kaufmann in Berlin gewesen. Das ist heute durch genug Quellenmaterial unwiderruflich belegt. 

Nazis beseitigen Grab Eisners

Kurz nach der sog. Machtübernahme sprengten die Nazis das Grabmal des Juden Eisners, mit folgender Begründung: „Von einem großen Teil der christlichen Bevölkerung Münchens wird es als eine Schande empfunden, daß das Grab dieses Revolutionärs, der über die Bevölkerung soviel Unheil und Unglück gebracht hat, sich immer noch an einem der schönsten Punkte des Ostfriedhofs befindet.“ 

Derweil war die Novemberrevolution, an dessen Spitze sich Kurt Eisner befand, völlig unblutig verlaufen. Statt „Unheil und Unglück“ hatte sie München und ganz Bayern die Demokratie, den Achtstundentag und nicht zuletzt das Wahlrecht für Frauen gebracht. Deutungskämpfe also, die nach dem Ende der NS-Zeit beendet waren?

Leider nicht wirklich: In den 1950er Jahren wurden zwar eine Replik des ehemaligen Grabes auf dem Ostfriedhof wieder aufgestellt, eine entsprechende Umdeutung der Revolutionsregierung war jedoch nicht in Sicht. An dieser Stelle möchte ich den geneigten Leser, die geneigte Leserin auf meine Doktorarbeit verweisen, die hoffentlich bald fertig gestellt wird! Im Rahmen des Blogposts kann ich nur schlaglichtartig die Deutungskämpfe für eine adäquater Erinnerungskultur beleuchten.

Straße des Attentats nach umstrittenen Kardinal Faulhaber benannt

50 Jahre nach dem Jahrestag der Revolution wurde bspw. eine Straße nach Kurt Eisner benannt. Nicht jedoch im Stadtzentrum, wie er es wohl eher verdient hätte. Schließlich hat er Bayern zum Freistaat gemacht…

Nein, in einem damaligen Neubaugebiet, in Neuperlach.

Die Straße, in der der er ermordet wurde, nach ihm zu benennen, wurde abgelehnt.

Sie wurde stattdessen nach dem Tod des Kardinals nach Faulhaber benannt. Eine Person, um die es auch Deutungskämpfe gibt und die Diskussion um die Benennung einer Straße nach seiner Person auch im Beitrag des Diözesanarchivs zur Blogparade thematisiert wird. Persönlich finde ich es schwierig zu wissen, dass Kardinal Faulhaber Kurt Eisner und die Revolution kritisch gesehen hat und ausgerechnet die Straße nach ihm benannt wurde, in der sein einstiger Gegner Opfer eines Attentats wurde. Im Übrigen pflegte er zum Attentäter bzw. dessen Familie beste Beziehungen, traute sogar Anton Graf Arco auf Valley mit seiner Ehefrau. Aber das ist eine andere Geschichte, die ebenfalls in meiner Diss geschildert wird.

Straßennamen sind auch Thema im Blogpost des Stadtarchivs München. Straßennamen haben weit mehr als eine Orientierungsfunktion in unseren Städten, sie sind auch ein wichtiges Abbild der Erinnerungskultur einer Gesellschaft und zeigen, wer einen Deutungskampf in einer bestimmten Epoche für sich entscheiden konnte.

100 Jahre Freistaat und Staatsregierung gedenkt Gründungsvater nicht

Jetzt machen wir einen großen zeitlichen Sprung und denken uns ins Jahr 2018: Ganz Bayern feiert Kurt Eisner, dass er vor 100 Jahren den Freistaat Bayern begründet hat.

Ganz Bayern? 

Nein, Eisners Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, Markus Söder, erwähnt im offiziellen Feierakt der Staatsregierung den Namen Eisners nicht!

Warum? Der Freistaat Bayern erscheint heute gleichsam als Synonym für die CSU. Da kann unmöglich ein linker Berliner den Freistaat begründet haben!

Aber was kann Kurt Eisner dafür, dass sich eine Partei, die sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet hat, dieselbe Bezeichnung nutzt wie Kurt Eisner in der Nacht der Novemberrevolution? Es war übrigens ebenfalls ein Sozialdemokrat, Wilhelm Hoegner, der nach 1946 den Staatsnamen wieder für Bayern in Spiel gebracht hat.

Die Staatsbezeichnung Freistaat enthält übrigens keine extra Rechte für Bayern, auch wenn Eisner (als gebürtiger Berliner) dies gern gesehen hätte… Freistaat ist schlicht eine andere Bezeichnung für Republik und sagt, dass dieser Staat „frei von Monarchie“ ist.

Anerkennung jetzt!

Ich finde es schade, dass wir über 100 Jahre nach dem Attentat auf Kurt Eisner noch immer darüber diskutieren müssen, ob er den Begriff „Freistaat“ verwendet hat oder nicht.

Er hatte seine Idee mit dem Leben bezahlt. Allein dafür schulden wir unserem Gründungsvater Respekt – die Zeit sollte reif dafür sein, seine Leistung über Parteigrenzen hinweg anzuerkennen! Ich hoffe, dass meine Doktorarbeit einen Beitrag dazu leisten wird.

Weitere Blogposts zum Thema „Kurt Eisner“:

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GLL-Kreativwerkstatt wieder in Präsenz in Passau? Rückblick auf unsere Bastelabende via Zoom

20 Mai

Seit Februar bastel ich für den Verein „Gemeinsam leben und lernen in Europa“ (GLL) einmal im Monat digital. Die Zoom-Daten sind öffentlich, einwählen darf sich jeder Bastelwütige aus Passau oder natürlich gerne ganz Europa.

Umschläge müssen nicht immer langweilig weiß sein. Mit einer alten Zeitschrift kann man sie in allen möglichen Farben und Formaten einfach selber machen. (Foto: Winderl)

Los ging’s im Februar mit Briefumschlägen, die man aus alten Zeitschriften etc recyceln kann. Die Idee dahinter: Altpapier hat jeder zu Hause rumliegen, Schere und Kleber auch. Und natürlich hoffte ich, dass hübsche Briefumschläge die Teilnehmer während des Lockdowns zum Briefe schreiben bringt.
Übrigens: Wer solche Briefumschläge nicht selber basteln will, hat die Möglichkeit sie in meinem Etsy-Shop zu kaufen.

Eigene Richtlinie: Bastelmaterial, das jeder zu Hause hat

Nach der Premiere am Aschermittwoch hatte ich mir für die Kreativwerkstätten eine eigene Vorgabe gemacht: Die Bastelmaterialien dürfen nicht „speziell“ sein, sondern sollte jeder zu Hause haben.

Für die nächste Kreativwerkstatt im März entschied ich mich daher, Wabeneier zu basteln. Denn hierfür braucht man wieder nur Altpapier, Schere und Kleber. Natürlich habe ich das Wabeneier nicht erfunden, aber eine Methode entwickelt, die viel einfacher ist, als sie in jedem YouTube-Tutorial gezeigt wird. (Ich müsste dazu wirklich noch selbst ein Video für YouTube drehen.)

Stolz bin ich, dass ich die Technik für die Wabeneier für unsere Kreativwerkstatt so vereinfacht habe. Mit ähnlicher Technik kann man auch Häschen, Herzen oder Kugeln basteln. (Foto: Winderl)

Das ähnliche System habe ich für die Herzen verwendet, die wir während des April-Termins (vor Muttertag) miteinander gebastelt haben. Inzwischen sind wir auf eine kleine, aber feine Bastel-Gemeinschaft angewachsen, in der wir Stamm-Bastler uns, neben dem Basteln natürlich gerne unterhalten, weil wir uns von Kreativwerkstatt zu Kreativwerkstatt besser kennenlernen.

Herzen haben wir für den Muttertag zusammen gebastelt. Mehr als alte Zeitschriften, Kleber und eine Schnur brauchten wir nicht dafür. (Foto: Winderl)

Ungefähr eine Woche vor dem Termin muss ich wissen, was ich meinen Bastlerinnen (im Moment sind wir (leider) ausschließlich Frauen, aber in Präsenz waren auch Männer dabei), an diesem Abend zeigen möchte.

Um die Kreativwerkstatt zu bewerben, schicke ich der lieben Alice im GLL-Büro ein Foto vom gebastelten Endprodukt zu und eine Materialliste, die sich bislang nicht groß geändert hat: Bis zum vierten Termin bin ich rein mit Altpapier, Schere und Klebestift ausgekommen. Für unseren Termin im Juni werde ich das Equipment um Draht erweitern.

Nach Ostern kommt eigentlich bekanntlich eine kleine Bastelflaute: Muttertag ist auch schon vorbei und Weihnachten noch weit… Aber „frühlingshaftes Basteln“ erfreut unser Herz gerade in Lockdown-Zeiten und so fröhnte ich meiner alten Leidenschaft, Origami. Schmetterlinge und der trendige „Knotenvogel“ entstanden aus Papier.

Frühlingshaft haben wir im Mai gebastelt: Schmetterlinge und Vögel wie hier aus einer alten Buchseite gefaltet. (Foto: Winderl)

Flatlay-Technik weiterentwickelt

Nach der Kreativwerkstatt ist immer vor der Kreativwerkstatt. Und so versuche ich, immer das nächste Bastel-Objekt schon während unseres Zoom-Termins (immer der zweite Mittwoch im Monat) vorzustellen oder auf Wünsche der Bastlerinnen einzugehen. Ein unerschöpfliche Quelle ist hier für mich Pinterest. (Folge gerne meinem Pinterest-Profil) Oft zeige ich auch eine kleine Präsentation mit weiterführenden Ideen. Zum Beispiel kann man mit den Origami-Schmetterlingen einen ganz Kranz gestalten. Oder aus den Herzen eine 3D-Karte basteln…

Und auch ich lerne für die Kreativwerkstatt dazu. Ich verbessere u. a. meine Flatlay-Fähigkeiten, wie ich das Bastelobjekt am besten für das Foto in Szene setze. Deswegen habe ich mich auch für diesen kurzen Rückblick entschieden, dass ich meine Fotos nochmal gesammelt präsentieren kann 😉

Im Juni basteln wir Rosen aus Papier. (Foto: Winderl)

Bei der GLL-Kreativwerkstatt im Juni (Mi, 9. Juni) möchte ich Papier-Rosen basteln. Und vielleicht dürfen wir uns dieses Mal sogar wieder in Präsenz im Gemeinschaftsraum von „Gemeinsam leben und lernen“ in der Passauer Innstadt treffen.

Hybrider Neustart der Kreativwerkstatt in Präsenz?

Da wir zu so einer schönen Online-Bastel-Community zusammengewachsen sind, aber nicht jede in Passau wohnt, wollen wir hybrid starten.

Persönlich hoffe ich, dass dies ein Learning aus dieser Pandemie ist: Veranstaltungen sollten, nach Möglichkeit, hybrid geplant werden.

Nächster Termin für die Kreativwerkstatt:

Wenn ihr am zweiten Mittwoch im Monat mit GLL und mir basteln wollte, loggt euch ein in Zoom oder kommt ab 18h in den Gemeinschaftsraum*!
Die nächste Kreativwerkstatt von „Gemeinsam leben und lernen in Europa“ mit mir findet am Mi, 9. Juni ab 18 Uhr statt. *Ob wir wieder in den Gemeinschaftsraum dürfen, ist abhängig vom Inzidenzwert der Stadt Passau und wird rechtzeitig kommuniziert.

Benötigte Bastelmaterialien für die Kreativwerkstatt im Juni:

Im Gemeinschaftsraum haben wir bereits einige Bastelutensilien. Für die Rosen benötigen wir Papier aus alten Zeitschriften, meine habe ich aus einem alten Buch gemacht, Schere und Kleber. Nach Möglichkeit eine Heißklebepistole (klebt die einzelnen Blütenblätter schneller zusammen) und Draht, wenn eure Rose einen Stil haben soll.

Hier werden die Termine für die Kreativwerkstatt im zweiten Halbjahr 2021 veröffentlicht, sobald diese bekannt sind!

Mi, 14. Juli 18 Uhr

Mi, 11. August 18 Uhr

Mi, 8. September 18 Uhr

Basteln mit Teresa ohne h: GLL-Kreativwerkstatt online und in Passau

25 Feb

Kreativ bin ich schon immer gewesen. Mit meinen selbstbemalten Ostereiern war ich vor einigen Jahren sogar schon in der PaWo zu sehen. Außerdem liebe ich es, andere beim Basteln anzuleiten – so habe ich beispielsweise schon mit meinen Mit-Stipendiaten der HSS für das BR-Projekt Sternstunden gebastelt.

Ich freue mich, dass ich ab jetzt regelmäßig mit anderen Menschen kreativ werden kann: Perdita vom Verein Gemeinsam leben und lernen in Europa (kurz: GLL) hat mich gefragt, ob ich mit Lisa zusammen die Kreativwerkstatt des Vereins leiten möchte.

Auch basteln geht via Zoom! Bei der Premiere der Kreativwerkstatt haben wir Umschläge gemeinsam gestaltet. Foto: Screenshot

Dieser findet jeden zweiten Mittwoch im Monat ab 18 Uhr im GLL-Gemeinschaftsraum in der Passauer Innstadt statt. Während des Lockdowns treffen wir uns digital über Zoom (hier der Link zum Zoom-Meeting; Meeting-ID: 897 8559 6874). Im vergangenen Jahr habe ich immerhin schon ein Osterei-Tutorial für den Verein aufgenommen. Jetzt steigern wir uns und basteln „live“ via Internet miteinander!

Premiere war am Aschermittwoch – wir haben zusammen Briefumschläge und Karten gestaltet. Denn ich bin der Meinung, dass jeder Brief ein Geschenk ist und gerade jetzt können wir mit so einer persönlichen Post unseren Lieben zeigen, wie wichtig sie uns sind.

Solche Wabeneier aus Papier wollen wir in der Kreativwerkstatt von „Gemeinsam leben und lernen in Europa“ vor Ostern via Zoom miteinander basteln. Alle Materialen dafür habt ihr zu Hause! (Foto: Winderl)

Vor Ostern basteln wir Wabeneier

Der zweite Mittwoch des Monats März ist der 10. Und weil wir mit großen Schritten auf Ostern zugehen, hat sich Perdita von mir gewünscht, dass wir in der Kreativwerkstatt zusammen Ostereier gestalten. Ostereier – meine große Liebe! Da echte Eier aber erst ausgepustet werden müssen und wir nach Möglichkeit alle Bastelschritte während unserer GLL-Kreativzeit schaffen wollen, hab ich mich für Ostereier aus Papier entschieden:
Anleitungen zu Wabeneiern gibt es viele im Internet (alternativ kann man natürlich auch einen Wabenball gestalten), aber ich habe etwas getüftelt und für die Kreativwerkstatt – ganz exklusiv – eine einfachere Variante entwickelt. Schließlich wollen wir schnell ein schönes Ergebnis sehen und nebenher auch noch gemütlich miteinander ratschen. Außerdem zeige ich euch, wie ihr diesen Ostergruß leicht verschicken könnt, wenn ihr den letzten Bastelschritt dem Empfänger ausführen lasst.

Hier die Vorlage für die Wabeneier und -kugeln

Die Vorlage für unsere Kreativwerkstatt am 10. März gibt es hier. Daneben braucht ihr nur:

  • alte Zeitschriften oder Bücher
  • Schere
  • Klebestift oder Fotoecken
  • Schnur (mit dem ihr das Wabenei zum Schluss aufhängen wollt).

Termine der Kreativwerkstatt für’s erste Halbjahr 2021

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, mit uns kreativ zu werden, merkt euch doch schon mal die nächsten Termine der GLL-Kreativwerkstatt fürs erste Halbjahr vor:

Mi, 14. April, 17h (vor Muttertag wird’s wahrscheinlich „herzig“ bei uns)
Mi, 12. Mai
Mi, 9. Juni

Etsy-Shop von Teresa ohne h

Übrigens: Seit Kurzem verkaufe ich selbstgebastelte Produkte in meinem Etsy-Shop, der natürlich auch „Teresa ohne h“ heißt. Schaut gern vorbei – eine Corona-Ostern-Postkarte hätte ich zum Beispiel auch im Angebot 😉

Blogparade #Femaleheritage: Sarah Sonja Lerch – Wegbereiterin des Freistaats

13 Nov

Das Thema „Erinnerungskultur“ beschäftigt mich seit Jahren, da es Gegenstand meiner Doktorarbeit ist – an der ich jetzt eigentlich arbeiten und nicht für die Blogparade „Femaleheritage“ der Monacensia schreiben sollte. Aber wenn Tanja zur Blogparade aufruft, ist es quasi Ehrensache, dass ich mich beteilige. Und eigentlich ist die Frau, die ich euch heute vorstellen möchte, Teil meiner Diss. Aber eben nur ein ganz kleiner – eine Randnotiz, sprichwörtlich eine Fußnote der Geschichte. Da ist der Blogpost quasi so etwas wie die Erweiterung meiner Doktorarbeit.

Friedensaktivistin an der Seite Kurt Eisners

Sarah Sonja Lerch geb. Rabinowitz war ihr Name. Maßgeblich hat sie durch ihr mutiges Auftreten dafür gesorgt, dass Kurt Eisner im November 1918 Bayern zum Freistaat machen konnte. Nun ist aber schon Kurt Eisner nicht der größte Gewinner der bayerischen Erinnerungskultur (darüber lest ihr aber dann in meiner Diss). Und eine jüdische Frau aus Osteuropa war es noch viel weniger!

Sarah Sonja Lerch war im sog. Januarstreik aktiv, der im Januar 1918 stattfand. Im letzten Kriegswinter wurde deutschlandweit versucht, die Arbeiter in den Rüstungsbetrieben zum Streik zu bewegen. Die Idee dahinter: Wird kein Nachschub für die Front mehr produziert, kommt es zum Frieden. 

In München rief neben Kurt Eisner u. a. Sarah Sonja zum Streik auf, bei den Versammlungen ergriff sie auch selbst das Wort und wollte die Arbeiter von ihrer Friedensidee überzeugen. Beide wurden sie für die Organisation der Streiks eingesperrt – Anklage: Landesverrat, mit einem Unterschied:

Kurt Eisner kam im November 1918 aus der Haft frei, weil er sich für ein Reichtagsmandat bewarb. Gut, recht lange überlebte er die Haft nicht, da er im Februar 1919 ermordet wurde.

Auf dem Graffiti von won abc an der Martin-Luther-Straße in Giesing ist Sarah Sonja Lerch geb. Rabinowitz neben Kurt Eisner dargestellt. Das Foto entstand, als noch am Mural mit Krahn gearbeitet wurde. (Foto: Winderl)

Beging sie Selbstmord oder wurde sie ermordet?

Doch Sarah Sonja Lerch verstarb bereits während der Haft im März 1918. Bis heute ist nicht geklärt, ob sie Selbstmord beging oder ermordet wurde. 

Ihr Mann – ein Uni-Dozent (sie selbst war übrigens auch promoviert) – hatte sich von ihr distanziert, Zahnschmerzen blieben unbehandelt… Es gab genug Gründe für sie, im Gefängnis zu verzweifeln.

Doch war es nicht die erste politische Aktion, an der Sarah Sonja Lerch sich beteiligt hatte. Schon in ihrer Heimatstadt Warschau und später in der ersten russischen Revolution von 1905 in Odessa war sie politisch aktiv gewesen. 

In einer Zeit, in der Frauen noch nicht einmal das Wahlrecht hatten, setzte sie sich für grundlegende Veränderungen der Gesellschaft ein und nahm dafür enorme persönliche Nachteile in Kauf. Das finde ich beeindruckend! 

Sie muss eine mutige Frau gewesen sein, denn letztendlich bezahlte sie ihr politisches Engagement mit ihrem Leben. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen, das die Revolution von 1918 mit sich brachte, durfte sie nicht einmal erleben.

Wiederentdeckt von einer Frau

Es freut mich daher, dass Sarah Sonja Lerch im Zuge der 100-Jahrfeier der Revolution ein Stück weit wiederentdeckt wurde:

Zu verdanken ist das einer Frau – bei #femaleheritage sei das einfach mal erwähnt: Cornelia Naumann hat aus den wenigen Quellen über Sarah Sonja Lerch deren Lebenslauf erforscht und sich im Roman „Der Abend kommt so schnell“* auch belletristisch mit ihrem Leben auseinandergesetzt. 

Auch won abc hat sie in seinem Revolutions-Mural an der Martin-Luther-Straße, über das ich hier schon gebloggt habe, eingebaut. Ein passender Gedenkort, denn wenige hundert Meter Luftlinie von dort entfernt verstarb sie. Auf dem Graffiti drückt sie die Gefängnisstäbe einfach auseinander. Friedenstauben fliegen von dort heraus.

Interessanterweise verwenden sowohl Naumann als auch won abc den Mädchennamen von Sarah Sonja: Rabinowitz. Was steckt dahinter? Vielleicht soll an sie künftig nicht mehr mit dem Namen ihres Mannes erinnert werden, der sie im Stich ließ?

Erinnerungskultur wird partizipativer 

Seit 2019 ist ein Weg nach ihr in München-Neuperlach benannt. Es ist nur ein kurzes Wegchen, das in die Kurt-Eisner-Straße mündet. Thematisch passt das zusammen. 

Wenn man freilich weiß, dass die Straßenbenennung nach Eisner in den 1960er Jahren höchst umstritten war und Neuperlach noch immer nicht gerade Münchens beste Adresse ist, schmälert das die Ehrbezeugung etwas. Doch tragen auch die sozialen Medien dazu bei, dass Erinnerungskultur heute nicht mehr rein staatlich „verordnet“ wird, sondern von uns allen mitgestaltet werden kann. Diese Blogparade ist ein gutes Beispiel hierfür. Machen wir was draus!

Sarah Sonja Lerch wird auf dem Revolutionsmural in München-Giesing mit ihrem Mädchennamen Rabinowitz genannt. Sie ist die einzige Frau unter vier Männern. (Foto: Winderl)

Die Blogparade #femaleheritage geht bis 9. Dezember 2020. Zum Abschluss meines Beitrags möchte ich euch noch Literaturempfehlungen geben, wenn die Blogparade schon von einer Bibliothek ausgeht 😉

Streetart in Passau: Wie viel mehr wäre möglich?

9 Nov

Streetart und Passau, passt das zusammen? Richtig Interesse für das Thema Streetart geweckt hat bei mir die Streetart-Safari von Martin Arz im Rahmen einer Bloggerreise, über die ich hier geschrieben habe.

Gerade in Zeiten von Corona, da während des „Lockdowns light“ wieder alle Museen schließen mussten, ist Streetart auch eine tolle Möglichkeit, Kunst im öffentlichen Raum zu betrachten. Ohne Eintrittsgeld und vor allem ohne Menschenmassen.

Interview mit mir zu Streetart

Gut, dass es in München eine tolle Graffiti-Szene gibt, das kann man sich fast denken… Aber wie sieht es in kleineren Städten aus? Agnes von der Passauer Neuen Presse hat mich zu diesem Thema interviewt, weil ich glaube, dass in der Stadt Passau da noch Luft nach oben ist.

Das Thema Erinnerungskultur und Streetart wird es sogar in meine Doktorarbeit schaffen, darüber habe ich auch schon einen Vortrag gehalten.

Ich würde z. B. unter der Schanzlbrücke lieber auf farbige Graffitis als auf eintönig graue Betonklötze schauen. Dort unten gibt es auch eine öffentliche Toilette, die so verschönert werden könnte. Auch hierfür gibt es ein gelungenes Beispielprojekt aus der Landeshauptstadt, das Martin Arz hier dokumentiert hat.

Illegalge Streetart, aber ein Fotospot auf Instagram: Die bunten Mauersteine an der Innpromenade (Foto: Winderl)

Aber wie immer bei diesem Thema kriegen es manche Personen in den falschen Hals – oder wollen es in den falschen Hals bekommen. Nach meiner Definition von Streetart auf Facebook unterstellte mir ein stadtbekannter Leserbriefschreiber, dass ich für Schmierereien wie „f* Cops“ sei. (Wer mich etwas kennt, weiß, dass ich schon aufgrund meines familiären Hintergrunds solche Botschaften sicher nicht gut heißen würde!)

Illegales Graffiti wird zum Insta-Spot

Dass Streetart in Passau durchaus Fans hätte, zeigt das Beispiel des illegalen Fassadenschmucks an der Innpromenande. Dort wurde die historische Mauerstruktur mit Farbe aufgegriffen. Sicherlich kein Meisterwerk, aber dieses Mural entwickelte sich zu einem sog. „Instaspot“, heißt: hier werden viele Fotos für das soziale Netzwerk Instagram geschossen.

So einen Instaspot bräuchte Passau meine Erachtens dringend! Mobile Graffitiwände würden sich hier evtl. anbieten. Vorteil: Gefällt das Motiv nicht mehr (oder wird es verschandelt), kann es leicht ausgetauscht werden. 

Am „Auerbacher Stachus“ zaubert mir dieser Astronaut jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich an ihm vorbeifahre. Oben ist „alles geht vorbei“ zu lesen. Ein gutes Motto für die Coronazeit. (Foto: Winderl)

Passauer Hausbesitzer setzt auf Streetart als Verschönerungsmaßnahme

Am „Auerbacher Stachus“ setzt aktuell ein Hausbesitzer auf die Fassadengestaltung mit Graffiti. Zugegeben, das Hotel Geizkragen mit Nachtclub vorne raus zur Regensburger Straße ist nicht gerade DAS optische Aushängeschild Passaus. Streetart kann dort fast nichts mehr retten, aber der Astronaut zaubert mir irgendwie immer ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich an ihm vorbeifahre.

Ein Banksy ist es freilich nicht – aber eine im wahrsten Sinne des Wortes frohe und farbenfrohe Botschaft, die uns der Graffiti-Künstler zu Corona-Zeiten schenkt: Alles geht vorbei!

Das Hotel Geizkragen in Passau-Auerbach wird derzeit an allen Seiten mit Streetart aufgewertet. (Foto: Winderl)

Stadt Passau hat angeblich Probleme, Streetart-Künstler zu finden

Komisch, dass ein Unternehmer einen Streetartkünstler ausfindig machen konnte, während die Stadt Passau angeblich vergeblich nach welchen sucht! Ich glaube, dass zwischen München und Linz durchaus ein paar Talente zu finden wären. Linz setzt z. B. bei der Verpackung seiner traditionellen Linzer Torte auf Graffiti-Style und zeigt so, dass sich Tradition und Streetart keineswegs ausschließen müssen! Es gibt in Passau mit drei Flüssen so viele Brücken und damit Brückenpfeiler, die nach Farbe lechzen! Und gerade jetzt sollten wir unseren Alltag doch so bunt und fröhlich wie möglich gestalten! Zur Not müsste sich die Stadt Passau das halt auch mal etwas kosten lassen…

Auch dieses Graffiti ist illegal, aber das Motiv sagt für Passauliebhaber alles. (Foto: Winderl)

Oder was meint ihr?

Wie ist eure Meinung zum Thema „Streetart“? 

Wäre das Klohäuschen unter der Schanzlbrücke mit Streetart nicht schöner, evtl. sogar ein echter Blickfang? (Foto: Winderl)

Reaktivierung der Granitbahn in Passau

15 Aug

Mariä Himmelfahrt war für die Freunde der Granitbahn ein wichtiges Datum: Am 15. August 2020 fuhren nach 20 Jahren erstmals wieder zwei Schienenbusse in Passau.

Ingesamt drei Fahrten gab es am Eröffnungstag. Ich habe ein Teilstück der letzten Rückfahrt von der Rosenau (Innstadt) zum Hauptbahnhof Passau gefilmt. Pittoresker geht es wohl kaum!?

Die Fahrt von der Innstadt über die Eisenbahnbrücke zum Hauptbahnhof Passau dauert 14 Minuten.

Coronabedingt habe ich auf eine Mitfahrt in einem der zwei Schienenbusse verzichtet. Aber das Panorama kenne ich: Für mich ist es schon heute die schönste Bahnstrecke der Welt! Derzeit wahrscheinlich mit zweieinhalb Kilometer auch eine der kürzesten… Aber der Förderverein, Lokalbahn Hauzenberg, plant die Reaktivierung der gesamten Strecke der Granitbahn bis 2022. Dann soll man wieder von Passau bis Hauzenberg fahren können (und natürlich retour).

Bei der Jungfernfahrt tags zuvor war keines der mittlerweile vier Stadtoberhäupter anwesend. Und einige Anwohner hegen große Skepsis gegenüber der reaktivierten Bahnstrecke. Auf Instagram haben sie hierfür sogar einen eigenen Account, granitbahn_skeptiker, angelegt.

Ich meine, in anderen Städten wäre man stolz auf eine solche Attraktion! Zwar wohne ich nicht in der Innstadt, aber ich wäre froh über diese Alternative auf der Schiene. Wenn sich wieder der Verkehr auf der Innbrücke staut und sich die Schienenbusse gemächlich, aber konsequent ihren Weg zum Hauptbahnhof bahnen.

Freilich ist ein regelmäßiger Fahrplan der Granitbahn noch Zukunftsmusik… Aber die Reaktivierung der Teilstrecke ist schon mal ein Anfang! Haben wir jetzt eben eine Stadtbahn! Glückwunsch an die Bahnfreunde!

P. S.: Die Granitbahn wäre was für meine Sketchnotes-Postkarte gewesen! Für den Blog des Stadtführer-Vereins habe ich meine Postkarte vom #UrlaubDahoam allerdings schon vorher gezeichnet. Wer macht mit?

Als Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung für euch vor Ort in Niederbayern!

23 Jul

Servus,

heute möchte ich meinen Blog als „Werbefläche“ nutzen für ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: Die politische Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS). Auf meinem Blog habe ich schon öfter über Veranstaltungen der HSS geschrieben, da ich mich als Stipendiatin von der hohen Qualität ihrer Arbeit – auch in internationalen Projekten – überzeugen durfte.
Mein Name ist Teresa Winderl. Ich bin in Passau aufgewachsen, mehr Infos über mich gibt es hier auf der Seite „About“.

Aber was macht eigentlich eine politische Stiftung? 

Jede Partei in Deutschland hat eine eigene Stiftung – die HSS steht der CSU nahe. Hanns Seidel war übrigens der erste bayerische Ministerpräsident, der in einer Koalition regierte.

Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung Kloster Banz.
Kloster Banz, das Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung ist wunderschön… Aber von Niederbayern etwas weit weg, deswegen bin ich als Regionalbeauftragte in der Region tätig. Foto: Privat.

Das heißt jedoch nicht, dass man bei Veranstaltungen politischer Stiftungen indoktriniert wird. Es gilt das sog. Distanzgebot. Bei der HSS finden sich jedoch Themen, die dem christlichen und sozialen Menschenbild entsprechen.

Ich freue mich, dass ich als Regionalbeauftragte für Passau Stadt und Land und Freyung-Grafenau ein Teil der HSS sein darf.
Daneben bin ich auch selbst als Dozentin für die Stiftung tätig. Meine Themen reichen über den richtigen Auftritt in Social Media, veränderte Erinnerungskultur mittels Graffiti bis hin zu „klassischen“ historischen Themen.

Kooperationspartner für HSS-Veranstaltungen gesucht

Falls Sie Lehrer oder Vorsitzender eines Vereins sind und Veranstaltungen für Ihre Schulfamilie, Ihre Mitglieder abhalten wollen, wenden Sie sich gerne an mich!

Auch wer sich für ein Stipendium der HSS interessiert, darf sich gerne bei mir melden. Als Regionalbeauftragte bin ich die erste Ansprechpartnerin für Sie in der o. g. Region, was die Stiftungsarbeit anbelangt! Quasi eine Art Botschafterin für die HSS-Niederlassung in München. (Alle anderen politischen Stiftungen haben ihre Hauptniederlassungen übrigens in Berlin. Die HSS ist dort mit einem Büro vertreten.)

Das Bildungszentrum der HSS, Kloster Banz in Oberfranken, ist für Niederbayern nicht der nächste Weg…

Um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die Arbeit der HSS vorstellen zu können, bin ich auf der Suche nach Kooperationspartnern mit denen die HSS zusammen Vorträge und Seminare hier vor Ort organisieren kann. Diese Veranstaltungen sind sowohl für Sie als Kooperationspartner (z. B. Schule oder Verein) als auch Teilnehmer kostenlos.

Europa als Schwerpunkt in der Drei-Länder-Region

Das Aufwachsen in einer Grenzstadt wie Passau hat mich geprägt: Europa ist hier nicht nur ein Konstrukt, sondern wird praktisch im Alltag gelebt – die Grenze nach Österreich befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Auch Tschechien ist nur eine kurze Autofahrt weit entfernt. 

Während der Coronakrise merkten wir leider wieder schmerzlich, dass unsere Heimat Grenzen hat – diese in den Köpfen abzubauen, dazu möchte ich mit meiner Arbeit als Regionalbeauftragte einen Beitrag leisten. Einen Schwerpunkt bei meiner Arbeit möchte ich daher auf den Themenkomplex Europa legen. Auftakt hierfür war zur Europawahl 2019 eine Schifffahrt auf der Donau – dem europäischten aller Flüsse. Im Anschluss zeigten Prof. Heydenreuter und ich den Gästen aus ganz Bayern die europäischen Facetten Passau. (Passauer Neue Presse berichtete am …)

Wenn Sie von solchen Veranstaltungen in der Region künftig erfahren wollen, schicken Sie mir Ihre E-Mailadresse. Auch für Ideen und Anregungen bin ich jederzeit offen! 

Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren – ich bin gerne im Einsatz für Frieden, Demokratie und Entwicklung 😉 So lautet das Motto der HSS.

Mia für Taufik: CSU-Mitglied droht Abschiebung trotz Lehrplatz

16 Jun

Irgendwann war er im Kommunal-Wahlkampf einfach dabei, obwohl er gar nicht in Passau wohnt. Taufik wollte helfen, weil er das gerne tut. Der 21-jährige ist in Afghanistan geboren, aber Niederbayern ist ihm zur Heimat geworden. Jetzt soll er abgeschoben werden und versteht die Welt nicht mehr. 

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Etwas witzig klingt es schon, wenn Taufik mit seinem Akzent bayerisch spricht, aber es zeigt, wie sehr er sich mit der Region verbunden fühlt: „Ich bin bei der Feierwehr in Rudating aktiv“ – seine Feuerwehr-Kameraden waren auch die ersten, die sich gegen seine Abschiebung engagierten. Ihr Post auf Facebook wurde über 900 Mal geteilt, weil Taufik einfach ein beliebter Kerl ist.

Da wollten wir in der „Stadt“ natürlich nicht hinten anstehen. Georg Steiner, der unterlegene OB-Kandidat der Passauer CSU, holte Freunde und Wahlkampfgefährten zusammen, um ein Foto zu machen, das die Solidarität mit Taufik zeigen soll. U. a. war der Kreisvorsitzende der CSU-Passau, Prof. Holm Putzke, dabei. Eine Demo oder Ähnliches wollte Taufik nicht – wegen Corona. Denn das haben wir noch nicht überwunden, sagt er. Taufik, dessen Name eigentlich Taufighulla lautet, hält sich an Regeln. 

Ihm ist wichtig, dass er „dem Staat nicht auf der Tasche liegt“ – wie er es selbst formuliert. Nach dem Hauptschulabschluss, den der 21-Jährige besteht, obwohl er erst in Deutschland lesen und schreiben gelernt hat, beginnt er eine Lehre als Schreiner. 

Taufik möchte in fünf Jahren selbst für ein politisches Amt kandidieren

Taufik ist engagiert in den sozialen Netzwerken unterwegs. Einmal stellt er ein Herz aus Holz auf Instagram ein und ich frage ihn, ob er das selbst gemacht hat. „Ich kann dir auch eins machen“, antwortet er auf meine Frage. 

Er war auch bereit, ein Unterstützer-Video für Georg Steiner mit mir aufzunehmen. Es berührte mich, weil er der Einzige der Gefilmten war, der in einem Land lebte, in dem es keine Demokratie gibt. Deswegen rief er dazu auf, zur Wahl zu gehen. Nach dem Video sage ich zu ihm: „In fünf Jahren kandidierst du selbst“. Das würde Taufik gern. Er weiß, welch hohes Gut unsere Demokratie ist. Er ist Mitglied in der CSU, einer Partei, die nicht als größte Fürsprecherin für Flüchtlinge gilt. „Die sollen die abschieben, die vergewaltigen und nicht arbeiten – nicht mich“ – mit dieser Aussage trifft er wohl die Meinung vieler CSU-Mitglieder. 

Mein Lettern hielten wir für das Unterstützter-Foto in die Kamera.

Taliban ermordeten seine Familie in Afghanistan

Mit 15 Jahren begab sich Taufik auf die Flucht, die er zum größten Teil zu Fuß zurücklegte: Seine leibliche Familie haben die Taliban in Afghanistan getötet. Hier in Ruderting hat er eine neue Familie gefunden. 

Soll es das gewesen sein?

Nach fünf Jahren in Niederbayern ist Taufik hier heimisch geworden und ein Vorbild für Integration, wenn er sich für neuangekommene Flüchtlinge engagiert. Fußball spielt er übrigens auch noch, nur Ministrant ist er nicht – wenn es nach seinem Parteikollegen Andi Scheuer geht, dürfte Taufiks Abschiebung also eigentlich gar nicht mehr möglich sein 😉

Beim Fototermin am vergangenen Samstag fällt der Feuerwehrpiepser ins Auge, den er an der schwarzen Stoffhose befestigt hat. Die Hemdsärmel hat er hochgekrempelt und gestikuliert mit den angewinkelten Armen beim Reden wie ein Jung-Politiker. Auf seiner Maske sind die Umrisse von Bayern abgebildet. Der Slogan „Mia für Taufik“ fiel mir für unsere Aktion spontan am Samstagmorgen ein. Schnell habe ich ihn am Vormittag gelettert, damit ihn am Nachmittag jeder in die Kamera zeigen konnte. Und passender hätte der Slogan wohl nicht ausfallen können! 

Und ich freu mich riesig, dass die Feuerwehr Ruderting daraus einen Profilfoto-Rahmen für Facebook erstellt hat. Denn die Botschaft soll möglichst viele erreichen: Dieser junge, engagierte Neu-Bayer darf nicht abgeschoben werden!

Der Name Taufigullah bedeutet „Erfolg“ – ich wünsche Taufik, wie ihn der Niederbayer der Einfachheit halber nennt, ganz viel Erfolg, dass er seine Zukunft in Bayern verbringen wird können!