Blogparade #Femaleheritage: Sarah Sonja Lerch – Wegbereiterin des Freistaats

13 Nov

Das Thema „Erinnerungskultur“ beschäftigt mich seit Jahren, da es Gegenstand meiner Doktorarbeit ist – an der ich jetzt eigentlich arbeiten und nicht für die Blogparade „Femaleheritage“ der Monacensia schreiben sollte. Aber wenn Tanja zur Blogparade aufruft, ist es quasi Ehrensache, dass ich mich beteilige. Und eigentlich ist die Frau, die ich euch heute vorstellen möchte, Teil meiner Diss. Aber eben nur ein ganz kleiner – eine Randnotiz, sprichwörtlich eine Fußnote der Geschichte. Da ist der Blogpost quasi so etwas wie die Erweiterung meiner Doktorarbeit.

Friedensaktivistin an der Seite Kurt Eisners

Sarah Sonja Lerch geb. Rabinowitz war ihr Name. Maßgeblich hat sie durch ihr mutiges Auftreten dafür gesorgt, dass Kurt Eisner im November 1918 Bayern zum Freistaat machen konnte. Nun ist aber schon Kurt Eisner nicht der größte Gewinner der bayerischen Erinnerungskultur (darüber lest ihr aber dann in meiner Diss). Und eine jüdische Frau aus Osteuropa war es noch viel weniger!

Sarah Sonja Lerch war im sog. Januarstreik aktiv, der im Januar 1918 stattfand. Im letzten Kriegswinter wurde deutschlandweit versucht, die Arbeiter in den Rüstungsbetrieben zum Streik zu bewegen. Die Idee dahinter: Wird kein Nachschub für die Front mehr produziert, kommt es zum Frieden. 

In München rief neben Kurt Eisner u. a. Sarah Sonja zum Streik auf, bei den Versammlungen ergriff sie auch selbst das Wort und wollte die Arbeiter von ihrer Friedensidee überzeugen. Beide wurden sie für die Organisation der Streiks eingesperrt – Anklage: Landesverrat, mit einem Unterschied:

Kurt Eisner kam im November 1918 aus der Haft frei, weil er sich für ein Reichtagsmandat bewarb. Gut, recht lange überlebte er die Haft nicht, da er im Februar 1919 ermordet wurde.

Auf dem Graffiti von won abc an der Martin-Luther-Straße in Giesing ist Sarah Sonja Lerch geb. Rabinowitz neben Kurt Eisner dargestellt. Das Foto entstand, als noch am Mural mit Krahn gearbeitet wurde. (Foto: Winderl)

Beging sie Selbstmord oder wurde sie ermordet?

Doch Sarah Sonja Lerch verstarb bereits während der Haft im März 1918. Bis heute ist nicht geklärt, ob sie Selbstmord beging oder ermordet wurde. 

Ihr Mann – ein Uni-Dozent (sie selbst war übrigens auch promoviert) – hatte sich von ihr distanziert, Zahnschmerzen blieben unbehandelt… Es gab genug Gründe für sie, im Gefängnis zu verzweifeln.

Doch war es nicht die erste politische Aktion, an der Sarah Sonja Lerch sich beteiligt hatte. Schon in ihrer Heimatstadt Warschau und später in der ersten russischen Revolution von 1905 in Odessa war sie politisch aktiv gewesen. 

In einer Zeit, in der Frauen noch nicht einmal das Wahlrecht hatten, setzte sie sich für grundlegende Veränderungen der Gesellschaft ein und nahm dafür enorme persönliche Nachteile in Kauf. Das finde ich beeindruckend! 

Sie muss eine mutige Frau gewesen sein, denn letztendlich bezahlte sie ihr politisches Engagement mit ihrem Leben. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen, das die Revolution von 1918 mit sich brachte, durfte sie nicht einmal erleben.

Wiederentdeckt von einer Frau

Es freut mich daher, dass Sarah Sonja Lerch im Zuge der 100-Jahrfeier der Revolution ein Stück weit wiederentdeckt wurde:

Zu verdanken ist das einer Frau – bei #femaleheritage sei das einfach mal erwähnt: Cornelia Naumann hat aus den wenigen Quellen über Sarah Sonja Lerch deren Lebenslauf erforscht und sich im Roman „Der Abend kommt so schnell“* auch belletristisch mit ihrem Leben auseinandergesetzt. 

Auch won abc hat sie in seinem Revolutions-Mural an der Martin-Luther-Straße, über das ich hier schon gebloggt habe, eingebaut. Ein passender Gedenkort, denn wenige hundert Meter Luftlinie von dort entfernt verstarb sie. Auf dem Graffiti drückt sie die Gefängnisstäbe einfach auseinander. Friedenstauben fliegen von dort heraus.

Interessanterweise verwenden sowohl Naumann als auch won abc den Mädchennamen von Sarah Sonja: Rabinowitz. Was steckt dahinter? Vielleicht soll an sie künftig nicht mehr mit dem Namen ihres Mannes erinnert werden, der sie im Stich ließ?

Erinnerungskultur wird partizipativer 

Seit 2019 ist ein Weg nach ihr in München-Neuperlach benannt. Es ist nur ein kurzes Wegchen, das in die Kurt-Eisner-Straße mündet. Thematisch passt das zusammen. 

Wenn man freilich weiß, dass die Straßenbenennung nach Eisner in den 1960er Jahren höchst umstritten war und Neuperlach noch immer nicht gerade Münchens beste Adresse ist, schmälert das die Ehrbezeugung etwas. Doch tragen auch die sozialen Medien dazu bei, dass Erinnerungskultur heute nicht mehr rein staatlich „verordnet“ wird, sondern von uns allen mitgestaltet werden kann. Diese Blogparade ist ein gutes Beispiel hierfür. Machen wir was draus!

Sarah Sonja Lerch wird auf dem Revolutionsmural in München-Giesing mit ihrem Mädchennamen Rabinowitz genannt. Sie ist die einzige Frau unter vier Männern. (Foto: Winderl)

Die Blogparade #femaleheritage geht bis 9. Dezember 2020. Zum Abschluss meines Beitrags möchte ich euch noch Literaturempfehlungen geben, wenn die Blogparade schon von einer Bibliothek ausgeht 😉

Streetart in Passau: Wie viel mehr wäre möglich?

9 Nov

Streetart und Passau, passt das zusammen? Richtig Interesse für das Thema Streetart geweckt hat bei mir die Streetart-Safari von Martin Arz im Rahmen einer Bloggerreise, über die ich hier geschrieben habe.

Gerade in Zeiten von Corona, da während des „Lockdowns light“ wieder alle Museen schließen mussten, ist Streetart auch eine tolle Möglichkeit, Kunst im öffentlichen Raum zu betrachten. Ohne Eintrittsgeld und vor allem ohne Menschenmassen.

Interview mit mir zu Streetart

Gut, dass es in München eine tolle Graffiti-Szene gibt, das kann man sich fast denken… Aber wie sieht es in kleineren Städten aus? Agnes von der Passauer Neuen Presse hat mich zu diesem Thema interviewt, weil ich glaube, dass in der Stadt Passau da noch Luft nach oben ist.

Das Thema Erinnerungskultur und Streetart wird es sogar in meine Doktorarbeit schaffen, darüber habe ich auch schon einen Vortrag gehalten.

Ich würde z. B. unter der Schanzlbrücke lieber auf farbige Graffitis als auf eintönig graue Betonklötze schauen. Dort unten gibt es auch eine öffentliche Toilette, die so verschönert werden könnte. Auch hierfür gibt es ein gelungenes Beispielprojekt aus der Landeshauptstadt, das Martin Arz hier dokumentiert hat.

Illegalge Streetart, aber ein Fotospot auf Instagram: Die bunten Mauersteine an der Innpromenade (Foto: Winderl)

Aber wie immer bei diesem Thema kriegen es manche Personen in den falschen Hals – oder wollen es in den falschen Hals bekommen. Nach meiner Definition von Streetart auf Facebook unterstellte mir ein stadtbekannter Leserbriefschreiber, dass ich für Schmierereien wie „f* Cops“ sei. (Wer mich etwas kennt, weiß, dass ich schon aufgrund meines familiären Hintergrunds solche Botschaften sicher nicht gut heißen würde!)

Illegales Graffiti wird zum Insta-Spot

Dass Streetart in Passau durchaus Fans hätte, zeigt das Beispiel des illegalen Fassadenschmucks an der Innpromenande. Dort wurde die historische Mauerstruktur mit Farbe aufgegriffen. Sicherlich kein Meisterwerk, aber dieses Mural entwickelte sich zu einem sog. „Instaspot“, heißt: hier werden viele Fotos für das soziale Netzwerk Instagram geschossen.

So einen Instaspot bräuchte Passau meine Erachtens dringend! Mobile Graffitiwände würden sich hier evtl. anbieten. Vorteil: Gefällt das Motiv nicht mehr (oder wird es verschandelt), kann es leicht ausgetauscht werden. 

Am „Auerbacher Stachus“ zaubert mir dieser Astronaut jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich an ihm vorbeifahre. Oben ist „alles geht vorbei“ zu lesen. Ein gutes Motto für die Coronazeit. (Foto: Winderl)

Passauer Hausbesitzer setzt auf Streetart als Verschönerungsmaßnahme

Am „Auerbacher Stachus“ setzt aktuell ein Hausbesitzer auf die Fassadengestaltung mit Graffiti. Zugegeben, das Hotel Geizkragen mit Nachtclub vorne raus zur Regensburger Straße ist nicht gerade DAS optische Aushängeschild Passaus. Streetart kann dort fast nichts mehr retten, aber der Astronaut zaubert mir irgendwie immer ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich an ihm vorbeifahre.

Ein Banksy ist es freilich nicht – aber eine im wahrsten Sinne des Wortes frohe und farbenfrohe Botschaft, die uns der Graffiti-Künstler zu Corona-Zeiten schenkt: Alles geht vorbei!

Das Hotel Geizkragen in Passau-Auerbach wird derzeit an allen Seiten mit Streetart aufgewertet. (Foto: Winderl)

Stadt Passau hat angeblich Probleme, Streetart-Künstler zu finden

Komisch, dass ein Unternehmer einen Streetartkünstler ausfindig machen konnte, während die Stadt Passau angeblich vergeblich nach welchen sucht! Ich glaube, dass zwischen München und Linz durchaus ein paar Talente zu finden wären. Linz setzt z. B. bei der Verpackung seiner traditionellen Linzer Torte auf Graffiti-Style und zeigt so, dass sich Tradition und Streetart keineswegs ausschließen müssen! Es gibt in Passau mit drei Flüssen so viele Brücken und damit Brückenpfeiler, die nach Farbe lechzen! Und gerade jetzt sollten wir unseren Alltag doch so bunt und fröhlich wie möglich gestalten! Zur Not müsste sich die Stadt Passau das halt auch mal etwas kosten lassen…

Auch dieses Graffiti ist illegal, aber das Motiv sagt für Passauliebhaber alles. (Foto: Winderl)

Oder was meint ihr?

Wie ist eure Meinung zum Thema „Streetart“? 

Wäre das Klohäuschen unter der Schanzlbrücke mit Streetart nicht schöner, evtl. sogar ein echter Blickfang? (Foto: Winderl)

Reaktivierung der Granitbahn in Passau

15 Aug

Mariä Himmelfahrt war für die Freunde der Granitbahn ein wichtiges Datum: Am 15. August 2020 fuhren nach 20 Jahren erstmals wieder zwei Schienenbusse in Passau.

Ingesamt drei Fahrten gab es am Eröffnungstag. Ich habe ein Teilstück der letzten Rückfahrt von der Rosenau (Innstadt) zum Hauptbahnhof Passau gefilmt. Pittoresker geht es wohl kaum!?

Die Fahrt von der Innstadt über die Eisenbahnbrücke zum Hauptbahnhof Passau dauert 14 Minuten.

Coronabedingt habe ich auf eine Mitfahrt in einem der zwei Schienenbusse verzichtet. Aber das Panorama kenne ich: Für mich ist es schon heute die schönste Bahnstrecke der Welt! Derzeit wahrscheinlich mit zweieinhalb Kilometer auch eine der kürzesten… Aber der Förderverein, Lokalbahn Hauzenberg, plant die Reaktivierung der gesamten Strecke der Granitbahn bis 2022. Dann soll man wieder von Passau bis Hauzenberg fahren können (und natürlich retour).

Bei der Jungfernfahrt tags zuvor war keines der mittlerweile vier Stadtoberhäupter anwesend. Und einige Anwohner hegen große Skepsis gegenüber der reaktivierten Bahnstrecke. Auf Instagram haben sie hierfür sogar einen eigenen Account, granitbahn_skeptiker, angelegt.

Ich meine, in anderen Städten wäre man stolz auf eine solche Attraktion! Zwar wohne ich nicht in der Innstadt, aber ich wäre froh über diese Alternative auf der Schiene. Wenn sich wieder der Verkehr auf der Innbrücke staut und sich die Schienenbusse gemächlich, aber konsequent ihren Weg zum Hauptbahnhof bahnen.

Freilich ist ein regelmäßiger Fahrplan der Granitbahn noch Zukunftsmusik… Aber die Reaktivierung der Teilstrecke ist schon mal ein Anfang! Haben wir jetzt eben eine Stadtbahn! Glückwunsch an die Bahnfreunde!

P. S.: Die Granitbahn wäre was für meine Sketchnotes-Postkarte gewesen! Für den Blog des Stadtführer-Vereins habe ich meine Postkarte vom #UrlaubDahoam allerdings schon vorher gezeichnet. Wer macht mit?

Als Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung für euch vor Ort in Niederbayern!

23 Jul

Servus,

heute möchte ich meinen Blog als „Werbefläche“ nutzen für ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: Die politische Bildungsarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS). Auf meinem Blog habe ich schon öfter über Veranstaltungen der HSS geschrieben, da ich mich als Stipendiatin von der hohen Qualität ihrer Arbeit – auch in internationalen Projekten – überzeugen durfte.
Mein Name ist Teresa Winderl. Ich bin in Passau aufgewachsen, mehr Infos über mich gibt es hier auf der Seite „About“.

Aber was macht eigentlich eine politische Stiftung? 

Jede Partei in Deutschland hat eine eigene Stiftung – die HSS steht der CSU nahe. Hanns Seidel war übrigens der erste bayerische Ministerpräsident, der in einer Koalition regierte.

Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung Kloster Banz.
Kloster Banz, das Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung ist wunderschön… Aber von Niederbayern etwas weit weg, deswegen bin ich als Regionalbeauftragte in der Region tätig. Foto: Privat.

Das heißt jedoch nicht, dass man bei Veranstaltungen politischer Stiftungen indoktriniert wird. Es gilt das sog. Distanzgebot. Bei der HSS finden sich jedoch Themen, die dem christlichen und sozialen Menschenbild entsprechen.

Ich freue mich, dass ich als Regionalbeauftragte für Passau Stadt und Land und Freyung-Grafenau ein Teil der HSS sein darf. Daneben bin ich auch als Referentin für die Stiftung tätig. Meine Themen reichen über den richtigen Auftritt in Social Media, veränderte Erinnerungskultur mittels Graffiti bis hin zu „klassischen“ historischen Themen.

Kooperationspartner für HSS-Veranstaltungen gesucht

Falls Sie Lehrer oder Vorsitzender eines Vereins sind und Veranstaltungen für Ihre Schulfamilie, Ihre Mitglieder abhalten wollen, wenden Sie sich gerne an mich!

Auch wer sich für ein Stipendium der HSS interessiert, darf sich gerne bei mir melden. Als Regionalbeauftragte bin ich die erste Ansprechpartnerin für Sie in der o. g. Region, was die Stiftungsarbeit anbelangt! Quasi eine Art Botschafterin für die HSS-Niederlassung in München. (Alle anderen politischen Stiftungen haben ihre Hauptniederlassungen übrigens in Berlin. Die HSS ist dort mit einem Büro vertreten.)

Das Bildungszentrum der HSS, Kloster Banz in Oberfranken, ist für Niederbayern nicht der nächste Weg…

Um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger die Arbeit der HSS vorstellen zu können, bin ich auf der Suche nach Kooperationspartnern mit denen die HSS zusammen Vorträge und Seminare hier vor Ort organisieren kann. Diese Veranstaltungen sind sowohl für Sie als Kooperationspartner (z. B. Schule oder Verein) als auch Teilnehmer kostenlos.

Europa als Schwerpunkt in der Drei-Länder-Region

Das Aufwachsen in einer Grenzstadt wie Passau hat mich geprägt: Europa ist hier nicht nur ein Konstrukt, sondern wird praktisch im Alltag gelebt – die Grenze nach Österreich befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Auch Tschechien ist nur eine kurze Autofahrt weit entfernt. 

Während der Coronakrise merkten wir leider wieder schmerzlich, dass unsere Heimat Grenzen hat – diese in den Köpfen abzubauen, dazu möchte ich mit meiner Arbeit als Regionalbeauftragte einen Beitrag leisten. Einen Schwerpunkt bei meiner Arbeit möchte ich daher auf den Themenkomplex Europa legen. Auftakt hierfür war zur Europawahl 2019 eine Schifffahrt auf der Donau – dem europäischten aller Flüsse. Im Anschluss zeigten Prof. Heydenreuter und ich den Gästen aus ganz Bayern die europäischen Facetten Passau. (Passauer Neue Presse berichtete am …)

Wenn Sie von solchen Veranstaltungen in der Region künftig erfahren wollen, schicken Sie mir Ihre E-Mailadresse. Auch für Ideen und Anregungen bin ich jederzeit offen! 

Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren – ich bin gerne im Einsatz für Frieden, Demokratie und Entwicklung 😉 So lautet das Motto der HSS.

Mia für Taufik: CSU-Mitglied droht Abschiebung trotz Lehrplatz

16 Jun

Irgendwann war er im Kommunal-Wahlkampf einfach dabei, obwohl er gar nicht in Passau wohnt. Taufik wollte helfen, weil er das gerne tut. Der 21-jährige ist in Afghanistan geboren, aber Niederbayern ist ihm zur Heimat geworden. Jetzt soll er abgeschoben werden und versteht die Welt nicht mehr. 

//www.instagram.com/embed.js

Etwas witzig klingt es schon, wenn Taufik mit seinem Akzent bayerisch spricht, aber es zeigt, wie sehr er sich mit der Region verbunden fühlt: „Ich bin bei der Feierwehr in Rudating aktiv“ – seine Feuerwehr-Kameraden waren auch die ersten, die sich gegen seine Abschiebung engagierten. Ihr Post auf Facebook wurde über 900 Mal geteilt, weil Taufik einfach ein beliebter Kerl ist.

Da wollten wir in der „Stadt“ natürlich nicht hinten anstehen. Georg Steiner, der unterlegene OB-Kandidat der Passauer CSU, holte Freunde und Wahlkampfgefährten zusammen, um ein Foto zu machen, das die Solidarität mit Taufik zeigen soll. U. a. war der Kreisvorsitzende der CSU-Passau, Prof. Holm Putzke, dabei. Eine Demo oder Ähnliches wollte Taufik nicht – wegen Corona. Denn das haben wir noch nicht überwunden, sagt er. Taufik, dessen Name eigentlich Taufighulla lautet, hält sich an Regeln. 

Ihm ist wichtig, dass er „dem Staat nicht auf der Tasche liegt“ – wie er es selbst formuliert. Nach dem Hauptschulabschluss, den der 21-Jährige besteht, obwohl er erst in Deutschland lesen und schreiben gelernt hat, beginnt er eine Lehre als Schreiner. 

Taufik möchte in fünf Jahren selbst für ein politisches Amt kandidieren

Taufik ist engagiert in den sozialen Netzwerken unterwegs. Einmal stellt er ein Herz aus Holz auf Instagram ein und ich frage ihn, ob er das selbst gemacht hat. „Ich kann dir auch eins machen“, antwortet er auf meine Frage. 

Er war auch bereit, ein Unterstützer-Video für Georg Steiner mit mir aufzunehmen. Es berührte mich, weil er der Einzige der Gefilmten war, der in einem Land lebte, in dem es keine Demokratie gibt. Deswegen rief er dazu auf, zur Wahl zu gehen. Nach dem Video sage ich zu ihm: „In fünf Jahren kandidierst du selbst“. Das würde Taufik gern. Er weiß, welch hohes Gut unsere Demokratie ist. Er ist Mitglied in der CSU, einer Partei, die nicht als größte Fürsprecherin für Flüchtlinge gilt. „Die sollen die abschieben, die vergewaltigen und nicht arbeiten – nicht mich“ – mit dieser Aussage trifft er wohl die Meinung vieler CSU-Mitglieder. 

Mein Lettern hielten wir für das Unterstützter-Foto in die Kamera.

Taliban ermordeten seine Familie in Afghanistan

Mit 15 Jahren begab sich Taufik auf die Flucht, die er zum größten Teil zu Fuß zurücklegte: Seine leibliche Familie haben die Taliban in Afghanistan getötet. Hier in Ruderting hat er eine neue Familie gefunden. 

Soll es das gewesen sein?

Nach fünf Jahren in Niederbayern ist Taufik hier heimisch geworden und ein Vorbild für Integration, wenn er sich für neuangekommene Flüchtlinge engagiert. Fußball spielt er übrigens auch noch, nur Ministrant ist er nicht – wenn es nach seinem Parteikollegen Andi Scheuer geht, dürfte Taufiks Abschiebung also eigentlich gar nicht mehr möglich sein 😉

Beim Fototermin am vergangenen Samstag fällt der Feuerwehrpiepser ins Auge, den er an der schwarzen Stoffhose befestigt hat. Die Hemdsärmel hat er hochgekrempelt und gestikuliert mit den angewinkelten Armen beim Reden wie ein Jung-Politiker. Auf seiner Maske sind die Umrisse von Bayern abgebildet. Der Slogan „Mia für Taufik“ fiel mir für unsere Aktion spontan am Samstagmorgen ein. Schnell habe ich ihn am Vormittag gelettert, damit ihn am Nachmittag jeder in die Kamera zeigen konnte. Und passender hätte der Slogan wohl nicht ausfallen können! 

Und ich freu mich riesig, dass die Feuerwehr Ruderting daraus einen Profilfoto-Rahmen für Facebook erstellt hat. Denn die Botschaft soll möglichst viele erreichen: Dieser junge, engagierte Neu-Bayer darf nicht abgeschoben werden!

Der Name Taufigullah bedeutet „Erfolg“ – ich wünsche Taufik, wie ihn der Niederbayer der Einfachheit halber nennt, ganz viel Erfolg, dass er seine Zukunft in Bayern verbringen wird können! 

Jahrhundertereignis: Schwarze Madonna von Altötting im Mai 2019 in Passau

12 Mai

Es war ein Jahrhundertereignis: Bischof Dr. Stefan Oster segnete am 30. Mai 2019 die Gläubigen mit dem Gnadenbild von Altötting im Passauer …

Jahrhundertereignis: Schwarze Madonna von Altötting im Mai 2019 in Passau

Mittels YouTube Stadtführungen ins Wohnzimmer bringen

27 Apr

Ja, mit meinem Job als Stadtführerin verdiene ich im Moment kein Geld. Das wird wohl auch noch einige Zeit anhalten, denn selbst wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben sind, werden die Touristen nicht scharenweise nach Passau strömen….

Aber rumsitzen und jammern war noch nie so mein Ding. Deswegen habe ich -zusammen mit dem Passauer Stadtführer e. V. – ein Projekt initiiert. YouTube-Videos sollen die Stadtführung nach Hause bringen. (Die Passauer Neue Presse berichtete darüber am 24. April 2020.)

Digitalisierung als Chance in der Krise um im Gespräch zu bleiben

Print wirkt doch noch – oder zusätzlich. Die Abozahlen gingen nach dem Artikel über die Digital-Initiative der Stadtführer nach oben.

Was das bringt, könntet ihr jetzt fragen? Mit den YouTube-Videos verdienen die Stadtführer ja auch kein Geld.

Nun, das ist richtig. Auch mit der Präsenz des Stadtführer-Vereins in den sozialen Netzwerken, die übrigens auch hauptsächlich von mir betreut werden, steckt eine Menge ehrenamtliche Arbeit drin! Verdient ist damit zunächst nichts…

Aber auf den zweiten Blick hoffe ich, dass wir Stadtführer uns langfristig eine neue Zielgruppe erschließen können. 140 Mitglieder haben wir aktuell und die meisten haben in einer Fremdsprache geführt. Denn gerade die einheimische Bevölkerung, die Passauer, waren bisher an Stadtführungen nicht so sehr interessiert.

Aber weiß man wirklich alles über seine Heimat? Als Historikerin, die hier aufgewachsen ist, kann ich das verneinen – für die Stadtführer-Prüfung durfte auch ich so einiges büffeln. Und habe dabei so viele interessante Nebenkapitel in der Stadtgeschichte entdeckt.

Kerngeschäft verschenkt man dadurch nicht

Beim Weltgästeführertag widmeten wir Stadtführer uns bisher solchen Nebenkapiteln. Eine Standard-Stadtführung wird euch in den YouTube-Videos nicht erwarten, eher Spezial- oder Bonuswissen. Denn jeder der 140 Mitglieder hat ein anderes Steckenpferd. Und durch unseren starken Social-Media-Auftritt könnt ihr gar nicht mehr anders, als nach Corona eine Stadtführung bei uns zu buchen 😉 Vielleicht auch bei dem- oder derjenigen direkt, die ihr Spezialthema schon mit so viel Herzblut (gratis) euch vermittelt hat. 

In Folge 1 erzähle euch etwas über die hl. Corona (aktuell kann man mit solchem Wissen garantiert bei jeder Zoom-Party glänzen ;), später auch noch über die Krankenhauskapelle. Das Museum Moderner Kunst ist momentan ja auch geschlossen, die Wörlen-Retrospektive in den Ausstellungsräumen verwaist. Die Ausmalungen in der Krankenhauskapelle stammen von Georg Philipp Wörlen – vielleicht ergeben sich in der Krisenzeit auch hier Synergien zwischen Stadtführer und MMK!

Aber je nachdem wie lange die Krise noch andauert, habe ich auch noch andere Themen in der Pipeline – ich lasse aber natürlich auch meine Kollegen ran, die teilweise schon Jahrzehnte durch Passau führen! Annemarie Schmöller zum Beispiel, die seinerzeit die anspruchsvolle Stadtführer-Prüfung mit null Fehlern ablegte und eine Ilzstädterin ist, wird euch kommende Woche über das Niederhaus berichten.

Wenn ihr keine Folge unserer „Stadtführungen Dahoam“ verpassen wollt, abonniert die PaStev-Kanäle auf Facebook, Instagram und YouTube! Und bitte teilt oder verschickt unsere Beiträge. Nur so können wir möglichst viele Menschen und potentielle Gäste erreichen – Danke für eure Unterstützung!

Netflix-Serie „Unorthodox“ im echten Leben: Mein Besuch in Mea Shearim

15 Apr

Auf Netflix boomt gerade die Serie „Unorthodox“, eine Mini-Serie über eine orthodoxe Jüdin, die den „Ausstieg“ aus ihrem konservativen Leben schafft. Als Mitglied der DIG beobachte ich natürlich auch die Diskussion darüber, ob die Serie antisemitisch sei.

Als Alltagssprache ist Jiddisch selten geworden – besonders noch bei ultra orthodoxen Juden verbreitet, die zum Beispiel in Jerusalem im Stadtteil Mea Shearim leben. Und weil mich das Erscheinungsbild der orthodoxen Juden seit meiner Landung im Ben Gurion Airport in Tel Aviv besonders beeindruckte, wagte ich mich gleich während meines ersten Besuchs im Heiligen Land (im Oktober 2018) in diesen Stadtteil. Und ich dachte mir, da wir im Moment nicht reisen können, wäre es nett, diese meine Erinnerungen mit euch zu teilen!

Serie basiert auf Autobiografie

Zum Glück war ein Jerusalem-Kenner bei unserer Jufo-Reisegruppe dabei, der arg Bauchweh hatte, mit mir und meinen Freunden Mea Shearim zu betreten… 

Schilder weisen darauf hin: Mea Shearim soll man nur in sittsamer Kleidung betreten. Handy und orthodox sein passt zusammen. (Foto: Winderl)

Aber wenn ich mir etwas in meinen Kopf gesetzt habe… An unseren Ausflug in diese andere Welt erinnerte ich mich, als ich mit „Unorthodox“ auf Netflix anfing. Ich weiß nicht, ob die Aufnahmen im Williamsburg geschönt sind. Ich war ja nur in dem ultra orthodoxen Viertel in Jerusalem und kann sagen, dass es mit unserem Verständnis von Sauberkeit nichts zu tun hat. 

<br />

Bei hochsommerlichen Temperaturen mit Strickjacke durch Mea Shearim

Beim Eingang zum Viertel hängen Schilder, dass man es nur in angemessener Kleidung betreten darf. Das hieß für mich und meine Freundin, dass wir uns unsere Strickjacken bei über 30 Grad anzogen, weil die Arme der Frauen bedeckt sein müssen. Hosen sind eigentlich verboten, zum Glück waren Culottes gerade Trend, die sind immerhin weit. Aber streng genommen hätten wir mit unserem Outfit sicher Problem bekommen. In unserem Alter wären wir auch längst verheiratet gewesen, das heißt, wir hätten unsere Haare bedecken müssen (mit Tuch oder Perücke).

Feldmann wurde übrigens mit 16 Jahren verheiratet. Die Serie basiert auf ihrem autobiografischen Roman „Unorthodox“*.

Hält auch in Mea Shearim langsam die Moderne Einzug? Normalerweise sind Kinder Aufgabe der Frauen, Männer studieren die Thora. (Foto: Winderl)

Im Zuge meiner Recherche zu „Unorthodox“ habe ich eine Reportage gesehen, in der ein deutsches Filmteam – bestehend aus zwei Frauen – in Mea Shearim bespuckt und mit Steinen beworfen wurden. Freilich, mein Smartphone, mit dem ich verstohlen die Aufnahmen gemacht habe, war schnell im Ärmel verschwunden. Erst heute wird mir bewusst, dass der Ausflug in diese andere Welt wohl gar nicht so ohne war….

„Modest Clothes“ mehr für Frauen relevant?

Witzig fand ich, dass das Outfit bei Männern offensichtlich keine Rolle spielt – mein Kumpel stapfte mit Sandalen (immerhin ohne weiße Socken) und kurzen Hosen durch das Viertel. (Und dem Jutebeutel unserer Uni, dass wir auch gleich auf den ersten Blick als Deutsche auszumachen waren ;)) Natürlich wären wir immer als Touristen aufgefallen… Schwarzen Anzug, weißes Hemd und Hut hat man auf einer Studienreise ja eher selten dabei 😉

An den Hüten können Experten wohl die einzelnen Religionsgemeinschaften zuordnen. Denn die Satmarern, der Deborah Feldmann angehörte, ist nur eine zahlreicher Gemeinschaften, die die religiösen Regeln besonders streng befolgen; sie werden der chassidischen Bewegung zugeordnet. Die Einhaltung des Sabbats ist nur eine dieser vielen Regeln. Die Satmarer lehnen zum Beispiel den Zionismus ab, deswegen findet man diese nicht in Mea Shearim.

Die Hauptaufgabe orthodoxer Juden ist das Studium der Thora – Frauen sollen Kinder bekommen. Natürlich ist das jetzt stark vereinfacht von mir dargestellt – wie auch die Serie. Ich kann euch nur einladen, wer sich für das Thema interessiert, sich selbst einzulesen. Ich freue mich, dass die Netflix-Serie die Diskussion angestoßen hat!

Impressionen aus Mea Shearim. Am Markt gibt es Persil zu kaufen. Müll wird einfach auf der Straße entsorgt.

Geld verdienen mit Selbstgemachtem: Motive für Lokalpatrioten aus Passau und dem Woid

12 Okt

Spreadshirt Passau

Ok, ein gelbes T-Shirt ist wahrscheinlich nicht jedermanns Fall…. Und man hätte es auch bügeln können… Aber in der Position, mir Models aussuchen zu können, bin ich noch nicht 😉 So jedenfalls sieht meine Stadtteil-Karte aus. (Foto: Winderl)

Vielleicht geht es euch auch so: Ich mache total gerne Geschenke. Wenn sich der Beschenkte freut, freue ich mich fast mehr als wenn ich selbst etwas geschenkt bekomme.

Natürlich mache ich mir Gedanken über das Geschenk, meist sind sie selbstgemacht. Und wenn nicht, ist mindestens eine selbstgemachte Karte dabei. 

Oft passiert es mir dann, dass wenn andere (Gäste) das Geschenk sehen, sie auch gerne etwas Selbstgemachtes von mir hätten. Das brachte mich in ein Dilemma:

Einerseits verschenke ich wirklich gern, aber
1. fehlt mir Zeit, alle möglichen Leute zu beschenken
2. dachte ich mir, wenn meine Sachen anderen gefällt, könnte ich damit vielleicht auch Geld verdienen.

Ich musste jedoch feststellen, dass zwischen ich-lass-mir-Selbstgemachtes-schenken und ich-gebe-Geld-für-Selbstgemachtes-aus, ein riesen Unterschied besteht. Mein Shop bei Dawanda warf jedenfalls keinen großen Gewinn ab.

Stadtteile-Karte von Passau

Zudem habe ich dort physische Produkte angeboten, die ich erst selbst herstellen musste. Das Zeitproblem habe ich damit also nicht gelöst.

Derzeit teste ich Spreadshirt. Dort kann ich eigene Designs anbieten und selbst einen Preis dafür festlegen. Bedrucken kann man dort nicht nur Shirts, sondern auch Jutebeutel, Tassen, Schürzen, Handy-Hüllen… Ich selbst muss nichts produzieren und mich nicht um die Lieferung kümmern. Das ist schon mal klasse!

Da ich immer schon mehr Ideen als Zeit hatte, habe ich festgestellt, dass es relativ wenige bzw. schöne Motive für Lokalpatrioten aus Passau gibt. Deswegen startete ich mit einer Stadtteilkarte meine Karriere bei Spreadshirt. Falls ihr einen anderen Stadtteil wie die bereits angebotenen hervorgehoben haben wollt, nehmt einfach mit mir Kontakt auf. Ich erstelle dann gratis das entsprechende Karten-Design.

Vom-Woid-dahoam-Motiv auch als GIF

Auch für die „Waidler“ unter euch, hab ich mir was einfallen lassen und den Spruch „Vom Woid dahoam“ für euch erstellt. Quasi handmade in Lower Bavaria für Lower Bavaria. Wer weiß, wenn ihr meine Designs mögt (und kauft), vielleicht kann ich meine Ideen auch vor Ort in Shops in Passau verkaufen?

Wenn euch mein Design zusagt, könnt ihr es auch auf Instagram als GIF verwenden. (Dort einfach nach „Passau“ oder „Teresa ohne h“ suchen und dann sollten meine GIFs erscheinen.)


Tut mir nur einen Gefallen: Wenn ihr meine Designs bei Spreadshirt bestellen wollt, tut das bitte direkt über meinen Teresa-ohne-h-Shop bei Spreadshirt. Dort erhalte ich nämlich zusätzlich zu meiner kleinen Designpauschale (etwa 2 Euro), eine Provision für das von dir gekaufte Produkte bei Spreadshirt (anders als über den sog. Markplatz). Das Endprodukt wird deswegen für dich nicht teuerer, aber du hilfst mir, dass sich die Arbeit für mich etwas mehr lohnt.

Kurt-Eisner-Straße für Passau?

1 Jun

Max-Matheis-Straße Passau

Die Max-Matheus-Straße in Passau-Neustift ist wegen der NS-Vergangenheit ihres Namensgebers nicht unumstritten. (Foto: Winderl)

Offensichtlich würde man Max Matheis heute keinen Persilschein mehr ausstellen – und schon gar keine Straße nach ihm benennen. Die Linke Passau wollte das prüfen lassen.

Die Stadt Passau ließ sich Zeit… Viel Zeit. Nach fünf(!) Jahren hakte die Linke nach („Linke hakt im Fall Max Matheis nach“ (Passauer Neue Presse (PNP)/ Lokalteil Passau vom 20.04.19, S. 21). Das Ergebnis: Die Stadt Passau hat eine Prüfung noch nicht vorgenommen. 

Ich schrieb einen Leserbrief, denn der evtl. frei werdende Straßenname inspirierte mich:

Mein Leserbrief (PNP/ Lokalteil Passau vom 08.05.19, S. 24)

„Es stellt sich für mich die Frage, ob alle Persönlichkeiten, nach denen in Passau eine Straße benannt ist, einer kritischen Prüfung Stand hielten. Dennoch finde ich es richtig und wichtig, dass Die Linke bei der Stadt nachtarockt, wie man mit der Max-Matheis-Straße verfahren möchte.
Es kann nämlich nicht sein, dass aus Bequemlichkeit – sicher wäre eine Umbenennung mit Aufwand für die Stadt und nicht zuletzt für die Anwohner verbunden – einfach nichts geschieht! Meines Erachtens könnte die Stadt Passau im Zuge des Zentenariums von 100 Jahre Freistaat und Attentat auf seinen Gründer hier einen Coup landen: Nach Kurt Eisner sind in ganz Bayern nur zwei Straßen benannt. Mit der Umbenennung der Max-Matheis- in Kurt-Eisner-Straße könnte die Stadt Passau ein Statement für Demokratie setzen.
Schließlich hat der Eisner-Attentäter in der Altstadt die Schulbank gedrückt und das Notabitur erworben. Hat man das in der Stadt bis dato richtig aufgearbeitet?
Auch thematisch würde sich der erste bayerische Ministerpräsident in die Riege verdienter Bayern meines Erachtens gut einordnen, nach denen die Straßen im Neustifter Umfeld benannt sind. Denn auch wenn Eisner gebürtiger Berliner war, starb er als überzeugter Wahl-Bayer – seine Eltern übrigens in der Passauer Straße in Berlin. Wenn Straßennamen sprechen könnten…“

Reaktion auf meinen Leserbrief

Kurt Eisner Platz München

Aktivisten um Aktionskünstler Wolfram P. Kastner benennen zum Jahrestag des Attentats den Marienhof in München seit einigen Jahren in Kurt-Eisner-Platz um. (Foto: Winderl)

Ist es nicht schön, wenn der eigene Leserbrief andere Leser zum Schreiben bringt?
Einige Tage später (PNP/ Lokalteil vom 16.05.19, S. 21) erschien ein Leserbrief von Alois Zechmann, der sich auf denselben Artikel bezog und ebenfalls für eine Kurt-Eisner-Straße in Passau plädierte, er schreibt: „Es ist eine große Schande, dass in ganz Bayern meines Wissens nur in München eine Straße nach Kurt Eisner, dem Begründer des Freistaats benannt ist.“

Das ist zwar so nicht so ganz richtig: Denn seit 2018 gibt es in Erlangen einen Platz in der Nähe des Rathauses, der im Zuge des Freistaat-Jubiläums nach Eisner benannt wurde. Aber ein Platz ist keine Straße. Und so bin ich, wie Alois Zechmann gespannt, welcher Stadtrat sich traut, einen entsprechenden Antrag in Passau einzubringen.

Marienhof in München soll Kurt-Eisner-Platz werden

Übrigens: In München wünschen sich Eisner-Fans eine Umbenennung des Marienhofs in Kurt-Eisner-Platz. Dieser prominente Platz befindet sich direkt neben dem Marienplatz, aber hat keine Anwohner. Eine Umbenennung würde also relativ wenig kosten.

Da bei Straßenbennungen der Grundsatz der Gleichwertigkeit berücksichtigt werden sollte, d. h. nach bedeutenden Personen sollten wichtige Straßen benannt werden, wäre der Marienhof im Herzen Münchens ideal! Denn die Kurt-Eisner-Straße befindet sich in Neuperlach. 1969, zum Zeitpunkt der Benennung, war dies noch ein sozialer Brennpunkt; doch nicht einmal dort wollte man dem ersten bayerischen Ministerpräsidenten einen Straße gönnen. Als Gegenargument wurde u. a. eingebracht, dass dies die Witwe – Achtung – des Attentäters beleidigen würde. Eisners Witwe hatte sich übrigens bereits 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Frankreich das Leben genommen.

Weitere Blogposts zum Thema „Kurt Eisner“: